Ausgabe 
12.11.1902 Zweites Blatt
 
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Martini, 11. Novem. ttermin für die Aus. >en. Zwar müssen die t im Oktober bei der eben, allein die Holz, t mit Martini fällig, die Kauf- und Pacht. Lllig geworden, baju >ertes Heu- und ®wr> n Erntejahren hat k diese Kaufgel^ W er solch reich g^N cige, machen s dem htungen amÄntini.

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i heutigen Kontroll» recht wüsten Aus- ,ug damit, da« es schon Reibereien gl noch eine erhebliche heiligten recht unange- > von Bobenhausen ge- >Haus zurückkehrenden c bei Stadt und rch u derart übel zu, d°S men Weg lortzusetzeii. * d.chm Hoben««

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Telephonischer Kursbericht«

Frankfurt a. H., 12. November 1902.

378% Reichsanleihe . . 101.95

3% do. ... 91.85

37,0/0 Konsole . .. . 101.85

3% do......91.60

372% Hessen .... 100.30 3% Oberhessen . . . 99.80

4% Oesterr. Goldrente . . 103.10 473% Oesterr. Silberrente 101L5 4% Ungar. Goldrente, . . 101.70 40/0 Italien. Rente . . . 103.00 47,96 Portugiesen . . . 50.10 3°/ Portugiesen. .... 31.40 \% C. Türken .... Türkenlose......123.20

4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.40 47,96 äussere Argentiner.

8% Mexikaner .... 25.46 47r7o Chinesen .... 92.75 Electric. Schocker! ... 84.00 Nordd. Lloyd . . . . 95J?5

Kreditaktien ..... 210.80 Diskonto-Kommandii, . . 187.00 Darmstädter Bank . . . 187.40 Dresdener Bank .... 141.60 Berliner Handelsges. . . 155.30 Oesterr. Staatabahn , . . 149.70 Lombarden . 18.90 Gotthardbahn.....179.00

Laurahütte......197.70

Bochum ....... 164.60 Harpener......1664)0

Tendenr: schwach.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Garteustratze 2 (Bürgermeiftereigebäude) Zimmer Nr. 14, Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln.

An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bis 6 Uhr geöffnet.

Angebot der Arbeitnehmer: 1 Goldarbeiter, 1 Küfer für Keller- und Holzarbeit, 1 Sattler und Polsterer, 2 Wagner, 1 Bau- und Möbelschreiner, 2 Schuhmacher, 11 Hausburschen, 6 Tag­löhner, 1 Schweizer, 2 Kutscher, 4 Knechte, 3 Fuhrknechte, 3 Kellner, 1 Aushilfskellner, 1 Büreaudiener, 2 Dienstmädchen, 3 Laus­frauen, 2 Laufmädchen, 2 Wäscherinnen, 1 Nähterin, 1 Büglern^ 1 Schreibgehilfe.

Nachfrage der Arbeitgeber: 1 lediger Herrschastskutscher, 1 verheirateter Herrschastskutscher, 5 Knechte auf Weihnachten, 2 Pferdeknechte, 3 landwirtschaftliche Mägde, 2 Zimmermädchen, 9 Dienstmädchen.

Lehrlinge: 1 Schneider, 2 Bäcker.

fiel heute der Vertagung.

Augsburg, 11. Nov. Wegen Beleidigung einer Kellnerin zu sechs Monaten Gefängnis verur- tteilte die Strafkammer 1 den 43 Jahre alten verheirateten Kaufmann Heinrich Merz. Merz lernte im Frühjahr 1901 eine junge Kellnerin kennen, die seine Versicherungen, daß ec ein reicher Witwer sei und sie heiraten wolle, für bare Münze nahm. Er schrieb ihr eine Reihe von Briefen, worin ec von seinem Hause in München, einer Villa in Schwab­münchen, einer eigenen Equipage und einem Vermögen von 5400 000 Mark spricht. Tie Verlesung dieser Briefe vor Ge­richt erregte laute Heiterkeit, eine andere Reche von Briefen ans dem Frühjahr dieses Jahres rief aber ebenso laute Dntrüstungsrufe hervor. Ter Verkehr desreichen Wit­wers" mit dem Mädchen war nämlich nicht ohne Folgen zeblieben, und sie ließ ihm dies anfangs März mitteilen, nachdem sie seinen wahren Namen und seine Wohnung in Erfahrung gebracht hatte. Um sie abzuschütteln, ließ st ihr mit einer Beleidigungsklage drohen, wenn sie noch Ferner behaupte, daß er der Vater sei, zugleich wurde uhr ein Schriftstück zur Unterschrift übersandt, worin sie ihre Aussagen in dieser Richtung widerrufen sollte. Tas geschah nicht, wohl aber suchte ihre Schwester den Merz in dessen Wohnung auf, und nun schrieb ihr dieser einen Brief. Er bezeichnet sie darin als gemein, ehrlos und ton niederer Gesinnung. Cynisch setzte er hinzu, daß bei iihm nichts zu holen sei, das Haus gehöre seiner Frau, rnd er habe nichts als sechs Kinder und gepfändete Möbel. Zür den Angeklagten ist es sehr fatal, daß er schon vor acht Jahren eine ganz gleiche Affaire vor Gmcht. hatte; er hatte in jenem Verfahren auch die Vaterschaft bestritten, mit den gleichen Drohungen, operiert und einen darauf Rezüglichen Eid geleistet. Tiefer wurde als falsch nachge- wiesen, und Merz erhielt zwei Jahre Zuchthaus. Auch heute teilte das Zeugenverhör über jeden Zweifel fest, daß Merz ias Mädchen ohne Grund verdächtigt habe. Bei der großen oöemeinhert, welche er durch seine Handlungsweife an den Tag gelegt hat, und der Schwere der Beleidigungen lautete Las Urteil aus sechs Monate Gefängnis. Auch wurde Merz sofort verhaftet.

Arbeiterbewegung.

Bom frauzösischeu Ausstand. In den Kohlengruben von St. Florentine hat kem einziger Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen. Tie Arbeitswütigen wurden an der Wiederaufnahme der Arbeit gewaltsam verhindert. Die Bergar­beiter von Garda-Faveau erklärten in einer Versammlung, daß die Zugeständniffe der Grubengesellschaften unzureichend seren und insolgedessen der Aus st and fortgesetzt werden müsse. Im Nord-DepartemeM hat sich die Lage etwas günsttger gestaltet. Von den Behörden sind die notwendigen Maßregeln zur Siche­rung der Arbeitsfreiheit getroffen worden. In D e n a i n wurde die Arbeit wieder ausgenommen. Die letzte Nacht verlies im Bassin Pas de Calais ruhig. Es wird auch von dort eine starke Wiederausnahme der Arbeit gemeldet.

Dünkirchen, LL November. Zwei Abteilungen Vor­arbeiter sind in den Aus stand getreten, infolge der Ent­lassung eines Arbeiters. Für morgen ist ein G e s a m t a u s - stand der Kohlenauslader, welche Lohnerhöhung sür das Ausladen englischer Kohle fordern, in Erwägung gezogen.

öffnuno des mit dem Neuen Fürstlichen Theater verbundenen großen Konzertsaales. Die Feierlichkeit wurde durch ein wirklich künst­lerisches Festkonzert, an dem nur die hervorragendsten Musik- Virtuosen unter der Oberleitung des Geraer Hoikapellmeisters Klee- mann mitwirkten, begangen. Der neue Konzertsaal faßt zirka 1250 Personen. Die Musikbühne stt stufensornng angelegt und sür 300 Musiker berechnet.

Kunst und Wissenschaft.

Einweihung des neuen Kouzertsaales in Gera. Nach- B'.m am 18. Oktober die festliche Einweihung und Eröffnung des neuerbauten Fürstlichen Theaters in Gera slattslfand, erfolgte am Montag daselbst zur Ehrung des Geburtstags des regierenden Erb- pnnzen von Reuß j. L., Heinrich XXVIL, die Uebergabe und Er-

Gisenbahn-Zeitung.

Eine Dynamitgeschichte. Einer Meldung des Mahnst. Tgbll" zufolge sollte nach einem Schreiben an die Eisenbahnbrrek- hort Köln in ihrem Bezirk ein Dynamitattentat auf die Eisenbahn geplant sein. Die Franksurler Zeitung hat festgestellt, daß in der That die Kölner Direktion ein derartiges Schreiben er­halten hat. Obgleich die Behörden nicht ernstlich an ein solches Attentat glauben, sondern der Meinung sind, daß jener Drohung ein recht übler Scherz zu Grunde liegt, hat man ' doch die benachbarten Direktionen verständigt. Die Bewachung der Strecken ist bedeutend verschärft worden. Für das Publikum liegt kein Grund zur Beunruhigug vor, denn einmal haben die Eisenbahnbehörden umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen und bann verhält es sich höchstwahrscheinlich hier, wie saft bet allen Attentaten, die im Voraus augekündigt werden: sie kommen nicht zur Ausführung, well kein Attentäter da ist. Der Autor jenes Schreckens aber bekommt sicherlich einen ordentlichen Denk- zettel, wenn man ihn erwischt.

Neueste Meldungen. Origirraldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger.

Frankfurt a. M., 12. Nov. Gestern mittag stürztet ein 21 jähriger Dachdecker in der Linbenstraße von einem Hause herab und erlitt schwere Verletzungen. Gestern abend erlag er seinen Verletzungen.

Bingen, 12. Nov. Ter Lokomotivführer NennrnnM wurde von einer Lokomotive ersaßt und getötet. t

Biebelsheim, 12. Nov. Ter 54jährige Larwwtrt Grüß, dessen 53jährige Ehefrau, deren 28jährige Achter und ein Kinb von 3y2 Jahren wurden in eurem Kell«^ in dem sich gärender Most befand, betäubt. Alle vier wurden bald darauf tot im Keller aufgefunden.. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos.

Berlin, 12. Nov. Seitens der sozraldemorratischen Fraktion ist eine Reihe Abänderungsanträge zum Antrag Aichbichler vorbereitet worden. Die Form des Amendements ist gewählt worden, um zu verhindern, daß auf Grund des § 53 Uebergang zur einfachen Tagesordnung von der Majorität beschlossen wird.

Dresden, 12. Nov. Der Mus ik-Kritiker derDrrSd. Nachr.", Profeffor Starcke, wurde gestern abend von einem Unbekannten mit einem Stocke in feiner Wohnung thätlich angegriffen, konnte fich des Angreifers aber erwehren. An dem Ueberfaü hat anscheinend die abfällige Kritik des ersten Versuchs einer jungen Amerikanerin alS Carmen die Veraulaffung gegeben.

München, 12. Nov. Wie die ,M. N N." meldeu,^ wurde gestern aus dem zur Abfahrt nach Garmisch bereitstehenden Bahnpostwagen ein Po st beutel ent­wendet, der Geldbriese mit etwa 25000 Mk. enthielt.. Von dem Thüter.fehlt jede Spur.

London, 12. Nov. Wie verlautet, bildeten die ®a> hältnisse in Transvaal und der Oranjekvlvnie^ auf welche die Bur e n g en er al e Chamberlains Stufmerfc samkeit bei seinem Besuche in Südafrika zu lenken wünsche ferner das Amsterdamer Manifest und das Verhalten den Burengenerale auf chrer internationalen Tour Gegenstand! der gestrigen Verhandlungen Bothas, und Telareys nrit Chamberlain. , _

London, 12. Nov. ^Daily Mail" meldet aus New- York: Gestern wurde das Urteil im Giftmordprozeß Melineux gefällt. Melineux wurde freigesprochen. Das Urteil wurde von den Zuhörern lebhaft begrüßt. Der Angeklagte wurde von der Menge im Triumph fortge- tragen.

London, 12. Nov. Der Minister des Aeußeren Mar­quis Landsdowne hatte gestern eine längere Unter*'.' redung mit Kaiser Wilhelm.

Paris, 12. Nov. Die große Feuersbrunst int Schlosse des Herzogs von Orleans zu Eu ist anscheurend dadurch entstanden, daß ein im Lause des Nachmittags ausgebrochener Kaminbrand nicht genügend gelöscht wurde. Tas Schloß enthielt wertvolle Gemälde und Kunstsachen.

Madrid, 12. Nov. Aus Valdeorras werden große Unruhen gemeldet. Eine Frau und zwei Männer wurden getötet, zwei Personen leicht verletzt. .11 Berhaf« tungen wurden vorgenvmmen.

Petersburg, 12. Nov. In Tiflis wurde die Witwe des Wirkl. Staatsrates v. Tulowski in ihrer Wohnung ermordet. Es wurden für 4000 Rubel Brillanten und andere Wertsachen geraubt. Als des Mordes verdächtig wurde ein fÄiherer Diener der Ermordeten verhaftet.

Washington, 11. Nov. Einem Telegramm des ane* rikanischen Gesandten in Caracas, Bowen, zufolge, hat dir venezolanische Regierung eine Verwaltungsbehörde in Ca­racas eingesetzt. Der Bürgerkrieg ist thatsäMch endet.

Newyork, UL Nov. Präsident Roosevelt hielt bei der Einweihung des neuen Gebäudes der hiesigen Haw delskammer eine Rede. Er führte aus, Amerika habe durch! sein Verhalten gegenüber Cuba und China den Wunsch gezeigt, die schwächeren Mächte in der Lage zu sehen, allein zu stehen und alles zu thun, um ihnen zu Helsen. Mü­den Großmächten wünsche Amerika Frieden und Freund- schafd Amerika würde ein mächtiger Faktor für den Frieden in dem Maße fein, als es beweise, daß feind Haltung nicht auf Unfähigkeü zur Selbstverteidigung, fon^ dem aus achtem Widerwrllen gegen Unrechtthun beruht.! Amerika müsse sich im Stande der Bereitschaft halten, besonders bezüglich der Flotte, nicht weil es Krieg wünsche, sondern weil es sein Wunsch sei, auf Seite derx jenigen zu stehen, deren Eintreten sür den Frieden mit achtungsvoller Aufmerksamkeit gehört worden sei.

Vermischtes.

* Ein unangenehmes Abenteuer ift_unlängst einem jungen Provinzialen in Berlin zugestoßen. Ein Handlungsbeflissener aus Nauen befand sich nachmittags Unter den Linden uno hörte, daß der Kaiser bald vor­überfahren würde. Um den Herrscher gut sehen zu können. Heg der junge Mann auf eine Bank- Nun hat er dre chlechte Angewohnheit, die Hände in die Hosen­taschen zu stecken. Das that er auch jetzt- Als der Karser kam, reckte suh der Jüngling möglichst hock. In diesem Augenblick wurde er von hinten gefaßt, und von seinem erhöhten Standpunkt heruntergeholt. Geheimpolizisten hatten ihn beobachtet und den Verdacht geschöpft, daß er eine Schußwaffe aus der Tasche hervorholen wolle. Unter großem Halloh der Menge wurde er zur Wache be­ordert, von wo man chn dann rasch wieder entließ.

*M o rd im Eisenbahnzug. Aus einem Personen­zuge der Hamburger Eisenbahn wurde ein Passagier aus­gesetzt, der durch vier Schüsse anscheineiid tötlich verletzt war; er wurde ins städtische Krantenhaus geschasst. Ter Verwundete ist der vollkommen erblindete Handels­mann Malaschawski aus Spandau, der in Begleitung seiner Frau nach 9tauen zu fortgesahren war, um seine Waren, Bürsten, Besen und andere Gerätschaften zu vertreiben. Nach Angabe der Frau soll ihr blinder Mann sich selbst unterwegs die Revolverschüsse in ihrem Beisein beigebracht haben, drei Kugeln stecken in der linken Brustseite, eine Kugel in der Stirn. Als Beweggrund der That wird von ihr vermutet, daß der Mann Gerichtskosten bezahlen sollte, wozu er nicht im stände gewesen wäre. Die Milderung des Vorfalles, wie sie von der Frau ausgeht. Hingt sehr unwahrscheinlich. W ist vielmehr nicht ausgeschlossen, daß dem blinden Mann die Verletzungen von einer anderen Person beigebracht seien.

' * Au den Folgen ein er Mensur, die in einer Stadt am Rhein ausgefochten wurde, ich nach einem aus Oesterreich datierten Brief eines jungen Mannes, der der Köln. Volksztg." zur Verfügung gestellt wurde, dessen Bruder gestorben.

" Die Geldaffaire des Prinzen Stanislaus Radziwill, derentwegen ün Frühjahr feine Ver­lob un g mit der Gräfin Chvtek rückgängig ge­macht wurde, dürste eine baldige Aufklärung erfahren: Prinz Radziwill mußte deshalb zurücktreten, weil er andert­halb Millionen Mark Schulden hatte. 92un heißt es, er habe nur 100 000 Kronen ausgenommen, um feine Schulden zu bezahlen und sich vor der Hochzeit ganz zu rangieren. Man ließ chn in Wien zwei Häuser übemehmen, welche so weit über chren Wert belastet waren, daß Prinz Radziwill plötzlich anderthalb Millionen schuldete. Tie Sache soll nun vor das Strafgericht kommen.

* Chalons sur Marne, 1L Nov. Gestern ver­weigerten die S ch ü l e r des hiesigen Stifts Athenaeum denGehorsam. Siebewarfen die Professoren mitBüchern und Tinten fässern undbedrohten sie sogar mit dem Tode. Es wurde Gendarmerie herbei gerufen, um die Schüler zu beruhigen. Das SHst wurde vorläufig geschlossen.

Drieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anftagen bleiben unberücksichtigt.)

H. R. Die Adresse des Reichstagsabg. Prof. Dr, HL«ä ist in Berlin Tiergarten-Hotel, sonst Kiel

Kandel und Verkehr. Kolkswirtschasl

Kasseler Haferkakaofabrik, Kassel. Der Aufsichtsrat hat für das abgelausene Geschäftsjahr eine Dividende von 6 Proz. in Vorschlag gärachl

Helios. In der Versammlung der Obligationäre der Elektrizitätsgesellschaft .Helios" waren Ml 1587 000 3proz., All. 5 893 000 47,proz. und Ml 5 395 500 5proz. Obligationen cmge- meldet bezw. vertreten. , .

Frankfurt, 1L Nov. Die Aktien des Elektrizitäts­werkes Homburg v. d. H. wurden beute an hiesiger Börse zum Kurse von 100 Prozent emgeführt. Auch die 47;proz. Obli­gationen wurden gestern zum ersten Male zu 100 gehandelt.

Die Vaycrische Bodeukredit-Austalt iu Würzburg bringt 25 Millionen 4proz. Hnpothekenpfandbriefe Serie 1215 auf ben Markt, welche an der Münchener und Frankfurter Börse ge­handelt und notiert werden. Die Serien 13 und 15 sind 1909 un= verlosbar, 12 und 14 verlosbar.

Bei der Oberrheinischen Berfichernngs-Gesellschaft in Mannheim gelangten im Oktober aus Einzel-Unfall 384 auf Kollekttv-Unsall 9, auf Haftpflicht 137, auf Einbruchs- und Dieb­stahlsoersicherung 18 Schäden zur Anmeldung.

Gelsenkirchener Gußstahl- und Erseuwerke oorm. Munschew u. Co. Bis zum 14. d. Mts. werden Nil 1.Mill 4'^ proz. a 103 Prozent rückzahlbare hypothekarische Terlschuldver- schreibungen zum Kurse von 100.75 Proz. zuzüglich 47r Prozent Zinsen vom 1. Juli 1902 aufgelegt. Tie Obligationen sind bereits zum Handel unb zur Notiz an der Frankfurter Börse zugelaffen ivorden.

Behörde vertrat Staatsanwalt Reuß. Der vielfach xxn» «bestrafte Taglöhner Mathäus Heberer aus Taubringen ist tes im strafrechtlichem Rückfalle begangenen Betrugs an» Geklagt. Er wird unter Zubilligung mildernder Umstände ai einer Gefängnisstrafe von einem Jahr ver­urteilt. Ter Taglöhner Karl Jung von Butzbach hat 'tinem bei ihm in Miete wohnenden Kutscher, mit dem x seit längerer Zeit in Feindschaft lebt, gelegentlich eines Zusammentreffens auf der Treppe seines Hauses mit einem Resser Uvei Stiche versetzl Tie Behauptung des Ange» zeklagten, daß der Verletzte den Streit angefangen hccke, loirb durch die Beweisaufnahme widerlegl Tas Gericht ;pg das feindselige Verhältnis der Beiden sie hatten roch am Tage vor jdem Vorfall ein Renkoutre die Beur­teilung der Sachlage zu Gunsten des Angellagten in weit- ,zehendern Maße in Rücksicht und erkannte gegen denselben nur aus eine dreimonatliche Gefängnisstrafe. Ter Gehülfe Huhn aus Gießen hat unter der falschen An­gabe, er solle für feinen Vater mehrere Uhren zur Aus­wahl holen, bei einem hiesigen Uhrmacher drei Uhren ber­langt und erhalten und eine davon anderweitig zu ver­kaufen versuchl Tas Schöffengericht Gießen hatte chn von Der Anllage des Betruges freigesprochen,die Sttafkammer verurteilte chn zu einer Woche Gefängnis. Der »Schreiner Friedrich Mohr aus Wiesbaden ist des Diebstahls nm strafrechtlichen Rückfalle beschuldigt. Ter Angeklagte ist »Epileptiker und hochgradig schwachsinnig, weshalb der zu- rgezogene Sachverständige ferne Zurechnungsfähigkeit ver­neint. Tas Gericht schließt sich dieser Auffassung an und spricht den Beschuldigten f r e i. Der Metzgergeselle Her­mann Knaf aus Büdingen ist der Körperverletzung mittelst eines Messers angellagt. Ter Angellagte, der mit mehreren anderen Burschen auf einer Kirchweih in Büches war und in einer dortigen Wirtschaft unanständige Lieder sang, tuurbe von einem anweisenden Gaste auf gefordert, dies zu unterlassen. Trotz der Zurechtweisung sangen die Burschen roeiter, weshalb der Gast auf ihren Tisch und speziell auf ben Angellagten, der sich besonders hervorthat, zuging, offenbar in der Absicht, lo^uschlagen .Noch ehe derselbe den Angellagten berührt hatte, hatte dieser fein Messer gezogen und dem Herangetretenen zwei Stiche versetzt, von enen einer den Kopf mit solcher Gewalt traf, daß die abgebrochene Messerspitze in dem Schädelknochen stecken blieb. Tas Gericht nahm an, daß der Angellagte zwar anfänglich, ail» der Verletzte in feindseliger Absicht auf chn zukam, in Notwehr sich befunden hat,, daß er aber zu seiner Ber- teibigung sich keines Messers hätte bedienen und daß er iinsbesonoere den Gebrauch des Messers nicht hätte fort» setzen dürfen, nachdem der infolge des ersten Stiches zu Boden Gesunkene wieder aufgestanden war. Das' Gericht zog erschwerend die Vorbestraftheit des Angellagten und hie Gefährlichkeit feiner Handlungsweise, die leicht den Tod des Verletzten hätte herbeiführen können, andererseits straf­mildernd in Betracht die Jugend des erst siebzehnjährigen Ängellagten und das anfängliche Vorhandensein einer Not- Niehrhandlung und verurteilte denselben zu einer Ge­fängnis st rafevonsechsMonaten. Tie Berufung des Zieglers Konrad Eyring aus Obermockstadt gegen ein Urteil des Schöffengerichts Nidda, durch welches er wegen Beleidigung zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden mar, wird bei dem Ausbleiben des Angellagten durch sofortiges Urteil koftensällig verworfen.

Berlin, 11. Nov. Der Redakteur Otto Böckler an der _Staatsbürger-Ztg." hatte sich heute vor der 2. Strafkammer des Landgerichts 1 wegen dreier Strafthaten zu verantworten. Ter erste Fall betraf eine Beleidigung des Regierungspräsi­denten Hegel zu Gumbinnen und endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 100 Mark Geldstrafe. Bei der zweiten Strafsache handelte es sich um Verächtlichmachung von Eim uichtungen der jüdischen Religion. Diese Verhandlung ver­fiel der Vertagung, weil ein Mitangeklagter Paul Koch nicht er- chienen war. Bet der brüten Klage Beleidigung des Prof, oer Theologie Hermann L. Strack stellte der Verteidiger Mckler den Antrag, ben Beisitzer, Lanbgerichtsrat Ziehm, als be­fangen abjulehuen, weil bieser bie Frage bes Ritualmorbes als Erledigt hinsteUte, während diese Frage nach Ansicht eines anderen Dichters, des Amtsgerichtsrats v.Podewils, noch absolut offen sei. Der Antrag des Verteidigers wurde aber nach Anhörung des Land- Qerichtsrat Ziehm vom Gerichtshöfe abgelehnt unb hierauf in bie ä-erhanblung selbst eingetreten.

BreSlau, 11. November. Der Prozeß bes Malers Carlo Nöcklin wegen krttrscher Artikel bes Breslauer Prof. Müller ün einer Berlmer Tageszeitung über Arnolb Böcklins Nachlaß Der-