Ausgabe 
7.11.1902 Erstes Blatt
 
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Nr. 262

OrlAetnt tSgklch auyei 6onmag4.

Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Kamillen* blätter viermal tn der Woche beigelegt.

NoialionSdruck u. Ver­lag bet Brüh l'scheu Unwerf.-Buch- u.Stein- drucksrei (Pietsch Erben) Vtebaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st ratze 7.

Ndiesse tüt Depeschen: Anzeiger (Sieben.

KernlprechansclitiißNr 51.

Erstes Blatt.

152. Jahrgang

Freitag 7. NovemberlSVS

SletzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Bezugspreis, monatlicb7bPs., ptertel* Klich Mk. 2.20; durch ole- u. Zweigstellen monalllch 60 Ps., durch diePost SD(t.2. viertel- läbrl. ausschl. Scflefig. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ßeilenprei». lokal 12 Pf^ a«rSwürtS 20 Pfg.

Verantwortlich, für den pollt u. öligem, fceil. P. Witiko, für »Stadl und Vanb* und .Gerichtssaai" tturt Plato, lÜt den 9ln- jetqenteil; Han« Beck.

KeKanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 deS Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Auf­schlages von Fünf vom Hundert, pro Monat Oktober 1902 für den LieferungSverband Gießen pro 100 Kg. betragen:

Hafer Mk. 16.10, Heu Mk. 7.40, Stroh Mt. 4.20. Gießen, den 7. November 1902.

Grobherzoglicyce- Streisamt Gießen.

Dr. Breidert. j -

KeKanntmachung.

Das Königliche Proviantamt in Hanau giebt bekannt daß dasselbe Weizen, Roggen, Hafer Heu und RogggenstroH gegen Baarzahlung ankauft. Die Liefer­ungen haben frei Magazinhof auf Gefahr des Verkäufers zu erfolgen. Die Getreidearten müssen gesund, trocken, ohne Staub oder Sand, möglichst frei von Besatz und gründlich gereinigt sein. Die Einsendung von ungeschmeichelten Proben von reichlich 1/< Liter, nebst Mitteilung, wann und wteoiel geliefert werden kann, ist erforderlich. Wenn bet großer Entfernung die Lieferung mittelst Landfuhre unmög­lich ist, dann empfiehlt eS sich, daß mehrere Landwirte sich zu einer gemeinsamen Lieferung per Waggon vereinigen und aus ihrer Mitte einen Vertrauensmann (Bevollmächtigten) wählen, der dann mit dem Proviantamt in Verhandlung tritt. Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die Herren Bürgermeister selbst die Sache in die Hand nehmen und sich der kleinen Mühe unterziehen. Den Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch Magazinsäcke zur Verfügung gestellt. Bei Bahnsendungen wird die Bahnfracht verauslagt, sowie die Abfuhr von der Bahn übernommen; letztere kostet 6 Pfg. pro Zentner Weizen, Roggen oder Hafer, und 15 Pfg. pro Zentner Heu oder Stroh. Die Adresse für den Frachtbrief ist: Hanau, Bahn­hof 9iocb.

Auch hat der Ankauf von Hülsenfrüchten und Zwiebeln seitens der Konservenfabrik in Mainz begonnen. Etwaige Angebote sind an die genannte Fabrik oder an das Proviantamt Hanau zu richten.

Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem ge­nannten Amte mündlich wie schriftlich erteilt.

Gießen, den 5. November 1902.

Großherzoglicyes Kreisamt Gießen.

Dr. Breidert.________________

Bekanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der ^umacfung Langsdorf, Kreis Gießen.

Nachdem sich in dem AbstimrmmgStermin vom 6. Aug. £. I. 164 Grundeigentümer mit 334 Hektar 7143.8 Quadrat­meter beteiligter Flüche gegen die rubr. Feldbereinigung erklärt haben, während im ganzen 409 Grundeigentümer mit 722 Hektar 4572 Quadratmeter Fläche an dem Unternehmen beteiligt sind ,hiernach alsv mehr als die nach Art. 6 des Feldbereinigungsgesetzes erforderliche Mehrheit für die rubr. Feldbereinigung vorhanden ist, und nachdem dte innerhalb

der gesetzlichen Frist erhobene Einwendung gegen die Zu­lässigkeit und Rechtsbeständigkeit dieses Ergebnisses als un­begründet abgewiesen worden ist, hat Gooßh.Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe den Beginn der Feldbereinigungsarbeiten angeordnet und den Unterzeichneten zum Bercinigungskommissär ernannt.

Indem ich dies zur öfsentlichen Kenntnis bringe, lade ich in Gemäßheit des Art. 16 des Feldbereinigungsgesetzes vom 28. September 1887 die sämtlichen beteiligten Grund­besitzer zu der e

Donnerstag den 20. November 1902, vormittags 9*/, Uhr,

im Gemeindehause zu Langsdorf stallftndenden Versamm­lung ein.

Diese Versammlung hat:

1. zu bestimmen, wie Die Bereinigungskosten aufgebracht werden sollen, ob durch Ausschlag auf den Flächen­gehalt, oder den Abschällungowert der Grundstücke, oder durch Bildung und Verkauf von Massegrund­stücken, sowie ferner, ob die Beiträge nach Bedürfnis erhoben, oder ob die Kosten durch Kapitalaufnahme aufgebracht werden sollen;

2. die zur Vüllzugsll>mnii,s>on zu berufenden Sachver­ständigen und deren Stellvertreter, sowie ein Mitglied des Schiedsgerichts und dessen Stellvertreter zu wählen.

Außerdem könnest Wünsche und Anträge seitens der Beteiligten vorgebracht und beraten werden.

In dieser Versammlung hat ein jeder anwesende betei­ligte Grundeigentümer eine Stimme; die Beschlüsse erfordern zu ihrer Giltigkeit eine Mehrheit von Zweidritteilen der Anwesenden, und sind unter dieser Voraussetzung auch für die nicht erschienenen Beteiligten verbindlich. Kommen gü­tige Beschlüsse nicht zu stände, so hat:

zu 1. die Vollzugskommission die erforderlichen Be­schlüsse zu fassen,

zu 2. Großherzoglicyes Pcinisterium des Innern, Ab­teilung für. Landwirtschaft, Handel und Gewerbe die Sachverständigen und die Schiedsrichter zu er­nennen.

Friedberg, den 31. Oktober 1902.

Ter Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Spanier,. Kreisamtmann.

Ate ev. slandesjyuode.

Aus Kreisen der evangel. Geistlichkeit Oberhessens wird uns geschrieben:

In der vergangenen Woche tagte zu Darmstadt ba$ Parlament der evang. Landeskirche. Einen ausführlichen Bericht haben wir unjeren Lesern gegeben, an dieser Stelle wollen wir nun an die Beratungen ein kurzes Wort der Betrachtung knüpfen. Neben Verhandlungen über unwich­tige und die breite Oeffentlichkeit weniger interessierende Gegenstände fanden auch solche statt, die in unser kirchliches und religiöses Leben tief einschneiden und für die weitere gedeihliche Entwickelung unserer evang. Landeskirche von größter Bedeutung sind. Dies letztere ist besonders der Fall mit dem her Synode vorgelegten Kirchenbuch, einem bei den öffentlichen Gottesdiensten zu benutzenden liturgischen Handbuch. Bislang ermangelten wir in Hessen eines solchen, wir waren ' auf das in Württemberg gebräuchliche ange­wiesen. Daß dieses ganz außerhalb der geschichtlichen Ent­wickelung der hessischen Landeskirche steht und auf deren

Eigenart und speziellen Bedürfnisse keine Rücksicht nimmt, aber auch sonst Mängel aufzuweisen hat, wurde schon längst unangenehm empfunden. Nun ist ein neues, spezifisch hessisches Kirchenbuch ausgearbeitet, wenigstens der erste Teil davon, der sämtliche Gottesdienste mit Einschluß der Beichte und des Abendmahls umfaßt. Der zweite Teü, in dem die Taufe, Konfirmation, Trauung und Beerdigung zur Darstellung kommen, soll bald folgen. Das Kirchen­buch verdankt seine Entstehung einer Anregung im Jahre 1894 aus der Mitte der Synode heraus. Er'st im Jahre 1898 trat eine Kommission zusammen, die ihre Arbeit nun auf ben Tisch des Hauses legen 'konnte. 33 Mitglieder haben darin gearbeitet, das Hauptoerdiensp aber gebührt dem Geh. Kirchenrat Prof. D Köstlin, Der mit Benutzung der liturgischen Schätze der Vergangenheit, insbesondere der hessischen, und mit Berücksichtigung der konfessionellen Ver­hältnisse des Landes auf rein wissenschaftlicher Grundlage dem Buche seine Gestalt gegeben.

Tas Kirchenbuch ist nicht einheitlich, wenn man es vom einseitigen Standpunkt der Konfession aus betrachtet. Aber es stellt eine kir chliche Einheit dar, der eine lebendige Geist des Evangeliums ist e8, der über der ganzen Arbeit waltet. Und von diesem Gesichts­punkte aus ist es aufs freudigste zu begrüßen, daß in Hessen die einzelnen konfessionellen Richtungen und wissen­schaftlichen Strömungen bei all ihrer besonderen Eigenart sich eins wissen im Dienste der Kirche, sich eins fühlen in dem einen Geiste, der .alles in allen wirkt, und daß, diese Einheit einen herrlichen Ausdruck in dem vorliegenden Kirchenbuch gesunden hat. Wo in einer kirchlichen Ge­meinschaft die verschiedenen Gaben und Kräfte also in einander greifen und mit einander wirken, da fehlts nicht an impulfierendem Leben für die Gegenwart und die Zu­kunft.

Daß gerade in der Gegenwart von verschiedenen Seiten aus das evangelisch-kirckliche Leben stark bedroht ist, daß sich hemmend und lähmend wirkende Einflüsse geltend machen, war aus dem Bericht und der Diskussion über die Verhältnisse und Zustände der ev. Landeskirche in der Periode 1895/99 zu erkennen. Daß aber auch trotzdem auf der ganzen Linie Fortschritte gemacht werden und Ansätze sich bilden, die uns mutig in die Ankunft schauen lassen. Wo die Lebenskräfte des Evangeliums, durch die Reformation wieder frei gemacht, strömen und in ihrer befruchtenden Wirkung sich ergießen können, da schießt neues Leben hervor, da entstehen zeitgemäße Gebilde zum Segen kirchlicher Gemeinschaft. Das Evangelium, frei von steifen und trockenen Lehrsätzen, soll und kann in alle Verhältnisse hineindringen und hier mit der Macht der Liebe und der Kraft des Glaubens die Herzen zu mutigem Bekennen und zu neuen Thaten Anreisen. Wo man vergißt, sich zu be­sinnen auf das reformatorische Zeitalter mit seiner neuen Belebung in .Staat und Kirche, Beruf und Haus, oder wo man nur die Namen jener Gottesstreiter kennt und nennt, aber längst .nicht mehr weiß, daß die Stärke ihrer Kraft und die Macht ihres Wollens und Könnens in dem (Ä>an° gelium lagen, wo man wohl die Früchte ihrer Thaten, die Freiheit des Geistes will, aber nicht das Gebundensein des Gewissens in Gottes Wort, wo man den freien Regungen des Geistes allein alles Überläßt und nur ihnen folgen will, die von Gott eingesetzte Ordnung aber und die orao fierte Kirche verschmähe, da kommen noch hüben und drüben Abschwenkungen vor und das kirchliche Leben leibet not Ta ist's Ausgabe der Kirche, immer und immer wieder

Feuilleton.

Als vorzügliche Jugendschrift bestens empfohlen seiIm ForsthauS Kalkcuhorst, Erzählungen und Schilderungen aus dem lieben nn Bergsorslhauie und im Bergivalde, der deutschen Knaben- rvelt gewidmet von Albert Kleinschmidt." Zweiter Jahrgang. iNeue Folge.) Mit 4 Aquarell- und vielen Textbildern, in Pracht­band Mk. 4. Inhalt: 1. O, rote wunderschön ist die Frühlings- zeit. 2. Sommerleben, Sommerlust. 3. Ach, der Herbst ist da. L Winterszeit, kalte Zeit. (Verlag von Emil Roth in Gießen.) Die jugendlichen Leser, welche den ersten Jahrgang kennen, werden den zweiten mit der gleichen Anteilnahine und dem gleichen Vor- leil lesen wie jenen. Tie Illustrationen sind eigens für das Buch gezeichnet worden. Wir finden da gesunde Lebenskunst, anmutige wlsjensberelcherung und bildende Geistes- und Herzenskost. Turch das Buch weht frische Bergeslust und gesunder Waldesdust; Wahr- beit und Schönheit gehen Hand in Hand. Nichts von spannenden abenteuern und doch spannend, nichts von fremdländischem Gewürz, iber heimaiwurzig; nichts von unglaublichen Heldenthaten, und doch anseuernd zu rechtem Thun und Leben. Die Schrift will die Zugend anleiten, ihre Augen und Ohren in der heimatlichen Flur ju gebrauchen. Aber auch Erwachsene werden dies Buch lieb- jeipinnen, das reiche Anregung darbietet. Um seines reichen, ge­legenen Inhaltes, rote auch nm feiner vorzüglichen Ausstattung Villen sei es aufs wärmste empfohlen.

August Heckelmann, durch feine Vorträge in den Ge- oerbeuetenteit und feine langjährige Thätigkeit als Handelslehrer :md Dozent an der Großh. Hess. Technifchcn Hochschule rühmlichst ttekannt, hat in dem bei Emil Roth in Gießen erschienenen ^.Bürgerlichen Hausbuch" die verdienstliche Ausgabe gelöst, ras wirtschaftliche Getriebe in rechtsgemäßer und kaufmännischer Beleuchtung gemeinverständlich durzustellen. Tas Handbuch bietet eine anziehende und fesselnde Lektüre und hat als Anwalt und Hauslehrer allenthalben beste Aufnahme gesunden. Die aus ter Praxis für die Praxis entnommenen reichen Schätze werden von Handwerkern, Gewerbs-, Privat- und Kaufleuten, von Rent­nern, Lehrern und Studierenden als willkommene und zeitgemäße ßabe begrüßt, zeitgemäß bei den zahlreichen neuen Gesetzen, die in dem geemigten deutschen Vaterlande erlassen worden sind. Tas Inhaltsverzeichnis nennt u. A.: Vom EntivicklungSgang der ver­schiedenen Berufsarten. KaufmännifcheS Wissen und Können.

Wann ein Handwerker zu den Kaufleuten gezählt wird. Das Ge- sellfchafts- und Genossenschaftswesen. Vom Registerwefen. Tie neue soziale Gesetzgebung. Vom Konkursweseli. Von ben Strafen im allgemeinen. Von den Strafen im bejonberen. Tie deutsche Reichsverfafiung. Tie deutsche Gerichtsveriasfung. Von den Ver­trägen. Tas Einkommen. Besitz und Eigentum. Pfandrechte an Grundstücken. Pfandrechte an beweglichen Sachen und Forde­rungen. Was im Zioilprozeß nicht gepfändet werden kann. Tie Verzehrung der Güter. Ter Luxus. Tie Spar- und Versiche­rungsanstalten. Die bürgerliche Ehe. Tas Erbrecht. Was man unter Reichtum versteht. Tas Geld und feine Bedeutung. Die kaufmännlichen Zahlungsmittel. Tas Wechselgefetz. Wie man feine Ersparnisse zinstragend anlegt. Von der Schrift-, Rechnungs- und Buchführung. Ter Bank-Kontokorreutverkehr. Kaufmännisches Rechnen. Triumphe der Arbeit. In Geldsachen hört die Gemüt­lichkeit auf. Anhang: Ter Kalender, mit 12 interessanten Rach- schlage-Registern. Tas Buch kostet geb. nur 2 Mk.

- Bilderbogen für Schule und Haus. Von schönen und verdienstvollen Unternehmen, das die Gesellschaft für ver­vielfältigende Run ft in Wien herausgibt, ist soeben das vierte Hest, enthaltend Bogen 76 100, erschienen. O. Friedrich hat vier Bogen beigefteuert, auf denen u. a. die Zeit derKreuz­züge" und das .Kirchenivefen im Zeitalter der romanischen Künste" geschildert werden E. Haßmann bringt BilderAus der Zeit Heinrichs II. Jafomirgott", aus dem Leben derLandsknechte" und zeigt uns auf einem dritten Bogen dieKostüme im 14. Jahr­hundert". Hans Schwaiger hatAoaren" gezeichnet, M.Lieben- ro e i n auf einem besonders schönen BlattWalter von der V 0 g e l w e i d e". Zwei sehr instruktive Bogen mit modernen Kriegsschiffen und solchen des 18. Jahrhunderts stammen von A. v. Pstiigl und R. Frank. Tie restlichen historischen Tarstellungen (Bilder aus dem Leden der Römer",Karl der Große",Tlari- milian L",Maria von Burgund" undAus der Zeit des dreißig­jährigen Krieges") haben A. Hireiny-Lirschl, I. Urban und H. Lefler, G. Lahoda und A. F. Seligmann gezeichnet. Taran schließen sich geographische Blätter und Bogen mitDarstellungen ans dem Leben des Volkes" von Geller und Ai. Supantschitsch. Ten Schluß bilden zwei BlätterTierleben" (Pferde und Geflügel) von A. Pock und A. Sirnony. Tie angeführten Namen der Zeich­ner bürgen für den hervorragend künfilerifchen Wert der Bilder, sowie der allbegründete Ruf des Verlages für die Güte der Re­produktionen. Die erklärenden Texte auf den Rückseiten stammen aus der Feder berufener Fachgelehrten und Schulmänner. Die

Bilderbogen für Schule uud HauS" kosten tn einzelnen Bogen Ichwarz 10 Pfg., außerdem erscheint eine Volksausgabe (in Um­schlag) zum Preise von 3 Alark. Zu beziehen sind dieBilder­bogen für Schule und HauS" in losen Bogen durch jede Schulbuch- und größere Schreibwaren-Handlung, die Serien-Ausgaben durch jede Buch- und Kunsthandlung.

Stuttgart, 6. Nov. Die erste Aufführung von Bioernson'S DramaAuf Storhove" fand eine bestrittene Ausnahme. Tas Werk blieb dem Publikum größtenteils unverständlich. Tie kom­plizierte Exposition ließ kalt, während der 2. Akt mit feinen stark komifchen Szenen einige Wirkung erzielte. Tie Darstellung. war nur teilweise glücklich.

Aus St. Gallen schreibt man am 3. d.: Gestern gab Agnes 2 0 r in a als Gastrolle die Claire imHuttenbesitzer". DaS Pub­likum überschüttete die Künstlerin mit Beisall.

Die erste Ausführung der Maria Stuart. Im November- hest der MonatsschriftNord und Sud" gibt E. v. Bamberg einige Mitteilungen von Interesse und Wert über die erste Au^ sührung derDiaria Stuart". Am 14. Juni 1800 sand dieRe­präsentation" statt. Sofort jprang in die Augen, wie bedeutend Schillers Ruhm seit Wallenstein gewachsen war. denn aus vielen benachbarten Städten kamen Besucher, selbst Landleute fehlten nicht, die Jenenser Burschen aber zogen in Scharen herbei, und zwar aus Mangel an hinlänglichen Wagen meist zu Fuße. Tas Haus war bis aus den letzten Plag verkauft, und die Wirkung gestaltete sich zu einerim Ganzen außerordentlichen", denn trotz der drückenden Sommerschwüle hielt die Ausmertjamkeit bis zuletzt vor, und wo em Wort zündete, nahmen die Kundgebungen einen enthusiastischen Charakter an. Nur an xroei Stellen wurde eine entgegengesetzte Stimmung laut, bei der Liebeswerbung Mortimers und der Abend» mahlszene. Tort teilte sicheine bis zur Angst getriebene" Auf­regung dem ganzen Zuschauerkreise mit, als ob man dazu ge zwungen werden sollte, einem conutue atnpn violenti beizuwohnen; hier war ein Teil ob der Kühnheit, von der öffentlich nicht das Geringste bekannt geworden war, geradezu sprachlos, cm anderer fah sich in seinen Gefühlen beleidigt oder wenigstens unangenehm berührt, ein dritter dagegen erlebte eine wunderbare Wirkung, um später zu erklären, daß eine ähnliche in der Tragödie nicht erreicht worden sei. Natürlich strahlte der Glan; der Dichtung aus dte Schauspieler zurück, und obwohl bei manchemdie Hindernisse, die sie zu bestreiten hatten", nicht übersetzen werden konnten, fand man Einzelnes über Erwarten gut und Haltung rote Abtönung des Ganzen vortrefflich.