6er Sekretär der Vereinigung „Sa jeime Garde socialist^, dem man die Mitschuld an den Unruhen zuschreibt, sollte einem Verhör lmnterzogen werden; er war jedoch auf den Rat seiner Freunde vorher ins Ausland gereist. Vier Fa-- milienväter stellten Nachforschungen nach rhreu seit gestern ve r schwundenen Sö hnen an.
In der Kammer kam es zum Schlüsse der Freitag- Sitzung zu äußerst heftigen Szenen. Das Ergebnis der Sitzung tarnt man als Niederlage der Sozialisten ansehen, da die Mehrheit der Liberalen sich nicht zur Obstruktion entschließen tonnte und die Votierung des provi- sorischen Budgets nicht mehr zu verhindern ist. Das Gesetz hat nur einen Paragraphen, weshalb die sozialistische Obstruktion nicht einzusetzen vermag. Ministerpräsident de Smet de Naher führt den von den sozialistischen Deputierten an die Bevölkerung gerichteten Aufruf an, der zeige, daß man den Kampf selbst noch fortsetzen wolle, nachdem die Entscheidung des Parlaments bezüglich der Verfassungsrevision gefallen sein werde. In dem Aufrufe heißt es, die Regierung müsse abdanken und die Revolution triumphieren. Das letzte Mittel sei, die Bewilligung der provisorischen Kredite durch Obstruktion zu verhindern. Ein solches Manöver, fährt der Ministerpräsident fort, dürfe nicht geduldet werden. Ter Regierung liege daran, daß die Verhandlung über die Revision der Verfassung entgegen den Behauptungen der Sozialisten stattfinde. In diesem Augenblick kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sozialisten und anderen Parteien. Hubin und Gavrot (Sozialisten) sind nahe daran, mit dem Klerikalen Hoyos handgemein zu werden. Ihren Kollegen gelingt es, die Streitenden zu trennen. Zwischen den Liberalen und Sozialisten entspinnt sich ein heftiger Wortstreit über das zur Verteidigung des allgemeinen Stimmrechtes abgeschlossene Uebereinkommen. Demblon (Sozialist) ruft: Wir sind von den Liberalen verraten! Dufrane (Liberal) beantragt Schluß der Debatte. Der Antrag wird angenommen. Hubin (Sozialist) stürzt hierauf zum Präsi- dentisch und schreit: „Dieb, Jesuit!" Saaldiener eilen herbei und suchen die Mitglieder des Bureaus, die von Sozialisten bedroht werden, zu schützen. Unter heftigem Lärm und Strett auf allen Seiten des Hauses wird die Sitzung geschlossen.
Im Volkshause zu Brüssel kündigte am Freitag Destree, Abgeordneter für Charleroi, an, daß Montag 125 00 0 Bergarbeiter, 50 000 Metallnr giften und 20 OOOGlasarbeiteraufden Beinen sein werden. Vandervelde mahnt von Unvorsichtigkeiten und Zornausbrüchen ab. „Die Machthaber wünschten einen blutigen Abend. Geht nicht in diese Falle! Mir wird gemeldet, daß unten gekämpft wird. Laßt Euch nicht zu ungleichem Kampfe mit Bewaffneten hinreißen. Kehrt ruhig heim; aber Mittwoch seid alle vor der Kammer." Die Menge stimmte das Lied vom allgemeinen Stimmrecht an, womit das Meeting beendet war.
Aehnlich wie in Brüssel geht es in der Provinz zu. Zwei Regimenter Kavallerie und zwei Regimenter Infanterie sind in Charleroi eingetroffen. Nach Löwen und Bilvorde sind zwei Kompagnien Infanterie abgegangen, nach dem Bassin du Centre zwei Eskadrons Jäger. — In Braequegnies (Bassin du Centre) kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen mehreren Tausend Ausständigen und Gendarmen. Erstere schleuderten Steine gegen die Gendarmen, die mit Revolverschüssen antworteten. Es kam zu einem vollständigen Gefecht. Die Gendarmen mußten sich zurückziehen. Eine Eskadron Lanciers eilte zur Hilfe und zerstreute die Ausständigen, die unter Hochrufen auf die Armee und das allgemeine Stimmrecht den Platz räumten. In Verviers verfügte die Polizei die Ausweisung von 8 Fremden, die sich an den Kundgebungen beteiligt hatten. Diese 8 Fremden sind vier Franzosen, zwei Deutsche, ein Schweizer und ein Pole. In Antwerpen wurden bei den Unruhen 25 Personen durch Säbelhiebe verwundet.
Aus La Louviere wird folgendes vom 11. April gemeldet: Die Zahl der ausständischen Gruben- und Metallarbeiter im ganzen Becken beläuft sich augenblicklich auf ca. 20 000 Mann. Tie Ausständischen durchziehen fortgesetzt in Trupps die Gegend und versuchen, die noch Arbeitenden für den Ausstand anzulocken. Jn Houdeng- Goegmes versuchten 3000 Ausständische eine Gruppe Gendarmen zu umzingeln. Die Gendarmen schossen auf die Angreifer. Mehrere derselben wurden verwundet. Auch ein Gendarm erlitt schwere Verletzungen am Kopfe, sodaß er vom Pferde fiel, und sich eine gefährliche Verletzung an der Schulter zuzog. Als der Zug mit den vlämischen Arbeitern eingettoffen war, wiederholten sich die Szenen in verstärktem Maße. Es gelang den Gendarmen und Jägern, die Ecken der auf den Bahnhof mündenden Straßen besetzen. Dabei kam es abermals zu Zusammenstößen.
s beiden Seiten fielen Schüsse. Zahlreiche Verwundete
wurden in die benachbarten Häuser geschafft. Ein junges Mädchen wurde durch einen Schuß aus einem Karabiner getötet.
InLüttich durchzogen, wie uns heute gemeldet wird, 2000 Menschen gestern abend die Straßen und veranstalteten vor dem Gefängnis eine Kundgebung unter Hochrufen auf das allgemeine Stimmrecht. Eine andere 1000 Mann starke Truppe stteß zu ersterer, und alle zusammen zogen vor das Volkshaus, wo mehrere Redner heftig gegen die Regierung sprachen und für Montag den allgemeinen Ausstand predigten. Tie Polizei schritt ein, und es kam zu einem Handgemenge, bei dem mehrere Personen verwundet wurden.
lieber den Stand der Friedensverhandlungen in Südafrika liegen heute mehrere einander widersprechende Meldungen vor. Nach einer Meldung aus London besagt ein vom 11. d. M. datiertes Telegramm aus Pretoria: Die britischen und Burendelegierten seien über die Friedensbedingungen übereingekommen. Dieselben seien an die Burenvertreter in Amsterdam gekabelt, würden aber noch geheim gehalten, doch heiße es, England habe nichts coneediert. Auch sonst zirkulieren allerlei Gerüchte über Abschluß des Friedens. Es fehlt aber jede Bestätigung dieser Nachrichten. — DaS ist die eine den Thatsachen weck vorauseilende Nachricht. Nach einer Meldung aus Amsterdam beschlossen die in Klerksdorp eingetroffenen Burenführer D e - wett, Steijn und Dclarey, in Friedensverhandlungen ernzutreten, falls England vorher ein Kabel zur direkten Verständigung mit Krüger hergebe. Und im englischen Unterhaus erklätte am Freitag Brodrick, der Regierung liege zur Zeit keine Mitteilung über Friedensbedingungen von den Burenführern vor. O'Kelly fragt, ob Lord Kitchemr ermächtigt sei, irgend welche aridere Bedingungen, als unbedingte Uebergabe anzubieten. Brodrick erwidett, er sei nicht
in der Lage, irgend eine Mitteilung zu machen. Black fragt, ob während der Abwesenheit der Burenkommandanten von ihren Truppen Waffenstillstand sein werde. Brodrick ant- wottet, es werde sicherlich kein Waffenstillstand statt- finden. Bei Schluß der Sitzung erklätte der Erste Lord des Schatzes, Balfour, die mit Bezug auf die Friedensverhandlungen umlaufenden Gerüchte entbehrten der Begründung. Es seien darüber aus Südafrika keine Meldungen eingelaufen, und der Natur der Dinge nach könnten auch keinerlei Nachrichten vorhanden fein.
Vom Kriegsschauplatz wird aus Graafreinet vom 11. April gemeldet: Die Buren griffen am 6. April Aberdeen an, wurden aber mühelos zurückgeworfen. — Nach einer gestern veröffentlichten Verlustliste sind am 8. und 9. Apri bei Petersburg 1 Offizier gefallen, 3 Offiziere und 5 Mann verwundet, bei Bethlehem am 8. Llpril 3 Mann getötet und 3 verwundet, am 8. April weiter 1 Mann getötet und 1 Offizier und 3 Mann verwundet worden._______________
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 11. April.
Tages-Ordnung: Fortsetzung der Spezialberatung des Eisenbahnetats. Einnahmetitel.
Tr. Crüger-Bromberg (fts. Vp.) weist auf die Unsicherheit im Handel und Verkehr hin, t>er es hauptsächlich zuzuschreiben sei, daß die Eisenbahneinnahmen zurückgegangen sind. Die Kardorssschen Tarifreformvorschläge hätten lediglich die Interessen der Landwirtschaft, nicht aber das Handels- und Verkehrsinteresse im Auge. Der Minister möge erklären, wie es mit dem 'Kanal-Worte: Gebaut wird er doch! stehe. Für Tarifermäßigungen träten seine Freunde ein, nicht aber für Ausnahmetarife.
Minister v. Thiele n bemerkt, Zuckertarife seien eingeführt nach dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit. Die zur Begünstigung der Nordseehäfen bewilligten niedrigen Umschlagstarife auch auf die Rheinhäfen auszudehnen, müsse abgelehnt werden. Ter Minister erörtert die Grundsätze, nach denen bei der Verpachtung der Bahnhofswirtschaften gleichmäßig und überall vorgegangen werde.
Abg. Frhr. v. Zedlik (frk.) meint, die Personentarife herabzusetzen, liege kein Anlaß vor; die meisten Reisen seien Vergnügungsreisen; dagegen werde man in absehbarer Zeit zu einer Herabsetzung der Gütertarife, kommen. Tas Eisenbahngarantiegesetz habe nur noch eine kalkulatorische Bedeutung und zur Anlegung eines Aus- gleichsfonds bedürfe es keines besonderen Gesetzes. Schon heute verfüge der Minister über einen Fonds von 300 Millionen, die ihm bewilligt worden seien, ohne da dadurch besondere Nachteile entstanden seien.
Finanzminister Frhr. v. R h e i n b a b e n erwidert, gegen die Anlegung eines Reservefonds sei nichts einzuwenden, dagegen erscheine es nicht angängig, daß die Eiseabahnver- waltung sich durch ein Fixum, eine Rente, vom Staate loskaufen könne, wie dies von verschiedenen Seiten angedeutet worden sei.
Abg. Becker (Ztr.) bemängelt die Höhe der Schreibgebühr von 1 Mark, die für Antworten auf Reklamationen berechnet und von dem restituierten Betrag gekürzt werde. Redner plaidiert noch für eine möglichste Vereinfachung der Fahrkarten.
Abg. Hirsch (nk.) führt Klage über die unzureichende Anzahl gedeckter Güterwagen.
Abg. O e s e r (fr. Vp.) hält eine Reform der Güter- und Personentarife aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen für nötig. Ohne eine bessere Ausgestaltung der Kanäle werde man der Industrie nicht helfen können. Redner erörtert dann eingehend Uebelstände, die sich aus den mehrfachen Aenderungen der Gütertarife für die in Frankfurt a. M. einmündenden Bahnlinien ergeben haben. Des weiteren schildert er eine Reihe von Eisenbahndiebstählen und hält die Ersatzpflicht der Bahnen ür ungenügend.
Ein Regierungskommisfar erwidert, im großen und ganzen sei das Beamtenpersonal tüchtig und zuverlässig.
Abg. v. Grabski (Pole) beschwert sich darüber, daß )ie Bromberger Eisenbahndirektton Arbeiter gemaßregelt habe, die polnisch sprachen. Tas verstoße gegen die Verfassung.
Minister v. Thieken erwidert, es werde kein Ar- beiter entlassen, weil er in seiner Familie oder mit Freunden polnisch rede; aber im Dienste einer deutschen Bahn habe er deutsch zu sprechen. (Bravo!) Wenn sich der Vorredner über die Ausschließung polnischerZeit- ungen vom Verkauf auf den Bahnhöfen beschwere, so wolle er, der Minister antworten, daß diese Blätter doch ihre Gehässigkeiten gegen Preußen einstellen möchten. (Bravo!)
Abg. Dasbach (Ztr.) meint, daß Preußen trotz der dafür aufgewendeten großen Summen in seinem Signalwesen noch weit zurück sei. Er verlangt Einführung von Toppelsignalen und macht verschiedene andere Vorschläge zur Verbesserung des Signalwesens. Schluß 4i/2 Uhr.
Am Stadt uud Saad.
Gießen, den 12. April 1902.
** Gastspiel des Ibsen-Theaters. Henttk Ibsen ist einer jener großen Unsterblichen, deren Name mit unauslöschlichen Lettern in das Buch der Litteraturgeschichte aller Nationen eingetragen ist. Seine großen Gesellschaftsdramen haben seinen Namen über die Welt getragen. Wir Deutsche besitzen sie in besonders vortrefflicher Ausgabe, die z. Z. im Fischer'schen Verlage in Berlin im Erscheinen begriffen ist. Herausgeber ist neben anderen Dr. Paul Schlenther, der Direktor des Wiener Hofburgtheaters. Ibsen war es, der unserer Schauspielkunst neue Wege zeigte. Mit einer Einfachheck der Ausdrucksweise, die ohne gleichen dasteht, mit einer Knappheit und Prägnanz der Sprache, die gerade in ihrer Kürze um so trefflicher wirkt, chuf er dem dramatischen Künstler Aufgaben, die zu lösen nicht jeder berufen ist. Es erfordert eine hohe Künstler- chaft, diese Gestalten des nordischen Meisters so auf die Vühne zu stellen, daß sie Leben atmen. Das moderne Drama braucht einen neuen Stil. Nicht mehr Rollen nach der alten Theaterschabloire bieten diese modernen Dramen, nein, es sind Typen und Individualitäten, die der Dichter mit fester Hand mitten aus dem wogenden Leben heraus auf die Bühne geleckt wissen will. Dies erkannt zu haben, behauptet der Direktor des reisenden Ibsentheaters Gustav Lindemann. Von jeher, so schreibt er uns, war es sein eifrigstes Streben, die Werke des großen norwegischen Dichters so wiederzugeben, daß dem Publikum eine vollendet künstlerisch abgerundete Leistung dargeboten wird. Alle Feinheiten des Dialogs sind
geistvoll herausgearbeitet und die Stimmung, die gerade bei Ibsen ein so wesentlicher Faktor ist, mirb bis in den feinsten Nuancen abgetönt, sodaß auf diese Weise ein Bühnenbild geschaffen wird, ganz wie es dem Dichter vorgeschwebt hat. „Kunst und Natur sei Eines nur" — diesen Spruch Lessings läßt sich Lindemann als Richtschnur gelten. Und dem Dichter zu geben, was des Dichters ist, das ist sein erstes und letztes Streben. In diesem Zeichen hoffen wir ihn auch bei uns siegen zu sehen.
* * Konzert. Morgen findet in der Südanlage Promenadenmusik mit folgenden Programm statt: 1. Quvetture z. Op. „Undine" von Lortzing, 2. Introduktion a. d. Op. „Die Hugenotten" von Meyerbeer, 3. „Charlotha", Walzer von Millöcker, 4. Potpourri a. d. Op. „Die Afrikareise" von Suppe.
* * Hessisch-thüringische Landeslotterie. Der gemeinsame Landtag der Herzogtümer Koburg und Gotha nahm den Staatsvettrag über die Vereinigung der sächsisch-thüringischen Lotterie mit der hessischen mit 16 gegen 11 Stimmen an.
* * Abg. Köhler-Langsdorf als Poet. Beim Festmahl der neugewählten Bürgermeister des Ersatzbezirks Lich am 7. April wurde, wie wir in der „Hung. Landpost" lesen, an Kreisrat Dr. Wallau in Lauterbach, auf dessen Anregung die Beschaffung des silbernen Pokals zu stände kam, folgendes von Bürgermeister Köhler-Langsdorf aufgesetztes Telegramm abgeschickt :
Viel deutsche Männer sitzen §u Lich im Löwen zumal;
n fröhlicher Tafelrunde
Kreist rpstig der silbern Pokal: Bürgermeister Heller ergreift^ ihn Und redet manch kräftigen Spruch — Und wir, wir Alle rufen:
Dem KreiSrat Wallau ein „Hunch!"
* * Noch ein Kuriosum bei den neuen Briefmarken! Bei einer sehr großen Zahl der neuen Briefmatten ist auf dem! linken Brustpanzer der „Germania" sehr deutlich eine „15" zu erkennen; jedenfalls handelt es sich hier nicht um eine Absicht, sondern um einen originellen Zufall bei der Schattierung. Auch von den alten Marken weisen viele diese rätselhafte Zahl auf, die übrigens nicht auf allen Exemplaren gleich scharf wahrzunehmen ist.
n. Ranstadt, 12. April. Der hiesige Gesangverein „Eintracht" beabsichtigt Anfang Juli das Fest der Fahnenweihe zu feiern. Eine große Anzahl von Vereinen der Umgegend hat bereits ihr Erscheinen zugesagt.
b Mainz, 11. April. In verschiedenen Blättern hat eine Mitteilung Aufnahme gefunden, der Militärfiskus fordere für das hier freiwerdende Festungsgelände 36 Millionen Mk. und stehe bereits mit einem auswärtigen Finanzkonsottium auf Grund dieser Forderung in Verhandlungen. An dieser ganzen Mitteilung ist kein wahres Wort, indem seitens des Militärfiskus überhaupt noch keine Forderung gemacht worden ist. Ans den von der Militärbehörde hierher gelangten Nachttchten ist zu ersehen, daß man im Kriegsministerium noch gar nicht schlüssig geworden ist, welches Terrain von dem freiwerdenden Gelände zum Verkauf gebracht werden kann. — Oberhalb der hiesigen Eisenbahnbrücke ereignete sich heute Vormittag auf dem Rhein ein Schiffsunfall, bei dem ein Menschenleben zu Grunde ging. Infolge heftigen Wellenschlags, der durch einen vorüberfahrenden Dampfer verursacht wurde, sank ein bis zu dem Rande gefüllter Sand- nachen und mit ihm die aus drei Mann bestehende Besatzung. Zwei davon konnten sich durch Schwimmen retten, während der Dritte, ein Familienvater mit mehreren unversorgten Kindern, den Tod in den Wellen fand. — Unter starker Bewachung wurde heute Morgen ein Mühlknecht aus Offstein bei Worms in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefett, der im Verdacht steht, zwischen Heppenheim a. d. W. und Offstein an einem aus Zweibrücken stammenden Geschäftsmann vor einigen Tagen einen Raubmord verübt zu haben. Die Leiche des Ermordeten wurde in der Eisbach bei Offstein gefunden.'
** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Eine Rieseneiche von 1.80 Meter Durchmesser und 9 Kubikmeter Inhalt wurde bei Rohrbrnttn im Spessart gefällt und für 1074 Mark verkauft. — In Birst ein ist eine Firma „Birsteiner Basaltwerke, G. m. b.H." zu Stande gekommen. Gegenstand des Unternehmens ist die Ausbeutung der in der Gemarkung Birstein gelegenen von der Fürstlich Jsenburg- Birstein'schen Verwaltung gepachteten Steinbrüche. Die Ge- chäftsführer sind: Heinrich Winn-Gießen und Hans Klaus-Fulda. — Der evangelische Missionspfarrer Lic. theol. Wilhelm Schüler, ein geborener Kurhesse, ist zum Gouvernementspfarrer beim Kaiserlichen Gouvernement von Kia ut- chou ernannt worden. — Rektor Weifenbach hat aus Anlaß der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums dem Kindergarten in Alsfeld eine Schenkung von 200 Mark gemacht. Die Zinsen dieses Kapitals sollen alljährlich durch die Stadtverwaltung der Kasse des Kindergartens zugefühtt werden.
Vermischtes.
* Spandau, 11. April. Zusammenrottungen v^on Excedenten haben auch gestern wieder stattgefunden. L>traßenpassanten wurden belästigt und mißhandelt; in einem Möbelgeschäft wurden Fensterscheiben eingeworfen und die darin befindlichen Personen bedroht. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen.
Budapest, 11. April. Die Ortschaft Bega-Szent- Gejorgy steht in Flammen.
Belgrad, 11. April. Der frühere Beamte der Monopoloerwaltung Jaroslaw Zeman, ein Oesterreicher, wurde wegen Veruntreuung von 88 529 Francs, begangen wrch Unterschlagung von Marken, zu 20 Jahren schweren Werfers verurteilt. — In Kragujevatz hat sich der stellvertretende Kassierer der dortigen Präfektur Sawa Miliwo- jewitsch wegen eines Fehlbetrages von 2000 Francs er* chossen.
' Konstantinopel, 11. April. Vom 1.—7. Apttl ind in Mekka 66, in Dschedda 139, in Jambo 27 Cholera- Todesfälle vorgekommen. 336 Pilger verließen die Stadt. Im Lazaret zu Eltor starben 17 von 33 Kranken.
„Im schw argen Greif". Unter diesem Titel bringt öie letzte Nummer der Zeitschrift „Die Welt auf Reisen" das folgende hübsche Gedicht Oskar Blumenthals:


