sonstige Gerätschaften sind erhebüch beschädigt. Der Schaden, der durch Versicherung gedeckt ist, beträgt mindestens 160000 Mk.
* Mailand, 5. Juni. Professor Riva sowie ein Kousin des Ministers Prinetti, wurden beim Aufstieg auf die Grigna-Spitze von einer Schneelawine verschüttet.
* Venedig, 5. Juni. Der Maler David Mose erschoß sich in seinem hiesigen Atelier, angeblich wegen pekuniärer Verhältnisse.
* Tunis, 5. Juni. Louis Daurignac, der Bruder der Frau Humbert, der den Humbert'schen Besitz bei Zaghuan verwaltet, wurde auf Grund eines von Paris erlassenen Haftbefehls festgenommen.
* Der Kronprinz in der 4. Eisenbahn-Wagenklasse. Kronprinz Wilhelm unternahm mit mehreren Angehörigen des Korps „Borussia" von Bonn aus einen Ausflug nach dem Laacher See, bezw. dem Kloster Maria Laach. Wie nachträglich gemeldet wird, benutzte er mit seinen Kommilitonen für die Eisenbahnfahrt einen Wagen 4. Klasse, weil, so äußerte der Thronfolger, es in einem solchen luftiger und geräumiger als in einem Wagen 1. oder 2. Klasse, und weil der Fahrpreis ja auch erheblich billiger sei.
* Brände. Nach einer Meldung aus Leipzig ist dort der Staatsbahngüterschoppen des „Dresdener Bahnhofs" durch eine Feuersbrunst eingeäschert worden. Zahlreiche große Bahnfrachten sind verbrannt. Der Schaden ist enorm. — Durch Großfeuer wurde in Reichenbach i. S. die dem Landtagsabg. Schneider gehörige Fabrik, worin sich verschiedene mechanische Webereien und Streichgarnspinnereien befanden, völlig eingeäschert. 200 Arbeiter sind brodlos.
* Eine Liebestragödie bringt der Tod des jetzt auf seiner Besitzung Horzowitz in Böhmen gestorbenen Fürsten Wilhelm von Hanau in Erinnerung. Von der ersten Vermählung seines älteren Bruders, des Fürsten Moritz von Hanau mit der schönen Tochter des Komikers Birnbaum in Kassel wurde einst viel gesprochen. Birnbaum war am Kasseler Hoftheater in angesehener, beliebter Stellung als Komiker, wo auch seine Tochter, eine hübsche Blondine wirkte. Da knüpfte der damals noch blutjunge Fürst von Hanau, der älteste Sohn des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, mit Frl. Birnbaum Beziehungen an und floh mit ihr nach London, wo das Paar sich trauen ließ. Der Kurfürst ließ, als er von der Flucht seines Sohnes mit der Schauspielerin hörte, den Vater bei Nacht ausheben, verhaften und samt seiner Familie aus dem Lande weisen. Birnbaum bat um eine Audienz, der Kurfürst ließ ihm antworten: „Für Hunde und Komödianten habe er einen Stock, aber keine Worte!" Birnbaum stand mittellos da, bis er durch Verwendung der allmächtigen Schauspielerin Stubenrauch ein Engagement am Hoftheater in Stuttgart erhielt, indes der junge Fürst von Hanau und das Schauspielerkind die Flitterwochen in der Schweiz auf Kosten des bürgerlichen Vaters, des Komödianten, verlebten,
denn der Fürst war ohne Geld aus Kasiel geflohen, und Birnbaum darbte und verpfändete alles, um nur die Existenzmittel für den fürstlichen Schwiegersohn aufzutreiben — bis eines Tages der Fürst von Hanau des Schauspielerkindes überdrüssig wurde und, reuig Buße übend, zu den Füßen des Kurfürstenstuhles zurückkehrte, während die Mutter die junge, gebrochene Frau in das Vaterhaus nach Stuttgart holte. Dort starb sie. An der Ostseite der Umfassungsmauer des Cannstädter Friedhofs erhebt sich über einem Hügel ein Grabstein mit der Inschrift: „Augusta, Gemahlin Sr. Durchlaucht des Fürsten Friedrich Wilhelm von Hanau, geb. Birnbaum, geboren am 9. November 1837, gestorben am 29. Juni 1862." Birnbaum gab dem Bildhauer den Auftrag, auf der Rückseite das Wort „gemordet" einzumeißeln, allein die Behörde verbot die Ausführung, und so befindet fich auf der Kehrseite des Grabsteines ein goldener Stern eingemeißelt und darunter: „Wiedersehen!" Der Kurfürst von Hessen sandte an Birnbaum eine Summe Geldes. Birnbaum schickte es mit dem Bemerken zurück: „Ich bin bürgerlicher Abkunft und verkaufe weder das Leben noch den Leichnam meines Kindes!" Kurze Zeit darauf starb auch die Frau des Komikers. Das Auge noch naß von den Thränen um Weib und Kind, sollte Birnbaum in der ersten Aufführung der „Karlsschüler" die Rolle des Sergeanten Bleistift, jener armen, gemarterten Unterthanenseele, in der er ein Stück seines eigenen verpfuschten Daseins sich widerspiegeln sah, spielen. Er fühlte sich krank, unsagbar elend — gebrochen an Leib und Seele. Aber die Pflicht rief, und so betrat er krank die Bühne. Und während die Karlsschüler auf der Bühne beim Tabak und Punsch froh und wild das Räuberlied „Ein freies Leben führen wir" sangen, riß hinter den Koulisien der Lebensfaden des Schauspielers, der eben noch durch die im Rahmen seiner Rolle aufgezählten Lebensschicksale tosenden Beifall gefunden. Ein Schlagfluß hatte ihn niedergestreckt. Er war mit der Absicht, sich zu töten, ins Theater gegangen, denn auf seinem Schreibtisch ^fand man zwei mit Bleistift geschriebene Zettel folgenden Inhalts: „Morgen, am Tage nach der ersten Aufführung der „Karlsschüler", wird man meinen hoffentlich rasch und tötlich zerrissenen Leichnam auf den Eisenbahnschienen zwischen Feuerbach und Kornwestheim finden. Ich bitte um ein stilles, einfaches Grab an der Seite meines geliebten Kindes. Es bedarf keiner Inschrift!" Der Inhalt des anderen Zettels lautete: „Kurfürst von Hessen-Kassel! Den Thron hast Du durch Gottes Gnade erhalten. Das Leben vieler ist Dir anoertraut — und Du spielst mit diesen Leben, die gezählt und über die Du einst Rechenschaft geben mußt. Verzweifle einst, sowie ich verzweifelt!" Das war im Jahre 1865. Die Ereignisse des folgenden Jahres raubten dem Kurfürsten den Thron.
Kunst und Wissenschaft.
Hofrat Edward schreibt uns aus Darmstadt,daß er am Darmstadter Hoftheater nur als Darsteller und nicht als Regisseur in Thatig- feit gewesen ist, und sich erst in späterer Zeit der Buhnen-Spiel- leitung^widmete.^ ^ugen Pracht, der Meister der Landschaftsmalerei beging am Dienstag in feinem neuen Wirkungskreise Dresden den 60. Geburtstag. Seine Heimat ist Morgas in der Schweiz (Kanton Waadt). -Leine künstlerische Ausbildung erhielt er zunächst in Darmstadt durch Karl Seeger, dann in der Karlsruher Kunstschule unter Johann Wilhelm Schirmer mid (eit 1861 in Düsseldorf. Er unterbrach dann cm Jahrzehnt als Kaufmann feine künstlerische Thätigkeit, bis er 1875 in Karlsruhe im Anschluß an Hans Gude zur Malerei zurüctkehrte. 1882 wurde er zur Leitung des Landschaftsateliers an die Berliner Akademie berufen. Die große goldene Medaille erhielt er 1889.
Schiffsnachrichten.
Norddeut scher Lloyd.
In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.
Bremen, 4. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppel-Schraubendampser „Breslau", Kapitän H. Feyen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist beute 8 Uhr morgens wohlbehalten m Baltimore angekommen.
Meteorologische Beobach mngeu der Station Gießen.
Juni
Barometer auf 0° reduziert
Temperatur der Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
1 t
Wetter
5.
226
748,6
18,2
10,3
66
WNW.
2
Bed. Himmel
5.
9"
749,0
15,5
9,6
74
WSW.
2
Sero. Himmel
6.
rjiS
747,3
14,8
8,8
70
w.
1
Sonnenschein
Höchste Temperatur am 4. bis 5. Juni 20,5° C.
Niedrigste „ „ 4. „ 5. „ 15,3° 0.
Das neue Waschmittel Serfa, hergestellt in der chem. Fabrik von Daum & Eo., Wiesbaden, soll sich bereits in den Haushaltungen, sowie bei den Berufswaschfrauen allgemeiner Beliebtheit erfreuen, bei ersteren der großen Ersparnis, bei letzteren der geringen Arbeit wegen. Da es weder BefchwerungsmiUel noch irgend welche Schärfe enthält, sondern aus ganz neutralen Stoffen zusammengesetzt ist, so wirkt es außerordentlich milde, erzielt bei jeder Art von Wäsche die größte Schonung und besitzt eine außerordentlich hohe Reinigungskraft.
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