es
•c
Wetter
November
S
N
November
1 1
-8
-
10.5 0C.
1,8“ C.
16.
6.
7.
h Z jO fr#
62
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
politische Tagesschau.
Ter Bayerische Bauernbund
treibt jetzt Zigarren Hand el. ($6 roirö in dieser Hinsicht ein verttauttches Rundschreiben veröffentlicht, das die von
Um Mittag eröffnete Tilly, der Feldherr der Liguisten, die Schlacht, und ehe eine Stunde verging, war der Sieg für die Katholiken entschieden. Die Besiegten hatten die volle Strenge Ferdinands zu empsinden: 27 vornehme Böhmen wurden hingerichtet; die Evangelischen mußten zur katholischen Kirche übertreten oder auswandern; 30 000 Familien wählten das letztere. Die Jesuiten kehrten zurück und König Friedrich wurde als Hochverräter seines Landes verlustig erklärt.
"AkademischeDorträge. Im Lause der Wintermonate werden in der Universitätsaula wieder fünf all- gemeinversttuidlicke Vorträge stattfinden. Die Namen der Vortragenden und Gegenstände der Vorträge sind aus dem Anzeigenteil zu ersehen. In dem ersten Vortrag wird Oberbibliothekar Professor Haupt über „Friedrich den Großen und Voltaire" sprechen. Wie wir hören, soll dabei eine Reihe von bisher unbekannt gebliebenen Briefen Voltaires aus der Zeit seiner Frankfurter Hast im Sommer 1753, die der Vortragende kürzlich in den Handschriften- beständ-n der Universitätsbibliotyek auffand, zur Ausstellung kommen.
** Schulrat L P. Büchner, der erste Kreisschul- inspektor in unserem Kreise, wurde gestern hier beerdigt. Buchner hatte an hiesiger Universität Theologie studiert und war längere Zeit als Geistlicher thätig, bis er 1874 nach Inkrafttreten des neuen Schulgesetzes als einer der ersten KretsjaMinspettoren in den Dienst der Volksschule berufen würbe. Im Jahre 1898 trat er rn den wohlverdienten Ruhestand und zog sich nach EbSdorf zurück, nach»
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 7. "November 1902.
Gedenktage. Am weißen Berge bei Prag kam am 8. November 1620 zu einer Entscheidungsschlacht.
Eisenbahn-Zeitung.
Elektrische Schleppkahn. Wie wir erfahren, plant ein Berliner Finanzkonsortium den Dau einer elettrl- chen Schleppkahn von äßmannshausen bis wie bisher mittelst vorgespannter Pferde, bis oberhalb des Bingerlochs rheinauswärts gezogen werden sollen. Tai Rüd esh eim, durch welche die Schleppdampfer, anstatt Berliner Finanzkonsortiurn soll bereits die Konzession zur Vornahme von Vorarketten haben.
Stundung des Fahrgelds. Von bet den öffentlichen Ao beitsnachweisstellen versuchsweise eingeräumten Vergünstigung dn Fahrgeldstundung für Arbeiter, die nach auswärts mit der Eisen- bahn besördert werden, ist nach den Berichten der preußischen Elsenbahndirektionen bisher von einzelnen Plätzen ein nicht unerheblicher Gebrauch gemacht worden. Unzuträglichkeiten sind nicht beroorgetreten, vielmehr hat sich die Maßregel allgemein bewährt. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten hat sich daher widerruflich damit einverstanden erklärt, daß den Arbeitsnachioeiie- stellen diese Erleichterung beim Bezüge von Eisenbahnsahrkarlen unter den früher festgestellten Voraussetzungen auch weiterhin gewährt wird. Falls sich m Zukunft Anstände ergeben sollten, ist dem Minister zu berichten.
Heer und Flotte.
— Die Ansprache des Kaisers an die Rekruten bei der Vereidigung im Lustgarten zu Berlin hatte nach Mitteilungen eines Berichterstatters, der vornehmlich aus militärischen und antisemttischen Quellen gespeist wird, etwa olgenden Wortlaut:
„Rekruten! Ihr habt mir soeben den Fahneneid geschworen und damit angesichts der glorreichen und ruhmgekrönten Feldzeichen ausgesprochen, daß Ihr treu zu Euerem Kaiser stehen wollt nt allen und jeden Lagen. Hierfür meinen kaiserlichen Tank. Ihr werdet während Eurer Ausbildung manche schwere Stunde über Euch ergehen lassen muffen, denn der Kriegsdienst ist schwer und stellt hohe Anforderungen an Euch. Aber laßt Euch dadurch nicht ansechlen, sondern lhut, was von Euch verlangt wird, was Eure Vorgefetzteii Euch in meinem Namen befehlen werden. Dami werden aus Euch ganze Männer, auf die sich das Vaterland verlassen kann. Jeder thue an feiner Stelle feine Pflicht und lasse sich durch nichts irre machen. Denkt stets an Euren Fahneneid und chüttelt die Versucher von Eilch ab. Vergeßt aber auch Euren Gott nicht, denn durch den Segen des Allerhöchsten ivlrd Euch Euer Dienst leicht und lernt Ihr schwere Stunden überstehen. Schämt Euch nicht des Gebetes, das Euch einst Eure "Mutter gelehrt hat. Wer Golt vertraut, ist noch nie untergegangen, und war die Prüfung auch noch so schwer. Ihr habt mir Treue geschworen, seid aber Euch selbst auch treu. Der Rock, den Ihr tragt, ist mein Rock, und Ehre Dem, der ihn tragen kann. Laßt dies Ehrenkleid aber nicht beschimpfen, denn wer Euch beleidigt, tritt auch mir zu nahe. Haltet aber Frieden mit Jedermann, vergewissert Euch in der Stunde der Anfechtung Eures Eides und zeigt Euch würdig, dem Heere an- zngehören und dem Wohle des Ganzen zu bienen nach dem Vor- bild Eurer Väter. Wer feine Pflicht treu und gewissenhaft erfüllt, der barf meines Dankes versichert sein unb dem wirbs auch wohl gehen, das war immer fchon so. 9lun gehet heim und thut Euren Dienst!"
Höchste Temperatur am 5.-6.
Niedrigste , , 5.—0.
Thomas Memmingen geleitete Geschäftsstelle des Bundes für Franken unb Schwaben an die Obmänner und Mitglieder des Bundes versandt hat. Dasselbe lautet:
,5)ie bekannte Zigarrensabrck E. Reinhardt in Meißen, welche die Vertragsfinna der meisten Eisenbahnbeamten-Vereine Teuljch- lands mit zusammen über 50 000 Mitglieder, sowie die Lieferantin bedeutender Konsum- und Wareneintaufsoereine ist, hat mit uns bezüglich der Lieferung von Zigarren an unsere Mitglieder ein Abkommen getroffen, das nicht nur für unsere Mitglieder, sondern auch für die Kaffe des Bauernbundes große Vorteile bietet. Rach- lehend gestatten mir uns. den Obmännern und Mügliedern die wichtigsten Punkte des Abkommens mit der Bitte zu unterbreiten, von dieser empfehlenswerten Kaufgelegenheit ausgiebigen Gebrauch zu machen. Tie Mitglieder erhalten billige und ausgezeichnete Ware, der Kaffe des Bauernbundes wird eine neue Einnahmequelle eröffnet, die namentlich dann nicht zu unterschätzen ist, wenn alle Obmannschaften gemeinsam den Zigarrenbedarf ausschließlich bei unserer Vertragsfirma decken.*
Es folgt dann em Auszug aus dem Abkommen, in dem es u. a. heißt:
„Tie Zigarrenfabrik E. Reinhardt liefert den Obmannschaften des Bayerischen Bauernbundes in Franken und Schwaben die Zigarren zum nämlichen Engros-Einkausspreis, wie sie der Händler erhält."
Ein zweites Rundschreiben ist an die Obmänner des Bayerischen Bauernbundes in Franken und Schwaben gerichtet:
„Unter Bezugnahme auf unser jüngstes Rundschreiben, unser Abkommen mit der Firma E. Reinhardt, Eigarrensabrik in Meißen, betreffend, teilen wir Ihnen noch Folgendes mit: Um dies für unsere Mitglieder sowie die Kasse des Bauernbundes so viele Vorteile bieteirde Geschäft baldigst in Fluß zu bringen, soll in derselben Weise oorgegangen werden, wie es die vielen Beamten- unb sonstigen großen Vereine bei Einführung der Reinhardl'schen Fabrikate gethan haben: Tie Firma Reinhardt wird den Obmännern zum probeweisen Kistchen-Verkauf an die Mitglieder je 400 Stück Ci- garren von 5 Sorten in der Preislage von 4—7 Pfg. (Ladenpreis 5—9 Pfg.), zusammen 2000 Stück, per Bahn franko zufenden, vorausgesetzt, daß die Herren Obmänner nicht bis zum 10. Mai er. der obengenannten Vertrags-Firma direkt mitteilen, daß sie von dem Bezüge der Cigarren vorläufig absehen wollen. Die Obmänner, die also eine Probesendung von 2000 Stück Cigarren nicht zu haben wünschen, wollen dies auf beiliegender Postkarte der Firma E. Reinhardt in Meißen direkt und zwar sofort oder pätestens bis 15. Mai mitteilen. Wir hoffen jedoch im Interesse unserer Mitglieder sowohl, wie im Interesse der Kaffe des Bauernbundes, daß möglichst alle Herren Obmänner von unserem Abkommen lebhaften Gebrauch machen. Bestellungen unter 500 Stück Inden keine Berücksichtigung, da der Versandt franko erfolgt."
Ein fränkischer Kaufmann schreibt hierzu dem „Würzb. Journal":
„Ich selbst habe ditrch das Eigarrengeschäst Memminger's nachweisbar einen Schaden von ntehreren Hundert Mark erlitten. Wo ich zu meiner Bauernbundskundschaft hmkomme, heißt es: Ja, wir sind auf lange Zeit versehen. Ein Bauernbundsobmann, der (wie viele andere) keine Meißener Cigarren haben wollte, aber das Abbestellen versäumte, erhielt eine Klageandrohung von der Meißener Firma, weil er die unoerlangte Sendung nicht an- nehmen wollte. Memminger schrieb dem Obmann, er möge die Cigarren ruhig annehmen; er (Memminger) wolle den Betrag einstweilen auslegen. Viele schimpfen zwar auf das Meißener Kraut, aber aufgeraucht wird es doch, und den Einheimischen ist das Geschäft gründlich verdorben."
Eine Frau altert frühzeitig, =
ohnedies nötig ist. Dies geschieht unbedingt, wenn sie sich bei dcrWasche mit einem billigen schlechten Waschpulver plagt, das nicht reinigt und ,hr noch nebenbei die Wäsche ruiniert, anstatt bequem zu arbeiten mit Giolh's gemahlener Kernseife mit Salmiak und Terpen- tin, die höchste Wascdkrafl besitzt, und infolgedessen kolossale Arbeiis- erfparnis bringt. Enthält kein Chlor oder den Händen oder der Wäsche schädliche Substanzen. Täglich steigender Absatz beweist allgemeine Beliebtheit und vorzügliche Qualität. Pec Packet UW Fabrikant I. Gioth, Hanau a. SN.
aus die Lebenskräfte des Evangeliums hinruweisen, dem : allein wir die Höhe unserer Kultur, Wissenschaft und Kunst ' zu verdanken haben unb das auch heule noch geeignet ist, ; Leben bildend zu wirken.
Eine der letzten und interessantesten Verhandlungen, ; die zugleich eine längere Diskussion hervorrief, war über 1 die von der Kirchenbehörde ausgearbeiteten „Richt- । Einten für die Mitwirkung der Kirche bei der ' Beerdigung von Selbstmördern". Die katholische Kirche hat ihre feste Ordnung, indem sie ihren Priestern jede Beteiligung bei der Bestattung von Selbstmördern verbietet. Das ist ein Standpunkt, der den Vorteil der Ein- ; heitlichkeit hat. Die evangelische Kirche ist längst der An- ; sicht, daß das allgemeine Verbot oft ungerechte Härten in sich schließt, und es trat eine mildere Praxis auf. Wegen ■ der Schwierigkeit einer allgemeinen einheitlichen Regelung : sind feste Bestimmungen von den evangelischen Ktrchen- behörden bislang noch nicht getroffen worden, diese überließen es vielmehr dem Ermessen der einzelnen Getstlichen, 1 wie sie.es in ihrem Gewissen verantworten könnten. Und so war denn das Verhalten in den einzelnen Fällen außer- 1 ordentlich verschieden. Darum hat sich die Kirchenbehörde ; veranlaßt gesehen, allgemeine „Richtlinien" aufzustellen, damtt wenigstens eine Grundlage gegeben sei, die das Verhalten in den einzelnen Fällen sollten rechtfertigen und die Gewissen entlasten.
Um eine richtige Beurteilung „in diesem Punkte" zu gewinnen, ist's nötig, daß wir zunächst den Selbftmord an sich, losgelöst von allen Ursachen und Verhältnissen, die ihn etwa herbeigeführt, aber auch von allen mildernden oder verschärfenden Umständen, die etwa vorhanden sind, in seiner Wirkung auf die christliche Gemeinde ansehen. Da ist zu konstatieren, daß jeder Selbstmord als ein schmerz- ltcher Schlag empfunden wird, der die ganze Gemeinde in Trauer versetzt, ib'ie schwer darunter leidet, daß durch ein Glied derselben die sittlichen und religiösen Gefühle in alle ergreifender Weise einen gewaltigen Stoß erlitten. Dieses Empsinden ist nur da bei gewaltsamen Eingriffen ins Leben, fehlt aber, wo einer z. B. durch übermäßigen Alkoholgenuß sein Leben eigenmächtig zu Grunde gerichtet. So ist also zwischen beiden Todesarten ein Unterschied zu machen. Ganz etwas anderes ist es, wenn wir die sittliche Qualifikation im Leben unterscheiden. Davon müssen wir aoer bei einer Diskussion Über das kirchliche Begräbnis von Selbstmördern absehen, da die Entscheidung dieser Frage einem ganz anderen Gebiete angehört. Tas durch den Selbstmord notleidende und verletzte Empfinden muß in irgend einer Form bei der Beerdigung einen Ausdruck erhalten. Tie mildeste Form hierfür ist Beibehaltung des vollen kirchlichen Begräbnisses unter Ausschluß jeden äußeren Gepränges, wie Musik, Gesang, Reden dritter am Grabe, Fahnen, Ehrensalven u. bergt mehr. Eine solche Bestattung hat das Oberkonsistorium in seinen „Richtlinien" dem Selbstmörder bei vorhandener geistiger Unzurechnungsfähigkeit, u. E. ganz richtig, zu- erkannt.
Viel schwieriger, das Richtige zu treffen, ist es im Falle geistiger Zurechnungsfähigkeit. — Es giebt freilich Mediziner, diejeden S e l b m 0 r d auf das Konto geistiger Umnachtung setzen, mindestens aber die freie Willensbestimmung als ausgeschlossen erachten. Tas Ende dieser Theorie ist das, daß wir keinem Verbrecher seine Unihat können anrechnen. — Hier ist die Praxis durchaus verschieben, was auch in der Diskussion zum Ausdruck kam. Die Minderheit des Ausschusses beantragte die Versagung des kirchlichen Begräbnisses, eine Forderung, die dem evangelischen Äandpunkt nicht widerspricht. Andere wünschten eine Bestattung nur nach dem Formular, ober nur mit Gebet, zum Teil auch ohne Ornat Mit dieser Handlungsweise können wir uns nicht befreunden. Ten Verkündigern des Evangeliums gehört das freie Wort der Rede, das der Geistliche da, wo er amtiert, auch in richtiger Weise zu gebrauchen hat Vor allem am Grabe mit seinem ausschließlichen Ernste schon ohnehin ist es Aufgabe und Pflicht des evang. Geist- . lichen, den allgemeinen Empfindungen einen richttgen und taktvollen Ausdruck zu geben. Ter ausschließliche Gebrauch des Formulars läßt nach dieser Seite hin eine Befriedigung nicht eintreten. Tarum hat die oberste Kirchenbehörde eine unserem Empfinden nach richtige und durchaus berechtigte Unterscheidung eintreten lassen. Wenn die That der Selbst- entleibung der folgerichttge Abschluß eines offenkundigen Lasterlebens war oder unter besonders frevelhaften Umständen, z. B. um sich den irdischen Folgen eines Verbrechens zu entziehen geschah, will sie die Mitwirkung versagen. Tie kirchliche Bestattung wurde stets zu den kirchlichen Ehren gezählt. Einem, der durch sein Leben und noch gan -besonders durch den Abschluß desselben sich dieser „Ehren" bewußt unwürdig gezeigt, wird die Kirche mit vollstem Recht die Ehre des kirchlichen Begräbnisses versagen müssen, unbekümmert darum, was eine verkehrte Richtung der öffentlichen Meinung, die ein solches Verhalten als un- christlich und rigoros bezeichnet, darüber sagt Auch die Kirche Jat eine Ehre, die sie wahren muß. Ist die That der Selvstentleibung zwar an sich sittlich religiös zu mißbilligen, kommen aber bei ihr mildernde Umstände in Frage, die uns eine gewisse Zurückhaltung im Urteil nahe legen, so soll nach den Richtlinien" der Behörde eine „g e - dämpfte" Beerdigungsfeier stattfinden, d. h. die kirchlichen Ehren werden beschränkt. Ter Ausschuß will dieselbe Praxis auch noch dann in Anwendung gebracht wissen, wenn der Tod nicht unmittelbar eingetreten ist, vielmehr zwischen dem Versuch des Selbstmordes und dem Ende eine aufrichtige Rene über das begangene Verbrechen sich gezeigt hat. Mit dieser in einzelnen Fällen zu handhabenden milderen Praxis erkennen wir uns völlig einverstanden. Es geht nicht gut an, selbst bei den zurechnungsfähigen Selbstmördern keine Unterscheidung zu machen. Wir können nicht Leuten, denen wir im Leben unsere Hochachtung mußten ui teil werden lassen, und die dann in einem Selbstmorde geendet haben, die kirchlichen Ehren versagen, die wir manchem loten oder gleich- giltigen Gliede der Kirche — wir denken nicht an die völlig unwürdigen — freiwillig zuerkennen. Wir wissen nicht, was für finstere Mächte und Gewalten ohne sein Verschulden auf ihn eingewirkt und denen er sich nicht hat entziehen können.
So glauben wir, L>.as Oberkonsistorium hat in seinen Richtlinien das Richtige getroffen, unb wir bedauern, daß sie nicht die Annahme durch die Synode gefunden haben. Jedenfalls wären wir durch sie auf dem in der kirchlichen Praxis so verschiedenartig behandelten Gebiet einen wesent- lichen Schritt weiter gekommen. f
dem er über 20 Jahre zum Wohle der Schule geroinr hatte. Vor einiger Zeit warf ihn ein schweres Leide« aufs Krankenlager. Bei seiner gestrigen Beerdigung gaben ihm außer dem Korps der „Hessen", dem er angehörte, viele Geistliche und Lehrer das letzte Geleit, mehrere Kränze wurden niedergelegt, so u. a- von den Hessen" und der hiesigen Lehrerschaft. Pfarrer Schlosser hielt die Grabrede über Maleachi IL, 5 u. 6. Er schilderte den Verstorbenen als einen Vorgesetzten voller Herzensgüte, Milde und einen Menschen voll christlicher Frömmigkeit.
♦* Vom Submissi 0 nsweien. Ans Mannheim wird gemeldet: Eine charakteristische Blüte des Submissionswesens teilt der offizielle Bericht über die letzte Stadtratsftßung mit. Darnach hat das Hochkauamt auf die Ausschreibungen der Tünck erarbeiten an dem Schulhausbau des Vorortes Käfertyal so niedrige Angebote erhalten, daß das Amt die Arbeit überhaupt nicht vergab, da bei solchen Preisen eine annähernd brauchbare Arbeit nicht erwartet werden könne. Cb bei diesen Angeboten die schlechten Zeiten, die manchen Meister veranlassen, „Arbeit zu kaufen", oder das Vertrauen auf . schlechte Kontrole von Einfluß gewesen ist, darüber läßt sich ein Urteil ohne weiteres nicht abgeben.
s. Ettingshausen, 5. Roo. Auf der hiesigen Dorf- traße gerieten zwei Nachbarn nach dem Verlasien der Witt- chaft in Wortwechsel, worauf der eine, ein Maurermeister St., das Meffer zog und den anderen mit elf Stichen in Rücken und Kopf schwer verletzte, sodaß er zusammenbrach. Es mußte sofort ärztliche Hilfe herbeigeholt werden.
□ Schwalheim (bei Friedberg), 6. Roo. Von hier nach der Kreisstraße Friedberg—Nauheim ist dieser Tage mit dem Ban einer Kreis st raße begonnen worden. Hierdurch erhält unser Dorf die langersehnte direkte Straßen- verbindung mit Friedberg, nach welcher Stadt sich aller Verkehr hinzieht. Seither fühtte nur ein Feldweg nach der ^reisstraße, der bei schlechtem Wetter unpassierbar war. Die neue Straße führt über die Wetter, sodaß auch ein Brückenbau erforderlich ist. Außer unserem Dorfe erhält auch der berühmte „Germaniabrunnen" eine direkte Verbindung mit Friedberg.
ps. Schlitz, 6. Nov. Gestern abend mit dem letzten Personenzuge kam die sterbliche Lülle derGräfinSchlitz hier an, begleitet vom trauernden Gemähte. Außer dem Totenwagen waren noch zwei Extrawagen angehängt, wovon einer vom Kaiser zur Verfügung gesteltt worden war. Tie höchsten gräflichen Beamten hoben den Sarg auf einen mit schwarzen Tüchern ausgeschlagenen Wagen, wobei die zahlreich erschienene Menge in lautloser, feierlicher Stille verharrte, den Schmerz mit allen Trauernden teilend. Tie gräflichen Kinder und das Forstpersonal begleiteten den Totenwagen; die Feuerwehr bildete mit Fackeln teils Spalier, teils schlossen sie ft'ch ebenfalls der Begleitung an. Vor dem Sarge schritten 7 katholische Geistliche im Crnat Glockengeläut wechselte mit feierlichen Chorälen vom Turme und vollendete die ernste Trauerstimmung. Ter Sarg wurde im Schloß Hallenburg zunächst aufgebahrt, und hier für die Angehörigen und Beamten des gcäfl. Hauses ein Trauergottesdienst abgehalten. Später wird der Sarg auf ausdrücklichen Wunsch Der Verstorbenen nochmals in der evang. Kirche aufgebahrt werden. — Rach dem Gottesdienste wollte die alte Gräfin die io jung verstorbene Schwiegertochter noch einmal sehen, wobei sie zusammenbrach. Sie hat den Verlust der Schwiegertochter nicht lange überlebt Heute morgen gegen 8 Uhr ist auch sie verschieben. '2lnna von Görtz, die Mutter dies Grasen, war durch ihre weitgehende Mildthätigkett und große Herzensgüte außerordentlich beliebt. Namentlich bei den ärmeren Klassen wird ihr Scheiden als unersetzlicher Verlust betrauert. Tie Beisetzung der jungen Gräfin, welche für Freitag anberauml war, ist nun bis auf weiteres verschoben. Ter Kaiser hat sehr bedauert, durch seine Reise nach England verhindert, persönlich der Beisetzung seiner ältesten Freundin nicht beiwohnen zu können. Er wird sich durch seinen General- adjutanten vertteten lassen. Ter Großherzog hat sein Erscheinen bei dem Trauerakte zugesagt.
1 Sonnenschein l'tcml). vunma Bew. Himinck
2*
745,5
+ 10,4
5,4
68
S.
9*
745,1
+ 5,4
5,5
82
8E.
7“
743,9
+ 2,0
4,7
89
NE.


