Ausgabe 
8.12.1902 Zweites Blatt
 
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Erscheint täglich außer SonnlagS.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche be,gelegt.

Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'ichen Unlvers.-Buch- u. Stein- bruderei (Pielich Erben) Siedaktion, Erveditwa und Druckerei:

Schul st raße 7.

kldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

^rnsprkchontchliißNr.dl.

Zweites Blatt. 152. Jahrgang Montag li.Dczemier I»»S

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General-Anzeiger ö ** .sszjisw v den poltt. u. allgem. Teil

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW

V zeigenteil: HanS Beck.

Die heutige Mummer umfaßt 12 Seiten.

Traurrfeier für Krupp.

In den verschiedenen Etablissements der Firma Krupp Mafien am gestrigen Sonntag gewaltige, erbebende Trauer- Zierlichkeiten für den so jäh aus dem Leben geschiedenen Chef des Hauses stattaefunden. Uns liegen darüber fol­gende Berichte des Wolftschen Bureaus vor:

Essen, 7. Dez. Heute mittag wurde im Schmelzbau fer Krupp'schen Gußstahlfabrik, der ältesten der gesamten Anlage, von den Werkangehörtgen eine große Trauerfeier für Krupp veranstaltet. Auch an die hiesigen Behörden und Nvrvorationen waren Einladungen ergangen. Wohl 25 000 Personen füllten den gewaltigen, würdigen Trauerschmuck tragenden Raum. Nach dem Deethoven'schen Trauer- nnarsch, gespielt von der Kapelle des 159. Infanterieregi­ments in Mülheim, und eines Gesangsvortrages der ber­einigten Krupp'schen Männergesangvereine ergriff v. Schütz, ein Angestellter der Firma, das Wort zu einer tief er» greifenden Gedächtnisrede, die ein Lebensbild des Ver­ewigten gab und zeigte, wie dieser sein ganzes Leben lang fiets seinem und seines Vaters Wahlspruch getreu blieb: b-er Zweck der Arbeit soll daS Gemeinwohl sein. Redner berührte kurz die Verleumdungen, die in der letzten Zeit gegen Krupp erhoben waren und schloß Mit der Auftor- kierung an die Anwesenden. daS Andenken deS Verstör» bsenen rein zu erhalten. Mit weiteren Musik- itnb Ge- ingsvorträgen nahm die ernste Feierlichkeit ihren 916» <hluß. Tie Versammlung sandte an den Kaiser folgen- »?S Telegramm:(Sucre Majestät bitten mehr als 20000 ^rupp'sche Beamte und Arbeiter, welche zur Feier des Ge­dächtnisses ihres teueren, unvergeßlichen Herrn in der ältesten Halle der Fabrik versammelt sind, Allerhöchst sahnen den Ausdruck der tiefsten Dankbarkeit und das Ge- l^bnis unwandelbarer Treue zu Füßen legen zu dürfen. Gmerer Majestät geben wir das heiligste Versprechen, daß wir das Andenken des Verstorbenen in unserem Herzen rein erhalten und in seinem «Sinne für das Gedeihen seiner Oerie weiter arbeiten werden." An Frau Margarethe Krupp wurde telegraphiert:Hochverehrte gnädige Frau? Mehr als 20000 Angehörige der Gußstahlfabrik sind heute in einer Gedächtnisfeier für Ihren unvergeßlichen Herrn tz-iemahl versammelt. Mr sprechen aufs neue aus, wie t ief mir mit Ihnen und Ihren Kindern den Verlust unseres Szerrn Krupv, dem wir unendliche Verehrung bewahren, b. klagen. Wir bitten Sie, die Versicherung unserer utter» Mütterlichen Treue entgegenzunehmen."

Bochum, 7. Tez. Heute mittag veranstalteten bte Belegschaften der Krupp'schen Zechen Hannibal I unb II unnb Hannover I unb II in dem schwarzdrapierten Berg- mannschen Saale zu Hofstedt eine Trauerfeier, in welcher am ben Kaiser und Frau Krupp Telegramme abge- s.mdt wurden^, Tas Telegramm an den Kaiser hat folgenden Dortlaut:Euerer Majestät bringen bte am heutigen Aage zu ein^r Gebächtnisfeier für ihren verewigten hoch­verehrten Ehef Herrn Krupp versammelten Belegschaften der Zechen Hannover und Hannibal ihre ehrerbietigste Hul­digung dar. Tief empört über die von ruchloser Seite Mgen' unseren allzeit gütigen Ehef auSgestreuten Ver- Imitnbungen. wissen wir Euerer Maiestät unterthänigst Tank nr das thatkräftige Eintreten für die Ehre und den makel- lassen Namen des Heimgegangenen. Ter Beweis der kaiser- l chen Huld begeistert uns zu dem festen Gelöbnis. Euerer Majestät unb 'dem ganzen ka's-rlichen Hause unverbrüch- I'iche Treue unb Hingebung *n bewahren."

Kiel, 7. Dez. Heute vormittag 11 llfir fand in der §ck>ifssbau6alle ber Germaniawerft eine von ben Be­amten dics'r SB er ft veranftalt^e Trauer- unb Gedächtnis- i'cker für ben verstorbenen Ehef F. A. Krupp statt, bei Äscher ber Marinwberpfarrer Rogge bte Gedächtnisrede $eTt. An den Kaiser unb an Frau Krupp wurden Tele­gramme aba^sandt._____

Velitilckk Taqrsschau.

Tie preußische Fiuaustage.

Wie fast alle deutschen Bundesstaaten, so hat attch Preußen unter der Ungunst ber wirtschaftlichen Verhältnisse stark zu leidw. D-r nächstjährige preuß'sche Haushaltsetat s 'll außerordentlich knapp gehalten werben und außerdem mach die Aufnahme einer neuen Anleihe erforderlich machen <-)n einer anscheinend offiziös inspirierten Korrespondenz trirb darüber ausgeführt:Es kann natürlich nicht auS- Peib-n daß die allgemeine Ungunst der wirtschaftlichen Sage auch diesem Etat den Stempel mtfbrütft. Diese Lage macht es zur Notwendigkeit, auf allen Gebieten Sparsamkeit M üben und mannigfache Wünsche der Ressorts zurückzu­stellen. Andererseits erheischt die regelmäßig eintretenbe unb unvermeidliche Steigerung ber laufenden WuSaaben Befriedigung. Jnsbesonbere war es im Interesse ber Eisen- Lahnverwaltuna wie einer rationellen Finanzwirtschast ge­boten, ben Aufwanb für die Eisenbahnen,nament­lich für bie Beschaffung ber Betriebsmittel, in einer an- xemessenen Höhe zu erhalten, um nicht genötigt zu sein, bei Üeigntber Konjunktur und bemgemäß steigenden Preisen : teie Betriebsmittel unter größerer Belastung ber Staats­kasse später zu beschaffen. Durch Erhaltung den: Aufträge Mf einem annähernd gleichmäßigen Niveau wirb zugleich Mch ber Industrie eine wertvolle Hilfe ge» mährt werden. Do.s charakteristische und zugleich Las ungünstige Resultat verursachende Moment des nächst­jährigen Etats liegt aber darin, baß untre ber gedachten EJngunft ber Verhältnisse bie ihr in erster Linie ausgesetzten staatlichen Betriebsverwaltungen, namentlich bie Eiscnbahn- Vrwaltung und bie Bergverwaltung, erhebliche M in-

bereinnahmen aufweisen. Diese Minbereinnahmen burch eine weitere Herabsetzung bes schon in diesem Jahre reduzierten Extraorbinariums voll zu becken, dürfte nicht möglich sein, und es wird daher wohl auch in Preußen mit einer erheblichen Anleihe zur Balancierung des Etats zu rechnen sein. Zur richtigen Würdigung dieser unerfreulichen Notwendigkeit wird man, abgesehen davon, baß auch in bent Etat für 1903 bie Tilgung von brei Fünftel Prozent bet Staatsschulb, sowie manche bas werbenbe Ver­mögen bes Staates mehrenben Ausgaben vorgesehen sinb, nicht unbeachtet lassen dürfen, daß in den reichen Jahren vor 1900 aus lausenden Einnahmen rund eine halbe Mil- iarde teils direkt zur Schuldentilgung, teils zur außer­ordentlichen Ausstattung der Eisenbahnen verwendet Wer­ren tonnte."

Erhebungen über die Fleischtheuerung.

In einem längeren Artikel ber offiziösenSüdd. ReichSkorr." wirb über bie auf Anordnung bet badischen Regierung vor genommen en Erhebunaen über bie Ursachen >er Fleischteuerung berichtet. Der Artikel kommt zu folgen» >en Ergebnisse:

Faßt man die Ergebnisse ber ganzen Untersuchung kurz zusammen, so zeigt sich, mb in ber That ein Rückgang >es Auftriebs an Schl a chtvieh auf bie Bichmärkte Badens, insbesondere an Rindern und Kühen, sowie an schlachtreifen «Schweinen, im laufenden Jahre gegenüber dem Vorjahre ftattgefunben hat, daß dagegen beim Klein­vieh, namentlich bei den Läufern und Ferkeln, eine ganz erhebliche Zunahme des Austriebs nachzuweisen ist, sodaß ber Abmangel an schlachtreifen Schweinen in kurzer Zeit behoben sein dürfte. Der verminderte Stuf trieb an Vieh hängt zum größten Teil vom Viehstand des Landes ab, bet seit 1899 unb zwar besonders erheblich bei ben «Schweinen zurückgegangen ist. Da bie Fuiterernten ber letzten Jahre in Baden recht günstig ausgefallen sind, so liefern sie keine Erklärung für den Rückgang des Biehstandes, sondern man muß nach eroberen Ursachen dafür suchen. Sie sind zweifellos darin zu finden, baß bie bedeut enden Preis­abschläge für Großvieh unb Schweine, wie sie insbesondere in dem Jahre 1899 konstatiert wurden, den Landwirten die Viehzucht, soweit es sich um «Schlachttiere handelt, nicht mehr rentabel genug erscheinen ließen, sodaß fte trotz des verhältnismäßig reichlichen und billigen Futters ihren Vieh- stand nicht mehr entsprechend ergänzten, beziehungsweise erneuerten. Erst als im letzten Jahre bte Viehpreise be* beutenbet anzogen, zeigte sich sofort eine größere Kau stuft für junge Tiere, insbesondere für Ferkel, und augenschein­lich das Destteben, auch bie Kälber, junge Ochsen unb Rinder thunlichst zurückzuhalten, um möglichst noch höhere Preise zu erzielen. Daher der ausfallend starke Rückgang bes Auf­triebs im letzten Iahte.

Die Zahl der gewerblichen Schlachtungen ist beim Großvieh 1900 sehr erheblich, 1901 etwa in gleichem Um­fange wie die Bevölkerung gestiegen; bei den «Schweinen hat sie stark abgenommen, besonders in den größeren Städten. Diese Verminderung des Schweinesteischronsums dürfte ebenso wie der geringere Auftrieb eine Folge der erheblichen Preiserhöhung für «Schweine sein. Es steht des­halb zu hoffen, daß der Verbrauch wieder steigt, sobald der Auftrieb von «Schweinen entsprechend anwächst und dem­gemäß die Schweinepreise sinken. Da der Preisrück­gang schon eingetreten ist, so darf angenommen werden, baß bie Zahl der Schlachtungen bald wieder auf dem normalen Stand angelangt fein wird. Auch die Laden­preise haben bereits wieder nachgelassen, wenngleich nicht zu verkennen ist, baß bereu Ansteigen unb Sinken nicht nur von ber Zahl ber Schlachtungen unb ben Viehpreisen, son- bem auch noch von anberen lokalen Einflüssen abhängig ist.

Zar Situation im Reichstag.

Die Geschästsorbnungskommission tritt Mittwoch zu­sammen zur Beratung ber Frage, ob ber tlebergang zur Tagesordnung auf Schluß- ober Vertagungsanträge ange- roanbt werben kann. Eine anbere im Verlaufe ber Obstruk- tionskämpfe ihr überwiesene Frage hat bie Kommission bereits entschieben, nämlich, baß ber Reichstag einen einmal gefaßten Beschluß über bie geschäftliche Verhanblung einer Vorlage ober eines Teiles derselben nicht abandern kann. Der Vorsitzende der Geschästsordnungskommistion ist be­kanntlich «Singer. Nunmehr wird gemeldet, daß Vize­präsident Büsing aus ber Kommission ausgeschie- ben sei. Von bem Vorstanb des Reichstags gehört ihr nur noch ber freisinnige Schriftführer Hermes an; bie anberen Mitglieder sind Dr. Hiebet von ben Nationallibe­ralen, Dr. v. Levetzow und Dr. Rettich von ben Konser­vativen, Gamp von ber ReichS'partei, Kirsch, Dr. Pichler, Nembold unb Roer en vom Zentrum, Träger von bet frei­sinnigen Volkspattei unb Werner von ben Antisemiten; der stellvertretenbe Vorsitzende ist Roeren.

Zur britteu Lesuna oes Zolltarifgesetzes liegt ein Antrag Herolb, Dassermann, Surber ff, Limoura-Stirum vor, welcher bereits 200 Unterschriften trägt, bahingehenb, bie Minbestzölle ber Regierungsvorlage wiederherzustellen, aber ben Mindestzoll für Braugerste auf 4 Mk. statt 3 Mk. festzusetzen.

Die Gefährdung deS Aerztestandrs.

Tie eigentümliche Rolle, welche die Sozialdemokratie als Arbeitgeberin ber Aerzte spielt, bilbet ben Gegenstand einer längeren Artikelserie aus ber Feber des Tr. Marttn Ebeling, bie in berDeutschen Arbeitgeber-Zeitung" er­scheint unb bereits zu mehrfachen B?sprechungen in ber Presse Dnleß gegeben hat. Ter Verfasser schließt jetzt seine Ausführungen mit einem Hinweis auf die Gefahren, bie ber Allaemrinheit erwachsen müssen, wenn der Aerzte-

stanb ber sozialdemokratischen Partei mehr unb mehr zw gebrängt wirb. Diesem Zustanb aber, meint Dr. Ebeling, nähern wir uns mit erschreckender Schnelligkeit. Es heißt in bem vorliegenden Artikel:Was nützt ben Aerzten alle Ueberzeuaungstreue, was ihr Widerwille gegen bie sozial­demokratische Weltanschauung, wenn sie in ihrer Thätig- keit, ihrem Verdienst, in der «Sorge um Weib und Kind ganz abhängig sind! Wahrlich, es gehört der ganze «Schatz^ von idealem «Sinn, ben bie deutsche Aerzteschaft in sich' birgt, bazu, baß sie nicht schon weit mehr bet Sozialdemo­kratie entgegengereift ist, als es zurzeit noch, der Fall ist. Tie Zeichen der Zeit sprechen eine beredte, warnende «Sprache. Ist bie Organisation ber sozialistischen Arbeit­geber in ben Kassen gan^ ausgebaut. sinb in den Vorständen derselben bie letzten Widerstände besiegt, bann wirb ber beutsche Aerztestanb seinen Nacken unter baS sozialistische Joch beugen, vielleicht nicht aus Ueberzeugung, aber au9 Hunger, aus Schutzlosigkeit gegen seine Arbeitgeber, bie i hn nur bann beschäftigen, wenn er zu ben ihrigen gehört. Unbegreiflich iffa es, wie wenig VerstänbniS auch in ben Kreisen ber Arbeitgeber bieles Ringen deS Aerzte- stanbes finbet, unb doch, welche lsefahr liegt in seinem Untergang!

Eine Riesen-Finanzaktion.

In der ganzen Geschichte des hohen Finanz- und HanbelswesenS steht vielleicht bie Transaktion in ihrer Größe einzig da, welche am 1. Dezember in ben Londoner Bureau? des Herrn Pierpont Morgan (22, Old Broab Street) stattfand, unb in beten Verlaufe über 10 Millionen Pfund Sterling bie Hände wechselten, indem in ber Dollenbung des großen Atlantischen Trustes dieser Riesenbetrag in Kassa resp. Ehecks an die bisherigen englischen Aktionäre auS- gezahlt wurde. Tie ganze Operation deckte, wie derGer­mania" geschrieben wird, nur die Zahlung von 25 Proz. n Kassa von bem erhöhten Werte ber präsentierten Checks sowie 5 Proz. Zinsen auf ben vollen Betrag derselben seit dem 1. Januar 1901, welche Datum als ber Ausgangspunkt in ben Morganschen Verträgen mit ben englischen Dampfer­linien fixiert wurde. Während der ganzen (Geschäftszeit/ d. h. von 10 bis 4 Uhr, strömten bie glücklichen Aktionäre Männlein unb Weiblein, in ben Offices bes Herrn Morgan aus und ein, und man sah nur zufriedene, sehr zufriedene Gesichter an ben Ausgangspforten. In ber City wirb biefer großartigen Transaktion wie sie noch nie bagewesen ist, um so mehr Bedeutung beigelegt, als es Herrn Morgan thatsächlich ohne «Schwie­rigkeiten gelang, diese umfangreichen Kassazahlungen einen ganzen Monat früher zu machen, als er verpflichtet war, nbem diese vertragsmäßig erst am 31. Dezember 1902 stattzufinben brauchten. Es kamen hierher die Mtionäre der in ben Morgantrust übergegangenen englischen Dampfer­linien in Betracht unb zwar der White «Star Sine, ber Dominion Line, ber Atlantic Transport, ber American Steamship Co. und ber Leylanb Line.

Das neue spanische Regiernngsprogramm.

Das Programm bes neuen Ministeriums ist folgenbes. Die CorteS werden unverzüglich vertagt und später auf­gelöst. Die Neuwahlen finden im April statt. Tie Regie­rung wird bie Gesetze betreffenb das BersarnmlungS- unb Vereinsrecht achten, mit unerbitterlicher «Strenge aber gegen jebe Ruhestörung einschreiten. Die Gemeinde- unb General­räte werben im «Sinne ber Dezentralisation reformiert. Bezüglich ber Finanzen ist Mllaverbes Ziel, bas Gleich­gewicht im Bubget herzu stellen. Die Marine soll reorgani­siert und das «Schiffsmaterial wieder her gestellt werden.

Serbinis zukünftige Politik.

Das soeben veröftentlichte Programm bet neuen Re^ gierung besagt: Tie äußere Dolittk ber Regierung wird ernsthaft bestrebt fein, im wohlverstandenen Interesse Ser­biens mit allen Großmächten und den übrigen Staaten gute und korrekte Beziehungen zu unterhalten. Besondere Sorgfalt werde bie Regierung der Erhaltung unb Fortent­wicklung des bisherigen aufrichttgen Verhältnilles zu dem brüberlichen, Serbien zugeneigten russischen Reiche zu- toenben, ebenso sich bestreben, bie guten Beziehrmgen zu ber österreichisch-ungarischen Monarchie, mit der Serbien durch so viele wesentliche nachbarliche Interessen verbunben Ist, zu psleaen unb immer mehr zu befestigen. In ber inneren Politik werbe bie Regierung auf bem Boden der BerfassmigSmähigkeit und Gesetzlichkeit stehen und ihr Hauptaugenmeri auf bie Erhaltung strenger Ordnung im Laube richten. «Die werde Borkehrungen treffen, damit die erfahrungsgemäß notwendige Revis'vn der Verfassung auf regelmäßigem Wege durchgeführt werbe. Ter Ordnung der Staatsfinanzen werbe die Regierung bie größte Aufmerk­samkeit schenken, burch rationelle «Sparsamkeit bie Staatö- auSgeben zu verringern suchen unb ernstlich dafür sorgen, baß Serbien auch künftig seinen Berbinblichkeiten pünkt­lich nachkomme.

Deutsches Deich.

Berlin, 7. Tez. Ter Kaiser hörte gestern vor­mittag im Reuen Palais von 10 Uhr ab bie Vorträge des Staatssekretärs des ReichSmarineamts und des Chef? des Marineamts. Kaiser Wilhelm hat dem österreichisch-unga­rischen Minister des Auswärtigen Grafen Goluchowski fein photographisches Bildnis in reichem Rahmen mit der eigen­händigen Widmung zur Erinnerung an die Erneuerung des Treibrmbes übersandt. Diese lleberfenbung wird von berN. Fr. Pr." als ein Beweis dafür anxesehen, daß Entscheidung über die Handelsverträge, in Anbetracht ihrer