Ausgabe 
11.10.1902 Zweites Blatt
 
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Staatsanwalt Hoos führt zur Begründung der An. klage aus: Selten nur stehe bei uns das schwere Verbrechen des Raubes zur Anklage. Aber dann seien eS immer Stro­mer, arbeitsscheues Gesindel, welches sich der That schuldig mache. Durch die Zeugenvernehmung sei dargethan, dag der Angeklagte ein Mensch sei, der der Arbeit aus dem Wege gehe, der ohne Zweck in jener Gegend herumgelaufen sei, wie die Zeugen vom Hof-Graß dres bekundet haben. Ter Staatsanwalt schildert den Geschworenen genau die Oertlichkcit, wo die That verübt wurde; er bittet die Ge­schworenen dringend, den ihnen überlassenen Handriß jener Gegend genau zu beachten, und sie würden zu der lieber* Zeugung kommen, daß der Platz an der niedrigen Mauer, die in der Nähe des Viadukts an der Kreis)traße noch Hungen hinläuft, ganz besonders zu einem Ueberfall sicy eigne, wie er am 6. August gegen 10 Uhr gegen die Frau Berg ausgeübt ist. Ter Thäter ist hinter der Mauer herum gelommen, wie dies wohl möglich) ist, und hat die Be- raubte von hinten herniedergerissen. Dieser Thäter kann niemand anders als der Angeklagte gewesen sein. Er gesteht ja selber zu, daß er wenige Minuten vor der Be­gehung des Raubes am Thatorte gewesen ist, er giebt auch zu, an der Stelle gewesen zu sein, als der Schäfer Arnold mit seiner Herde Schafe vom Inheidener Wäldchen her über den Bahnviadukt gekommen i|t und in der Richtung nach Hungen zog. Hierzu komme die Aussage der Z-rau Berg, und somit stehe fest, daß Schwing den Raub aus- gesührt hat. Die Frage, ob eine andere dem Angeklagten in Statur ähnliche Person an dem fraglichen Morgen die Ltraße Hungen-Inheiden passiert habe und somit das be­gangene Verbrechen hätte verüben können, kann mit Fug und Recht verneint werden. Staatsanwalt Hoos ist der Ansicht, daß der Angeklagte von Inheiden den Feldweg benutzt hat, um an den Ort der Thal zu gelangen. Un­glaubwürdig seien die Erzählungen des Angeklagten; es glaube ihm gewiß niemand, daß er in der Nähe des That- ortes bis nach ein Uhr mittags geschlafen hat. Es sei dies auch nach der ganzen Beweisaufnahme rein unmöglich. Ter Staatsanwalt zieht noch alle Momente heran, die beweisen sollen, daß der Angeklagte und kein anderer die That verübt habe, und tritt dafür ein, daß die Gefchworenen die an sie gestellte Schuldfrage bejahen müssen. Weiter tritt aber der Staatsanwalt dafür ein, daß im vorliegen­den Falle dem Angeklagten mildernde Umstände zugesprochen werden müssen.

Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Klarenaar, plaidien. dahin, daß der Angeklagte freizusprechen sei. Er gestehe su, daß zwar fein Klient dringend verdächtig sei der That, deren man chn anklage, begangen zu haben; aber das sei ganz etwas anderes, als ob man ihn Der That überführt habe. Und dies sei nicht der Fall- Ter Verteidiger kommt zu dem Resultat, daß mindestens sehr starke und berechtigte Zweifel daran beständen, baß der Angeklagte die That wirk-

Schwurgericht.

P. Gießen, 11. Okt.

Nachdem gestern vormittag Landgerichtsrat Holzapfel Am 9 Uhr die Sitzung eröffnet hatte, mußte er noch vor Eintritt in die Verhandlung diese vertagen, weil er, voll­ständig heiser, sich außer Stande sah, die Verhandlung zu Nach etwa einer Stunde übernahm Landgerichtsrat Schmidt den Vorsitz. Es wurde verhandelt gegen den zu Kohden geborenen, 33 Jahre alten Maurer Wilhelm Schwing, zuletzt wohnhaft zu Kupferdreh (Rheinland), Raubes. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Hoos. Als Verteidiger ist Rechtsanwalt Klarenaar erschienen. Zur oadjc selbst .sind 18 Zeugen geladen. Tem Angeklagten wird zur Last gelegt, daß er am 6. August d. Z. vor- mittags gegen 10 Uhr auf der Kreisstraße Friedberg-Hungen Snljcibener Viadukts die Gastwirtsfrau

Derg von r ais-Horloff überfallen und derselben mit Gewalt ihre Barschaft m Höhe von ö Mark und einigen Pfennigen abgenommen hat.

Ter Angeklagte giebt an, verheiratet zu fein Er be- streitet, die Thal verübt su haben. Er will bis Ende Juli in der Grube Friedrich bei Trais Horloff als Maurer beschäftigt gewesen jein Richtig ici auch, daß er einige Tage vor dem ü. Anon:: bei Dem T .neßbudenb. > aus der Kirchweih in Ti-Horloff fein Z 1 - s,-. §en

hatte, beschäftigt war. Er gesteht toeiter zu, mehreremale in der Bergschen Wirtschaft gewesen zu sein, den Wirt Berg habe er gekannt, nicht aber dessen Ehefrau, die am 6. August von ihm beraubt sein soll. Schwing giebt an, er hab am 6. August Arbeit suchen wollen, und sei am Vorm .ag des Tages, von Trais-Horloff kommend, zu In­heiden in der Raaoschen Wirtschaft eingekehrt, die er gegen 10 Uhr verlassen hat. Er habe nach Hungen gewollt und sei auf der Kreisstraße Friedberg-Hungen gegangen. In der Nähe des Thatortes habe er sich in einem Weizenfeld unter einen Baurn gelegt; er sei müde gewesen, und da sei er eingeschlafen. Als er erwacht war, sei er über die Straße hinweg an ein Mauerchen gegangen, welches die Kreis- sttaße ein Stück Weges nach dem Viadukt hin begrenzt. Weil ihm die Füße eingeschlafen waren, habe er sich, mit den beiden Ellenbogen auf die niedrige Mauer stützend, an diese hingestellt und sei wieder eingeschlummert. Er habe mit dem Rücken nach der Straße hin gestanden und während der ganzen Zeit niemand Vorbeigehen sehen; nur einen Schäfer habe er bemerkt, der Schafe gehütet. Ein vorüb er fahr end er Eisenbahnzug habe ihn aus seinem Schlummer geweckt, es müsse etwa nach 1 Uhr mittags gewesen sein. Ta sei ein Fuhrwerk gekommen, hinter dem der Angeklagte nach Hungen zu gegangen sein will, wo er gegen 11.45 Uhr in der Scibertschen Wirtschaft einen Schnaps getrunken habe. Als er bei Seibert im Wirtszimmer ge­sessen habe, sei der Gastwirt Berg aus Trais-Horloff ge kommen; er habe ihm auffällig ins Gesicht gesehen, und er habe den Mann wieder angesehen, worauf Berg fort ging. Gegen 3 Uhr nachmittags sei er vor Hof-Graß an­gekommen, wo er erfahren habe, daß Arbeit bei der Dresch­maschine sei. Ter Besitzer, so habe er gehört, sei aber draußen int Felde gewesen, und so habe er sich dann bis zum Abend in der Gegend von Hof-Graß aufgebalten. Ein Arbeiter des Hofes habe ihm ein Nachtlager in der Scheuer angeboten, und er sei dageblieben, vis der Gendarm ihn an dem Abend dort verhaftet hat. Auf Befragen des Vor­sitzenden erklärt der Angeklagte, er habe von einem lieber» fall der Frau Berg in 5er Nähe des Mütterchens, an dem er geweilt haben will, nichts wahrgenommen, es müsse der Vorfall passiert sein, während er unter dem Baum

Don unseren Landwirten wird nicht selten dadurch gefehlt, daß sie mißtrauisch die Anwendung der Hilfsdünger unter­lassen oder dieselben nicht sachgemäß und nicht haushälterisch genug verwenden, weil sie das Tungungsbedürfnis ihres Bodens für bestimmte Hilfsdünger nicht kennen, auch nicht in der Lage sind, durch selbst angestellte Versuche dies Düngungs- bedürfnis genügend festzustellen. Am 26. d. Mts. findet die Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Vereins der Provinz Oberhessen statt, in der Pro- feflor Albert-Gießen einen Vorttag hatten wird. Im Laufe der nächsten Woche findet eine Hauptversammlung des land­wirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen statt, in der für den leider zu früh verstorbenen Direktor desselben eine Neuwahl stattfinden muß. Die Feldarbeiten gehen langsam ihrer Beendigung entgegen. Bald werden die Ackergeräte vor Wind und Wetter im sicheren Schuppen geborgen werden, der eisige Winter wird seine Herrschaft in Feld und Wald be­ginnen. DaS ist die richtige Zeit, in der die Landwitte in landwirtschafllichen Versammlungen die gemachten Erfahrungen mtteinander austauschen, landwirtschaftlichen Vorträgen wissenschaftlich Gebildeter lauschen, um sich so aufs neue vor- zübereilen für die auSznführenden Arbeiten im kommenden Jahre. Denn die Zeit erforbcrt für den Beruf des Land- mannes immer größere Sachkenntnis, Beobachtungsgabe und nie rastenden Fleiß. Sache der Vorsitzenden der lanbroirt- schaftlichen Vereine ist es nun, die nötige Anregung zu geben und das landwirtschaftliche Vereinswefen in den Wintermonaten

Etwa eine Stunde später hat der Zeuge von dem uenerpalt gegen Frau Berg in Hungen gehört. Ter Schäfer ArnoL von Inheiden bekundet, daß er am 6. August am Vormittag in der Nähe des Viadukts bei Inheiden seine Schafe gehütet. Ta sei gegen 10 Uhr Frau Berg auf ihn zugekom- men und habe ihn gefragt, ob er feinen Mann gesehen. Frau Berg habe ihm nicht gesagt, daß sie überfallen sei, sie war sehr aufgeregt. Er habe die Frau auf einen Mann aufmerksam gemacht, der etwa 200 Meter entfernt nach dem Wäldchen zu geeilt fei, und dieser Mann, das könne er sagen, fei oem ülngeHagten in Figur gleich gewesen, er habe auch denselben Gang gehabt, wie der Angeklagte, wie er später Gelegenheit gehabt habe, zu beobachten. Ter Zeuge hat von dem Raubanfall selber nichts wahrgenommen, trotz­dem er keine 25 Meter davon auf der Kreisstraße war, als derselbe passierte, er erklärt dies damit, daß er gerade in dem sogenannten Hungener Grund mit seinen Schafen hielt, während der Vorfall selbst sich jenseits der höchsten Stelle der Straße abgespielt hat, die hier eine starke Stei­gung hat. Ter Schäfer erklärt weiter, daß er* an dem Vormittag in der Mhe des Thatortes nur drei Leute gesehen hat, und zwar einen älteren Mann mit grauem Bart in Arbeiterkleider, den Dachdecker Schneider von Hungen und einen auffallend großen, städtisch gekleideten Mann mit grauem Mantel. Den Angeklagten hat der Zeuge nicht gesehen, mit Ausnahme, als er nach dem Wäldchen zuging. Er hätte ihn aber sehen müssen, wenn er sich vor der That oder gleich nach der That in der Nähe des Thatortes auf der Straße oder an derselben zum Schlafen längere Zeit hingelegt hätte. Er hält es für ab­solut ausgeschlossen, daß jemand die Kreisstraße habe lommen können, ohne von chm gesehen zu lverden. ES sei daher nur möglich, daß Schwing den Inheidener Feld­weg gekommen, der am Viadukt in die Kreisstraße mündet, und daß der Angeklagte es gewesen sei, der Frau Berg überfallen habe. Turch die Vernehmung des Wirtes Raab und dessen Sohn wird festgestellt, daß der Angeklagte deren Wirtschaft in Inheiden am gedachten Tage vormittags um 9 Uhr verlassen hat, ob er von dprt aus den Feldweg oder die Kreisstraße entlang gegangen sei, ist nicht zu er­mitteln. Tie Seibertschen Ä-eleute von Hungen teilen mit, daß der Angeklagte kurze Zeit, nachdem Frau Berg aus ihrer Wirtschaft fortgegangen, also nach 1 Uhr zu ihnen gekommen. Tie Ehefrau Seibert wußte von der Beraubten bereits, was dieser passiert war, ohne eine Lchnung zu haben, daß ihr Gast der Thäter sein soltte, sie erzählte vielmehr diesem den Vorfall, worauf dieser meinte, daß so was in Westfalen, wo er gewesen war, öfter vorkomme. Tie Wirtin fragte dann im Laufe des Gespräches den Gast, wer er sei, worauf jener sagte: Kenn Sie mich denn nicht, ich bin ja der Schwing von Kohden. Durch die Vernehmung des als Zeugen geladenen Polizeikommissärs Weuner von Kupferdreh und Ortsvorsteher König von Heisingen wird den Geschworenen zur Kenntnis gebracht, daß der An- ßeHagte für seine Familie nicht sorgt, sodaß die Frau und ihre drei Kinder Armenunterstützung bekommt. Ter Poli­zeibeamte teilt mit, daß der 2ttrgeklagte chm bei seinen Erkundigungen als Trinker und Müßiggänger geschildert wurde, der seine Frau roh behandelt und sogar schlägt, weshalb er bereits einmal bestraft fei Turch die Ver­nehmung der Arbeiter von Hof-Graß, sowie durch die Bekundungen des Pächters jenes Gutes wurde festgestellt, daß der Angeklagte dort wegen Arbeit am 6. August nicht angefragt hat, wohl aber habe er sich in der Mhe jenes Gutes am Nachmittag Herumgetrieben. Richtig ist, daß man dem Angettagten dort ein Lager für die Nacht in bev Scheuer angeboten, aber nur um chn feslzuh alten bis der Gendarm kam, zu dem der Pächter geschickt hatte, weil er erfahren hatte, was bei Inheiden am Vormittag passiert war, und weil ihm Schwing verdächtig vorgekommen sei

Tamit ist abends um Vs6 Uhr die Beweisaufnahme beendet. Ten Geschworenen wird die Frage vorgelegt, ob )er Angeklagte des Straßenraubes schuldig sei, und zwei­tens, ob mildernde Umstande vorlägen.

zur höchsten Blüte zu bringen.

** Aus Butzbach schreibt man uns: Gelegentlich 4er Obstausstellung des Oberhessischen Obstbauvereins in unferer Stadt war auch ein Topf Bi rn Honig ausgestellt. Dieser Topf war im Jahre 1813 mit frisch gekochtem Honig gefüllt, und der Birnhonig. hat sich trotz der Zeiten Sturm und Braus gut gehalten, svoaß am Geschmack nichts aus­zusetzen war. Ter Aussteller O. Weide, Lehrer in Butz­bach, berichtet über die Geschichte dieses Dirnhonigs: Luise Rumpf hat, nachdem sie sich im Jahre 1813 verheiratet, diesen Honig als ersten während chror Ehe gekocht und dabei ihren Kindern gegenüber den Wunsch geäußert, diesen Honig der damaligen Sitte gemäß als Andenken aufzubewahren. Diesem Wunsche nachkommend, haben diese den Topf auch bis zur Gegenwart aufbewahrt und ist derselbe gegenwärtig Eigentum der Familie Weide. Als Beleg für tue Aechtheit dient die auf bem Topfe noch schwach sichtbare Jahreszahl 1813 in weißer Kreide und der alte Zeitungsrest, mit dem der Topf zugebunden ist. Tie Birnen, aus denen der Honig hergestellt ist, sollen der mündlichen Ueberlieferung nach sogenannteGvauhämtSchen" fein. Ich füge hinzu: Noch Interessanteres als der Topf enthält der oben erwähnte Z e i- tungsrest, mit dem der Topf zugebunden ist. Tas Zeitungsblatt ist durch das Alter stark mitgenommen und gebräunt. Aus den Zeiten der schweren Not Deutschlands lassen sich aber noch einige Zeitungsnachrichten entziffern. Do meldet die eine: Von Danzig soll auf Befehl des Gou­verneurs Ilapp ein gezwungenes Anlehen von drei Mil­lionen Franken erhoben werden und bis zur völligen Be­endigung dieser Operatton die Notabeln als Geiseln nach Weichselmünde in Verhaft gebracht, verantwortlich fein. Wer sich dem Verhaft entzieht, wird als Rebell bestraft (Bayr. Ztg.") Weiter: den 5. In Stralsund ist folgen­des 3. Bullettn erschienen: Hauptquartier Stralsund den 11. Juni. Da eine Waffenruhe auf sechs Wochen mit sechs- tägiaer Aufkündigung zwischen allen kriegsführenden Mächten am 4. dieses zu Pleswiz in Schlesien von oen Gene- nalen Graf Schuwalow und Kleist von russischer und preu­ßischer und dem Herzog v. Vinzenza auf französischer Seite unterzeichnet worden, so ist die Demarkationslinie im nördluhen Deutschland für die Truppen der verbündeten Mächte. . . Mölm und Schwarzenberg. . . Elbe festgesetzt worden. (Die punkttevten Stellen waren unleserlich) Ferner: München, den 5. Juli. Diesen Morgen hatte in dem, nahe bei hiesiger Stadt gelegenen Uebungslager das erste Exercittum im Feuer statt. Die Truppen haben feit kurzem an Zahl bedeutend gewonnen. Auch die Kavallerie ist nun zu einer Stärke von 22 Eskadrons angewachsen rc

A.P.B. Wiesbaden, 10. Okt. Ein Veteran de§ New-DorkerDeutschtums, WilhelmAufermann, ist kürzlich hochbetagt in Wiesbaden gestorben. Aufermann war em ungewöhnlich scharfblickender Kaufmann, der aber auch für Kunst und Wissenschaft ein warmes Interesse und feinsinniges Verständnis befaß. Er war der erste, der beut- fchen Malern durch den von ihm in New-York eröffneten Kunstsalon Eingang in amerikanische Kreise verschaffte. Seit mehr als 20 Jahren hatte sich Aufermann als Rentier nach Wiesbaden zurückgezogen, wo ihn namentkich mit dem oer- ftorbenen Friedrich von Bodenstedt ein warmes Freundschafts­verhältnis verband. Vielen litterarischen Größen, so Ferdi- nand Freiligrath, stand Aufermann nahe, wie er überhaupt geistig eine ungemein regsame Natur war. Im Jahre 1898 stattete Aufermann den Vereinigten Staaten, wo er ausge­dehntes Grundeigentum besaß, einen Besuch ab, der sein letzter sein sollte. Bemerkenswert ist, daß Aufermann eine der Haupt­figuren in dem Roman Reinhold Solger's,Anton in Amerika" (eine Fortsetzung von Freytag'sSoll und Haben") bilbet.

gelegen habe. Richtig sei, was er früher angegeben, daß ihm, als er auf dem Wege nach Hungen hinter dem Wagen hergeschritten, ein Mann begegnet sei, der von dort zu kommen schien. Dieser Mann sei ihm verdächtig vorge­kommen; er war anscheinend aufgeregt, er habe auch mit dem Unbekannten gesprochen. Er hatte diesen Unbekannten für denjenigen, der die That verübt habe. Staatsanwalt Hoos wünscht Auskunft darüber, ob der Angeklagte sich nicht bei dem Gefangenwärter Mrolay in Hungen erkun­digt habe, welche Strafe er bekommen würde, wenn er die That zugestehe. Ter Angeklagte verneint dies.

In der Beweisaufnahme bekundet der Gastwirt Berg von Trais-Horloff: seine Ehefrau habe für den 6. August d. I-, vormittags 11 Uhr eine Ladung vor das Amtsgericht nach Hungen gehabt. Es sei schon vor dem 6. August in seiner Wirtschaft die Rede gewesen, daß die Frau am 6. August vor das Gericht nadj Hungen müsse, er habe auch in der Wirtsstube geäußert, daß er derselben dann einen größeren GeLbetrag zur Bezahlung einer Rechnung für einen Kaufmann in Hungen milgeben werde. Möglich, daß der Angeklagte dies gehört hat, da er zu wiederholten Malen in der Wirtschaft anwesend gewesen. Am 6. August sei seine Frau gegen halb 2 Uhr mittags von Hungen heirn- gekommen, sie teilte chm das Begegnis, das sie auf dem Hinwege gehabt hatte, mit und erklärte, sie glaube be­stimmt, daß der Mann, der sie beraubt hat, ein Maurer ei, der öfter schon bei ihnen verkehrt habe. Tamit habe sie oen Angeklagten gemeint Ter Zeuge hat sich sofort beim Polier in der Grube Friedrich erkundigt und dort erfahren, daß Schwing seit einer Woche dort nicht mehr arbeite, er hat sich dann auf sein Rad gesetzt, um den Menschen zu suchen, sei in der Seibert'fchen Wirtschaft nach Hungen gekommen, wo er den Angeklagten in der Wirtsstube antraf. Als er denselben groß angeblickt habe, habe dieser die Augen niedergeschlagen. Von hier aus hat der Zeuge sofort sich zum Gendarmen begeben und den Vorfall angezeigt. Als er zu Seibert zurückkehrte, war der Angeklagte bereits fort. Tie Ehefrau Berg, eine kleine, schwächliche Person, erzählt, wie sie an >j>em Vormittag durch. Inheiden gekommen sei, habe sie gehört, wie die Uhr auf dem Kirchturm die 10. Stunde geschlagen habe. Bis sie an das Mäuerchen an der Straße Friedberg-Hungen gekommen sei, können höch­stens 10 Minuten vergangen sein. Sie habe eine Hand­tasche getragen, die ihr plötzlich von hinten entrissen sei. Im gleichen Moment habe sie jemand an der Kehle ge­packt und zu Boden gerissen, ihr dann mit dem Fuß einen Tritt vor den Leib versetzt, und ihr den Mund mit ihrem Umhang, der dabei zerrissen sei, zugehalten. Ter Mann, der sie überfallen, habe ihr die Kleidertasche durchsucht, auch den Lberrock emporgehoben und im Unterrock nach einer Tasche revidiert. Tie Zeugin bekundet weiter, daß sie vor Schreck keinen Laut habe von sich geben können, sie sei besinnungslos geworden. Als Frau Berg wieder zu sich kam, hat ihr Portemonnaie mit etwa 5 Mk. und einigen Pfennigen Inhalt gefehlt. Ihr Handkorb und das Taschen­tuch hat sie nicht wett vom Thatorte auf der Straße wieder- gesunden. Auf dem Wege nach. Hungen, nicht sehr weit vom chatorte, ist der Beraubten der Schäfer mit der Herde on Inheiden begegnet, diesen fragte sie, ob er niemand csehen, der von Hungen her gcEonimen sei. Ter Schäfer verneinte dies, zeigte aber auf einen Mann, der über Feld nach dem Inheidener Wäldchen zu ging. Tie Zeugin Berg glaubt der Figur nach, es sei der Angeklagte gewesen, der sie damals überfallen habe; sie habe bei der Affäre dessen Gesicht nur flüchtig gesehen und tootle auch unter Eid nicht sagen, daß sie den Schwing damals erkannt habe. Wohl ei ihr erinnerlich, daß der Mann, der sie beraubt hat, wie der Angeklagte einen Schnurrbart hatte. Bürgermeister Nicklas von Steinheim ist am 6. August gegen 11 Uhr in Hungen mit seinem Fuhrwerk angekommen. Als er den Inheidener Viadukt passierte, habe er den Angeklagten aus der Richtung des Inheidener Wäldchens auf die Kreis- iraße zu kommen sehen. Ter Angeklagte ging ein Stück Weges hinter seinem Fuhrwerk her. Ter Zeuge versichert auf das Besttmmteste, daß ihm ein zweiter Mensch, mit dem Schwing stehen geblieben sei, von Hungen her damals nicht begegnet ist. Als er an dem Tage noch von dem unter Anklage stehenden Fall Kenntnis erhielt, hat er gleich den Gedanken gehabt, daß niemand anderes als der Mensch, der ihm am Viadukt begegnet fei, der Thäter sein könna Ter Angeklagte habe schon damals keinen guten Eindruck auf den Zeugen gemacht. Tachdecker Peter Schneider von Hungen ist am 6. August gegen 10 Uhr vormittags in der 9!ähe des Mütterchens an der Kreisstraße nach Hungen vorübergekommen, er hat dort einen Mann, der dem An­geklagten in Figur gleicht, mit an der Mauer aufgelegten Armön mit dem Rücken nadj der Straße zu stehen sehen '