980 M. auf den Tisch und geht in fein Geschäft zurück. 21m Sonnabend früh wird St. im Kontor von einem Schutzmann verhaftet. Unten erwarten ihn noch weitere zwei Schutz- leute, und St. wird zum Stadthaus gebracht. Hier eröffnet ihm ein Kommissiar,' daß er hinreichend verdächtig, noch wettere 1000 M. erhalten zu haben, die dem Kassierer abends beim Kassensturz noch gefehlt. Trotz Beteuerung seiner Unschuld und Angebot von Kaution in jeder Höhe seitens des Prinzipals wird St. gefesselt über die Straße ins Gefängnis geführt. Vom Sonnabendmorgen bis Montag vormittags ist St. eingesperrt gewesen. — Die Firma C. U. bat dem jungen Manne vor der Oeffenllichkeit ein Vertrauensvotum erteilt, indem sie deffeu Ernennung zum Prokuristen veröffentlichte.
' Unir^rMs Nachrichten.
Eine neue Geschichts-Professur ist im Etat für die Berliner Universität vorgemerkl und zwar eine für osteuropäische Geschichte und Kultur. Die schon vor einiger Zeü geäußerte Vermutung des „Berl. Tagebl.", daß es sich dabei um die Ueberleitung der außerordentlichen Professur Schiemanns in eine ordentliche handeln dürste, hat sich sehr bald bewahrheitet. Der genamUe Ge- sichrte gilt bereits als der neue ordentliche Professor der Geschichte, dem auch die Leitung eines Seminars für osteuropäische Geschichte übertragen werden wird. Vielleicht hat die Politik bei der Schaffung dieses neuen Lehrstuhles auch ein wenig ihre Hand im Spiele gehabt. Es ist ja noch in lebendigster Erinnerung, bis zu welch ungeheuerlicher Anmaßung sich eine Anzahl polnischer Studenten in dem Kolleg des Herrn wchiemann vor einiaen Wochen verstiegen hat, als er in seiner Vorlesung auf die polnischen Aufstandsversuche zu sprechen kam. Schiemann ist ein Historiker mit stark konservativen Anschauungen.
~ Theater, Kunst und Wissenschaft.
— Die Frankfurter Künstlerschaft, der Künstlerbund und die Eronberger Künsllervereiniauna beschloffen, sich rege an der Düsseldorfer Kunstausstellung zu beledigen, bie tm Anschlüsse an die Gewerbeausstelluna stattfindet.
Elberfeld, 4. Februar. 17 liberale Stadtverordnete gegen 18 konservative und ultramontane, die die Anbringung eines Feigenblattes beantragten, beschloffen, daß der bekannte Brunnen vor dem Rathaus in seiner Verstümmelung unverändert bleiben solle. Für die Wiederherstellung trat auch Oberbürgermeister Funk ein.
Arbeiterbewegung.
Triest, 5. Febr. Der Streik der Heizer des österreichischen Lloyd dauert unverändert fort. In einer von den Streikenden ab-
I gehaltenen Versammlung wurde gegen die Ersetzung der streikenden I Heizer durch Angehörige der Kriegsmarine scharfer Protest erhoben und dem Reichratsabg. Hortis der 91 uftrag erteilt, sich telegraphisch an den Ministerpräsidenten zu wenden, damit die Regierung rasch und energisch Legen die Direktion des Lloyd vorgehe. Ter Streik verursacht ernfmdliche Störungen im Schiffsverkehr.
Grrichtssaal.
S. Darmstadt, 5. Febr. Wegen Körperverletzung war im Jahre 1899 der Fuhrmann Jac. Schwöbel von Siedelsbrunn r. O. zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Er hat davon auch etwa iy* Jahr verbüßt, und zwar, wie sich dann herausstellte „unschuldig". Heute wurde der eigentliche Thater, Steinhau-r Joh. Knapp aus Unterabtsteinach, abgeurteilt. Schwöbel hatte seinerzeit energisch geleugnet, wurde aber auf Angabe des Verletzten und seines Bruders verurteilt- K-, wegen anderer Geschichten angeklagt, ging seinerzeit nach der Schweiz flüchtig, wurde aber im Herbst bei einem Besuch feiner Mutter festgenommen und gestand auch die That vor dem Untersuchungsrichter ein. Heute will er von der ganzen Sache nichts mehr wissen, und widerruft sein Geständnis. Er tvird aber für überführt erachtet und zu 2 Jahren 2 Monaten Gefängnis verurteilt- Die wegen fahrlässigen Falscheides angeklagten Gebr- Heiß wurden freigesprochen. — Die von der Marie Gehrhardt, geb. Ruppert in Mainz, eingelegte Revision gegen das Urteil der Strafkammer II- vom 18. Oktober v. I., die sie wegen Betrugs zu 6 Monaten Gefängnis sowie zu 400 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, weil sie bei dem Verkauf ihrer Buchdruckerei und des Verlags der „Main- spitze" in Rüsselsheim wissentlich falsche Angaben über deren Rentabilität gemacht hatte, wurde durch Urteil des Reichsgerichts in Leipzig vom 16. Januar kostenpflichtig verworfen.
Elberfeld, 6. Febr. (Militärbefreiungs- Prozeß.) Die Strafkammer verurteilte Baumann zu zweiJahren und zweiMonatenGefängnis sowie 5 Jahre Ehrverlust, unter Anrechnung von 1 Jahr 6 Monaten Untersuchungshaft. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die Verurteilung Baumanns erfolgte wegen der im ersten Prozeß bewiesenen beiden Freimachungen. In beiden Fällen wurden die Freigemachten damals verurteilt, nämlich Garschagen, der vorgab, einen Unterleibsbruch zu haben, und Hufschmidt, der nach Einnahme von Pillen einen Herzfehler vorspiegelte. In dem Urteil wird ausgeführt, daß weder ein Vergehen gegen Paragraph 143 des Strafgesetzbuches, noch ein Betrug vorliegt. Gegenüber der Annahme, heißt es in dem Urteil
weiter, daß es sich um einen wenig pflichttreuen, untüöjttaar und wissenschaftlich unbefähigten Arzt handle, sei nach der heutigen Beweisaufnahme nicht mehr zweifelhaft, daß Oberstabsarzt Schimmel als Sanitätsoffizier so befähigt ist, daß seine Tüchtigkeit weder in wissenschaftlicher, noch in körper- licher, noch in dienstlicher Hinsicht in Frage gestellt werden kann.
Möchklltlilhk Ikbrrfidjt brr ([obrsfällt in brr Stabt tzirßrn.
5. Woche. Dom 26. Jgnuar bis 1. Februar 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 sinkt. 1600 Mann Militär).
SterblichkeUsziffer: 12,Oö, nach Abzug von 2 Ortsfremden 8,03°/«.
Kinder
Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom
1. Lebensjahr: 2.—16. Jahr
Altersschwäche 1 1 — —
Tuberkulose der Ge
hirnhaut 1 1 — —
Herzleiden 1 1 — —
Eingekl. Bruch 1 (1) 1 (1) — —
Bronchitis 1 — — 1
im Wochenbett 1 (1) 1 (1) — —
Summa: 6 (2) 5 (2) — 1
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit aus von ausroärtS nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
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