Ausgabe 
7.7.1902 Erstes Blatt
 
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bei Laboe durch die Brandung au eine Brücke geschleudert und zertrümmerte diese. Der KreuzerFreya" wurde von seiner Boje tosgerissen und wäre auf den Strand getrieben worden, wenn er nicht zufällig Dampf gehabt hatte.

Ausland.

Lon d o n, 6. Juli. Tie gestern und heute ausgegebenen Morgeubulletins lauten:Der König hat wieder eine ausgezeichnete Nacht verbracht, ist in der besten Laune und fiihlt sich bedeutend kräftiger. Wir freuen uns^ erklären zu können, daß wir den König jetzt für außer Gefahr befindlich betrachten. Die Abend- BuNetins werden daher von morgen ab eingestellt." und: Die Fortschritte im Befinden des Königs sind fort­dauernd in jeder Hinsicht befriedigend." Nach einer Berliner Meldung ist der Patient noch immer sehr schwach und ermüdet nach der geringsten Anstrengung. Dre Monotonie des Aufenthalts in dem Krankenzimmer wird in den nächsten Tagen ein wenig unterbrochen werden, indem der König auf einem Roll-Chaiselongue in ein anderes Zimmer gebracht werden soll. Weiter soll das Kranken­zimmer durch Thecttrophone mit einigen Tl)eatern verbunden werden. Aus Anlaß der günstigen Berichte über das Be­finden des Königs hatten gestern zahlreiche Ge­bäude illuminiert.

Wie nach einer Depesche derFranks. Ztg." aus London verlautet, konferierte der Ministerpräsident Lord Salis- dury mit den Aerzten des Königs über das Datum der Krönung. Die Aerzte erklärten, vorausgesetzt, daß alles gut gehe, könnte die Krönung frühestens am 2. Oktober stattsiuden. Dieses Datum werden die zuständigen Behörden einstweilen in Erwägung ziehen.

Inzwischen ist am Samstag die R i e s e n s p e i s u n g der Armen Londons in den verschiedenen Parks und Stadthäusern bei schönem Wetter und vorzüglicher Stim- nung der Teilnehmer überall ordnungs- und proguamm- mäßig vor sich gegangen. Es wird darüber telegraphisch gemeldet: Die Feststimmung wurde an den hauptsächlichsten Plätzen noch besonders durch den Besuch des Prinzen von Wales, der Prinzessin von Wales und der übrigen weib­lichen Mitglieder der Königlichen Familie gehoben und er­reichte ihren Höhepunkt bei der dabei durch einen begleiten­den Kammerherrn jedesmal verlesenen Botschaft des Königs an den Lord-Mayor folgenden Inhalts:Buckingham- Palast, Sonnabend, 11 Uhr 20 Min. Der König hat mir befohlen. Euer Lordschaft mitzuteilen, daß Seine Majestät und die Königin beabsichtigt hatten, heute einige ihrer Krönungsmahlzeiten zu besuchen, und daß der König tief bedauert, daß seine Krankheit sie daran verhindert. Der König hat jedoch Mitglieder seiner Familie beauftragt, ihn bei so vielen Festmahlen wie möglich zu vertreten. Mir ist ferner vom König befohlen, seiner Hoffnung Ausdruck zu geben, daß seine Gäste es sich wohl sein lassen und einen fröhlichen Tag verleben." Die Botschaft ist gezeichnet vom Privatsekretär des Königs, Sir Francis Knollys.

Die Amnestie der Militärsträflinge, die ursprünglich für die Krönung geplant war, wird jetzt doch durchgesührt werden.

Wie aus Colombo berichtet wird, hat am ver­gangenen Montag zwischen Bur en gefangen en und den eng- lichen Posten des Lagers von Drajatalama ein blutiger Zusammenstoß stattgesunden, wobei 2 0Persvnen ver­wundet wurden. Die Ursache des Zusammenstoßes ist noch! unbekannt.

In konservativen Kreisen wird versichert, daß Lord Balsour definitiv als Nachfolger Salisburys aus­ersehen sei, sobald dieser von seinem Amte zurücktrete.

P a r i s, 5. Juli. Die Subskription für die O p f e r a u f M a r t i n i q u e hat bis jetzt die Summe von 3 681908 Frcs. ergeben.

Die gestrige Ab st immungder Kammer über die Tagesordnung der Radikalen ergiebt nach Ausscheidung der doppelt abgegebenen Stimmzettel eine Mehrheit von 308 gegen eine Minderheit von 205. Die republikanische ,^anterne" schreibt:Wenn die Re­gierung will, kann sie die Kammer von jetzt an fortreißen, die strengsten und wirksamsten Maßregeln zu billigen. Die Kammer läßt sich dahin bringen, alle Autorisationsgesuch,e ter Orden abzulehnen, den Ordensunterricht auf den Tod zu treffen und endlich auch die Trennung von Staat und Kirche auszusprechLN." DiePetite Republique" sagt: dem bezeichnenden Beifall, mit dem die Linke gestern die Rede des Ministerpräsidenten begleitete, gingen alle elenden Jntriguen gegen die Regierung unter." Die gemäßigten Blätter finden, daß die Regierung die antiklerrkale Stim­mung der Mehrheit jedesmal anrufe, wenn man sie an die Ausführung der versprochenen Reformen erinnere. Der Gaulois" ebenso wie MölinesRepublique" erkennen an,

daß der Bruch zwischen der Anken und den Gemäßigten gestern unheilbar geworden ist. Die gesamte Opposrtions- rresse, im besonderen die klerikalen Blatter, sind auf einen erbitterten Kampf gefaßt. DieLibre Parole" nennt C o m - bes, dessen Rede die republikanischen Blätter so sehr ent­zückte, denMann des Staatsstreiches" und die Mehrheit eine Schar von Wahnsinnigen und Entarteten".

Der tür ki s ch - f r anz ö s i s che Z w is ch en f äll ist beigelegt, nachdem die türkische Regierung den betreffen­den Polizeichef seines Amtes enthoben und den Flücht­ling wieder an Bord des französischen Dampfers ,A)zeania" gebracht hat. Der Dampfer verließ sofort den

Rom, 6. Juli. Neuerdings kursieren Gerüchte, daß anläßlich der Reise des Königs noch Montenegro eine Begegnung mit Kaiser Franz Josef in Cattaro ober aus hoher See stattsinden werde. Nach anderen Meldungen sind diese Gerüchte aus der Luft gegriffen.

Wien, 5. Juli. Die H er b sts e s sivn d e s Reichs- rats soll bereits am 16. September beginnen.

Stockholm, 6. Juli.Stockholms Tagblad" erfährt aus guter Quelle, daß der Standpunkt der neuen Regier- rung hinsichtlich des Wahlrechts folgender sei: Der Census soll abgeschafft werden: das Wahlrecht soll jedem unbescholtenen schwedischen Bürger zustehen, der das 25. Lebensjahr vollendet hat und der Wehrpflicht sowie der Steuerpflicht genügt hat. Stadt und Land sollen die gleichen Bedingungen bezüglich der Vertretung im Re i chs- t a g e haben.

New York, 5. Juli. Entgegen verschiedenen Mel­dungen, daß China sich weigere, die Kriegsentschädigung zu zahlen, besagt ein Telegramm aus Shanghai, daß China die auf Deutschland entfallende Summe von 5 600 000 Mk. richtig in Gold bezahlt habe.

Aguinaldo, der ehemalige Führer der aufständi­schen Philippiner, ist nunmehr freigelassen worden. Ein Transportschiff wurde nach der Karolinen-Insel Guam be­ordert, um die dorthin deportierten Philippiner abzuholen.

Am vorgestrigen Natioual-Feiertage wurden in Newyork durch Feuerwerkskörper oder durch Schüsse 450 Personen verletzt, drei kamen ums Leben. In Brooklin ist die Zahl der Verunglückten noch nicht sestgestellt. In Chicago wurden drei Personen ge­tötet und 140 verletzt. Der Sohn desPr äsidenten Roosevelt, Theodore, zog sich auf dem Landsitze seines Vaters eine tiefe Schnittwunde dadurch zu, daß ein Stück einer Flasche, in der er einen Feuerwerks- srosch gethan hatte, ihm an den Kopf flog.________________

Aus Stadl und Kund.

Gießen, den 7. Juli 1902.

** DerGroßherzog ist gestern nachmcktag von Eng­land auf Schloß Wolfsgarten wieder eingetroffen. Die Prinzessin Elisabeth reiste vorgestern nach Bad Schmalbach.

** Provinzialdirektor und Kreisrat Geh. Rat v. Bechtold Am Sonntag Nachmittag 4 Uhr ver­schied infolge eines Schlaganfalls im Alter von 66 Jahren der Provinzialdirektor von Oberhessen und Kreisrat des Kreises Gießen, Geh .Rat Hermann v. Bechtold. Wer in den letzten Jahren die in der Provinzial- und Kreis­verwaltung zu lösenden Aufgaben beobachtete, wird be­urteilen können, daß an die Umsicht und Thatkrast des obersten Beamten große Anforderungen gestellt wurden,,und daß in Bem Augenblick, da weitere Neuerungen und Aus­gaben der Verwaltung oblagen, der Tod eines Beamten tief betrauert werden muß, der es allezeit verstanden, die berechtigten Interessen der Provinzial- und Kreiseinge­sessenen in Einklang zu bringen mit denjenigen des gesamten engeren Vaterlandes und der übrigen Provinzen und Kreise. Geh. Rat v. Bechtold war allen, die amtlich und außeramt- lich mit ihm zu verkehren hatten, ein stets hilfsbereiter Rat­geber, den Beamten bei der Verwaltung, die sich gern in den aufopferungs- und verantwortungsvollen Dienst der Verwaltung stellten, ein gerechter und humaner Vorgesetzter^ Den Wünschen der verschiedenen Berussarten, besonders der, in der: Provinz Oberhessen stetig aufstrebenden Landwirt­schaft brachte er stets Verständnis und soweit dies möglich, Wohlwollen entgegen; in allen Versammlungen, die in dem, sich nach und nach zum Kongreßort entwickelnden Gießen tagten, wohnte er bei und wies auf die Wege hin, die die in Betracht kommenden Interessengruppen zu wandeln hatten, ohne den Jnreressen anderer zu nahe zu treten. Geb. Rat v. Bechtold war zum Beginn feiner Laufbahn als Verwaltungsbeamter langjähriger Ministerialsekretär in Darmstadt, von 18841886 Regierungsrat in Gießen, von 18861888 Kreisrat in Erbach, von 18881894 Kreisrat in

Bensheim und von 1894-1898 Ministerialrat in Dann, stadt. Als der damalige Provinzialdirektor Geh. Rat v. Gaaern zum Provinzialdirektor von Rheinhessen ernannt wurde, wurde Herrn o. Bechtold die Stelle des Provin^.al- direktors der Provinz Oberhessen und des Kreisrates ubn> tragen, die er am 1. August 1898 an trat. Die -eiche des. Tahingeschiedenen wird am Dienstag in Darmstadt beigesetzt.

* * Französische Vorträge und Rezitationen. Morgen Dienstag 67 Uhr, wird Lektor Goetschy fol­gende Stücke zur Rezitation bringen^ a) Viktor Hugo Quatre-vingt treize (Extrait), b) Sully Prudhomme Poesiea diverses, c) A. Daudet Le sous-prefet aux charaps, d) A. Theuriet Le cur6 de Vireloup. Am 15. Juli findet der letzte Vortrag statt, dessen Thema .,Lhumour dAlphonse Daudet bereits angezeigt wurde.

* * Zum Studium der Tier-Arzn ei künde wer­ben nach dem Beschluß des Bundesrats fortan nur Abi-- turienten der Gymnasien, Real-GymnasieN und Ober-Realschulen (die letzteren ohne die für Mediziner vorgeschriebene Nachprüfung im Lateinischen) zum Studium der Tier-Arzneikunde zugelaffen werden. Die neue Bestim­mung tritt vom 1. April 1903 ab in Kraft.

* * Konzerte in Steins Garten. Der gute Ruf, dessen sick der kgl. Musikdirektor AdolfBoettge mit seiner 50 Musiker starken Kapelle des Badischen Leib-Grenadier- Regiments, Karlsruhe, erfreut, hatte zu seinen beiden gestern veranstalteten Konzerten eine zahlreiche und aufmerksame Zu- Hörerschaft herangezogen. Besonders stark besucht war das interessante Abendkonzert. In dem weitläufigen Stein'schen Garten-Etablissement war kein Platz mehr frei.

Bad-Nauheim, 5. Juli. Auf das Begrüßimgs- telegramm, welches die Teilnehmer an der amerikanischen Nationalfeier am 4. d. an den Kaiser gesandt hatten, ist folgende telegraphische Antwort zu Händen des Veranslallers der Feier, Mr. Herbert Myrick, eingegangen:Für die freundliche Begrüßung anläßlich der auf deutschem Boden be­gangenen amerikanischen Nationalfeier spreche ich meinen besten Dank aus. Wilhelm. I. R "

i. Laub ach. Hinter der Dietzschen Villa wird eifrig gearbeitet, um unter der Ruppertsburger Chaussee die Bahn Laubach-Mücke durchzuführen. Dabei sind die Arbeiter auf viele menschliche Heb err efte gestoßen, da hier der alle Friedhof lag. Obwohl Fürsorge für Bergung der mensch­lichen Ueberrefte getroffen ist, so ist dabei doch so viel Un­schönes zu sehen, daß mit Recht den Schülern des Gym­nasiums das Betreten dieser Baustelle von der Direktion des Gymnasiums verboten worden ist. Ferner ist es bei dem Bau nicht ohne Unfälle abgegangen; vor einigen Tagen wurde ein Italiener durch einen Rollwagen beim Abspringen so schwer verletzt, daß er ins Johann-Friedrichstift ge­bracht werden mußte.

0 93om Hoherod skopf, 6. Juli. Vom herrlichsten, Sommerwetter begünftigt, fand heilte das Jahresfest be§ Vogelsberger Höhenclubs" statt. Während mehrerer Jahre der Besuch infolge der ungünstigen Witterung zu wünschen übrig ließ, war die diesjährige Beteiligung eine überaus große. Um 12 Uhr nahm das Fest seinen Anfang. Bald entwickelte sich in und vor der prächttg geschmückten Festhalle ein buntes Treiben. Heber 100 Pferde und Wagen konnte man im angrenzenden Hochwalde zählen. Um 3 Uhr hielt der Präsident des V. H.-C., Oberförster Diefenbach- Schotten, die Festrede. Anknüpfend an die Feste unserer Vor-- fahren führte der Redner die Fortschritte des Vereins vor und gedachte dann auch des greisen Sängers des Vogels- berges, Elard Briegleb, der zu dem Feste ein Gedicht gesandt, das verlesen wurde. Ein Dankestelegramm ging an denallen Dichter" ab. Redner schloß mit einem Hoch auf; den Kaiser und den Großherzog.

Mainz, 7. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Zur engeren Wahl für den Posten eines Theaterdirektors in Mainz stehen Steinert-Elberfeld und Liebig Eisenburg. Be­merkenswert ist, daß der jetzige Direktor Simons nicht in Betracht kommt.

Mombach bei Mainz, 7. Juli. (Eigener Draht- bericht.) Eine gemütskranke Frau sprang gestern in den Rhein und ertrank.

Schloß Balduinstein, 5. Juli. Die Königin Wil- helmina der Niederlande hat heute von Schloß Balduinstein aus einen Ausflug nach Koblenz unternommen, von dem sie abends zurückkehrte.

Feuilleton.

Das Juttheft derKunst" (München, Bruckmarm, Preis vierteljährlich 6 Mack) beweist aufs neue, daß sie, was Reich- halttgteil und Gediegenheit anbelangt, unter den deutschen Zell- schriften dieser Art wohl einzig dasteht. Aus dem reichen Inhalt möchten wir nur nachstehendes kervorheben: Tie 5. Ausstellung der Berliner Sezession (37 Abbildungen mit Text von Hans Rosenhagen); Zum Thema Kombinationsdrucke, 3 Entgeg­nungen von I. Stroeser und Ernst Neumann (auf die in Heft 8 abgedruckten Ausführungen von A. L. Plehn, die in den weitesten Kreisen der Künstler Aussehen erregten); Die Karlsruher Jub ilämsausstellung, die kein Kunstfreund zu besuchen versäumen sollte, denn sie bietet der künstlerischen Anregung nach jeder Richtung überraschend vieles (14 Abbildungen); Moderne Inneneinrichtungen (mit 16 wohlqelungenen Ansichten); Konkur­renz für ein Brunnendenkmal in Kempten (Bericht über die in­teressante Ausstellung der Entwürfe aus der Feder von Erich Haenel mit 9 bildlichen Wiedergaben der charakteristischsten Bild­werke); Unterricht im Kunstgewerbe (ein höchst beachtenswerter Beitrag Karl Schefflers zur Reform der Kunstgewerbeschulen); Zu unseren Bildern (Erläuterung der bildlichen Vorführungen von Bucheinbänden Kerstens u. A., des Goldschmucks von F e r d. M o r a w e, dem früheren Mitarbeiter desGieß. Anz.", der Ar­beiten von Klimt, Stokvis, der Architekturen und Interieurs von Paul Hoppe, Max H. Kühne :c.). Eingeleitet wird das Heft durch eine reizvolle mehrfarbige Zeichnung Angelo JanksAus Rothen­burg", die in wohlgelungener Chromotypie tütebergegeben wird.

lieber Frankfurter Deutsch plauderte neulich recht amü­sant H. Büchel m derKl. Presse". Alls Vollständigkeit machte ja die Plauderei offenbar nicht Anspruch, aber sie brachte eine An­zahl der uns wohl befamUen Frankfurter sprachlichen Eigentüm­lichkeiten in ansprechender Form. Ter Frankfurter sagt Perd, Parrer, Abbel, Zobb, er ersetzt das bezügliche Fürwort durchwo" (der Manu, wo), läßt das n bei der Verkleiueruugssilbe -chen fort, für die hinter einem S-laut i eiiuritt (Mäusi, Fäsi). Er bildet Eigenschaftswörter aus Präpositioilen: der zuene Wagen, der Mann mit dem eibene Bein. Seine Mehrzahlbildung auf r (die Brödcher oder die Brödercher) ist ja auch bei uns in Heften sehr

beliebt, weniger der frankfurterische Umlaut in Wägen und Däg ( Tage), auch in sägt für sagt. Schließlich sei erwähnt, daß der Frankfurter Ausdruck Quadutterche zur Bezeichnung eines dicken, kurzen Menschen auf einen Beamten des Fürsten Primas zur Zeit des Großherzogtums Frankfurt, den coadjuteur, zurückgehen soll.

Im Verlage von S ch a f ft e in u. Co. in Köln, der sich bisher nur durch seine wundervoll künsllerisch ausgestatteten Kinder- bilderbücher bekannt gemacht hat, erschien soeben das erste Heft einer neuen Halbmonatschrift,Die Kultur" betitelt, herausgegebeu von Dr. S. Simchowitz. DieKullur" ist nach dem einleitenden Aufsatz des Herausgebers als eine Revue tm vornehmsten Stile gedacht, die alle Fragen und Probleme des öffentlichen und geistigen Lebens in unabhängiger, objektiver imb wisfenschaflicher Weise er­örtern will. Ihre ausgesprochene Tendenz ist eine weltbürgerliche Betrachtungsweise der Dinge. Im Allgemeinen will sie wahrhaft humane Bildllng und Gesütung fördern. Sie will eine Zeitschrift fürallgemeine Bildung" im besten und edelsten Sinne des Wor­tes fein. Ein Aufsatz über Weltpolitik von Dr. Paul Emst, dem be­kannten Berliner Schriftsteller, der soeben im Leipziger Jnselverlage zwei elegante Bändealtitaliänischer Novellen" herausgegeben hat, kommt bei Betrachtung der vier größten Weltreiche, der Vereinig­ter Staaten von Nordamerika, England, Rußland und China, zu dem Resultat, daß doch noch Möglichkeiten auch für ein größeres Deutschland vorhanden seien. Dr. Benno Rüttenauer spricht mit Verständnis und Geschmack von ders ü dde ut sch en Ku nst in K a r l s r u h e"; mit vollem Recht meint er, daß die Leibl-Kollektion für Viele allein schon eine Reise nach Karlsruhe lohnt. Sehr interessant ist die Auseinandersetzung zwischen RichardT e h- m e I und dem Herausgeber; Simchowitz druckt einen von ihm gehaltenen Dehmel-Vorlrag ab und der oielumftrittene Poet ant­wortet unmittelbar darauf, der ungewöhnlichen Einladung dazu folgend, rndem er seinen Kritiker ganz arg zerzaust. Tehmel kün­digt sich übrigens gleichzestig als werdender Dramatiker an. Eugen Kuhlewetter beginnt eine phantastische GeschichteMandragorus", die m demidyllisch gelegenen Universitätsitädt- d) c n G." spielt (mit diesem G. scheint aber nicht unser Gießen, sondern Göttingen gemeint zu fein), lieber die russische Schulreform spricht Archur Luther, überdie Pariser Schauspielsaijon" Felix Vogt. Wir sehen den nächsten Heften mit Interesse entgegen. Jedes Heft kostet 75 Psg.

Das neueste Heft der ^Zukunft" (Nr. 40), Herausgeber

Maxim. Harden, verdient besondere Beachtung. Professor Max Klinger in Leipzig, der berühmte Radierer, Maler und Bild­hauer und Schöpfer des vielumstrittenen Beethoven-Monuments,, das Subskripenten in seiner Heimatstadt für 250 000 Mk. anzukaufen beabsichtigen er hatte von den Wienern vergeblich 400 000 Mk. verlangt und will sich jetzt mit dem Leipziger Angebot zufrieden geben widmet einen wehmutsvollen Freundesnachruf dem kürz­lich verstorbenen Leipziger Kunstschriftsteller Hans Merian, dem er ein fröhliches Lachen für Gutes und Schlechtes und innigen Haß alles Trivialen" nachrühmt unter berechtigten Ausfällen auf den Durchschnitt der heutigen Kunstkritik. Peter Rosegger er­zählt ein amüsantes Geschichtchen von einemweisen Richter", der einen Spaß mit Amtspersonen als Amtsperson versteht. Der Herausgeber plaudert in seiner unnachahmlichen Pasquillantenart über Eduard VII. Prof. Dr. Kurt B r e y s i g spricht überMaß­stäbe der Wissenschaft", der Jenenser Philosophieprofessor Dr. R u d. Surfen überSiebeck's Goethe". Plutus bchandelt denKapitalis­mus in China", und schließlich finden wir imNotizbuch" u. a. ein mit offenen Augen geschautes ungleißnerisches und daher um so glaubwürdigeres Portrait des bayerischen Thronfolgers Prinzen Ludwig, von dem Redakteur des ^Pfälz. Kurier", der von unserem hessischen Groß Herzog erzählt, er widmedie freie Zeit der Pflege seiner englischen und russischen Verwandtschaft und künstlerischen Liebhabereien, namentlich dem Gesang, wobei er sich freut, in intimem Kreis seinen angenehm klingenden lyrischen Tenor hören lassen zu können." Jede Einzel­nummer derZukunft" kostet 50 Pfg. und ist in den Buchhand­lungen erhältlich. ti.

Der Berciu Lruameut tu Berlin leitet eine sehr be­rechtigte Bewegung gegen d i e öffentlichen Preisaus­schreiben für bildende Kunst und Kunstgewerbe ein. Das -Ziel dieser Bewegung soll sein, die Oeffentlichkeit und die Regierungen unb Parlamente von der G e m e i n s ch ä d l i ch- k e 11 der öffentlichen Preisausschreiben auf dem Gebiete der bil­denden Kunst und des Kunftgewerbes herbei zu führen. Tie Vereinsbestrebungen werden von einer stattlichen Schar unserer besten Künstler unterstützt, so Peter Behrens, H. Christiansen und Ludwig Habich in Darmstadt, den Professoren Fritz Hausmawi und Luthmer in Frankfurt, Pros. Karl B. F. Kübel, großherz. Direktor der Kunstgewerbeschule in Mainz, und last not least vom allen von Menzel.