Begrüßung Avischeu dem fftfnig und dem Fürsten überreichten der Bürgermeister und die Spitzen der Behörden dem König Brot und Salz. Vvm Quai bis -um PcttaiS bildeten Truppen Spalier. Heute nachmittag berichtigte der König das Krre g erden km al und besuchte die Kasernen. Tann sand ein Empfang des diplomatischen Korps statt Abends findet Galatafel statt.
Konstantinopel, 11. Nov. Die italienische Regierung gab der Pforte ein Zeichen ihrer friedlichen Dispositionen, indem sie die Ausführungen der Bedingungen des Ultimatums, das heute abläuft, um einen Monat verlängert Tas italienische Geschwader verbleibt aber bis dahin an der Küste Arabiens. Die Türkei scheint bereit zu sein, die italienische Flagge für Fahrzeuge bet Ery- thraa anzuerkeunen, was ste bisher verweigerte. Aus der hohen Pforte war gestern die Auffassung der Lage optimistischer, und man erklärt, daß der italienische Zwischenfall vollkommen geregelt set
Newyork, 1L Nov. An Telegramm des „Newyork- Herald" aus Lapaz meldet: Tie Regierung verhängte in der ganzen Republik B o l i v i a den Belagerungszustand. Es herrsche große Erregung infolge der Plötzlichkeit, mit der die Maßnahme erfolgte. Ueebr die Ursache derselben sei nichts bekannt, doch seien zwei Gerüchte darüber im Umlauf. Nach dem einen sollen die Bolivanier auf dem Gebiet von Acre völlig geschlagen sein, ein anderes Gerücht behauptet, es ständen 2000 Peruaner an der Grenze nahe beim Madrededios-Flusse.
Höerhesstscher Irrem für innere Wtsstorr.
W. Gießen, 11. November. II.
Die am Dienstag, den 11. November, stattgefundene Jahresversammlung mußte in der JohanneSkirche abgehalten werden, da der Konfinnandensaal die Zahl der von nah und fern Erschienenen nicht fassen konnte. DaS Verdienst dafür gebührt Herrn Hofprediger Stöcker, dessen bedeutende Persönlichkeit ihre alte Anziehungskraft bewährt hatte. Schon rein körperlich war es für den nun bald 70jährigen Mann, der seit 25 Jahren im aufreibenden Kampfe des öffentlichen Lebens steht, eine stattliche Leistung, am Montag Abend nach den Reichstagsoerhandlungen die Nacht durch hierher zu fahren und nach beendigtem Vortrag sofort wieder nach Berlin zurückzukehren. Trotz der großen Strapazen hielt er, nachdem die Jahresversammlung durch den Vereinsgeistlichen, Pfarrer Braeß von Darmstadt, mit einer Morgenandacht eingeleitet war, ohne eine Spur von Ermüdung zu verraten, seinen Vortrag über „Modernsten Aberglauben", oder, wie er das Thema genauer faßte, über: „Spiritismus und Scientismus, als Erscheinungen eines falschen Supranaturalismus". An sich, so führte der Redner aus, seien diese Erscheinungen ein erfreulicher Rückschlag gegen den noch vor 20 Jahren unter uns herrschenden Materialismus, und ein Zeichen, daß das unvertilgbare Gemütsbedürfnis des Menschen nach einer unsichtbaren Welt und einem Jenseits wieder im Wachsen begriffen sei. Nichtsdestoweniger hätten sie in Berlin den ernstesten Kampf dagegen zu führen, und es sei Pflicht der Christen, der Kirche, diesen Dingen mehr Aufmerksamkett zu schenken. Denn Spirittsmus und ScientismuL seien nicht nur sehr weit verbreitet — in Berlin allein gebe es 80» bis 90 000 Spiritisten und etwa 400 Medien, in Amerika Millionen — sondern sie erheben auch den Anspruch, eine neue höhere Stufe der Religion, eine Stufe, auf der man wisse, statt nur zu glauben, zu sein, oder, was noch gefährlicher sei, sie bieten sich im Gewand christlicher Frömmigkeit als eine Stütze christlichen Glaubens an und führen dadurch wieder irre. Was die Thatsachen anlange, auf die sich beide stützen, so sei gewiß nicht weniges auf Schwindel und Betrug zurückzuführen. Werden doch die meisten Medien ftüher oder später entlarvt, so wie jetzt das berühmte Blumenmedium Anna Rothe. Aber eS sei nicht zu bezweifeln, daß eine ganze Reihe von Thatsachen nicht wegzulegnen sei, und daß sich hier em dunkles Gebiet von unS noch unbekannten Mächten und Kräften enthülle. Solche Thatsachen giebt es 1. auf dem Gebiete des menschlichen Geisteslebens, 2. auf dem der materiellen Dinge, 3. auf dem der Geister und Geistererscheinungen. Redner gab aus seiner eigenen Kenntnis eine Reihe interessanter Beispiele, namentlich aus dem Gebiet des menschlichen Geisteslebens, z. B. Proben von Gedichten von Hedwig Collier, der Frau eines Gymnasialprofessors, die im Drucke erschienen sind. Diese Gedichte sind im Zustande des „Trans", wie die Spiritisten es nennen, geschrieben, voll schöner Gedanken und vielfach in edler Form, während die Verfasierin im gewöhnlichen Geisteszustand nie dichtet. Auch die auf dem Gebiet der materiellen Dinge beobachteten Erscheinungen der Bewegung von schweren Körpern seien nicht ohne weiteres alle ins Gebiet des Schwindels zu verweisen, da sie teilweise von zu urteilsfähigen Männern berichtet seien. Am schwächsten stehe es mit den eigentlichen Geistererscheinungen. Was die „Geister" offenbarten, sei samt und sonders, teils weder neu, teils so sinnlos und unbedeutend, daß nichts nötige, es für etwas anderes zu halten, als für Aeußerungen des Geisteslebens der Medien selbst. Hypnose und Suggestion spiele bei dem allen eine große Rolle. Christentum, christlicher Glaube und christliche Sittlichkeit hätten davon nichts zu erwarten. Dagegen sollten diese Dinge von den Männern der Wiffenschast nicht so geringschätzig beifeite geschoben, sondern sorgfältig beobachtet und geprüft werden, da hier mindestens ein Gebiet voll dunkler Kräfte liege, das der Aufhebung bedürftig sei. Den Scientismus war Redner geneigt, besonders auf Grund der Enthüllungen eines Bostoner Arztes, von denen eine Übersetzung jetzt in der Zeitung „das Volk" erscheine, als bloßen Geschäftsschwindel zu beurteilen. Thatsächlich werde damit ein ungeheures Geschäft gemacht. DaS Buch der Miß Eddy, jener amerikanischen Dame, die die Erfinderin des ScienttLmuS ist, und die von chren Anhängern als das weibliche Gegensttick zu Jesus, als der Heiland deS Westens, wohl gar als Gegenstück zu Gott „dem Vater" als „Muttergott" gefeiert werde, sei schon in der 204. Auflage erschienen, obwohl es 20 Mark koste. Die zur Erlernimg des „GesundbetenS" gehaltenen Kurse von 7 Stunden iverden mit 300 Dollar bezahlt. In den scienttstischen Sanatorien lägen die Kranken wachen- und monatelang und zahlten schweres Geld. Es sei auch da nicht zu leugnen, daß einzelne Kranke geheilt werden. Aber das seien lauter Fälle, die durch Suggestion zu erklären seien. Von den vielen Fällen, in denen der Scientismus sich ohnmacblig eriviesen habe,
chrveige man natürlich. Mit den Verheißungen, die Jesus dem gläubigen Gebet gegeben, habe biefi Treiben gar nichts zu thun. Dabei handle es sich um Gottesthaten, mit denen ich Gott zu dem Gebet der Seinen bekenne, wenn er es ür heilsam hätt, und der fromme Christ stelle alles erge- rungsooll in Gottes Willen, während die Scientisten auf Grund ihrer verkehrten Theorien über das Verhältnis von Leib und Seele die Gesundheit erzwingen zu können meinen. Jedenfalls ei der Erfolg, den Spiritismus und Scienttsmus unter den Kindern unserer Zett haben, ein Zeichen, daß hier Be- dürfniffe vorliegen, die ihre Befriedigung begehren. Man müsse die Zeichen der Zett erkennen und ihnen mit den Kräften der Ewigkeit begegnen. In der sich anschließenden Besprechung wurde mit Hinweis auf selbsterlebte Vorkomm- niffe, z. B. die rätselhaften Vorgänge in Babenhausen, die . Z. so viel von sich reden machten, betont, daß hier in der That ein dunkles Gebiet vorliege, das der Aufklärung durch die Wiffenschast bedürftig sei, aber auch eine ernste Gefahr, vor der zu warnen sei. Es sei für einen Christenmenschen, der nichts kraft seines Berufes damit zu thun hatte, nicht geraten, sich vorwitzig mit diesen dunklen Dingen zu beschäftigen, und er sollte wissen, daß die Erfahrungen der Gotteskraft, die einen Menschen stark machen, sich unter meder- beugenden Schicksalsschlägen, Krankheit und Tod, im Vertrauen auf Gott den getrosten Lebensmut zu erhallen, viel wertvoller seien, als alle Erfahrungen wunderbarer HUfe. Auf Antrag des Herrn Dttektors D. Weiffenbach wurden diese Gedanken in eine Resolution zusammengefaßt, die, da ihre Fassung dem Vorstände überlasten wurde, erst später mitgeteilt werden kann. — Schließlich erstattete noch der Schriftführer, Pfarrer Schlosser, den Jahresbericht, der auf die große Regsamkeit, die in Oberhesten auf dem Gebiet der Arbeit der inneren Mission herrscht, besonders auf die gesegnete Landkrankenpflege und die Erziehungsvereine Hinweisen konnte.
Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden folgende Herren wiedergewählt: Profestor D. Stamm, Landgerichtsrat Dornseiff, E. Kauffmann, G. Windecker, Pfarrer Schlosser, amtlich in Gießen, Stiftsdechant Klingelhöffer, Stiftspfarrer Weber in Lich, Fabrikant Römheld zu Friedrichshütte, Oberamtsrichter Wahl in Schlitz, und an Stelle der beiden verstorbenen Mitglieder: Kirchenrat Pullmann in Grünberg und Dekan a. D. Wahl zu Hausen, sowie des zurückgetretenen Dr. Vogel zu Laubach, die Herren Kirchenrat Meyer zu Friedberg, Dekan Strack zu Leihgestern und Freiherr von Leonhardi zu Groß-Karben.
Aus Stadt und Saud.
Gießen, 12. November 1902.
— Gefährdung von Eisenbahnzügen au Station Beienheim. Zu unserer Notiz mit vorstehender Spitzmarke in Nr. 262 wird uns von der Großh. Betr. Inspektion 2 geschrieben: „Die auf Station Beienheim in der Richtung von Nidda und Hungen ankommenden Personenzüge laufen je auf besonderen Gleisen ein. Am fraglichen Tage hatte der Zug von Nidda eine kleine Verspätung und traf anstatt 10.26 Uhr vormittags erst 10.35 Uhr in Beienheim ein; der von Hungen ankommende Zug war dagegen etwas zu früh und kam anstatt 10.38 Uhr fast gleichzeitig mit dem Niddaer Zug vor der Station an. Da auf Stationen eingleisiger Bahnstrecken die gleichzeitige Einfahrt mehrerer Züge vermieden werden soll, um das Publikum beim Ein- und Aussteigen, besonders beim Ueberschretten der Gleise und Bahnsteige, nicht zu gefährden, hat der diensthabende Stationsbeamte den etwas später einlaufenden Zug von Hungen, noch ehe derselbe den Bahnsteig erreichte, gestellt und zu diesem Zwecke dem Lokomotivführer das ent- sprechende Zeichen mit der roten Fahne gegeben. Eine Gefährdung der zwei Personenzuge durch eine Flankenfahrt oder dergleichen lag durchaus nicht vor, da, wie schon bemerkt, die Züge auf gesonderten Gleisen einfahren und diese Fahrsttaßen richtig gelegt waren."
** Lehrer-Konferenz. Gestern vormittag wurde im Cafs Ebel die diesjährige Herbstkonferenz des Bezirks Gießen-Großenlinden unter recht lebhafter Beteiligung abgehalten. Nachdem der Vorsitzende, Kreisschulinspektor Prof. Tr. Lucius, die Erschienenen bewillkommnet hatte, machte er verschiedene Mitteilungen über teils neu erschienene teils neu edierte Unterrichts- bezw. Nachschlagewerke, die er zur Anschaffung und Benutzung empfahl. Daraus gab er der Konferenz bekannt, baß infolge der Neuorganisation der hiesigen Volksschulverhältnisse und des rapiden Wachstums der an derselben thätigen Lehrkräfte, auch zwecks besserer Uebersichtlichkett bei der Leitung der Bezirkskonserenzen es geboten erscheine, das Lehrpersonal der Stadtschulen von diesen auszuschalten, zumal der dort verhandelte Stoss mehr den Interessen der Landschule ctts denjenigen der Stadtschule diene. Auch mürben in der letzteren eine größere Anzahl von Spezialkonserenzen jährlich abgehalten, und fei daher Gelegenheit gegeben, die Interessen derselben in genügender Weise zu ordern. Tcmzusolge brauchen also die Lehrer der städti- chen Schulen ine bisher gemeinsamen Konferenzen nicht mehr zu besuchen. Hiernach erhielt das Wort zu seinem Referate Lehrer Eß aus Klein-Linden. Der Vortrag be- handette das Thema Hausaufgaben" in sachlicher und eingehender Weise. Ter Referent wirft zuerst die Frage auf: „Welche Hausaufgaben sind zu geben, und welche nicht?" Nur solche Hausaufgaben sind zu geben, die in der Schule bis zur völligeii Klarhett vorbereitet sind, und innerhalb des Gesichtskreises der Schüler liegen, daher von diesen auch ohne sonderliche Sck)wierigketten und ohne Bechllfe anderer gelöst werden können. Die rechte Art des Haus- aufgabenmaterials wirke gleich unterrichtlich und erzieherisch wohlthätig, und lege, bei ordnungsmäßiger Anferti- gung, einen guten Grund fürs spätere Leben. Zu vermeiden seien jedenfalls Hausaufgaben, die dem Kinde unverständlich seien, und es dazu verleiteten, zu befriebi- genber Lösung die Hilfe anderer, namentlich der Ellern, in Anspruch zu nehmen. Tas führe zu Mißmut unb zur Unselbständigkeit, zu Lug und Betrug, und vereitele die Vorteile, die die häuslichen Arbctten zu bringen bestimmt seien. Bei der sich anschließenden zum Tett recht launigen Diskussion fehlte es zwar an mancherlei Einwürfen gegen einzelne Ausführungen des Referenten nicht; sie vermochten im großen unb ganzen jedoch nicht die ausgestellt ten Leitsätze zu erschüttern, vielmehr erhielten dieselben die ^ufnmmuug oer Konferenz. Nachdem der Vorsitzende noch einige wettere Mitteilungen bekannt gegeben haue, wurde
der offizielle Teil der Konferenz geschloffen. Sn ein* äches Mittagsmahl vereinigte den größten Teil der Lvn- erenzmitglieber noch auf einige stunden.
** Ter Verband deutscher Post- und Tele* graphen-Asfistenten läßt zur Zett statistische Ermittelungen anstellen über den Personalbestand der Mitglieder, die Zahl der in den letzten zehn Jahren vov- zekommenen Brandschäden, die Höhe der gezahlten Ent- chädigungen. Die Ermittelungen sollen als Grundlage bienen für bat wetteren Ausbau der bereits bestehenden Sterbekasse unb bie amtliche Grünbung einer eigenen Berbanbs-Feuer-Versicherungskasse. Auf bem Lstbeutschen Verbandstage, welcher vor kurzem abgehatten würbe, betonten die verschiedenen Delegierten, daß es nunmehr in erster Linie Aufgabe des Verbands fein müsse, bie wirtschaftlichen bezw. geschäftlichen Unternehmungen, Warenhäuser, Kasino usw. abzustoßen, weil berartige Geschäftsunternehmen aus mancherlei Grünben sich als nicht geeignet erwiesen haben für bie gefunbe Entwickelikng be£ Verbanbes. Ter Bezirksverein Darmstabt, dem bie im Großherzogtum Hessen beschäftigten Verbänbler zugetettt sinb, hielt seinen zweiten diesjährigen Verbandstag am vergangenen Sonntag in O ffenbach ab.
-DaS Einfrieren der Hauswasserleitungen. Wir machen auf die im heutigen Blatte enthaltene Bekanntmachung des Städt. Gas- und Wasterwerks, betr. „Vorkehrungen gegen das Einfrieren der Haus- Wasserleitungen" besonders aufmerksam. Es dürfte sich hiernach empfehlen, daß die betr. Hausbesitzer oder deren beauftragte Vertreter, Hausverwalter rc., dahm Fürsorge treffen, daß möglichst eine bestimmte Persönlichkeit mit der Bedienung der Hauswasserleitung betraut wird. — Besondere Aufmerksamkeit erfordern erfahrungsgemäß diejenigen Häuser, wie z. B. Neubauten, welche z. Z. nicht in allen Stockwerken bewohnt sind, sowie besonders abgezweigte Oanen- leitungen, Waschküchenlettungen, provisorische Bauwasterlett- ungen rc. Es empfiehlt sich ferner, die heute abgedruckte Anleitung des Städtischen Gas- und Wasterwerks aufzubewahren.
v. Krofdorf, 11. Nov. Wenn Martini, 11. Novem* ber, gekommen ist, dann ist der Haupttermin für die Aufgaben der Landleute herbeigekommen. Zwar müffen die Beträge für Brenn- und Nutzholz schon im Oktober bei der hiesigen König!. Forsttaste entrichtet werden, allein die Holzgelder bei der Gememdekaste sind erst mit Martini fällig. Auch die Acker- und Wicsengelder, oder die Kauf- und Pachtgelder sind mit dem heutigen Tage fällig geworden, dazu kommen noch die Zahlungen für gesteigertes Heu- und Grummetgras, für Obst u. s. f. In schlechten Erntejahren hat der Landmann seine Mühe und Not, alle diese Kaufgelder dis 3um Martinttage herbeizuschaffen. Aber solch reich gesegnete Jahrgänge wie der vor- und diesjährige, machen eS dem Landmann leicht, allen seinen Verpflichtungen am Mattini- tag nachzukommen.
)( Friedberg, 11. Nov. Vergangenen Montag feierte bie Evangelische Vereinigung Frieboerg (Ev. Bunb) im hiesigen Saalbau ihren 19. Lutheraben d- Eingelettet würbe bie Feier durch einen Chor der Seminaristen unb eine warme Begrüßungsansprache seitens des Vorsitzenden Direktor D. Weisfenbach. Daraus hielt der Festredner Professor D Drews-Gießen denselben Borlraa über bas Thema: „Tas Tragische im Leben Luthers" (den er in Darmstadt tags zuvor gehatten hatte, unb über den wir am Montag in unserem „Darmstäbter Brief" berichtet hatten. D Reb.) Der Vortrag, ber auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machte, wurde mtt reichem Beifall aufgenommen, dem Direktor D. Weif send ach auch offiziell Ausdruck verlieh. Für den geselligen Tett des Abends war durchs Gesangs- und Musikvorträge bestens gesorgt.
Nidda, 10. Nov. Bei den heutigen Kon troll» Versammlungen ist es wieder zu recht wüsten Ausschreitungen gekommen. Nicht genug damit, daß eS schon in den Wirtschaften in der Stadt zu Reibereien zwischen den Reservisten kam, entwickelte sich zuletzt noch eine erhebliche Schlägerei vor der Stadt, die den Beteiligten recht unangenehme Folgen bringen wird. Mehrere von Bobenhausen gebürtige Reserveleute überfielen den nach HauS zurückkehrenden Verwalter des Dauernheimer HofeS vor der Stadt und richteten denselben mtt Mestern und Stöcken derart übel zu, daß der Verletzte nicht im Stande war, seinen Weg fortzusetzen. Wie man hört, sollen dem Verletzten bei diesem UcbcrfaQ außerdem 30 Mark geraubt worden fein.
Darmstadt, 11. 91od. Wie bie „9t H. V." erfahren, machte in der Dragonerkaserne am Marienplatz ein Rekrut durch Erhängen feinem Leben ein Ende. — Am Sonntag starb hochbetagt nach kurzem Krankenlager der Pfarrer zu Altheim, Kirchenrat Fey. Derselbe feierte vor nicht langer Zeit fein 50 jähr. Jubiläum und erfreute sich in ferner Gemeinde der größten Beliebtheit.
Mainz, 11. Nov. Unter den Klängen des Narhalla* Marsches wurde heute Abend in der Stadthalle bei zahlreichem Besuche die Generalversammlung des Karnevalvereins abgehalten. Tie Abrechnung des Schatzmeisters wies einen Ueberschuß von 5825 Mk. auf. Für Wohlthätig- kettszwecke hat das Komitee 1000 Mk. verwendet Der Kappenverkauf brachte 12 926 Mk., die Maskenbälle 19 303 Mack ein. Es wurden 22 Wahlmänner gewählt, die später das Elfer-Komitee für die kommende Saison zu bestimmen haben.
Worms, 11. November. Tas chemische Unter* suchungsamt hat sehr zahlreiche Untersuchungen deS neuen Weines aus sämtlichen Wembau tteibenden Orten des Kreises Worms und benachbarter Kreise oorgenommen. Nach dem soeben veröffentlichten Resultat schwanken die Rio st gewichte zwischen 60 und 90° und die Säure zwischen 8 und 18 pro Mille. Was „den Neuen" aber aus zeichne und über feinen Vorgänger bedeutend erhebe, sei eine rasche und glatt e Gährung, ohne bie Störungen, die im Vorjahre im Gefolge ber stacken Traubenfäule vielfach zur Beobachtung kamen. „Wird der 1902er", heißt es am Schluffe der Veröffentlichung, „richtig behandett, dann wird er em sehr brauchbarer und guter, rassiger Wein werden, wett beffer als man vor Wochen geglaubt hat"
Gerichtssaal.
s Gießen, 11. Nov. Strafkammer. Ten Vorsitz führte Landgericht Sdttektor Dr. GüngeriH. Dce Anklage-


