Prägung von Zehnmarkstücken vorstellig zu werden, da sich ein empfindlicher Mangel an dieser Münzsorte heraus- gestellt habe. Es wird eine große Menge Menschen im lieben deutschen Vaterlande geben, die in diesen Klageruf aus vollster Ueberzeugung einstimmen. Leider können die Münzstätten nur gar nicht soviel Zehnmarkstücke Herstellen, >aß alle Verlangenden befriedigt werden könnten. Dazu eichten auch die Goldfelder von Transvaal nicht aus.
**Vom Yeldberg, 4. Sept- Es dürste wohl wenig bekannt sein, daß der Feldberg auch in der Liste der Luftkurorte steht. Seit einer Reihe von Jahren besitzt das alte Feldberghaus nicht mehr allein das Privllegium des Wirtschaftsbetriebs, es sind ihm bekanntlich zwei' Konkurrenten erwachsen und da genügte der tägliche Fremdenverkehr nicht mehr. Der Kurbetrieb mußte ausgenommen werden. Die Sache hat sich bewährt- Eine größere Anzahl von Fremden hat sich in diesem Sommer dauernd hier oben einquartiert. Alle loben die reine Luft, die wohl- thuende Stille und die gute Verpflegung.
IT Lollar, 7. Sept. Der Um- und Ausbau unseres Bahnhofs dürste vor Sommer 1903 nicht fertiggestellt sein. Es soll geplant sein, die Züge der neuen Strecke Grünberg—Londorf—Lollar nicht nach Gießen durchlaufen zu lasten.
Butzbach, 8. Sept. Im hiesigen Kriegerverein wurde des Tages von Sedan sowohl in der Versammlung am Samstagabend gedacht als auch gestern vormittag in ernster kirchlich-feierlicher Weise. In der Samstags-Versammlung hiell Herr Lehrer Storch einen fesselnden und von patriotischem Geiste durch glühten Vortrag „über Rhein und Mosel". Gestern vormittag versammelte sich der Kriegerverein zu ernster kirchlicher Feier unter Mitwirkung der Regimentsrapelle der 168er. An: Kriegerdenkmal wurden nach einer Ansprache des Med.-Rats Tr. Bogt, in welcher der gefallenen Helden und Kameraden gedacht wurde, mehrere Kränze niedergelegt. — Heute morgen rückten unsere seitherigen Manövergäste zu dem nun beginnenden Brigade-Manöver aus, das sich vorerst nach Bad-Nauherm—Friedberg zu hinzieht. B. Z.
-r- Blofeld b. Reichelsheim (Wetterau), 8. Sept. Unsere umgebaute, im Rohbau fertige Kirche befand sich am vergangenen Mittwoch in großer Gefahr, durch Feuer zer- stött zu werden. Auf der sehr schmalen Pfarrgasse mar Tags zuvor mit der Maschine gedroschen worden und man hatte einen großen Strohhaufen auf die schmale Gaste und auf das an derselben stehende Leiternhaus gesetzt. Nachmittags um 5 Uhr ging — durch welche Ursache ist noch nicht aufgeklätt — der Strohhaufen in Flammen auf, das Leitern- hauS verbrannte mit. Die Flammen schlugen über die Kirch- hofsmauer und setzten einige Gerüststangen in Brand. Wären dieselben nicht schnell weggerissen worden, so hätte sich das Feuer unfehlbar dem Turmgebälk mitgeteilt, das gerade an diesem Tage aufgeschlagen worden mar. Die Dorfbewohner waren auswärts mit der Grummeternte beschäftigt; auch mangelle es an Wasser, da unsere Wasserleitung nicht durch den Ort fühtt, sondern hinter dem Ort hergeht, wodurch die höher gelegenen Brunnen im Sommer versagen. Die Obstbäume in der Nähe des Brandplatzes wurden versengt und sind jetzt mit gebratenen Aepfeln und Birnen behangen. — Vielleicht giebt dieser Vorfall den Behörden Anlaß, das Dreschen auf den engen Ortsstraßen zu verbieten. Zudem werden die gepflastetten Rinnen durch die schweren selbstfahrenden Lokomobilen ruiniert. Bei der eingeleiteten Feldbereinigung könnte leicht ein geeigneter Dreschplatz im Felde vorgesehen werden.
pr. Brauerschwend, 8. Sept. Ein schönes und gewiß reich gesegnetes Fest ist das Missionsfest gewesen, das das Dekanat Alsfeld gestern in unserer Gemeinde gefeiert hat. Obwohl das Wetter große Hoffnungen nicht aufkommen lassen wollte, war der Besuch doch wider Ermatten recht stark. Den Festgottesdienst begann Pfarrer Sic. Herrmann - Alsfeld um 21/, Uhr nachmittags. Missionar Fl ad aus der Baseler Mission, der 10 Jahre in China gewirkt hat, schilderte die Mission in diesem wunderbaren Lande im allgemeinen und Erlebniste aus seiner eigenen Thätigkeit. In der gegen 5 Uhr beginnenden Nachversammlung gab derselbe Missionar nach einem kurzen Begrüßungswort des Ortsgeistlichen, Pfarrers Schlösser, tm Namen des Kirchenvorstandes und des Pfarrers Sauerwein-Alsfeld im Namen des Dekanats treffliche Ausführungen über das Leben und das Arbeiten der Chinesen, über die Missionsthätigkeit, das Wachsen der Missionsgemeinden u. dgl. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte ein jeder den Worten des Redners. Den Schluß bildete eine Ansprache, die Pfarrer Stock- Ober-Brcitenbach hielt über den niederen sittlichen Stand des Lebens der selbst in hoher Kultur stehenden Heidenvölker, gab
Schilderungen über Kindererziehung, über die Schwierigkeiten der Missionsarbeit und ermahnte, sich dieselbe recht angelegen sein zu lasten. Die Kollekte über 100 Mk. kam der Baseler Missionsgesellschaft zugute.
8 Langenhain, 8. Sept- Unserm Kriegerverein, der im Juli sein 25 jähriges Bestehen feierte, wurde kürzlich von dem Kaiser eine Fahnenschleife verliehen. Gestern nachmittag fand nun ihre feierliche lleberreichung durch den Kreisrat Fey von Fttedberg im Saale des Gastwirts Möckel dahier statt; bei dem Aktus war unser Ortsoorstand und der Kriegerverband vertreten. — Kürzliche Schürfungen auf dem nahen Siederhag ließen größere Erzlager ziemlich nahe an der Erdoberfläche entdecken.
Offenbach, 8. Sept- Unser Hafen wird mit allen Anlagen am 15. Septemoer dem allgemeinen Betrieb übergeben werden. Tie Ladebrücken sind seit gestern fertig- gestellt; ebenso sind die Arbeiten an der Uferbahn, sowie an den Lagerplätzen der Firmen Hiller und Neubaus nunmehr beendet. — Eine eigentümliche Mißbildung am Gebiß eines Hasen, schreibt die „Offb. Ztg", wurde uns vorgezeigt. Das Tier ist auf einem Felde bei Rumpen- heim kraftlos und halbverhungert aufgefunden worden, da ihm die Nahrungsaufnahme durch eine merkwürdige Zahnverbildung sehr erschwert oder unmöglich gemacht worden ist. Die beiden unteren Schneidezähne sind etwa zwei Zoll lang bogenförmig zu aus dem Maule herausgewachsen, auch die oberen beiden Nagezähne sind überlang, so daß das arme Tier das Maul nicht mehr schließen konnte und dem Hungertode preisgegeben war. Tie interessante Abnormität ist für eine Jagdzeitschrift photographiert worden.
Dieburg, 6. Sept. Ter Fall, daß jemand seine eigene Todesanzeige verschickt, dürfte wohl selten ein. Eine hiesige Frau schrieb ihren auswärts bediensteten erwachsenen Töchtern einen fingierten Brief des Inhalts, daß Frau N., die Mutter der Adressaten, plötzlich gestorben ei und an einem näher bezeichneten Tage begraben werden olle. Tie Töchter machten sich infolgedessen alsbald auf den Weg zur Vaterstadt und kamen dort in Trauerkleidung im Mutterhause an. Wer aber beschreibt ihr Staunen, als ie hier die totgeglaubte Mutter ganz wohl und munter sich entgegentreten sahen! Des Jiätsels Lösung war bald gefunden; wenigstens verstanden es die Töchter so, daß die Mutter selbst den Brief unter anderem Namen geschrieben hatte, um die Töchter zu einem Besuche zu bewegen, den sie wohl schon oft vergebens erwartet hatte. (!)
Alzey, 6. Sept. Im Gefängnis gestorben ist dieser Tage ein wegen Sittlichkeitsverbrechen inhaftiert gewesener Mann von hier. Nach Begehung seiner That flüchtete er nach Amerika, kehrte dann aber freiwillig zurück und wurde vor Gericht gestellt. Diese Woche sollte ihm der Rest seiner Strafe im Gnadenwege erlassen werden; zwei Tage vor dem Entlassungstermin hat der Tod den völlig Niedergebrochenen ereilt. Er war verheiratet und hatte drei Kinder.
-- Gladenbach, 8. Sept. Bei der gestrigen Kirmes in dem nahen Mannshaufen a. d. Salzböde wurde ein junger Bursche aus Wommelshausen Namens Ludwig Heck durch einen tiefen Messerstich in die Seite so verletzt, daß er in der Marburger Klinik lebensgefährlich erkrankt darniederliegt. — In der Nähe von Dernbach,- auf der sog. Höhe, ging vergangene Woche ein französischer Registrierballon nieder.
"Kleine Mitteilungen au8 Hessen und den Nachbarstaaten. Das 18 Monate alte Söhnchen des Landwirtes Lorenz Schuck zu Gailbach wurde von einem beladenen Steinmagen überfahren und starb nach qualvollen Stunden an den erlittenen Verletzungen. — Die Klotzfabrik Jakob Gerold zu Miltenberg wurde durch Brand zerstött. — Der Steinbrecher Maurus Straub aus Miltenberg wurde in einem Steinbruche bei Richelbach von plötzlich niederstürzenden Steinmassen verschüttet und lebensgefährlich verletzt. — Das Fuhrwerk des Frachtfuhr- manns Ernst Metzger aus Lohr stürzte in einen Steinbruch, wobei ein Pferd augenblicklich getötet wurde. Das andere Pferd und der Knecht wurden wie durch ein Wunder vom Absturze bewahrt. — Ein italienischer Arbeiter wurde bei Wernfeld von einem Zuge überfahren und in Stücke zerrissen. Der unglückliche Unbekannte hatte den Weg verfehlt. — Ein Daubholzarbeiter aus Rechtenbach brachte seiner Frau, während diese neben ihm das Abfallholz sammelte, au§ Unvorsichtigkeit mit dem Beile schwere Verletzungen im Gesichte bei. Die Nase wurde ihr vollständig abgehauen. — Der ca. 70jährige pensionierte Briefträger Raiser von Biebrich sprang gestern vormittag an den Kribben in den Rhein und wurde nachmittags bei Schierstein als Leiche gelänbet. Was den alten Mann zu dieser That bewogen hat, ist noch nicht aufgeklätt.
Deutscher und Aesterreichischer Alpeirverem.
Wiesbaden, 8. Sept.
Wie wir gestern telegraphisch meldeten, unternahm der Alpenverein eine, von herrlichem Wetter begünstigte R h e i n f a h r t. Ueber den Verlauf derselben wird gemeldet: Tie beiden schönen Rheindampfer „Elsa" und „Lverstolz", besetzt mit Hunderten von Menschen, es mögen etwa 1000 Teilnehmer gewesen sein, gingen pünktlich zur festgesetzten Stunde ab. Den Rhein hinab ging die Fahrt bis nach St. Goarshausen. Nach einer prachtvollen Fahrt, die durch Gesang und Tanz gewürzt war, traf die „Flotte" gegen 4 Uhr in Aßmannshausen ein. Ohne Aufenthalt ging es weiter, teils zu Fuß, teils mit der Zahnradbahn, hinauf auf das Jagdschloß, und von da unter Vorantritt der Musik über die Rossel nach dem N a t i o n a l d e n k m a l, an welchem dann in weihevollster Weise eine von echt rattiotischem Geist durchwehte Handlung vor sich ging. Nachdem die Musikkapelle einen Choral gespielt, hielt der Vorsitzende der Sektion, Pfarrer Veesenmeier, ;uie Ansprache, in der er sagte: . Vor unserem geifhgen
Auge entsteht wieder jene große Zeit, die wir alle miterlebt, die viele von uns miterkämpft, und für die manche aus unseren Reihen — es waren Namen von gutem Klang — ihr junges Leben zum Opfer gebracht haben. Unb auf ihre Höhe uns führen zu lassen, und uns zu erfüllen mit vaterländischem Geist und aus den Federungen kleinlichen Sinnes und engen Mißvergnügens hinauszusteigen zu den Höhen, wo des Voleks heilige Feuer glühen, das hat auch heute noch seinen Segen. Unsere Ausgabe ist, es zu erhalten. Erhalten aber kann es nur werden, wenn in uns jerfelbe Geist noch lebt, der es schuf; dieselbe Glut der Vaterlandsliebe, derselbe Lpferfinn, dieselbe freudige Hingabe um das Wohl des Ganzen. Aus allen deutschen Gauen und Stämmen zu einem Bund vereint, stehen wir hier vor dem herrlichen Bilde deutscher Heldenttaft und Volkseinheit und aus deutschen Männerherzen soll hier das Gelöbnis aufsteigen zum Himmel, das Gelöbnis der Treue für Kaiser und Reich, der Liebe für Volk und Vaterland. So wenig irgend eine Macht die im Feuerguß zu- sammengeschrnolzenen Metalle wieder trennen kann, . die auf das Geheiß des Künstlers sich zu dieser herrlichen Figur verbunden haben, so wenig soll irgend ein äußerer oder innerer Feind uns auseinanderreißen und zerspalten, das unter schweren Opfern und Stümpfen endlich geeinte Vaterland. Wie unsere Alpengipfel hoch dinausragen in des Himmelsblau aus allen Wolken, und wie machtlos abprallt an ihren Mauern des Sturmes Gewalt, so steht uns hoch über allem das Vaterland, so gehe es siegreich hervor aus allen Kämpfen der Zeit.
Und auch Ihnen, liebe Herren und Freunde aus unjerm Nachbarreiche, gilt heute der Gruß der Germania: „Wißt Freunde, ob uns auch die Berge scheiden, ein jedes Volk sich friedlich selbst regiert, so sind wir eines Stammes doch unb Bluts, unb eine Mutter ift's, die uns geboren." Was einstens die harte Notwendigkeit für eine Zeit lang schied, das hat sie wieder fpäter in anderer Weise verbunden, in treuer Bund esgenossenschaft reichen Teutschlanb und Oesterreich sich die tiänbe zum Schutz und Trutz zum Werke des Friebens. Unser Verein ist ein kleines unb doch bedeutsames Abbild dieses Bundes. Tie Wurzel auch Ihrer Kraft, verehrte Herren unb Freunbe, liegen im deutschen Wesen, es sind große gemeinsame Interessen, die wir trotz aller politischer Trennung zu wahren und zu schützen haben.
Sv hört die Mahnung, die die Germania dort oben Euch zuruft: „Ans.Vaterland, ans teure schließt Euch an, das hattet fest mit Eurem ganzen Herzen." Wir aber wollen antworten mit dem Gelöbnis: „Wir wollen fein em einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr." Zur Bekräftigung dieser Worte entblößet Eure Häupter und rufet mit mir, dem teuren deutschen Vaterlande ein dreifach donnergewalttges Hoch, hoch unb abermals doch!"
Tie Versammlung, der große Platz vor dem Denkmal war voll gedrängt von Menschen, stimmte begeistert in den Ruf ein, der weit hin aus klang über den Rhein ström. Tie Musik intonierte sodann „Deutschland, Deutschland über alles" unb in feierlich gehobener Stimmung fangen alle Anwesenden zwei Verse des gemeinsamen deutsch enNattonal- liedes. Hierauf trat der Vorsitzende des Zentralausschusses Professor Tr. Jpsen hervor. Er dankte „hier an dieser heiligen Stätte", angesichts dieses nationalen Mekkas des deutschen Volkes der Wiesbadener Sektton, daß sie dem Verein die Möglichkeit geboten habe, Sammlung und Er- Hebung an den Stufen dieses Tenkzeichens deutscher Einheit zu suchen. Seine Rede fand tönenden Widerhall bei allen Zuhörern, die sich hierauf zum gemeinsamen Abstieg nach Rüdesheim auf den Weg machten, wo neue Genüsse ihrer harrten. Hier hatte das Weinhaus I o h. B a p t Sturm zur Kellerprobe geladen und alle alle folgten dieser freundlichen Ladung unb wohl keiner fehlte. Tie Keller-
Zeit das Auge gefangen.
Jetzt trat ich in den Glanz der Gegenwart binaus, auf bi. obere Plattform. Ter Anblick war übenuäliigenb, I der Eindruck großartig. IM empfand unb verstaub, als ich.
von elekttischem Licht erleuchtet werden, besucht; hatte von dort die unabweisliche Ansichtskarte verschickt; war dann weiter durch die diamantene Aue nach Frankenhausen gewandert, hatte dort die Soolbäder besichtigt unb der Musik der bescheidenen Kurkapelle gelauscht; war dann am Schlachtberg vorbei quer durchs Gebirge übers Ratsfeld, dem schwarzburgischen Jagdschlößchen, in dem seinerzeit unser Kaiser als Gast geweilt, nach der herrlichen Rothenburg gezogen, von deren Nord-Terrasse man Wieder die goldene Aue unter sich liegen sieht, zu deren Südterrasse die Kysshäuserburg unb das Denkmal seitwärts herüber- grußen, währen!) das Auge sich am Anblick der Thaler und Höhen des dunklen Tannenbergs sättigt, und war dann durch tiefes Waldes'ounkel dem Endziel'zugeellt. Auch hier, auf 'dem eigentlichen 'Khsfh'äuser, hatte ich erst die alte Varbarofsaburg, die den Gipsei säumt, und den ehrwürdigen Kalfer-Frledrichturm, sowie Dfe enisi so wunderirästige Vurg- kapelle besucht und mich dann dem Denkmal zugewendet. Es hatte Entsagung gekostet, soum bas Beste und Größte herumzufchleichen. Aber der Lohn war auch einzig, die Wirkung vollständig. Noch einmal, beim Aufstieg zum Denkmal, forderte die Vergangenheit wie zu einem letzten Zu- sammcnfassen aller Hauptmomente auf: Turch Die Wölbungen hindurch ragte aus den Felsen des Unterbauet die gigantische, ehrwürdige Gestatt Kaiser Barbarossas heraus, das Meisterwerk Geigers; der schlummernde Held inmitten der schlafenden Seinen, dessen Rechte das Schwert saßt, dessen Linke in den wallenden Bart greift, hielt noch lange
ganÄ^jMarfTijäufer erst zu umkreisen und zu durchstreifen, feu16™ Glanzpunkt und Schlußstein ernpor- fteigt der ma^neilj> unj> ^eiid den Wanderer, fast überall fidjtbar, ^^l^auch ich meine Route gewählt. Ich hatte zunächst die *Luc durchquert, ihre Ortschaften be> sucht die s^vrnuiblich mit ihren roten Tüchern aus Baumesorün 1,,-^orlugen; war von dem glücklichen Kelbra, h Äälberane, Dem Doppelt glücklichen, weil es
i'nfnfn» v» • ^ännikuiig aus Mittel alte rszett so wohlsituiert /fr hnü c ■■ c Bürger keine Steuern zu zahlen brauchen, .DaH 'OHöstlichsten Aussichtspunkt, den herrlichen •JUten- ju Dem n©r$e)l, einporgeklettert, von wo der Blick bis zum M hBrocken hinüber trägt; war Dann auf ein'ain über Die hier und Dort Rudel von xnr-
Henkershand fand, nachdem er ihn hundertmal vorher in i scheu und Rehen wegsprangen, nach der Barbarossahöhle den Folterkammern des grimmen Grasen von Mannsfeld hinabgestiegen, hatte ihre mächtigen Grotten mit Den erbutbet hatte. I trhstallklaren unb gletfdferfalten unterirbijdjen Seen, die
Manch tragische Erinnerung schwebt auch über Roßla, dem Residenzstädtchen des einen Der drei Fürstentümer Stolberg, der einstigen Rössel-Aue, die schon bei den alten Romern wegen Ihrer vortrefflichen Pferdezucht berühmt war. Sie erzählt davon, tote einst ein Königtum durch Bruderstreit und Habgier verscherzt und in drei unbedeutende Kleinstaaten zerfplittert wurde, ein Bild im kleinen von dem, was Deutschland im großen durch Jahrhunderte hindurch erlitt.
All diese Gestalten, ihre Schicksale unb bie Gedanken, Die sie erwecken, bringen mit Macht auf Den Besucher des Kyfflsäufer ein; sie lassen ihn nicht frei, sie verfolgen ihn auf Schritt und Tritt; erst der Anblick des herrlichen Denkmals, das auf den Ruinen der Kl)ffhäuserburg empor gewachsen ist uni) Das den erlösenden Gedanken der alten Sagen und Geschichten verkörpert, verscheucht die Schatten Der Vergangenheit. Es ist daher am besten gethan, den
zur Reiterstatue Kaiser Wilhelms emporblickte unb höher hinauf zu der Kolossal-Kaiserkröne, die den Turm überwölbt, die Bedeutung des Bauwerkes als Symbol urtb Tenkmal der wieder aufgerichteten Käisergröße Deutschlands. _ .
An einem so herrlichen Tage wie dem gestrigen unb an einem so denkwürdigen wimmelte es aüf allen Plattformen bis zur Spitze des Turmes von Besuchern. So viel Scharen als befriedigt davonzogen, 'so viel kamen erwartungsvoll lseran. Patriottfche Vereine und Turnerschäften zogen mit Bannern und klingendem Spiel herauf. Truppweise langten Familien an. Gruppen von Soldaten, von Studenten und Offizieren ftanben bewundernd umher. Gesang und Musik erschallte. Tazwischen tönten von der nahen Burgwirtschaft die Klänge eines 'Icorbhausener Orchesters, das dort konzertierte, herauf. Fröhlichkeit unb nationale Begeisterung herrschten überall. An den Brüstungen lehnten die Ausschau Haltenden und genossen die entzückendste, klarste, sonnigste Fernsicht. Vom Turm herunter Hangen Jubelrufe Der Kinder, Die sich über sorgfältig gezählte Treppen hinweg zu einem wundervollen Schauspiel emporgellettert hatten.
Etwas tiefer unten, in der Burgwirtschaft, wo die Rück- kehrenden Ruhe unb Stärkung finden, ging es hoch her. Jedes Plätzchen war besetzt. Es war ein gewaltiges Ge- Dränge. Ter Kysshäuser ist ein sehr wasserarmes Gebirge. Um so reicher ist er an sehr guten Bieren. Und da nicht nur die Bergwanderung, sondern auch die Segeifteruna ungeheuren Dürft erzeugt, so kann man sich leicht vorstellen, zu welchem Quantum des edlen Gerstensaftes beide Fak- toreii vereinigt berechtigen und verführen Tiefe Berechtigung unb Verführung ließ jebermann unverkummert auf sich wirken. Wobei noch unberücksichtigt bleiben soll, daß Das treffliche Naß roieberum neue Begeisterung, und so immer loieber neuen Turst erzeugte, und jo fort, bis Die


