Ausgabe 
6.11.1902 Zweites Blatt
 
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den übrigen Herrschaften daS Hostheater, wo Sira d ell a" gegeben wurde. Prinz Friedrich Karl traf erst später zum Thee ein und folgte am Abend einer Einladung des Offizier-Korps des Gardedragoner-Regiments Nr. 23 in dessen Kasino. Nach dem Theater fand Souper im Schloß statt, dann reisten beide Herrschaften 10 Uhr 24 Minuten nach Frankfurt a. M. zurück. Prinz und Prinzessin AdolfoonSchaumburg-Lippe werden morgen Tonners- tag nachmittag U.5 Uhr voraussichtlich wieder von hier ab­reisen.

Die Rekruten-Vereidigung fand heute vor­mittag in der alten Kaserne statt. Vorher war Gottesdienst in der Stadtkirche.

Landeslotterie. Bei der heutigen Ziehung der 1. Klaffe fiel die Prämie von 40 000 Mk. auf Nr. 84245, die zuletzt mit 300 Mk. gezogen wurde; ferner fiel ein Ge­winn von 20 000 Mk. auf Nr. 45171, ein Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 45157, ein Gewinn von 400 Mk. auf Nr. 9257, fünf Gewinne von 300 Mk. auf Nr. 2804 9468 54425 55030 73257. (Ohne Gewähr.)

* * Omnibus-Verkehr. Wegen Kanalisationsarbeiten zwischen Alicestraße und Grabenstraße verkehren die Omni- dus der Grünbergerstraße über Westanlage-Frankfurterstraße.

* * Versammlung von Geistlichen im Cafe Ebel. Gestern hatte sich auf Einladung des evang. Dekanates Gießen im großen Saal des Cafo Ebel eine größere Anzahl von Geistlichen, weltlichen Synodalabgeordneten und Kirchenoor- standSmitgliedern aus den drei evangelischen Dekanaten, Gießen, Grünberg und Hungen, versammelt, um sich über die durch daS Gesetz bezw. das Eigentum an Kirchen, Pfarrhäusern u. s. w., vom 6. August 1902 an die Kirchenvorstände heran­tretenden Aufgaben zu verständigen. Ein sehr lichtvolles Re­ferat deS Herrn Landgerichtsrat Sandmann von hier und ein mehr die praktische Seite heroorhebendes Corrcferat des Herrn Pfarrers Dr. Naumann leitete die Besprechung ein, in die dann noch der gleichfalls anwesende Leiter der Grundbuchs­anlegung in Oberhessen, Herr Landgerichtsrat Schmucken­becher und Herr Landtagsabgeordncter, Bürgermeister Leun, eingriffen. Eine ganz besondere Freude wurde den Versammel­ten dadurch bereitet, daß Herr Vikar Göttert aus Juden­burg in Stcyermark, der gerade aus Hessen besonders unter­stützten Gemeinde, der eben auf Urlaub in seiner hessischen Heimat weilt, der Versammlung anwohnte, und sehr interes­sante Mitteilungen aus dem neu erwachenden evangelischen Gemeindeleben machen konnte. Daß er die Herzen mächtig er­wärmt hatte, konnte er aus der rasch veranstalteten Samm­lung spüren, die 100 Mk. ertrug.

* * Eis der ein. In der gestern abend imGroß­herzog von Hessen" abgehaltenen Hauptversammlung er­stattete der Vorsitzende den Geschäfts- und Kassenbericht. Ter Mitglicderstand ist augenblicklich 584. Die Eisbahn konnte infolge des milden Winters 1901/02 nur an 14 Tagen benutzt werden, und zwar im Dezember an 4, im Januar an 3 uud im Februar an 7 Tagen. Die Ein­nahmen betrugen Mark 2770,94, denen als Ausgabe Mark 4084,99 geg^nüberstehen, so daß für das verflossene Ge­schäftsjahr ein Minus von Mark 1314,05 zu verzeichnen ist; der Grund hierfür ist in der Anlage und Installation der elektrischen Beleuchtung zu suchen. Ter Jahresbeitrag beträgt auch fernerhin Mark 2, Eintrittsgeld Mark 1. Neuaumeldungen sind vorläufig schriftlich an beit Vor­sitzenden zu richten, können aber späterhin auch an der Kasse des Eisvereins an der Eisbahn erfolgen. Der Vorstand hat beschlossen, die Eisbahn an Wochentagen von IO1/3 Uhr vormittags ununterbrochen bis 41/2 Uhr nach­mittags und abends von 79 Uhr versuchsweise bei elek­trischer Beleuchtung zu öffnen; für letztere wird ein Zu­schlag von 10 Pfennig von jedermann erhoben. An Sonn- und Festtagen ist die Eisbahn von früh 10 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet, ein Zuschlag für die elettrische Beleuchtung wird nicht erhoben. Mit der Geschäftslettung wurden fol­gende Herren wieder resp. neu beauftragt: Jean Kirch Vorsitzender, Professor Dr. Netto Stellvertreter; Ernst Balser, Tr. Bernbcck Eiswarte; Amtsrichter Wie­ner, Bautechniker A l t v a t e r Gerätewarte; Dr. Spohr, Privatdozent Liefmann Laufwarte: Assessor Cursch- mann, Kuhr Kassenverwalter. In oen Vorstand wurden weiter gewählt die Herren Direktor Bergen, Provinzial­direktor Tr. B r e i d e r t, Landgerichtsdirettor Dr. G ü n g e- r i ch, Stadtverordneter H a u b a ch, Polizeiamtmann Hech­ler, Kommerzienrat Heichelheim, Prof. Dr. Lucius, Bürgermeister Mecum.

* Kaufmännischer Verein. Gestern abend ver- /mstaltete der Kaufmännische Verein seinen zweiten Vortrag dieser Saison im Cafö Leib. Als Vortragender war Herr C';to Ewald aus Kassel gewonnen worden. Eine Reise durch die heiligen Lande war das Thema, über das Herr Ewald in äußerst intereffanter und seffelnder Weise etwa zwei Stunden sprach. Wenngleich heute die Litteratur gerade über diese Teile des Orients so groß ist, daß die Kenntnis Syriens, Palästinas und Egyptens in alle Schichten der Be­völkerung eingedrungen ist, so war doch die Schilderung der Reiseemdrücke, die durch eine große Zahl von Lichtbildern unterstützt wurde, ebenso unterhaltend wie lehrreich. Es kam hinzu, daß Herr Ewald über eine brillante Vortragsweise verfügt, und daß der Humor, der qu8 vielen Schilderungen hcrvorklang, das Monotone, daL vielen Vorträgen eigen ist, in glücklichster Weise verdrängte. Die Reise, die über Beirut, Jaffa, Jerusalem nach Egypten ging, wird schon von so Vielen, wenn aiich in Gedanken, gemacht worden sein, daß sich eine Wiederholung hier erübrigt. Besonderes Interesse beanspruchte natürlich Jerusalem und deffcn Umgebung, vor allem die Wanderimg durch die GrabeSkicche und die anderen, der Erinnerllng an Christus geweihten Orte. Vorzüglich waren u. a. die Lichtbilder, die unS das Stephansthor, die Himmelfahrtskapelle und die Kapelle der Grabeskirche zeigten. Von Egypten gefiel wohl am meisten die Besteigung der Pyrainiden; und ehrfurchtsvoller Schauer durchlief die An­wesenden, als sie hörten, daß diese Steinkoloffe schon mehrere Jahrhunderte standen, bevor Abraham, der Stammvater der Juden, seine Wanderungen in jenen Ländern machte. Sehr intereffant war auch die Aufnahme der .Radel der Kleo- patta", die ja jetzt in Amerika sich befindet. Und außer der Besprechung dieser historischen Stätten fand auch baS Leben deS Orients in einigen beiläufigen Zügen eine treffliche Charakterisirung. Trotz allen Reizes, der das Morgenland auszeichnct, fanden drc vielen anwesenden Damen doch, daß sie hier bei uns ein schöneres Los haben. Tie heiligen Lande bereisen: ja, dort leben: neml Das war so ungefähr

die daS Publikum aus dem Vorttag zog. Großer Beifall dankte dem Vortragenden für den in der That äußerst genußreichen Abend.

Der Jahresbericht für 1901 des General­verbandes ländlicher Genoffenschaften Raiffeisenscher Organisation für Deutschland, der landwirtschaftlichen Zentral-Tarlehnskaffe und der Beamten-Pensionskasse .Raiff­eisen* ist soeben erschienen. Beigelegt ist einErgänzungS- blatt zur Festnummer*, erschienen zur Feier der Enthüllung des Raiffelsen-Tenkmals zu Heddesdorf-Neuwied.

* * Der Verein der Ga st wirte von Gießen und Umgegend hält am 8. Januar k. I. im Cafs Leib sein diesjähriges Winterfest ab. Schon seit langen Jahren ist diese Veranstaltung unseres Wirte-Vereins für weitere Kreise unserer Bevölkerung ein Ereignis. Ist doch feiner unserer Gießener Säle groß genug, um die Vereins­mitglieder und deren Gäste zu fassen. Bei diesem Feste werden auch Tiplome an langjährig treu dienende An­gestellte im Gastwirtsgewerbe verteilt, ebenso erhalten die Mitglieder des Vereins, welche im abgelaufenen Jahre auf eine 25 jährige Thätigkeit als Gastwirte zurückblicken, an dem Abend ein Tiplom ausgehändigt.

* * Zimmer st utzen-Verein Gießen. Am Mon­tag abend hat der Zimmerstutzen-Verein Gießen wieder seine allwinterlichen Schießübungen im Saale des Schützen­hauses begonnen, das offizielle Anschießen wird dem­nächst folgen. Jeder Freund der edlen Schießkunst kann Mitglied des Vereins werden. Geschossen wird jeden Mon­tag abend, Gäste sind stets willkommen. In der Saison finden zwei große Preisschießen statt.

* * 5n der gestrigen Monatsversammlung des Kriegervereins waren außer dem Bezirks-Kom­mandeur Oberstleutnant von Moscht, anwesend die Ehrenmitglieder Zahnarzt Koch und Kommerzienrat E m - melius, ferner Hauptmann Kreuter und eine ganze Anzahl von Offizieren der Reserve. Zum geschäftlichen Teil erwähnte der Vorsitzende, Amtsrichter Wiener, daß die Bibliothek des Vereins recht gut benutzt würde. Dieselbe sei nach und nach so umfangreich geworden, daß ein neuer Schrank angeschasft werden müsse. In Rücksicht darauf würden wohl die Anschaffungen für das nächste Jahr etwas beschränkt werden. Ta fand sich denn sofort ein milder Spender der aber nicht genannt sein will welcher 100 Mark für Anschaffung des Schrankes stiftete. Dank dem Geber, welcher ja schon so manches Gute ge- tban hat, ohne daß seine linke Hand wußte, was die rechte tgat Die anwesenden.Präsidialmitglieder Landgerichtsrat Sandmann und Mayer konnten noch mitteilen, daß die amtliche Zeitung der Kriegerkameradschaft Hassia vom 1. Januar 1093 unter dem Titel:Hessischer Kamerad" er­scheinen würde; was dem Vorsitzenden Veranlassung gab, das Abonnement auf dieselbe den Mitgliedern recht warm ans Herz zu legen, und auch an Inserate für die Probe­nummern zu denken, welche im Dezember in einer Auf­lage von 10 000 Stück erscheinen würden. Ferner wurde noch mitgeteilt, daß die Emgabe, wegen Erlaß der Lust­barkeitssteuer an Kaisers- und Großherzogs-Geburtstag, vom Großh. Ministerium abschläglich beschieden worden sei. Nachdem der geschäftliche Teil erledigt war, hielt Leutnant der Reserve Kelle r einen sehr interessanten Vortrag über die nationale und soziale Bedeutung des Heeres. Mit großer Spannung folgte die Versammlung den Ausführ­ungen des Vortragenden, welche vom frühen Altertum bis zur Neuzett das soviel benörgelte und bekrittelte Thema behandelten. Reicher Beifall lohnte dem Redner, als er seinen Vortrag schloß, auf welchen der Vorsitzende sofort ein begeistertes Hurrah auf den Kaiser uno den Großher^og folgen ließ. Nach dem Vortrag erschallten alte Soloatenlieder, unter welchen auch das bekannte Re­servelied nicht fehlte, durch die Räume. Kamerad Wagner brachte ein Hoch aus auf die Offiziere, und von letzteren wurde ein Hoch auf den Verein ausgebracht. Alle aber gelobten, die Versammlungen des Vereins fleißig zu be­suchen, und baxu beizutragen, daß der Verein auch ferner wachse und gedeihe.

* * Stadtth eater. Bereits gestern wurde darauf hingewiesen, daß am Freitag Meyer-Försters erfolgrei­ches SchauspielAlt-Heidelberg" noch einmal und zwar zum letzten Male in dieser Spielzeit alsv 0 lkstü m- liche Vorstellung zu kleinen Preisen aufgeführt wird.- Kommenden Sonntag geht die große Gesangs­posse in vier AktenUnsere Marine" von W. Mann- ftaebt erstmalig in Szene. Tie hierzu nötige Dekoration Kaiseryacht Hohenzollern" wird von Herrn H. Jenny neu angefertigt

* Die Bedürfniöfrage bei Schankkonzessionen. AuS Fulda wird uns geschrieben: Die hiesigen Stadtver­ordneten haben mit 17 gegen 10 Stimmen den Erlaß eines OrtsstatuteS betreffend die Einführung der Prüfung der Be­dürfnisfrage bei Errichtung von Wirtschaften abgelehnt. (Bekanntlich steht die Stadtverordneten-Versammlung in Gießen auf einem anderen Standpunkt, und hat diese Einrichtung zu einer dauernden gemacht. D. Red.)

* Hausbriefkasten. Bei dem außerordentlichen Um­fange, den der Briefoerkehr seit Jahren angenommen hat, wird die Briefbestellung besonders in den Städten immer schwieriger. Die Briefträger sind häufig nicht im Stande, die Bestellung mit der wünschenswerten Schnelligkeit auSzu- führen, und die Postverwaltung ist meist nicht in der Lage, Abhülfe zu schaffen, weil eine Vermehrung der Zahl der Briefträger allein die Schwierigketten nicht beseitigt. Das wirksamste Mittel zur Beschleunigung der Brief­bestellung hat daS Publikum selbst in der Hand: es besteht in der Anbringung von Hausbrief­kästen an den Eingängen der Wohnungen. Denn nicht nur das Warten des Briefträgers auf das Oeffnen der Thür, das wiederholte Schellen re. fällt überall da weg, wo ein Hausbriefkasten angebracht ist, sondern es sind auch in den Fällen, wo Niemand zu Hause angetroffen wird, keine wiederholten Gänge zu machen. Also: für jede Wohn- ung einen Hausbriefkasten!

* P 0 stalische 8. Jeder Landbriesträger führt auf seinem Bestellgange ein Annahmebuch mit sich, in daS er die von ihm angenommenen Telegramme, Einschreibsendungen, Sendungen mit Wertangabe, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen, die zur Frankierung dieser Sendungen baar entrichteten Beträge sowie die angenommenen Bestellungen auf Zeitungen nebst den ihm hierfür übergebe­nen Geldbettägen einzutragen hat. Auch die Geldbeträge, die dem Landbriesträger zur Beschaffung von Wertzeichen übergeben werden, müssen in dem Buche vermerkt werden. Gleiche Annahmebücher führen die in Landorten bestehenden PoschülfSücllen. Der Eullieferer oder Auftraggeber ist he-

Allessandro die Quintessenz,

rechttgt, sich daS Annahmebuch vorzeigen zu kaffen, um sich von der Richtigkeit der Eintragungen zu überzeugen, auch kann er die Eintragung selbst bewirken. Dem Publikum wird empfohlen, von dieser Berechtigung in jedem Falle Gebrauch zu machen.

§ Butzbach, 5. Nov. Ter Großh. Gendarmerie» kommandeur Lberstlt Frhr. von Normann aus Gießen weilte heute zwecks einer Inspektion hier. Ein vier Jahre altes Kind, das am Nachmittag vor einem Fuhr­werke weg über bie Straße lief, wurde von dem Gefährt erfaßt uiw am Bein verwundet.

B. Lauterbach, 3. Nov. In dem benachbarten Dorfe Wernges verschwand vor einigen Tagen der AuSzüger Konrad Peter, bei dem seit einigen Monaten Zeichen von Geisteszerstörtheit bemerkbar waren. Da man vermutete, daß sich der Kranke ein Leid angethan habe, suchten die Ange­hörigen sofort den nahen Wald ab. Aber erst am Freitag morgen fand man ihn in einem anderen Distrikt -an einem Baume erhängt vor.

Offenbach, 4. Nov. Mit den RestaurierungS- arbeiten an unserem altehrwürdigen Schloß geht eS nun rüstig vorwärts. Der ganze Schloßkomplex ist mit einem Bretterzaun umgeben worden; an den herrlichen Arkaden deS Schloßhofes erhebt sich ein hohes Gerüst, welches die zier­lichen Sandsteinornamente zum größten Teil verdeckt. Tas unschöne, provisorische Dach des obersten Arkadengeschoffes, das diesem offenbar nach dem letzten Schloßbrande als Slot- behelf aufgesetzt worden war, ist bereits beseitigt. In der Schloßstraße finden östlich vom Schloß Kanalarbeiten statt. Dabei ist auch die außerordentlich starke und tief- gehende Grundmauer jenes hohen Mauerwerkes wieder auf- gedeckt worden, durch welches das Schloß mit der östlich davon gelegenen Dependenz verbunden war; auf der be­kannten Ansicht Merians ist diese Mauer sehr deutlich zu sehen. DerNaturmensch" Gustav Nagel, der in stüheren Jahren viel von sich reden machte, weilte dieser Tage in Offenbach. Der hochgewachsene, nur mit einem leichten, den Oberkörper freilassenden Gewände bekleidete junge Mann mit den lang über die Schultern fallenden blon­den Haaren erregte auf der Straße allgemeines Aufsehen. Nagel ist Vegetarier und Abstinenzler.

Ober-Abt st einach, 4. Nov. Ein bedauerlicher U n» glücksfall hat sich hier ereignet. Das einzige dreijährige Kind der Eheleute Leonhard Berber ich machte sich in der Küche zu schaffen, wo die Großmutter einen Topf kochenden Wassers auf den Boden gestellt hatte. Es siel dabei in baß heiße Wasser und starb alsbald an den erlittenen Brand­wunden.

Mainz, 5. Nov. In dem Bereich des biesiaen Eisen- bahnbeHirks sind, demRh. C." zufolge, in der letzten Jett verschiedene Dynamit-Attentate auf Eisenbahnzüge versucht worden, wenigstens geht dies aus folgender Be­kanntmachung her hiesigen Staatsanwaltschaft hervor: Am Bahnübergang der Straße Steinthor-Mombach über die Strecke Mai nz-Bingen wurde auf den Schienen liegend eine Rolle Gelatine-Dynamit aufgefunben. Später ent­deckte man unweit derselben Stelle unter einer Stohwelle eine halbe Rolle des gleichen Tynamtts eingekeilt. In der Nähe lagen zwischen den Schienen zerstreut mehrere Sprengkapseln. Es ist festgestellt, daß die Rollen Gelatin- Tynamit aus der Rheinischen D y n a m i t f a b r 11 Köln stammen und aus zwei Sendungen herrühren, die an den Bauunternehmer Karl Müller in Unter-Maubcich, nach dessen Magazin Uerhingen bei Kreuzau abgeliefert wurden. Offenbar ist der Sprengstoff dort entwenoet und von Arbeitern, wohl Italienern, die am Bahn bau Arbeit suchten, nach Mainz gebracht worden. Die Staatsanwalt- schast ersucht alle Behörden, auf die Thäter zu fahnden.

Alzey, 5. Nov. DerAlz. 93eob.' will aus maß­gebenden Kreisen erfahren haben, daß das Zentrum im Wahlkreis Alzey-Bingen bei der kommenden Reichstags- wahl einen eigenen Kandidaten aufftellen wird.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Wie das ,Säck. 2gbL* berichtet, ging das seit 1856 im Besitze der Familie Th. Bally gewesene. Schloß Schönau, das .Trompeterschlößchen' Schcffel'schen Angedenkens, durch Kauf in das Eigentum der Prinzessin Gertrude Alexandra zu Psenburg und Büdingen über. Die Prinzessin wird demnächst in ihr neues Besitztum über- siedeln^ ====S==

Vermischtes.

(Senftenberg, 5. Nov. Ein Cigarrennracher her» feilte am Sonntag vor acht Tagen in Jütterdorf Flug- blätter. Er wurde vorn Gemeindediener angebalten und verhaftet. Ter Gemeindediener erklärte, er sei beauftragt, jeden zu verhaften, der ohne polizeiliche Erlaubuis Flug­blätter verteile.

Bremen, 5. Nov. Nach einem Telegramm au- Mazatlan ist die Draker Bark ^re^a", Kapitän Wen, auf der Reise von Manzanillo nach Punta Arenas, total verloren gegangen. Heber die Mannschaft Liegt keine Nachricht vor. _

Tas 350jährige Jubiläum der Stadt Til­sit wurde am Sonntag festlich begangen. Nach einem Fest- gottesdienst in der großen Stadtkirche fand mittags eine öffentliche feierliche Sitzung der städtischen Behörden im Ratbause statt, an der auch geladene Ehrengäste, so der Regierungspräsident aus Gumbinnen, die Vertreter her Civil- und Militärbehörden teilnahmen. Ter Oberbürger­meister Pohl verkündete, daß die städtischen Behörden zur bleibenden Erinnerung an diesen Jubeltag folgende Stiftungen beschlossen haben: die Erbauung eines neuen städtischen Armenhauses mit Einrichtung allgemein zugäng­licher Arbeitsgelegenheit, die Errichtung eines öffentlichen Volks-Brause- und Warmbades, die Erbauung eines Waisen­hauses und endlich eine Spende von 2000 Mk. als Grund- Ilock zur Errichtung einer öffentlichen Stadtbibliothek. Aus Mittag fand Speisung der Armen auf städtische Kosten statt, auf Nachmittag offizielles Festmahl der Behörden und Bürgerschaft. Am Abend beschloß die Jubelfeier eine Fest- vorstellung im Stadttheater. .

London, 5. Nov. In einer Baumwollspinnerei m Stockpoft brach heute nachmittag Feuer au», durch das drei Personen getötet und viele verletzt wurden. Tas Feuer konnte bis jetzt nicht gelöscht werdem^^^

Kunst und Wiffenschust.

Die Ratjer Wilhelm-Bibliothek in Posen wird am 14. November üi Gegenwart von Vertretern dcr SiaarLbehorü« leietUd) emacwcibt