Ausgabe 
7.11.1902 Drittes Blatt
 
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Politische Tagesschau.

Ideen des Grafen Bülow.

Nach der WienerNeuen Freien Pr.* sagte der deutsche Reichskanzler Graf Bülow in einer Unterredung mit einem Reichstagsabgeordneten:

Ich bin fest überzeugt, daß die Obstruktion nicht aur das Ansehen des Parlaments untergräbt, sondern schließ­lich auch die Wirkung haben muß, die Faktoren des parla­mentarischen Mechanismus überhaupt zu lähmen. Wenn man erst mit der Obstruktion einmal angefangen hat, so kommt man aus derselben überhaupt nicht mehr heraus. Eine Ob­struktion gebiert die andere und man muß sich darauf ge­faßt machen, daß die Rechte morgen ein Gesetz verhindern wird, das die Linke wünscht. Wenn die Linke heute den Zolltarif obstruiert, so wird vielleicht morgen die Rechte die Handelsverträge obstruieren. Das Fortwursteln können wir in Deutschland aber nicht brauchen. Gerade die So­zialisten sollten bedenken, daß die Hebung des Loses der arbeitenden Klasse nur auf dem Wege der Evolution und nicht der Revolution zu erreichen ist. Eine Revolution ist in Deutschland nicht möglich. Die Linke mag gegen den Zolltarif reden und stimmen, aber es hat keinen Sinn, das Parlament durch künstliche Mittel daran zu verhindern, daß es seine Entschlüsse fasse, und die Linke nimmt eine große Verantwortung auf sich, wenn sie die Majorität gewaltsam verhindert, chren Willen zu äußern. Eines kann ich sagen: Einen Personenwechsel infolge der Tarifkünste werden Sie nicht erreichen. Den Zolltarifkahn können die Wellen verschlingen, die Schiffer aber werden nicht un­tergehen.

Ein gewaltsames Vorgehen gegen die Opposition ent­spricht nicht den politischen Anschauungen des Reichskanzlers, der der persönlichen Bedeutung mancher Mitglieder der Oppo­sition volle Gerechtigkeit widerfahren läßt. Der Reichskanzler wird auch keine Aenderung der Geschäftsordnung verlangen, um die Obstruktion zu bezwingen; er hat niemals ein Hehl daraus gemacht, daß er kein Gegner von Diäten für die Reichstagsmitglieder ist, wodurch zuweilen vielleicht die Beschlußunfähigkeit des Hauses ver­hindert werden könnte. Den gegenwärtigen Moment hält Bülow aber nicht für geeignet, diese Frage zu lösen. Der Reichskanzler hofft, daß die Linke von selbst die Obstruktion aufgeben werde. Wenn nicht, bleibe es der Majorität über­lassen, die Mittel zur Bewältigung der Obstruktion zu sinden. Von einer Zurückziehung der Vorlage oder Auf­lösung des Reichstags könne keine Rede sein.

Deutsches Reich.

Kiel, 6. Roo. Der Kaiser trat um 10 Uhr 15 Min. an Bord der .Hohenzollern" die Reise nach England an. Das Torpedoboot .Sleipner" und der Kreuzer ^Nymphe" begleiten dieHohenzollern".

Kirche unb Schule.

Der neue Erzbischof von Köln. Aus der Wahl des Kölner Domkapitels ging, wie bereits gestern ein Tele­gramm uns meldete, als erwählter Erzbischof von Köln hervor Tr. Antonius Fischer, Weihbischof von Köln. Dr. Fischer wurde 1840 in Jülich als der Sohn eines Lehrers au der Elementarschule geboren und nach Vollendung seiner Studien am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln, an der Universität zu Bonn und der Akademie in Münster 1863 zum Priester geweiht. Seine erste Anstellung erhielt er als Religionslehrer am Gymnasium in Essen, wo er 26 Jahre lang wirkte. 1886 erlangte er in Tübingen den Doktorgrad in der Theologie, da er sich der akademischen Lehrthätigleit widmen wollte. Mer schon zwei Jahre darauf ward er in das Kölner Metropolitan-Kapitel berufen, am 14. Fe­bruar 1889 als Titularbischof von Juliopolis und Weih­bischof von Köln präkonisiert und am 1. Mai desselben Jahres vom Erzbischof Philippus im Kölner Dom zum Bischof geweiht. Nach dem Tode des Domdechanten und Generalvikars Tr. Kleinheidt wurde Weihbischof Fischer zum Tomdechanten ernannt und als solcher 1895 installiert.

7. Sitzung Grotzh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Auszug.

Gießen, 4. Nov. 1902.

Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Koch, Vor­sitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Türbeck, Grünewald, Jhring, Katz, Moll, Nowack, Namspeck, Rinn, Röhr, Schmält, Wallach, Zurbuch sowie der Syndikus Tr. Änchper. Entschuldigt fehlen die Herren: Hoos, Schirmer, Stemeckc.

L AuS dem Geschäftsbericht ist folgendes mitzu- teiten: Auf die an die Kaiserl. Ober-Postdirektton in Tarm- statt gerichtete Eingabe um Einrichtungeinertäglich, zweimal zwischen Groß-Felda und Alsfeld verkehrenden Person en post erfolgte ein ablehnen­der Bescheid, da ein dringendes Bedürfnis, welches den erforderlichen Aufwand rechtfertigen könnte, nicht bestehe. Tem Vernehmen nach hat die städtische Behörde in Alsfeld weitere Schritte zur Bewilligung dieser Postverbindung ein­geleitet, da die Verbindung namentlich auch für die von ihr berührt werdenden Ortschaften von großer wirtschaftlicher Bedeutung sein würde.

Von dem Kaiserl. Postamt in Gießen wurde mit geteilt, daß entsprechend einer Eingabe der Handelskammer vom 7. November 1901 die Stadt Gießen vom 1. November 1902 ab zum Sprechverkehr mit Barmen, Denrath, Bochum, Bor- beck, Tüsjeldorf, Elberfeld, Essen (Ruhr), Gerresheim, Langenberg (Rheinland), Neuß, Neviges, Ratingen, Steele und mit den in der Nähe dieser Orte gelegenen öffenb- lichm Sprechstellen gelaßen worden ist.

2. Berichterstattung über die Verhand­lungen des 15. hessischen Handelskammer- t a g e s. Ter Handelskammertag hat sich dahin ausge­sprochen, daß die MschnitteWahlberechtigung und SBählbarteit", Wahlvcrfahren" des neuen Han- delokammergesetzes bereits am 1. November 1902, und der übrige Teil des Gesetzes am 1. Januar 1903 in Kraft gesetzt werden. Don der Aufstellung bestimmter Grund­sätze für bie Vertellung des Staatszuschusses zu den Kosten der Handelskammer wurde abgesehen, dagegen der Regie­rung empfohlen, die seitherigen Beträge beizubehalten und denjenigen Kammern, deren Bezirke durch das Gesetz ver­größert wurden, eine Vermehrung des Zuschusses zuzumcisen und in Zukunft auch dem Handclskammenag einen Beitrag zu den Kosten seiner Geschäftsführung zu bewilligen, lieber

ehre Kugel in den Kops geschossen. Ter Schiverve» letzte, an dessen Aufkommen gezweifelt wird, wurde nach dem Lazarett verbracht. S. soll die That aus Schwermut begangen haben.

He Organisation mrd Leistungen der Kaufmännischen Fort­bildungsschulen im Großherzogtum Hessen sollen durch eine Kommission Erhebungen veranstaltet werden. Eine von der Handelskammer Offenbach zur Wstimmung vorgeschlagene Resolution richtete sich gegen die von ber Zolltarif-Kom­mission beschlossene Höhe der Nahrungsmittelzölle und warnte im Interesse des Nationalwohlstandes vor einer die Industrie schädigenden Verteuerung der unentbehrlichen Rohstoffe durch Erhöhung der Zollsätze. Aus gleicher Rück­sicht auf das Allgemeininteoesse nahm der Antrag auf das Entschiedenste Stellung gegen alle Mindestzölle, sowie gegen Zölle auf landwirtschaftliche Erzeugnisse, wie sie durch­gehends im neuen Zolltarif enthalten sind. Tie beantragte Resolution fand in ihrem ersten Teile die Zustimmung aller Kammern, während der letzterebezüglichderMindest- zölle dem Widerspruche der Handelskammer Worms be­gegnete.

Ter Handelskammertag erklärte sich ferner gegen die in Aussicht genommene Abkürzung der Arbeitzeit und die Verlängerung der Mittagspause für Arbeiterinnen über 16 Jahre. Die Errichtung einer Reichsbankhauptstelle in Hessen wurde befürwortet; doch gab die hiesige Kammer ebenso die Handelskammer Offenbach die Erklärung ab, daß sie unbeschadet der Errichtung einer Reichsbankhaupt­stelle in Hessen bei der Reichsbankhauptstelle in Frankfurt ver­bleiben wolle. Tie Grvßh. Regierung soll ersucht werden, die Eisenbahndirekttonen in Cassel, Frankfurt a M. und Mainz zu veranlassen, daß den Handelskammern recht­zeitig mehrere Entwürfe der Fährpläne zugehen.

3. Ausführung des Handelskammer­gesetzes. Den Wünschen des hessischen Handelskammer- tags entsprechend ist die Jnkrafttretung' der Mschnitte Wahlberechtigung und Wählbarkeit" undWahlverfahren" zsum 1 ^November 1902 und der übrigen Teile zum L Januar 1903 angeordnet worden. Es müssen daher in der nächsten Zeit für sämtliche seitherigen Mitalieder der Kammer Neu­wahlen stattsinden; Wiederwahl ist zulässig. Tas Wahl­recht ist wesentlich erweitert. Nach dem neuen Handels­kammergesetz können auch Frauen persönlich ihr Wahlrecht ausüben. Ferner sind jetzt wahlberechtigt, soweit sie zu einer der vier ersten Klassen der Gewerbesteuer veranlagt i'inb, außer den in das Handelsregister eingetragenen natür­lichen Personen, Gesellschaften und juristtschen Personen:

a. alle ein Handelsgewerbe betreibenden Genossen­schaften, welche in einem der für den Kammerbezirk geführten Genossenschaftsregister eingetragen sind,

b. die Unternehmer solcher Betriebe, welche von einem außerhalb des Kammerbezirks gelegenen, im Handels­register eingetragenen Hauptunternehmen aus kauf­männisch geleitet und vertreten werden, auch wenn die Betriebsstätten nicht im Handelsregister einge­tragen sind, sofern dieselben einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordern,

G Dergwerksgosellschasten der in Art. 5 des Einsühr- ungsgesetzes zum Handelsgesetzbuch bezeichneten Art.

Tie Handelskammer wählle als Wahlkommissare: für den Wahlkreis Gießen-Stadt Herrn Kommerzienrat Koch, für Gießen-Land: Herrn Kommerzienrat Heichelheim, für Lich-Hungen: Herrn Moll, für Grünberg: Herrn Jhring, für Alsfeld: Herrn Hoos, für Lauterbach: Herrn Grüne­wald.

4. Uebertoeifungen im beschränkten Giro- verkehr der Reichsbank. Tie Handelskammer er­klärte sich im Anschluß an eine Rundfrage des deutschen Handelstages für eine Abänderung der Bestimmungen über den beschränkten Giroverkehr der Reichsbank, bamit die Reichsbanknebenstellen, die nur von einem Beamten ver­waltet werden, auch Giroüberttagungen aus Grund roter Checks in Beträgen unter 3000 Mk. direkt ohne Ver­mittelung der vorgesetzten Bankanstalt überweisen können. Von den Kaufleuten in lleineren Städten würde die Ver­einfachung des Giroverkehrs als eine sehr nützliche, den Verkehr wesentlich erleichternde Maßregel empfunden werden.

5. Eingänge:

a. Mitteilung der Äönigl. Eisenbahndirektton Frankfurt a. M. betreffend Zulassung des Hallepunkts Nieber- Ohmen zum gesamten Eilgut-, Frachtstückgut- unb Wagenlabungsverkehr (einschließlich Tiervertehr, aber ausfchließlich be§ Verkehrs mit Sprengstoffen).

b. Eingabe bes Verbandes katholischer kaufm. Lereini-- gungen Deutschlands an den Reichstag, betr. reichs­gesetzliche Einführung obligatorischer kaufm. Fortbil­dungsschulen.

G Eingabe ber Hanbelskammer zu Potsdam an den Bundesrat, betr. zoll- unb steueramtliche Behanb- lung auslänbischer Geschästsreisenber und deren Muster.

d. Mitteilung bc5 Herrn Dr. Dosberg-Rekow, Direktor der Zentralstelle für Vorberellung von Hanbelsver- trägen, baß er bemnächst eine Neubearbeitung ber ausländischen Bestimmungen über Geschäftsreisende, Muster und Proben, sowie Zollbehanblung von Post­sachen ra herausgeben wird- (Preis 23 Mark.) e. A- Pitsch, der Einfluß des Verhängens ber Schau­fenster an Sonn- und Feiertagen auf bie Geschmack- bilbung und Kaufttaft des deutschen Volkes.

f. Verhandlungen des Kongresses für Handel und In­dustrie in Ostende.

g. Verschiedene Schriften über die Fleischpreise.

h. Zweifelhafte Firmen in Großbritannien, Italien, Aegypten; Mittellungen über das GeschäftSgebahren der Aktiengesellschaft General Wine Comp. in Ant­werpen, Handelsbeziehungen Deutschlands zum Aus­lande; Mfatz von optischen Instrumenten in Jo­hannesburg; Winke für den Export nach Südafrika und San Franzisko; die wirtschaftliche Lage ber Ver­einigten Staaten am Schlüsse des 2. Vierteljahrs 1902.

Die Einaänge können währenb ber üblichen GeschäftS- tunben im Bureau ber Hanbelskammer eingesehen werden.

HlM und Land.

() Beienheim, 6. Nov. Tie Personenzüge von Nidda und von Hungen, die beide kurz nach 10 Uhr an hiesiger Station einlaufen, schwebten gestern in sehr großer Gefahr, der sie nur mit knapper Not entgangen inb. Als der Zug von Nidda hier einfuhr, näherte sich auch der Zug aus Hungen in voller Geschwindigkeit und wäre dem ersteren in die Flanke gefahren, wenn nicht die Geistesgegenwart eines Stationsbeamten von Beienheim noch zur richttgen Zeit die rote Fahne gezogen und den Zug nod) zur rechten Zeit zum Stehen gebracht hätte. Nur noch 1 Meter, dann wäre das Unglück geschehen.

Mainz, 6. Nov. Leutnant Siebold vom 87. Infanterieregiment, 7. Kompagnie, aus Frankfurt a M., hier im Schottenhof wohnhaft, hat sich heute vormittag

Vermischtes.

* Heber die Stellung, bie ber junge Otto von Bismarck in seinem Göttinger KorpsHau­ck o v e r a" eingenommen hat, war bisher nicht allzu oiele- bekannt. Jetzt veröffentlicht Heinrich o. Poschinger eine Reihe darauf bezüglicher interessanter Taten, die er dem Kvlvnialpolitiker Dr. Scharlach in Hamburg, einem alten Herrn desselben Korps, verdankt:Am 5. Juli 1832 hat sich danach Bismarck zur Aufnahme in das Korps ,Han- novera" gemeldet und ist am 6. Juli zusammen mit dem 1887 zu Rostock als Oberlanbesgerichtspräsibent verstorbenen v. Erxleben als Renonee ausgenommen worden. Bereits am 9. August wurde im Korpskonvent über bie Aufnahme Bis­marcks ins Korps ballottert, und am 15. August würbe er ins Korps rezipiert. Am 6. September wähllen die Cha» gierten Bismarck zum Fuchsmajor. Am 3. November wurde er für eine Begräbnisfeierlichkeit als Repräsentant des Korps zum Generaladjutanten bestimmt. Am 6. Juni 1833 würbe Bismarck zum Konsenior, zweiten Chargierten, ge­wählt." M sonstigen Notizen aus ben Protokollen und Paukbüchern hebt Poschinger noch folgendes hervor:Fast regelmäßig findet sich die Bemerkung, daß Bismarck sich seinen Lorpsbeitrag, sowie einige Male, daß er sich seine Korpsschuld hat stunden lassen. Unter dem 14. Dezember 1832 finbet sich bie Bemerkung: Bismarck erhall einen Rüffel, weil er betrunken auf bem Konvente erschienen ist. Vielfach findet sich die Angabe, daß Bismarck entschuldigt auf dem Konvente fehlt, einmal, daß er wegen Zuspät- kommens zu vier guten Groschen verurteilt sei. Mi 3. September 1833 heißt es: Bei dem LandeSvater sollen präsidieren: . . . v. DiSmarck. Unter dem 7. Dezember 1833: Es wurde beschlossen, daß v. Bismarcks Schläger auf Korps­rechnung repariert werden solle. Offenbar war der Schläger von jemanden, der auf die Waffen der Korps losging, benutzt und dabei beschädigt worben. Tas Paukbuch er­weist, daß Bismarck vom 10. bis 31. August 1832 dreimal als Fuchs, vom 10. November 1832 bis zum 17. März 1833 dreizehnmal als Brander und vom 24. März bis 10. September 1833 achtmal als Jungbursche losgegangen ist und in ber letzten Zell achtmal Korpsbrüdern fefunbiert hat. Hier ist zu bemerken ,daß beim Pauken jeder im ersten Semester Fechtende alsFuchs", im zwecken als Brander", im dritten alsJungbursch" und im vierten unb ben folgenben alsAltbursch" bezeichnet würbe, einerlei, ob unb wann er ins Korps rezipiert war. Eine Wsuhr hat Bismarck weder erhalten noch ausgeteilt. Taß er aber ein gewandter Schlägerfechter gewesen ist, sieht man daran, daß er auf seinen 25 Mensuren einer stattlichen Anzahl in drei Semestern! nur acht Blutige erhallen, dagegen 27 Blutige ausgeteilt hat. Die erste Erwähnung Bismarcks im Paukbuche datiert vom 5. Mgulst 1832. Es handelt sich um eine P i stolenmensur, loelche der erste Chargierte derHannovera" an diesem Tage mit einem Braunschweiger ausmachte, und in welcher Bismarck, obwohl selbst krasser Fuchs, bem ersten Chargierten als Sekundant zur Seite stand. Dies beweist, daß chm eine besondere Kenntnis der Waffe und große Kaltblütigkeit beigemessen wurde, sowie, daß er schon als Fuchs in großem Ansehen; beim Korps gestanden haben muß."

UniversiMsDachrichte«.

Doctor re rum politicaram, so heißt eS, wie auf Münster gemeldet wird, in dem Diplom, welches die neu errichtete juristische Fakultät der dortigen Universität ihren Ehrendoctoren, Reichs- kanzler Graten v. Bülow und Kultusminister v. Studt, ge­legentlich der Erhebung der Universität überreicht hat. Die Mua- fteraner Fakultät ist bisher die erste, die sich .rechts- und staatS- wissenschaftlich" nennt.

, Die physikalisch-mathematische Klaffe der kgl. preußischen Akademie der Wissenschasten bewilligte dem Prof. Dr. Max Bauer in Marburg zur Fortführung seiner Untersuchung dcS nieder­hessischen Basaltgebietes 1200 Mk.

Freiburg t. Br., 6. Nov. Der Profeffor der Nationalöko nomic, Heinrich S i e v e k i n g, hat einen Ruf nach Marburg angenommen.

Gräfin Anna von Schlitz f.

(Eigener Drahtbericht des .Gieß. Anz.^.)

-i- Schlitz, 6. Roo. Die verwitwete Gräfin Anna von Schlitz, gen. v. Goertz, Mutter des Grafen Emil Fttedttch, ist heute morgen plötzlich gestorben. Die verstorbene Gräfin war eine geborene Prinzessin von Wittgenstein. Die längere Zeit schwer Leidende brach beim Anblick ihrer verstorbenen Schwiegettochter im Schlosse zusammen. Die Beisetzung der Gräfin Sofie, welche morgen erfolgen sollte, ist auf Mon­tag verschoben, da bie beiden Gräfinnen zusammen bestattet werden sollen. Gräfin Anna stand im 76. Lebens­jahre unb war seit 1885 Witwe beS Grafen Karl v. Schlitz.

* 1

Neueste Mewungeil.

Lriginaldrahtmclduugeu dcö Gießener Anzeiger.

Berlin, 7. Nov. Bei bem gestrigen Rennen in KarlS-- horst stürzte der Oberst ber Königs-Ulanen v. Heiden- Linden und erlitt einen Beinbruch. DieBerl. Pol. Nachr." melden, daß außer den Zulagen für Beamte unb Lehrer in den vom Polentum umftrittenen Gegenden »er nächste preußische Etat ein Extraordinarium zur wirtschaftlichen Hebung der zweisprachige» Landestelle ent­halten werde.

London, 7. Nov. Tas SchlachtschiffAnson" er­hielt Befehl, den Kaiser beim Novefouerschiff mck einem Salut von 21 Schüssen zu begrüßen. TaS Schlachtschiff Edinburgh" und der KreuzerI m m o r t a I i t c" wer­den beim Einlaufen derHohenzollern" in den Hafen von Scheemeß einen Salut feuern. Der ff a i er wirb nach den bisherigen Bestimmungen am SamsLagvormittag 11 Uhr am Bahnhof von Shorntcliffe vorn Feldmar,'chall Roberts und einigen Generalen empfangen werden.

Newyork, 7. Nov. Nach einem Telegramm von Dort o f Sp a in hielten Truppen des venezolanischen KanonenbootesE r e s p o" drei Stunden lang die Stadt ttguepto besetzt. Das EigentumJ)er spanischen Unter* than cn hat bedeutenden Schaden gelckten. Rach einem Telegramm aus Jllemstabt verfügt General Malos über 9000, ber Präsident Castro dagegen nur über 5000 Mann Truppen.

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