hohen politischen und wirtschaftlichen Bedeutung auf ein freundschaftliches Entgegenkommen Deutsch- lands gerechnet werden könne.
— Der deutsche Kreuzer „Vineta" und das britische Kriegsschiff ,Lndefatigablc" ankern vor Guayra, um mit der Exekutive gegen Venezuela zu beginnen.
— Ter preußische Eisenbahnmini st er beabsichtigt, die Hauptschnellzuglinien mit Beschleunigung zum Ausbau mit verstärktem Oberbaumaterial zu bringen.
Schwerin, 6. Dez. Die Königin Wilhelmina und Prinz Heinrich der Niederlande sind heute vormittag 9 Uhr nach herzlicher Verabschiedung von der Herzogin Maria mittels Sonderzuges nach Schloß Loo abgereist.
Dresden,?. Dez. Zur Verminderung der A r b e i t s - not haben Nat und Stadtverordnete beschlossen, Nvtstands- arbeiten vornehmen zu lassen, unb hierfür einen Betrag von 100000 Mark ausgesetzt.
München, 6. Dez. Wie die „M. N. N." melden, hat sich Staatssekretär Nieberding gestern in der von Professor Dr. Cversbusch geleiteten Universitätsaugenklinik einer Staroperation unterzogen, die einen glücklichen Verlauf hatte.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: „In mehreren Müttern werden irreführende Angaben über die Stellung der verbündeten Regierungen zur Frage der Handelsverträge, über bereits schwebende HandelSvertragSver- Handlungen mit anderen Staaten und endlich über eine „neue Militärvorlage" als „Wahlparole verbreitet. Alle diese Behauptungen, deren Absicht leicht zu durchschauen 'ist, sind auS der Luft gegriffen."
Heer und Flotte.
Aufsätze über Seewesen für unsere Volks- Lchu lle s e bü che-r hat das Präsidium deS Deutschen »FlottenvereinS in einem kleinen Heft zusammengestellt, daS von der Geschäftsstelle deS Vereins, Berlin NW. 7, Dvro- 'theenstraßc 4211, an die Herausgeber und Verleger von Dolksschullefebüchern, vor allem aber auch an Lehrer, auf »Verlangen unentgeltlich abgegeben wird, solange der Vorrat reicht. Dieser ist allerdings nur noch ein beschrankter, da die infolge der neuen Rechtschreibung notwendig 'gewordene Umarbeitung der Volksschullesebücher bereits einen beträchtlichen Teil der Auflage diese« Diichleins beansprucht hat. Tic Themata der Aufsätze sind: Deutscher Heldenmut zur See lDer Untergang des KaivonenbooteSi ,^JltiS", „Die letzte Fahrt des Leutnants z. S. Herzogs Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg, Deutsche Helden vor den Taku-Forts), Ein deutscher Seedampfcr, Ein deutsches ^Kriegsschiff, Eine Schiffswerft, Ter Stapellauf eines Kriegs- schiffes, DaS RetffrngSwescn an den deutschen Küsten, Der Deutsche KricgShafen Kiel, Der deutsche .KriegShafen Wil- HelmShaven, Tic Bedeutung des Kaiser Wilhelm-Kanals, Unser Kaiser und die Flotte, Warum bedarf Teuffchland einer Seemacht?
Ausland.
Wien, 7. Dezember. Die Neuwahlen zur Kammer werden im April stattfinden. Die Regierung wird daS Vereins- und VcrsammlungSrecht nicht beschränken, aber gegen jeden Versuch, die Ruhe zu stören, energisch auf- treten.
Rom, 7. Dez. In der Kammer fand gestern eine Debatte über das bevorstehende Duell der französischen und italienischen Fechtmeister statt. Ein Abgeordneter verlangte ein gerichtliches Verfahren gegen die Duellanten und deren Zeugen. Der Justizministcr erklärte, das Gesetz werde streng gehandhabt werden. Es wurde die Frage aufgeworfen, den Staatsanwalt sofort eingreifen zu lassen. Unter diesen Umständen ist es zweifelhaft, ob das Duell auf italienischem Boden stattfinden wird.
Brüssel, 6. Dez. General Delarep erklärte vor seiner Abreise, er habe, bisher seitens der englischen Regierung kein Wort deS Dankes für die Freilassung deö Generals Methuen vernommen, die seinerzeit so .große Befriedigung hervorgerufen habe. Ter General erklärte ferner, daß die Durenflagge nur mehr weiß und schwär zsei, weiß wegen des Krieges und schwarz wegen der Trauer, worauf ein Anwesender sagte, man werde auch eine dritte Farbe hinzufügcn können, nämlich die Grüne der Hoffnung. Delarep antwortete hierauf nicht?.
Parlamentarisches.
An die Zweite Kammer der Stände ist em Antrag deS Abg. Haas (Darmstadt) und 44 Genoßen gelangt, in dem gefordert wird, die Kammer wolle eine Re- viston der land ständischen Geschäftsordnung vom 17. Juli 1874 beschließen und zu diesem Zwecke einen Sonderausschuß wählen. — Abg. Dr. Frenap und Gc- nosien beantragen, die Kammer wolle Großh. Regierung ersuchen, mit aller möglichen Energie dahin zu wirken, daß endlich den durch die übermäßigen, stets wiederkehrenden Einquartierung S la st en geschädigten Gemeinden in der Umgegend von Mainz eine Entschädigung gewährt wird oder durch Errichtung von Baracken die EinquarticrungSlasten genommen werden. — Ein Antrag der Abqq. Molthan und Genoffen lautet: Hohe Kammer wolle Großherzogliche Regierung ersuchen, angesichts der fortwährenden Zunahme trügerischer Ausverkäufe die Beamten der Staatsanwaltschaft und die Polizeibehörden dahin zu verständigen, daß die Veranstaltungen solcher trügerischcrAuSverkäuse nicht nur den einzelnen Mitbewerber, sondern große Gruppen von Gewerbetreibenden und vielfach auch daS Publikum schädigen und deshalb im öffentlichen Interestc von AmtSwegen zu verfolgen und zur Anzeige zu bringen sind.
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 8. Dezember 1902.
•* Hofnachrichten. Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog emvsingen am 6. Dezember u. a. den Landgerichtspräsidenten Kullmann von Gießen, den Lehrer Rückert von Großen -Vuseck und den Vorsteher der Präparanden - anstatt in Lich Wagner.
- Auszeichnungen. Se. Kgl. H. der Großherzog haben Allergnädiqst geruht, am 19. November dS. Zs. dem UebergangSstelleverwalter Johann Peter Hörr I. zu Heb- stahl auS Anlaß seines Ausscheidens au« dem Dienst da? Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift .Für treue Dienste^ zu verleihen.
— Der Bauer'sche Gesangverein beging am arteigen Sonntage seinen L ieder-Abend in SteinS Saalbau und zwar, rote rotr gleich hinzufügen wollen, mtt besten Ge-
fingen. Das Programm war ein sehr reichhaltiges, gut gewählt, enthielt zwar nicht viel Neues, dafür aber prächtige, erprobte Chöre aus dem Gebiete des Volks- und Kunstliedes. Gesungen wurde, wie wir dieses bei dem geschätzten Verein gewohnt sind, ausgezeichnet. Tadellose Einsätze, gehauchtes Piano, ausgeglichenes Crescendo und Decrescendo sind geradezu als Spezialitäten dieser Sänger unter Pol sterS energischer Leitung, zu bezeichnen. Ehrlich war deshalb auch der Beifall des zahlreich erschienenen Publikums, hin und wieder so stürmisch, daß mir eine Zugabe auswendig gesungen wurde, die Wellen glätten konnte.
•* Kirchen-Konzert am Mittwoch den 10. Dezember mit Hauptprobe am 9. Dezember. Wir machen hiermit unsere Leser noch einmal auf das Konzert in der Stadtkirche aufmerksam. Die Hauptprobe am Dienstag wird zu dem bescheidenen Preise von 1 Mk. geboten, aber auch der Eintrittspreis für Mittwoch ist im Hinblick auf die Bedeutung des Werkes, seiner Mitwirkenden und vor allen Dingen der großen Kosten halber als überaus mäßig zu bezeichnen. Im Anschluß hieran müßen wir des wunderlichen, uns nicht vereinzelt gemachten Einwurfes erwähnen — „Ich habe das Werk schon gehört*. — Als ob man das BrahmS'sche Requiem nicht wiederholt hören könnte, hören müßte, um auch nur einen Teil der unvergleichlichen Schönheiten, die das grandiose Werk bei jeder Wiederholung uns von neuem offenbart, zu verstehen und zu genießen. Kretz sch mar sagt in seiner ausgezeichneten Besprechung (im Konzertführer) ganz zutreffend, daß BrahmS feinem Werk, gegenüber geschichtlich strengem Urteil, zu Unrecht den Tttel Requiem giebt, DaS Requiem ist eine Totenmesse, BrahmS bricht aber vollständig mit der Form und dem Inhalt der Meffe, nichts erinnert mehr an ihre Zeremonien und Dogmen. DaS katholische Totenamt ist eine Fürbitte für die Ruhe der Toten, das Requiem, wie es Brahms gestaltet hat, gleicht einer Predigt.
— Der gestrige Sonntag, den man in der Welt der Weihnachtsgeschenk-Verkäufer als den kupfernen bezeichnet, ließ noch viel von dem üblichen Zustrom Kauflustiger auS der Nachbarschaft vermißen. Die strenge Kälte hielt viele auswärtige Käufer noch fern und die Einheimischen beschränkten sich vorläufig anf das Beschauen der Auslagen. Besonders am Abend, als die Ladeninhaber „ihr Licht leuchten ließen", war die Ansammlung mehr oder minder wählerisch Veranlagter vor den Schaufenstern groß; sie gab auch zu Betrachtungen darüber Anlaß, ob das von den Ladeninhabern begehrte Offenhalten der Schaufenster an den Sonntagen überhaupt zu gestatten sei. In vielen größeren Städten Preußens dürfen von jeher die Auslagen an den Sonntagen sogar bis in die Nacht hinein offen gehalten werden.. Das Straßenbild ist infolgedeffen ein entschieden freundlicheres und veranlaßt viele Fremde, ihren Aufenthalt in der Stadt um mehrere Stunden zu verlängern, sicherlich nicht zum Schaden der Geschäftsleute, besonders der Gastwirte. Trotzdem die Polizei gestattet hatte, die Verkaufszeit bis abends 10 Uhr auszudehnen, traten punkt 7 Uhr die Rollläden nach unten in Thätigkeit. Sogar die auf möglichst lange Verkaufszeit bedachten Cigarrenhändler schloffen ihre Zelte. Andere Ladeninhaber, besonders viele Metzger, machten schon um 3 Uhr Ladenschluß. — An Unterhaltung und Vergnügen bot der gestrige Sonntag wenig, wenn man von der Tanzmusik auf der Liebigshöhe und der von der Gesellschaft Germania in der Stadt Lich veranstalteten absieht. — Der Bauer sche Gesangverein gab ein gut besuchtes Konzert in Steins Garten; über dasselbe berichten wir an anderer Stelle. — Die Eisbahn war verhältnismäßig schwach besucht, der eisige Nordost psiff auch zu scharf über die Fläche und um die Nasen und Ohren der Schlittschuhläufer. Wenn die Kälte noch anhält, wird auch die Lahn in ihrer ganzen Breite erstarren; Versuche auf ihre Tragfähigkeit wurden schon von waghalsigen Buben gemacht. Die W i e s e ck ist oberhalb der Stadt ganz zugefroren, zur Freude der sich in Scharen darauf tummelnden Wiesccker Jugend.
— Ein Menschenauflauf. Am SamStag Abend kam eS auf dem SelterSweg zu einer kleinen Rauferei. Ein anscheinend betrunkener Arbeiter entwand dem dortigen Kastanien- oerfäufer einige Kastanien. Letzterer erzürnt darüber, bearbeitete den Dieb mit feinen Händen derart, daß die Paffanten stehen blieben unb dem Vorfall zusahen, bis der Uebelthäter arg zugerichtet sich zurückzog.
** Ein Todes stürz. In der Nacht von Freitag auf SamStag stürzte sich in der medizinischen Klinik ein Mann, anscheinend in einem Anfall von Geistesstörung, aus dem zweiten Stock zum Fenster hinaus, wobei er sich einen Schädelbruch zuzog. Den durch den Sturz verursachten Verletzungen ist er bereits erlegen.
** Statstik über da? VolkSfchulwef en im Kreise Gießen im Schuljahre 1902. Die Schülerzahl des Kreises beträgt 11614, davon entfallen auf die Stadt 2130, aufs Land 9484 Schüler; nach dem Geschlecht sind 5870 Mädchen unb 5744 Knaben; nach ber Religion gehören runb 11 200 ber evangelischen, 200 ber katholischen, 180 ber israelitischen unb etwa 30 einer anberen Konfession an. Im Ganzen sind im Kreis 196 Schulsiellen vorhanben, bauen 44 in Gießen unb 152 auf bem Laub. Auf einen Lehrer kommen in der Stadt Gießen runb 50, in ben Landorten 63 Schüler. Von den Schulen sind 39 einklassig, 22 zweiklassig, 7 dreiklassig, 7 vierklassig, die übrigen mehr als vierklassig. lieber 100 Schüler hat nur eine Klaffe, über 90 — 7 Klaffen, über 80 — 16 Klaffen. Im Vergleich mit 1901 hat die Zahl der Schüler um 205 zugenommen, die Zahl der Schulstellen unb Lehrkräfte um fünf. 1901 gab eS noch 4 Schulen mit Über 100 unb 3 mit über 90 Schüler. Als Kuriosum muß erwähnt werben, daß eine Schulstelle an einer zweiklassigen Schule infolge steter Abnahme der Schülerzahl einging, sodaß die Schule wieder einklassig wurde. Die Schülerzahl hat in der Stadt Gießen bedeutend zugenommen, ist aber auf dem Land zurückgegangen. Die Zahl der Fortbildungsschule,: betrug im vorigen Wmter 1712, davon waren 1682 evangelischer, 13 katholischer und 17 israelitischer Religion. Ein Jahr vorher waren eS runb 1750 Fortbildungsschüler.
** DaS Ende deS schwarzen Mantels. Der Kaiser hat bestimmt, daß vom 1. April 1903 ab schwarze Paletots von Offizieren und Beamten der Militärverwaltung nicht «ehr getragen werden dürfen. Bisher war eS den
Offizieren gestattet, die älteren schwarzen Mäntel neben ben neuen grauen cmfzutragen; das bürste nun in ben meisten Fällen geschehen fein.
]r. Grün berg, 7. Dezember. Gestern abenb brach in der Wohnung deS Sattlers und MöbelhänblerS Louis Breiter, Lonborierstraße, Feuer aus. Die alSbalb auf ber Brandstelle erschienenen Feuerwehr fand den Brand schoy soweit gelöscht vor, daß sie die Svritzen nicht mehr in Thätigkeit setzte. Der mehrere hundert Mark betraijenbe Schaben ist durch Versicherung gebeckt.
. + Grünberg, 7. Dez. Gegen die Wahl deS Sinti, semitcn Hirichel-Offenbach als LandtagSabgeordneter für ben Wahlkreis Grünbcrg-Lonbors-Allendorf haben die Rasional. liberalen Berufung eingelegt, da durch Reuther nnb anbete Agitatoren in den Orten Atzenhain, Merlau, Groß-Eichen unb WcikartShain unerlaubte Agitationsmittel, wie Freigetränk urb andere verwerfliche Machinationen angewandt worben sein sollen. In einzelnen Orten soll die Wahlbeeinfluffung sehr stark gewesen fein. Man hofft deshalb auf sicheren Er. folg der Reklamation. Die Niederlage hatten damals blc Nationalliberalen nur durch daS Zögern bei Aufstellung ihres Kandidaten selbst verschuldet. Da Moll gegen Hirschel nur mit einer Stimme unterlag, so dürfte der cvent. neue Wahlkampf ein sehr scharfer werden.
Offenbach, 7. Dez. Aus der Lokalbahn trug sich gestern nachmittag ein bedauerliches Unglück zu. Der in Offenbach stationierte Schaffner Burkhardt hatte in Ober- rab kurz vor Abgang des Zuges die Koupierzange verloren, wollte sich schnell danach bücken unb glitt dabei auS, sodaß ihm der Zug, der sich bereits in Bewegung gesetzt hatte, über die rechte Hand ging.
Mainz, 7. Dez. St. Nikolaustag ist heute, der gttxr in unserer Gegend nicht solche Bedeutung hat, wie in Süd- deutschland, aber doch iu den Familien immerhin viel dazu benutzt wird, die Kinder am Vorabend zu erschrecken. Daß das am Nikolaustage ebenso verwerflich ist, wie sonst, liegt auf ber Hand. Es sei, so schreibt der „TL Anz.", aber bet dieser Gelegenheit an daS traurige Unglück erinnert, baS sich im Vorjahre in Ludwigshafen ereignete. Dort huldigte eine Bäckersfrau (Fenchel) ebenfalls der verwerflichen ErziehunqS- methode, ihr vierjähriges Söhnchen durch den Knecht Ruo- precht, den sie selbst darstellte, einzuschüchtern. DaS mi- glückliche Kind wurde dermaßen von Schrecken ergriffen, daß es augenblicklich an Herzschlag verschied. Da; Drohen mit dem „Volizcimann", dem „SBauroau* oder auch dem „schwarzen Mann" und dergleichen Schauergestalten ist überhaupt eine der rohesten Erziehungsfünden, die der Un- verstand deS Bangemachens reifen konnte. Diese Methode stellt den Eltern daS elendeste Zeugnis auS; beim mit derartigen Drohungen gestehen gedankenlose Mütter unb Kinber- mäbchen :c. selber ein, baß bic Autorität deS angerufenen SchreckensgcfpensteS ihre eigene überragt. Gespenstererfchet- nungen sinb unb bleiben die allererbärmlichsten unb dabei auch allergefährlichsten Mahnungen an Kinder zu besonders artigem Betragen.
Frankfurt a. M., 7. Dez. Der Bund deutscher NahrungSmittel-Fabrikantcn und -Händler faßte auf seiner heute hier abgehaltenen JahreS-Dersamm/My folgende Beschlüffe: ES soll in einer mit Gründen versehenen Eingabe beim Reichskanzler beantragt werden, daß die technischen Materialien zur Begründung gesetzgeberischer Maßnahmen auf dem Gebiete der NahrungS- unb Genußmittel, bevor sie als Grunblage ber Gesetzgebung verwanbt werden, veröffentlicht unb ben berufenen Vertretern ber beteiligten Kreise zur Begutachtung vorgelegt werben. — Es sollen neben den Gerichtschemikern, auf deren Gutachten eine Anklage erhoben wird, auch andere Sachverständige zugezogen werden. Der Bund beauftragt einen Ausschuß mit der Ausarbeitung eines NahrungSmittelbucheS und wünscht Beseitigung bei fliegenden Gerichtsstandes. DaS Reichsamt deS Innern soll ersucht werden, dahin zu wirken, daß ber NahrungSmittel- Fabrikant nur am Orte seiner gewerblichen Nieberlaffung vor Gericht gestellt wirb.
Frankfurt, 6. Dez. Heute Vormittag wurde m einem Garten Hause in Sachsenhausen ber 70jahrige Tag- löhner Martin Nehr auS Stockstadt erfroren aufgefunben.
Landwirtschaft.
Gießen, 6. Ttfr. Uns wird geschrieben: Genossenschaftlicher Verkauf des geernteten Getreides bürgert sich in Süddeutschland, auch in Baden immer mehr ein. Man muß sich aber entschließen, Getreidelagerhäuser Ui bauen, da, wie die Erfahrung gelcbtt hat, die Ablieferung nicht immer so sorgfältig erfolgt und in einem Orte eine gleiche, kaufmannsgute Ware selten vorhanden ist, und weiter, weil die Landwirte int Herbst oder sofort nach ber Ernte verkaufen muffen, während der Konsument, Bierbrauer, Mälzer, Müller, nur auf Lieferung kauft, die sich auf rin halb'-? Zohr und mehr erstrecken kann. Der GenosscnschaftSverband muß daher die Ware abnehmen und einlagern. Zu diesem Zwnft in allen Gegenden Lagerhäuser zu bauen, wird nicht mösi- lich sein, da der Anbau des Getreides nicht überall Hauptrolle im landwirtschaftlichen Betriebe spielt. In bfl IRljeinebene z. B. kommt nach dem Bericht deS babi'ÄW GenossenschastSverbandeS nur Gerste und etwas Roggen in Betracht, die meist gut gereinigt sind. Für diese Fälle werden durch den Verband rn Mannheim, Karlsruhe, Kehl. Freiburg, Basel, vorhandene Getreidespeicher gepachtet werden. — Baden braucht keine Lagerhäuser zu erbauen wie Norddeutschkand. die einige hunderttausend Mark kosten. Er baut vielmehr Lagerhäus-r mit Gleisanschluß die sich mit 20—35 000 Mark herst-llen kaffen. Tas C*e* treidelagerhauS in Schefllenz. im Betriebe befindlich ist 25 Meter lang und 12 Meter breit, wurde gant auS 5wlz aufgeführt und best-ht aus einem unteren Stock für Ein- und Ausladen, vorübergehende Lagerung in Säcken, Lagerung für Düngemittel imh Futtermittel: einem weiten Stock, der als Schüttboden benutzt wird, sowie einem Tachaufbau wr Unterbringung der Reinigungsanlage. — Die Ma'chinen bestehen ait? der Reinigungsanlage, über die sämtliches Getreide geben muß, Trieure rur Herstellung von Saatgetreide, einer Schrotmühle auf welcher aller Abfall geschroten und so von den Mitgliedern ;urückgenommen werden muß, damit auck sicher olle Unkrautsamen vertilgt lind. Es können 30—40 Baggon gleich sechs bi? achttausend Zentner in einem Getreidelagerhaus untergebrachl werd«.


