Ausgabe 
9.9.1902 Zweites Blatt
 
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Dr.W:Knechts Magenbitter LSÄNTIS isfder beste

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scheidende Sonne den Gipfel des Denkmals vergoldete, die Dämmerung in die Thäler sank und alle Welt zum Aus- bru^ rüstete. M. W.

Professor Dr. Franz Wülluer f. Slus Braunfels a d Lahn erhalten wir die Trauerkunde, daß der allverehrte städtische Kapellmeister und Direktor des Kölner Kons^vatoruuns aestern nachmittag 6°/. Uhr seinen Leiden erlegen ist. Er hatte sich durch Ueberanslrengung eine Krankheit zugezogen von der er stch aber zeitweise wieder erholte. Um feine frühere Rüstigkeit wieder zu erhalten und wieder völlig zu gesunden, hatte er stch irn ^ruh- lahr nach Wiesbaden begeben und von da nach dem stillen Braun- els a. d. Lahn. Im Januar d. Js. hatte man zur Feier seines 70. Geburtstages große Festlichkeiten veranstaltet, die er aelstes- frisch überstand. Allein während der darauffolgenden Monate machten sich bei ihm während der Proben zu den Gurzemchkon- zerten Schwächezustände bemerklich. - Geboren wurde der Meister 1832 zu Münster in Westfalen. Von fernem Vater, der sich vom Elementarlehrer bis zum Gymnasialdirektor emporgearbeitet, hat Wüllner die ihm eigene Energie und den lehrhaften 6mn geerbt. Seine musikalische Ausbildung leitete zuerst der Gesang ehrer am Gymnasium zu Düsseldorf, Schmidt, dessen Direktor fern Vater da­mals war. Der kleine Franz verlor seinen Vater schon mit acht Jahren, er wurde von seiner Mutter dann dem Gymnasiallehrer BohnS in Köln anvertraut, wo ihn der Konzernnelster Franz Hart­mann im Violinspiel unterrichtete. Als Bohns versetzt wurde, kehrte er zu seiner Mutter nach Münster zuruck und besuchte das dorttge Gymnasium, wo er das Abiturientenexamen mit 16 Jahren bestand. Inzwischen hatte er die Geige mit dem Klavier vertauscht, das nun sein Hauptinstrument wurde. In der-rheorie war Anton Schindler, der Freund und Biograph Beethovens, sem Lehrer. 1854 ließ Wüllner sich in München als Musiklehrer und Konzert- spieler nieder und gründete sich dort einen eigenen Hausstand. 1856 wurde er Lehrer an dem von Franz Hauser geleiteten staat­lichen Konservatorium in München. Nach zwei Jahren berief man ihn schon nach Aachen als städtischen Musikdirektor, m welcher Stellung er sechs Jahre verblieb. 1865 wurde er als ~eiter der Kirchenmusik der Allerheiligen Hofkirche in München angestellt und 1867 definitiv zum königlich bayerischen Hofkavellmeister ernannt.

Besichtigung mit folgender Weinprobe verlief, wie es nach dem getroffenen, überaus praktischen Arrangement nicht anders möglich war, glänzend. In gastfreiester Werse bot die Firma eine Anzahl ihrer Weine zum Kosten und dar­unter einige Edelgewächse des Rheingaues. Herr Albert Sturm bewillkommnete seine Gäste in humorvollster Rede und bat sie, einen Teil ihrer Generalversammlung bei ihm tagen zu lassen. Er habe 14 Anträge auf die Tagesordnung gestellt, die hoffentlich

Gefängnisse im Innern Rußlands statt, welche durch Mi­litär gemalt unterdrückt werden mußte.

* Einereiche junge Witwe". In einem Dorf in Michigan legte vor kurzem der Postbeamte seine Thatig- keit nieder, wett er für eine Dorfbewohnerin eure derartige Menge von Briefen bekam, daß er allein die Arbeit nicht bewältigen konnte. Als man nun die Sache untersuchte, teilte man fest, daß diese Frau, die eine Art Hütte in einer elenden Dorfstraße bewohnte, eine Annonce in eine Heiratszeitung hatte setzen lassen, durch die sie einen Gatten uchte: sie gab sich als eine junge Witwe aus, die über >00 000 Mark im Vermögen und außerdem die Aussicht aus eine Erbschaft von fünf Millionen hätte. Als Antwort chickte sie Heiratslustigen, die an sie schrieben, das Porträt einer Schauspielerin. Als man sie festnahm, entdeckte man mehr als tausend Briefe von Bewerbern.

* Ganz nach Wunsch geb or en. Ein Berliner Spediteur sandte jüngst, wie derBoss. Ztg." geschrieben wird, im Auftrag eines Kunden an einen slandesbewußten Herrn im äußersten Norden Deutschlands einen Brief mit der TitulaturWohlgeboren". Der Empfänger des Brieses beklagte sich bei dem Auftraggeber bitterlich, daß ihm das ihm gebührendeHochwohlgeboren" vorenthalten worden sei. Der Spediteur, dem die Mage übermittell wurde, hat nun, durch diesen Vorfall gewitzigt, für seinen Gebrauchs Couverts unfertigen lassen mit dem Aufdruck

Wohlgeboren Hochwohlgeboren und dem Vermerk:Mcht Gewünschtes bitte durchzu- treichen." Gewiß äußerst praktisch und sehr bequem für alle, die genau wissen, wie wohl und wie hoch sie geboren wurden!

In dieser Eigenschaft dirigierte er die von König Ludwig II. gegen den Willen Wagners befohlene Erstführung des Rhemgold und der Walküre. Infolge dieser ganz außerordentlichen Talent­probe wurde ihm auch ein Teil der Opernleitung übertragen. 1877 erhielt Wüllner die Berufung als Nachfolger von Jul. Rietz als königlich sächsischer Hofkapellmeister nach Dresden und über­nahm gleichzeitig die artistische Leitung des Konservatoriums. Kom- petenzkonstikte veranlaßten ihn 1884, auf diese glänzende Stellung zu verzichten und dem an ihn ergangenen Ruf als städtischer Kapellmeister und Leiter des Konservatoriums m Köln Folge zu leisten. Wüllner hat Köln zu einer Musikstadt ersten Ranges gemacht.

Immanuel Kaut. Ein Lebensbild nach Darstellungen seiner Zeitgenossen Jachmann, Borowski, Wasianski. Heraus­gegeben von Alfons Hoffmann. (Halle a. d. S., Hugo Peter. 2 Mk.) Wer sich mit dem Leben Kants beschäftigt, der weiß, daß die Hauptquellen für die Erkenntnis des Menschen Kant drei kleine Schriften sind, die 1804, im Todesjahre des Philosophen, zu Königsberg erschienen. Von ihnen ist BorowskisDarstellung des Lebens und Charakters Immanuel Kants" darum interessant und wichtig, weil ihr Verfasser, einer der ersten Schuler Kants, seine A beit Kant vorgclegt und mit berichtigenden und erläu­ternden Randbemerkungen von chm zuruckerhalten hatte. Wie der spätere evangelische Er,disch°s «nebenbei bemertt: der eingtge, ben Preußen gehabt hay, 1° standen auch die Urheber der beiden anderen Schritten Kam längere Zeit hindurch persaistich nahe^ Jachmann, Direktor eines ErzlehmigsinstitM» b^ Danzig, Ivar Kants Schnür und Amanuensis, der als solcher reichliche Äestgen. heil hatte, den großen Mann m den mannlgsachsten Verhältnissen seines privaten Lebens zu beobachten, überdies sich auch daraus beraten tonnte, daß Kant selbst ,hn etwa -n-r,Jahre vor fernem Tode aufgefordert hatte, seine Biographie zu schreiben. Als eine Biographie im eigentlichen Sinne deS Wortes kann nun zwar sem Immanuel Kant, geschildert in Briesen an einen Freund , nicht gelten, wohl aber als überaus werwoller Beitrag zu einer Lhar-stte- ristik von Kants Lebens- und TenkungSart. Wasianski eiidüch, Tiakonus zn Königsberg, war im letzten Jahrzehnt von Kants Leben dessen Helfer und Berater m allen Angelegenheiten des privaten und ökonomischen Lebens. Gr leitete seinen Hausstand und verwaltete sein Vermögen, als der Greis selbst nicht mehr dazu

im Stande war. Sein kleines BuchImmanuel Kant in seinen letzten Lebensjahren, ein Beitrag zur Kenntnis seines Charakters und häuslichen Lebens aus dem täglichen Umgang mit ihm", ist ergreifend in der schlichten Darstellung des allmählichen Verfalles eines so reichen und gewaltigen Geistes. Alfons Hoffmann folgte einer von H. St. Chamberlain in seinenGrundlagen des 19. Jahr­hundert" gegebenen Anregung, indem er diese drei Schriften, mit Vor- und Schlußwort versehen, in einer Neuausgabe vereinigte, die als dankenswerte Erscheinung zu begrüßen ist. Daß her Herausgeber sich verleiten ließ, bei feinem Abdruckder inzwischen veränderten Rechtschreibung und Zeichensetzung Rechnung zu tragen, sowie verschiedene, namentlich weniger gebräuchliche Fremdwörter sinngemäß zu verdeutschen", wird man bedauern, weil antiquierte Ortographie und Ausdrucksweise nicht zu unter­schätzende ästhetische Faktoren sind, deren Wirkung man gerade bei solchen Schriften, die uns gleichsam als Miterlebende in langst ver­gangene Zeiten zurückversetzen sollen, ungern missen wird. Aber Hofsinann hatte bei seiner Publikation in erster Linie das nicht ge­lehrte Publikum im Auge. Allen Denen, die Kant, den Denker und Forscher, nur vom Hörensagen kennen, und denen auch nicht wohl zugemutet werden kann, über die philosophische Bedeutung dieses gigantischen Geisteshelden aus eigenem Studium sich ein selbständiges Urteil zu bilden, ihnen wollte er den Menschen Kant, seine Persönlichkeit, das an ihm, was nicht minder groß ist als seine Philosophie, sein Herz und seinen Charakter näher bringen, verehren und lieben lehren. Ein großer Philosoph, der zugleich ein großer und ganzer Mann ist, wirkt in doppelter Weise aus sein Volk. Indirekt mit der Arbeit seines Denkens und Forschens, dessen Resultate durch viele tausend Kanäle in das allgemeine Be­wußtsein hindurchsickern und so mittelbar dem Bildungsstande der Nation zu Gute kommen direkt durch die unmittelbare Gewalt und den erzieherischen Einfluß seiner ganzen Persönlichkeit. Da Kant ein vorbildlicher Geist unb Charakter gewesen ist, als welcher er auch Denen etwas sem kann, die den philosophischen Studien fern stehen, so wird man für jeden Versuch, den großen Königs­berger als leuchtendes Vorbild einer wahrhaft, well innerlich freien und im höchsten Sinne des Wortes humanen Lebensführung vor die Augen unseres ganzen Volkes hinzuslellen, dankbar jein musten. .Und dann liegt der Wert der Hoffmann'fcheii Publttatwn.

Gerichtssaal.

Berlin, 5. Sept. Das Königliche ® aUet-Rorpi vor Gericht. Eine ganze Anzahl von Damen deS Kgl. BallftS gab sich gestern im Saale der 5. Ferienstrafkammer em Stelldichem. Tie Damen, unter denen sich die Solotänzerinnen Frl. Kirchner, Greiner und Weiser befanden, sind die Mttroirkenben bet einer kleinen Extravorstellung gewesen, die sich eines Abends hinter den Kouliffen des Neuen Königl. OpemtheaterS abspielte. Wenn sich die Damen in ihren Garderoben umgekleidet haben und auf der Bühne sich dem Dienste Terpsichores wechen, überlassen sie ihre Alltagsgarderobe der Obhrtt der amtierenden Garderobiören. vtun war es schon mehrfach einzelnen Damen so vorgekommen, alß ob te bei ihrer Rückkehr in die Garderoben den Inhalt chrer Porte­monnaies, die sie in ihren Kleidertaschen hatten stecken lassen, etwas gelichtet vorfanden. Um der Sache auf den Grund zu gehen, wurde eines abends zu dem altbewährten Mittel gegriffen: die Geldstücke wurden heimlich gezeichnet Als dann eine ber San- lerinnen roieber einen Fehlbetrag in ihrem Portemonnaie feststelfte, ührte ber gegen bie Garderobenfrau Anna Mathes schon laut ge­wordene Verdacht dazu, eine Leibesvisitation bei ihr oorjunebinen und da fanden sich denn auch einige der gezeichneten Geldstücke vor. Das Schöffengericht hatte sie ]. Z. wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Berusungs- sttaskarnrner, an welche sich die Angeklagte wandte, konnte trotz der Unschuldsbeteuerungen der Angeklagten auf Grund der Beweis­aufnahme zu einem anderen Ergebnis nicht kommen, verwarf viel- mehr die Berufung.

- schreibt Herr Wer urctiei i ernt Wtz Ihrer so angenehmenObermeyer's Herbaseife" habe ich schon in kurzer Zeit bei unreinem Teint und Gesichtsausschlägen prächtige Erfolge erzielt. Z. h. in Apotheken, Drogerien und Fabrikant I. Gioth, Hanau. 6712

gestellt, die hoffentlich zur Befriedigung aller erledigt wür­den. Zu früh für die Kostenden aber ertönte das von dem kommandierenden Admiral gegebene Abfahrtsignal, jedoch die Dunkelheit wrrr inzwischen her ein gebrochen und es war Zeit, daß die Heimfahrt angetreten, wurde. Nachdem ein Mitglied 'des Festausschusses namens der Gäste mit drei­fachem Hell dem Haufe Sturm den Dank ausgesprochen, ging eS tn geschlossenem Zug an den Rhein, wo die Fest- dampfer yaEen. Tie Fahrt zu Berg nach Biebrich gestattete sich noch zu einem kleinen Triumphzug für den Verein, denn wieder hatten es sich die meisten Uferbewohner nicht nehmen raffen, durch 'Feuerzeichen, bengalische 'Beleuchtung re. ihre Teilnahme Tunb zu geben. Die Villen der Herren von Lade, Burgess und Höhl in G e i s e n h e i m, die Vlllen des Grafen Eltz und der Familie Müller in Eltvill e, die Beschungen der Herren Oechelhäuser und Marcuse und des Bürger­meisters in Walluf und schließlich in Biebrich, die Villen am Rhein und das Schloß, machten einen glänzenden Ein­druck aus die A l p i n i st e n, bie mit dem Gefühl das!Fest­land" wieder betraten, soviel Schönes noch selten erlebt

stundenrennen auf der Pariser Buffalo-Bahn, baS nach ameri­kanischer Manier mit Ablösung gefahren würbe, sah Louvet- Bruni (228,800 Kilometer) siegreich gegen Bourott,e-Gougolh (eine Runbe zurück); Doumain-Dussot eine Länge hinter bem zweiten Paare Dritte, vor Jenkins-Fossier unb Brecy°Simar.

Meralur.

Australien, Ozeanien und Polarläuder. Zweite Aus­lage. Von Prof. Tr. Wilhelm Sievers unb Professor Dr. Willy Kükenthal. Mit 198 Abbilbungen im Text, 14 Karlen unb vier° unbzwanzig Tafeln in Holzschnitt, Aetzung unb Farbenbruck. (All­gemeine Länderkunde", 2. Teil.) In Halbleber gebunben 17 Mark. Verlag bes Bldlwgraphischen Instituts in Leipzig unb Wien. Der am 1. Januar 1901 proklamierte Zusammenschluß ber Kolonien Australiens zumAustralischen Bunbesstaat" ließ eine Größe auf bie Bühne ber Weltgeschichte treten, mit ber nicht nur bas britische Reich, sondern alle Weltmächte werben rechnen müssen. Dieses neue Mitglieb im Konzert ber Mächte aufs genaueste kennen zu lehren, kommt bas uorliegenbe Werk gerade zur rechten Zeit. In Ozeanien hat sich mit Samoa unb Mikronesien eine für uns Deutsche besonbers wichtige Verschiebung bes Besitzslanbes voll­zogen, unb bie Einverleibung von Hawaii in bie Vereinigten Staaten von Amerlla mußte biesen wichtigen Inseln bas Interesse in neuer, erhöhter Weise zuwenben. Wie in bem umgearbeiteten BanbeAfrika" berAllgemeinen Länberkunbe", bewährt sich auch hier die neueAnord- nung bes Stoffes ganz vorzüglich. Nach berErsorschungsgeschlchte", welche bie naturgemäße Einleitung bilbet, folgt eineAllgemeine llebersicht", ber sich bie Behcmblung ber geographischen Einzelge­biete und hierin liegt das Charakteristische ber 2. Auflage nach Bobengestalt unb Gewässer, Klima, Pflanzenwelt, Tierwelt unb gegebenen Falles auch nach politischen oder wirtschaftlichen Ge­sichtspunkten anschließt. Der Hauptteil des Buches, nämlich Australien unb Ozeanien, ist, wie in ber ersten Auflage von Prof. Dr. W. Sievers bearbeitet, die Darstellung ber Polarländer von bem rühmlichst bekannten Breslauer Zoologen Willy Kückenthal. Auch hier werben bie beiben gegebenen Hauptabschnitte, Arktis unb Antarktis, roieber in natürliche Gruppen gegliebert Ein Gesamt­bild aller Polarlänber zu geben, muß als ein besonbers glücklicher Gebanke bezeichnet roerben, währenb bas Verweilen unserer Süd- polarexpebition in ben hohen antarktischen Bretten auch ben Zeit­punkt bes Erscheinens zu einem gut gewählten macht. Die äupere Ausstattung entspricht ben hoben Anforderungen, bie wir an bie Erzeugnisse bes Bibliographischen Instituts zu stellen gewohnt sinb. Tas Jllustrationsmaterial zeigt eine überraschenbe Fülle neuer Abbilbungen, unb bie Karten entsprechen burchweg bem heutigen Stande ber Forschungen.

Sport.

Paris, 8. Sept. Eine sensationelle Leistung vollbrachte gestern auf ber Pariser Prinzenparkbahn Jmmy Michael, ber kleine Englänber, ber jetzt nach seiner kurzen erfolglosen Jockey- laufbahn zum ersten Male roieber zu seiner alten Liebe, bem Cernent, zurückkehrte. Michael siegte un gestrigen Dauerrennen über eine Stunbe bie Sttmbe ist bie beste Distanz bes Kleinen" inbem er in bieser Zett 75 Kilometer 273 Meter zurücklegte unb mit bieser Leistung einen neuen Weltrekorb über bie Sttmbe aufstellte, nachbem Tom Linton es im Juli au 73,350 Kilometer gebracht hatte. Hinter Michael enbete Bouhours als Zweiter. Er hielt sich mit 73,200 Kilometer, bte er zurück­legte, sehr tapfer zu dem Sieger. Dritter wurde Contenet (71,300 Kilometer) vor Lesna (69,150 Kilometer). Jacquelin, ber sich zur Abwechselung einmal in Dauerrennen versuchen wollte, gab auf. Das Rennen war von Anfang an kolossal schnell. Vom Dritten Kilometer würben alle Rekords gebrückt. Bis zum 31. Kilo­meter lag Contenet an ber Spitze bes Feldes. Das inter­nationale Fliegerrennen sah Gentel siegreich gegen Louvet, Mlllo, Heller unb Domain. Im Motorrennen kam Fourmer als Erster ein vor Marius TH6, Darioli unb Denesle. Das Sechs-

Kandwirtschoft.

kz. Lauterbach, 4. Sept. Die Verbesserung der Hutweiden im Vogelsberg. Die seit bemJahre 1896von bem lanbwirtschaftlichen Verein für bie Provinz Oberhessen mit Staatsunterstützungen in Angriff genommene Melioration ber Deb- länbereien bes Vogelsberges, ber sog. Gemeinbe-Hutweiben in ben Kreisen Lauterbach unb Scho tten, würbe auch im Jahre 1901/02 fortgesetzt. In Verfolg ber Kommissionsbeschlüsse vom 5. Juli v. Js. würben Meliorationen ausgeführt für bie Gemeinden: A. Kreis Lauterbach: Bermuthshain, Eichenrob, Nösberts, Rab- mühl und Salz; B. Kreis Schotten: Hartmannshain, Helpershain, Niederseemen, Oberseemen, Schotten, Sichenhausen unb Volkarts­hain. Außerdem sind in den Gemarkungen Crainfeld und Hör- genau im Kreise Lauterbach die in oorausgeganaenen Jahren meliorierten Huttveidenflächen zu Gemeinbe-Jungvieh- ro e i b e n eingerichtet worben. Es waren ferner noch Flächen in ben Gemarkungen Herchenhain unb Felbkrüken zur Melioration vorgesehen; boch mußte in beiben Gemeinden hiervon Abstand ge­nommen werden, da die erstere Fläche in dem in Ausarbeitung begriffenen Generalkulturplan zur Aufforstung vorgesehen ist unb in letzterer Gemeinbe Steigliebhaber nicht erschienen waren, bezw. für bie Erbarbeiten zu hohe Forderungen gestM wurden. In sämtlichen angeführten Gemeinden, mit Ausnahme von Sichen­hausen, sind bereits in den letzten Jahren Hutroeibenmeliorationen vorgenommen worben unb sinb bie biesjährigen Ausführungen nur als Fortsetzungen zu betrachten. Die 5)leIiorationSarbeiten sinb im Herbste v. Js. begonnen unb im Juli b. Js. fertig gestellt worden. ___

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben uuberückfichtigt.)

Kolouialdieust. Beamte, welche die Absicht haben, sich dem Dienst in ben berttschen Schutzgebieten zu roibmen, haben sich, wie uns bas Auswärtige Amt mitteilt, unter Anschluß eines Lebens­laufes, ihrer Zeugniffe in Urschrift ober beglaubigter Abschrift, so­wie ihrer Militärpapiere (Milttärpaffes und FührungszeugniffeS) bei ber Kolonialabteilung bes Auswärtigen Amtes schrifttich oder mündlich zu melben.

Tas feinste Frühstück, besser als Kaffee, ist Meßmers Thee, er wirkt anregend auf Geist und Körper und wird selbst vom em- psinbllchsten Magen gut vertragen. Englische Mischuna stellt sich auf kaum mehr als l1/, Pfennig pro Taffe. Täglicher Genuß von M e ß m e r's Thee ist eine wesentliche Ersparnis im Haushalt.

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zu haben.---------------------------------------

Vermischtes.

* Düstere Bilder au3 dem Gefängnisleben in Sibirien entrollen zwei russische Zeitschriften, der Arnurskij Kraj" und dieSibirstaja Schisnj", in ihren jüngsten Nummern. Für die Wahrheit der schier unglaub­lichen Mitteilungen spricht schon genügend die Thatsache, daß sie von in Rußland erscheinenden russischen Blättern publiziert wurden. Im Kettengesängnis zu Alexandrowsk, so genannt, weil alle Sträflinge in diesem Gefängnisse in Ketten gelegt werden, haben sämtliche Sträflinge, vier- hurrdert an der Zahl, infolge unmenschlicher Mißhand­lungen und Verfolgungen von feiten der Aufseher beschlos­sen, jedwede Ausnahme von Nahrung zu verweigern. Sie verrichteten die ihnen zugewiesene schwere Arbeit, ver­hielten sich still, aßen aber nichts. Am dritten Fasttage verfielen viele Sttäflinge in Bewußtlosigkeit. Während des Gottesdienstes in der Kirche kniete ein Sträfling vor dem Geistlichen nieder und flehte ihn an, für die Un­glücklichen im Alexandrowsk-Gefängnisse einzutreten und die dort herrschenden Zustände persönlich kennen zu lernen. Der Geistliche besuchte noch am selben Tage das Gefäng­nis: er war beim Anblick des dort herrschenden Jammers erschüttert. Es stellte sich heraus, daß die Sträflinge in ihnen beständig eingesperrt gehalten werden, ohne daß man ihnen gestattet, im Hofe eine &iunbe zuzubringen, um frische Luft zu schöpfen. Die sanitätswidrigen Zu­stände im Gefängnisse vermehrten die Zahl der Krankheits­fälle unter den Sttäslingen. Doch bekundeten die Ge­fängnisbeamten auch den Kranken gegenüber eine bei­spiellose Engherzigkett. Wiewohl die gesunden Zellengenos­sen den Beamten von der Erkrankung vieler Unglücklichen Mitteilung machten, wurden diese dennoch nicht in das Spital gebracht. Noch mehr, die Anzeiger wurden auch geprügett, weil sie es gewagt hatten, ihren menschlichen Gefühlen freien Lauf zu geben. Die kranken Sttäfllnge wurden erst am Tage ihres Todes ins Spital gebracht. Die Sträflinge Tschibnikont und Lewidze wurden ins Spital bereits in Agonie gebracht. Der erschütterte Geistliche beeilte sich, dem Staatsanwalt die Anzeige zu erstatten, aber sogar die Verordnung der Prokuratur hals nichts. Am ersten Tage nach der Verordnung wurden die Sträf­linge in den Hof geführt, am folgenden Tage aber wurde alles beim alten gelassen. Noch schlechter ergeht es den Sträflingen in Kottschetawsk. Dort erhalten die Arrestanten überhaupt keine Nahrung, sie müssen für ihren Unterhalt selbst sorgen. Und so kann man dort in den anderen Ort chasten des Bezirks das merkwürdige Schauspiel sehen, wie die Sträflinge unter Eskorte von Haus zu Haus gehen, um Brot zu erbetteln. . . . Das Bemerkenswerte dabei ist, daß sogar die Inspizierung der Gefängnisse Sibiriens, >elche im Auftrage des Zaren vorgenommen wurde, eine Aenderung der Lage der Deportierten in Sibirien herbei­zuführen nicht vermochte. In denOdeßkija Nowosti" bat unlängst ein Augenzeuge Einzelheiten über das Leben ber Sträflinge aus der Insel Sachalin veröffentlicht, welche erschütternd sind. Die Kessel, in denen die Speisen für die Arrestanten gekocht werden, sind rostig, die Speisen selbst mit Schwaben gemischt. &3 ist deshalb begreiflich, daß die Fälle von Arrestanten-Revotten in Sibirien sich immer mehr hausen. Neulich erst sand eine ernste Revolte in einem