Ausgabe 
6.6.1902 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

geraten.

In der Beweisaufnahme bekundet Zeuge Embach, daß ihm von seiner Ehefrau und Tochter im Oktober 1897 die Angabe gemacht worden sei, Bommersheim habe 84 Pfund Saatkorn geholt. Er habe dies damals sogleich in ein kleines Buch geschrieben, das Zeuge vorlegt, und später in ein besseres Buch übertragen. Auch dieses Buch wird vorgelegt. Es enthält ein Konto für den Angeklagten, in dem auch, aber ohne Datum, die 202 Pfund Saatgetreide, die Lehrer Becker an Bommersheim ausgchändigt hat, enthalten sind. Der Zeuge bekundet weiter, daß er nicht wisse, wer die vorliegende Anzeige, die ohne Namensunterschrift bei der Staatsanwalt- chaft eingegangen ist, erhoben habe. Richtig sei, daß er wohl hier und da erzählt habe, Bommersheim habe falsch geschworen. Er bestreitet, dem Bommersheim feindlich gesinnt

zu sein.

Die Ehefrau Embach bezeugt, sie habe in Gemein

erklärt, bestimmt zu wissen, daß er Anfang Oktober 1897 dem Angeklagten 202 Pfund Saatkorn von dem Vorrat ge­geben habe, den er vorher an Embach verkauft habe. Einige weitere Zeugen wollen Bommersheim gesehen haben, wie er mit einem leeren Sack zu Embach gegangen sei und diesen gefüllt wieder herausgebracht habe. Wann dies war, kann Niemand genau angeben.

Damit ist die Beweisaufnahme geschlossen. Den Ge- chworenen wird die Schuldfrage wegen Meineids vorgelegt. Der Vertreter der Anklagebehörde, Gerichtsassessor Hoos, führt aus, daß das Belastungsmaterial nicht hinrcicht, um daraufhin den Angeklagten für schuldig zu erklären. Er bittet die Geschworenen, die Schuldfrage zu verneinen.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Grünewald, unterzieht die Verhältnisse im Dorfe Dorn-Asienheim, die sich durch die Verpachtung der Kirchenäcker ergeben, einer Kritik. Schars geht der Verteidiger mit dem Bürgermeister Rack ins Ge­richt, dessen Handlungsweise mit der Stellung eines Bürger­meisters sich nicht vereinbaren lasse. Er schließt sich dem An­träge des Staatsanwalts an.

Nach kurzer Beratung wird der Wahrspruch der Ge­schworenen verkündet, der auf nichtschuldig lautet, worauf der Gerichtshof den Angeklagten von Strafe und Kosten f r e i s p r i ch t.

wohlthätigen Zwecken zur Verfügung gestellt.

Butzbach, 5. Juni. Nach der Zusammenstellung der hiesigen Bürgermeisterei gingen pro 1901/02 für das Elektri­zitätswerk ein: a) für Stromabgabe an Private inkl. Strom­gebrauch für Motorenbetrieb 27 312,24 Mk., b) für Strom-

_______________y , abgabe an Großh. Zellenstrafanstalt Butzbach 1. für Licht schäft mit ihrer Tochter im Oktober 1897 dem Angeklagten 3 458,70 Mk., 2. Motorenbetrieb 834,20 Mk., zusammen im Speicher ihrer Hofraithe Saatkorn eingemessen, das 84 4 292,90 Mk., c) für Zählermiete 1 991,50 Mk., Summa Pfund gewogen habe. Bommersheim hat mit dem Korn das 33 597,64 Mk. Am Montag waren bie Ritter des I o- Haus verlassen. Die Embach'sche Tochter, jetzige Frau hanniterordens von Hessen und Hessen-Nassau unter Petri III. ist nur schwer zum Reden zu bringen. Sie be- dem Vorsitz des Grafen Görtz-Schlitz zu ihren alljährlichen stätigt die Angaben ihrer Mutter. Bürgermeister Rack von Beratungen in der Komthurkirche zu Nieder-Weises ver- Dorn-Asienheim stellt der Familie Embach inbezug auf ihre sammelt. Nach der geschäftlichen Sitzung fand ein Festessen Glaubwürdigkeit ein gutes Zeugnis aus und giebt dann ein im HotelHessischer Hof" statt.

Bild von den Zerwürfnissen in der Gemeinde. Er glaubt, x Herchenhain, 4. Juni. Die geplante Fern sprech- daß der Angeklagte eines Meineides fähig sei. Auf Befragen stelle von Hartmannshain nach Herchenhain ist fertig Her­des Verteidigers, womit er diese Ansicht begründe, erklärte gestellt.

Rack, Bommersheim sei prozeßsüchtig, er dränge sich ans Darmstadt, 5. Juni. Der Großherzog wohnte heute Gericht, dem andere Leute gern aus dem Wege gehen. Auf- vormittag den Besichtigungen des 1. Großh. Jnfanterie- gefordert, näher anzugeben, womit er diese Ansicht über den (Leibgarde-) Regiments Nr. 115 und Batterien des 2. Großh.

Charakter des Angeklagten begründen könne, bemerkt der Feldartillerie-Regiments Nr. 61 durch den Kommandierenden

Zeuge, Bommersheim habe in einem Fall, den er angiebt, General auf dem Truppen-Uebungsplatz bei.

sich selbst als Zeuge benannt. Auf die Frage des Vertei- Darmstadt, 5. Juni. In der heutigen Stadtverordneten» digers nach dem Verfasser der anonymen Anzeige bestreitet sitzung wurde über den Beitrag der Stadt zum Theater- Rack, daß sein 27 Jahre alter Sohn es sei. Er gesteht zu, umbau beraten. Oberbürgermeister Morneweg legte zu­dem Sohn das Material zu der Eingabe gegeben zu haben, nächst ausführlich die Sache dar und empfahl schließlich An- Angeklagte befragt, er habe ihn in der Verpachtungssache als nähme des Ausschußantrages der Majorität, die angeforderten einen rechtlich denkenden Mann kennen gelernt, dem er einen 365 000 Mk. zu bewilligen unter der Voraussetzung, daß Meineid nicht zutraue. Lehrer Beck von Dorn-Assenheim der Stadt seitens des Finanzministeriums eine billigere Er-

tzÜMMMicht.

P. Gießen, 5. Juni.

Verhandelt wird gegen den am 6. Februar 1847 ge­borenen Landwirt und Schneider Heinrich Bommersheim von Dorn-Asienheim wegen Meineids. Die Anklage ver­tritt Gerichtsassessor Hoos. Die Verteidigung führt Rechts­anwalt Grünewald. Es sind 15 Zeugen zu vernehmen. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, daß er am 1. Feb­ruar 1899 vor dem Amtsgericht Friedberg in dem Zivil­prozeß Embach einen ihm vom Kläger zugeschobenen und ooni Gericht auferlegten Eid wissentlich falsch ge­schworen habe.

Der Thatbestand der Anklage ist folgender: Der Land­wirt und Futterhändler Wilh. Adam Embach in Dorn- Assenheim hatte den Angeklagten Ende 1898 auf Zahlung eines Betrages von etwa 80 Mk. verklagt. Dieser Betrag setzte sich aus mehreren Posten zusammen, von denen einige vom Beklagten bestritten wurden. So wurde von Bommers­heim die behauptete Lieferung von 84 Pfund Saatkorn vom 9. Oktober 1897 im Betrage von Mk. 6.51 nicht anerkannt. Im Termin vor dem Amtsgericht Friedberg am 1. Februar 1899 hat der damalige Beklagte Bommersheim beschworen, das Saatkorn nicht erhalten zu haben. Dieser Eid soll nach der Anklage wissentlich falsch geleistet sein.

Der Angeklagte bestreitet entschieden, falsch geschworen zu haben. Er verweist darauf, daß er im Winter 1897, und zwar ebenfalls im Oktober, vom Lehrer Becker für Rechnung des Embach 202 Pfund Saatkorn erhalten hat. Dieses habe zur Bestellung eines 3000, Quadratmeter großen Ackers ge­nügt, ja es sei sogar noch davon etwas übrig geblieben. Er will 1897 nicht mehr Bodenfläche mit Korn bestellt habe, wie er aus einem Buche den Geschworenen nach­zuweisen sucht.

Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Schmidt, macht den Angeklagten darauf aufmerksam, daß Embach, dessen Frau und Tochter bereit seien, unter Eid zu behaupten, daß Bommersheim am 9. Oktober 1897 die 84 Pfund Saatkorn bekommen hat. Der Angeklagte bleibt bei seiner Aussage. Er sei ein Opfer der Streitigkeiten in der Gemeinde Dorn- Asienheim, die wegen der Verpachtung der Kirchenländereien ausgebrochen seien.

Es wird dem Angeklagten vorgehalten, daß er sich den Vorwurf des Falscheidrs^ der einmal im Wirtshaus gegen ihn erhoben worden sei, ruhig habe gefallen lassen. Der Angeklagte erklärt, er habe den Beleidiger Embach verklagen wollen, Rechtsanwalt Keller-Friedberg aber habe ihm ab-

Gnode gehabt, zu gestatten, daß ich normens des ganzen Ordens nnterthanigsten Dank zu Fußen legen darf für die gnädigen Worte, welche Eure Majestät soeben in so erhebender Weise an un§ gerichtet haben, wie auch für die gnädigen schriftlichen Worte, die ich den Johannilerrittern schon habe bekannt geben dürfen, in denen eine Anerkennung des L)rdens statt-gesunden hak, die muh meinen und aller Anderen Gefühlen wir erst verdienen sollen, und zugleich den Tank für die außerordentliche Auszeichnung durch Ueber- sendung des Porträts, das für das OroenSschloß in sonnen» bürg bestimmt ist. Eure Majestät wollen gestatten, daß ich im Namen sämtlich,er curwesenden Ritter und aller, die nicht hier teilnehmen können, die lleberzougung ausspreche, daß, wenn Eure Majestät sich an die Ordensritter wenden, ihnen etwas befehlen, wir bereit sind, mit allem, was wir ver­mögen, Eurer Majestät zu Diensten zu stehen! Diese Ver­sicherung bekräftigen wir mit dem Rus: L»e. Majestät, der Allerhöchste Patron unseres Ordens, der Allerhöchste Ritter unseres Ordens, Hurra, Hurra, Hura! Die Musik spielte die Nationalhymne.

Unmittelbar hieran schloß der Kaiser einen zweiten Trink sprach, welcher lautete:

Indem ich namens des hier versammelten Johanniter- Ordeus die Herren des Deutschherrn-Ordens aus Wien und von Balley-Utreckft begrüße, spreche ich zunächst meine tief empfundene Trauer aus, daß Erzherzog Eugen durch seinen Gesundheitszustand verhinvert ist, hier zu weilen. Von dem Augenblick an, wo ich Gelegenheit gehabt habe, das Interesse Sr .Hoheit aus Wiederherstellung der Bauten und auf die Geschichte und die Erneuerung der Marienburg hinzuweisen, hat der durchlauchtigste Herr mit größtem In­teresse sich der Arbeiten angenommen und sie perfplgt. Ich bitte Sie, Si5. Hoheit unsern ehrerbietigsten und innigsten Gruß und den Wunsch für seine baldige HerstelluiiMver- rnitteln zu wollen. Von Herzen seien Sie uns willkommen, die Herren im weißen Rock mit dem schwarzen Kreuz. ^-ie großartige Geschichte dieses Ordens steht so markant in Wort und Bild, nicht zum mindesten in diesen Räumen hier vor uns unsds i stschon in so hervorragender Weise ge­schildert, daß ich mich enthalten darf, des Weiteren darauf einzugehen. J5h! möchte nur einen Punkt betonen, der mir von höchster Wichtigkeit scheint, und das ist der, daß die Tendenzen, unter denen die Orden begründet wurden, ein und dieselben gewesen sind. Tas große, herrliche Gesetz, welches unser Erlöser der Menschheit gegeben hat, das erhabene Gesetz der Bruderliebe, vereint die Orden,welcher Konsessionsieauch sein mögen, tn dem großen Ziel, der leidenden Menschheit beizustehen, wo sie Können, und damit das W e r k d e r E r l ö s u u g der Menschheit, dem Vorbilde unseres Heilandes folgend, weiter zu fördern. So wie wir heute in der alten Marienkirche unsere Knie gemeinsam gebeugt haben vor einem Allerhöchsten, dem wir allever- antw örtlich sind, und unter dessen Schutz wir stehen, so möge die gemeinsame Arbeit der Orden gefördert werden, sei es aus dem Schlachtfeld e, sei es im Kranken­haus e, sei es aus dem Gebiet der Erhaltung von S i 11 e u n ü A r t und zumSchutzeallesdessen,was aut deutsch ist hier und jenseits der Grenze.

Ter Kaiser fuhrsodann in en glisch er Sprache fort begrüßte die Herren der englischen Deputatiorl und trug ihnen Grüße an den König von Großbritannien und Irland auf.

Tann fuhr der Kaiser fort:

Wir aber erheben unsere Gläser und trinken aus das .Wohl unserer Gäste, sie leben hoch, hoch, hoch! Tie Musik intonierte die österreichische Hymne.

Hierauf erhob sich General der Kavallerie Frhc. von Bechtolsheim zu folgendem Toast: Euere Majestät gestatten Allergnädigst, daß ich für den Hoch? und ^eutfch- meister Erzherzog Eugen von Oesterreich, für die dem gesamten deutschen Ritterorden so huldvoll gewidmeten Worte unfern ehrerbietigsten, unterthänigsten Tank im Namen des Hoch- und Teutschmeisters und un Namen des gesamten deutschen Ordens ausspreche. Wir danken Eurer Majestät dafür, daß Allerhöchstdieselben geruhten m hoher, erhabener Förderung der deutschen Kunst die alte Marien- 'burg in so glänzender Weise wiedererstehen zu lasten, ein weithin leuchtendes Tenkmal der ritterlichen Hochherzig­keit Ew. Majestät. Der alte deutsche Ritterorden hatte mit der Niederkämpfung des Heidentums in diesen Landen seine Bestimmung erfüllt, und friedlich konnte er seiner ursprünglichen Ausgabe samaritanischer Barmherzigkeit sich . wieder zuwenden, welche er seit Anfang seines Bestehen^ im heiligen Lande ausgeübt hatte. Geruhen Euere Ma­jestät für die höchst erhabene Fürsorge, durch die Ew. Majestät die Marienburg als Symbol, Hort und Bollwerk deutscher Treue kommenden Jahrhunderten und Geschlech­tern in so strahlendem Glanze gesichert haben, unseren allerunterthänigsten Tank entgegenzunehmen, indem ich das Glas erhebe mit dem aus unser Atter Herzen Tiefe kommenden Rufe: Se. Majestät der Kaiser, die Küsterin und das gesamte Herrscherhaus: Hoch, hoch, hoch! Die Musik spielte die Nationalhymne.

Ter Kaiser und die Kaiserin reiften um 4i/2 Uhr mit Sonderzug nach Cadinen ab. _________

gewesen, daß wir unsere Truppen durch Gründe der Vater­landsliebe und Ehre heranziehen und haben diese Wahl niemals zu bereuen gehabt. In den Augen der Welt stehe England stärker da, als je. Man habe sehen können, daß, obgleich das Land von Truppen entblößt gewesen fei, Englands Suprematie zur Dee und seine Stellung in der Welt genügt hätten, das Land zu schützen. England seinie stärker gewesen, als in der Zeit grö ßter Gefahr! .

Wie von London gemeldet wird, wird die Waffen- streckung ins Transvaal und dem Orcknjestaat nach einer Schätzung des Standard-Korrespondenten in Pretoria etwa 10 Tage in Anspruch, nehmen. Tie Kapitulation der in der Kapkolonie stehenden Kommandos dürfte aber er­heblich, länger dauern. Innerhalb der früheren Republiken wird der akute Nahrungsmangel die Wassenstreck- ung der Kommaiidos beschleunigen. Drei Kommandos aus der Gegend von Heidelberg haben bereits durch, Telegierte um schnelle Uebersendung von Lebensrnitteln und Kleidung gebeten, da sie von allem entblößt seien. Bevor nicht die Lebensmittelzufuhr zuverlässig geregelt ist, könne auch, der dringende Wunsch der Burenfrauen und Kinder, aus den Konzeiitrationslagern erlöst zu werden, nicht erfüllt werden. Zunächst sind Massen von höl­zernen Hütten bestellt worden, die den in den äußeren Bezirken ansässig gewesenen als Obdach bis zum Wieder­aufbau ihrer Häuser mitgegeben werden.

Entgegen der Nachricht, Krüger sei in Utrecht ernst­lich erkrankt, erfährt das Reutersche Bureau von wohl­unterrichteter Seite, daß der Präsident sich guter Ge- sundh eit erfreue.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 6. Juni 1902.

L.TL Von der Universität. Als Fakultätsoertreter für das S. S. 1902 wurden gewählt: Herr stud. theol. Karl Hoffmann aus Klein-Eichen, Herr stud. jur. Johann Feick aus Friedberg, Herr stud. med. Wilhelm Kolb aus Düdels­heim, Herr stud. phil. cl. Wilhelm Schmidt aus Darmstadt.

** Die zweite juristische Prüfung, die im Frühjahr in Darmstadt stattfand, ist nicht besonders gut ausgefallen. Von etwas über 20 Prüflingen sind 5 durchgefallen, wenige er­hielten die Note 3; der Rest bestand mitgenügend" 4.

** Auszeichnung. Der Großherzog hat der Hebamme Barbara Samesreuter Witwe in Westhofen die Silberne Medaille des Ludewigs-Ordens verliehen.

Dieustnachricht. Der Regierungsassessor Dr. Diehl zu Erbach i. O. wurde mit Wahrnehmung der Dienst­verrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem Kreisamt Alzey und der Regierungsassessor D r a u d t zu Lauterbach mit Wahr­nehmung der Dienstverrichtungen eines Kreisamtmanns bei dem Kreisamt Lauterbach beauftragt.

** Hohe Gäste. Mit dem Schnellzuge 8.25 von Ems kommend, traf gestern abend der König von Schweden nebst Gefolge und Dienerschaften, in Salonwagen reisend, hier ein. Nachdeni sie im Fürstenzimmer des Bahnhofs das Souper eingenommen hatten, fuhren sie mit dem O-Zuge 9.52 nach Kassel weiter.

** Das erste Abonnement-Konzert, das gestern Abend in Steins Garten stattfand, erfreute sich eines so zahlreichen Besuches, daß der große Konzertplatz sich fast als zu klein erwies, um die Erschienenen aufzunehmen. Das reichhaltige Programm brachte uns als Hauptpiecen: Lachners Jubelfeier- Marsch; Lortzings Undine; Leoncavallos Prolog a.d.Bajazzo; Rossinis QuvertureDie diebische Elster". Unter der be­währten Leitung des Musikdirektors Krauße wurde es in vollendeter Weise ausgeführt. Herr Neudack, unser ge­schätzter und beliebter Piston-Virtuose, erfreute uns durch den Vortrag von HochsNachklänge a. d. Zillerthale". Rauschen­der Beifall belohnte den jungen strebsamen Künstler, der dafür das reizende WalzerliedDu mein Girl" als Zugabe spendete. Oscar Strauß, der berühmte Ueberbrettl-Komponist, ivar mit dem geschickt komponierten IntermezzoDie Musik t'omnit" vertreten. Wenn auch der Inhalt dieses Stückes nicht neu ist, so übt es doch immer einen eigentümlichen Reiz auf die Zuhörer. In ein anderes Gebiet der Musik führte uns der Vortrag von RubinsteinsChevaliers et Cbätelaines aus Bal Codtume.Eine lustige Fahrt durch die musika- lische Welt", neuestes Potpourri von Laukien, das die be­liebtesten Melodien der Neuzeit bringt, bildete den Schluß des in allen Teilen wohlgelungenen Konzertes.

** Turnerisches. Die durch den Tod des Gauturnwartes V. Schneider frei gewordene Stelle des l.Turnwartes des Gaues Hessen wird bis zur erfolgten Neuwahl durch den Stellvertreter Wilhelm Will in Wetzlar verwaltet. Zu dem am nächsten Sonntag in Lauterbach stattfindenden Wettturnen in volkstümlichen Hebungen ist eine große Anzahl Anmeldungen eingegangen.

** Der Ueberbrettl-Abend, der vor kurzem in Steins Saalbau stattsand, hat auch in pekuniärer Hinsicht einen schönen Erfolg aufzuweisen. Es wurde ein Reinertrag von 85 Mk. erzielt. Die Summe wurde der Bürgermeifterei zu

Duftendes Eigenlob.

Im englischen Unterhause setzte am Donnerstag her vortreffliche Herr Chamberlain auseinander, daß die Regierung nicht allen Buren, welche durch den Krieg Verluste erlitten, Ersatz und Hilfe versprochen habe, sondern die Regierung habe versprochen, daß Den­jenigen Unterstützung gewährt werden sötte, die nicht im stände seien, das zur Wiederaufnahme ihres Handwerks nötige Werkzeug anzuschaffen. Balfour beantragte hier­auf die Bewilligung einer Dotation von fünfzig- t au send Pfund für Kitchener. William Redmond bekämpft den Antrag und sagt, Mchener werde in der Geschichte als Mann dastehen, der gegen Frauen unb Kinder Krieg führte. Als Redmond roeiter sprechen will, wird der L ä r m so groß, daß Redner sich nicht mehr verständlich machen kann. Nachdem der Lärm ungefähr zwanzig Minuten angedauert Ijat, wird ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen. Die Dotation wird dann mit 380 gegen 24 Stimmen bewilligt. Dagegen stim­men die "Nationalisten und einige Radikale. Als Balfour hieraus beantragt, den Offizieren und Mannschaften den Tank oeS Hauses auszusprechen, erheben die ^Nationalisten lauten Lärm. Tas Dantesvotum wird hierauf mit 382 gegen 42 Stimmen bewilligt.

Auch das Oberhaus bewilligte die Dotation für Kitchener und naljm das Dankesvotum für das Heer au. Lord Salisbury zollt den Leistiuigen des Heeres An­erkennung und fügt hinzu, Mancher behauptete, es würde besser sein, die Mannschaften für das Heer durch Ausheb­ung zu gewinnen Wir sind aber stetH damit zufrieden