Ausgabe 
7.2.1902 Erstes Blatt
 
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Die Abgg. Hegttmaier (k.) und Wallenborn (Z.) bestreiten, daß der Fall Bredenbeck zur Kompetenz des Reichs- tags gehöre, da es sich um eine Maßnahme der preußischen Regierung handle. Auch Abg. Marcour (Z.) ist der Meinung, Äaß der Fall Bredenbeck bei Behandlung der Frage aus­scheide, da er durch die der Dortmunder Polizei seitens der Regierung ausgedrückte Mißbilligung erledigt sei.Genosse" Thiele führt aus: Der Fall Bredenbeck stehe nicht vereinzelt da, und der Reichstag müsse nun zum Ausdruck bringen, daß er sich ein derartiges Vorgehen der Polizei streng ver­bitte. Das sei der Hauptzweck der Petition; die Erneuerung des Verlangens auf reichsgesetzliche Regelung des Strafvoll­zugs komme erst in zweiter Lsnie. Die Petition müsse dem Reichskanzler zur Berücksichtigung überwiesen werden. Abg. Jacobskötter (k.) hältdie Sache noch nicht klar gestellt", so daß er nicht für Berücksichtigung, sondern nur für Ueber- weisung als Material stimmen könne. Der Antrag auf Be­rücksichtigung ohne weiteren Zusatz wird gegen die sozial­demokratischen Stimmen abgelehnt und darauf der Antrag auf Berücksichtigung in dem Sinne, daß dem Reichstage baldigst eine Vorlage auf reichsgesetzliche Regelung des Strafvollzugs zugehen solle, mit allen gegen drei konservative Stimmen angenommen.

,Herr H. K. Tisten."

Man schreibt aus Rom:

Die Polenagitation in Italien will noch immer nicht zur Ruhe kommen. DiePatria", das in letzter Zeit Deutsch­land sehr wenig freundlich gesinnte Organ der italienischen Megalomanen, bringt ein Interview mit einerhochstehenden polnischen Persönlichkeit", die auf der Durchreise in Rom ist. Die Sachkunde dieses edlen Polen ist allerliebst. So erzählt der Artikel, der gefährlichste Gegner der Polen sei ein gewisier Herr H. K. Tisten, (Hakaüsten), der Millionen ausgebe. Natürlich sind die Polen die reinen Opferlämmer, die, wenn sie an den Postschalter kommen mit einem polnisch adressierten Brief, von den Beamten insultiert und gehauen werdens!!!). Kein Pole werde irgendwie angestellt, das Volk muffe nur ungeheure Steuern zahlen usw. Hierzu macht die Patria" die üblichen Hetzbemcrkungen, die aber voll von Widersprüchen sind. So sagt sie, nur die Regierungen wollen irr der Welt das Nationalitätsprinzip nicht als das herrschende anerkennen, die Völker seien davon überzeugt. Kurz nachher heißt es aber, leider sei das ganze deutsche Volk einig gegen die armen Polen. Na also!

Kolonialpost.

Schlechte Nachrichten aus Südwestafrika. Aus Südwestafrika kommen Nachrichten, die einer näheren Be­trachtung wert sind. Die gesamte Expedition der Otavi- Minen- und Eisenbahn-Gesellschaft, die vor l*/2 Jahren in Stärke von beinahe 40 englischen Berg- und Eisenbahn- Ingenieuren dahin abging, hat das Schutzgebiet wieder ver­lassen ; sämtliche Arbeiten ruhen jetzt. Auch der Führer dieser, Expedition, Dr. G. Hartmann, ist schon vor einigen Wochen wieder in Berlin eingetroffen. Bereits vor einem Monat wurde bekannt, daß die Otavimiuen sich nicht übermäßig er­giebig erwiesen haben. Die Fachleute erklärten, daß sie in ifünf Jahren erschöpft sein würden. Diese Erkenntnis war recht betrübend, sie mußte auf die weiteren Entschließungen, namentlich auf den Bau der geplanten Eisenbahn, einwirken. Damals wurde auch angekündigt, daß die Untersuchungen nach Kupfer an anderen Stellen dieses Gebietes foägesetzt werden sollten, wo man vielleicht noch reichliche Kupferlager sinden könnte. Die Thatsache, daß das ganze Personal das Schutzgebiet verlassen hat, beweist, daß auch diese Unter­suchungen beendet sind. Der aus dem Bericht der Direktion für 1901 veröffentlichte Auszug spricht eine beredte Sprache. Danach wurden bergmännische Arbeiten in Asis, Gunhab, Nagaib und Tsumeb gemacht, auch wegen der Eisenbahn- Untersuchungen von der Tigerbai bis zum Kunenefluß und an der deutschen Küste durch das Kaokofeld bis zur Khumib- rnündung und zum Kap Frio angestellt, aber von den Er­gebnissen dieser Untersuchungen wird nichts mitgeteilt. Der Bericht sagt:Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden den Gegenstand eingehender Verhandlungen mit den ver­schiedenen Interessenten bilden." Die Erfahrungen können daher keine erfreulichen und aufmunternden sein. Danach -versteht man auch, daß schon im Kolonialrat mitgeteilt wurde, die Otavibahn solle an die Swakopmunder Bahn angeschloffen werden. Jetzt wird ergänzend dazu bemerkt, der Anschluß würde in Karibik erfolgen. Dadurch wäre es entschieden, daß die Otavibahn nur als eine Kleinbahn von 60 Ctm. Spurweite gebaut werden soll. Persönlichkeitem die mit den Verhältnissen vertraut sind, geben die Ansicht kund, daß dieser Bahnbau überhaupt nicht mehr sicher wäre. Was dann aus der großen Eisenbahn durch Südwestafrika nach Rhodesia werden würde, ist eine besondere Frage.

Parlamentarisches aus Hessen.

Die Stadt Alsfeld und sieben Gemeinden haben eine neue Vorstellung betreffend die Bahnverbindung Als- 'feld-Hersfeld an die Zweite Kammer gerichtet zur Widerlegung der kundgegebenen Ansicht Preußens, die Bahnstrecke habe für den Durchgangsverkehr keinen oder nur geringen Wert. Eisenbahndirektor Pleßner in Gotha hat über das Projekt im Jahre 1880 eine Denkschrift ausige- arbeitet, aus der folgendes hervorgehoben wird:

Die Linie Alsfeld-Hersfeld richtet ihr Ziel auf Gießen und auf die Lahnbahn mit dem Ausgangspunkt Coblenz und wurde in ihrer ganz unbestreitbaren ver­kehrsbezüglichen und strategischen Bedeutung stets er­kannt, mannigfach studiert und insbesondere durch die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft bearbeitet, welche bekanntlich in Gießen endigte und viel Neigung zeigte, die fehlenden 6 Meilen zu bauen und sich den Endpunkt Bebra oder Hersfeld zu erobern."

Für die Ausführung einer solchen Bahn sprechen sich auch die Handelskammer von Köln, die Stinigl. Regierung von Kassel sowie das preußische Kriegsministerium aus. Die Linre HersfeldNiederaulaAlsfeld würde für den Ver­kehr aus Sachsen eine Abkürzung von 22 Kilometer be­wirken. Aber auch der täglich wachsende Verkehr und die starke Belastung der Linie BebraFrankfurt sollten für Preußen schon ein ausschlaggebender Erwägungsgrund sein, ein Zwischenglied einzuschreben, bestimmt, den Verkehr aus /Sachsen nach dem Mittelrhein aufzunehmen, umsomehr als

Hessen seine Bereitwilligkeit zum Bau erklärt hat und für Preußen nur die kurze Strecke von 11 Kilometer in Be­tracht kommt. Die innerhalb Jahresfrist vorgekommenen beiden Zusammenstöße auf der Bebraer Sttecke legen doch ebenso wie der Zusammenstoß bei Wilhelmshöhe und das jüngste Eisenbahnunglück bei Altenbeken ein beredtes Zeugnis für die Notwendigkeit der Entlastung gewisser Linien ab. Es wird gebeten, die Verhandlungen mit Preußen wiederholt aufzunehmen. Nach allen Erfahr­ungen versprechen wir uns leider keinen nennenswerten Erfolg von diesen Verhandlungen.

Der neueStraßenfluchtplanderStadtBad- Nanheim sieht eine Hauptverkehrsader in dem Vik- toria-Melita-Ring vor, dessen Zug das alte Sa­linenterrain von Westen nach Osten durchfchneidet. Da die Stadt neben dem alten Salinentcrrain bereits eine in den oben genannten Straßenzug fallende monumentale Brücke, die Viktoria-Melita-Brücke, über die Ufa erbaut hat, besteht die Absicht, den gedachten Sttaßen-Ring von der Karl- straße bis auf das linke Usa-Ufer durchzuführen. Hierdurch würde der Anfang gemacht, um das wertvolle Gelände, auf dem jetzt die alten Salinengebäude in sehr weitläufigem Verbände stehen, für den Bau von Villen und Häusern zu erschließen. Da dieses Gelände nahe den Trinkquellen und den Parkanlagen liegt, ist zu erwarten, daß allmählich aus diesem Terrain ein neuer, schöner Stadtteil sich entwickeln wird. Es bietet sich zugleich Gelegenheit, den an der Ecke von Viktoria-Melita-Ring und verlängerter Kurstraße lie­genden Bauplatz an die Postdirektion zum Preise von 15 Mark pro Quadratmeter zu verkaufen. Die Postbehörde beabsichtigt in Nauheim ein neues schönes Postge - bäude zu errichten und mit dem Bau bereits am 1. April zu beginnen. Das Siedehaus Nr. I soll dann in Fortfall kommen. Das im südlichen Teile des Siedehauses I stehende Meßbassin könnte an einen andern Ort versetzt werden. Auch wäre an das Siede haus VI ein Schuppen als Salz­magazin auszubauen. Bei Durchführung des Viktoria-Me- lita-Ringes müssen außerdem abgebrochen werden: 1. der nördliche Teil des Holzmagazins; 2. der alte Spielsaal; 3. ein Mutterlaugenbehälter. 1 und 2 sind entbehrlich; 3 müßte an einen anderen Ort versetzt werden. Die Kosten für den Abbruch der sämtlichen, vorerwähnten Baulich­keiten und für die Ersatzbauten betragen nach Abzug des Erlöses für den Verkauf der beim Abbruch gewonnenen Baumaterialien rund 6000 Mk. Durch den Verkauf des Geländes für den Post-Neubau würden rund 31000 Mk. gelände würde dieser Summe noch zugehen. Die nach Vor­stehendem erwachsenden Kosten von rund 6000 Mk. wären an dem Erlös für den Postbauplatz und für das Straßen­gelände in Ausrechnung zu bringen, der verbleibende Rein- eingeno.nmen . Der Erlös für das abzutretende Straßen­gewinn der VermögensrubrikErlös aus veräußerten Staatsdomänen" zu überweisen. Das Finanzministerium wünscht zu allem diesem die Genehmigung des Landtages

Kus Stadt und Land.

(Ter Abdruck der unter dieser Rubrck befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Auz." gestattet.)

Gießen, 7. Februar 1902.

** Postverkehr. Nach einer Mitteilung der Oberpost­direktion Darmstadt ist die s. Z. von der Handelskammer Worms beantragte Aufhebung der Beschränkung des Post­dienstes am Allerheiligentag und Mariä Himmelfahttstag nach vorgängiger Verständigung mit der Staatsregierung nunmehr genehmigt worden.

** Heranbildung weiblicher Dienstboten. Um einem wirklichen Bedürfnis unserer Zett abzuhelfen, beabsichtigt man in Mannheim einen Verein zu gründen, der die Heranbildung volksschulentlassener ^Rädchen zu tüchtigen Dienstboten bezweckt. In erster Linie will man dadurch, daß man die jungen Mädchen in sorgsam geprüfte Lehrverhältnisfe bringt, dafür sorgen, daß sie für ihre künftige Stellung in Familien gründlich vorbereitet werden und nicht gezwungen snrd, zu jung, unerfahren und körperlich zu schwach in Dienst zu gehen. Die Erziehung in der Familie ist für ein dereinstiges Wirken im eigenen Haus­halt für die Mädchen von großem Werte und ihnen zum aussichtsvollen Erwerb, wie für ihre Zukunft gleich förder­lich. In zweiter Linie werden die so geschulten, unter steter Aufsicht des Vereins herangebildeten Mädchen vieler Not und Klage der Hausfrauen abhelfen. Wir meinen, ein solcher Verein thäte auch für uns in Gießen not, und wir stellen diese Frage zur öffentlichen Diskussion. Jede wohlgesinnte Hausfrau und Mutter leiste Beihilfe mit Rat und That zur Verwirllichung eines solchen Gießener Unter­nehmens. Ern solcher Verein braucht nickt allein Geld­mittel, sondern auch tüchtige, wohlmeinenoe Hausfrauen, die ein junges Mädchen zu deren Erziehung bei sich auf­nehmen und es in Rücksicht auf dessen Unerfahrenheit, Jugend und Kraft mit Verständnis in dem Nötigen unter­weisen. Die Frauen, die ein solches Lehramt übernehmen, erwerben sich besonderen Dank und zeigen damtt, daß sie für die in jungen Jahren schon auf Erwerb angewiesenen Mädchen ein warmes Herz ljaben und von ihrer sozialen Pflicht zum Wohle chrer Mitmenschen beizutragen durch­drungen sind. Möchten sich recht viele solcher wackeren Frauen finden. Sie werden in ihren Erfolgen die schönste Genugthuung sinden!

** Ein ^Industrie- und Gewerbe aus st ell- ung soll bekanntlich in diesem Jahre in Düsseldorf statt- finden. Eine hiesige Firma, die sich an dieser Ausstellung beteiligen wollte, erhielt die überraschende Nachricht aus Düsseldorf, daß zu dieser Ausstellungnur solche Fir­men zugelassen werden, welche in den Provinzen Rhein­land, Westfalen, dem Regierungsbezirk Wiesbaden und den Städten Offenbach und Hanau wohnhaft sind." Also aus dem ganzen Großherzogttrm Hessen wird nur die In­dustrie einer einzigen Stadt zugelassen! Wie kommt, so fragt man sich dcumufhin erstaunt, gerade Offenbach zu dieser besonderen auffallenden Berücksichtigung, und warum schließt man andere hessische Städte, wie Mainz, Bingen, Gießen 2c. aus, ohne sich auch nur die Mühe einer Motivierung dieses seltsamen Vorgehens zu nehmen? Nun, die Bewohner unseres Großherzogtums werden wohl diese niederrheinische Liebenswürdigkeit mit einem ostenta­tiven Fernbleiben von der Ausstellung quittieren. Beson­ders lohnend dürfte ja wohl auch ein Besuch der Düssel­dorfer Ausstellung nicht werden. Wir lesen heute darüber in einem Feuilleton derVoss. Ztg.":

Aller Dinge Vater ist oekanntlich heute das Plakat. So erließ man denn ein Preisausschreiben, aus dem auch vier gekrönte Entwürfe hervorgingen. Zwei Preise erhielt der Münchener Martin Wiegand. Das erste Plakat wurde ausgeführt ; es stellt das Brustbild eines Arbeiters mitt­leren Alters dar, der seinen langstieligen Hammer über

die Schulter geworfen hat und dem Beschauer gerade entgegenblickt; seine rechte Hand umfaßt noch das Ende des Hammerstieles, als ob er für einen Augenblick von tüchtiger, ihn mit Selbstbewußtsein füllender Arbeit aus- ruhte. Vor ihm schaut Über eine glatte, die Jnschirift tragende Ballustrade ein lächelndes Kind, das in der Rechten wie ein Spielzeug die Statue der Germania balanziert. Ich finde absolut nichts Geniales darin. Aber interessant ist weniger, was der Künstler bot, als das, was die Düsseldorfer dazu sagten. Es wurde eine gründliche Korrektur vorgenommen; vor allem die hammerhaltende Hand gefiel den rheinischen Pro­fessoren gar nicht, und so wurde sie denn kunstgerecht über den Hammerstiel geworfen, daß dessen Ende noch seitwärts hervorsieht. Jetzt liegt sie da halb geöffnet, legere, den feingezeichneten Rücken zeigend, dem nur noch der Handschuh fehlt! In dieser Pose läßt sich ein Kommerzien­rat photographieren! Aber hierin liegt es: die Düssel­dorfer Maler und ihre meiste Kunst sie tragen alle zu viel Handschuhe, und der Kommerzienrat schaut ihnen über die Schulter; man gehe nur einmal in den altberühmtenMalkasten" man muß die Maler mit der Laterne suchen, die Industrie hat ihn völlig: erobert.

§ Butzbach, 6. Febr. In der hiesigen Volksschule be­gannen heute die Prüfungen in Gegenwatt von Vertretern der Kreisschulkommission. Mit dem am 13. März in Butz­bach stattfindenden Faselmarkt wttd eine Prämiierung sowie Verlosung von Vieh, landwittschafllichen nnd sonstigen Geräthen verbunden.

t- Rommelhausen (Kr. Büdingen), 5. Febr. Ein Knabe im Alter von 8'/» Jahren, der schon einmal im Herbst vorigen Jahres in einer Sandgrube verschüttet und nur mit Mühe gerettet worden war, siel vor einigen Tagen beim Soldaten­spiel so ungünstig, daß er infolge innerer Verletzungen gestern gestorben ist.

Maiuz, 5. Febr. In seinem soeben erschienenen Jahres­bericht bringt der Verein Mainzer Kaufleute wieder eine Reihe von Klagen vor. Der Bericht beschäftigt sich ein­gehend mit der Frage der Aufhebung des Brückengeldes. Es wird dann hingewiefen auf die Verschiebung der Handels­beziehungen des Rh ei ng au es und des Blauen Länd­chens, die sich zu gunsien Wiesbadens und zum Schaden von Mainz vollzogen hätte und welche infolge der Aufrecht­erhaltung der lästigen Verkehrsschranke, des Brückengeldes, sich nur noch weiter zu ungunften der Stadt Mainz vollziehe. Weiter beklagt sich der Verein in dem Bettcht über die be­deutenden Schwierigkeiten, die von feiten Wiesbadens mit Er­folg gegen die Erbauung der Blauen Ländchesbahn gemacht würden. Die hessische Regierung soll deshalb ersucht werden, die Mainzer Interessen nach dieser Richtung hin mehr zu vertreten, als dies seither der Fall gewesen sei.

m. Main;, 5. Febr. Hoch gehen die Wogen des Kar­nevals in Mainz, und Vas heutige Tagesgespräch bildet die Fastnacht, welche in diesem Jahre wieder glanzvoll durchge- führt werden wttd. Das Komttee des Mainzer Karneval­vereins hat für diese drei Fastnachtstage ein überaus großes Programm festgelegt. Samstag 3 Uhr mittags, Empfang des närrischen Ministeriums; 31/, Uhr Einzug der Rekruten der Prinzen- und Ranzengarde. Sonntag früh Tagesreveille der Garden in der Stadt. Mittags von 47 Uhr und abends von 811 Uhr großes karnevalistisches Konzert mtt Tanz und Absingen von Chottiedern. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 50 Pfg., an der Kaffe 80 Pfg. Fast­nachtmontag 11 Uhr 11 Min. großer Fastnachtsmontagzug durch die Hauptstraßen der Stadt bestehend aus 60 Gruppen mit Prunkwagen. Abends findet der traditionelle Halleball statt, der in diesem Jahre besonders glanzvoll zu werden verspricht. Einttittspreis im Vorverkauf Mk. 3, an der Kaffe Mk. 5. Fastnachtdienstag, vormittags, Parade der Garden und mittags von 35 Uhr Promenadekonzert auf dem Schillerplatz. Abends endlich der große Schlußball in der Stadthalle. Voroerkaufspreis Mk. 2, an der Kasse Mk. 3.

Vermischtes.

In der Konitzer Affäre ist das Gutachten der höchsten Medizinal-Behörde in Preußen, der wissenschaftlichen Deputation für Medizinalwesen in Berlin, über die Ermor­dung Winters an die Staatsanwaltschaft in Könitz gelangt. Das Gutachten ftimmt im wesentlichen mit dem Danziger überein. In einzelnen Stellen soll es sogar die in jenem Gutachten ausgesprochene Ansicht über die geschlechtliche Aus­schweifung Winters kurz vor seiner Ermordung an Schärfe bedeutend übertreffen.

* Die polizeilichen Mißgriffe scheinen neuerdings eine stehende Rubrik in den Tagesblättern werden zu sollen. So meldet derWestfale" unter dem 3. d. aus Münster: Einen bedauerlichen Mißgriff beging ein Polizeibeamter, indem er nachts 1 Uhr in einem besseren Restaurant zur Ver­haftung von drei jungen Damen schritt, die ihm aus irgend einem Grunde verdächtig vorgekommen waren. Weder der lebhafte Protest ihres Begleiters, der sich als junger Ge­richtsbeamter vorstellte, noch das Flehen und Weinen der jungen Mädchen halfen etwas; sie mußten, da sie sich, auf der Stelle natürlich, nicht legitimieren konnten, ins Münster- scheHöffken" spazieren und bis zum anderen Morgen darin zubringen. (!) Am anderen Morgen stellte sich dann die Grund­losigkeit des Verdachtes heraus. Die Aermsten stammten aus einer Kreisstadt des Regierungsbezirks und hatten in Münster Einkäufe gemacht; sie waren in der That durchaus un­bescholten! Ein unglücklicher Zufall hatte die kleine Ge­sellschaft den letzten in die Heimat führenden Abendzug ver­passen lassen, und nun hatten die vier jungen Leutchen aus der Not eine Tugend machend, durch die besseren Bierhäuser des gastlichen Münster eine kleine fidele Bierreise angetreten, die dann einen so tragischen Abschluß finden sollte. Ein neuer Fall Kulenkampff scheint auch in Bremen vorgekommen zu sein. Man schreibt darüber: Der Kommis St. der Firma C. U. kassiett am Freitag, den 31. Januar er., einen Check über 20,200 Mk. hier bei der Reichsbank ein und glaubt beim Nachzählen 21,200 Mk. erhallen zu haben. Er eilt zum Kontor, um sich Gewißheit zu verschaffen, ob der Check viel­leicht über 21,200 Mk. gelautet, doch erfähtt er hier, daß er 1000 Mk. zu viel bekommen. Sofott zur Reichsbank zurück, sagt der Kassierer, daß kein Versehen vorgekommen. Darauf teilt der junge Mann dem Kassierer mit, daß er 1000 Mk. zu viel erhallen und vor einiger Zeit 20 Mk. zu wenig, zahlt