Ausgabe 
11.3.1902 Zweites Blatt
 
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fixierte und Infanterie zeigte hohen Mut. Die Infanterie weigerte sich, sich zu ergeben, bis jeder Widerstand nutzlos war. Delareys Truppen trugen fast alle eng­lische Uniformen. Dadurch wurde es der Infanterie un­möglich, Wischen ihnen und den englischen Truppen zu unterscheiden. Der Feind war 1500 Mann stark und hatte einen 15-Pfänder und ein Pompom-Gesch^ Er stand unter dem Befehl Delareys, Cell s, Kempfs il <l Für Methuen war, als er zul. ge­sehen wurde, in seinem eigenen Magen gute Fürsoc ge­troffen. Er soll einen Schenkelbruch erlitten haben, sich aber verhältnismäßig wohl befinden. Ich hoffe, daß es den Verstärkungen, die jetzt auf dem Scl-auplatz der Ereignisse eintreffen, gelingt, eine günstige Wendung her­beizuführen.

Soweit die bisher vorliegenden Nachrichten, die viel­leicht noch nicht einmal die ganze Wahrheit sagen. Was dieser ganz außerordentlich schweren Niederlage der Eng­länder besondere Bedeutung giebt, ist die Gefangennahme Methuens; weniger, weil er eine unersetzliche militari)dje Kraft wäre im Gegenteil, Methuen h"' bei allen seinen Operationen eine solche Ungeschicklichkeit bewiesen, daß, er in jeder andern Armee schon längst seines verantlvortungs- vollen Postens enthoben lvorden wäre aber immerhin giebt ihm seine autoritative Stellung einen gewissen Wert in den Augen des Feindes und in denen der Engländer selbst. Bisher ist es den Buren noch nicht gelungen, eines namhaften englischen Führers habhaft zu wevden; bisher haben sie in dieser Beziehung die Zeche allein gezahlt; chr Cronje schmachtet schon lange in der Gefangenschaft, Lotter und Scheepers haben durch englisches Kriegsgericht ihr Leben lasten müssen, Kritzinger wartet noch auf das Urteil, und Ben Viljoen, der jüngste schmerzlichste Verlust der Buren, hat vor wenigen Wochen die Reise nach der Gefan­geneninsel angetreten. Methuen ist verwundet den Buren in die Hände gefallen. Statt, wie man noch in London er­wartet hatte, die Sperren haben sich vorläufig im eng­lischen Parlament sehr zurückhaltend darüber ausgesprochen dte ueoerrumpelung bei Klerksdorp zu rächen (wozu er von Kitchener von Vryburg aus auf Lichtenberg vorgeschickt worden war, während Kekewichs und Grensells Kolonnen den schlimmen Delarey nach Westen verfolgten), ist er dem verschlagenen Burenführer selbst zum Opfer gefallen, Man kann wohl sagen, daß die Ironie des Schicksals noch nie so furchtbar gewaltet hat: der Verfolger wird zum Verfolgten, Ja zum Vernichteten, und zwar durch einen Gegner, der nach Ansicht des weit überwiegenden Teiles der andern Seite schon längst in seinen letzten Zügen liegt. Darum müßte es auch höchlichst überraschen, als dieser Tage ein englischer Minister einen gemachten Fehler eiunial ehrlich eingestand. Kriegsminister Brodrick schwang sich bereits ein paar Lage vor dieser beschämenden Schlappe zu der Heldenthat aus, zu bekennen, daß die bisherigen Schätzungen der Streit- ckräfte der Buren an einem sehr waghalsigen ^Optimusmus kranken; er werde sich nie mehr jan Schätzungen wagen. Diese seine Aufrichtigkeit , beugte ja in etwas bösen Nachrichten vom Kriegsschauplätze «vor. aber einen solchen Schlag wie den Delareys hat gewiß 'Niemand mehr in London für möglich gehalten. Dieser große Burensieg wird das unabwendbare Schicksal des bewunderns­werten heldenmütigen kleinen Völkleins wohl wesentlich hemmen, aber leider nicht abwenden. Und wenn das Schlachten dort unten noch Jahre dauert, die Engländer werden nicht aufhören, mit allen ihren unvergleichlichen Mitteln auch die Letzten jener heroischen Schar in den Tod zu treiben. Nach in Brüssel eingetroffenen Meldungen er­klärten die im Felde stehenden Burenführer nach Kenntnis­nahme des englisch-holländischen Notenwechsels, daß sie ohne Gewährung der völligen Autonomie die Waffen nicht nieder­legen würden!

Die Antw ort d er englischen Regierung wegen der Sendungen desBurenhilfsbundes" in die Kon­zentrationslager ist in Berlin eingegangen. Von allem, was man in politischen Kreisen über die zwischen Berlin und London gepflogenen amtlichen Verhandlungen gehört hat, werden nur bescheidene Erwartungen bezüglich des Inhalts der Note gehegt werden können. Von unserem Auswärtigen Amt soll die humane Sache desBurenhilfsbundes" mit aller Wärme vertreten worden fein. Indessen die englische Re­gierung steht trotz allem auf dem Standpunkt, daß niemand in ihre Dispositionenhineinzusprechen" hat und daß Eng­land selbst alles mögliche thue, um das Schicksal der in den Konzentrationslagern Eingeschloffenen zu erleichtern. Nach englischer Auffaffung ist in den Lagernalles in Ordnung" abgesehen vonUnzuträglichkeiten, die nun einmal ein Feldzug mit sich bringt". Diese Formel hat den Vorzug leichten Erfassens und bequemer Anwendung; aber sie wird nicht wahrer dadurch, daß sie mit dem Brustton der lieber» zeugung von den englischen Staatsmännern immer wieder vorgebracht wird.

Deutsches Mich.

Berlin, 10. l'Närz. Der Kaiser besuchte heute früh im Tiergarten das Denkmal der Königin Luise anläßlich ihres heutigen Geburtstages. Von halb 10 Uhr an hörte der Kaiser im Schloß einen Vortrag des Chefs des Civil- kabinetts. Das Kaiserpaar wohnte sodann im königlichen .Schauspielhause einer Aufführung vonCyrano von Berg er ac" bei; der französische Schauspieler Coquelin der Aeltere begann sein Gastspiel. Außer dem Kaiserpaar war nur das unmittelbare Gefolge und Geneval-Jutendant v. Hochberg bei der Vorstellung anwesend. Der Kaiser be- schied Coquelin zu sich in die Loge und sprach sich auf das schmeichelhafteste über seine Darstellung des Gascogners aus. Am Abend speiste der Kaiser beim italienischen Bot­schafter Grafen Lanza und reifte hierauf nach Wil­helmshaven ab. Für Freitag ist ein kurzer Besuch des Kaisers in Bremen an gesagt. Der Empfang wird sich diesmal dort feierlicher als sonst gestalten Die Krieger- Vereine bilden Spalier; das Frühstück findet im Rats­keller statt.

Es heißt, daß der Großher^og von Sachsen- Weimar sich mit der Prinzessin Alice von Al­bany verloben wird.

Der Reichskanzler hat dem Bundesräte dep Entwurf eines Gesetzes, betreffend Abänderung düs § 7 der Strafprozeßordnung vorgelegt. Preß- vergehen sollen danach bei Erzeugnissen der periodi­schen Presse dort, w o d i e Druckschrift erscheint, verfolgt werden. Nur im Wege der Priv att- klage soll eine Verfolgung auch am Wohnorte des Ver­letzten,, doch nicht andritten Orten, geschehen können.

Der f l i e g e n d e G e r i ch t s st a n d der Presse dürfte damit im wesentlichen als beseitigt gelten.

Tie Verbreitung der in Krakau erscheinenden Zeit­schriftC z a s", sowie der in L e in b e r g erscheinenden Zeit­schriftDziernnik Polski", ist auf die Dauer von zwei Jahren verboten worden.

Die Timesmeldung, Deutschland allein erhebe Widerspruch gegen die von England vorgeschlagene und von den anderen Mächten zugestandene Uebergabe Tientsins an die Chinesen, wird derNationalzeitung" von unterrichteter Seite als durchaus unzutreffend be­zeichnet.

München, 10. März. Im jungliberalen Verein wollte heute Graf Hoensbroech über den sog. Toleranz- antrag desEentrums sprechen. Doch man trieb Obstruktion. Der Vorstandstisch wurde mit faulen Eie rn beworfen. Dreiviertel Stunden suchten der Vorsitzende, sowie der Redner vergeblich, zum Worte zu kommen. Dazwischen entstanden kleinere Raufereien, einzelne Leute wurden hinaus- gew orf en und endlich mußte die Versammlung geschlossen werden. Die Tumulte dauerten fort. In einem Saalteile wurde mit Maßkrügen, Stühlen und Tischplatten geworfen. Ein älterer Mann erhielt anscheinend eine starke Verletzung mit erheblicher Blutung an der Schläfe­gegend ; mehrere andere Personen erlitten leichtere Verletz­ungen. Schutzleute erschienen und stifteten Ruhe.

Ausland.

Wien, 10. März. Wie der KrakauerCzas" berichtet, sei Oberst Grimm in Warschau am 7. März in der dortigen (Sitabcile erschossen worden, weil er während zehn Jahre wichtige militärische Dokumente (Verteidigungs- und Mobilisierungspläne) an Deutsch­land verlaust habe. Im Prozesse, der gegen ihn ge­führt wurde, soll er seine Schuld gestallden und erklärt haben, daß er es als Deutscher für seine Pflicht gehalten habe, dem Deutschen Reiche zu dienen. (?)

Washington, 10. Marz. Nach dem Bericht des Ackerbau-Bureaus bezifferten sich die Schätzungen der Vorräte, welche sich am 1. März noch in den Händen der Farmer befanden, an Weizen aus 23 Proz., an Mais auf 29 Proz., an Hafer aus 30 Proz. Endglltige Schätzungen der noch in Farmershänden befindlichen Bestäirde sind wegen Fehlens detalllierter Berichte seitens des Ackerbaubure-aus noch nicht veröffentlicht. Von privater Seite liegen nach­stehende Schätzungen vor: Weizen 155 710000 Bushels, Mais 394110 000 Bushels, Hafer 198300 000 Bushels.__________

Aus ptadt und Zand.

Gießen, 11. März 1902.

* Auszeichnungen. (Orig. -Tel. -Meldung des Gieß. Anz." aus Darmstadt.) Der Großherzog hat heute, am Geburtstage der Prinzessin Elisabeth, eine Anzahl Ehrenzeichen für langjährige Dienste in einer und derselben Familie verliehen, und zwar das goldene Kreuz mit Brillanten an Marie Schombert von Zwingenberg für 40jährige Dienstzeit bei Hauptmann Zernin in Darmstadt; das goldene Kreuz an Kath. Faust von Bindsachsen für 25jährige Dienstzeit bei Joh. Schier in Merkenftitz, Kath. Hofmann von Sandlos für 26jährige Dienstzeit bei Graf Schlitz gen. v. Görtz, Kath. R e n k e r von Auerbach für 26jährige Dienstzeit bei Herbert II in Angersbach, Kath. Sauselen von Schierfeld für 26jährige Dienstzeit bei Medizinalrat Haberkorn in Gießen und Elisabeth Weber von Nordeck für 25jährige Dienstzeit bei Berg­werksdirektor Pascoe in Gießen.

* * Pcnfioniernng. Der Groß Herzog hat den Haupt­steueramtsrendanten bei dem Hauptsteueramt Darmstadt, Rech­nungsrat Dem, auf fein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. April an in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* Prinzeffiu Elisabeth von Hessen tritt heute in ihr 8. Lebensjahr. Das ganze Hessen nimmt an diesem Freudentage mit innigsten Glückwünschen teil. Von der ganzen Bevölker­ung wird dem Fürstenkinde herzliche Liebe entgegengebracht, heißt sie ja doch im Volksmunde nurunser Prinzeßchen". Leider wird sie, wie man uns mitteilt, bereits am Mittwoch ihre Vaterstadt wieder verlassen, um nach Nizza zurückzukehren.

* * Konzert. Arn Donnerstag abend findet inSteins Garten" ein großes Extrakonzert der Konzettsängerin Frl. Margarethe Brandt und des Rezitators und Monologisten Oskar Fürst sowie der Kapelle unseres Inf.-Regis, unter persönlicher Leitung des Musikdirektors Krauße statt. Frl. Brandt wird folgende Lieder fingen: Recitativ und Arie aus Figarios Hochzeit, Mozart; Gomanze aus Samson und Delila, Saint-Satzns. Oskar Fürst: Guten Morgen, vonGörner; Weibliche Tugenden. M. Brandt als Lieder: Dem Herzallerliebsten, Taubert; Märznacht, Taubert; Das Busserln, Suppe. Oskar Für st wird vortragen; Ein Optimist, Der Gemütliche, Der Schneidige. Heber die Leistungen der beiden Künstler lesen wir imHamb. Korresp." u. a. folgen­des: Es ist eine finnige, heitere Feier, die Oskar Fürst, der Vater der weltberühmtenAdele", des Kindes,das sich lieber Adeline nennen hörte", veranstaltete. Die Gemeinde, die sich eingefunden hatte, lauschte mit richttgem Verständnis den gebotenenVorträgen, und man darfwohl sagen, ein zur Kritik beruf eueres Parterre, als dieses hätte sich nicht finden können. Im Laufe der Jahre hat sich Oskar Fürst eine Eigenart ge­schaffen, die viele Nachahmer fand; keiner vermochte aber das Urbild nur annähernd zu erreichen. Unterstützt wurde Oskar Fürst von der Konzertsängerin Frl. Margaretha Brandt, einer in Hamburg nicht ganz unbekannten Sängerin. Hat sie doch ihre schönen Mittel schon mehrfach in den Dienst der Wohlthättgkett gestellt. Die Zuhörer nahmen die Gaben der jungen Sängerin mit reichem Beifall entgegen und revanchierten sich durch reiche, duftige Blumengrüße.

n. Krofdorf, 10. März. Gestern waren zwanzig Jahre vergangen, seit die hiesige Musik-Kapelle ge­gründet wurde. Aus die,em Anlaß waren von den Mit­gliedern deren Freunde und Angehörigen zu einem gemüt­lichen Beisammensein gestern abenb in dem Freundschen Lokale eingeladen lvorden. Mit einem tadellos ausge­führten Marsch wurde die kleine Feier eröffnet. Alsdann brachte nach einer Ansprache Ernst Moos das allgemeine Hoch auf die Kapelle aus. In humoristischer Weife schil­

derte dann Hegemeister Schmitz, der Mitbegründer der Kapelle, wieviel Mühe und Arbeit es s. Zt. gekostet, die Kapelle überhaupt ins Leben zu rufen, erwähnte dann, wie es ihn freue, die Kapelle auf der jetzigen Höhe ihrer Leistungssähigkeit, wie schon so os auch heute abend wieder bewundern zu können. Die Kop ie habe in jeder Hinsicht bewiesen, daß sie ganz und gar den heutigen an Musik ge­stellten Anforderungen entspreche.

Nieder-Saulheim, 8. März. Als ein schlimme« Au s reiß er geberdete sich der gestern abend um 8 Uhr 19 Min. hier fällige letzte Alzey-MainzerZug. Schon von fern her ward dessen rasende Fahrt bemerkt; ohne Hemmen und ohne daß man vom Zugpersonal jemand be­merkte, durcheilte er die Station und war wie der Blitz im Dunkel verschwunden. Die zuerst sehr erstaunten Sta- tionSveamren gaben Nachsignale aller Art, aber vergeblich. Den in Nieder-Saulheim harrenden Passagieren, worunter fremde Sperren, blieb nichts übrig, als umzukehren; die Fremden mußten schimpfend noch in später Stunde Logis aufsuchen. Auch die Poft mußte unexpediert zurückgesahren werden. Nicht anders erging es den Zugpassagicren, die in Nieder-Saulheim aussteigen wollten. Der Ausreißer wurde erst zwischen Klein-Winternheim und Marienborn, also mtt Durchfahren der Stationen Nieder-Olm und Winternheim, und Nehmen der starken Steigung vor ersterer Station, zum Stehen gebracht.

-h- Echzell, 10. Mcärz. Die Bevölkerungsziffer unserer Gemeinde macht eine vierte Schul stelle nötig, die mit Beginn des neuen Schuljahres errichtet werden wird.

(-) Hirzenhain, 10. März. Das große Dampfsäge­werk in der sogenanntenHosmühle" ist jetzt in Betrieb gesetzt; die Anlage besitzt elektrische Beleuchtung, wozu der Strom aus den Buderus'schen Hüttenwerken durch eine oberirdische Leitung zugeführt wild.

d. Nidda, 10. März. Heute tagte hier der Bezirks­ausschuß der Ortsgewerbevexeine der Kreise Schotten und Büdingen. Den Hauptpunkt der Tages­ordnung bildete der GesetzenttvurfSicherung der Bau­forderungen". Es wurde feftgeftelit, daß sich der 2. Ent­wurf von dem ersten Entwurf wesentlich dadurch unter­scheide, daß sich nicht nur der Bauhandwerker, sondern auch der Lieferant sichern kann. Der Gesetzentwurf soll dem Ueberhandnehmen des Bauschwindels, wie er besonders in den Großstädten wuchert, steuern.

Darmstadt, 10. März. Wie verlautet, wird die Prin­zessin Heinrich von Preußen, nachdem sie die Kaiserin in Kiel begrüßt, an den hiesigen Hof zurückkehren. Prinz Hein­rich soll, falls sich seine Rückkehr von Amerika nicht ver­zögert, seine Gemahlin hier aufsuchen. Infolge Auftrages, den die am 27. v. Mts. stattgehabte Versammlung der Handelskammer erteilte, hat diese am 4. d. eine Vor­stellung an den Großherzog in Sachen des Umbaues der Bahnhöfe zu Darmstadt gerichtet. Ferner wurde am 7. fettens der fünf wirtschaftlichen Korporationen eine ge­meinschaftliche Eingabe an das Ministerium der Finanzen abgesandt.

S. Darmstadt, 10. März. Der Gr o ßh erzo g und die Gräfin Marie zu Erbach-Schönberg wohnten heute abend dem imKaisersaal" veranstalteten 59. Lieder­abend des Richard Wagner-Vereius bei. Sie spendeten be­sonders dem Dr. Ludw. Wüllner aus Köln, der 22 Lieder von Beethoven, Mendelsohn, Hugo Wolf, Joh. Brahms in vollendeter Weise zu Gehör brachte, lebhaften Beifall. Nach Beendigung des Konzertes sprach der Großherzog dem Künstler warmen Tank und Anerkennung für seine Leist­ungen aus. Die Klavierbegleitung lag in der künstler­ischen Hand des Pros. Arn. Mendelsohn. Mit militär­ischen Ehren wurde heute nachmittag die Leiche des zum hiesigen Train-Bataillon kommandierten Leutnant S p i t t a, der am Freitag anscheinend aus Lebensüberdruß Gift nahm, nach dem Main-Neckar-Bahnhof gebracht, um nach seiner Heimat, Landsberg a. d. Warthe, befördert zu werden. Ter greise Vater, der Bataillonskommandeur Kade, Bri­gade-Kommandeur von Beaulieu und das Offizierkorps gaben dem Verblichenen das Geleite. Bei dem seit acht Jahren im hiesigen Artillerie-Regiment Nr. 25 stehen­den Hauptmann Otto von Selasinsky, der etwa 38 Jahre alt, und unverheiratet ist, machte sich heute mittag im Kasernenhof, als er mit einigen Offizieren sich unter­hielt, plötzlich geistige Umnachtung bemerkbar. Er wurde zur weiteren Beobachtung seines Zustands nach dem Mi­litärlazarett gebracht, v. S. ist ein sehr beliebter Offizier. Ein frecher Einbrucbsdiebstahl wurde am Sams­tag im hiesigen früheren Ludwigsbahnhof verübt, indem eine mit einer Telegraphenarbettermütze versehene Persönlichkeit in dem Bahnhofshotel sich als Beauftragter des Telegraphenamtes zur Kontrolle des Telephonnetzes als ermächtigt ausgab, das Dach bestieg, von da durch das Dachfenster in die Bodenkammer des Dienstpersonals ein­drang und unter Mitnahme einer goldenen Tamenuhr sowie 160 Mark Bargeld wieder verschwand. Man hat von dem Verbrecher bisher keine Spur.

Bingerbrück, 10. März. In dem Nachmittags 2,50 Uhr in Bingerbrück fälligen Il-Zug 164 Köln-Basel entgleiste am Sonntag zwischen St. Goar unb Oberwesel der Pack­wagen. Da die Entgleisung sofort bemerkt wurde, konnte dec Zug rasch zum Stehen gebracht und jeder weiteren Gefahr vorgebeugt werden.

Frankfurt a. M., 10. März. Der Großherzog und Prinzessin Heinrich von Preußen trafen gestern Nach­mittag hier ein, wohnten zwei im Hippodrom stattfindenden wissenschaftlichen Vorträgen bei, zu denen sich ca. 2000 Per­sonen aus den besten Kreisen der Gesellschaft eingefunden hatten. Gymnasialdirektor Dr. Schulze-Hamburg hielt einen Vortrag über die Entstehung und den Ausbau der <5 aal bürg. Redner that des hohen Jntereffes Erwähnung, welches der Kaiser an den Arbeiten nimmt, gab einen Rück­blick auf die Bewegimg zur Förderung des Unternehmens und richtete zum Schluß einen warmen Appell an die An^ wesenden, nach Kräften für die weitere Ausgestaltung des Baues durch finanzielle Beihülfe beizutragen. 15 Lichtbilder erläuterten den mtt großem Beifall aufgenommenen Vortrag. Sodann sprach der Afrikareisende C. G. Schillings. Er führte eine große Zahl felbfterlebter Momente aus dem Tier­leben der äquatorialen Wildnis in Ost- und Zentralafrika vor. Dabei zeigte er 150 höchst interessante Lichtbilder, welche sämtlich nach eigenen photographischen Aufnahmen hergestellt sind. Die Allerhöchsten Herrschaften, in deren Begleitung sich die Hofdame Freiin von Rotsmann und Ober­stallmeister Frhr. v. Riedesel Exz. befanden, nahmen das Souper bet demPrinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen ein und kehrten um 11 Uhr 23 Min. nach Darm­stadt zurück.