Ausgabe 
12.11.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. S66

Erschein« täglich außer EonnlagS.

Dein «Lietzener 91 nötiger werden tm Wechsel mit dem Kesfischeu Landwirt die Siehener Kamillen« blätter viermal in der Woche betgclegL

-iolanonSdruci a. Der» lag der Brühl'schen Unioerf-Buch- u.Slein» bruderet tPretsch Erden) Rebaftton, (Lxpedltioa und Druckerei:

Gchalpratze 7.

Bbrefle Mr Depeschen: Anzeiger Gießen.

FkrwprrchanIchlußNr 51.

Zweites Blatt. L52. Jahrgang

Mittwoch 1S.NovemberLS«S

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Ee»ngSprei»r moiialhd) 759)1^ otert* jädrilch Ml 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePosl All 2. vienel- jäbrL aueldiL Beslellg. Annahme von Anzeige« für die liuieenummet biS oormitiag» 10 Uhr, Zeilenpreis. lokal 12Pf^ a«SwärlS 20 Psg. De ranl rvorilichr füt den polit u. allgem. teil. P. Witiko; für ,Stadt und Canb* und .Gertchtssaaf Lur« Plato; für den An» jelqenteil; $>an« Beck.

KLe yeuLige Mmmer umfaßt 12 Setten.

Uolitische Tagesschau.

Dom Zolltarif.

Der Antrag der Mehrheitsparteien des Reichstags auf Abänderung der Geschäftsordnung soll, derNat.- Ztg." zufolge, deswegen erst am Donnerstag -auf die Tages­ordnung gesetzt werden, weil der Mittwoch im Reichstage ein sog. Schwerinstag ijl, für den Antrag Aichbichler aber eine Ausnahmestellung in Anspruch genommen wird. Der­selbe soll nicht zu den Anträgen gehören, die an eine be­stimmte Reihenfolge gebunden sind, also nicht zu den an Schwerinstagen zu beratenden Gegenständen.

Tie Bestrebungen wegen Abänderung der Geschäfts­ordnung sind keineswegs etwa neueren Datums. Es han­delt sich durchaus nicht um spontane Entschlüsse. Vielmehr spukten diese Pläne schon kurz nach Wiederbeginn der Reichstagssitzungen. Als vor ungefähr vierzehn Tagen eine Mitteilung in die Presse gelangte, das Zentrum be­absichtige die Gefahr der Obstruktion durch eine Aenderung der Geschäftsordnung abzuwehren, da wurde von partei­offiziösen Zentrumsblättern versichert, das Zentrum denke nicht an einen solchen Schritt. Bald darauf enthüllte ein Berliner Blatt, Zentrumsabgeordnete seien an die Nationalliberalen mit ähnlichen Anregungen herangetreten. Nun hieß es, die betreffenden Herren hätte ihre Privat­meinung zu erkennen gegeben, aber die Fraktion stehe nicht hinter diesen Verhandlungen. Kurzum, alles wurde solange bestritten, bis derAntrag Aichbichler fix und fertig und von der Zollmehrheit unterstützt dem Reichs­tag zuging. Das war am letzten Freitag.

Ebenso eifrig hat man den Dementierungs-Apparat in Bewegung gesetzt, um die Verständigungs-Konferenzen mit der Regierung abzuleugnen. Dabei war es Thatsache, daß nicht nur im Reichstag, sondern auch in den leitenden Regierungsämtern derartige Besprechungen stattfanden, woran in erster Reihe Mitglieder des Zentrums, aber auch konservative und reichsparteiliche Abgeordnete sich be­teiligten. Die Regierung ist an diesen Konferenzen nicht entfernt so interessiert gewesen, wie die Parlamentarier. Im Reichstag nimmt es sich ja sehr stolz aus, das Ver­diktUnannehmbar" zu fällen. Solcher Charakterstärke und Rückgratsfestigkeit freuen sich die Wähler. Außerhalb des Reichstags ändert sich das Bild. Da möchte man es doch nicht aufs Aeußerste ankommen lassen und wäre froh, wenn sich ein Ausweg findet, um zu bekommen, was zu haben ist. In den letzten Tagen wurde wieder geflissentlich verbreitet, es sei still geworden in der Verständigungs- Aktion; man ließ durchblicken, die Mehrheilsparteien war­tetengelassen" ab, was die Negierung zu bieten habe, und man schalt die Regierung, daß sie sich nicht rühre. Graf Bülow wurde in Zentrumsblättern hart angelassen, und ein kons. Organ warf die Frage auf, ob die Regierung nicht bereits mit Resignation sich in das Scheitern der Vor­lage ergeben habe. Jetzt scheint aber doch den leitenden Mannern der Geduldsfaden gerissen zu sein.

Wir lesen in derKöln. Ztg.":

Es scheint uns ausgeschlossen, daß in den Konfe­renzen zwischen Kaiser und Kanzler nicht auch die Frage des Zolltarifs behandelt worden sei, und man wird doch die Erklärungen des Grafen Bülow als ein Ergebnis der Besprechungen auffassen müssen, die im Lause der Zeit Kaiser und Kanzler gepflogen haben. An­dererseits aber erscheint es in der That nicht als Aus­gabe der Regierung, parlamentarischen Parteien, die aus eigener Verschuldung weder aus noch ein wissen, diejenigen taktischen Rezepte zuzuflüstern, die ihnen einen leidlichen Rückzug ermöglichen.

Tas scheint Graf Bülow selber, nicht ohne Spott, dem Kölnischen Blatte geschrieben zu haben. Aus gleicher Tonart klang eine Meldung, die uns heute früh aus Berlin zuging, und die wir in unserer Parlamentsbeilage veröffentlichten. DieZauberlehrlinge" wenden sich also vorgeblich an denalten Hexenmeister". Graf Bülow könnte wirtlich von Schadenfreude erfüllt werden, bei dieser Hilf­losigkeit der im Reick)stag so kühn und trotzig sich Ge- bährdenden, die im Stillen und ungesehen nach der Wil- Helmstraße sich aufmachen, um nützliche Winke zu em­pfangen, wie es zu inachen ist, mit Anstandumzufallen" und den Tarif durchzubringen. Auch hier wird doppelt bewertet, was in Gefahr ist, verloren zu gehen.

Englands Auslandspolitik.

Tie Londoner Blätter besprechen die gestern mitgeteilte Rede Balfours.Daily Chronicle" führt aus, die Be­merkungen über die internationalen Beziehungen waren ausgezeichnet. England wünsche mit allen Mächten in Freundschaft und mit keiner in Feindschaft zu leben, aber zu gleicher Zeit dürfe es nicht wünschen, daß seine Führer ihre Augen den (Stimmungen gegenüber verschließen, welche in den letzten Jahren kundg^geben wurden. Wir freuen uns deshalb, fährt das Blatt fort, wenn die genaue Auslegung der Worte des Premierministers die ist, daß der Besuch des deutschen Kaisers, so angenehm er aus persönlichen Gründen allen Engländern ist, doch nicht die Bedeutung hat, die zu einer Verwickelung führen könnte. Standard" giebt der Hoffnung Ausdruck, daß selbst in den Kreisen, wo die Anglophobie akut gewesen ist, das Echo der Darlegung Balfours erschallen wird.Daily News" hebt hervor, Balfours Rede ist die Versicherung des Friedens und bedeutet eine neue Aera in dem Ton unseres internationalen Verhaltens. Balfour goß auf die Bunden der Vergangenheit das Oel versöhnenden Ver­gessens und zeigte deutlich, daß es nicht in seiner Ab­

sicht liege, sich zu den Rädern von Chamber­lains Wagen schleppen zu lassen. Wir begrüßen die Rede umsomehr, als sie unmittelbar nach der Zeit ge­halten wurde, die der Redner mit dem deutschen Kaiser verbrachte, der wie nur irgend Einer ein Wahrer des Friedens in Europa ist. Wenn daher Balfour her­vorhebt, daß jede Nation, jede Macht in Europa fest ent­schlossen sei, den Frieden aufrecht zu erhalten, so hat er eine Autorität, die in jedem Ministerium verstanden wird. Wir nehmen diese Rede als Beweis dafür auf, daß der Minister nichtsvon Bedeutung beiden Verhand­lungen mit dem Kaiser geopfert haben wird. Daily Telegraph" schreibt: T- der deutsche Kaiser den Wunsch hegt, einige von den Wolken des Vorurteils und der Mißverständnisse Hinwegzuräumen, welche sich zwischen Deutschland und England bildeten, ist natürlich, und Bal­four betonte auch entsprechend dem Wunsche der britischen Regierung, daß die Eifersüchteleien und die Bitterkeit, die sich bekundeten, nicht länger dem Zusammenschlüsse Euro­pas zur Lösung der bedeutenden ihrer Lösung harrenden Ausgaben im Wege stehen.

König Leopold von Belgien auf Freiersfüßen.

Aus der Umgebung des Prinzen Albert von Belgien, der sich zurzeit mit seiner Gattin bei seinem Schwiegervater Herzog Karl Theodor in München aushält, geht demFr. C." folgende Mitteilung zu:

Seit dem Tode der Königin von Belgien ist eine Wand­lung in dem Benehmen des Königs Leopold von Belgien gegen seinen Neffen Albert, den voraussichtlichen Thrvn- solger, eängetreten. Diese Wandlung äußert sich in einer auffallenden Külte sowohl gegen Prinz Albert selbst, als auch gegen dessen Gemahlin, die bisher zu den Lieblingen des Königs gezählt wurde. Tie Umgebung des Königs, die genau den Regungen desselben folgt, und für ihre Stellung fürchtet, sobald König Leopold, wie dies zuerst seine Absicht gewesen sein soll, dem Throne zu Gunsten seines Neffen entsagt, hält diesem das Bild des Königs Wilhelm von Holland vor, welcher, um seinem Lande einen Thron­folger zu sichern, in weit vorgeschrittenem Alter eine Waldecksche Prinzessin ehelichte. Tie Königin von Belgien war noch ntcht begraben, als die Umgebung des Lebe­mannes auf dem Throne bereits Umschau nach einer zwetten Frau für den greisen königlichen Witwer hielt.

Selbstverständlich kann der König, welcher seiner Tochter, der ehemaligen Kronprinzessin Stephanie, den Zu- trttt zum «Sarge ihrer Mutter wehrte, weil die Kronprinzessin unter ihrem Range dem Grasen Lonyay in zweiter Ehe die Hand zum Bunde reichte, der Mann, welcher sich beim Kaiser von Oesterreich beschwerte, daß man der Gräfin Lonyay in Oesterreich gestattete, unter einem Inkognito zu reisen, sodaß der Kaiser, so schwer es ihm auch ankommen mochte, die Gräfin selbst die Beschwerde des Königs und die Unterredung Kaiser Franz Josefs mit seiner ehe­maligen Schwiegertochter in dieser Angelegenheit ist that- sächlich, wie in der Umgebung des Prinzen Albert bekannt ist, trotz Dementis erfolgt auf ihr un­richtiges Verhalten aufmerksam machen mußte dieser sitten- und etikettenstrenge Regent könnte also nur die Prinzess in aus einem regierenden katho- li schen Hause ehelichen. Man hatte zuerst eine österreichische Prinzessin, die ehemalige Braut eines bayerischen Prinzen, ins Auge gefaßt. Tie Heirat mit dem bayerischen Prinzen zerschlug sich, damals wegen der Mitgift, welche die engere Familie der Braut nicht zu leisten imstande war. Tie Mutter der Erz­herzogin war mit der Verehelichung ihrer Tochter mit König Leopold von Belgien einverstanden, allein die Tochter selbst sowie Kaiser Franz Josef versagten in den letzten Tagen ihre Zustimmung zu dieser Verbindung, wie wir aus ganz besttmmter Quelle mitteilen können.

König Leopold war über diese Absage nicht sehr erbaut und schreibt sie auf Konto der Anhänger des Thronfolgers Prinz Albert. Tie Stimmung ist durch die Vereitelung dieser Heirat zwischen dem König und dem Thronfolger keine bessere geworden, und der greise Witwer sucht zu verhindern, daß Prinz Albert den Thron von Belgien besteigt, denn er selbst hofft ttotzdem noch durch eine zweite Heirat dem Lande einen Nachf- folger geben zu können.

Um der Stimmung im Lande Rechnung zu tragen, war es nach dem Tode der Königin der feste Entschluß des Königs, dem Throne zu Gunsten des Prinzen Lllbert zu entsagen, und nach dieser Richtung waren auch alle dahin zielenden Abmachungen und Vorbereitungen getroffen. Ter König fürchtete damals, daß sich, wenn er, wie es sein Entschluß war, eine zweite Ehe eingehen würde, die Auf- regung im Volke noch vermehren würde. Er wollte also zu Gunsten seines Neffen abdanken, um außerhalb Belgiens seinen Wohnsitz zu nehmen und sich wieder zu vermählen. Allein die Partei des Königs machte ihm begreiflich, daß die Prinzessinnen einens regierenden Hauses sich nicht für einen 67jährigen König, der ab­gedankt hat, interessieren dürften, wohl aber für den Regenten von Belgien. Ohne weitere Besprechung mit Prinz Albert, welcher sich mit seiner Gattin bei seinen Schwiegereltern in Bayern aufhielt, zu pflegen, hat König Leopold alle eingeleiteten Schritte zur Abdankung rück­gängig gemacht, und Prinz Albert erfuhr dies erst durch seine Parteigegner in Brüssel. König Leopold aber hält als Freier Umschau nach einer zweiten Gattin.

Freilich ist die Auswahl für König in den

katholischen regierenden Regentenbäusern sehr schwer, da Kaiser Franz Josef die Einwilligung zu einer Ehe i einer österre" schen Erzherzogin dem König nie gebe irbe.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Nov. Ter Kaiser hat den Geh. Re- gierungsrat Köhler zum Kaiserlichen Ministerialrat bei oent Ministerium für Elsaß-Lothringen ernannt.

Der russische Thronfolger traf heute abend auf der Durchreise von Kopenhagen nach Petersburg im ft re n g ft e n Inkognito hier ein, speiste auf der russig schen Botschaft und setzte seine Reise nach vierstündigem Aufenthalt wieder fort.

Zu Ehren des scheidenden amerikanischen Botschaf­ters Wit he, fand gestern abend unter sehr zahlreicher Beteiligung ein Bankett statt, das den glänzendsten Ver­lauf nahm.

Als mutmaßlichen Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Präsidenten des Bundesamts für Heimatwesen, Weymann, wird in Reichstagskreisen der Geh. Ober­regierungsrat im Reichsamt des Innern, Kelch, genannt.

Ostrau (Kr. Bitterfeld), 11. Nov. Dieser Tage be­suchte ein Adjutant das Baron v. Valtheim'sche Schloß zur Besichtigung für einen Aufenthalt des kaiser­lichen Hauptquartiers. Hierin wird eine Bestätig gung der ersten Meldung erblickt, daß die Kaiserm anö* Der im Jahre 1903 zwischen Leipzig und Magde­burg stattfinden werden.

Dresden, 11. Nov. Gestern empfing der König den Kommandeur der Schutztruppe von Kamerun Obersh Pavel.

Ausland.

Kopenhagen, 11. Nov. Der Minister für Landwirt« schäft Ole Hansen hat, feit erExzellenz" geworden, feine Gewohnheiten und Verrichtungen als ein­facher Bauer nicht aufgegeben. Dieser Läge sah man ihn, die Pfeife im Mund, auf einer Fuhre Stein­kohlen von der kleinen Stadt Ringstedt nach seinem Besitztum fahren. Der Minister kutschierte selber, und wer ihn nicht kannte, mußte in chm einen gewöhn­lichen Landmann vermuten.

London, 11. Nov. Botha und Delarey hatten heute mit Chamberlain int Kvlonialamte eine private Unterrebu n g. Dem Vernehmen nach statteten sie der Regierung für die freigebige finanzielle Beihilfe für die südafrikanischen Kolonieen Tank ab.

Paris, 11. Nov. Ein Korrespondent desNewyork Herald" versichert, eine hohe politische Persönlichkeit habe ihm erklärt, daß der Verkauf der Delagoabai an England beschlossene Sache sei. Die Abtretung erfolge zu einem ganz geringen Preise. (??)

DerFigaro" veröffentlicht einen Artikel über den Marineminister, worin mitgeteilt wird, daß Pelletan die von seinem Vorgänger abgebrochenen Verhandlungen mit dem Erfinder eines Unterseebootes, Goubet, wieder ausgenommen und Letzteren dazu veranlaßt hat, den mit der englischen Regierung geschlossenen Vertrag auf* zulösen uno der französischen Regierung fein Untersee­boot zu schenken, wogegen sich Pelletan verpflichtete, eine lebenslängliche Rente für den Erfinder bei der Kammer durchzusetzen. Der Minister beabsichtigt, das neue Unterseebott bauen zu lassen, obgleich ein technischer Ausschuß in Toulon das System verworfen hat.

Nach Ablehnung verschiedener Abänderungsanträge wird der Gesetzentwurf betreffend Abänderung des Vereinsgesetzes in der Gesamtabstimmung mit 337 gegen 245 Stimmen angenommen.

Der Unterstaatssekretär für Posten und Telegraphen hat beschlossen, eine einjährige Untersuchung bezüglich der Anwendung der drahtlosen Telegraphie vor­zunehmen, sämtliche bestehenden Systeme prüfen zu lassen und dann erst eine definitive Entscheidung zu treffen.

Madrid, 11. Nov. Der König übertrug Sagastcr bedingungslos die Bildung eines neuen Kabinetts.

Wien, 11. Nov. DasFremdenblatt" widmet dem scheidender! Botschafter Fürsten Eulenburg einen Leit­artikel, in dem es heißt: Kaiser Wilhelm hatte mit glücklicher Hand gewählt, indem er einen Repräsentanten entsandte, der die Ehre genoß, sein persönlicher Vertrauens- mann zu sein und den der auszetchnende «Schmuck kaiser­licher Freundschaft von vornherein empfahl und gerade für den Verkehr an einem so eng befreundeten Hofe als besonders geeignet erscheinen ließ. Er war mit ganzem Herzen Vollstrecker der Wünsche seines Kaisers, der den hohen Wert dieses Bündnisses stets erkannt hat. Es ist ihm vorgeworfen worden, er mische sich in unsere inneren Fragen ein. Der Vorwurf konnte mit gutem Gewissen als durcycms unbegründet zurückgewiesen werden. Kaiser Wil­helm traf eine ausgezeichnete Wahl, indem er als Nach­folger des zurücktretenden Botschafters Eulenburg den Grafen Wedel berief, einen Mann, der bereits als diplo­matischer Vertreter des deutschen Reiches bei dem süd­lichen Treibundsstaat mtt Geschick und Erfolg thätig war und uns aus den Jahren, die er als Mtlitärattachee! in Wien verbracht hat, in bester und freundlicher Erinner­ung ist.

Lemberg, 11. Nov. Ein hier verhafteter russischer Revolutionär Wosicki soll ein Attentat gegen eine hohe russische Persönlichkeit geplant hoben.

Belgrad, 11. Nov. In einer Angelegenheit von hervorragender wirtschaftlicher Bedeutung wurde der Ban­kier Ludwig Nieder Hof heim aus Frankfurt vom König in Privataudienz empfangen.

Rustschuk, 11. Nov. Ter jtu n i g von Rumänien ist mit Gefolge heute nachinttcog an Bord desOri^rik" hier eingetroffen und bei seiner Ankunft vom Fürsten Ferdinand, den Ministern, bcn Präsidenten der So- branje und dem Präfekten empfangen worden. Rach der.