Ausgabe 
10.12.1902 Viertes Blatt
 
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fall

zu erledigen.

Vicepräsident Graf Stolberg: Natürlich. Ich bitte um Ent­schuldigung.

Der Antrag Schele-Wunstorf (SBclfc) wird in einfacher Ab­stimmung mit großer Mehrheit abgelehnt.

Ter Antrag Groeber wird hierauf in namentlicher Abstimmung mit 176 gegen 125 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen ange- nommen .

Es folgt der zweite Gegenstand der Tagesordnung: Fort­setzung der zweiten Berathung des Zolltarif- g e s e tz e s.

Vicepräsident Graf Stolberg: Wir kommen zum Referat des Abg. Schlumberger. Vorher hat ums Wort zur Geschäftsordnung der Abg. Broemcl gebeten. (Pause.) Der Abgeordnete ist nicht vorhanden. (Stürmische Heiterkeit.)

Referent Abg. Schlumberger erstattet Bericht über die Posi­tionen 389435 (Seide, Wolle und andere Thierhaare).

Abg. Baudcrt (Soz.) beantragt, diese Positionen behufs schrift­licher Berichterstattung an eine Kommission zurück zu ver­weisen.

Viccpräsident Büsing: Der Abg. Baudert hat das Wort zur Geschäftsordnung verlangt. Bevor ich darüber Entscheidung treffe, ob ich ihm das Wort gebe, frage ich ihn, worüber ec sprechen will.

Abg. Baudert (Soz.): Ich möchte über einzelne Positionen näheren Aufschluß haben.

Vicepräsident Büsing: Das würde nicht zur Geschäftsordnung sein, sondern zur Diskussion. Nach Beschluß des Hauses soll aber 1 eine Diskussion zwischen den einzelnen Referaten nicht stattfinden. Ich kann Ihnen Dnher das Wort nicht erthcilen.

Abg. Baudert: Ich muß doch begründen, warum ich die Zurückverweisung beantragt habe.

Vüepräjideiu Büsing: Ich ertheile Ihnen das Wort zur Be- giünDung.

bei der Mehrheit.)

Nunmehr wird zur Ä b st i m m u n g über die Anträge Baudcrt und ReißhauS geschritten, lieber beide Anträge wird auf Antrag Singer namentlich abgestimmt.

Ter A n i r a g B a u d e r t wird mit 222 gegen 75 Stimmen, derAntrag ReißhauS mit 227 gegen 60 Stimmen abge-

mit sich führen. (Unruhe rechts.)

Abg. v. .srrödjcr (kons) Ich gebe zu, daß es bisher Brauch ge- »oejen ist, das Wort zur Geschäftsordnung auch dann noch zu geben,

Abg. Baudert begründet seinen Antrag auf Zurückverweisung» er wirst dem Berichterstatter vor, daß er in der Kommission bei der zweiten Lesung nicht anwesend war. Nach fünf Minuten em. zieht ihm

Vicepräsidenl Büsing unter großer Heiterkeit der Mehrheit das Wort. (Abg. Baudert sieht stagcud zu ben Sozialdemokraten hinüber, worauf ihm Abg. Bevcl zuwrnkt, bie Rednertribüne zu ver­lassen. Zögernd kommt er diesem Winke nach.)

Abg. Reisidauo (Soz.) beamragt Zurückverweisung der Position 403 (dichte Gewebe, anderwärts nicht genannt) an die Tarif» lommission zur schriftlichen Berichterstattung.

Abg. Singer (So?.) bittet ums Wort zur Geschäftsordnung.

Vicepräsidenl Büsing: Zu welchem Gegenstand:

Abg. Singer: Ich beabsichtige, eine Mittheilung zur Ge­schäftsordnung zu machen.

Vicepräsldent Büsing: Ta 5crr Singer es ablehnt, meine Frage zu beantworten, bin ich nicht in der Lage, ihm das Won zu crtheilen. (Lebhafter Beifall bc: der Mehrheit.) Herr Abg. Reißhaus hat sich zur Geschäftsordnung gemeldet. Ich richte auch an ihn die gleiche Frage.

Abg. Reisihaus (Soz.): Ich will zu meinem Antrag reden.

Vicepräsident Büsing: Ihr Antrag deckt sich mit dem dcS Abg. Baudert. Tie Begründung würde daher keine andere fein, als die, die Herr Baudert gegeben hat. (Lärm bei den Sozialdemokraten.) Unter diesen Umständen kann ich Ihnen baß Wort nutzt erUjcüen. (Erneuter Lärm bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Baudert (Soz.): Zur Geschäftsordnungl

Licepräsident Biising: Wozu?

Abg. Baudert: Zu einer Mittheilungl

Vicepräsident Büsing: Ich ertheile Ihnen daS Wort nicht. (Bei-

lehnt.

Vicepräsident Büsing theilt mit, daß das vorläufige Resultat der Abstimmung über den Antrag Groeber un­genau gewesen fei. Jetzt sei das definitive ermittelt worden. Es haben in Wirklichkeit gestimmt 306 Mitglieder, davon 206 mit Ja, 92 mit Nein, 8 haben sich der Stimme enthalten.

Abg. Stadthagen (Soz.) beantragt, die Posttionen 389435 an eine Kommission zurückzuverweisen.

Vicepräsidcnt Büsing erklärt, nach seiner Ansicht sei der An. trag unzulässig, da er sich nur in formaler Hinsicht von dem ab. gelehnten Antrag Baudcrt unterscheide. Da er gestellt sei, so wolle er das Haus entscheiden lassen.

Er läßt hierauf über die Zulässigkeit abstimmen und ertoibert, als Ruse links. Zur Geschäftsorduuugl ertönen: Wir sind bereits in der Abstimmung!

Ter AntragStadthageu wird für u n g i l t i g erklärt.

Abg. Singer (Soz.) bittet ums Wort zur Geschäftsordnung.

Vicepräsidcnt Büsing fragt ihn, zu welcher Materie et sprechen wolle.

Abg. Singer (Soz.): Tie angenommene lex Groeber enthalt keine Verpflichtung, darüber Auskunft zu geben.

Vicepräsident Büsing: Darin haben Sie vollständig Recht. Ich habe meinerseits mit dieser Frage nur ein Entgegenkommen gegen die Herren, die ums Wort bitten, bekunden wollen, um besser bc» urthcilen zu können, ob ich ihnen das Wort geben soll oder nicht. Ich glaubte mir den Tank der Herren dadurch zu verdienen. Denn Sic aber davon keinen Gebrauch machen wollen, so ist das Ihre Sache. Ich werde dann einfach von hier aus die Sachlage selbst bc» urtheilen und je nachdem das Wort crtheilen oder verweigern. (Zustimmung rechts.)

Abg. Singer (Soz.): In meinem und meiner Freunde Namen habe ich zu sagen, daß wir für diese Art von Eutgegenkominen danken und nicht geneigt sind, uns wie Schuljungen behandeln zu lassen. (Beifall bei den Soz., Unruhe rechts.)

Vicepräsident Büsing: Das ist eine Kritik der Geschäftsführung des Präsidenten, die ich mir meinerseits verbitte und für die ich Herrn Abg. Singer zur Ordnung rufe. Der Präsident dieses Hauses behandelt Mitglieder dieses Hau»cs niemals wie Schuljunge».

Hieraus referirt

Abg. Foerster (Sachsen, kons.) über die Positionen 436469: Baumwolle und baumwollene Gewebe, Tüll, Handschuhe, Strumpfe, Fischer- und Vogelnetze, Taue, Seile, Schläuche. Das Referat dauert etwas über zehn Minuten.

Abg. Grünberg (Soz.) befürwortet zur Geschäftsordmmg einen Antrag, sämmtliche Positionen an die Kommission zuruck- zuverweisen. Nachdem er fünf Minuten gesprochen, bemerkt

Präsident Graf Balleslrem, der inzwischen das Präsidium über­nommen: Herr Abgeordneter, Ihre Zeit ist abgelaufen. (Große Heiterkeit. Abg. Grünberg verläßt die Tribüne.)

Es ist inzwischen ein Antrag Baudert cingegmigen. über den Antrag Grünberg zur einfachen Tagesordnung Überzügehen und die Positionen mit der Motivirung zurückzuverwciscn, daß der heutige Berichterstatter Abg. Foerstcr-Sachsen bei der Berathung dieses Abschnittes in der Siommiffion gefehlt habe. (Heiterkeit.)

Abg. Baudett (Soz.) spricht für seinen Antrag in längerer Rede.

Llbg. Dr. Spahn (Eentr.) wendet sich mit wenigen Worten gegen die Zurückverweisung.

Präsident Graf Ballcstrem erklärt, daß er über den zweiten Theil des Anttags Baudert nicht absiimmcn lassen könne, da et mit dem Antrag Grünbcrg identtsch sei. Ein Antrag auf Rückoerweiiung bleibe ein solcher, auch wenn bestimmte Motivirungen hinzugefugt würden. -

DerAntragBaudert (Soz.) auf Uebergang zur Tage»» ordnung über den Antrag seines Parteigenossen Grünberg wird m namentlicher Abstimmung mit 215 gegen 59 Stimmen bei 8 Stimm­enthaltungen an genommen.

Es folgt das Referat des .

Abg. Reisilwus lSoz.) über die Pvsikwncn 470502: Andere pflanzliche Spinnstoffe, z. B. Flachs und Hans.

(Schluß folgt.)

wenn ein Schlußantrag vorliegt, ich habe mich aber über diese Praris schon längst gewundert, denn nach § 53 Absatz 2 hat der Präsident, wenn ein Antrag auf Schluß oder Vertagung gestellt ist, sofort die Unterstützungsfrage zu stellen und ohne weitere Tis- kufsion über den Anttag etttscheiden zu lasten. Nach meiner Ansickst haben bei allem Respekt vor der Praxis des Hauses die Präsidenten bisher etwas gethcm, was die Geschäftsordnung ver­bietet, und ich meine, daß der jetzt amtirenbe Präsident der Vor­schrift der Geschäftsordnung gerecht wird.

Abg. Singer (Soz.): Die Praxis des Grafen Ballesttem und des Herrn Büsing steht in einem angenehmen Kontrast zu derjenigen des Grafen Stolberg. Die beiden anderen Präsidenten haben in solchen Fällen bisher noch stets das Wort ertheilt. Wie soll man es nach der Anschauung des Herrn v. Kröcher machen, wenn man namentliche Abstimmung über einen Schlußantrag beantragen will? Die Opposition müßte aus Narren bestehen, wenn sie der An­schauung des amtirenben Präsidenten zustimmen wollte. Ich stelle überhaupt das Zugeständniß des Herrn von Kröcher fest, daß der Präsident entgegen Dem bisherigen Gebrauch des Hauses gehandelt hat. Ich werde es dem Grafen Stolberg überlassen müssen, sich gegen diesen Vorwurf seines Parteigenossen zu vertheidigcn. Ich appellire nochmals an die Loyalität des Präsidenten und bitte ihn, seinen Fehler wieder gut zu machen. Thut er das nicht, so setzt er sich über Recht, Gesetz, Loyalität und Anstand hinweg. (Leb­hafte Zustimmung links.)

Vicepräsidcnt Graf Stolberg: Die letzten Bemerkungen ver­bitte ich mir.

Abg. Schrader (frei). Vgg.): Ich möchte nur feststellen, daß cs gar nickt erforderlich ist, das Wort zur Geschäftsordnung zu ver­langen, um einen Anttag auf namentliche Abstimmung zu stellen. Das Wort zur Stellung eines Anttagcs auf namentliche Ab­stimmung muß jederzeit ertheilt werden, auch wenn die lex Groeber angenommen sein wird.

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): Der Antrag Groeber ist von so grundsätzlicher Wichtigkeit, daß wir geglaubt haben, man werde jede Gruppe zum Wort kommen lassen. Wir haben nur mit schwerem Herzen unsere Unterschrift zu dem Anttage gegeben, und da man uns nicht Gelegenheit gegeben hat, unsere Gründe, weshalb wir es thaten, darzulegen und man im Volke in Folge dessen hier­über unaufgeklärt bleibt, so werden wir gegen den Antrag stimmen.

Vicepräsidcnt Graf Stolberg: Der § 53 der Geschäftsordnung bestimmt ausdrücklich, daß, wenn ein Antrag auf Vertagung ober Schluß gestellt wirb, ohne weitere Diskussion nach Stellung der Unterstützungsfrage abgesttmmt wird. Danach habe ich verfahren. (Lachen bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Singer (Soz.): Ich beziehe mich auf § 57 der Geschäfts­ordnung, worin es heißt, daß vor der Abstimmung der Antrag auf namentliche Abstimmung zulässig ist. Man muß also einen solchen Antrag stellen und begründen können. Es steht jetzt die Frage zur Diskussion, ob der Präsident das Recht hat, den Anttag auf nament­liche Abstimmung zu unterdrücken. Die Kenntniß der Geschäfts­ordnung ist bei dem jetzt amtirenben Präsidenten so umfassend, baß er sie in jedem Augenblick richtig anwenden kann. Ich bitte deshalb, bie Abstimmung für ungiltig zu erklären.

Vicepräsident Graf Stolberg: Es ist der Anttag gestellt, über den Antrag Groeber zur Tagesordnung überzugehen. Es hat ein 9iebner f ü r und ein Redner gegen das Wort. Das Wort für den Uebergang zur Tagesordnung hat der Abg. Singer.

Abg. Singer (Soz.): Ich habe zunächst den Anttag gestellt, der Präsident wolle das Haus befragen, ob der eben vollzogene Schluß der Debatte als rechtsgiltig anzusehen ist. Das Wort für den Anttag auf Uebergang zur Tagesordnung muß ich mir noch Vor­behalten.

Vicepräsidcnt Graf Stolberg: Ich habe eben dem Abg. Singer das Wort für Uebergang zur Tagesordnung gegeben. Er hat ge­sprochen. Das Wort gegen den Anttag hat der Abg. Groeber. Öe Unruhe bei den Sozialdemokraten; Heiterkeit bei der seit.)

Abg. Groeber (Centt.): Ich bitte, den Antrag abzulehnen.

Es folgt die namentliche Abstimmung über den Antrag Singer auf Uebergang zur Tagesordnung über den Anttag Groeber.

Vicepräsident Graf Stolberg: Es sind 300 Karten abgegeben, davon mit ja 88, mit nein 208, mit Stimmenthaltung 4. Der An­ttag, über den Schlußanttag zur einfachen Tagesordnung überzu­gehen, ist damit abgelehnt.

Abg. Singer (zur Geschäftsordnung): Herr Präsident, wir haben nicht abgestimmt über den Schlußanttag, sondern über den Anttag, Den Antrag Groeber durch Uebergang zur Tagesordnung

miSgebeutet werden. Thun Sie, was Sie nicht lassen können. Sie l haben die Macht, Sie haben die Gewatt, aber trotz alledem und alledem: unser ist die Zukunft, unser der Sieg! (Lebhafter Beifall ! bei den Soz.)

Abg. Mchter (freis. Vp.) verliest folgende Erklärung: Die Vorgänge Der letzten Tage sind nur geeignet gewesen, mich in der ( Auffassung zu bestärken. Der ich am 1. November hier Ausdruck gc- ( geben habe. Würde es sich darum handeln, unabhängig von einer schwebenden Vorlage, unbeeinflußt von einander widerstreitenden Interessen, das Für und Gegen zu erwägen, ob wir in die Revision einer Geschäftsordnung eintreten sollen, so würden wir uns Der ] Mitwirkung an einer solchen Revision nicht entziehen können, schon ' um die mehrfach seitens der Mehrheit hervorgerufene falsche Aus- legung der Geschäftsordnung für die Zukunft unmöglich zu machen, ' sowie auch, um bessere Garantien für eine sachliche Berathung zu ' finden. Aber bei einer solchen Revision würden uns die hier vor- ( geschlagenen Aenderungen im Einzelnen nicht zutreffend erscheinen. Der Ausdehnung derBemerkungen zur Geschäftsordnung zu sachlichen (Erörterungen würde von Anfang an auf Grund der bestehenden ' Geschäftsordnung wirksam haben begegnet werden können, während 1 die vorgeschlagene automatische Zeitbegrenzung für solche Bemer- i hingen unter Umständen geeignet ist, Ausführungen zu unterbrechen, wie sic bei verwickelten Fragen der Geschäftsordnung gerade am Platze sind. Indem zukünftig die Zulassung einer Bemerkung zur Geschäftsordnung in das diskretionäre Ermessen des Präsidenten gestellt ist, weist man denselben an, eine Art von Präventiv-System zu handhaben, eine Aufgabe, deren praktische Durchführung sich 1 ganz bedeutungslos erweisen oder zu fortwährenden Rekrimina- tionen führen würde, während cs nach unserer Meinung darauf ankommt, die Stellung des Präsidenten nicht zu schwächen, sondern zu stärken. Indessen, solche Einwände hätten in der gegenwärtigen parlamentarischen Situation den Mchrheitsparteien gegenüber keine praktische Bedeutung. Dieselben haben sich über die Zolltarifvorlage in allen Punkten geeinigt und sind entschlossen, ihren Willen auch unter jeder Aenderung der Geschäftsordnung zur Geltung zu bringen. Der Antrag Kardorss hat zur Geltendmachung dieses Willens ein summarisches Verfahren eingeschlagen, und der vor­liegende Antrag stellt nur eine weitere Etappe auf dem Wege des Antrags Kardorff dar. Wir bekämpfen den Antrag Äarborif ma­teriell, wir haben ihn formell als in krassem Gegensatz zur Geschäfts­ordnung stehend bezeichnet. Der Mehrheit allein müssen wir in formeller und materieller Beziehung die volle Verantwortung über­lassen für Alles, was zu beantragen und zu beschließen sie für an- gemessen erachtet. Wir werden daher gegen die vorgeschlagene Aenderung stimmen. (Beifall bei der freis. Vp.)

Abg. Dr. Barth (freis. Vgg.): Herr Groeber hat ganz offiziell die Geschäftsordnung als Angelegenheit der Mehrheit hingestcllt. Das ist eine Herabwürdigung des Ansehens des Präsidenten Herr v. Kröcher hat viel von Subjekten und Objekten der Gesetzgebungen, von Fasanen und Epigonen gesprochen. Nun, die Epigonen sollten auf die Vergangenheit blicken, das ist ihre Eigenschaft. Der typischste Präsident, Simson, hat gesagt:Die Geschäftsordnung ist zum Schutz Der Minorität da. (Hört, hört!) Ein Präsident, der diese Ausgabe vernacklässigt, müßte von seinem Sitze entfernt werden." (Hort, hört!) So hat man in jenen Zeiten gedacht, auf die Sie als Epigonen mit Neid zurückblicken! Sie berufen sich auf das amerikanische Repräsentantenhaus I Was würde wohl Der Sprecher dort sagen, wenn ihm zugemuthet werden würde, unter einer Jex Groeber zu präsidiren! Er würde sofort resigniren! Welche Zustände schaffen Sie durch die lex Groeber! Die wichtige Ge- fchäftsordmuigsdebatte bei der Einführung des Antrags Aichbichler, wo cs sich uin die Grundlagen unseres ganzen parlamentarischen Lebens handelte, märe, statt in 5 Tagen, in 5 Minuten erledigt worden! Das heißt doch einfach. Alles ins Lächerliche hcrab- zichenl (Sehr richtig! links.) Sie reden von Obstruktion! Gerade dieDeutsche Tagesztg." hat es als gewissenlos bezeichnet, wichtige Gegenstände ohne Berathung zu erledigen, das kann Herr Oertel, ihr Redakteur, bestätigen. Ihre Berufung auf das amerikanische Repräsentantenhaus ist zu komisch. Ich habe selbst dort eine Rede eines Gesinnungsgenossen des Herrn von Kardorff, eines Silbcr- mannes, gehört. Die zwölf Stunden dauerte! Wenn der Redner müde tvurde, so bat er einfach den Schreiber, eine halbe Stunde lang etwas aus einem Buche vorzulcscn, er müsse frühstücken! (Heiterkeit.) So wurde das dort gehandhabt! Bei uns aber will die Mehrheit Die Minderheit überhaupt nicht zum Wort kommen lassen, sic will überhaupt teinc sachliche Diskussion, weil sie weiß, daß jedes Wort Der Kritik an dem Zolltarif in dem Volke lauten Widerhall finden wird.

Inzwischen ist von dem Abg. Frhr. v. Schclc-Wuns- torf (Welfe) ein Abänderungs-Antrag eingegangen. Der dahin geht,daß das Wort zur Geschäftsordnung jederzeit verlangt wer­den kann, lieber die Verweigerung desselben entscheidet das Haus in einfacher Llbstimmung, namentliche Abstimmung ist dabei aus­geschlossen". Außerdem darf Der Präsident das Wort auf länger als 5 Minuten erthcilen.

Abg. v. Normann (kons.) beantragt Schlußder Debatte. Der Antrag wird von der gcsammten Mehrheit unterstützt.

Abg. Singer (Soz.) bittet ums Wort zur Geschäftsordnung.

Vicepräsidcnt Graf Stolberg: Wir sind bereits in der Ab­stimmung! (Großer Lärm links.) Während des Tumultes läßt

Vicepräsident Graf Stolberg abstimmen und erklärt den Schlußanttag für angenommen.

Unter andauernder großer Erregung des Hmiscs erklärt

Abg. Singer (Soz.): Ick fonjtatirc, daß der amtircnde Prä­sident die Geschäftsordnung gebrochen hat, (Großer Lärm.) jawohl, absichtlich gebrochen hat! (Tumult.) Ich habe, nachdem der Prä­sident die Unterstützung des Schlußautrages konstatirt hatte, ums Wort gebeten. Ich habe cs nicht erhalten. Ich hatte die Absicht, Uebergang zur Tagesordnung über den Schlußanttag, sowie namentliche Abstimmung zu beantragen. Gegen den Wortlaut der Geschäftsordnung, sowie gegen den Gebrauch des Hauses hat der amtirenbe Präsident mich Daran verhindert. Ich erwarte von seiner Loyalität, daß er den Fehler zurücknimmt und nicht die lex Groeber anwendci, bevor sie noch Gesetz ist. (Lebhafte Zustimmung links.)

Abg Honsimann (südd. Vp.): Ich stelle hiermit fest, daß mir durch den Schlußanttag das Wort zu sachlichen Darlegungen über Den Antrag Groebei abgcschnitten ist E wrnint thatsachlich immer grobei Große Heiterkeit ) Die Mitglieder Der Mehrheit werden nun wol>t bald Die Peitsche und Den Maulkorb ständig in Der Mappe

Parlamentarisches and Hessen.

Der zweiten hessischen Kammer ist von den 'Jlbgg. Ulrich und Genossen ein Antrag über die Gewerbe- Inspektion überreicht worden, welcher lautet: Die Kam­mer wolle beschließen, die Großherzogliche Regierung zu er­suchen, den Ständen alsbald eine Vorlage zu machen, durch welche die Gewerbeinspektion Dc5 Landes derart auSgebaut wird, daß m allen Bezirken Assistenten und Assistentinnen ans den Kreisen der Slrbeiter zur Verwendung und Anstellung gelangen. Dieselben Antragsteller wünschen ferner die An­nahme folgenden Antrags: Die Kammer wolle beschließen, Großherzogltche Regierung zu ersuchen, den Ständen eine Vorlage zu machen, durch welche eine direkte Vertret­ung der Arbeiterschaft des Landes im Großherzoglichen Ministerium nach dem < orbild Der Landwirtschaft und der Gewerbe herbeigeführt wird.______________________

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Dai und v ftaat fi stimmmrg, RegierungMornutg-Post" nie Iber uamltcl) aus Was

hington: Tas Staatsdepartement bttiig: "ii. ans die lieber» reichung des Ultimatums an Venezuela seitens England und Teutschland. Wie Beamte des Staatsdepartements mit­teilen, werden englische und deutsche Seeteute in Venezuela gelandet, die das Zollhaus bis zur Regelung Der Ange­legenheit besetzt halten. Tem venezolanisu^n Gesandten in Washington ist mitgeteilt worden, daß die Der. Staaten unter Linen Umständen in das Vorgehen Deutschlands und Englands sich einmischett werden.

Tas Ultimatum an Venezuela hat a.s Frist für die Zahlung des Betrages i>on l 7uO000 Bolwares die Zeit bis zum 24. Januar festgesetzt. Tie Regierung von Vene­zuela lvird damit zu rechnen haben, daß Teuts^ lano uni) England mit aller Energie auf sofortige Erfüllung der Bedingung chres Ultimatums hatten werden. Ecu weiteres Telegramm besagt, daß der britifdje Gesandte uud der deutsche Geschäftsträger mit Stab gestern nachmittag aus Caracas a b g e r c i fr sind. Ersterer ging an Boro eines m La Guayra, letzterer an Bord der not zierten ihre . ibre.se der venezola- niu)t wahrsche.nliea um eine feindliche vermeiden. Beide hatten am Tage vor­

her : itimatunt ihrer Regierungen in der Wohnung

des rS des 'Jlu. artigen nuoergclegt. Ti. Juflie* runa ( keine milckärtschen .Vorbe^uQrirgen in £.z

rtnjajen Kreuzer.

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Guayra. em ,,iei der ,.x nta" erzählte c1rrk^L?t' scheu o im.lie in La Guayra, daß eine Küsten-Blolade be­vorstehe.

In unk jUirh-uiukiL

Originaldrahtmcldungcn des Gießener Anzeiger.

Berlin, 10. T.z. ^.r .. Korr." zufolge wurden

von der Essen . . t a i f c r r c o c So nderabd rücke in großem Umfange yerg> stellt und an Fabrikbetrtebe in großer Zahl abgegeben.

Nürnberg, 10. Tcz. In der hiesigen FUiale des Berliner Warenhauses von Tietz erfolgte infolge Unvor­sichtigkeit eines städtischen (vasarbetters, der bei der Gas­uhr mit Auftauung der Ga ohre befck)äftigt war, eure Gasexplosion. Trotz des sosortigen Eingreifens der Feue .r ist das Geschäftshaus total ausgebrannt.

norf, Tcz. Aus Willemstadt meldet ein t . neral Rolando, der erste Stabs-

zum Führer einer neuen r e d o

v p e gcßvii Castro proklamierte. Er i.aclt Ein anderer Rebellenführer ;:1. ulO Aufs! Nbische in der Nähe von

or o. - ul ander».n ^ano.steilen bilde .i sich ederum vtz^re Gruppen von Aus ständischen.