Nr. 811
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Sesstschen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Untvers.-Buch- u.Stein- druckerei lPtetsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:
Schnlstratze 7. vdresie für Depeschenr «n-etger Gießen.
Fernsprrchanschluß Nr. 51.
Zweites Blatt. 158. Jahrgang
Dienstag S. September IVOS
Sietzener Anzeiger
General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
BezngSpretSr monatlich 7b Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2.—viertel- iährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg.
Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für »Stadt und Cantr und .Gerichtssaal*: Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Nie heutig« Mmmcr umfaßt 8 Seiten.
Ans Stadt und Zand.
Gießen, 9. September 1902. VlitteiKmgeu aus dem Publikum werden gern entgegengenommen und angemessen honoriert.
1s. Universitäts-Neubauten. An der Frankfurterstraße gegenüber der Gärtnerei Bernhardt wird für den KltnikSgärtner ein neues Wohngebäude errichtet.
•* Auf denr Braun st einwerk vorm. Fernie geht das Wohngebäude des Direktors seiner Vollendung entgegen. ES ist ein Prachtbau im Barockstil mit Kellergeschoß, zwei Stockwerken, Mansardenstock, zwei Verandas und einem Aus- sichtSturm und enthält etwa 25 Räume. Es ist mit allen Bequemlichkeiten versehen: eigene Wasserleitung, Dampfheizung und elektrisches Licht. Ende Oktober wird es zum Bewohnen fertig sein.
m. Das Cementwarenlager Gutmann an der Frankfurterstraße hat dieser Tage ebenfalls Anschluß an die elektrische Leitung erhalten.
** Der bergmännische Verein für Gießen und Umgegend feierte am 6. d. M. sein diesjähriges Stiftungsfest unter zahlreicher Beteiligung von Damen und Herren aus der Nähe und Ferne durch eine Besichtigung der Gabriel'schen Lahnkalk- und Marmorwerke nebst Tampf- ziegelei und durch nachfolgendes gemütliches Zusammensein in der Restauration „Abendstern". Unter der fachmännischen Führung des liebenswürdigen Besitzers, A. Gabriel, der den Verein aufs herzlichste eingelaoen und auch in zuvorkommendster Weise alle Vorbereitungen für das Fest übernommen hatte, fand zuerst ein Rundgang durch die Gesamtanlage statt, die mit zu den größten des Lahn- thaleS gehört und infolge der Vorzüglichkeit ihrer Produkte mit jedem Jahre an Ausdehnung gewinnt. Tas Werk beschäftigt ca. 70 Arbeiter und werden jährlich 1500 Waggons ä 10000 Kgr. Rohkalksteine aus den ca. 3 Km. entfernten, unerschöpflichen Steinbrüchen zu verschiedenen gewerblichen und landwirtschaftlichen Zwecken sowie 300 Waggons Rohkalk für Terrazzo- und Kunststeine verarbeitet. Letztere kommen ihrer verschiedenen Vorzüge wegen immer mehr zur Drwerrdung. Tie Dampfziegelei liefert jedes Jahr mehr als iy8 Million Ziegelsteine von ausgezeichneter Güte. — Die Festteilnehmer hatten bei diesem Ruiio- gange und durch die von dem liebenswürdigen Führer gegebenen Erläuterungen Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, daß das Werk in allen seinen Anlagen und Maschinen aufs praktischste und zweckmäßigste eingerichtet ist. Das Gabriel'sche Werk ist auch ein Beweis dafür, wie bei zweckmäßiger Gewinnung und Betriebseinrichtung die im Schoße der Erde liegenden Naturschätze ebenso gut wie die über der Erde wachsenden landwirtschaftlichen Produkte zum Nationalwohlstand beitragen und vielen Leuten Arbeit und Verdienst geben können. Auch für Einrichtungen zum Wohle seiner Arbeiter hat der Besitzer in sehr anerkennenswerter Weise gesorgt Sehr befriedigt von der Besichtigung der Anlagen folgte man alsdann gerne der Einladung in das dem Werk gegenüber liegende Restaurant Abendstern. Nach einem Imbiß verlebte man bei Gesang und Musik, humoristischen Ansprachen und Toasten einige sehr frohe Stunden. Die Verlesung von Begrüßungstelegrammen auswärtiger Mitglieder, deren Festesgrüße man sofort erwiderte, fand großen Beifall. Aus dem Herzen gesprochen waren allen Anwesenden auch die Worte des Vereinsvorsitzenden Direktors Marr, der Herrn Gabriel für die Besichtigung seines Werks und die festlichen Arrangements den wärmsten Tank auSfprach. Zum Schluß wurde noch flott getanzt, bis, leider
viel zu früh, „Bieberlieschen" durch pünktliche Abfahrt dem Vergnügen ein Ende machte.
*ö HessischeHandwerks kämme r. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Im Verlage der Karniner ist soeben ein „Leitfaden zur Vorbereitung auf die Meisterprüfung rm Handwerk" erschienen. Ter Handwerker, der das Recht zur Führung des Meistertitels erwerben will, muß u. a. die Meisterprüfung bestanden haben. Tiefe Prüfung soll nach der Gewerbeordnung den Nachweis erbringen, daß der Handwerker die zum Betriebe seines Handwerks notwendigen Kenntnisse besitzt. Tie nähere Bezeichnung der Prüfungsgegenstände und des Umfangs der Prüfung hat durch die von den Handwerkskammern zu erlassenden Prüfungsordnungen zu erfolgen. Tie von der Handwerkskammer zu Tarmstadt erlassene Prüfungsordnung schreibt vor, daß sich der theoretische Teil der Meisterprüfung, abgesehen von den für jedes einzelne Handwerk nachzuweisenden Fachkenntnissen, auch die Kenntnis der einfachen Buch- und Rechnungsführung, auf die allgemeinen Grundsätze des Wechselrechts und die Hauptbestimmungen der Gewerbeordnung und der Arbeiterver- ficherungsgesetze, soweit sie den Handwerker berühren, zu erstrecken habe. Von der Erwägung geleitet, daß man dem Handwerker nicht zumuten kann, aus den größtenteils recht schwierigen Gesetzen und Materien den Vorbereitungsstoff für die Meisterprüfung sich selbst herauszuschälen und zu- lammenzutragen, daß man ihm vielmehr die Möglichkeit gewähren muß, die nachzuweisenden Kenntnisse auf die leichteste Art sich anzueignen, hat sich die Handwerkskammer zu Tarmstadt zur Herausgabe dieses Merkchens entschlossen. Ta es, wie erwähnt, nur den Zweck verfolgt, diejenigen allgemeinen Kenntnisse kurz zusammenzustellen, die von dem Handwerker in der Meisterprüfung nachzuweisen sind, kann dasselbe keinen Anspruch darauf erheben, den behandelten Stoff vollständig zu erschöpfen. Im Gegenteil war man bei seiner Abfassung bemüht, über Einzelheiten, die für den Handwerker nur geringe Bedeutung haben, hinwegzugehen. Andererseits musste man aber doch wieder vermeiden, den Lernstoff allzu knapp zu behandeln und darzustellen, um nicht das Verständnis desselben, zum Schaden der Lernenden, zu beeinträchtigen. Wird der Prüfling mit den Hauptbestimmungen der einzelnen Abschnitte genau vertraut, so wird dies für eine erfolgreiche Ablegung dieses Teiles der Meisterprüfung wohl genügen. Tas Merkchen kann zum Preise von 0.75 Mk. von dem Sekretariate der Kammer zu Tarmstadt, Kiesstraße 133, bezogen werden.
** Der Hessische Landes-Lehrerverein wird seinem Obmann, Oberlehrer Backes aus Tarmstadt, aus Anlaß seiner zwanzigjährigen verdienstvollen Leitung des Vereins eine besondere Ehrung zu teil werden lassen. Der Vorschlag, ein Bild des Obmanns herstellen zu lassen, hat unter den Lehrern Hessens große Zustimmung gefunden, so daß die Ausführung des Planes durch die bereits sehr zahlreichen Bestellungen gesichert ist. (Preis des einzelnen Bildes 4 Mk.) Es soll ferner eine „Backes-Stiftung" ins Leben gerufen werden und zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken im Interesse des Lehrerstandes Verwendung finden.
*♦ Herbstpferdemarkt. Die Anmeldungen zum Markte und zur Prämiierung sind überaus zahlreich eingelaufen und werden namentlich in Arbeitspferden vorzügliche Qualitäten der Kommission vorgeführt werden; auch von im Privatbesitz befindlichen Pferden sind in den verschiedensten Abteilungen Reit-, Wagenpferde, sowie Arbeitsschläge, angemeldet. Für die zum Markt gebrachten Pferde und Fohlen beginnt die Prämiierung früh 8y2 Uhr, für die im Privatbesitz befindlichen Pferde gegen 11 Uhr. Für die Zuschauer ist diesmal ein abgesperrter gefahrloser Platz mit direktem Zugang von der Rodheimer- straße (hinter dem Schlachthause) reserviert. Von und
nach dem Bahnhof wird ein regelmäßiger Omnibusverkehr zu allen ankommenden und abgehenden Zügen eingerichtet. — Nach stattgehabter Preisverteilung findet ein gemeinschaftliches Mittagessen um U/s Uhr im Hotel „Zum Großherzog von Hessen" statt, zu welchem Anmeldungen ebendaselbst noch Mittwoch früh erfolgen können.
)( Landtagswahlen. Aus Grünberg wird uns geschrieben: Die Parteien beginnen anläßlich der demnächst stattfindenden Landtags Neuwahl im Wahlkreis Grünberg-Allendorf a. Lumda bereits eine rege Agitation. Wählerversammlungen werden überall angezeigt. Besonders rührig scheinen die Antisemiten mit ihrem Kandidaten Hirschel-Offenbach ans Werk zu gehen. Doch dürfte letzterer kaum Aussicht auf Erfolg haben.
** Wichtig für die eintretenden Rekruten. Tie im nächsten Monat zum Militär eintretenden Personen, die der Jnvaliditäts-Versicherungspflicht unterliegen, werden darauf hingewiesen, daß nach dem neuen, am 1. Januar 1900 in Kraft getretenen Jnvalidenversicherungsgesetze vom 13. Juli 1899 die Quittungskarte nur eine Giltigkeitsdauer von 2 Jahren, vom Tage der Ausstellung an gerechnet, hat. Vielfach wird die Bestimmung des § 135 genannten Gesetzes noch nicht genügend beachtet. Diese lautet, daß eine Karte, falls sie nicht innerhalb zweier Jahre vom Tage der Ausübung an gerechnet, der betr. Polizeibehörde zum Umtausch oder zur Verlängerung vorgelegt wird, chre Giltigkeit verliert. Tie zum Militär eintretenden Personen thun gut, ihre Invalid entarte vor dem Eintritt aus den Stadt- oder Amtsbureaus abzugeben. Nach ihrer Entlassung vom Militär erhalten sie dann eine neue Karts.
** Zur Warnung für Arbeits-Invalide fei daraus hingewiesen, daß in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 184 Anträge um Bewilligung einer Invalidenrente von der Lanüesversicherungsanstalt abgelehnt wurden. Von den Antragstellern konnten 59 die Wartezeit von mindestens 200 Wochen nicht nachweisen, 78 mußten abschläglich be- schieden werden, weil bei ihnen noch nicht Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes vorlag. Bei weiteren 15 war die Erwerbsunfähigkeit durch einen Zufall herbei- gesührt, schließlich hatten 28 zwar genügende Beitraas- wochen nachgewiesen (geklebt), von denen aber wegen des Erlöschens der Anwartschaft so viele ungiltig wurden, daß der Rest zur Erfüllung nicht ausreichte und ihnen deshalb eine Rente nicht zugesprochen werden konnte.
**Der infolge derEinführungneuerPost- wertzeichen am 1. April notwendig gewordene Umtausch der alten, außer Kurs gesetzten, der vom 20. März bis 30. Juni d- I. gestattet war, ist bei den Postanstalten des Reichspostgebietes äußerst rege getvesen. Nach der „D. Verk.-Ztg." sind insgesamt 40 000 000 Stück im Werte von 2 750 000 Mk., und zwar zum großen Teil in den ersten Tagen des April, umgetauscht worden. Bemerkenswert ist, daß sich darunter von den seit mehr als zwei Jahren postseitig nicht mehr ausgegebenen Reichsvostwertzeichen im Reichspostgebiet für 178655 Mk. und in Württemberg für 2000 Mk. befunden haben. Mit anderen Worten, es hat ein Kapital von rund 180 000 Mk. mehr als zwei Jahre lang iv Adlerwertzeichen sestgelegen.
** Gerste- undHopfen-Ausstellung inBer- l i n. Der hessische Landwirtschastsrat teilt uns mit, daß er den Anmeldeschlußtermin für die Beschickung der „Gerste- und Hopsenausstellung zu Berlin" auf den 16. d. M. verlegt hat. Anmeldungen und Proben müssen jedoch bis zu diesem Tage bereits an die Adresse des hessischen Landwirtschaftsrats gelangt sein. Bisher scheint die Beteiligung an dieser Ausstellung nur weniger rege zu sein als in den früheren Jahren.
** Mangel an Zehnmarkstücken. Die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft haben beschlossen, beim Staatssekretär des Reichsschatzamts wegen vermehrter Aus-
I beide in diesem Wei einander nichts nach!
Trotz des Glanzes und der Herrlichkeit dieser schwellen-
Wettstreit um Lieblichkeit und Reichtum! und an seine endliche Wiederkehr konnten auch die zahlreichen Betrüger und Narren nicht erschüttern, die nach- I einander auf trat en^ um die Rolle des Idols des deutschen
Aus Barbarossas Aeich.
Kyffhäuser, 3. Sept.
Eine schönere Jahreszeit, um die Herrlichkeit des Kyff- häusers zu würdigen, als die jetzige, und ein köstlicherer Tag als oer gestrige, lassen sich nicht denken. Es ist immer noch Erntezeit, da das Einbringen des Kornes sich verspätet hat. In dem goldgelben Kranze, der sich rings tm Kreise um den Fuß des blaudunklen Kyfshäusergebirges legt, ist es lebendig von Schnittern und Garbenbindern, von Wagen und Pferden, von geschürzten Mädchen, von spielenden Kindern! Ueberall ist der Landmann mit den Seinigen dabei, den goldenen Schatz der Felder zu heben und zu bergen. Ueber diesen Werken gesegneten Friedens reckt sich das Kriegerdenkmal, ein Sinnbild der Beruhigung und Sicherheit, hoch in die Lüfte. Ueber ihm blaut das Meer des wolkenlosen Himmels, und erwärmend und silberleuchtend strahlt die Sonne.
Tas Kysshäusergebirge hat infolge seiner geringen Ausdehnung eine g.anz besondere Eigenheit: Tas Auge kann es als ein Ganzes erfassen; als eine bewaldete Felsinsel- die in einer goldenen See schwimmt; als ein grünes Bijou auf goldener Schüssel. Diese Schüssel denke man sich wieder in Moos und Steinen gebettet, die herumlagernden Gebirge illustrierend; den Harz aus der einen Seite, die Hainleite auf der anderen. Ten Bewohnern der Nord- iliederung, des lachenden Helmethales, zwischen Kyffhäuser und Harz, wäre diese Tarstellung ihres Landes schon ge- genehm, denn ihre Oertlein Kelbra, Berga, Roßla, Sittendorf, Tilleda nennen sich stolz in der „goldenen Aue" gelegen. Tie jenseits von Frankenhausen aber, vvn Rottleben, Thalleben u. s. f. wären damit nicht ganz einverstanden; denn sie haben, um den ersteren über zu sein, ihr Wipperchal die diamantene Aue" getauft. Nun, sie gäben
den Fluren mischt sich eine Schwermut in die Lust des Anblicks. Es sind die Erinnerungen aus Geschichte und Sage, die die lichten Gefilde umwölken; die vielen tragischen Schicksale, die auf dem Kyffhäuser und seinem nächsten Umkreis sich abgespielt haben: Fürstengeschicke, Volksringen. kleinbürgerliche Drangsale uno Leiden. Obenan steht Die sagenumrauschte Gestalt Kaiser Rotbarts, der im fernen Land der Palmen einen frühzeitigen Tod fand, — der dann unter Tannen und Buchen im Bergesgeklüst schlafwachend, durch die Jahrhunderte hindurch weiter lebte, bis Deutschlands Glorie den erhabenen Zeitenwächter zur ewigen Ruhe bettete. Toch redet seine gewaltige Stimme zum Enkel noch heut aus den grauen Trümmern seiner Kaiserburg „Kusfese", die er, nach ihrer ersten Zerstörung durch Lothar von Sachsen, so herrlich hatte Wiedererstehen lassen zum Schutz seiner Pfalzen, der Königslager Tilleda und Wallhausen unten im Thal. Seinen grimmigsten Widersacher, den gewaltigen Welsenlöwen, der ihn schmählich auf der Fahrt nach Welsch land verlassen, sah dasselbe Tilleda, wenige Jahre später, an Leib und Seele gebrochen, vor dem jungen Heinrich sich beugen, .Versöhnung heischend und Versöhnung erlangend, weil eben die Sonne der Liebe und Gnade aus der Neigung zweier junger Seelen friede- bringend ausgestrahlt war, aus dem Herzensbündnis des jungen Welfenlöwen mit der Staufin Agnes, der Brnders- tochrer des verratenen Barbarossa, einem Bündnis, das zugleich die Fesseln eines anderen niedergeworfenen Löwen löste, des gefangenen Richard von England. So waltete, Rache und Segen bringend, der Geist Barbarossas weiter fort, von seinem Märchenzwinger aus, im Felsgeklüst des Kysshäuser!
Den Glauben an den aewaltiLen Kaiser Barbarossa
Volkes zu spielen, und die ihren Frevel mit qualvollem Tode büßen mußten. Ja, ihr Erscheinen, besonders das des letzten, der für die große Menge ebenso rätselhaft verschwand, indem die deutschen Fürsten ihn heimlich auf die Seite brachten, als er in geheimnisvoller Weise plötzlich in den Ruinen der KysfHäuserburg ausgetaucht war, bekräftigte nur die festgewurzelte Ueberzeugung, daß der vergötterte Kaiser noch immer getreu über seinem Volke wache und es einst aus Schmach und Unterdrückung erlösen werde.
Jenseits, oberhalb Frankenhausens, über dem kahlen, steinigen (ÄhlachLberge, erfüllte sich das Geschick des unglücklichen Bauernbefreiers, des einstigen Hofpredigers von Allstedt, Thomas Münzer. Erfüllt von dem neuen reformatorischen Glauben, den er Hand in Hand mit Luther den deutschen Landen verkündete, das Herz geschwellt von beglückenden Ideen, hatte dieser kernige Sohn des Harzes den Beladenen der Erde auch die Freiheit des Leida» »^der der Seele zusuhren wollen. Gleichwie er befehdet, die Herren der Klostermauern ges/urzt hatte, so vermeinte er auch den Herren von der gerf’^tigen Faust, Den Gebietenden in Stadt und Land, die (Gerechtsame der Bauern abringen zu können. Ter ärmste 2F<l*2ier. Seme Waffe war nur das Wort; die seiner GefolgschssU Sense und Treschflegel gegen Panzer, Schwert und Kriegsmaschinen des Gegners. Auf der Höhe des SchlachtbeE^ sagten ihn die Ritter und Reisigen. Wie eine Herde von Schafen tyaten sie die achttausend zaghaften Landleute ab verwandelten den Bergrücken in einen Schlachthof. No^ man das Haus in Frankenhausen, aus dessen -T^ch^den der arme Münzer aus seinem Versteck geholt roirrZ)e' ^ne Inschrift prangt über der Thür und gemahnt a? glücklichen, der nachher in Mühlhausen den *XLtr9.


