** Theater-Verein. Montag den 20. d. Beck aus Köln als Morre'schen Volksstück
werk's „Ländliche Hochzeit", eine Symphonie im modernen Styl, für Gießen Novität. Das gesamte Programm fo.roie alles Nähere ergiebt der Inseratenteil, auf den wir hiermit Hinweisen wollen.
Die nächste (6.) Vorstellung findet M. statt. In ihr wird Herr Otto „Nullerl" in dem gleichnamigen gastieren. Mit dieser Vorstellung
Aus Wadi und Kund.
(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: ,,Gieß. Auz." gestattet.)
Gießen, 10. Januar 1902.
** Parlamentarisches aus Heffen. Der Abg. Schönberger beantragt, die Zweite Kammer wolle beschließen: Die Regierung gu, ersuchen, von der alsbaldigen Aenderung der Statuten derjenigen Sparkassen, die im Besitze der Rechtsfähigkeit sind, insolange abzusehen, bis der dem hohen Hause bereits vorliegende Entwurf, „die öffentlichen Sparkassen" betreffend, als Gesetz verabschiedet worden ist, und eventuell Vorsorge zu treffen, daß etwa bis dahin erfolgte Statutenänderungen einzelner Sparkassen unwirksam werden, insoweit die fragliche Statutenänderung durch das verabschiedete Sparkassengesetz gegenstandslos geworden ist. — Eine neue Regierungsvorlage betrifft den Gesetzentwurf über die Anlegung und den Betrieb der Dampfkessel, sowie die Einrichtung und den Betrieb von Dampfgefäßcn. Das Ministerium legt jetzt unter Zurückziehung des den Ständen vorgelegtcn Gesetzentwurfs, den Betrieb der Land- und Schiffsdampfkessel betreffend, einen erweiterten Gesetzentwurf mit dem Ersuchen beschleunigter Sachbehandlung vor.
* * Ernennung. Der Bergassessor Karl Köbrich zu Darmstadt wurde zum „Bergmeister" und zum Sekretär bei der Oberen Bergbehörde, sowie zum stellvertretenden Vorsitzenden der Aichungsinspektion mit Wirkung vom 1. Januar ernannt.
* * Ernennung. Der Großherzog hat den Kreisamtmann bei dem Kreisamt Friedberg Spanier zum Feldbereinigungskommissär für die Provinz Oberhessen mit dem Amtssitze zu Friedberg ernannt.
* * Der 1. Finanz-Ausschuß der zweiten Kamnier ist heute- mnter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Köhler-Worms zur Beratung des Budgets zusammengetreten. Die Beratungen dürften bis Ende ds. Mt. dauern, worauf Anfang Februar das Plenum der Kammer zusammentreten wird.
E.Cli. Konzertverein Das 4. Vereinskonzert findet am 13. Januar, abends 6 Uhr, in der Turnhalle statt. Tag und Stunde mußten so gewählt werden, weil die Homburger Städtische Kurkapelle Sonntag durch andere, ältere Derpftichtungen gebunden ist Und die ungünstige Lage der Abendzüge einen späteren Anfang verbietet. Trotzdem dürfte das 4. Konzert ein vollbesetztes Haus vorfinden, denn die Homburger Kapelle ist eine erstklassige musikalische Körperschaft, die den größten Aufgaben gewachsen ist und unter der Leitung Trautmann's wieder Ausgezeichnetes bieten wird. Das Homburger Orchester birgt in seiner Mitte eine, ganze Reihe hervorragender Solisten, für dieses Mal wird der erste Cellist Herr OuShoo^rn uns das berühmte Cello- Konzert von Saint-Sasns zu Gehör bringen. Von Orchesterwerken bietet wohl das größte Interesse G o l d *
** Eine Weihnachtssreude bereitete, wie uns Herr Pfarrer Schoenhals mitteilt, Herr Fernie auch den Bedürftigen in ■ Allendorf a. d. Lahn, indem er durch Vermittlung und i ürsprache seines General-Bevollmächtigten eine Festgabe an ie verteilen ließ.
•• Die Gießener Ruder-Gesellschaft feiert, wie wir bereits ; mitteilten am 19. Januar ihr 2 5 j äh rig es Bestehen. , Das Fest wird vormittags lV/2 Uhr durch eine akademische Feier im großen Saale der Loge „Ludwig zur Treue", Gartenstraße 1, eingeleitet. Nachmittags 2 Uhr findet in Steins Saalbau eine Festtafel statt, während der die Kapelle des Jnf.-Reg. Nr. 116 konzertiert. Abends 8 Uhr schließt ich wiederum in Steins Saalbau ein Ball an.
- Personennamen im Gießener Adreßbuch. Die Beilegung von Familiennamen ist in Deutschland im Bürgerstande bekanntlich erst seit dem 16. Jahrhundert allgemein üblich. Man wählte meistens als Familiennamen Lokalnamen, Namen von der Herkunft und dem Wohnort, praedikative Namen nach körperlichen oder geistigen Eigenschaften oder nach der gewerblichen oder amtlichen Berufsthätigkeit. Nach diesen Gesichtspunkten lassen sich noch viele Namen unserer hiesigen Einwohner einordnen, obwohl heute die ursprüngliche Bedeutung des Namens ganz verwischt ist. In unserem Adreßbuch ist Bayern, Böhmen, Hessen, Nassau, Schlesien, Schwaben, Schweiz und Weimar vertreten. Nach Wohnorten unseres engeren Vaterlandes weisen die Namen: Allendorf, Allendorfer, Atzbach, Buttenberg, Bieber, Biedenkopf, Dauernheim, Geilhausen (Geilshausen), Hüttenberger, Kinzenbach, Langsdorf, Launspach, Mainzer, Mettenheimer, Lich, Lindenstruth, Nauheimer, Offenbacher, Steinbach, Steinberger, Vetzberger, Vöhl, Weisel. Nach entfernteren Orten benennen sich: Elm, Falkenstein, Geismar, Hamburger, Henneberg, Heyligenstädt, Hochstätter, Katzenbach, Landau, Meininger, Meißner, Metz, Mosbach, Nattenow, Rehme, Rettwisch, Rollshausen, Römheld, Runkel, Stade, Weichsel, Weil, Windecker, Wörth, Wetter, Zell, Es wohnen in Gießen: Demuth, Ernst und Muth, Weise, Willkommene, Starke, Schlichte, Sorgenfreie, Kühne, Große und Kleine, Braune, Grüne, Rothe, Schwarze, Weiße und Schöne, Saure und Süße. Zahlreich sind praedikative Namen nach gewerblicher Berufsthätigkeit vom Bauer bis zum Zimmermann, wobei fast ausnahmslos der Name nicht mehr dem Berufe entspricht. Nur bei Schneider deckt sich in zwei Fällen Name und Berus. Auch giebt es noch Vögte, obschon die alte Stadtverfassung geschwunden ist. In unserer Stadt halten sich dauernd auf Nord und Ost, Frühling (Lenz), Sommer, Herbst und Winter. Verhältnismäßig viele latinisierte Namen finden sich in Gießen, so daß man sich ins Mittelalter versetzt denkt, in dem es besonders bei Gelehrten üblich war, für ihren Namen eine lateinische Form zu wählen. Es sind hier wohnhaft: Bonarius, Buderus, Caesar, Cellarius, Corovinus, Emmelius, Follenius, Gravelius, Gregorius, Lampus, Lucius, Möbius, Möbus, Magnus, Montanus, Malkemus, Malkomesius, Mecum, Melior, Muskulus, Mylius, Pistor, Praetorius, Redenius, Vigelius, Victor, Vossius, Sartor, Sartorius, Scriba, Textor. Auf französischen Ursprung deuten die Namen: Berger, Bourgeois, Burkarde, Challier, Chambre, Collin, Clement, Dickors, Dehaie, Fayet, du Fay, Fourier, George, Gernand, Labroise, Laspeyres, Laval, Lemme, Le Claire, Ouvrier, de Rainville, Rotte, Tichy, Thieriot, Taschö, Thome, Werke. Vor einigen Jahren gab es auch noch: de Amour, Andre, Chantre, Coy, Faure, Fraycinet, Lebedöe, Mersier. Die Träger dieser Namen sind wohl meistens als Nachkommen refugierter Franzosen zu betrachten, von denen die wenigsten wohl aus den hessischen Kolonien in Offenbach, Hahn, Kelsterbach, Waldorf, Wembach, Rohrbach, Menburg stammen dürften. Die Namen mit der Genitivendung i wie: Adami, Georgi, Gregori, Martini, Petri, Philippi sind entstanden durch Weglassung von Sohn. Die Namen unserer israelitischen Mitbewohner haben wir ausgeschieden, da sie erst zu Anfang des 19. Jahrhunderts willkürlich meist nach Tier-, Pflanzen- und Ortsnamen gewählt wurden. Die
am alten Steinbacherweg ein Gartenhäuschen, um dort angeblich Obdach zu suchen. Er wurde von dem Eigentümer überrascht und verfolgt. Es gelang der Polizei, ihn festzunehmen und zu verhaften.
** Ruhestörung. Eine Anzahl junger Leute verübten in der Nacht vom 7. zum 8. Januar in der Dammstraße ruhe- törendcn Lärm. Sic konnten ermittelt und zur Anzeige gebracht werden.
ftische Ursache gehabt habe. Dkcm glaube, daß der Fürst im Auftrage des Königs von Italien die Reise zu dem Zwecke unternommen har, eine Verständigung zwischen Rußland und Italien über Tripolis herbeizuführen. Um dieses Abkommen zu bestätigen, werde König Viktor Emanuel im April d. I. Petersburg besuchen und der Zar diesen Besuch später in Rom erwidern.
Cherburg, 9. Jan. Die Kosten für den im Bau begriffenen Panzerkreuzer Henri IV. belaufen sich auf 20 310 179 Frcs. Der Kreuzer soll bereits Ende dieses Jahres in den aktiven Dienst gestellt werden.
Madrid, 9. Jan. Der in einen anderen Wirkungskreis versetzte Zivilgouverneur von Zaragoza, der früher gelegentlich der antiklerikalen Wirren auf feiten des Volkes stand, wurde heute mit begeisterten Rufen von den Volks- .massen verabschiedet. Beim Verlassen des Bahnhofs brach die Menge in antiklerikale Ruse aus, erbrach die Thore des Jesuitenklosters und bedrohte die Jnsasssen des letzteren. Die Lage war höchst kritisch, als Truppen die Jesuiten befreiten. Jetzt ist die Besatzung in den Kasernen konsigniert. Die Aufregung dauert fort.
Rom, 9. Jan. Der Kuriosität halber fei mitgeteilt, daß der „Mattino" von Neapel das Gerücht verzeichnet, eine Exp edition nach Tripolis in der Höhe von ■ 20 000 Mann werde vorbereitet und werde von Neapel und Brindisi aus erfolgen; Kommandant sei General Mirri und Landungsboote werden im Arsenal zu Venedig hergestellt.
B u d a p e st, 9. Jan. Aussehen erregt die heute durch die Kurie erfolgte Annullierung des Reichstagsmandats des liberalen Abg..Grafen Dominik Teleki wegen erwiesener Wablbcstechungen und die Uebergabe der bezüglichen Arten an das Strafgericht. Dem Grafen wurde überdies das aktive und passive Wahlrecht für sechs Monate abgesprochen.
Newyork, 9. Jan. Ein Privattelegramm aus Ma-! nagua meldet, in Bogota fei eine Revolution ausgebrochen. Präsident Marroquin sei gefangen genommen.
Buenos-Ayres, 9. Jon. Gerüchtweise verlautet, in Paraguay fei eine Revolution ausgebrochen. Präsident Aceval sei von den Aufrührern gefangen.
Valparaiso, 8. Jan. Der letzte argentinische chilenische Zwischenfall ist beigelegt. Das am 25. Dezember unterzeichnete Protokoll bleibt unverändert bestehen. Die argentinische Regierung hat auf ihre Ansprüche bezüglich der Grenzregulierung und der Polizei in Ultima Esperanza verzichtet und die Erklärung Chiles, welche sich auf die Gebiete bezieht, in welchen vor 1898 keine Polizei- truppe stand, angenommen.
Vermischtes.
• Hamburg, 9. Jan. Ein hier in Haft befindlicher 13jähriger Knabe Salomon hat cingestanden, an dem feit, dem 22. Dezember verschwundenen 3jährigen Knaben Emil! Schauer am Hafen ein Sittlichkeitsverbrechen be» gangen zu haben. Der Kleine sei darauf in die Elbe gefallen. Man nimmt an, daß noch ein weiteres Geständnis über den Tod des Knaben nachfolgen wird. Alle Nachforschungen der Polizei nach der Leiche blieben erfolglos.
* Heidelberg, 9. Jan. Im Hofe es Amtsgerichts zu Wiesloch erschoß heute Morgen der aus Dielheim stammende Wirt Thome seine Frau und verletzte sich selbst schwer. Er starb auf dem Transport zum Krankenhause. Der Wirt hatte seine Frau mißhandelt urid sich deshalb vor Gericht zu verantworten.
* Paris, 9. Jan. Henri Vidal, der Mörder des Frl- Hirsbrunner hat, wie bereits kurz gemeldet, dem Untersuchungsrichter emgestanden, auch eine gewisse Antonie Van Brüsseler, in Tamares bei Toulon ermordet und ebenso einen Mord anfall auf eine gewisse Guinardt in Marse.tlc verübt zu haben. Nachdem letzterer mißlungen war, hatte er s.ch naa) Toulon begeben, wo er die Van Brusscien kennen lernte, mit ihr die Nacht verbrachte und sie bei einem Ausflug ant nächsten. Tkge nach_Lmn<ureS<
ahren.
— Grünberg, 8. Jan. Nicht für 99 500 Mk., rote es in unserer gestrigen Notizz infolge eines Druckfehlers heißt, onbern für 39 500 Mk. wurde das der Frau R. Prinz Wwe. fier gehörige Gut verkauft.
)( Geilshausen, 8. Jan. Dem Lehrer Wolf von hier wurde die Schulstelle zu Bersrod übertragen, während Schulverwalter Arnold von Bersrod mit der Verwaltung der hiesigen 2. Schulklasse betraut wurde. — Schulverwalter Kurtz zu Weitershain wurde nach Bad-Nauheim versetzt und ist bereits dorthin übergesiedelt.
(*) Laubach, 9. Jan. Eine hier in Umlauf gesetzte Sammlung für die Buren scheint einen schönen Betrag u ergeben, die erste Gabe mit 100 Mk. zeichnete Rentner ftüger. —- Das Festkomitee beschloß unter Vorsitz des hiesigen Bürgermeisters, zur Feier von Kaisers Geburtstag eine allgemeine Feier am Sonntag vorher im „Solmser Hof" zu varanstalten. — Am Mittwochabend fand im „Schützenhof" eine Abschiedsfeier für den nach Friedberg versetzten Gerichtsvollzieher Eckel statt. Es sprachen Kaufmann Ritter und Pfarrer Volz.
§§ Rieder-Gemnnden, 8. Jan. Infolge einer großen Dammrutschung in der Nähe der Brücke mußten die Passagiere der Abendzüge in der Nähe der Station aussteigen und den Weg zur Station zu Fuß zurücklegen. Die ganze Nacht wurde gearbeitet, um den Schaden auszubessern.
8. Darmstadt, 9. Jan. Nachdem die Stadtverordneten am letzten Donnerstag gegen 10 Stimmen von 42 bewilligt haben, den Herren Merck das Heiz- und Kochgas zu 7 Psg. per Kubikmeter für ihre neue Fabrik abzugeben, da die Firma sonst eine eigene Gasfabrik errichten will, haben Stadtm Bormath und Gen. heute einen Antrag eingereicht, der im Interesse einer ausgleichenden Gerechtigkeit gegenüber den anderen Einwohnern die Prüfung der Frage einer allge- mc inen Herabsetzung der Gaspreise wünscht. — Aus Veranlassung des hiesigen Gewerkschaftskartells soll hier am Sonntag eine Zählung der Arbeitslosen stattfinden.
Darmstadt, 9. Jan. Heute Vormittag beehrten bei Großherzog und das Großfürstenpaar Sergius die Ausstellung des Kunstvereins mit ihrem Besuche. — Die hier anwesenden Standesherren waren zur heutigen Frühstückstafel im Neuen Palais geladen.
Mainz, 9. Jan. Ein in Wiesbaden wohnender Fabrikant, der sich ein schändliches Sittlichkeitsoerbrechen gegen einen noch nicht der Schule entwachsenen Knaben aus Mainz hat zu schulden kommen lassen, wurde durch die Mainzer Kriminalpolizei verhaftet. Der Fabrikant war bei einer Familie in Mainz eingeführt und wußte die Eltern zu bereden, ihm den Knaben mitzugeben, angeblich um mit ihm eine kleine Reise zu machen. Der Fabrikant begab sich nach Frankfurt, wo er das Verbrechen ausführte. Der Verhaftete ist erst vor Kurzem wegen eines ähnlichen Verbrechens zu 10 Monaten Gefängnis abgeurteitt worden.
q. Herboru, 9. Jan. Die Gerberei von Renv ist in vergangener Nacht bis auf den Grund niedergebrannt. Der Schaden wird auf 125 000 Mk. geschätzt.
* * Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Man schreibt aus Darmstadt: Auch das Besitztum von Professor Behrens auf der Mathildenhöhe ist jetzt öffentlich zum Verkauf ausgeschrieben.
Personennamen der übrigen Gießener Bewohner zu erklären, würde zu weit führen und eine wissenschaftliche Studie voraussetzen, was nicht in der Absicht dieser Zusammenstellung lag.
** Anonyme Briefe scheinen nach vielfachen Klagen aus allen Schichten der Bevölkerung neuerdings besonders häufig zu fein. Die Absendung derartiger beleidigender Postkarten ist ein ebenso unsinniges wie gefährliches Beginnen. Es ist bei den vielen harten Strafen, von denen die Zeitungen fortgesetzt berichten, eigentlich kaum zu verstehen, wie es immer wieder Leute geben kann, die den albernen „Mut" haben, durch kindische Thorheiten und idiotische „Urteile" anderen einen Narrenstreich spielen zu wollen, der von Verständigen selbstverständlich immer mit Humor aufgenommen und in nächsten Augenblick vergessen wird. Beleidigungen durch anonyme Zuschriften aber werden von den Gerichten gewöhnlich mit Gefängnisstrafen geahndet. Der Beweis der Urheberschaft ist in der Regel gar nicht so schwer, er wird durch Schriftvergleichung erbracht, und auch die Beschaffung von Schriftproben macht selten große Schwierigkeiten. Auch die Verstellung der Handschrift sichert nicht vor Ueberführung. Häusig werden dritte Personen mit dem Schreiben der Adresse von dem Beleidiger beauftragt. Handeln sie mit Kenntnis der Sachlage, so sind sie neben dem Thäter wegen Beihllfe strafbar.
§ Butzbach, 9. Jan. Infolge des häufigen Witterungswechsels haben sich zu den einfachen Erkältungskrankheiten bei unserer Jugend in den letzten Tagen noch Lungenentzündung und Scharlach gesellt.— Die Zahl der im verflossenen Monat auf der hiesigen Verpflegungsstation beherbergten sogen, reisenden Handwerksburfchen betrug 905 .gegen 707 im Dezember 1900; der vorige Monat wies seit Errichtung der Station den höchsten Monatsstand an verpflegten Arbeitslosen «uf. — In Okarben ist in einem Ge-^
Höst die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh, bestand ausgebrochen.
e. Bad-Nauheim, 8. Jan. In der letzten GememderatS- itzung wurde von Bürgermeister Wörner bekannt gegeben, daß der am 13. November 1901 in Bad-Nauheim ver- torbene Rentner Heinrich Sch u ckhardt laut Testament zu Gunsten der Stadt Nauheim folgende zwei Legate ausgesetzt hat: 1) 10 000 Mk. sollen nach dem Ableben der Schwester des Verstorbenen dazu verwendet werden, auf dem Aliceplatz einen künstlerisch ausgestatteten Brunnen her- : ustellen. Bedingung dabei ist, daß dieser den Namen „Schuckhardt-Brunnen" führt und daß die Namen der Stifter Heinrich und Käthchen Schuckhardt am Brunnen angebracht werden; 2) 500 Mk. dem städtischen Krankenhaus. Die beiden Stiftungen wurden dankbar angenommen. — Die Einnahmen der Badeanstalt betrugen im letzten Sommer: Badegelder Mk. 500 000, Kurtaxe Mk. 170 000, für Salz und Mutterlauge Mk. 77 000, sonstige Einnahmen Mk. 36 000, zusammen Mk. 783 000. Da die Ausgaben Mk. 683 000 betrugen, so bleibt ein Ueberschuß von Mk. 100 000, der an die hessische Staatskasse abgeliefert wurde. Der Kurfonds beträgt zurzeit Mk. 200 660.
** Friedberg, 9. Jan. Der am Mittwoch durch den 8 Uhr 45 Min. abends von Frankfurt hier emtreffenben. Personenzug Ueberfahrene war der zu Bönstadt geborene Arbeiter Philipp Meiß. Ein Bahnbeamter sah ihn unterhalb des UebergangeS der Fauerbacher Straße im Augenblick der Einfahrt des Zuges auf der anderen Seite des Geleises und rief ihm zu. Der Arbeiter hörte ihn jedoch nicht mehr, er wurde von dem heranbrausenden Zug erfaßt und über
schließt das Hauptabonnement des Winters ab. Es folgt noch, wie schon in den letzten drei Jahren, ein Halb-Abonne- ment von 3 Vorstellungen, für welches die bisherigen Abonnenten nur eine kleine Aufzahlung zu leisten haben. In dasselbe fällt die Aufführung von Max Halbes ^Haus Rosenhagen", sowie ein Gastspiel von Frl. Triesch.
** Ein Bubenstreich. In einem Hanse an der Westanlage ist, wie wir hören, ein Hausbriefkasten crbrochew worden. Man ist dem Thäter auf der Sp
** Verhaftung. Ein zugereister fremder Glasergeselle, der 1 Tag hier in Arbeit gestanden hatte, erbrach am Mittwoch


