Anzahl Befürchtungen erscheinen uns durchaus begründet, namentlich in Bezug auf Rußland. Sollte die Konvention zu einer Kündigung des russischen Handelsvertrages fuhren, gegen den sie nach den heutigen Ausführungen des Grafen Kanih verstoßt, so wäre das ein Grund mehr für mich, der Konvention zuzustimmen. Außerdem lverdcn wir nur bei Annahme der Konvention das Süßstoffgesetz in der Form, wie es jetzt vorliegt bekommen. Im Wesentlichen sind wir auch mit der Kontingentirung einverstanden. Wir bitten den Reichskanzler, uns das Entgegenkommen, das wir hier beweisen, zu Gute zu schreiben, und uns bei künftiger Gelegenheit ein passendes Aequivalent zu gewähren.
Abg. Graf Bernstorfs-Netzen (Welfe): Nach den Ausführungen des Ministerialdirektors v. Körner kann ich der Konvention nur noch mehr zustimmen als bisher; wir sind mit der Konvention auf dem richtigen Wege. In 10 Jahren können wir ja prüfen, was dann die Verhältnisse erfordern. Wenn die Steigerung des Konsums im Interesse der gefährdeten Zuckerindusttie zu erstreben ist, so muß auch die Verbrauchsabgabe so niedrig als möglich angesetzt werden.
Abg. Dr. Hahn (23. d. L.j besteigt unter großer Heiterkeit der Linken die Tribüne. Von verschiedenen Abgeordneten der Linkeii werden ihm Telegramme entgegengchalten. Redner bemerkt, er verstehe diese Heiterkeit nicht, da er nicht wisse, was diese Telegramme mit seiner Person zu thun haben. Er habe sie nicht abgeschickt. sLachen links; Zurufe: Der Bund der Landwirthe hat sie doch heftclltl) Er müsse sich mit Entschiedenheit gegen die Konvention aussprechen. Unsere Position auf dem Weltmärkte würde durch ihre Annahme nur noch weiter verschlechtert werden. Die Engländer würden den Löwenanthcil haben. Das beste Mittel, um den heimischen Zuckerkonsuin auf die wünschenswerthe Höhe zu bringen, sei die gänzliche Beseitigung der Verbrauchsabgaben. Die jetzige ungünstige Lage des Rübenbaues sei ganz besonders durch die Anhänger der Caprivischen Politik verschuldet worden. (Lachen links.)
Abg. Dr. Barth (freis. Vgg.j: Wie Herr Dr. Hahn so jede Verantwortung für die ihm hier entgegengehaltenen Telegramme ablchnen kann, verstehe ich nicht, denn der Aufruf in der „Korrespondenz des Bundes der Landwirthe", die Abgeordneten eventuell telegraphisch aufzufordern, die Konvention abzulehnen, ist ja von Dr. Hahn selbst mitunterzeichnet. (Heiterkeit.) Auch an mich ist ein Telegramm aus meinem Wahlkreise von Seiten eines Mitgliedes des Bundes der Landwirthe gerichtet worden, worin ich gebeten werde — ich zitire wörtlich — „die Konvention ab - z u n e h m e n". (Heiterkeit.) Dieses Telegramm war versehentlich beim Bureau des Bundes der Landwirthe in der Dessauerstraße abgegeben worden. (Heiterkeit.) Die Herren hatten aber die Güte, es mir in einem Couvert zuzusenden, jedoch nicht, ohne sich vorher der Mühe zu unterziehen, das Wort „abzunehmen" in „abzulehnen" zu verbessern. (Große Heiterkeit.) So sicher waren sie Darüber, wie das Telegramm lauten sollte. (Erneute Heiterkeit.)
Die Brüsseler Konvention zu verthci-igen, ist nicht die Aufgabe der Linken, sondern die Ausgabe der Regierung. (Sehr richtig! links.) Wenn ihr das gegenüber ihren eigenen freunden von der Rechten nicht gelingt, dann erleidet sie eine Niederlage,
die sie sich gar nicht gefallen lasten kann, ohne jede Autorität einzubüßen. (Sehr richrigl links.) Die Verbündeten Regierurigen werden vor der ganzen Welt bloßgestellt, wenn sie nicht einmal diese Vorlage durchbringen. (Lebhafte Zustimmung links, große Unruhe rechts.) Tie Regierung ist aber selbst schuld an ihrer Lage, sie hätte die Konvention Diel schneller durchsetzen können, wenn sie mit mehr Energie zu Werke gegangen wäre. (Erneute lebhafte Zustimmung links.) Die Zriclcrindustrie muß die Konvention an- nehmen, wenn sie nicht vollständig verblendet ist. Aber das ist man ja schon gewohnt, daß die Rechte überhaupt nichts mehr annehmen lann, wenn sie nicht noch ein Exrracadeau zubekommt. (Große Unruhe rechts.) Da klagen die Herren von der Rechten über das böse Centrum, das sie zwinge, die Kontingentirung anzunehmen, aber sie nehmen sie schließlich, um dann ihrerseits auch noch ein Trinkgeld zu verlangen; sie melden das schon im Voraus an. Wie tief muß die öffentliche Moral bereits gesunken sein, wenn man nun sogar schon internationale Abmachungen auf das Niveau des Kuhhandels herabdrückt. (Lärm rechts.) Die Regierung selbst ist Gegnerin der Kontingentirung, sie weiß ganz genau, daß sie ein miserables Gesetz bekommt, wenn sie sie annimmt, und trotzdem sehen wir, daß Verhandlungen im Gange sind, um die Kontingentirung durchzubringen, und uns, die wir lediglich die Interessen des großen Ganzen wahrnehmen, will man zwingen, die Kontingentirung mit in Kauf zu nehmen. Herr Gamp und die anderen berühmten Agrarier acceptiren die Kontingentirung nur, weil sie andere politische oder wirthschaftliche Vortheile für die Zukunft dagegen eintauschen wollen. (Unruhe und Widerspruch rechts.) Noch vor zwanzig Jahren wäre es unmöglich gewesen, dem Reichstage ein solches Geschäft zuzumuthen. (Große Unruhe rechts.) Ich frage Sie, wer vertritt mehr die Interessen der Landwirthschaft, derjenige, der dem Centtum zu Gefallen die Konttngenttrung annehmen will, oder wir, die wir uns nur von allgemeinen Gesichtspunkten leiten lassen? (Lachen rechts.) Wenn die Regierung sich auf den Standpunkt der allgemeinen Interessen stellt, dann kann sie das Gesetz haben in der Form, wie sie es will. In einer solchen Angelegenheit, wo die Interessen der Zuckerindusttie so stark engagirt sind, wo jeder, der etwas von der Sache versteht, sich sagen muß, die Konvention ist unter allen Umständen nothwendig, wenn nicht die Zuckerindusttie in die größte Gefahr gebracht werden soll, da kann die agrarisch- klerikale Mehrheit des Hauses gar nicht riskiren, die Konventton abzulehnen. Die Regierung braucht gar keine Opfer zu bringen, sie muß nur mit Entschiedenheit und unter Aufbietung ihres Einflusses die Sache unterstützen, und wenn sie das thut, dann wird sie die Unterstützung der ganzen Linken finden, einschließlich der Sozialdemokratie, die keine so fattische Opposition treibt, wie die Rechte des Hauses. (Lebhafter Beifall links; Lärm rechts.)
Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): Die Linke fühlt sich heute als Regierungspartei und schwelgt in der Hoffnung künftiger Ministerherrlichkett. Die Herren, die sonst nicht genug von Volksfreiheiten reden können, verlangen, daß der Reichstag, wenn vom Bundesrathstisch das Wort „Unannehmbar" ertönt, sofort feinen Kotau vor der Regierung macht. Die Zuckerkonvention ist eine Generalprobe für die Handelsverträge, und die Landwirth
schaft, die durch die letzten Handelsverttäge so schwer geschädigt ist, hat all Ursache, zu prüfen, ob die Vertreter der Regierung die Interessen Deutschlands vertreten haben. Die Zuckerkonvention ist ein größerer Scbaden als die Ablehnung und der eventuelle Verlust des englischen Marktes. Nur die Vertreter des Handels sind für Annahme der Konvention. Es berührt daher eigenartig, daß Herr 23artf) so gegen Die Jnteressenpolitik donnerte. Vertreter des Cobdenklubs und Gegner der Jnteressenpolittk, das reime sich zusammen, wer rann! England würde bei der Konvention schon sein Geschäft machen; es ist jetzt zweifellos nicht bescheidener geworden, nachdem es das Recht in Transvaal mit Füßen getreten hat.
Abg. Graf Kanitz (kons.): Im Gegensatz zu dem Kollegen Dr. Paasche bin ich der Meinung, daß wir den russischen Zucker sehr wohl zu fürchten haben. Am wichtigsten ist das Bedenken, daß Die Konvention gegen Den Handelsvertrag mit Rußland verstößt. Ich beantrage, Die Konvention an Die Kommission zurückzuverweisen.
Ministerialdirektor v. Körner ist der Ansicht, daß bei dem 6 Franes-Ueberzoll fein russischer Zucker hereinkommen werde, selbst wenn bei uns von der Auferlegung eines Strafzolles Abstand genommen werde.
Abg. Graf Limburg Sttrum (kons.) bezeichnet die Auftastung des Staatssettetärs, daß die Behandlung der englischen Kolonien eine interne Staatsangelegenheit fei, als unrichtig.
Abg. Frhr. v. Maltzan (kons.) erklärt, daß er und der kleinere Theil der Konservativen für die Konvention stimmen werden, so schwer es ihnen auch falle, sich von der Mehrheit zu trennen.
Nach weiteren Bemerkungen des Ministerialdirektors v. Körne» und des Abg. Graf Bernstorfs (Welfe) schließt die Debatte.
Persönlich bemertt
Abg. Dr. Hahn: Das Telegramm an Dr. Barth ist an daS Bureau des Bundes gegangen, Da die Absender über die Parteistellung Barths falscher Ansicht topren. Die Korrektur an dem Telegramm habe ich aber nicht gemacht, ich hätte die Intelligenz des Aog. Barth so hoch geschätzt, daß ich angenommen hätte, er hätte von selbst gewußt, was daS Wort zu bedeuten habe. Im Uebrigen habe ich keine Veranlassung, Telegramme zu bestellen, es kommen schon so wie so genug.
Der Antrag Kanitz auf Zurückverweisung an die Kommission ist zurückgezogen worden.
In der Abstimmung werden darauf die einzelnen Artikel der Konvention angenommen.
Dagegen stimmt ein Theil des Centrums, der kleinere Theil der Reichspartei und Anttsemtten und der größere Theil der Konservativen.
Damit ist die zweite Lesung der Zuckerkonvention beendet.
Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr. (Zucker st euergesetz, Süßstoffgesetz und Petitionen.)
Schluß Uhr.
Politische Tagesschau.
Englische Anmaßung.
Wie sehr den Engländern nach der Beendigung des Krieges in Südafrika der Kamm schwillt, zeigt der Artikel eines Imperialisten in einer englischen Zeitschrift. Es wird da aus^esordert, den deutschen Kaiser wegen der Vergrößerung der deutschen Flotte „zur Rede zu stellen". Der Imperialist wünscht, den Kaiser wie folgt angeredet zu sehen:
„Die Pläne für die Erbauung einer deutschen Flotte sind bekanill, aber sie werden rnih Erstaunen von allen intelligenten Engländern beobachtet. Ew. Majestät haben keine Kolonien, die eine Flotte von solcher Ausdehnung notwendig machen. Wenn es eine andere Erklärung für die Existenz dieser Flotte giebt, als daß sie gegen England benutzt werden soll, wollen Ew. Majestät sagen, was ihr Zweck ist?
Aus Stadt und Aand.
-i- G r ü n i n g e n , 9. Juni. Gemeindcrechner L e i d i ch und Frau feierten am Sonntjag das Fest der goldenen Hochzeit. In ihrer Wohnung empfingen sie das heilige Abendmahl durch Pfarrer Beckel; hieran schloß dieser eine ergreifende Traurcde und den Trauakt. Der Großherzog verlieh dem Jubelpaare sein Bild mit eigenhändiger Namensunterschrift. Unter den von auswärts ge- sattdten schriftlichen Glückwünschen sind hcrvorzuheben die des Geheimrats v. Bechtold, des Tekans Hainer (Hungen) und der Abgeordneten Köhler (Langsdorf), Wolf, Leun und Bähr.
Butzbach, 7. Juni. Nachdem der am 15. Marz hier abgehaltene „Deutsche Abend" der hiesigen Ortsgruppe des Schulvereins zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande einen beträchtlichen Reinertrag ergeben hatte, war beschlossen worden, hiervon 200 Mk. der deutschen Schule in Constanza in Rumänien zuzuweisen, und zwar im Hinblick darauf, daß dort der aus der hiesigen Gegend stammende Pfarrer Theodor Graf thätig ist. Vor einigen Tagen traf ein Dankschreiben des deutschen Schulvereins in Constanza bei der Ortsgruppe ein, das zugleich die Bitte enthielt, auch fernerhin — vielleicht auf die nächsten vier Jahre — mit einer laufenden Unterstützung von jährlich 200 Mk. derselben zu gedenken. Der Vorstand hat beschlossen, diese Bitte zu erfüllen. — Nach Abzug der nach Constanza geschickten 200 Mk. verblieb noch ein Ueberschuß von etwa 450 Mk., über den aber nach den Satzungen dem hiesigen Verein nur ein teilweises Verfügungsrecht zusteht. In Betreff der Ver- wendung dieses Betrags wurde die Hauptleitung in Berlin gebeten, womöglich die ganze Summe einem bedrohten Orte an der Sprachgrenze zukommcn zu lassen. Dem Wunsch wurde entsprochen und als Unterstützungsort Poppersch in Südsteiermari vorgeschlagen, wo die unter Leitung eines echt deutsch gesinnten Lehrers stehende Schule ein Bollwerk gegen die das Deutschtum aufs heftigste befehdenden Slowenen bildet.
-h- Sichenhausen, 8. Juni. Ende voriger Woche verschwand hier einem fremden Radfahrer sein Rad, das er vor eine Wirtschaft gestellt hatte. Die Gendarmerie in Schotten wurde telegraphisch davon benachrichtigt. Gestern fand ein Mann das Rad ziemlich weit entfernt vom Dorf unter einer Hecke mit durchlöchertem Reifen. Hoffentlich gelingt es der Polizei, den frechen Thäter zu entdecken.
§ Calbach b. Büdingen, 9. Juni. Lehrer Koch, der nahezu 5 Jahre an hiesiger Schule wirkte, wurde nach Crumstadt versetzt.
Darmstadt, 9. Juni. Zum provisorischen Nachfolger des in Ruhr ' i ,'Dr. Scnnert sott Reallehrer und Schriftsteller W. H o t z- LM«r aus Heppenheim bestimmt worden sein.
Diez (Lahn), 9. Juni. Die Königin Wilhelmine von Holland trifft Dienstagncvchmittag zwischen 4 und 5 llhr auf der Station Balduinstein ein und wird sich von dort aus nadj Schloß Schaumburg begeben. Vdit Rücksicht auf den Gesundheitszustand der Königin findet ein Empfang nicht statt. Das Gefolge und die Dienerschaft der Königin besteht aus ccl 50 Personen. Tie Nachricht, daß die Parkanlagen von Schloß Schaumburg von heute ab bis auf wetteres dem Verkehr für das Publikum entzogen seien, ist falsch. Nur der innere Schloß-Dering darf während der Anwesenhett Ä-er Kötrigin Wilhelmine nicht betreten werden.
Unioersltats-Nachrichteu.
— Der preußische Handelsminister gegen das Duell. Für die dem Handelsministerrum unterstehenden königlichen Bergakademien zu Berlin und Clausthal sind kürzlich neue Vorschriften über die Disziplin erlassen morden, die auch Disziplinarstrafen gegen Duellvergehen enthalten. Nach § 5 dieser Vorschriften sollen disziplinarisch bestrast werden: „Herausforderung zum Zweikampf und Annahme desselben, der Zweikampf selbst und die Teilnahme daran als Kartellträgcr, Sekundant, Unparteiischer oder Zuschauer; doch sollen Kartellträger straflos bleiben, wem: sie ernstlich bemüht gewesen sind, den Zweikampf zu verhindern." Als Schutz für Duellgegner sollen ferner Disziplinarstrafen dienen gegen Ehren- fränfungen unter Studierenden sowie gegen Verrusserktarungen oder in ihrer Wirkung ähnliche Handlungen. Als Disziplinar- strasen forrunert in Betracht: Verweis, Veriveis vor dem versam- metten Lehrerkollegium, Nichtanrechnung des lausenden Halbjahres auf die vorgeschriebene Studienzeit, Androhung der Entfernung von der Bergakademie, Entfernung von der Bergakademie. Die Bergakademien sind wohl die einzigen deutschen Hochschulen, an welchen Tuellvergehen seitens der akademischen Behörden mit Disziplinarstrafen bedroht sind.
Oxsorö, 7. Juni. Wie von anctlicher Seite mitgeteilt wird, wird dem Sanskritsorscher Professor Franz Kielhorn in Göttingen die Würde eines Doctor o f Lette rs verliehen.
Gerichtssaal.
Berlin, 6. Juni. Im Verlaus der heutigen Verhandlung des P r v z e s s e s S a n d e n und Genossen beschloß der Gerichtshof, entsprechend dem Antrag der Verteidigung, der neuen Bodengesellschaft auszugeben, daß sie der Verteidigung Einsicht in ihre Bücher gestatte. Die Bodengesellschast hatte dies verweigert. Eme längere Erörterung veranlaßten Die Aussührungen des Bauraths Hagemann über den Wert und die Bedeutung der von ihm auf- gestellten Taxen. Hagemann behauptete, die Taxation J)urd) Sachverständige fei in den meisten Fallen eme blose Form, seine Taxe sei lediglich als Bestätigung der Wertschätzung auszufassen, die Der Hypothekenbankdirektor schon gemacht habe. Diese Art Taxen sei sür Hypothekenbanken ganz allgemein. Geh. Hosrat Hecht erklärt als SachverstänDiger aus Das entschiieDensle, was Hagemann behauptete entfpvecfjc in keiner Weise Den Gepflogenheiten Der Hypothekenbanken. Tie Taxe Der SaclwefitänDigen sei nicht eine bloße Form, sondern ein ganz wejentlicher Teil der Erledigung des Be- leihungsalitrags.
Arbeiterbewegung.
Paris, 9. Juni. Infolge einer Unterredung, welche der Finanzmimster mit dem Abgeordneten der Arbeiter der sl a a t t i ch c n T a b a k m a n u f a k t u r e n hatte, werden die Arbeiter am Mittwoch die Arbeit wieder a u f n e lj m e n.
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
Dresden, 9. Juni. Der Kongreß des Verbandes der ZigarrentädenInhaber erhärte, mit allen Mitteln gegen Den Achtuhrladenschluß sich wehren zu wollen.
Spirlplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.
Opernhaus.
Mittwoch den 11. Juni, abends halb 8 Uhr: „Figaros Hochzeit." Donnerstag ben 12. Juni, abends 7 Uhr: „Mignon." Freitag den 13. Juni geschlossen. Samstag den 14. Juni, abends halb 7 Uhr: „Lohengrin" Sonntag den 15. Juni, abends 7 Uhr: „Zar und Zimmermann." Biontag den 16. Juni geschloffen.
Schauspielhaus.
Mittwoch den 11. Juni*): Dramen-Cpklus zum Abschiede vom alten Schauspielhause. Erster Abend. Aug. Wllh. Jfflcmd (geb. 1759, gest. 1814). Neu einstudiert: „Die Jäger." Donnerstag den 12. Juni: „Die Räuber." Karl SDtoor: Herr Rich. Kirch als Gast. Frertag den 13. Jmtt: „Robert und Bertram" oder ^Die luftigen Vagabunden." Samstag den 14. Juni: ^Die Jäger." Sonntag den 15. Juni, nachmittags halb 4 Ubr: „Viel Lärm um nichts." Abends 7 Uhr: „Die Logenbrüder."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Neueste Meldungen.
Origiualdrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
Berlin, 10. Juni. In dem Zuchthause in der Lehrter- Straße, in dem sog. Zellengefängnis, über fielen gestern nachmittag zehn Sträflinge einen Aufseher^ steckten ihm ein Tuch in den Mund, knebelten ihn mit Handtüchern und legten ihn in die Ecke eines Saales, iuo er hilflos liegen bleiben mußte; dann nahmen fie ihm die Schlüssel ab, schlossen die übrigen Gefangenen und Aufseher in ihre Säle ein und durchschnitten die elektrische Lärmleitung. Es gelang aber mir zwei aus der Anstalt zu entweichen. Die übrigen wurden teils bei dem Fluchtversuch, tells kurz darauf wieder dingfest gemacht. — Der Neubau des preußischen Herrenhauses wird mtt der ersten Tagung der 1904 beginnenden neuen Legislaturperiode eingeweiht werden.
Dresden, 9. Juni. Den „Tr. Nachr." wird aus Sibyllenort von heute mittag von einem Privatberichterstatter gemeldet: Die günstig verlaufene Nacht beeinflußte das Allgemeinbefinden des Königs auf das Vorteilhafteste. Tier hohe Patient nahm das Frühstück mit sichtlichem Appetit ein und wird heute mittag zum erstenmal wieder etwas konsistentere Kost zu sich nehmen. Am heuttgen dkachmittag soll der König wieder ein Stündchen auf der Chaiselongue zubringen.
Sibyllenort, 9. Juni. Heute abend 6 Uhr wurde folgender Krankheitsbericht ausgegeben. Ueber Tag war allgemein Unruhe wieder vorherrschend. Im übrigen ist eine wesentliche Aenderung im Befinden des Königs nicht zu verzeichnen.
London, 10. Juni. In einem Hause der Queen Viktoria-Street brach Feuer aus. Eine Anzahl Mädchen und ein Mann sprangen 60 Fuß tief in ein für sie ausgehaltenes Springtuch, wobei drei Mädchen getötet wurden. Der Mann wurde so schwer verletzt, daß. an seinem Aufkommen gezweifelt wird. 5 Mädchen sind leicht verletzt in das Krankenhaus geschafft worden, während mehrere an Ort und Stelle verbunden wurden .
Rom, 9. Juni. Heute vormittag hielt der Papst im Sala-Regia ein öffentliches Konsistorium ab. Demselben wohnten die Kardinäle, zahlreiche Bischöfe, Prälaten. Mitglieder des Diplomatischen Korps, des römischen Adels und der gesamte Hofstaat des Papstes bei, dessen' Aussehen vorzüglich ist. Lebhaft begrüßt überreichte er den Kardinälen Martinelli, Frhrn. v. Skrbenski und Kniatz den Kardinalshut. 9!ach dem öffentlichen Konsistorium fand ein geheimes Konsistorium statt, in dem mehrere Bischöfe ernannt wurden, darunter Lingg für Augsburg. In einer Ansprache sagte Der Papst, er baute Gott, daß er ihm ein ,o langes Leben geschenkt habe, um ba£ Pontifitatsjubiläurn begehen zu können. Er fei glücklich über Die Pllgerzüge nach Rom. Sodann drückte der Papst seine Trauer aus, daß die Fe in de der katholischen Kirche Italien, insbesondere Rom zu entchristlichen suchten, durch Ausbreitung und Schutz von Ketzern und des Protestantismus. Tie Allocution wandte sich dann auch gegen die Unzucht, die sich in Schriften, Reden und Theatervorstellungen breitmache.
Washington, 10. Juni. Das Repräsentantenhaus nahm mit 175 gegen 38 Stimmen das Gesetz gegen die A tl a r ch i st e n a n. Gin Antrag, bie Bestimmung, baß bie Mord e r fremder Botschafter und Gesandten mit dem Tode bestraft werden sollten, zu streichen, wurde abgelehnr .


