Ausgabe 
10.1.1902 Erstes Blatt
 
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Freitag 1V. Januar LSVS

ISS. Jahrgang

Erstes Matt.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v **

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen

Nr. 8

Erscheint tSgNch außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Ber lag der Brühl'sche., Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben- Redaktion, Erpeditio.r und Druckerei:

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Fern sprechcmschlußNr.51.

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Verantwortlich: für den polit. il allgem. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Land" und Gerichtsfaal":R.Ditt« mann; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Preußischer Landtag.

Herrenhaus.

2. Sitzung vom 9. Januar.

Am Ministertisch v. Podbielsky.

Der Gesetzentwurf betr. Grundstücks-Umlegung in Frank­furt a. M. wird en bloo angenommen. Cs folgte die Interpellation des Grafen Schlieben: Ist der Re­gierung bekannt, daß ein unerheblicher Teil der Arbeiter­familien, welche im letzten Dezennium aus den östlichen Provinzen nach dem Westen gezogen sind, den dringenden Wunsch hegen, in ihre Heimat zurückzukehren, aus Mangel <m Mitteln dazu jedoch nicht im stände sind? Ist die Re­gierung bereit, solche Familien behufs Rückwanderung behilf­lich zu sein? Regierungskommissar Geh. Oberregierungsrat Moellhausen bezeichnet es als richtig, daß in den west­lichen Jndustriebezirken Arbeiter entlassen worden seien; doch habe man zunächst ausländische Arbeiter entlasten. Aller­dings habe auch auf ostpreußische Arbeiter zurückgegriffen werden müssen; doch sei es nicht bekannt geworden, daß solchen die Mittel zur Rückkehr fehlten. Die Regierung könne einer Forderung, wie sie in der Interpellation enthalten sei, nicht zustimmen. Auf Antrag des Grafen Eulenburg findet eine Besprechung der Interpellation statt. Im Laufe derselben erklärt der Landwirtschaftsminister die Wünsche des Interpellanten als undurchführbar.

Im Abgeordnetenhause

stand auf der Tagesordnung zunächst die Wahl des Prä­sidiums. Abg. v. Kröcher wurde zum 1. Präsidenten wiedergewählt, ebenso die Abgg. v. Heeremann zum 1. und Dr. Krause zum 2. Vizepräsidenten und die früheren Schriftführer. Finanzminister v. Rheinbaben brachte den Etat ein. Er führte etwa folgendes aus: Im laufenden Etatsjahre habe der rückschrittliche Prozeß in dem all­gemeinen Erwerbsverhältnis sich verschärft, was auch auf die Erträgnisse unserer Betriebs-Verwaltung zurückgewirkt habe. Die gegenwärtige Depression werde voraussichtlich nicht so rasch überwunden werden, sodaß bei Auf­stellung des neuen Etats große Vorsicht notwendig gewesen sei. Wenn unser Etat trotz der Depression noch so günstig abschließt, wie dies der Fall sei, so haben wir dies vor allem dem großen Staatsmanne zu verdanken, der vor einem Jahre noch an dieser Stelle stand. (Beifall.) Der Minister geht sodann auf den neuen Etat ein und auf die Matrikular- B ei träge. Das Schwankende in diesem Verhältnis sei selbst für starke Schultern schwer zu tragen. Es liege darin ein Moment der Beunruhigung und der Unzufrieden­heit der Einzelstaat en mit dem Reiche, dessen Besei- ftgung dringend zu wünschen sei. Ueber die Polenfrage wolle er sich heute nur äußern, soweit dies im Zusarnmen- hange mit dem Etat ratsam sei. Die Regierung werde in dieser Frage fest bleiben und, wo es nötig sei, werde sie den Deutschen im Osten den Rücken stärken. Dazu sollen auch die Dispositionsfonds im Etat dienen. Es werden evangel. und katholische Kirchen und Pfarrhäuser errichtet werden. Auch für Kunst und Wissenschaft werde im Osten etwas geschehen muffen. Der Minister schließt: Ich glaube mich bei Auf­stellung des Etats in den Grenzen altpreußischer Sparsamkeit bewegt, dabei aber den begründeten Ansprüchen nnd berech­tigten Forderungen genügt zu haben. (Beifall.)

Kolonialpost.

Auf der Strafexpedition, die der deutsche KreuzerKor­moran" auf der St. Matthias-Insel in der Südsee wegen der Ermordung des deutschen Forschers Mencke im letzten Sommer vornahm, sind 81 Insulaner getötet worden. Wie derKöln. Ztg." aus Samoa geschrieben wird, stellte sich heraus, daß Mencke und seine Begleiter einen recht großen Teil der Schuld an ihrer Ermordung trugen, nicht nur infolge ihrer unbegreiflichen Sorglosigkeit, sondern weil sie die wenigen vorhandenen Kokospalmen rückhaltlos vernichtet hatten. Die Eingeborenen sahen sich dadurch in ihren natürlichen Rechten bedroht und töteten die Fremden, um ihr Eigentum vor weiteren Verletzungen zu schützen.

Wenn die Darstellung richtig fft, und dieKöln. Ztg." wurde ja einer aus zweifelhafter Quelle stammenden Mit- tellung nicht Raum gegeben haben, so hätten die Eingeborenen tmr einen Akt der Notwehr begangen.

Aortragskms für praktische Landwirte.

(Originalbericht desGieß. Anz.") III.

D. Gießen, 9. Januar.

Auch die heute gehaltenen Vorträge hatten sich der Ungeteilten Aufmerksamkeit der zahlreich anwesenden Land­wirte zu erfreuen. Den ersten hielt Prof. Dr. Alb-ert- Gießen überFutterbau und Fütterung". Wir geben wie das erste Referat des Redners so auch dieses wegen des hohen Wertes, den die behandelten Fragen für jeden Land­wirt haben, ausführlich wieder-

Die Aufgabe unserer Feld- und Wiesenwirtschaft, so begann der Vortragende, ist es, im landwirtschaftlichen Betriebe möglichst vollständig für die Ernährung der Haus­tiere zu sorgen. Und hierbei sind vorzugsweise die Grund - jyitter mittet in der eigenen Wirttzhajt zu erzeugen-

Wir rechnen zu diesen die wasserreichen ^uttermittel, die Rüben, Kartoffeln und Grünmais, die Rückstände landwirt­schaftlicher Gewerbe wie Schlempe und Schnitzel, Kleearten und sonstige Feldfutterpflanzen aus dem Kreise der Legu­minosen, weiter das Heu als Universalfuttermrttel und die Stroharten, die vorzugsweise als Quelle der stickstofffreien Stoffe bei der Ernährung dienen-

Im Landwirtschaftsbetriebe handelt es sich aber nicht allein darum, diese Grundfuttermittel in gewissem Maße zu erzeugen, sondern die Technik des Futteroaues soll in diesen Futtermitteln möglichst gehaltreiche und bekömmliche Nahrungsstoffe liefern- Nur durch sorgfältige Pflege der Aecker und Wiesen können wir zu diesem Ziel gelangen. Denn der Einfluß, den die Düngung auf die Zusammensetzung der Futtermittel ausübt, ist ein weitgehender. Wir können Gegenden, die bisher das nötige Grundsutter in der erforderlichen Zusammensetzung nicht liefern konnten, für die Haltung anspruchsvolleren und damit leistungsfähigeren Viehs geeignet machen- Es sind dies Gesichtspunkte, die bei der beabsichtigten Einführung des Simmenthaler Viehs in Oberhessen von eins chueiden der Bedeutung sind-

In welcher Weise haben wir nun auf die Zusammen­setzung der Futtermittel einzuwirken? Der wichtigste Be­standteil unserer Futtermittel sind die st i ck st o f f h a l t i g e n Verbindungen, trie wir als Eiweiß bezeichnen- Durch Stickstosfdüngungen kann bei Futterrüben- oder Dickwurz­anbau der Gehalt an Eiweiß von 10,5 Prozent in der Trockensubstanz aus 17,9 Prozent erhöht werden- Durch reichliche Düngungen wäre es möglich, diesen Eiweißgehalt bei Hafer von 6,53 Prozent auf 15,10 Prozent zu erhöhen- Auch bei dem Fett, dem nächstwichtigen Stoff bei der Ernährung unserer Haustiere, können wir einen gleichen Einfluß üben- Eine einseitige Sttckstoffdüngung erniedrigt freilich den Fettgehalt, z- B. in den Körnern des Hafers. Er wurde bei vergleichenden Versuchen nur zu 2,9 Prozent gefunden. Eine gleichzeitige Beidüngung von Phosphorsäuve steigerte den Fettgehalt auf 4,2 Prozent- Nicht allein bei den Feldfutterpflanzen, sondern auch bei dem Wiesenbau können wir ähnliche Zahlen in der Zusammensetzung des Heus feststellen- Bezüglich der Eiweißstosfe sind uns Schwankungen von 5,8 bis zu 19,4 Prozent bekannt, und die daraus abgeleitete Mittelzahl von 10 Prozent hat daher nur einen ganz bedingten Wert- Das Gleiche gilt für die stickstofffreien Stoffe, die von 22,6 bis 50,7 Prozent schwanken und für die Rohfaser, für die die Zahlen 16,7 bis 41,5 lauten-

In gleichem Maße wie diese Direkten Nahrungsstoffe muß uns der verschiedene Aschengehalt unserer Futter­pflanzen interessieren- Baut sich doch das Knochengerüst der Heranwachsenden Tiere aus Mineralstoffen auf, und auch das erwachsene Tier muß gewisse Mengen von Kalk und Phosphorsäure in dem Futter vorsinden, um nicht knochenbrüchig zu werden- Ist in einem Grase der Gehalt an Phosphorsäure und Kalk 8,4 Prozent, in einem anderen Grase 16,3 Prozent, so sagen uns diese Zahlen unmittelbar, daß nur das letztgenannte Gras geeignet für Knochenbildung bei der Ausübung der Tierzucht sein kann, und daß bei vorwiegendem Futter des geringen Grases schlechte Figuren, ja Knochenbrüchigkeit eintreten muß Die Futterpflanzen nehmen bei reichlicher Zufuhr von Düngemitteln weit mehr Mineralstoffe aus, als sie zu ihrer eigenen normalen Ent­wickelung bedürfen- Auf Kalkboden gewachsene Leguminosen zeigten einen Aschengehalt von 40,3 pro Mille, während andere nur 28,1 pro Mille aufwiesen. Diesen Umstand müssen wir uns zu Nutzen machen, wenn es sich darum han­delt, gesundes Vieh mit kräftigem Knochenbau züchten zu wollen- Denn nur in der Form des gewachsenen Futters können wir die Mineralstoffe in gewünschter gedeihlicher Form in den Tier körper hineinbringen. Große Mineral­stoffgaben, etwa von 100 Gramm Kalk und darüber, pro Haupt und Tag, bewirken Verdauungsstörungen und machen damit die Erfolge unserer Viehzucht fraglich. Für die Knochenbildung des Viehs haben wir also auf Feld und Wiesen zu sorgen-

Haben wir gedeihliches Futter für unser Vieh erzeugt, so kommt es weiter daraus an, dieses Futter in richtiger Menge und Zusammensetzung für die einzelnen Nutzungs­richtungen unseres Viehs zu verwenden- Eine ordnungs­mäßig zusammengestellte Ration muß gewisse Mengen verdaulichen reinen Eiweißes enthalten, und wir müssen daher von den stickstoffhaltigen Futterbestandteilen die Mengen abziehen, die nicht in der Form des reinen Eiweißes enthalten sind- Es sind dies vorzugsweise Amide, die nur einen Futterwert im Stärkemehl und Zucker haben und zu diesen gerechnet werden müssen. Die in den Futter­mitteln enthaltenen Fettbestandteile sind wesentlich hoch­wertiger als die sttckstofffreien Extrattstofse- Das verdau­liche Fett findet daher mit 2,44 multipliziert seinen Platz weiter in den Futterrationen. Zu den stickstofffreien Stoffen gefjört an 3. Stelle der verdauliche Teil der Roh faser oder Holzfaser- Doch sind hiervon nur 80 Prozent nach den neueren Forschungen ausnutzbar, während 20 Prozent durch Gährung in dem Tierkörper verloren gehen. Endlich gehören hierher die stickstoffffeien Extraktstoffe selbst, natür­lich nur deren verdaulicher Teil-

Bei der Berechnung der Stationen haben wir zuerst dafür zu sorgen, daß nicht zu viel und nicht zu wenig Eiweiß­stoffe vorhanden sind. Im ersteren Fall wäre auf eine entsprechende Leistung nicht zu rechnen, im letzteren Falle würden wir Verschwendung treiben. Tie Tabellen über die nötigen Mengen von Futtermitteln finden wir in verschie­denen Anleitungen. Hierbei mag nur auf das vortreffliche Werk von Oekonornierat EL-Leithiger,Züchtung, Füt­terung und Pflege des Milchviehs" hingewiesen werden. Das Streben der heutigen Fütterungslehre ist weiter darauf gerichtet, die Wirkung der einzelnen Futtermittel für be­

stimmte Zwecke festzustellen, um damit einen zahlenmäßigen Ausdruck für den Geldwert zu erhalten, den der Landwirt bei dem Ankauf zu Buche nehmen darf. So sollen aus 100 Kilogramm gutem Heu 60 Kgr. Milch gewonnen werden können und ebenso bei Mast und Aufzucht 510 Kgr. Lebend­gewichtzunahme. Die um 100 Proz. schwankenden Angaben der letzten Zahl haben ihre Begründung in den soeben an­geführten Schwankungen in der Zusammensetzung der Heu-, arten. 1 Kgr. Mais, Roggen oder Gerste soll bei der Mästung der Schweine gleichwertig sein mit 6 Kgr. Mager­milch, 1012 Kgr. Molken, 8 Kgr. Futterrüben, 4 Kgr. ge­kochter Kartoffeln und 0,75 Kgr. Erbsen. Für die genannten Futtermittel mögen diese Angaben zutreffend sein und auch zur Berechnung dienen; für die Rauhsuttermittel aber tritt noch ein neuer Gesichtspunkt dazu. So lange ein Tier im Erhaltungsfutter ernährt wird, können z. B. 100 Telle ver­dauliche Stärke durch 108 Teile Wiesenheu, 100 Teile Hafer­stroh und 113 Teile Weizenstroh nach vorliegenden Versuchen ersetzt werden. Sobald aber eine erhebliche Produktton er­zielt werden soll, sinkt die gleiche Verwertbarkeit bei dem Wiesenheu auf 103, bei dem Haferstroh auf 157 und bei dem Weizenstroh aus 374. Es folgt hieraus mit Sicherheit, daß die Verfütterung großer Mengen von Stroh unrationell genannt werden muß und es nicht die Auf­gabe des Landwirts fein darf, die Tiere zu möglichst großer Aufnahme von Stroh anzuhalten, sondern im Produktions­futter lieber mit leicht verdaulichen Kraftfuttermitteln zu arbeiten. Daß diese Kraftfuttermittel nur ihrer Zusam­mensetzung entsprechend wirken können, ist längst erwiesen. Und es bedeutet einen Rückschritt in unserer Erkenntnis, wenn wir etwa nach dänischem Vorgang 1 Pfd. Kraftfutter als Norm und Ausgangspunkt annehmen wollten, ohne uns über die Natur und Zusammensetzung Rechenschaft zu geben. Welch ein Unterschied zwischen Reisfuttermehl mit 10 Proz. Eiweiß und 71,4 Proz. stickstofffreien Stoffen und endlich Fleischfuttermehl, das nicht weniger als 69,5 Proz. Eiweiß enthält neben 32,8 Proz. stickstofffreie Stosse". Die deutsche Landwirtschaft hat läng'ft gelernt, diese Verhältnisse bei der Berechnung der Stationen zu berücksichtigen, und wird die geringe Mühe bei der Berechnung nicht scheuen, um jedes einzelne Kraftfuttermittel seiner Wirkung und Zu­sammensetzung entsprechend zu bewerten.

So kommen wir zu dem Schluß, daß Züchtung und Fütterung bei uns Hand in Hand gehen müssen, daß wir weiter nur das Vieh züchten dürfen, das totr ent­sprechend füttern können. Nun ist es zweifellos die Aus­gabe der Landwirtschaft, die Leistungsfähigkeit unserer deut­schen Viehrassen noch stetig zu steigern. Die Gewähr für einen Erfolg in dieser Richtung bietet aber nur richtig zusammengesetztes Grundsutter, das wir bei reichlicher Düng­ung aus Feld und Wiese gewonnen haben und in entsprechen­den Stationen verabreichen. Wo bisher z. B. Mißerfolge mit der Haltung des Simmenthaler Viehs zu verzeichnen sind, werden diese nicht sowohl im Stall wie draußen in der Feldwirtschaft zu bekämpfen sein. Tas sind die Ausgaben, die der hessischen Landwirtschaft im besonderen bei Fütter­ung und Züchtung leistungsfähiger Rassen in nächster Zeit erwachsen.

Als zweiter Redner sprach , Regierungsbaumeister Schiller- Berlin überDie landwirtschaftliche Maschinen­frage". Er führte aus, daß in Hessen die Arbeitsverhält­nisse ebenso ungünftig lägen wie im übrigen Deutschland. Die großen Städte zögen viele Kräfte vom Lande ab, die auch bei rückgängigen Konjunkturen meist nicht wieder aufs Land zurückkehrten. Die Mittel, um diesem Uebelstande zu steuern, seien die Maschinen. Diese hätten jetzt einen ganz anderen Zweck als früher. Früher seien sie ein Ersatz für Menschenkraft gewesen, die vorhanden war; jetzt müßte man sie verwenden, um die fehlende menschliche Arbeitskraft zu ersetzen. Die Maschinen müßten deshalb den Verhält­nissen, für die sie verwandt würden, angepaßt werden. Zu diesem Zwecke habe die deutsche Landwirtschafts­gesellschaft in Berlin eine Auskunftsstelle eingerichtet, die über das Wesen der Maschinen Auskunft gebe. Reg.- Baumeister Schiller führte bann eine große Anzahl neuere Maschinen vor. An Skizzen, die er mit gewandter Hand aufzeichnete, erklärte er die Bauart verschiedener beim Kartoffelbau in Betracht kommender Maschinen und Mäh­maschinen, und legte ihre Vorteile resp. Nachteile dar. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ins einzelne gehende Beschreibung der verschiedenen Systeme geben. Es erübrigt sich aber auch, da die vorhin genannte Auskunftsi- stelle sowie auch die Direktion der Landw. Zentral-Maschinen- halle zu Darmstadt, wie deren Geschäftsstelle in Frankfurt a. M. jederzeit bereit sind, entsprechende Anfragen zu be­antworten.

Der dritte Redner war .Kreisveterinärarzt Dr. Schmidt-Gießen, der überNeuere Ergebnisse in der Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche" sprach. Der Vor­tragende hob in der Einleitung hervor, daß die Frage der Bekämpfung dieser Seuche, die die ganze landwirtschaft­liche Entwicklung in Bezug auf die Viehhaltung hemmt und der deutschen Landwirtschaft in manchen Jahren einen Verlust von über 150 Millionen Mark verursacht hat, in den interessierten und wissenschaftlichen Kreisen zum Brenn- punkr aller Erörterungen auf dem Gebiete der Seuchen- belämpftmg geworden ist. Die deutsche Regierung wie die landwirtschaftlichen Korporationen sind zu der Ansicht ge­langt, daß die deutsche Landwirtschaft diese Schäden nicht dauernd mehr zu tragen vermag. Aehnlich wie bei der Bekämpfung anderer Seuchen ist man auch hier zu der Ueberzeugung gekommen, daß in erster Linie das Wesen und die Aetiologie der Seuche ergründet werden müsse. Tenn die Kenntnisse, die man noch bis vor wenigen Jahren darüber besaß, beschränkten sich wesentlich auf die prak­tischen Erfahrungen; aber auch hier gingen die Ansichten