Ausgabe 
12.5.1902 Zweites Blatt
 
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deutschen Manu, jede deutsche Frau und nicht rum mindesten die Heranwachsende Jugend von der Notwendigkeit einer starken Wehr zur .See zu überzeugen, zu überzeugen lediglich durch ruhige, sachliche Aufklärung, Belehrung und Anregung in .Schrijt, Wort und Bild.

Ein zweites Rundschreiben bezog sich auf eine geplante Abänderung der Satzungen, und zwar kommen hauptsächlich zwei Punkte in Betracht: 1. Der bisherige Mindestbeitrag von 50 Pfennigen als Jahresbeitrag ist, insofern bei einem solchen Beitrag die Lieferung.der Vereinszeitschrift beansprucht wird, zu gering bemessen, da die Herstellungskosten für einen Abdruck derFlotte" sich jährlich auf 1,25 Mk. belaufen- Es soll infolgedessen ein Zusatz zu dem betr. Paragraphen gemacht werden des Inhalts, daß der Mindestbeitrag für neu ein- treteude Mitglieder, sofern dieselben die Vereins­zeitung beziehen wollen, 1 Mk. beträgt- Für diejenigen jedoch, welche nicht in der Lage sind, einen höheren Beitrag als jährlich 50 Pfg. zu zahlen, können die betr. Ausschüsse trotzdem die Lieferung der Vereinszeitschrift bei der Haupt­geschäftsstelle beantragen, welche über diese Anträge selb­ständig entscheidet. Ein weiterer Antrag bezieht sich auf die Ablieferung der Gelder an den Hauptschatzmeister in Berlin.

Die beiden Anträge wurden angenommen und Sekretär B l u m mit der Vertretung des Vereins in D a r m - stadt betraut, woraus um 10 Uhr die Sitzung geschlossen wurde. ______

S Darmstadt, 11. Mai.

Die Landes-Versammlung des deutschen Flot­ten-Vereins, Landes-Verbands für das Großherzogtum Hessen fand heute nachmittag 4 Uhr im Kaisersaale hier statt.

Der Vorsitzende Dr. Willy Merck begrüßte die Er- schieneneu und gab den Thätigkeitsb ericht des Landesausschusses über das verflossene Vereinsjahr. Redner wies darauf hin, daß man fich hauptsächlich aus die innere resp. Verwaltungsthätigkeit beschränkt habe, von großen Veranstaltungen aber abgesehen habe, da man die Ent­wickelung des großen deutschen Flottenvereins abwarten wollte. Man dürfe die Weiterentwickelung des Verbandes wie des großen Vereins sowohl in idealer wie in finan­zieller Beziehung gut nennen, da eine innere Festigung ein- getreteu sei. Mit Bedauern habe man den Verlust empfun­den, der dem Landes-Verband durch das Ausscheiden des Generals Menges erwachsen sei, der einen ehren­vollen Rus in den Vorstand nach Berlin erhalten habe. Fiic seine umsichtige organisatorische Thätigkeit wird Ge­neral Menges der Dank der Versammlung ausgesprochen. Ms neues Ausschußmitglied wurde am 12. Februar Oberst Becker hier gewählt.

Der Verband war in der Gesamtvorstandssitz­ung im Februar in Berlin durch Ober-Konsistorial- ekretär Sonne vertreten. Die Wünsche des Ausschusses ind in entsprechender Form erfüllt worden. Bei der raraussolgenden Mitglieder-Versammlung war Hessen außerdem durch Kommerzienrat Meyer-Mainz vertreten.

Vorträge wurden im verflossenen Jahre nicht gehalten, da frühere Vorträge den erwarteten Erfolg nicht gehabt haben. Im lausenden Jahre sollen wieder entsprechende Veranstaltungen vorbereitet werden. Die Mitgliederzahl des Gesamt-Verbandes ist von 600 000 auf 620 000, in Hessen auf 5525 einschl. der Körperschaften aus 8224 gestiegen, ein Beweis, daß die Organisation gefestigt ist. Nun liege es hauptsächlich an den Mitgliedern, durch. Werbung neuer Interessenten die schöne Sache zu unterstützen.

Hierauf folgte die Rechnungsablage des Schatzmeisters, Stationsvorstehers i. P. Weigand. An Einnahmen sind zu verzeichnen Mk. 10 022.64, an Ausgaben Mk. 9779.36, sodaß ein Ueberschuß von Mk. 243.28 verbleibt. Heroor- zuheben ist, daß Mk. 4400 an den Schatzmeister des Gesamt­verbandes abgeliefert und Mk. 1000 vorübergehend auf der Sparkasse hier angelegt sind. An Mitgliederbeiträgen sind eingegangen aus Starkenburg Mk. 3889.85, aus Oberhessen Mk. 3316.10, aus Rheinhessen Mark 1815.19. Oberst Becker hat die Rechnung geprüft und für richtig befunden. Dem Schatzmeister wird Entlastung er­teilt und für feine außerordentlich mühevolle und eifrige Thätigkeit Dank ausgesprochen.

Hieraus folgte die Beratung der nach den Beschlüssen der Berliner Mitgliederversammlung vom 20. Februar um ­geänderten Satzungen. Diese werden durch Oberst Becker verlesen und mit kleinen redaktionellen Aenderungen angenommen. Sie sind zum Teil aus den neuen Berliner, zum Teil aus den früheren hessischen Satzungen zusammengesetzt. Hervorzuheben ist, daß den Ortsgruppen- Vertrauensinännern jetzt eine größere Befugnis über­tragen ist, auch bezüglich der Abstimmungen wichtige Ver­änderungen vorgenommen sind. Die Satzungen sollen jedem Mitgliede zugestellt werden.

Aus eine Anregung des Herrn Osann II. betr. die .Eintragung des Vereins entsteht eine lebhafte Debatte, in welcher man sich dahin einigte, vorerst noch ein weiteres Jahr abzuwarten. Hierauf erfolgte die Vorstands­wahl. Es werden die Herren: Dr. W. Merck, Fabri­kant, Darmstadt; Becker, Oberst a. D., Darmstadt; v. Biege­leben, Ministerialrat, Darmstadt; Blmn, Eisenbahnsekretär, Offenbach; Dittman, Direktor, Mainz; Egnols, Kaufmann und Stadtverordneter, Darmstadt; H. brause, Rentner, Mainz; Meyer, Kommerzienrat, Mainz; Nodnagel, Geh. Oberschulrat, Darmstadt; Oncken, Prof. Geh. tzofrat, Gießen; Osann II., Rechts anwalt, Darmstadt; Schliep- -hake, Kreisrat, Erbach i. O.; Schneller, Baurat, Offenbach; Ed. Sievers, Fabrikant, Offenbach; Sonne, Oberkonflstorial- sekretär, Darmstadt; Weigand, Stationsvorsteher i. P., Darmstadt; O. Wolfskehl, Rentner, Darmstadt gewählt, und Dr. Zimmer ,Chemiker, Darmstadt neu gewählt- Dr. Merck und Herr Weigand werden in ihren Aemtern be­stätigt. Alsdann wird nach Verlesung eines Begrüßungs- Telegramms der Ortsgruppe Lauterbach sowie des ^roto^ kolls durch Dr. Kranzdühler die Versammlung geschlossen-

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 12. Mai 1902.

* Von der Universität. Der neu ernannte Lektor der englischen Sprache an unserer Universität, Herr Schilling aus Leeds, hält eine im Vorlesungsverzeichnis noch nicht an­gekündigte Vorlesung in englischer Sprache über ,,Modern English Noveliata (Mittwochs von 67 Uhr).

* * Finanzmivister Dr. Gnanth weilte am Samstag in unserer Stadt. Er gab zu Ehren der philosophischen Fakultät unserer Umoersität imHotel Großherzog" ein Festmahl. Bekanntlich ist Finanzmmister Gnauth vor kurzem von dieser Fakultät zum Ehrendoktor ernannt worden.

- Ernennung. Der Gerichtsaccessist Dr. Erich Kintscher, gen. v. Köbke, wurde zum Regierungsassessor ernannt.

** Das Regierungsblatt Nr. 25 enthält: 1. Bekannt­machung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den

Inhaber betr.

Der Großh. Hessischen Provinz Oberhessen ist durch Ent- chließung des Staatsministeriums die Ausgabe der nachbe'eich- neten 3'/,proz. Schuldverschreibungen auf den Inhaber m Gemal;- heit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und bezm. des Art. 67 des Hessischen Aussührungsgesetzes zu demselben voin 17. Juli 1899 erteilt worden: .....

160 Stück ä 2000 Mk. Lit. A Nr. 1160 = Mk.

160 ä 1000

160 ä 500

160 ä. 200

80 a 100

1160 =

1160 =

1160 =

180 =

- 000 8 000

zusammen 720 Stück im GesanUnennwerl von 600 000 Mk.

2. Bekanntmachung, die bänderung der Anweisung zur Ausführung der Bestimmungen m den Titeln VIX der Gewerbeordnung für das Deutsche Reich betr. Vom

29. April 1902.

** Stiftungsfest derAdelphia". Wie jedes Jahr in den ersten Tagen des Mai versammelten sich auch dn'Smal am Samstag Abend Jung- und Altadelphen im oberen Saale des Cafe Leib, um mit einer feuchtfröhlichen Festkneipe die Feier des Stiftungsfestes zu beginnen. Zahlreiche Gäste und Alte Herren waren der Einladung der aktiven Verbindung gefolgt, um im frohen Studentenkreise das 32jährige Stif­tungsfest zu feiern. Nach den Reden der Chargierten, bei herrlichen Kneipgesängen und donnernden Salamandern nahm die Stimmung stetig zu, bis sie in der von dem Vorsitzenden der Altadelphia Herrn Medizinalrat Haberkorn geleiteten Fidulität ihren Höhepunkt erreichte. Besondere Erwähnung verdienen die warmen, herzlichen Worte, mit denen Herr Geh. Justizrat Prof. Dr. Schmidt in Vertretimg des Rektors, der leider am Erscheinen verhindert war, der Verbindung die Glückwünsche der Universität überbrachte und den Farben grün-weiß-gold, den Farben des Frühlings, eine erfolgreiche Zukiinft wünschte. Am Sonntag Vormittag vereinigte ein gemeinsamer Frühschoppen mit solennem Katerfrühstück die Festteilnehmer auf der Kneipe. Am Nachmittag stieg der traditionelle Ausflug auf den Gleiberg, auf dem bekanntlich die studentischeAdelphia" am 7. Mai 1870 gegründet wurde. Auch wir wünschen der studentischen Reform­verbindungAdelphia" ein kräftiges Gedeihen und rufen ihr ein herzlichesVivat, crescat, floreat* zu.

** Maifeier. Die Gießener Sozialdemokraten veran- talteten gestern im Stadtwalde eine Maifeier, wohin sie von Oswaldsgarten aus unter Vorantritt einer Musikkapelle mar- chierten. Trotz des nicht gerade gelinden Mailüfterls ent­wickelte sich bald ein heiteres Leben und Treiben.

** Deutscher Feuerversicherungs-Schutzverband. Bekanntlich ind die deutschen Feuerversicherungs-Gesellschaften zu einem Syndikat zusammengetreten, dessen Wirkung sich zunächst für die Versicherten durch erhebliche Erhöhung der Prämiensätze, odann durch manche Bestimmungen in den Polizen fühlbar macht, unter denen die Versicherten in Brandschadensfällen benach- eiligt sind. Zur Wahrung der Interessen der Versicherten hat sich vor etwa einem halben Jahre in Berlin der deutsch e Feuerv ersicherungs-Schutzverb and begrün­det, dessen Mitgliedschaft sich Vereine und Einzelpersonen ge­gen einen mit der Höhe der Versicherungssumme steigenden Jahresbeitrag, der beispielsweise 6 Mk. für 50000 Mk., teigend bis 134 Mk. bei einer Versicherungssumme von über 4 000000 Mk. beträgt, erwerben können, und dem, wie weiter unten mitgeteilt wird, schon eine stattliche Anzahl Vereine, Verbände und Einzelpersonen beigetreten sind. Auf Veranlassung Gr. Handelskammer und des Detaillistenvereins hielt am Samstag Abend im Cafe Ebel der Geschäftsführer des Verbandes, Dr. Prange, einen Vortrag. Dr. Prange ührte aus, daß neben der Zollfrage keine Frage so wichtig ei, wie diejenige der Feuerversicherung. Der Schutz­verband nimmt die Interessen der Versicherungsnehmer wahr, ohne den berechtigten Interessen der Versicherungsgesellschaften zu nahe zu treten; wenn die Gesellschaften kritisiert würden, o sei es geschehen, um vorhandene Mängel zu beseitigen. Die Aufgabe des Schutzverbandes sei cs ferner, bei den Re­gierungen und gesetzgebenden Körperschaften in Bezug auf die Gestaltung der Versicherungsbedingungen und -Verträge, die Festsetzung der Prämien und Feststellung der Brandschä­den die Interessen der Versicherten zu wahren, weitere Be­strebungen seien auf die Förderung des Feuerschutzes und des Feuerlöschwesens gerichtet. Redner ging dann auf die von den syndizierten (ca. 50) Feueroersicherungsgesellschaften auf­gestellten Mmimaltarife, deren erster auf die Textilindustrie Anwendung fand, ein, sowie auf die Ursachen, mit denen die Feuerversicherungsgesellschaften die Erhöhung der Prämientarife begründeten; zu diesen Ursachen zählten die angeblich hohen, zu den Prämien in keinem Verhältnis stehenden Brandschäden, Unannehmlichkeiten mit den Rückversicherungsgescllschaften, von denen in Deutschland ca. 20 mit einem Prämienumsatz von 120 Millionen Mk. arbeiten. Das eine besonders verlust­reiche Jahr 1899 ist aber nach Redners Ansicht nicht ange- than, eine so einschneidende Maßnahme (Erhöhung der Prä­mien) zu rechtfertigen, auch fehle es an einer Statistik, aus der die Prämicnerhöhung begründet werden müßte; die Klassifikation in Gefahrenklassen beruhe lediglich auf oberfläch­licher, jeder Grundlage entbehrender Schätzung. Wenn auch bezüglich einzelner Industriezweige eine Erhöhung der Prämien gerechtfertigt sei, so sei doch eine Erhöhung, bei der in wenig Jahren voraussichtlich viele Millionen überschießen müssen, ungerecht. Die Tarife enthalten zahlreiche Härten und Rück­schritte. Bei der früher den Versicherten zugcstandenen Frei­zügigkeit des verschieden tarifierten Mobiliars auf demselben Grundstücke wurde z. B. eine Durchschnittsprämie zugestanden, jetzt fordern die syndizierten Gesellschaften dafür die Höchstprämie; die Art, wie die unter die Bezeichnungnotleidende Risiken" fallenden Versicherungen behandelt würden, bezeichnet Redner als volkswirtschaftlich mißständig. Noch wichtiger als die Präinienfrage sei die Vertragsfrage. Die Versicherungsverträge seien für alle Gesellschaften bezüglich der allgemeinen und besonderen Bedingungen vorgeschrieben, so daß keine Gesell­schaft Vergünstigungen in besonderen Fällen gewähren kann. Text und Deklaration der Policen sind regelmäßig nachteüig für den Versicherten abgefaßt. Manche Vergünstigungen werden zwar gewährt, aber nur auf besonderen Antrag, wegen dessen Formutnung sich die Vermittelung des Schutz­

verbandes empfiehlt. Redner kritisiert weiter eine Reihe von Bestimmungen der allgemeinen Versicherungsbedingungen, deren Abänderung hoffentlich z. T. durch das bevorstehende Reichsgesetz über den Versicherungsvertrag erreicht werden würde. Redner erwähnt im Anschluß an die §§ 3, 5 und 7 die Nachteile der speziellen und auf bestimmte Lokalitäten beschränkten Deklaration, die Bestimmung über die Nichtzulassung von Vertretern der Versicherten bei Brandschadenregulierungen, das Vorbehalten der ganzen Entschädigungssumme in Fällen, in denen Teile derselben noch trittig, die Erschwerung des Prozeßverfahrens für die Ver- icherten durch Festlegung des Gerichtsstandes an dem Sitz der Gesellschaft; diese und andere Punkte einseitiger Vertrags. Festsetzung stempelten die angeblichfreie Vertrags- chließung" als eine Fiktion. Der deutsche Feuer- oersicherungs - Schutzoerband, dem sich bis Ende April 67 Vereine und Handelskammern mit etwa 12 000 direkten und indirekten Mitgliedern angeschloffen hatten, revidiert kostenfrei die Polizen, weist routinierte Brandschaden-Experten zu, stellt Sachverständige zu Lokalinspektionen und wahrt die onstigen Interessen der Versicherungsnehmer. Bei den im Reichsjustizamt stattsindenden Beratungen mit Versicherungs- Sachverständigen über den Entwurf eines Reichsgesetzes über den Versicherungsvertrag war der Schutzverband durch Dr. Prange vertreten. Weder durch die in Aussicht stehende reichsgesetzliche Regelung des Versicherungswesens, noch durch die in Vorbereitung befindlichen Vereinbarungen zwischen dem Versicherungs-Syndikat und dem Zentralverband deutscher Industrieller wird der Schutzverband überflüssig, da er eine dauernde und vor allen Dingen praktische Thätigkeit entfaltet und klare Verhältnisse schafft im Interesse sowohl der Ver- icherten, wie der Gesellschaften und ihrer Agenten. In -er dem Vortrag folgenden Diskussion wurden verschiedene Fragen, wie Verstaatlichung der Mobiliar-Feuerversicherung, Giltigkeit bereits bestehender Versicherungsverträge nach da­zwischen durch das Syndikat erfolgter Erhöhung der Prämien, Entschädigung für Brandschäden in den Lagern der Seehäfen nach Fakturen- oder Marktwert u. s. w. eingehend erörtert, und am Schluß vom Vorsitzenden, Kommerzienrat Koch, der Beitritt zum Schutzoerband empfohlen, der auch seitens einer Reihe von bedeutenden Firmen erfolgte.

* * Zechprellerei. Eine von auswärts zugereiste Frauens­person wurde wegen Zechbetrugs verhaftet. Sie hatte sich einige Tage in einer hiesigen Wirtschaft emgemietet und ent­fernte sich heimlich, ohne ihre Zeche zu begleichen.

* * Einbruch. In der Nacht vom 9. auf 10. wurde in einer in der Moltkestraße belegenen Hoftaithe eingebrochen. Verschiedene Wäschegegenstände wurden gestohlen.

* * Verhaftung. Ein bereits vielfach vorbestrafter Mensch mußte wegen Trunkenheit verhaftet werden. Auf dem Wege nach dem Haftlokal widersetzte er sich dem transportierenden Beamten, indem er um sich trat und schlug. Er wurde zur Anzeige gebracht.

* * Eine unglaubliche Rohheit verübte gestern Nachmittag ein hier bediensteter Knecht auf dem städtischen Friedhöfe. Der Mensch, der anscheinend sich im angetrunkenen Zustande befand, pflückte auf verschiedenen Gräbern die schönsten Blumen ab und nahm sie mit. Er weigerte sich bei seiner Sistierung seinen Namen anzugeben und mußte zur Fest­stellung seiner Personalien nach der Polizeiwache gebracht werden. Er wurde zur Anzeige gebracht.

* * Befitzwechsel. Maurermeister Georg Pfaff verkaufte an den Forstgärtner i. P. K. Dörmer das Schiffenbergerweg 64 neu erbaute Haus für 20000 Mk.

* ' Der Holzarbeiter-Verband, der in Mainz tagte, be­schloß nach mehrtägiger Kommissions-Beratung in seiner am Samstag Mittag stattgehabten Schluß-Sitzung die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung für seine Mitglieder, welche am 1. Juli 1903 in Kraft tritt. Der Verband zählt 50 000 Mitglieder.

* Hundesport. Bei der vom 10.12. ds. Mts. ab» gehaltenen Ausstellung von Hunden aller Rassen in Ham­burg wurden Gießener Ausstellern nachstehende Preise zuerkannt: Herm. Förster für Dackelhündin Rheingold-Erda zwei 1. Preise nebst Ehrenpreis. Aug. Schwan für glatth. Pinscher-Rüde Luchs-Hardthof zwei 2. und einen 3. Preis. Louis Rosenthal und Georg Ford ach für rauhh. Pinscher­hündin Meta vom Lahnthal 1. und Ehrenpreis für beste Schnauzerhündin der Ausstellung sowie Zuchtpreis des deutschen Pinscherklubs.

* * Die drei gestrengen Herren, mit denen man in Nord» deutschland den 11. bis 13. Mai, in Süddeutschland den 12. bis 14. Mai meint, treten in der Regel mit besonders niedriger Temperatur auf, unb sie sind nicht bloß strenge, sondern auch mächtige Herren, wie sie Friedrich dem Großen bewiesen, der, um seinen Willen durchzusetzen, gegen die Meinung des Hofgärtners demselben befahl, die Lorbeerbäume früher herauszusetzen. Es geschah, und dieselben litten be­denklichen Schaden. Das grimme Auftreten der gestrengen Herren Mamertus, Pankratius und Servatius liegt in der Regelmäßigkeit der Winde, die während der Winterszett hauptsächlich von Südwest und den angrenzenden Himmels­gegenden in Westeuropa wehen, sich dann aber nach Westen wenden und von da nach Norden und dann wieder zurück­gehen. Der Wendepunkt im Norden, vor Eintritt der be­ständigen Wärme, trifft gewöhnlich auf Mitte Mai. Der Nordwind führt natürlich kalte Luft herbei, die Süddeutschland etwas später trifft, doch sind diese Tage dort trotzdem auch als dieEismänner" bekannt.

* * Hessische Bergwerke. Im Großherzogtum Hessen waren nach den Mitteilungen der Zentralstelle für Landesstatistik im Jahre 1900 29 Bergwerke im Betrieb, davon 3 in Starken­burg (Messel, Bockenrod und Seligenstadt), die anderen alle in Oberhessen. Darunter sind 7 Braunkohlenbergwerke (Meffel, Seligenstadt, Melbach, Weckesheim, Wölfersheim, Rinder­bügen und Trais-Horloff) mit einem Jahresprodukt von 199 846 Tonnen im Wert von 657 585 Mk. (per Tonne 3.29 Mk.) und 505 Arbeitern. Ferner 22 Eisenerzbergwerke Bockenrod, Geilshausen, Gießen, Grünberg, Hungen (2), Langsdorf, Lich, Lumda, Stangenrod (2), Stockhausen (Kreis Gießen), Bleidenrod, Freienseen, Nieder-Ohmen (2), Rupperten­rod, Sellnrod, Wettsaasen, Obcr-Rosbach, Ilsdorf (Solms) und Ruppertsburg mit einer Jahresproduktion von 189 521 Tonnen im Wert von 1607 527 Mk. (pr. Tonne 8.48 Mk.) und 1296 Arbeitern. Außerdem wird in Gießen und Ober-