Samstag 12. April 1902
152. Jahrgang
Zweites Blatt
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger v **
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Bezugspreis, monatlich 75 vU orerteli jährlich Wik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenprerS: lokal 12 Pk auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich: Kit den polit. u. allgem. Teil: P. Wtttko: für ,Stadt und Lank/ und „Gerichtssaal^:R.Ditt» mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Nr. 85
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschea Landwirt die Siebener Zamilien- tzlLtter viermal m der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'scheu Unwerf.-Buch- u.Sleü>- druckerri (Pietsch Erbe«) Redaktion, Erpedittou und Druckerei: Schul st raße 7.
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FernsprechanschlußNr.51.
Die Heutige Wummer umfaßt 16 Seiten.
Politische Tagesschau.
Eine „wundervolle Bildsäule".
Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 1L April:
In nicht gerade sehr entschiedener Weise hat die Regierung heute in der Zollkommission zu den erhöhten und gebundenen Viehzöllen, nach dem Kor.lpromißantrag der Mehrheit, Stellung genommen. Wenn Staatssekretär Gras Posadowsky trotz alledem, was jene Mehrheit bereits kül)l bis ans Herz hinan gegen die dringeichen Vorstellungen der Regierung beschlossen hat, und noch im Schilde führt, die fröhliche Hoffnung aussprechen konnte, aus dem rohen Marmorblock der Zolltarifvorlage noch eine „wundervolle Bildsäule"' erstehen zu sehen, so wird das erst recht als eine Ermunterung aufgefaßt werden, an dem Marmor nach Herzenslust herumzumeißeln. Wir glauben kaum, daß die Regierung nach der zweiten Lesung mit Tamino aus der „Zauberflöte" sagen wird: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön!" _______
Schweden und die Holzzölle.
Von geschätzter Seite wird uns geschrieben:
Rach dem Verlauf der Tarifkommifsionsberatungen über die Holzzölle darf eine Erhöhung dieser Zölle über die Sätze des Regierungsentwurfs hinaus wohl für ausgeschlossen gelten. Besonders eindrucksvoll war, wie aus Kommissionskreisen verlautet, die Darlegung des württembergischen Ministerialdirektors Schneider, daß viele deutsche Judustrieen auf den Bezug ausländischen Holzes angewiesen seien. In diesem Zusammenhänge erscheint es angebracht, an eine Petition zu erinnern, die der Allgemeine Exportverein in Schweden vor einiger Zeit an seine Regierung richtete. Es wird darin auseinandergesetzt, daß die im deutschen Zolltarif vorgesehenen Zollerhöhungen auf Erzeugnisse oer Bautischlerei den schwedischen Export zu beeinträchtigen geeignet feien. Deutschland habe Veranlassung, die Interessen Schwedens zu berücksichtigen, da seine Ausfuhr nach dem nordischen Staat im Jahre 1900 fast 190 Millionen Kronen betrug, während es an schwedischen Waren nur etwa ein Drittel dieser Summe bezogen habe. Der Allgemeine Exportverein weist in seiner Pe- tition, um die Regierung auf die geeignetsten Repressalien aufmerksam zu macken, darauf hm, daß deutsche Ma- schrnen, die in Schweden zahlreich Verwendung finden, nur einen Zollsatz von 10 Prozent tragen, während die schwedischen Bautischlerei-Erzeugnisse nach dem deutschen Zolltarifentwurf mit 40 Prozent Zoll belastet werden solleu Es ist selbstverständlich, daß Regierung und Reichstag, wie dies ja auch geschieht, in erster Reihe auf den Schutz des deutschen Holzes bezw. Fabrikates Bedacht nehmen. Das Beispiel Schwedens zeigt aber, wie bedenklich es ist, über das Ziel hinauszugehen. Die Erklärung des Ministerialdirektors Schnerder, daß für die württembergische Regierung die Holzzollsätze des Tarifentwurfs die äußerste Grenze bedeuten, trägt den thatfächüchen Verhältnissen Rechnung.
Ein Sturm im Wafferglafe.
Dem Zwischenfall zwischen der italienischen Regierung und dem schweizerischen Bundesrat wird, wie D. B. Hd. meldet, in römischen diplomatischen Kreisen keine ernstliche Bedeutung beigelegt. Man ist der Ansicht, daß die Differenzen baldigst in freundschaftlicher Weise beseitigt werden.
Ter Streitfall braucht allerdings wohl nicht allzu tragisch genommen toerben. Auf beiden Seiten ist zuviel Eifer entwickelt worden bei einem Anlaß, der ein solches Maß von Erregung kaum wert war. Daß in der Schweiz, wie ein römisches Blatt behauptet, „fünfzig infame Artikel gegen das Gedächtnis König Humberts und mit der Aufforderung» zu neuen blutigen Attentaten" erschienen find, ist an und für sich gewiß bedauerlich und geeignet, die Empfindungen der Italiener zu verletzen. Aber auf der anderen Seite war es ein Eingriff in die Rechte der Schweiz, wenn von dem diplomatischen Vertreter Italiens ziemlich kategorisch das Vorgehen der schweizerischen Behörden gegen die Verfasser und Verbreiter der Schmäharti^l gefordert wurde. Auf italienischer Seite deutet man an, die Verfolgung sei aus Furcht vor den Anarchisten unterblieben. Tas ist doch wohl mehr eine malitiöse als gerechte Auffassung. Tie Schweiz ist nun einmal traditionell das „gastfreundliche Asyl der Verbannten und Besiegten"; die politische Duldsamkeit auch gegen Anarchisten und Nihllisten und Leute ähnlich radikaler uyd nicht menschenfreundlicher Gesinnung mag manchem weitgehend erscheinen. Aber was in der Schweiz Brauch und Gesetz ist, hat schließlich die Schweiz allein zu bestimmen. Kein Staat wird es sich gefallen lassen, daß ihm ein anderer Staat hineinspricht, ihm Belehrungen darüber erteilt, was er der „Zivilisation" und der „internationalen Höflichkeit" schuldig sei. Es handelt sich — selbst eine italienische Zeitung, der „Popolo Romano" giebt das zu — hier um eine juristische Frage: Sind die Artikel des anarchistischen Genfer Blattes nach den schweizerischen Bundesgesetzen strafbar, oder nicht? Es heißt, Zanardelli sei als Rechtsgelehrter in dieser Frage besonders kompetent. Ja, aber doch nur kompetent für die Italiener; für die Schweiz kommt nicht in Betracht, zu welchem Urteil der italienische Ministerpräsident gelangt, sondern wie die zur Strafverfolgung berufenen schweizerischen Behörden fvh • :r ach stellen.
Uebrigens füllte man tu Jtall.i: r. jjl allzu empfindlich sein; in gewissen italienischen B.ä.t. ..n, die aus ihrer glühen
den Neigung für Frankreich und ebenso intensiven Abneigung gegen den Dreibund kein Hehl machen, sind nicht selten überaus scharfe Angriffe, and) solche unzweifelhaft beleidigender Art zu lesen gewesen. Es ist beispielsweise der deutschen Regierung nicht eingefallen, deswegen von Italien auf diplomatischem Wege ein Einschreiten zu fordern oder auch nur als wünschenswert zu bezeichnen. Völlig unbegründet ist natürlich das angeblich in Bern kursierende Gerücht, daß Deutschland sich mit der Ausübung eines Druckes auf die Schweiz einverstanden er Härt habe zur Herbeiführung einer Verschärfung der inneren Gesetzgebung über politische Vergehen. Graf Bülow hat wiederholt im Reichstag darüber sich geäußert, wie entschieden er jeden Versuch einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Mächte verurteile. Mcht einmal ein Vermittlungsversuch wird von deutscher Seite gemacht werden. Recht und Unrecht liegen bei diesem Streitfall nahe beieinander. Ter Konflikt wird am raschesten beseitigt werden ohne die Intervention von dritter Seite.
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Avril. Tas Kaiserpaar begab sich heute morgen mit bem Kronprinzen und dem Prinzen Adalbert nach P o t s da m. Ter Kaiser besichtigte im Lustgarten einzeme Kompagnien des 1. Garderegiments z. F. und später, das Regiment Garde du Korps, das Leibgarde- Husaren-Regiment und das 1. Garde-Ulanen-Regiment. Nach der Besichtigung, der die Generalität, die fremdherrlichen Offiziere und das Ofsizierkorps der Potsdamer Garnison beiwohnten, nahm der Kaiser im Regimentshaufe bes 1. Garde-Regiments z. F. das Frühstück ein- Der Kaiser ernannte den Hauptmann im 1. Gare-Regiment z. F. von Friedeburg zum dienstthuenden Flügeladjutanten und den Prinzen Friedrich Wilhelm, dritten Sohn des Prinzen Albrecht, zum Hauptmann im 1. Garde-Regiment zu Fuß.
— Der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin feierte am 9. d. M. seinen 20. Geburtstag. Staatssekretär v. Tirpitz hatte ihm dazu gratuliert und erhielt heute folgende Antwort:
Für die Namens der kaiserlichen Marine ausgesprochenen freundlichen Glückwünsche sage ich wärmsten Dank. Es gereicht mir zur herzlichen Freude, daß die durch den allzufrühen Tod meines unvergeßlichen Onkels, des Herzogs Friedrich Wilhelm, unterbrochenen Beziehungen zwischen der kaiserlichen Marine und meinem Hause nunmehr durch den Eintritt meines teuren Vetters, des Herzogs Paul Friedrich, wieder von neuem geknüpft sind.
— Reichskanzler Graf Bülow ist heute abend hier wieder eingetroffen. In hiesigen politischen Kreisen teilt man durchaus die optimistische Beurteilung der Resultate, die der Reichskanzler in Wien erzielt hat. Man giebt zu, daß der Zweck seiner Wiener Reise hochpolitisch war, und daß in den Besprechungen mit den Wiener Staatsmännern die Treibundfrage das Hauptthema gebildet hat, um das sich natürlich die anderen damit im Zusammenhang stehenden Fragen, darunter auch die handelspolitischen, entsprechend gruppierten. Es ist auch in Wien, wie vor kurzem in Venebig, in allen wesentlichen Punkten zwischen den Verbündeten eine völlige Uebereinftimmung erzielt worden, und wenn sich auch die Früchte nicht von heute auf morgen zeigen werden, so ist doch an der Erneuerung des Dreibundes nicht zu zweifeln.
— Stadtrat Kau f fmann äußerte dem ihn in der Heilanstalt besuchenden Stadtverordnetenvorsteher Dr. Langerhans gegenüber, bezüglich seines Verzichts auf die Bürgermeisterwahl, er hoffe der Stadt Berlin als einfaches Mitglied des Magistratskollegiums noch lange dienen zu können. Der behandelnde Arzt erklärte, 5tauffmann könne schon in den nächsten Tagen die Anstatt verlassen und nach Thüringen gehen. Der beim Stadtverordneten-Vorsteher eingegangene Bries, der von einem Verzicht auf die Kandidatur spricht, stammt von dem Bruder Kauffmanns. Syndikus Dove teilt mit, daß für ibn jedes Zurückkommen auf eine Aufstellung seiner Kandidatur für den Bürgermeister-Posten ausgeschlossen sei.
— Nach einer parlamentarischen Korrespondenz wird in Reichstagskreisen der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Vertagung des Reichstags bereits Mitte Mai erfolgen werde. Man begründet diese Vermutung mit dem Hinweis darauf, daß die Zolltarifkommission ihre Arbeiten um so eingehender fördern könne, je früher der Reichstag vertagt werde. Mit der frühzeitigen Vertagung würden einige wichtige Vorlagen, wie das Schaumwein st euer-Ge setz und die Novelle zum Branntweinsteuer-Gesetz unerledigt bleiben.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt dcn gestern vom Bundesrat genehmigten Gesetzentwurf betreffend Re- gelung der Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben mit. In den einleitenden Bestimmungen heißt es u. a.: Als Kinder im Sinne dieses Gesetzes gelten Knaben und Mädchen unter 13 Jahren, sowie solche über 13 Jahre, die noch schulpflichtig sind. Sm- § 8 wird die Beschäftigung fremder .Kinder, im § 6 diejenige eigener geregelt. Es folgen gemeinsame und Strafbestimmungen. Tie Schluß beftimmungen besagen: Vorstehende Bestimmungen stehen weiter gehenden landesrechtlichen Beschränkungen der gewerblichen Kinderarbeit nicht entgegen. Das Gesetz soll im Juli 1903 in Kraft treten. Eine Anlage verzeichnet die Werkstätten, in deren Betriebe, abgesehen vom Austragen von Waren und von son igen Botengängen, Kinder nicht beschäftigt werden dürfen.
— Tas Wolff's cc Jureau meldet aus Shanghai:
Tie deutschenKriegsschiffe „Geier" und „L u ch s" begeben sich nach Ninapo, da dortiae deutsche Staatsangehörige den Ausbruch einer f re m den f ei n dlich en Bewegung befürchten, die vornehmlich gegen die katholische Mission in Ningpo gerichtet fein soll. Tie chinesischen Behörden erklären, sie seien genügend vorbereitet, um etwaige Unruhen zu unterdrücken.
Anslanli.
London, 11. April. Nach einer amtlichen Mitteilung wird der K ö n i g, der bis zum 15. April im Westen Englands zu bleiben gedachte, morgen nachmittag hierher zurückkehren.
— „Standard" und „Daily Ehroniele" verzeichnen das Gerücht, das bevorstehende Budget werde einen Zoll von 5 Pence auf den Zentner Mehl und 3 Pence auf den Zentner Getreide Vorschlägen.
Paris, 11. April. Der Minister für die Kolonien erhielt eine Depesche des Gouverneurs von Französisch- Kongo, welche die Nachricht des „Journal de Paris" von der Ermordung des Direktors der sranzösi- schenFaktorei amoberenSanglia,Cayeneuve durch eine Bande Eingeborener und die Plünderung der Faktorei sowie derjenigen von Pembe bestätigt. Eine Milizabteilung schlug die Eingeborenen in Likelamba. Ter Gouverneur entsandte mehrere Abtellungen Senegalschützeu nach Odessa.
Madrid, 11. April. Heute nacht starb auf einem Festmahle der Aerzte in Barcelona der Führer der 5iatalanisten Dr. Robert plötzlich am Herzschlage, als er fein Champagnerglas zu einem Trinkspruch erhob. Der Tod Roberts ist nicht ohne politische Bedeutung.
Bern, 11. Älpril. Dec Nationalrat hat mit 70 gegen 60 Stimmen beschlossen, den Zoll auf Naturw eine auf 20 Frcs. festzusetzen. Der Bundesrat und die Mehrheit der nationalrätlichen Kommission hatten 17 Frcs. vorgeschlagen.
Ues kueb, 11. April. Vor einigen Tagen wurde von türkischen Truppen bei Kadi ko ei, in oer Nähe von Prilep, eine Bande eingeschlosfen, deren sämtliche sieben Mitglieder nach längerem Kampfe getötet wurden. Die Bande stand unter Führung eines ehemaligen Lehrers, welcher vor mehreren Jahren wegen eines politischen Mordes verurteilt worden war.
Die Vorgänge in Belgien.
Die aus Belgien kommenden Depeschen lassen den vollen Ernst der dortigen politischen Lage erkennen. Alles deutet auf einen stürmischen Verlauf der nächsten Woche hin. Daß es in letzter Stunde noch gelingen werde, den von sozialistischer Seite proklamierten allgemeinen Ausstand zu verhindern, ist wenig wahrscheinlich. In diplomatischen Kreisen rechnet man immerhin noch mit der Möglichkeit, daß ftönig Leopold seine unbestrittene Popularität in die Wagscyalc werfen und das schlimmste zu verhüken bemühen werde. Den König, soviel steht fest, trifft keine Schuld an all den Vorkommnissen, und es verdient immer wieder hervorgehoben zu werden, daß dies auch seitens der parlamentarischen Opposition konstatiert worden ist. Dagegen hat das M i n i ft e r i u m in der ganzen Behandlung der Wahlreformsrage ebensowenig Geschick wie Mäßigung an den Tag gelegt .Drohungen an die Anwälte des allgemeinen und gleichen Wahlrechts sind angesichts der Erregung in wellen Volkskreisen wahrlich nicht am Platze gewesen. Die kommende Woche wird's lehren. Heute aber schon Alarm zu blasen und die Revolution marktschreierisch auszuposaunen, ist kindische Sensationslüsternheit.
Es liegen heute folgende Meldungen aus Brüssel vom 11. d. M. vor:
Bürgermeister Temot hat in der zweiten Morgenstunde den Beschluß gefaßt, jede öffentliche Manifestation zu verbieten. Zur Verstärkung der Besatzung sind hier zwei Bataillone Infanterie, eine Kompagnie Genietruppen und ein Regiment Kavallerie eingerückt. In jeder Kaserne ist ein Bataillon konsigniert. Die Truppen erhielten zwei Pakete scharfe und zwei Pakete Platzpatronen. Auch die Gendarmerie wurde verstärkt. Tie gesamte Bürgergarde wurde zusammengerufen und erhielt die strengsten Weisungen zur Unterdrückung von Rnyestörungen. In den verschiedenen Hospitälern sind während der Nacht und am Morgen über 40 Personen ecngebracht und behandelt worden, die am Abend durch Säbelhiebe und Schüsse verwundet ipurben. Die Polizei hat Nachforschungen in verschiedenen Hotels angestellt und 15 Personen dabei verhaftet, von denen drei sich nicht ausweisen konnten. In der Wohnung des Grafen von Merdoe haben die sozialistischen Demonstranten sämtliche Fenster eingeworfen. Die Gendarmen zerstreuten die Menge uni) verletzten mehrere Demonstranten durch Bajonettstiche. Vor dem neu erbauten deutschen Schulhaufe errichteten die Kundgeber eine Barrikade, indem sie von benachbarten Bauplätzen das Baumaterial entwendeten und außerdem noch das Straßenpflaster aufrifsen. Von hier aus wurde auf die Gendarmen beschossen. In der ganzen Gegend sind sämtliche Fensterscheiben demoliert. Im Volkshause wurden 20 Personen, die Verletzungen erhalten hatten, verpflegt. Die Burgerwehr, die aus dem Cafe im Volks hause mit Steinen beworfen wurde, drohte hieraus den Tumultuanten, in das Cafe hineinzuschießen, woraus ein Mitglied sich erbot, die Demonstranten zu bewegen, das Cafe zu raumen, was auch geschah. Die aus d em Cafe herausdrängende Menge wurde von dem Militär mit Kolbenstößen und Säbelhieben weiter getrieben. Das sozialistische Gemeinderatsmitglied Hallet wurde verhaftet, weil er sich als Bürgergavbch geweigert hatte, scharfe Patronen in Empfang zu nehmen. Volkaert,


