Ausgabe 
6.6.1902 Erstes Blatt
 
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gliedern noch Teilnahme an der Mitgliederversammlung zu gewähren. Diese Teilnahme soll auf eine gewisse Zeit man schlug 10 Jahre und 2 Jahre vor und einigte sich auf H Jahre mit gewissen Bedingungen möglich sein.

Die Vorstellungen der Mitglieder der Großherzogl. Hofmusik, die Ausbesserung ihrer Besoldungen sich er- wünschend und thatsächlich z. Z. recht kläglich salariert wer­den, haben vor der Mehrheit des 4. Ausschusses geneigte Ohren gefunden, die Minderheit dagegen beantragt, die zweite Kammer wolle unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Finanzlage über das Gesuch zur Tagesordnuog übergehen.

Die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Errich­tung einer Haltestelle Frischborn beim Bau der Nebenbahn Lauterbach Gre benhain von der Leistung eines Zu- schusies von 3000 Mk. und der Stellung des Geländes ab­hängig gemacht. Die Gemeinde hat die genannten Zahlungen geleistet, sich dabei aber der Hoffnung hingegeben, daß die Rückerstattung erfolgen würde,weil absolut kein Grund vorlag, die Gemeinde Frischborn anders zu behandeln, wie sämtliche an der betreffenden Bahnstrecke liegenden, mit Halte­stellen bedachten Gemeinden." Doch das Gesuch wurde voin Finanzniinister abgeschlagen. Nun bitten die Frischborner, die Kämmer wolle veranlassen, daß die der Gemeinde zu­gemuteten besonderen Aufwendungen wieder zurückerstattet werden, und der Abg. Zinßer hat diesen Wunsch zum Antrag erhoben. __________________________

16. Wander - Ausstellung der deutschen <^and-

wirtschasts-Kesellschast zu Wannycim.

(Originalbericht desGieß. Anz.") n

-n. Mannheim, 6. Juni.

Meinen gestrigen Bericht hatte ich mit der Mitteilung schlossen, daß ein Gewitter im Anzuge sei. Es ging sehr rasch vorüber und brachte die ersehnte Abkühlung vor­läufig nicht. Kurz vor acht Uhr der Groß Herzog von Baden wurde nach telegraphischen Nachrichten um 8 Uhr mit hoher Begleitung erwartet durchfuhr ich, auf der Plattform eines elektrischen Wagens stehend, einige Hauptstraßen, die prachtvoll dekoriert waren. Tie Straßen waren besonders in der Nähe des Schlosses schwarz von Menschen. Als wir am Schlosse eintrafen, suhr gerade der Großherzog in den Schloßhof ein, begrüßt von den brausenden Hochrufen der Menge. Alles was seitens der Stadt geschehen ist den Vertretern der deutschen Land­wirtschaft zu Ehren, die Reden ,die dabei gehalten wurden, nur in kurzem Auszüge mitzuteilen, würde zu weit führen.

Bis in die tiefe Nacht war der Himmel wolkenlos. 'Nach Mitternacht trat starker Gewitterregen ein, dem ein Land­regen folgte, welcher bis gestern morgens 9 Uhr anhielt. W ich um 8 Uhr die Ausstellung betrat, übertraf das Bild meine Erwartungen. Das tief gelegene Ausstellungs-Ge­bäude war durch den sehr starken Regen vollständig auf­geweicht, größere Flächen waren mit Wasser bedeckt, sodaß eine ganze Reihe Säemaschinen im Wasser standen. Ein­zelne Teile der Ausstellung waren überhaupt nicht zu er­reichen, es wurden Bohlen, Bauhölzer und Schwellen ge­legt, um Verbindungswege herzustellen. Trotzdem wanderten die Ausstellungs besuch er fort und fort mit aufgespanntem Regenschirm herzu, Damen und Herren. Es war ein be­ständiges Waten im Schlamm. Damen, die besonders Un­glück hatten, waren durch vorübertrabende Pferde geradezu mit Schlamm überspritzt. Komische Szenen spielten sich genug ab. Gerade als ich in die Nähe der Rindviehställe Lam in diese war das Wasser eingedrungen und viele Tiere standen oder lagen im Schlamm wurden durch badische Soldaten im Trillichanzug die Elsaß-Lothringischen Shorthorn-Ninder vorgeführt. So führte ein Soldat die Kuh, ein anderer dao zugehörige sehr starke Kalb. . Dies machte im tiefen Schlamm die tollsten Sprünge, die der schwächere Soldat mitmachen mußte, wenn er das Kalb nicht fahren lassen wollte. Das dauerte solange, bis das unverständige Kalb ermüdete. Um 9 Uhr schien die Sonne wieder, und gegen 2 Uhr war der Verkehr durch den größten Teil der Ausstellung, ohne daß man die Stiefel stecken ließ, wieder möglich. Die zahlreichen Ausstellungsbesucher fanden sich übrigens mit gutem Humor in die Lage.

Um 12 Uhr erschienen der Großherzog, die Groß- cherzogin, das erbgroßherzogliche Paar, die Prinzen Max und Karl, sowie die Damen und Herren des Gefolges und zahlreiche geladene Gäste, darunter Mitglieder beider Kam­mern in der Ausstellung, woraus die feierliche Eröff­nung der landwirtschaftlichen Ausstellung stattsand. Als das großherzogliche Paar in Hofequipagen, a la Daumont bespannt, in der Ausstellung erschien, ertönten brausende Hoch- und Hurrarufe aus der vieltausendköpfigen Menge. Vor der Tribüne wurden die hohen Herrschaften vom Direk­torium der Deutschen landwirtschaftsgesellschast empfangen. Auf der Tribüne hatten sich inzwischen die geladenen Ehren­gäste, ferner die (Äaatsminister v. Brauer, Schenkel, Staats­rat v. Tusch, Finanzminister v. Buchenberger, sowie der preußische Gesandte v. Eisendecher und andere eingefunden. Als das großherzogliche Paar die Tribüne bestieg, wurden ihm lebhafte Ovationen dargebracht. Nachdem die hohen Herrschaften an die Brüstung der Tribüne geleitet ioaren, ergriff der Großherzog das Wort zu einer längeren Rede. Er begrüßte zunächst die Mitglieder der deutschen Landwirtschaftsgesellschast und hieß diese in dem teuern Lande Baden willkommen. Er freue sich, berufen zu sein, das Präsidium über die Tagung der Gesellschaft und bie damit verbundene Wanderausstellung zu führen. Tie Ver­di e n st e, welche sich die deutscheLandwirtschasts- gesellschaft durch ihre anregende Thütigkeit erworben habe, seien allgemein anerkannt und von Erfolgen begleitet, die sich in stetigem Fortschritt befänden. Der Großherzog ging dann des Näheren aus die Entwickelung der Stadt Mannheim ein, deren erfreuliches Aufblühen zwar auf einem anderen wirtschaftlichen Gebiete beruhe, die wirtschaftliche Kraft und der Weltruf Mannheims sei auf dem Großhandel begründet und verbunden mit einer reichen Fülle der verschiedenen großindustriellen Unterneh­mungen, zum guten Teil sei aber das wirtschaftliche Ge­deihen der Stadt Mannheim dadurch gefördert worden, daß sie von einem Gebiete reichentwickelter Landwirtschaft umgeben sei. Mit freudiger Genugthuung könne er sest- stellen, daß dem Gedeihen des Handels- und dem Industrie- Mittelpunktes k ein esweg sein Rückgangder Lau d- wirtschaft in den umliegenden Bezirken gegenüberstehe. Es sei das ein erfreulicher Beweis dafür, daß die Land­wirtschaft sich nicht in einem notwendigen Widerstreit der Interessen zu Handel und Industrie befinde. Tas Gedeihen des einen wirtschaftlichen Zweiges stehe vielmehr im unlös­baren Zusammenhang mit dem anderen. Von solchen Ge­sichtspunkten ausgehend, war die badische Regierung seit­

her bemüht, die auf Förderung des wirtschaftlichen Lebens gerichteten Maßnahmen zu gestalten. Tie Organe des Reichs wirken auf gleicher Grundlage. Tie sicherste Gewähr ür das Gedeihen der deutschen Volkswirt- chaft und insbesondere auch der Landwirtschaft Regt in dem Reiche und seiner auf Schuß und Förde­rung unseres Volkslebens, sowohl im Innern, als im Wett- treit der Nationen gerichteten Thütigkeit. Ich gedenke daher n dieser Stunde, von treuer nationaler Gesinnung erfüllt, unseres Reichs-Oberhauptes, des Kaisers, welcher in uner- müdlicher Fürsorge und mit fester Hand das Steuer des Reiches lenkt und uns heute auch als Protektor der deutschen Landwirtschaftsgesellschast vor Augen schwebt. Ter Grotzherzog schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, das begeisterten Widerhall fand.

Darauf hielt der Minister des Innern, Schenkel, eine Ansprache, in welcher er die Verdienste des Großherzog­lichen Hauses und vor allem des Großherzogs Friedrich, um das Blühen und Gedeihen der Landwirtschaft hervor­hob. Er schloß mit einem Hoch auf den Großherzog. Darauf begrüßte Landtagsabgeordneter Klein die Landwirtschafts­gesellschaft im Namen der badischen Landwirte und brachte ein Hoch auf die Deutsche Landwirtschaftsgesellschast aus. Sodann hielt Oberbürgermeister Beck eine längere An- prache, in welcher er der Thütigkeit der deutschen Land­wirtschaftsgesellschaft gedachte und mit dem Wunsche schloß, daß die deutsche Landwirtschaft blühen, wachsen uuo ge­deihen möge. Der Vorsitzende des Direktoriums der Deut- chen Landwirtschaftsgesellschast v. Arnim dankte dem Großherzog für die Uebernahme des Präsidiums^der Teut- schen Landwirtschafts-Ausstellung für 1902. Seine An- prache schloß mit einem Hoch auf die festgebende Stadt Mannheim. Damit war die Ausstellung eröffnet. Es schloß ich daran ein von der landwirtschaftlichen Gesellschaft den allerhöchsten Herrschaften gegebenes Frühstück in dem Haupt­restaurant der Ausstellung.

Tie Prinzen Max und Karl von Baden reisten nach­mittags gegen 4 Uhr nach Karlsruhe zurück. Um 5 Uhr machten der Großherzog und die Großherzogin eine Rundfahrt durch die reichgeschmüüte Stadt. Sie wurden von einer nach vielen Tausenden zählenden in den Straßen Spalier bildenden Menschenmenge mit jubelnden Zurufen begrüßt. Um 7 Uhr fand im Schloß Empfang zahlreicher Damen der hiesigen Gesellschaft durch die Großherzogin 'takt. Nach Eintritt der Dunkelheit wohnten dasGroßherzog- liche Paar und die noch hier anwesenden Fürstlichkeiten vom Schloßbalion aus dem Lampionzug und der Gesangs­erenade bei. Das Kaiserdenkmal, der Alonumentalbrumien und die Neckarbrücke erstrahlten in prächtiger Beleuchtung.

Gestern hatte ich Mitteilungen über die Pferdeausstell- ung gemacht. Ich kann hinzufügen, daß von unseren Züch­tern die r h eiu h essischen am besten bei der Prä­miierung davon kamen. Daun folgten Starkenburg und Oberhessen (Koch^Hasselheck bei Nauheim). Bei uns ist die Hochzucht der Pferde noch in den Anfängen und wir müssen uns bei einer solchen Konkurrenz, wie sie diese großen deutschen Wanderausstellungen bieten, bescheiden. Wie chon erwähnt, fehlen wir bei der Rinder- und Schweine­ausstellung gänzlich, Tas bleibt ein arger Fehler. Der Vogelsberg mit seiner Vogelsbergerzuchr hat dem hessischen Hinterland das Feld überlassen, und die Aussteller aus diesem Zuchtbezirk haben alle die großen Preise eingeheimst, die unseren Vogelsbergern größtenteils zugefallen wären. Einew einzigen Zückster im hessischen Hinterland Meis Biedenkopf der etwa 7 Stück Vogelsberger Vieh aus­gestellt hatte, sollen um 2000 Mk. an Geldprämien allein zugesallen sein. '

Gestern schon sah ich die Rindviehausstellung. Aus unseren Nachbarorten Krofdorf, Launsbach, Wismar, Fellingshausen waren gleichfalls Vogelsberger Tiere aus­gestellt. Welche Preise dahin gefallen sind, konnte ich bis­lang nicht ermitteln. In der Rinderausstellung fallen wie immer dieSimmenthaler am meisten ins Auge. Wahre Kolosse von Bullen werden da vorgeführt, die ausgezeich^ neteu gemessen und photographiert. Tie besten Tiere dieser Rasse scheint wieder Oberbaden vorzuführen: die Zucht- genossenschasten Meßkirch, Donaueschingen, Engen, Walds­hut, Villingen re. Von diesen Zuchitgenossenschaften können wir lernen, wasdurch Zusammenschluß der einzelnen Züchter zu Zuchigenossenschaften erreicht werden kann. Da muß die«: einzelne vielen anderen gegenüber seine Meinung auch einmal aufgebeii können und nickst eigensinnig auf feinem Kops bestehen. Nach den Simmenthalern gefallen von den Höhenschlägen die Glandonnersberger am meisten, während die ausgezeichneten Ni e de r u n g ss chl ä g e, die als Milchtiere am höchsten zu schätzen sind, in Süddeutsch- lau d unbeachtet bleiben. Man will von den Niederungs­schlägen, die wir in ausgezeichneten Stämmen massenhaft im nördlichen Deutschland haben, nichts wissen. Es müssen Höhenschläge sein, mit mit denen wir in Bezug aus den An­kauf von besten Zuchttieren, soweit es Simmenthaler be­trifft, stets auf das Ausland angewiesen sind. Vogels­berger, Simmenthaler, Glandoniiersberger unb Oden­wälder sind däe Rinderrassen, welche im Großherzogtum rein gezüchtet werden. Man könnte es ruhig bei Vogels­bergern und Simmenthalern lassen, diese Zersplitterung der Zuchtbestrebungen in unserem kleinen Lande taugt nichts. Unser Kleinbauer will das Vogelsberger Rind nicht missen, diejenigen der benachbarten preußischen Kreise Biedenkopf, Wetzlar re. denken meist gerade so. Nun hat aber die Pro­vinz Starkenburg den Odenwald und Odenwälder Vieh, und Rheinhessen den Tonnersberg und damit Donnersberger Viehunb deshalb müssen diese Rassen, die schon einmal halb vergessen waren, leider auch fortgezüchtet werden.

Tie Elsaß-Lothringer züchten vielfach das Shorthorn- Rind und brinaen es regelmäßig aus die Ausstellungen der Deutschen Landtvirtschastsgesellschaft. Die Tiere sind ausgezeichnet gehalten, und da sie schlechte Milchgeber sind, erzeugen sie auffallend viel Fleisch und Fett. Als Gespann tiere sind sie überhaupt nicht zu gebrauchen. Für uns hat diese Rasse gar kein Interesse. Ich übergehe die An­führung vieler anderer ausgestellten Mederrassen und Arten aus demselben Grunde.

Ganz besondere Erwähnung verdient die Fürsorge, die die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft für alle Tiere traf, welche in Ställen standen, in die Regenwasser eindrang. Sie wurden in die vorsorglich errichteten Krankenställe über­geführt und besonders verpflegt, damit sie vor etwaigen Krankheiten durch Erkältung behütet bleiben.

o « »

Dem Gesuch des Hessischen Landwirtschaftsrats um Fahrpreisermäßigung für die Besucher der Wander­ausstellung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft in Mannheim ist nunmehr seitens der Main-Neckar- Eisenbahn entsprochen worden, sodaß die bis zum 10. Juni auf sämtlichen Stationen der Maiu-Neckar-Bahn gelösten einfachen Fahrkarten nach Mannheim zur freien

Rückfahrt bis einschließlich 13. Juni gelten, wenn sie in der Ausstellung abgestempelt roorben sind.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 6. Juni 1902.

** Hessische Landeslotterie. Tie Direktion chreibt uns: Es ist manchmal bezweifelt worden, daß die möglichen Höchstgewinne des hessischen Landeslotterieplanes überhaupt oorkämen oder auch nur mit einiger Wahrschein­lichkeit vorkommen könnten. Wie unberechtigt dieser Zweifel ist, ergeben schon die bisherigen Ziehungserfahrungen. Nach­dem sich nämlich die hohen Gewinne, denen, wenn sie zuletzt gezogen werden, die Prämien zuwachsen, schon wiederholt bis fast zuletzt im Gewinnrade aufgehalten haben, waren oeben in der 3. Klasse der Hessischen Landeslotterie als letzte größere Gewinne die Gewinne von 2000 Mk. und von 20 000 Mk. verblieben, und nach Längerer Spannung )er bei der Ziehung Anwesenden ist von diesen beiden Gewinnen derjenige von 2000 Mk. zuerst gezogen und damit entschieden worden, daß die Prämie dieser Klasse in Höhe von 50 000 Mk. dem Gewinner des Gewinnes odn 20000 Mark zufallen mußte, was auf die Nummer 11 726 auch alsbald igsefchehen ist, sodaß in diesem Falle der mögliche Höchstgewinn von 70 000 Mk. wirklich erzielt worden ist. Man fieht, wer einmal Glück hat, kann es auch gründlich jaben und, wenn man das Prämiensystem mit Recht als eine interessante kleine Lotterie in der Lotterie bezeichnet, in beiden Lotterien den Rahm abschöpfen. Daß in der Schlußserie dieser Lotterie die Voraussetzungen des Zu- ammenfalls beider Prämien von 200 000 Mk. und 300 000 Mark dicht beieinander liegen, kann jeder Spiellustige aus § 8 des Planes leicht selbst erkennen. Tasselbe gilt natür­lich auch bezüglich der Erlangung der möglichen abzugs- rei zur Auszahlung gelangenden Höchstgewinne von 250 000, 200000 und 100000 Mk. der Darmstädter Schloßfreiheitslotterie, die bekanntlich demnächst ausgespielt wird und die außer in Hessen, Baden und Elsaß-Lothringen auch in Oldenburg zugelassen ist.

Gerichlssaal.

sch. Gießen, 1. Juni. <5ch 1 edsgericht für Ar­beiterversicherung. In der Sitzung vom 29. Mai ührte Kreisamtmann Dr. Heinrichs den Vorsitz. Aus Der Tagesordnung standen acht land und forstwirtschaftliche Unfallversicherungs-Sachen. Gegen den die lOprozentige Rente einstellenden Bescheid der Berufsgenosseuschaft hatte Heinrich Becker 7 zu Michelbach Berufung verfolgt, die von dem Gericht als unbegründet zurückgewiesen werden mußte, da eine nennenswerte Erwerbsbe,chräntung nicht mehr vorliegt. Gemäß § 94 Abs. 3 des land- und forstw. Un- sallverfichemngsgeietzes hatte die Genossenschaft den An­trag auf Einstellung der dem Johs. Sommer 2 zu Ober- Widdersheim bewilligten Rente gestellt. Tas Gericht er­achtete den Antrag jedoch nur teilweise für begründet und fetzte die Rente au, 35 Proz. fest. Johs. Herchenröder zu Radmühl hatte sich am 1. April d. I. beim Holzfällen eine Wunde am rechten Unterschenkel zugezogcn. Als Ent­schädigung für bie Folgen des Unfalles bewilligte die Ge­nossenschaft eine Rente von 15 Proz., wogegen Herchen­röder Berufung verfolgte. Auf Veranlassung des Schieds­gerichts wurde Kläger zunächst in der chirurg. Universitäts- Klinik behandelt. Auf Grund des bei der Entlassung aus der Klinik von Privatdozent Dr. Bötticher festgeftellten ob­jektiven Befundes verurteilte das Gericht die Genossenschaft zur Zahlung einer 40prozentigen Rente. Christine Elisa- bethe Stork zu Utphe bezog für die Folgen eines im Juni 1895 erlittenen Unfalles zuletzt noch eine Rente von 15 Prozent. Tie Genossenschaft stellte nun beim Gericht den Antrag auf Herabsetzung dieser Rente auf 10 Proz., welchem Antrag stattgegeben wurde, j Nach der Rechtsprechung des Reichsversicherungsamts fei zwar eine Besserung von fünf Prozent als eine wesentliche im Sinne des Gesetzes und als eine im wirtschaftlichen Leben meßbare nicht anzu- sehen, jedoch müsse nach der Rechtsprechung des in dem vorliegenden Falle zuständigen Rekursgerichtes, Großh. Landesversicherungnsamts, bei einer Rente von 15 Proz. eine Besserung um 5 Proz. alswesentlich" bezeichnet werden. Ludwig Hofmann zu Kirch-Göns hatte gegen den die Rente von 10 Proz. einstellenden Bescheid Berufung verfolgt, die als unbegründet verworfen werben mußte. Ebenso erging es der von dem Adam Schgser 2 zu Untere Widdersheim eingelegten Berufung. Sckfäser bezog wegen eines im Oktober 1898 erlittenen Unfalles zuletzt noch eine Rente von 25 Proz., die die Genossenschaft wegen Nicht- inehrvorliegens bon Erwerbsbeschränktheit eingestellt hat. Das Gericht schloß sich nach Einholung eines Gutachtens durch Privatdozent Dr. Bötticher der Ansicht der Beklagten an. Dem Karl Hofmann zu Salz hatte die Genossenschaft die Rente von 10 Proz. entzogen, weil eine nennenswerte Beschränkung der Erwerbsfähigkeil nicht mehr vorliege. Hiergegen verfolgte Hofniann Berufung. Tas Gericht kam zu der Ueberzeugung, daß in dem Zustand des Klägers eine Besserung eingetreten fei und verwarf die Berufung. Georg Rothweil 3. zu Heldenbergen will sich beim Heben eines Wagens einen Bruch zugezogen haben. Den dieser- halb geltend gemackften Entschädigungsanspruch lehnte die Berufsgenossenschaft ab. Die eingelegte Berufung wurde zurückgewiesen. Tas Gericht tarn auf Grund der thatsäch- iichen Verhältnisse zu der Ansicht, daß sich der Bruch allmählich entwickelt hat und gelegentlich 6eim Heben des Wagens ausgetreten ist, daß also der Bruchanstritt wohl m zeitlichem, keineswegs aber in ursächlichem Zu­sammenhang mit der Arbeit stehe.

Das Pflücken von Wald- und Feldblumen ist lein Forst- diebstahl! Also lautet eine gerichtliche Entscheidung, die ange­sichts der begonnenen Zeit der Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung von Interesse ist. Der Gerichtsfall betraf zwei Damen, welche in einer Waldung spazieren gingen, Wald- und Feldblumeri pflückten und diese zu Sträußchen banden. Sie wurden von dein Förster des Reviers betroffen, und es wurde gegen sie Anklage wegen Forstdiebstahls erhoben. Das zuständige Gericht sprach die Angeklagten" jedoch frei, indem es ausführte, daß das Pftücken von Blumen einem alten Herkommeri entspreche und der dadurch verursachte Schaden zu geringfügig sei, um eine Bestrafung zu rechtfertigen. Werden indessen Blumen zum Zrvecke des Ver­kaufens gepflückt, so liegt strafbarer Forstdiebslahl vor. ________

Vermischtes.

* Köln, 5. Juni. In der letzten Nacht entstand in der Papierfabrik von W. Oldemeycr^ & Co. in Köln-Ehren­feld Feuer. Es griff mit solcher Schnelligkeit um sich, daß die Kölner Berufsseucrwehr und die Ehrenfelder freiwillige Feuerwehr nur an die Rettung der benachbarten Gebäude denken konnten. Das Fabrikgebäude ist zum größten Tell zerstört; das Innere brannte vollständig aus; Maschinen und