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Nr. 7
Erscheint täglich außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dein hessischen Landwirt die Siebener Famillen- blätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. 93ei lag der B rüh l'sche. Univers.-Buch- u.Stern druckcrei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition imt) Druckerei:
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FkrnsprechanschlußNr.51.
Erstes Matt. 153. Jahrgang Donnerstag 9. Jannar 1002
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SlSB» V iö H ▼ . jährlich Mk. 8L0; durch
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM
Politische Tagesschau.
Dr. v. Neidhardt.
Wie die „K- Z." nachträglich erfährt, bat Ka i s e r W i l- Helm am Silvester-ALend dem hessischen Gesandten zu Berlin, Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Neidhardt ein allerhöchstes Handschreiben zustellen lassen, worin er aus Anlaß der 25 jährigen Wirksamkeit des Gesandten am preußischen Hofe Herrn v- Neidhardt mit warmen Worten des Dankes herzlich beglückwünschte und ihm gleichzeitig eine kostbare Vase übermitteln ließ. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Frhr. v. Richthosen, war persönlich der Ueberbringer dieses allerhöchsten Glückwunschschreibens sowie der Vase gewesen uitb sprach auch im Namen des Reichskanzlers wie des Auswärtigen Amtes und in eigenem Namen die lebhaftesten Glückwünsche aus- Dr. v. Neidhardt ist unter den händig in Berlin lebenden Bundesratsbeoollmächtigten jetzt der Senior, ivährend von den auswärtigen Bundesratbevollmächtigten nur der bayerische Finanzminister, Frhr. v- Riedel, um einige Monate länger dem Lundesrat ange- hören dürfte. Exzellenz v. Neidhardt, der am 10. November vorigen Jahres sein 70. Lebensjahr vollendet hat, mb seit dem Frühjahr 1861 nach 'gründlicher juristischer Vorbereitung im hessischen Ministerium des großherzoglichen Hauses und des Aeußern beschäftigt worden war, wurde im Oktober 1872 zum Bundesratsbevollmächtigten ernannt, welche Stellung er seitdem ununterbrochen innegehabt hat- Vier Jahre darauf, im Sommer 1876, wurde er auch zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am preußischen Hofe ernannt, und sein 25 jähriges Jubiläum in dieser Stellung hat jetzt der Kaiser benutzt, um dem Gesandten ein Zeichen seines besonderen Wohlwollens zukommen zu lassen- Die Vase selbst ist ein Meisterwerk der königlichen Berliner Porzellanmanufaktur. Sie weist auf der Vorderseite das trefflich ausgeführte Bild des Kaisers und auf der Rückseite eine Darstellung des königlichen Schlosses in Berlin auf. Herr v. Neidhardt
erfreut sich namentlich im Bundesrate eines besonderen Ansehens und des größten Vertrauens. Nicht nur, daß er infolge seiner langen fleißigen Mitarbeit an den Beratungen der Bundesratsausschüsse ganz hervorragend geschäftskundig ist, er gilt auch für ebenso zuverlässig wie thatkräftig. Dabei zeichnet er sich durch eine große persönliche Liebenswürdigkeit, ein bereitwilliges Entgegenkommen und feinen politischen Takt aus- Bei seiner großen Rüstigkeit und Frische ist zu erwarten, daß er noch lange Hessen sowohl im Bundesräte wie am preußischen Hofe mit gleichem Geschick wie bisher vertreten wird-
Gegen den „Jugendstil" der alldeutschen Politik wandte sich mit auffallender Schärfe der neue Botschafter in London, Gras Wolfs-Metternich- Als bei dem von uns schon erwähnten Abschiedsessen, das ihm zu Ehren die Stadt Hamburg als dem bisherigen preußischen Gesandten in H a m bu r g veranstaltete, der Bürgermeister Mönkeberg der Hoffnung Ausdruck gab, daß es ihm auf seinem neuen Posten gelingen möge, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und England zu festigen, fühlte sich Graf Wolff-Metternich zu folgenden Auslassungen veranlaßt:
„Die Erfahrungen, welche ich hier gesammelt habe, dürsten mir auch in meiner neuen Stellung von besonderem Nutzen sein. Ew. Magnifizenz haben soeben hervorgehoben und den Wunsch ausgesprochen, daß es mir gestattet sein möge, die guten Beziehungen zwiscken Deutschland -umd Großbritannien zu pflegen- In den Hansestädten habe ich stets den Wunsch hervortreten sehen, daß ein freundnachbarliches Verhältnis zwischen Deutschland und England angestrebt werde. ... Es scheint zwar eine neue Schule sich aufzuthun — Schule möchte ich es nicht nennen — sondern einige exaltierte Geisder, welche glauben, daß die althergebrachten Beziehungen zwischen Deutschland und England nicht weiter fortge- führt zu werden brauchten. Diesem extravaganten
Jugendstil in der Politik brauche ich mich aber glücklicherweise nicht an^uschließen- Ich halte es viel, mehr auch in unserem Interesse, wenn wir dem alter Kulturvolk germanischer Abkunft jenseits des Kanals wie in der Vergangenheit, so auch in Zukunft, mit der- jenigen Achtung begegnen, welche auch allein schon bü internationale Höflichkeit erforbert."
Der Fall Feilitzsch.
In bayerischen Blättern ist jetzt viel die Rede vor einem „Falle Feilitzsch". Ein bayerischer Hauptmann Frhr v- Feilitzsch hatte sich dem ostasiatischen Expeditionskorps angeschlossen und war in China wegen Vergehens gegen Untergebene bestraft worden- Jetzt ist er nach seiner Rück kehr in ein thüringisches Regiment mit1 dem gleichen Patent das er in der bayerischen Armee besaß, eingestellt worden Wir lesen nun in der öfter zu offiziösen Mittellungen de, bayerischen Regierung benutzten „Augsb- Abendztg.":
„ . . . Jedenfalls aber kannte Herr v. Feilitzsch di, Stimmung, die in der bayerischen Armee geger ihn herrschte; denn darüber besteht nicht der geringst« Zweifel, daß chm der Rücktritt, wenn er darun nachgesucht hätte, verweigert worden wäre- Daß Frhr. v. Feilitzsch nun in einem preußischen Truppenteil angestellt wurde, hat auch in bayerischen militärischer Kreisen, wie sich ja leicht denken läßt, einiges A u s s e rj e n ja Befrem d en erregt, denn man glaubte doch an nehmen zu dürfen, daß, wenn ein Offizier in der Armee der er bisher angehörte, nach der RüÄehr aus Ostasier kern Unterkommen mehr findet — in Berlin war seh, wohl bekannt, wie man in München über die Verfehlungen des Barons Feilitzsch dachte — er auch in einem anderer deutschen Bundeskontingente nicht ausgenommen werden wird. Es bat deshalb wohl kaum viel bayerische Offizier, gegeben, die nach den Vorkommnissen in Ostcisien der Hauptmann v- Feilitzsch anders als pensioniert in de, Heimat wiederzusehen erwarteten- Daß das anders ge<
Gießener Theaterverein.
Die rote Robe.
Schauspiel in 4 Akten von Eugene Brieux.
Schluß.
Dieses dramatische Pamphlet gegen die französische Justiz hat eine eigene Litteratur hervorgerufen, und zwar nicht nur in Frankreich. Dort hat Brieux Schule gemacht, und ein Theaterstück nach dem anderen mit ähnlichen scharf ausgesprochenen Tendenzen geht dort über die Bühne. Bei uns in Deutschland aber kam es nicht allein in Parodien, als „überrote Ueberrobe" (Verfasser dieser Albevei ist Carl Costa, der unglückselige Urheber unserer vorletzten Sonntagsposse „Ihr Korporal") auf das „Ueberbrettl"; umständliche Erörterungen über die Strafrechtspraxis machten sich nicht nur in den deutschen Tageszeitungen unter und über hem Strich, sondern auch in sonst ausschließlich! den Künsten gewidmeten Zeitschriften breit. Ein preußischer Richter z. B. ergriff in „Bühne und Welt" das Wort, um seftzustellen, daß alle Vergleiche zwischen dem französischen und dem deutschen Richtertum wie zwischen dem französischen und dem deutschen Strafprozeß durchaus von der Sxmi) zu weisen seien. Schon in Nr. 264, 3. Bl. des „Gieß Anz." vom vor. Jahr wurde über dem Strich ausgeführt, daß diese selbst für französische Verhältnisse unzweifelhaft übertriebene Anklage gegen die Justiz »ruf deutsche Verhältnisse rundweg zu übertragen eine Absurdität wäre. Doch in Einzelheiten scheint mir der preußische Richter doch nicht vollkommen richtig zu urteilen. Wenn er z. B. von unseren deutschen Reichsgerichtsräten behauptet, daß sie alle Namen haben, die auf wissenschaftlichem Gebiete etwas bedeuten, so ist dem dagegen zu halten, daß man gerade in preußischen, aber auch z. B. in schwäbischen Richterkreisen diesen Ausführungen nicht unbedingt zustimmen wird. Und wer behutsam einige wenige Sätze aus Der Brieuxschen Anklageschrift auf unsere deutschen Zustände überträgt, dem liegt es gewiß durchaus fern, der thatsächlich unantastbaren Ueberzeugungs- treue des deutschen Richtertums etwa zu nahe treten zu wollen. Daß unsere heutige Strafpraxis
für Besserlingen immer noch Raum hat, kann memand leugnen. Zweifellos hat es z. B. etwas Bedenkliches, daß der Beamteneid vor dem gewöhnlichen Zeugeneid rangiert. Um einen möglichst harmlosen Fall zu nehmen: in einer ostweserischen Universitätsstadt gab es um die Mitte der 80er Jahre unter fünf kaum einen civis academiae, der nicht mindestens einmal von einem Nachtschutzmann zur Anzeige gebracht worden war wegen „ruhestörenden Lärms", wenn auch die Ruhestörung in nichts Anderem bestand als etwa einem herzhaften, keinesivegs überlauten Lachen. Je mehr Anzeigen jene braven Leute ihrem Vorgesetzten erstatteten, als desto pflichteifriger schätzte er sie, selber natürlich durchaus überzeugt von der unbedingten Zuverlässigkeit ihrer Angaben. Wurde gegen das polizeiliche Strafmandat Einspruch erhoben und kam die Sache vor Gericht, dann gab es fast immer Verurteilungen, da die Aussage des Beamten einmal für glaubwürdiger gilt als die jeder Privatperson, macht diese auch einen zehnmal besseren Eindruck auf den psychologisch geschulten Richter. Der Fall ferner, daß Personen oft dadurch schwere Nachteile erwachsen sind, wenn sie vor Gericht über ftühere Bestrafungen Angaben machen mußten, ist schon über dem Strich des „Gieß. Anz." wiederholt zur Sprache gekommen und hat neuerdings zu einer Bittschrift an den Reichstags Anlaß gegeben und dessen Kommission beschäftigt.
Das Reichsjustizamt betonte, daß Vorbestrafungen unter Umständen zum Gegenstand der Verhandlung gemacht werden müßten, die Mehrheit der Kommission beschloß aber Ueber- weisung der Petition an den Reichskanzler als Material für eine Reform der betreffenden Gesetzes-Vorschriften, und so ist vielleicht für den deutschen Strafprozeß eine Aenderung des diese Frage behandelnden Paragraphen zu erwarten.
Doch meine Aufgabe ist heute nicht das leidige Politisieren, sondern Theaterberichterstaüung. Schreiten wir also von der sozialpolitischen zur litterarischen Beurtheilung. Wie ich etwas an Björnson's „Ueber unsere Kraft" bedauere, so erscheint wir etwas erfreulich an dem Schauspiel Brieux'. Es ist jammerschade, daß „Ueber unsere Kraft" nicht von einem Deutschen geschrieben wurde, und wir wollen uns gratulieren, daß „Die Rote Robe" von einem Deutschen nicht geschrieben werden konnte. Das ist der einzige künstlerische Vorzug des Stückes, das uns im übrigen schindet, wie nur einst Marsias von Apollo geschunden wurde, wobei aber Marsias doch wenigstens den Trost hatte, daß es Apollo war, der ihn quälte. Rein litterarisch betrachtet ist das zweifellos geistes- und gesinnungsstarke Stück — und diese Eigenschaften rechtfertigen seine Aufnahme in das Repertoire des Theatervereins, dem es doch auch darum zu thun ist, ferne Mitglieder mit solchen dramatischen Erscheinungen bekannt zu machen, von denen heute die Welt redet — nur dazu geeignet, daß der deutsche Geschmack verdorben und von Unberufenen die deutschen Sitten in em falsches Licht gestellt werden, zumal wenn man die Anpassungsfähigkeit der Deutschen in Rücksicht zieht, die ja mitunter leider der Vaterlandslosigkeit nicht gar so fern kommt. Zugegeben sei, daß das Drama in mächtiger Steigerung raffiniert aufgebaut ist. Wenn Brieux, der Sohn eines armen Pariser Kleinhandwerkers, nach diesem offenbar von hohem sittlichen Ernst diktierten Drama ein Stück geschrieben hat unter dem Titel „L’Avarie“, „Der Schadhafte", von dem die französische und deutsche Sensationspresse ausführlich berichtete, in dem er ein Thema behandelt, das eine Zeitung, deren Stolz es ist, daß sie auf dem Familientische gebildeter Bürger liegen bleiben kann, nicht einmal andeuten darf, dann ist das nur, trotz seiner jedenfalls wieder allerbesten Absichten, bedauerlich.
„Die rote Robe" behauptet im Berliner Theater neben der gradezu beispiellosen Zugkraft des Lustspieles „Alt-Heidelberg", das wir ja demnächst auch kennen lernen sollen, ihre Anziehung. Sie ist selbst als robustes Theaterstück nicht fehlerfrei; diese Robe schlottert um ein Gerippe von Handlung, das an individueller Schwäche leidet. Aber an ihrer Oberfläche, in den Falten liegen allerhand Fragen des öffentlichen Lebens, die, ins Publikum herabgeglitten, Erregung heroorufen müssen. Das ist einer jener merkwürdigen Zusammenhänge von Bühne und Welt, die für die Kunst wenig Belang, aber kulturgeschichtlich ihre ernste Bedeutimg haben.
Auch bei uns errang „Die rote Robe" einen bedeutenden politisch-sozialen Erfolg von ethischem Charakter — keinen ästhetischen Nach Berlin war zur Erst - Aufführung Herr Brieux selber von seiner herrlichen Villa „Blanchette", so benannt nach einem seiner erfolgreichsten Stücke, in St. Raffael am Mittelländischen Meere geeilt, um der ersten deutschen Panette, der Frau Hedwig Niemann-Rabe, galant die Hand zu küssen. Bei uns war zum Theateroereinsabend eines der hervorragendsten Mitglieder des Frankfurter Schauspielhauses, Herr Edgar Bolz, erschienen, um den ehren
werten Untersuchungsrichter Mouzon auf die Beine zu stellen Herr Bolz gab diese Zierde her französischen Justiz mit geradezu erschrecklicher Glaubwürdigkeit. Die Verhorszener waren unantastbare Meisterstücke darstellerischer Kunst. Man weiß nicht, was man mehr zu rühmen hat, die verblüffend« Naturechtheit seines ganzen Gehabes, seine fabelhafte dialektische Sicherheit oder seine tadellose Gewandtheit. Füi einen deutschen Untersuchungsrichter wäre er ja zweifellos zv lebhaft, zu heftig und hitzig gewesen; dem Südfranzosen aber stand dieses mitreißende Temperament sehr wohl an. Wei dem Autor wohl die Möglichkeit abstritte, daß es irgendwc in der Welt einen solchen Richter giebt, vor Herrn Bolz müßt» er die Waffen strecken; denn dieser Monzon war das Leber selbst. Aber auch unsere heimischen Künstler leisteten rech: Gutes, vor allem Herr Gerlach als der angebliche Mörder, der durch sein vortreffliches Spiel tief ergriffen hätte, wenn dazu nicht zu viel Unnatur in der Zuspitzung der Konflikt» steckte. Indem er weises Maß übte, ward er um so eindrucksvoller. Die Rolle der Panette hat drei dankbar» Register: Trotz, Demut und Leidenschaft. Jede Künstlerin, die über diese drei Register verfügt, wird die baskische Bäuerin dem Publikum zu Dank spielen. Im übrigen ist diese Figur vom Verfasser allzu deutlich auf das bereitliegende Dolchmesser zugespitzt, um lebensecht zu sein. Frl. Hohenfels hatte das elementare Naturweib mit Verständnis durchgear- beitet. Aus einer tief aufgewühlten Seele, aus einem leidenschaftlich bewegten Gemüte gestaltete sie ihre Panette. Das war eine echte, durch eine kurze und bewegte Pariser Zeit vielleicht gar zu wenig polierte Bäuerin, eine von dunklem Drange geleitete Rächerin und Richterin, von mehr schwerflüssigem, als leicht bewegtem südländischem Blute. Einen Moment, als ihr Gatte nach dem Verhör abgeführt wird, verlor sie den Faden, aber gleich darauf das verzweifelte Ringen mit den Gendarmen, dann der Kampf um die Kinder, die Steigerung der Gemütsauflehnung bis zur Mordthat, das waren lauter Momente von starker Wirkung. Die große französische Bühnenkünstlerin Röjane soll übrigens für diese Partie drei Monate lang auf dem Markte von Bilbao Studien gemacht haben. Frau Jenny vervollständigte in rührender Weise die von ausgesuchtem Unglück verfolgte Baskenfamilie. Herr Ramsener gab den Staatsanwall nicht, wie das sehr nahe lag, als Pathetiker, sondern als einen vergrämten Mann, der sich eine letzte innere Genugthuung bereitet, aber doch mehr als seiner Eckigkeit wegen zurückgesetzter deutscher Beamter als ein Südfranzose, der mit dem Feuer seiner Beredsamkeit fortreißt. Mit dem übrigen Richterpersonal konnte man sich ziemlich einverstanden erklären, bis auf Herrn Sandor, der als Generalprokurator Würde und Haltung und leider auch Sicherheit in Bewegungen und Reden vermissen ließ, und Herrn Woisch, der, ganz gegen seine sonstige Art, völlig aus dem Häuschen zu sein schien und ganz krauses Zeug zusammenredete.
Was einst ein preußischer Richter seinem Sohne ins Album schrieb, das darf sich auch mancher andere hinter die Ohren schreiben:
„Was Du immer kannst, au werden, Arbeit scheue nicht und Wachen; Aber hüte Deine Seele
Vor dem Carriöre-Machen".
Der preußische Richter war — Theodor Storm.
P. Witiko.


