Ausgabe 
10.1.1902 Drittes Blatt
 
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Hm RohLabak-Karrdels-Wonopol

der des

Abend um 6i/2 Uhr wieder mitgenommen werden- DL? kompetentesten Richter haben zugesagt. Das Standgeld für offene Klassen beträgt 6 Mk. für die Nebenklassen 3 Mk. In der Restaurationshalle der Ausstellung konzertiert während des ganzen Nachmittags eine Militärkapelle- Pro­gramme und Anmelde-Formulare sind durch Ferdinand« Wirth, Frankfurt a- M., Bibergasse Nr. 11 zu beziehen.

Es ist nicht anzunehmen, daß, dieser Vorschlag «nirgend welcher maßgebenden Stelle besondere Beachtung finden wird-

Die Duellfrage in Rußland.

Auch in Rußland beschäftigt man sich zur Zeit in Presse und Oeffentlichkeit viel mit der Duellsrage. Das Duell hat in Rußland keine Geschichte. Es ist vielmehr erst in Gefolg- chaft der westeuropäischen Zivilisation und gesellschaft- ichen Nivellierung während des letzten Jahrhunderts stark in Aufnahme gekommen. Der französische Einfluß war auch hier maßgebend. In letzter Zeit erregten besonders Duelle, )ie aus nichtigen Beweggründen stattfanden, wie dasjenige, das unlängst mit dem Tode des Gardeleutnants Fürsten Sayn-Wittgenstein endete (leichtes Rencontre wegen einer Halbweltdame), großes Aufsehen und verursachten in der Presse eine lebhafte Polemik für und wider den Zwei­kamps. Nun ergreift auch das offizielle Organ des russischen Justizministeriums das Wort und widmet dem Gegenstände nicht uninteressante Erörterungen. Es geht von dem Standpunkte aus, daß das Duellseinen Zweck, die Wiederherstellung der Ehre des Be­leidigten vor den Augen der Gesellschaft, durchaus nicht erfüllt. Wenn die Gesellschaft das als ein unfehlbares Mittel betrachtet, seine Ehre wieder­herzustellen, so müßte den Duellanten so bemerkt das Journal des Justizministeriums" die meiste Ehre zuteil werden und würde die Zahl der Forderungen zum Maßstabe der Ehre werden, tvahrend die Ehre derjenigen, welche von solchen Raufbolden für nicht satisfakkionsfähig erklärt wer­den, von den willkürlichen Beleidigungen dieser Raufbolde abhängen würde. An Stelle des Duells müßte daher viel richtiger ein strenges Ehrengericht treten, das jeden ein­zelnen Vorfall objektiv in Erwägung zieht und nicht nur eine Entschuldigung, sondern auch verschiedene Strafen, wie Haft, Handkuß (wohl wenn es sich um Beleidigung einer Dame handelt, Anm. des Uebers.) oder zeitweilige oder völlige Ausstoßung des Beleidigers aus derGesellschaft", vorschrewen rann. Derartige Ehrengerichte hätten in Eng­land und Schweden zum Aufhören des Duells geführt. In Rußland würden dergleichen Ehrengerichte vielleicht mit einem gleichen Erfolge thätig sein, da das Duell eine dem Russen ziemlich fremde Erscheinung sei, die er nicht gleich den meisten westeuropäischen Völkern von den Vorvätern ererbt habe. Anders liegt diese Frage in den russisch-deut­schen Ostseeprovinzen, wo die Einführung derartiger Ehren­gerichte undenkbar erscheint. Dort sei eine Gesellschaft, die schon im zarten Knaben den Ehrbegriff derartig großziehe, daß er mit dem Duell untrennbar zusammenhänge. Dort basiere das Duell nicht in einer künstlichen Einmischung, son­dern in einer von Vorvätern übernommenen Sitte oder Unsitte.

schlossenen Trennstückes zwischen Nenhaldensleben und Gardelegen liegt- Der Tabakbau wird dort nach der amt­lichen Stat stik auf ganzen 8y2 Hektaren betrieben und brachte ' 1899, in dem Jahre, von welchem die neueste genaue Sta­tistik vorliegt, eine Ernte von 19 258 Kg-, während in dem­selben Jahre Baden auf 5991 Hektar fast 13 Mill. Kg. erntete. Der durchschnittliche Bruttoertrag des Tabakbaues, der in Calvörde mehr schwankte als irgendwo sonst in Deutsch­land, betrug nach Abzug der Steuern dort pro Hektar in den Jahren 189099 741 Mk- und blieb damit weit hinter Baden mit 1005, Elsaß-Lothringen mit 1076 und Hessen mit1078Mk. zurück, überragte aber die Provinz Branden­burg mit ihrem starken Tabakbau immerhin noch um 32 Mk. vro Hektar

Von einem so geringfügigen und nicht gerade unter den günstigsten klimatischen Verhältnissen betriebenen Tabakbau aus über die Verhältnisse des gesamten deutschen Tabak­baues urteilen zu wollen, ist doch ziemlich gewagt- Weil die Tabatmanufaktur in Straßburg, seitdem sie unter sach­verständige Leitung gekommen ist, den elsässischen Tabak­bauern Anleitung zu rationellem Betriebe giebt, ihnen den vorschriftsmäßige bearbeiteten Tabak zu guten Preisen ab­kauft und einen Teil davon, nachdem sie ihn weiter sach­gemäß behandelt hat, an Händler mit Gewinn -verkauft, folgert Vibrans, daß der ganze Rohtabakhandel in die .Hände der Reichsbehörde gelegt, ein Rohtabak-Handels- Monopol eingeführt werden müsse. Nach ,hm würden Händ­ler, Bauern, Fabrikanten und Fiskus damit zufrieden sein:

Die TabalHändler im Jnlande werden sich schwerlich sehr dagegen sträuben, da ihre Geschäfte so wie so mit Irem Tabakbau im Absterben begriffen sind- Sie werden gern ihre Speicher, die zum Teil leer stehen, dem Stenerfiskus verkaufen, der sie als Lagerhäuser nötig hat; die Händler können, so weit sie noch leistungsfähig sind, in den Reichsdienst treten als sachverständige Leiter der fiskalischen Tabakhandlungen. Die Tabak bauer müssen schon heute ihre Tabake der Steuerbehörde zur Verwiegung vorführen, bleiben also zukünftig in derselben Lage, werden aber sehr erfreut sein, die lästige Feld­kontrolleloszuwerden, die ftC an der richtigen Behandlung bei der Ernte behindert- Die Fabrikanten können ebensogut vom Steuerfiskus kaufen wie vom Händler, sie werden viel mehr in der Lage sein, sich die passenden Qualitäten herauszusuchen als jetzt- Der Steuerfiskus aber wäre in der Lage, den Tabak seinem Wert ent­sprechend zu bezahlen und, mit einem angemessenen Auf­geld belastet, an die Fabrikanten weiterzugeben. Ganz geringe Qualitäten, die nur zu Pfeifengut brauchbar sind, müßten in das Ausland abgegeben werden- Die Behörde müßte und würde aber das Recht haben, die Produzenten solchen Tabaks anzuhalten, entweder besseren Tabak zu erzeugen oder den Tabakbau aufzugeben."

Einige Schwierigkeiten", die die Verzollung des a u s - ländischen Tabaks bieten würde, können sehr leicht dadurch beseitigt werden, daß das Handelsmonopol auch auf diesen ausgedehnt wird. Um die Ausfuhr inländischer Fabrikate aufrecht zu erhalten, werden die Fabriken unter Steuer ko n trolle gestellt;Schwierigkeiten bietet dieses Verfahren durchaus nicht", versichert Vibrans- Als Erfolge der Einführung des von ihm empfohlenen Monopols preist Vibrans die Ausdehnung des Tabakbaues, Ersparung einer großen Summe im Jnlande und damit Erhöhung des Nationalvermögens in den unteren Schich­ten", keine Störung der Fabrikbetriebe und endlich:Fiskus hätte jederzeit eine angemessene Einnahme ohne Steuer­belästigung der Tabakbauer, Fabrikanten, Händler und Raucher".

empfiehlt der Gutsbesitzer Vib r an s-Calvörde in ,Ttsch. Agrar-Ztg." Herr Vibrans malt d,e Lage deutschen Tabakbaues in den dunkelsten Farben und be­streitet die Richtigkeit der von den Fachzeitungen der Tabak­branche in jüngster Zet veröffentlichten Meldungen über die Preise, die die süddeutschen Tabakbauer in diesem Jahre erhalten haben,ganz entschieden". Er erklärt, daß in seiner Gegend kaum jemals mehr, gewöhnlich aber viel weniger, für den Tabak gezahlt worden sei, als die von einer Fachzeitung für Süddeutschland berechneten Selbst­kosten betragen. Calvörde ist em braunschweigischer Flecken, der inmitten eines vom Regierungsbezirk Magdeburg um-

Politische Tagesschau.

Der neue Zolltarif und die Frauen.

Unter dieser Ueberschnft erörtert Dr. Borgius in dem Januarheft der MonatsschriftDie Frau" die Stellung der Frauen zu der neu geplanten Wirtschaftspolitik. Borgius ührt ans:

Freilich ist der Frau die politische Bethäkigung durch Wahl- und Stimmrecht untersagt. Was ihr aber nicht untersagt ist und nicht untersagt werden kann, das ist, ihren Änfluß geltend zu machen in- und außerhalb der eigenen Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis; das ist, ihre Stimme in der Presse zur Geltung zu bringen; das ist, in Petitionen und Protesten den Reichstag anzu­gehen, daß er einem solchen Gesetz seine Zustimmung versage. Es wäre nicht das erste Mal, daß ein von der Re-gierung unterstützter Gesetzentwurf, für den man schon im Reichstag die Majorität zu haben glaubte, im letzten Moment an dem enrschiedenen Protest des gesamren Volkes scheiterte. Es sei mir an das Zedlitzsche Schulgesetz, an das Tabaksmonopol und an die Lex Heinze erinnert. Hier kommt erleichternd hinzu, daß es sich um einen Entwurf handelt, für den anscheinend die Regierung selbst nicht recht mir aller Energie eintritt. Selbst wenn der Entwurf nicht fiele, sondern nur eine erhebliche Abschwächung er­führe, wäre immerhin schon viel gewonnen. So viel haben die ersten Verhandlungstage im Reichstage bereits erkennen lassen, daß die Stellung der Regierung eine überaus schwache ist. Graf Bülow ist kein Bismarck. Seine Aenßerung, er wolle gar nicht leiten und führen in der Politii, sondern vermitteln, ist überaus charakteristisch für ihn. Ist die Regierung aber nicht in der Lage, den vor­liegenden Entwurf bis spätestens nächsten Winter unter Dach und Fach zu bringen, dann sieht sie sich vor die Alter­native gestellt, entweder auf Grund des heute geltenden Generaltarifs mit dem Ausland über die Erneuerung der Handelsverträge zu verhandeln oder aber die letz­teren vorläufig auf ein Jahr zu prolongieren und den Entwurf dem im Frühjahr 1903 zu wählenden neuen Reichstag vorzulegen, der eine wesentlich andere Zusammensetzung als der gegenwärtige aufweisen dürfte. Beide Eventualitäten sind aber dem Inkrafttreten des vorliegenden Zolltarisentwurfes bei weitem vorzuziehen. So sind die Aussichten der gegen den Entwurf gerichteten Bestrebungen keine ungünstigen. Mag aber der Erfolg fein, wie er wolle, so viel, ist sicher: wenn je ein Gesetz in Deutschland zur Beratung stand, das die Interessen der Frau in Mitleidenschaft zog, so ist es dieser Zolltarif. Bei diesem Kampf wird es sich entscheiden, ob die Frau im stände ist, politisch zu denken und zu handeln, oder ob politische Arbeit eine Form der Bethätigung ist, die ihrem Wesen fernsteht, und ob es demnach berechtigt ist, ihr die politischen Rechte und die Mitarbeit am allgemeinen Wohl zu versagen, die der Mann seit Jahrtausenden allein ausübt."

Sport.

Ausstellung von Hunden- In Frankfurt a. M. findet am 2. Februar 100 2 in den Hallen des präch­tigen Ausstellungsplatzes an der Forsthausstraße (ehemalige Rosenausstelliing) eine Ausstellung von Hunden aller Rassen statt- Es ist dies die erste derartige Veranstaltung Deutsch­lands, die im Winter abgehalten wird- Der veranstaltende Verein:Internationale Vereinigung von Züchtern und Liebhabern des rassereinen Bernhardiners, Sitz in Frank­furt a- M." geht von der Absicht aus, unsere vierbeinigen Lieblinge, insbesondere die langhaarigen Rassen, in ihrem schönsten Haarkleide nebeneinander zu sehen- Die Richter­ringe befinden sich auch in den Hallen des Ausstellungs- Lokales- Diese Veranstaltung bietet den Ausstellern große Annehmlichkeiten: i- ist der Transport den Hunden im Minter viel zuträglicher als im Sommer; 2. können die Hunde morgens um 8 Uhr persönlich eingeliefert und am

würde-ampfehlen, diesmal keinen Zeitraum von zehn Jahren M nehmen- Das letzte Dezennium hat manche große Leist­ungen aufzuweisen, z. B. die Schaffung der Flotte und des Bürgerlichen Gesetzbuchs- Aber m mancher Beziehung erinnert die Gegenwart bedenklich an die Zeit Friedrich des Großen, wo man schleunigst alles einriß, was der große König geschaffen- Zn der auswärtigen und wirt- fchaftlichen Politik habe ich Vertrauen- Anders steht es mit der Sozialpolitik- Man darf die Sozialdemokratie nicht als eine völlig gleichberechtigte Partei, wie jede andere, anerkennen- Zu meinem Erstaunen habe ich gelesen, daß unsere Bevölkerung nicht mehr in dem Maße zunimmt wie früher. Wenn man den Zug unserer jungen Leute in die großen Städte sieht, so muß dagegen eingeschritten werden, selbst trenn dabei die heilige Freizügigkeit beeinträchtigt werden sollte. Aus der arbeitslosen jugendlichen Bevölker­ung .umserer großen Städte rekrutiert sich das Verbrecher­tum- Dagegen muß etwas gethan werden; da ßist wichtiger, als die Bestätigung des liberalen Berliner Bürgermeisters- (Beifall rechts-)

Abg. Schrader (fr. Ver.): Die Großgrundbesitzer sollten sich mehr uni die Erziehung ihrer jugendlichen Ar­beiter kümmern. Es ist interessant, zu hören, daß die Groß^ grundbesitzer über die schwierige Lage hinweggekommen sind. (Zurufe rechts: Nur die, die nicht bankerott geworden sind!) Alle verständigen Leute werden anerkennen, daß die Zurück­weisung der Chamberlain'schen Aeußerungen richtig und notwendig war. Unnötige Ausgaben sollten wir auf eine spätere, günstigere Zett verschieben. Ich gebe dem Abg. Bachem zu, daß die Zuschußanleihe verfassungswidrig ist. Ueber die Frage, was dann geschehen soll, giebt die Ver­fassung selbst Auskunft: Es bliebe nur der Weg der jährlich zu bewilligenden Reichs-Einkommen- und Ver­mögenssteuer. Handel und Industrie sind in­zwischen so erstarkt, daß sie die Krisis leicht überwinden werden, wenn nicht noch Störungen von außen hinzu- kommen. Dazu gehört aber die große Ungewißheit über die künftige Gestaltung unserer Handelsbeziehungen. Vor 1904 werden wir faum Handelsverträge haben. Hier könnten die verbündeten Regierungen helfen, indem sie noch in diesem Jahre Handelsverträge vorlegten. Ich hoffe, daß sie sich schnell entschließen werden, wenn sie es an dem eigenen Etat spüren, wohin diese Ungewißheit führt. (Bei­fall links.) ______

Weiterberatung morgen 1 Uhr. "

Schluß 5.30 Uhr.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 10. Jan. Der Geschichtsmaler Prof. Gustav Schauer ist am Herzschlag gestorben. Der Handels­vertragsverein wandte sich mit einer Petition an den Reichstag, in der er um Veranstaltung einer parlamentarischen Enquete über die Not der Landwirtschaft ersucht.

Berlin, 9. Jan. Der preuß. Eisenbahnetat enthält unter den dauernden Ausgaben den Anteil Hessens an den Ergebnissen der gemeinschaftlichen Verwaltung im Be­trage von Mk. 10 512 691 (Vorjahr Mk. 11 184 455). Das Extraordinarium des Eisenbahnetats enthält u. A. zur Umgestaltung der Eisenbahnanlagen in Hamburg eine fernere Rate von Mk. 5 000 000, Erbauung der Hauptwerk­stätte in Darmstadt die erste Rate von Mk. 600 000, zur Umgestaltung der Banhofsanlagen in Darmstadt die erste Rate von Mk. 500 000, zur Erweiterung des Bahn­hofes in Posen die erste Rate von Mark 200 000 (Gerberdamm), zur Herstellung und Verbesserung von Weichen und Signalstell - Werken eine fernere Rate von Mark 2 500 000, zur Herstellung von elektrischen Sicherungsanlagen eine fernere Rate von Mk. 1 000 000, zur Vermehrung der Betriebsmittel in Preußen Mk. 37 Mill, und in Hessen Mk. 7 55 000. Geplant ist die Beschaffung von etwa 250 Lokomotiven, 550 Personenwagen und 3650 Ge­päck- und Guterwagen.

München, 9. Jan. Der frühere Herausgeber desBayer. Vaterlands", Dr. Sigl, ist heute mittag in seiner Wohnung gestorben.

Prag, 10. Jan. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen alle an der Wegnahme des Schädels Hamerlings auA dem Sarge Beteiligten strafgerichtliche Untersuchung ein.

Peking, 10. Jan, Der Tartarengeneral in Kansu tele­graphierte, er habe Tungfusiang in seinem Pamen ge­fangen genommen. Er habe Instruktionen von der Kaiserin- Witwe erhalten, die darin die Ausführung des Hinrichtungs­ediktes befahl.

Gerichtssaal.

Berlin, 9. Jan. Das Strafverfahren gegen den Chef­redakteur Köbner von derNat. Ztg." und gegen den Rechtsanwalt Horn in Insterburg wegen vorzeitiger Veröffentlichung von Akten­tücken im Krosigk-Prozeß ist von der Beschlußkammer des Landgerichts I Berlin eingestellt worden. .Die gerüchtweise ver-- breitete Nachricht von einer Verhaftung Köbners, die heute verfügt ein sollle, ist unrichtig.

Paris, 9. Jan. Der Untersuchungsrichter Poitevin ist mit einer Finanz-Angelegenheit beschäftigt, welche an der Börse und in politischen Kreisen große Aufregung verursacht. Dem Unter« uchungsrichter ist durch die deutsche Botschaft die Klage einer deutschen Bank wegen Unterschlagung von Geldern gegen den Vizepräsidenten des Staatsrates des türkischen Reiches sowie den General-Konsul der Türkei in London und gegen eine Gruppe französischer und belgischer Finanzleute unterbreitet worden. Die Summe, um welche es sich handelt, beläuft sich auf 400000 Mk. Der Untersuchungsrichter hat die Einleitung einer Untersuchung h? Berlin, Konstantinopel, London und Brüssel veranlaßt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehendem Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Das Eingesandt in Ihrer vorgestrigen Nr- veranlaßt, mich zu folgender Erwiderung:

Der Einsender fürMehrere Bürger" steht offenbar; )er städtischen Verwaltung fern; jedenfalls hat er aber: den Gang gescheut, sich bei der Großh- Bürgermeisterei erkundigen, ob die Entfernung der alten Stube», zwischen Schwesternhaus und Spartassengebäude mit ober ohne Genehmigung der Stadtvertretung erfolgt ist- Diese. Genehmigung ist nämlich thatsächlich erteilt und zwar auf' eine Eingabe der Sparkassenverwaltung hin, wie sehr leicht altenmäßig festgestellt werden kann- Man darf aber wohl der städtischen Verwaltung auch zutrauen, baß sie sicherlich nicht bic Genehmigung zu einemsolchen Vandalismus" gegeben haben würde, wenn derIntelligenz" der Gießener Bevölkerung dadurch ins Gesicht geschlagen worden wäre- Einsender dieses hat wenigstens in dieser Beziehung mehr Zutrauen zu der städtischen Verwaltung alsMehrere Bürger". Doch ich muß jetzt auch auf die Gründe kommen, >ie in jener Eingabe der Sparkassenverwaltung behufs Entfernung derprachtvollen alten Linde" angeführt wür­den und da dürfte es zur Klärung der Sache wohl epn meisten beitragen, wenn der Wortlaut dieses Schriftstücks ). d. 20. Aug. 1900 hier abgedruckt wird.

Der zwischen unserem neuen Gebäude und bemj Schwesternhaus in der Johcmnesstraße befindliche Baum kann zu unserem Bedauern nicht stehen bleiben, weil er das Austrocknen des Mauerwerkes verhindert, die unteren Räume verdunkelt und das Gebäude an dieser Seite o verdeckt, baß die architektonische Schönheit desselben! licht zur Geltung kommt- Der Ausschuß hat deshalb be- chlossen, an Sie das ergebenste Ersuchen zu richten, den raglichen Baum baldmöglichst entfernen zu lassen- Derselbe hat durch Abhauen der Wurzeln bei Aufführung der Fundamentmauer auch augenscheinlich so not gelitten,- daß die Blätter bereits anfangen gelb zu werden "

Ob diese Gründe für die Entscheidung der Stadtver­waltung allein maßgebend waren, oder ob ihr nicht etwa auch der Gedanke vorgeschwebt hat, den Sparkassenbeamten wenigstens die Möglichkeit zu intensiverer Arbeit zu geben, vermag Einsender nicht zu beurteilen- Die Johannesstraße ist eine der schönsten Straßen der Stadt; sie hatGrün"' in Fülle durch ihre Eigenschaft als einseitige Straße und das schöne vis a vis (frühere Schülersche Besitzung und Süd-Anlage). Wenn da wirklich einealte Linde", die, nicht einmal nach der Straße hin vollständig sichtbar ge­wesen wäre, fallen mutz, um Licht und Luft zu schaffen, und wenn an ihre Stelle gar ein architektonisch so schön gestaltetes Gebäude tritt, wie das der neuen Sparkasse, so muß man sich fragen, haben die Einsender des ersten Artikels wirklich mehr Interesse für alte Bäume als für bauliche Schönheiten? Man muß wohl ersteres an nehmen, da sonst ein die Sachlage so völlig verkennender Artikel nicht hätte geschrieben werden können-