Ausgabe 
11.12.1902 Drittes Blatt
 
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das Staatsdepartement Instruktionen, lediglich den Schrift­wechsel zwischen Deutschland oder England zu befördern, sonst aber sehr vorsichtig zu sein. In Washington fürchtet man -atugenscheinlich, daß Castro versucht, die Vereinigten Staaten in die Angelegenheit hineinzuziehen. Bowen tele­graphierte weiter, daß durch seine Vermittelung der größte Teil der deutschen und englischen Gefangenen freigelassen worden sei. Deutsche und englische Schiffe be­schlagnahmten das Zollhaus in La Guhara.

Newyork, 10. Dez. Nach einem Telegramm aus Ca­racas von gestern sagte Präsident Castro einem Bericht­erstatter, Venezuela erhielt kein Ultimatum im wahren Sinne des Wortes, sondern nur ein ungefähr gleichzeitig gestelltes Ersuchen Deutschlands und Englands. (Faule Ausrede! D Red.) Von geringfügigen Ansprüchen wußte er nichts. Diese Ansprüche wurden nie­mals erhoben, er habe sich folglich niemals geweigert, sie zu befriedigen. Das Vorgehen Englands sei daher unge­rechtfertigt. Ueber die fremden Forderungen könne er erst entscheiden, wenn der Aufstand gänzlich unterdrückt sei. (Ta würden die Mächte wohl lange warten können. D. Red.) Des weiteren sagte Castro, er werde dem Recht Geltung ver­schaffen. Venezuela habe Gesetze, und er werde beweisen, daß es niemals seine Verpflichtungen ableugnete. Die Re­gierung sei überrascht gewesen, daß die fremden Vertreter Caracas verließen, ohne die Antwort ihrer Noten abzu­warten.

Volitilche Tagesschau.

Englischer Klatsch.

DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: Die englische Monats­schriftNational Review" wärmte in ihrer D-ezember- nummer die Klatschgeschichte wieder auf, nach welcher der Kaiser auf seiner letzten N o rdlandreise an Bord einer amerikanischen Jacht abfällige Aeußerungen über den König von England, die britische Regierung und das britische Volk gemacht haben soll. Da diese Geschichte jetzt unter Berufung auf dieNational Review" in englischen und französischen Blättern verbreitet und zu Hetzereien gegen Deutschland ausgcbeutet wird, ist es nölig, sie als das zu kennzeichnen, was sie ist: eine dreiste Erfindung.

Die javanische Thronrede.

Aus Yokohama, 10. Dez., meldet uns Wolffs Tele- araphenburcau: Der Kaiser eröffnete heute persönlich die Tagung des Parlamentes mit einer Thronrede, in der die Ordnung der Tinge in Nordchina erfolgt sei, ohne Schädigung allgemeiner Interessen und unter gleich­zeitiger Wiederherstellung des Friedens in Ostasien. Die Thronrede empfiehlt das Budget der Beachtung des Hauses, insbesondere lenkt sic die Aufmerksamkeit desselben auf den Flottenvermehrungsplan und die Aufrechterhaltung der Grundsteuer.

Ausland.

Wien, 10. Dez. Der Kaiser hat sich von seinem rheumatischen Leiden vollständig erholt und fährt morgen von Schönbrunn nach der Hofburg, um dort die laufenden Regierungsgeschäfte zu erledigen. Der Kaiser wird aber den Aufenthalt bis auf weiteres in Schönbrunn aufrecht erhalten.

Rom, 10. Dez. In der Kammer legte der Minister des Auswärtigen, Princtti, die auf die englisch-italienischen Abmachungen bezüglichen Aktenstücke, sowie den Vertrag zwischen Italien und Aethiopien, betreffend die Grenze von Erythraea, Sudan und Aethiopien vor.

Madrid, 10. Dez. Im heutigen Ministerrat legte der Finanzminister dar, der laufende Staatshaushalt werde ohne ein Defizit abschließen. Statt Schaffung neuer Steuern werde auf eine gerechte Verteilung und pünktliche Zahlung der bestehenden Steuern gedrungen; er hoffe, bald lieber- schüsse zu erzielen zur Verbesserung der Flotte und der Lan­desverteidigung. Der Abschließung der Handelsverträge werde er besondere Aufmerksamkeit schenken, ebenso einer Ge­sundung der Valuta.

Konstantinopel, 10. Dez. Der russische Botschafter verlangte in energischer Form von der Pforte die sofortige Erledigung aller gegen russische Untertanen ungesetzlich ver­handelten Gerichts-Affären und drohte im Weigerungsfälle energische Maßregeln an.

Taganrog, 10. Dezember. Als heute eine Anzahl R ekru te n, welche nach Port Arthur abgingen, von ihren Verwandten ginn Bahnhofe begleitet wurden, versagte die Bahnhofsverwaltung letzteren die Zulassung zum Bahnsteig. Die von ihnen mitgebrachten Gepäckstücke und Proviantvor­räte blieben auf dem Platze vor dem Bahnhofe liegen. Der Protest der Rekruten blieb unberücksichtigt. Die Begleiter der letzteren schleuderten darauf Steine gegen das Bahnhofs- gebälide. Alle Scheiben wurden dabei zertrümmert, zwei Gendarmen, sowie ein Schutzmann verwundet.

Aus Stadt und Fand.

Gießen, den 11. Dezember 1902.

** Hofnachrichten. S. K. H. der Großherzog haben den Wunsch geäußert, es möckstm etwa für ihn bestimmte Clücklvüi'sth ' aus Anlaß des Jahreswechsels nicht nach Ostindien geschickt, sondern unter der Adresse der Großherzoglichen Kabincttsdirektion nach Darmstadt ein­gesandt Vierden. Die genannte Behörde wird nicht ver­fehlen, die einlaufenden Glückwünsche S. K. H. dem Groß­herzog nach seiner Rückt hr zu unterbreiten. S. K. H "der G r o ß h e r z o g empfingen am 9. Dezember vormittags den Puchdruckereibesitzer B a en sch-Drugulin von Leipzig, welcher die Ehre hatte. S. K. Hoheit das zweite Exemplar der Fürstenausgabe eines Monumentalwerkes der Buch­drucker- und SchriftgießerkunstMarksteine der Weltweit heit aller Völker in Originalschriften" zu überreichen.

** Per 's o n allen. S. K. H. der G r o ß h e r z o g haben Llllerguadigst geruht, am 6. Dez mb er den Pfarrer Karl Stempel zu Böbingen in der Rheinpfalz zum Pfarrer der cvangeliscl^en Pfarrstelle zu Angersbach, De- Tanat Lauterbach, zu ernennen. S. K. H. der Groß- Herzog haben Mergnädigst geruht, am 6.Dezember der am 2. Tcezmber durch die Stadtverordneten-Versammlung zu Bensheim erfolgten Dahl des Rechtsanwalts Dr. Ignaz Irenay zu Mainz zum Bürgermeister der Kreisstadt Bensheim die Bestätigung zu erteilen.

** Personalien der Ob er-Postdirektion Darmstadt. S. K. H- der G r o ß h e r z o a haben dem Briefträger Todt in Gießen bei seinem scheiden aus dem Dienste das Allgemeine Ehrenzei ' mit der Inschrift: ,Hür langjährige treue Dienste" zu verleihen geruht.

* * Das Gro ßh. Regie rnngS blatt Rr. 79, ans- gegeben am 9. Dezember d. enthält: Verordnung, die Bildung einer Genossenschaft zur Ausübung der Fischerei im Main betreffend. Vom 3. Te^mber 1902.

Klein-Linden, 9. Dez. Sein 30j ä h r. Dienst­jubiläum feierte vorgestern der Eisenbahnbedienstete Neurath von hier, wozu sich Freunde und Kollegen des Jubilars im ,Aernhardhäuser Hoß" eingefunden hatten. Herr Bonarius ans Gießen überreichte dem noch sehr rüstigen Jubilar eine prachtvolle Gedenktafel.

Singen, 9. Dez. Ein frecher Einbruchsdieb- st a h l wurde in d er Nacht von Sonntag auf Montag in unserer evangelischen Kirche verübt. Dem Anschein nach waren es mehrere Burschen, die von dem Mittelpfade durch die Weinberge ihren Weg nach der Kirche genommen haben. Hier haben sie eine Scheibe des Sakristeifensters eingedrückt und sind in die Kirche eingestiegen. Drei Sammelbüchsen, von denen Mei in einem unverschlossenen Schranke stan­den und eine an einem Pfeiler befestigt war, wurden von den Dieben erbrochen und ihres Inhaltes beraubt, der Übrigens höchstens zwei Mark in Nickel- und Kupfermünzen betragen haben kann. Sonst haben die Diebe nichts mit­genommen oder beschädigt. Ueber die Thäterschaft ist nichts bekannt.

Niederklein, 10. Dez. In Ergänzung des gestrigen Berichtes über das hiesige Großfeuer sei noch mitgeteilt, daß es erst heute morgen um i/27 Uhr gelang, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, sodaß jede weitere (Äfahr abgewandt erschien. Sämtliche Gebäude sind bis auf die Grundmauern niedergebrannt unb ein großer, wüster Trümmerhaufen, der noch immerwährend raucht und lodert, bezeichnet die Stätte, wo gestern noch ein ganzes Häuserviertel sich erhob. Leichte brennende Gegenstände sind über stundenweit von der Brandstätte weggeflogen. Bei den Lösch- und Rettungsarbeiten zog sich ein Mann von hier schwere Brandverletzungen im Gesichte und ein anderer eine erhebliche Verletzung am Beine zu. Zahl­reiche Fremde waren heute zur Besichtigung der Brandstätte hier anwesend. Ter Erste Staatsanwalt aus Marburg war gleichfalls heute hier anwesend; desgleichen der Landrat. Dem Vernehmen nach ist mit der weiteren Verfolgung der Entstehungsursache des Feuers das Amtsgericht Kirch­hain beauftragt worden.

Vermischtes.

Berlin, 10. Dez. Am königlichen Schloß brach heute Feuer aus. Es brannte em an der West­seite angebrachtes Gerüst. Infolge der Hitze sprangen die neu eingesetzten Sandsteine, sodaß ein Schaden von etwa 25 000 Mark entstanden ist. Die in großer Stärke er­schienene Feuerwehr löschte den Brand in kurzer Zeit.

* Berlin, 10. Dez. In der städtischen Gasan­stalt am Wedding brannte heute vormittag ein drei­stöckiges Gasreinigungsgebäude nieder. Den dreistündigen Bemühungen der Feuerwehr gelang eS, ein nebenstehendes ReinigungSgebäude zu retten, nachdem, um eine Explosion zu verhüten, ungeheure Mengen ungereinigten Gases in die Luft abgelaffen waren. Der Schaden ist bedeutend. Der Bewohnerschaft des Stadtteils Wedding hatte sich eine große Aufregung bemächtigt.

Stuttgart, 10. Dez. In der Leonha rd Skirche brach heute in einer Empore ein B ra nd aus, der vermut­lich durch einen schlecht funktionierenden Kamin entstand. Das Feuer gewann indeffen keine größere Ausdehnung unb blieb auf seinen Herd beschrankt, die Kirche wurde einstweilen geschloffen. Heute begann der Landtag eine kurze Tagung, die bis Weihnachten dauern wird. Vor Allem wird die Volksschulnovelle beraten werden.

Wien, 10. Dez. Der Hof schauspieler Schöne ist gestorben. Der Hofbuchhandler Hardt hat sich aus Furcht, wahnsinnig zu werden, eine Kugel in den Kopf ge­schossen. Er ist lebensgefährlich verletzt.

»HonningSvaag (Norwegen), 10. Dez. Infolge heftigen westlichen Sturmes seit vorgestern sind fünf Boote mit 17 Mann Besatzung untergegangen,

Reims, 8. Dez. In der Glasfabrik von Loiore-Courcy barst der Schmelzofen. Zahlreiche Arbeiter wurden von den glühenden GlaSmaffen überschüttet unb. schwer verletzt. Einer derselben ist feinen Verletzungen bereits erlegen.

Madrid, 9. Dez. Wie aus Coruna gemeldet wird, wurden gestern zwei Soldaten auf offener Straße von einer Anzahl Strolche angegriffen und einer derselben schwer verwundet. Die einschreitende Gendarmerie machte von der Waffe Gebrauch. Einer der Strolche wurde getötet, mehrere andere verwundet.

* ZumTreberprozeß. Nachdem die französische Re- gienmg ihr Einverständnis erklärt hat, daß gegen den Direktor Adolf Schmidt, welcher im Sommer d. I. von Frankreich ausgeliefert worden war, auch wegen Betrugs verhandelt werden kann, fordert der Untersuchungsrichter beim Land­gericht Raffel Diejenigen auf, sich zu melden, welche durch die günstigen Geschäftsberichte, die glänzenden Bilanzen usw. zum Erwerbe von Trebenverten veranlaßt worden sind und sich nun geschädigt fühlen.

30 Sträflinge entsprungen. AuS dem Zuge 213, der zwischen Hamm und Hannooer verkehrt, entsprangen 30 Sträflinge, darunter zwei schwere Jungens. Alle sollten nach der Strafanstalt Lingen transportiert werden.

* Hundertzehn Jahre alt zu werden, ist in unseren Zeitläuften, die an »nur* Hundertjährigen gar so rar sind, ein ganz besonderes Ereignis. 11t) Jahre alt mürbe, wie aus Wiener Neustabt telegraphiert wirb, ber Privatier Kaspar Gerstl, ber bieser Tage in Wopsing ge­storben ist. Er war ber älteste Mann im Neustäbter Bezirk unb hat in brei Jahrhunberten gelebt.

Mit seinem Taschenmesser tötete sich am Dienstag in Berlin in einer Schankwirtschaft in ber Baruther- straße ber Vizewachtmeister Hermann Draaz, inbem er sich in den Hals unb Unterleib schnitt. Draaz, ber im 12. Jahre biente, gehörte ber 3. Kompagnie deS Garde-Trainbataillons an, war aber feit ungefähr zwei Jahren zur Bespannungs­abteilung des Telegraphenbataillons Nr. 1, bie in ber Kaserne an der Alexanbrinenstraße liegt, abtommanbiert. Er bewarb sich bei verschobenen Behörben um eine Zivil­anstellung, erhielt aber überall ben Bescheib, daß wegen ber vielen Vormerkungen bie AuSsickten nicht günstig seien, unb mar bann immer sehr nieberge chlagen. In ber Verzweif­lung, bie seinen Geist trübte, legte er schließlich Hand an sich. Draaz war 32 Jahre alt.

* Ueber eine Meuterei an Bord eine- deut­sch en Schiff es wird demHamb. Korresp." aus Kon­stantinopel irnterm 4. Dezember geschrieben: Der heute aus dem östlichen Teile des Schwarzen Meeres hier ein­gelaufene Dampfer ,Leros", Kapitän 'Hübet, derDeut­schen Levante-Linie" war der Schauplatz sehr aufregender Vorgänge. Ms das Schiff Heraklea anlief, um Kohlen ein- zunehmen, beschwerten sich die etwa 300 Dechxrssagiere, unter denen sich viele Tscherkessen befanden, hcfttg über diesen Aufenthalt, der Dampfer gehe zu langsam, ihre Vor­räte seien zu Ende :c. Vergebens suchte der Kapitän bie Leute zu beruhigen. Ties gelang erst, nachdem Brot ver­teilt worden und vom Lande zwei bewaffnete Soldaten an Bord gekommen waren, welche da- Schiff bis Kvn- stantinop«ä begleiteten. Ms jedoch der Dampfer, feiner Be­stimmung nach, in Zongulday zur Uebernahme von 120 Tonnen Nutzholz anhielt, brach die Revolte abermals und heftiger aus, sodaß der Kapitän seine gesamte Mannschaft, so gut wie möglich bewaffnet, auf die Snicfe beordern mußtet Lülsssignale wurden abgebrannt, vom Lande auS kam in- dessen die Nachricht, daß polizeiliche Hilfe nicht gewährt werden könne, und so sah sich das Schiff genötigt, die fc- gänzung der Ladung aufzugeben, und schleunigst nach Kon­stantinopel weiterzudampfen. Beim Einlaufen in ben Bosporus ward die türkische Behörde informiert, und bevor der Dampfer in den Hafen einlief, erschienen zahlreiche bewaffnete türkische Polizisten an Bord, welche die An- führer entwaffneten und etwa 40 der Hauptkrafehler in Haft nahmen. Sie sehen ihrer Bestrafung entgegen. Nur der energischen, mutigen Haltung des tüchtigen Kapitäns und seiner braven Mannschaft ist es zuzuschreiben, daß Blut­vergießen und schwere Gefährdung von Schiff und Ladung vermieden wurden.

* Einen Preis von 4 000 000 Mark hat ber Se­nator Clark, derKupferkönig" von Montana, für das­jenige seiner Kinder ausgesetzt, das ihm den ersten Onkel schenken würde. Dieser Preis ist jetzt von seinem Zeiten Sohn W. A Clark, der in Butte, Montana, lebt, am 1. Dezember gewonnen worden. Tie Nachricht wurde so­gleich nach Paris gekabelt, wo Senator Clark zur Zeit 'weilt. Seine jüngste Tochter, die in Newyork lebt, gebar vor kurzem eine Tochter, und sein ältester Sohn, ber seit fünf Jahren verheiratet ist, hat keine Kinder. Eine andere Tochter hat mehrere Mädchen, aber keine Söhne. Ter Senator soll diesen hohen Preis ausgesetzt haben weil er darüber enttäuscht war, daß er keinen Enkel batte.

Die falschen Perlen. AuS Paris vom 8. öS. wird berichtet: Die Versteigerung ber Juwelen Wanda be Boncza's brachte am britten Tage nur 235 000 FreS. em, weil ber Sachoerstänbige Bloch mit Bezug auf eine Perlen­kette die Erklärung abgab, daß sich brei falsche Perlen in dieser befinden. Das wirkte auf bie Käufer sehr abschreckend unb die Kette brachte eS nur mühsam auf 38 500 irrcS Em fünfteiliges Perlenhalsbanb, bestehend auS 88 Perlen unb 56 Brillanten mit einem prachtvollen Mittelstück au6 zwei großen Saphiren, sechs Brillanten, zwei Perlen unb zwei Smaragben, stieg biS auf 70 000 FrcS. Der Gesamterlös für bie Juwelen beträgt 1 214 578 FrcS.

'Als ein eigentümlicher Verein wurde jüngft ber in Berlin entftanbene Verein der Lebensretter bezeichnet. Dazu schreibt man uns aus dem Königreich Sachsen: Auch bei uns finden sich Vereine, bie burch Namen unb Zweck aüffällen: Der .Orkan-Verein" unb ein »Verein zur 8t« erbigung von Selbstmördern*. Sieht man aber näher zu, so begreift man recht wohl, was zur Grünbung dieser Vereine geführt hat. Der Orkan-Verein ist von ben Herrenhuler Brüdern inS Leben gerufen und unterstützt deren Gemeinde­glieber unb Missionen in Zentral-Amerika, wenn sie burch Orkane, wie sie bort häufig auftreten, schweren Schaben er­litten haben. Ter Verein zur Beerbigunq von Selbst« mörbem entstaub in Chemnitz, als Vorgänge bei bem Be­gräbnis eines Unglücklichen, der Hand an sich gelegt, öffentliches Aergemis gaben.

Grauenhafte Lynchjustiz. Die Einwohner von Lenoxville im Staate New-Pork haben an einem Neger, der eine weiße Frau ermordet hatte, fürchterliche Lynchjustiz ge­übt. Sie banden den Mörder an den Leichnam seine? Opfers fest unb sperrten ihn alsbann so in eine Gefängniszelle, wo­rin er brei Tage unb brei Nächte blieb. Der Leichnam, von bem sich ber Neger nicht loSmachen konnte, zersetzte sich schnell. Der Schwarze brüllte unaufhörlich. Nach 72 Etunben öff­nete man bie Zelle unb fanb, baß ber Neger von Tobsucht befallen war. Daraufhin würbe er mit Revolverschüssen ge- tobtet.

Grrichtslaal.

Bonn, S. Dez. Degen Mißhandlung hatte kick» der Polizei» fergeant unb Cberroäcbter Stcenebrügge zu Poppelsdorf vor der Strafkammer zu verantworten. Der Student Ansorge hatte an einem Junitage in ber Morgenfrühe ben Angeklagten angetroffen, rote er ein Haus verunreinigte. Ansorge bemerhe: .Wenn da« .Polyven" (ftubentifeber Spitzname für Nachtwächter» thun, Io kräht fein S?abn darnacki. Thut es aber ein Student, io erhalt er ein Protokoll!' Aufgebracht hierüber schlugteenebrugae dem Stilbenten ins Geffcht, daß ihm der Kneifer von der Aale ttog. Leiter verlangte darauf, bem Kommissar vorgeführt zu werden. Das that denn auch der Polizist: als er aber seinen Tlann aus der Wache hatte, versetzte er ihm mehrere Schlage in« ffiendit, baß dem Studenten, der inzwischen statt des verloren gegangenen Kneifei's eine Brille aufgesetzt hatte, diese in Stücke ging. Ter Beigeordnete Lücke suchte den Angeklagten ^vor Gericht mit der 'Behauptung zu rechtfertigen, daß gerade die Studenten in Vels­dorf es auf die Polizisten abgesehen hätten und sogar mit Metern (!) auf sie losgingen. Sowohl der Gerichtsvorsttzendc al- der Staats­anwalt hängten diese Behanvtungen niedriger. Letzterer teilte mit, daß gegen den Angeklagten noch em Verfahren schwebt wegen Mißhandlung mit dem Säbel. Er beantragte 3 Monate unb 1 Woche Gefängnis. DaS Gericht erfannte mit Rücklicht auf die bis­herige straflose Führung des Angeklagten auf brei Wochen Ge- 'ängnis. _______

llnultr itlrluiiiiini.

Origiualdrahtmcldnngcn dcS Gießener Anzeiger.

Berlin, 11. Tez. TiePost" meldet: Der Wtrll. Geh. Regicrungsrat, frühere Ministerialdirektor im Kultus- miniftenum de la Croix ist gestorben. TenD. P N." zufolge enthält der Cckat für 1903 die erste Rate für die Beteiligung Deutschlands an der Weltaus­stellung in St. Louis.

Wien, 11. Tez. DieN. Fr. Pr." meldet: Baron Gundakar von Suttner ist gestern abend gestorben.

Großwa'-dein, 11. Tez. In einer hiesigen Fabrik explodierte ein1 Anzahl von Rcinigungsretorten. T«e Dächer der Fabrik wurden fortgeschleudert, zahlreiche Fenster rr.inir.r: Memck.nleöen nno nickst zu lekiagen. _ _ Gegen Lchnnpfev: Forman-Aethcr-Datte (Tose 30 Sfa.).