Ausgabe 
6.2.1902 Zweites Blatt
 
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Offizier- - Offi-

nicht den Mut besitze.

Belgrad, o. Febr. Große Erregung ruft in C"' kreisen ein vertraulicher Erlaß hervor, wonach die ziere in Zukunft die Geschwister der Königin Draga zu grüßen haben.

Die SLupjchtina nahm die Vorlage, nach der den in dem Attentatsprozesse Verurteilten die Kosten des Strafverfahrens erlassen werden, einstimmig an. Dre ALgg. Ziwtowitsch, Pawischewitsch und Neschitsch brandmarkten in scharfen Sorten die Geschehnisse anläßlich dieses Prozesses, in welchem die hervorragendsten Söhne des Landes un- schuldig in den Kerker gew orfen wurden, weil einthörrchte rBube aus König Milangeschossen habe. Der Abg .Ziwkowitsch verlas Erklärungen einer Reche von 3 engen, hie heute bekennen, damals f a l s ch ausgesagt zu haben, weil sie dazu gezwungen worden seien.

Helsingfors, 5. Febr. Im Bistum Borga ist das neue Wehrpflichtig es etz in 16 Gemeinden noch^ immer nicht von den Pastoren verlesen worden. Der Bischof richtete kürzliche an die betreffenden Pfarrer die Aufforde­rung, das Gesetz unverzüglich von den Kanzeln zu verlesen. Aus die Weigerung von 14 Land- und zwei Stadtpfarrern, das Gesetz in den Kirchen bekannt zu geben, hat der finlän­dische Senat nunmehr die Angelegenheit dem Staats­an w al t übergeben.

Der Pfarrer Spölstra, der früher in Pretoria amtierte, widerlegt in seiner soeben erschienenen Broschüre:Sind die

Lord Kitchener telegraphiert aus Pretoria vom 4. Febr.: Eine englische Abteilung' unter Byngs Kommando griff nach einem von Liebenbergvlei ausgehenden Nachtmarsch den Kommandanten Wessels an. Die Engländer erbeuteten zwei Geschütze, die dem Oberst Firmann vorher abgenommen worden waren, und das letzte Geschütz Dewets. Auf Seiten der Buren sielen 5 Mann, 6 wurden verwundet und 27 ge- angen genommen. Unter den Gefallenen befindet sich Feld- fomet Wessels, unter den Gefangenen Kapitän Muller von der Staatsartillerie. Die Verluste der Engländer sind leicht. Die Briten nahmen ferner drei Munitionswagen weg. Die National-Scouts aus Middelburg machten 13 Gefangene, Oberst Plumer bei Amersfoort 7 Gefangene. Gilbert Hamil- on nahm 32 Buren gefangen, zwei Buren sind im Kampfe gegen ihn gefallen.

Buren Feinde der Mission?" (Berlin, M. Warneck. 20 Pfg.) das Vorurteil, das auch in christlichen Kreisen noch vielfach herrscht, daß die Buren selbst Feinde der Mission seien. Er geht dabei systematisch zuwege, indem er an der Hand der Geschichte seinen Beweis führt. Er scheidet seine Darlegung in zwei Abschnitte:Waren die Buren früher Feinde der Mission?"Die Mission im Gebiet der heutigen Burenbevölkerung."

Aer Kasseler Hreöerprozeß.

IV.

Der frühere Direktor der Leipziger Bank, Exne r, führt weiter aus: Er habe den Eindruck gewonnen, daß Schmidt sehr nervös gewesen sei. Wenn man ihm Vorstellungen gemacht habe, so habe er wohl mit Niederlegung seines Amts gedroht. So habe er einmal an die Leipziger Bank geschrieben, er fei müde. Es wurde ihm geantwortet, es sei nicht Sache der Leipziger Bank, einen Direktor für die Kasseler Treber- trocknungsgesellschaft zu ernennen. Da aber Schmidt alle Fäden in der Hand hielt, hätten die Mitglieder der Treber- trocknungsgesellschaft das Schlimmste befürchten muffet}, wenn er sein Amt niedergelegt und ihnen den Stuhl vor die Thür gesetzt hätte. Exner äußert sich auch über die Wechsel­beziehungen zwischen der Leipziger Bank, den Treberleuten und der Trebertrocknungsgesellschast und erklärt, Hermann Sumpf habe ihm gewissermaßen vorgeworfen, daß die Wechsel der Trebertrocknungsgesellschast in Kurs gekommen seien. Er habe darauf geantwortet, eine ganz bestimmte Zusicherung, die Wechsel der Treberttocknungsgesellschast und der Treber- leute etwa im Portefeuille zu behalten und sie nicht weiter zu geben, habe man nicht leisten können.

Im wetteren Verlauf seiner Vernehmung teilt Exner mit, daß Schmidt gegen das ausdrückliche Verbot der Leipziger Bank eine Intervention zu gunsten der Trebergesellschast mit den Mitteln der Leipziger Bank vorgenommen habe. Zwischen Schmidt und Hermann Stumpf hätten Rivalitäten, veranlaßt durch deren Frauen, bestanden. Exner will in den Jahren 1896 und 1897 vergeblich den Versuch gemacht haben, in den Aufsichtsrat der'Trebergesellschast zu gelangen. Gegen 5 Uhr nachmittags wurde die heutige Verhandlung geschloffen. Exner blieb unvereidigt.

ein längeres Studium dazu, sich mit diesem reichhaltigen und interessanten Material vertraut zu machen, und es wird sich noch manchmal verlohnen, auf einzelne Ab­schnitte dieser Tenkscbrift zurückzukommen. Für jetzt sei darauf hiugewiesen, daß der Leffentlichkeit zum ersten Mal ein ausführlicher Bericht über die Entwickelung der jüngsten deutschen Kolonie, Samoa, unterbreitet wird. Tie wirtschaftlichen Verhältnisse dort sind im allgemeinen nicht ungünstig, von Landesprodukten eröffnet sich namentlich für die Kakao-, Vanille- und Ananaskultur gute Aussicht- Auf der anderen Seite freilich ist die letzte .Kokvsernte infolge anhaltender Dürre schlecht ausgefallen, sodaß die Kaufkraft der Eingeborenen als gering bezeichnet wird- Als bedeutsamstes Moment des Berichtes aber stellt sich die Arbeiterftage dar, von deren Lösung die Zukunft der Plantagenwirtschaft Samoas abhängt- Die Einge­borenen lehnen es ab, als Arbeiter in die Dienste der Weißen zu treten, und die fremden Arbeiter (Melanesier) sind teuer. Hinweise, wie hier Abhilfe zu schaffen sei, sind in der Denkschrift nicht enthalten- Es wird also abzuwarten sein, ob der Vertreter der Kolonialverwalt­ung im Reichstag ergänzende Mitteilungen macht- Ferner erscheint ange^eigt, daß die Regierung sich über die Frage der regelmäßigen Schiffsverbindung mit Samoa äußert- Tas Unabhängigkeitsverhältnis der Kolonie von der ame­rikanischen Tampferlinie die deutsche nach Apia be­stimmte Post muß stets nach dem amerikanischen Hafen Pago-Pogo gebracht unö von dort abgehvlt werden! Dieses Verhältnis kann unmöglich bestehen bleiben. Es ist oft über die Unzulänglichkeit des Hafens von -Apia geklagt worden, doch was den Amerikanern auf dem be­nachbarten Tutnila gelungen ist, das sollte den Deutschen auf Samoa nicht unmöglich sein: die Herstellung eines gebrauchsfähigen Hafens- Der Besitz eines solchen dürste für die Zukunft Samoas von nicht geringerer Bedeutung sein, als die Lösung der Arbeiterftage.

Ausland.

London, 5. Febr. Tas Unterhaus hat die Bill an­genommen, nach der die Ehe mit der Schw e st er der verstorbenen Ehegattin für gesetzrnäßig er­klärt wird.

Wie nach einer Meldung ans Carraeas dort ver­lautet, ist Frankreich entschlossen, wirtschaftliche Re­pressalien auszuüben, falls^die venezolanische Regierung sich weigere, den Franzosen Seeeesta landen zu lassen. Wie berichtet wird, wurden die Regierungstruppen in Calapano g es ch lag en. Zahlreiche Personen wurden in Carraeas verhaftet, darunter mehrere frühere Minister, hwei Generale und bret ongesehene Industrielle. Wie ferner mitgeteilt wird, ist der Jnsurgentengeneral Mastros bei Maraeaybo signalisiert. Derselbe trachtet, in venezola­nisches Gebiet einzudringen und führt große Mengen Kriegs­munition mit sich.

Manchester, 5. Febr. Auf der heutigen Jahresver­sammlung der hiesigen Hanbelskammer erklärte der Vor­sitzende Thompson mit Bezug auf die deutsche Zoll­tarifvorlage, der Vorstand der Handelskammer ver­werfe entschieden jedwede Wiedervergeltungs­maßnahmen, da er glaube, daß solche für England nur größere Nachteile bringen werden.

Brüssel, 5. Febr. Der sozialistische Abgeordnete für Antwerpen Terwagne wird den Kriegs- unb den Justiz­minister wegen des Benehmens der Gendarmen gegen Dr. Linke bei dem Unfall des BallonsBerson" in der Kammer interpellieren. Inzwischen hat der deutsche Militär-Attache dem Kriegsminister und dem Minister des Auswärtigen offiziell den Dank abgestattet für die außerordentliche Ehrung des Hauptmanns von Sigsfeld.

Paris, 5. Febr. Bei der heute wiederaufgenommenen Beratung des Auftrages auf Beschränkung des Ar­beitstages in den Bergwerken bekämpft Aynard die Festsetzung der Dauer der Arbeitszeit, da diese sich aus dem Uebereinkommen zwischen den Arbettern und den Arbeit­gebern ergeben müsse. Der Redner wirft der Kommission vor, sie habe anscheinend der Furcht vor einem allgemeinen Aus staud der Grub enarb eiter nachgegeben. Dieser Ausstand scheine große Befürchtungen zu verursachen, aber er würde den Gang der Industrie nicht aufhalten, denn dazu fei die französische Kohlenproduktion zu geringfügig. Die Kammer nimmt den ersten Paragraphen des LUtikels 1 an, nach dem die tägliche Arbeitsbauer aus 9 Stunden festgesetzt wird. Nachdem auch Paragraph zwei angenommen ist, wo­nach die tägliche Arbeitsdauer auf Sy2 und nach, weiteren zwei Jahren auf acht Stunden herabgesetzt wird, wird der Artikel 1 auch im ganzen angenommen.

Bern, 5. Febr. Informationen, die der Bundesrat über die bei Basel angeblich geplante deutsche Fest­ung einzog, haben ergeben, daß keine Anhaltspunkte vor­liegen, aus denen die Verwirklichung des Festungsprojekts beim Tüllingerberg angenommen werden kann.

Wien, 5. Febr. Die alldeutsch« Vereinigung beschloß auf dem Standpunkte vom 18. Dezember zu be­harren, wonach der Wiedereintritt des Abg. Wolf in die alldeutsche Vereinigung unter allen Umständen ausge­schlossen bleibt. Derselbe Standpunkt wurde auch! gegen­über den Parteigängern Wolss, den Abg. Tschau und Herzog, eingenommen.

Wien, 5. Febr. In hiesigen wohlinformierten Kreisen wird versichert, daß Oesterreich-Ungarn und Deutschland das Verlangen Frankreichs, die Zucker- zölle zu binden, auf der Brüsseler Zuckerkonferenz unter­stützen werden.

B u d a p e st, 5. Febr. Seitens der Volkspartei wurde heute im Abgeordnetenhaus über die Ungarische Bank für Industrie und Handel interpelliert und die Regierung gefragt, ob über die Bank die nötige gesetzliche Kontrolle geübt werde und Vorsorge getroffen sei, derselben die staatlichen Benefizen zu entziehen, schließlich ob that- sächlich aus staatlichen Kassenbeständen 2 400 000 Kronen bei der Lank deponiert seien. Abg. Nessy brachte heute den Unterricht in der deutschen Sprache in den hauptstädtischen. Volksschulen zur Sprache und fragte den Unterrichtsminister, ob er bis zum Beginn des nächsten Schuljahres Vorsorge für die Ab s ch afsun g deS d eutschen Sp rachunter - richts treffen wolle, wozu der Akagistrat der Hauptstadt

Komische Tagesschau.

Samoa.

Tie dem Reichstag jetzt vorliegende Denkschrift über

-ine Entwickelung der deutschen Schutzgebiete im Berichts-

1990/01 H rmgLw-öhuttch urnsimgrÄch. SS gehört

Aus Stadl und Iand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik desindlichenOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestaltet.) Gießen, 6. Februar 1902.

LU. Eheupromotion. Die philosophische Fakultät der Universität hat Herrn-Ka rl Salzmann in St. Petersburg, Wirkt. Staatsrat, Mitglied der Kaiserl. Akademie der Wissen- schasten, Sekretär des Asiatischen Museums in St. Petersburg zum Dr. phil. honoris causa promoviert.

** Der Finanzausschuß der Zwecken Kammer hat an dem diesjährigen Hauptvoranfchlage demMainz. Journ." zufolge infolge Abänderung undStreichung die Summe von 496,716Mk. gekürzt. Da der nicht gedeckte Fehlbetrag nach der Regierungs­vorlage 809,091 Mk. beträgt, so beantragt der Finanzaus­schuß, den Restbetrag von 312,374 Mk. ebenfalls aus den Ueberschüssen früherer Finanzpenoden zu decken. Der Aus­schuß beantragt weiter, somit eine Erhöhung der Vermögens­steuer in einer Zeit, in der das gesamte Erwerbsleben dar- niederliegt, nicht eintreten zu lassen.

** Aus dem Theaterbureau. Freitag wird als 7. Volksvorstellung Grillparzers fünfaktiges TramaDie Ahnfrau" auf geführt- Eintritts­preise: Loge Mk- 1., Saal 40 Pf., Gallerie 20 Pf. Die nächstfolgende Vorstellung findet Mittwoch, den 12. Februar a. c. statt.

** Eiskonzert. Bei anhaltendem Frostwetter beabsichtigt der Vorstand des Eisvereins, am Sonntag auf der Eisbahn konzertieren zu lassen. Die Eisbahn ersttahlt nunmehr jeden Abend von 79 Uhr in elektrischem Licht. Der Vorstand hat in Anbetracht des für den Schlittschulauf bisher ungün­stigen Wetters beschlossen, von der Erhebung eines beson­deren Eintrittsgeldes für die elektrische Beleuchtung seitens der Mitglieder abzusehen. Die Mitglieder des Eisvereins haben also auch des abends freien Zutritt zur Eisbahn.

** Kciegerkameradschast Hasfia. Nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten sind in den Landesverband der KriegerkameradschaftHassia" aus Oberheffen wetter auf» genommen worden: Kriegerverein Stammheim mit 20 Mit­gliedern, Bezirk Altenstadt; Kriegermilitäroerein Ober-Wöll­stadt mit 12 Mitgliedern, Bezirk Friedberg; Kriegerverein Unter-Seibertenrod mit 21 Mitgliedern, Bezirk Ulrichstein; Kriegerverein Schadenbach mit 17 Mitgliedern, Bezirk Hom­berg a. d. O.

** Der Beautten-Verein begeht am Samstag im Gießener Festsaal einen Maskenball. Der Abend dürfte für die Mit­glieder und Gäste ebenso unterhaltend wie gemütlich werden. Gäste haben nur Zutritt gegen Vorzeigung einer Einladungs­karte ; maskierten Damen und Herrn ist der Besuch nur ge­stattet, wenn sie im Besitze einer Geheimkarte sind, die bei jedesmaligem Eintritt den kontrollierenden Vorstands-Mtt- gliedem vorgezeigt werden muß.

** Jagdverpachtungen. Die dieser Tage in Grebenau bei Alsfeld erfolgte Verpachtung der Gemeindejagd hatte für die Gemeindekasse em weniger gutes Ergebnis. Da­durch, daß das Hofjagdamt auf die Gemeindejagden in dieser Gegend wenig resiektiert, blieb das Angebot der seitherigen Jagdgesellschaft mit 120 Mk., dem Schätzungswert der Jagd, das Höchstgebot (gegen 180 Mk. in der abgelaufenen Periode), das denn auch den Zuschlag erhielt. In Wallersdorf blieb Dr. med. Schneider von hier Höchstbietender mit 180 Mk. jährlich. Die Gemeindejagd zu Udenhausen hatte verschiedene Liebhaber, die einander überboten, bis die dortige Jagdgesellschaft mit einem Pachtpreis von 305 Mk. (gegen 250 seither) Sieger blieb. Die Gemeindejagd zu Eulersdorf ist, wie wir hören, von dem Gemeinderat dem Hofjagdamt für den seitherigen Preis von 120 Mk. aus der Hand vergeben worden. Wenn in einigen Jahren die Bahn Alsfeld-Niederaula gebaut ist, wird wohl auch der leichteren Erreichbarkeit des Jagdgebiets halber, der Preis der wild- reichen Jagden in dieser Gegend steigen.

6. Londorf, 5. Febr. Bei der heutigen Wahl für den Kreistag wurde Apotheker Welker-Allendorf a. d. Lda. mit 16 von 19 Stimmen wiedergewählt. An die Wahl schloß sich eine kleine Nachfeier.

gepLeiten der Arbeiterschaft beschäftigten. Zu seinen Mit­gliedern zählen der Verband Christlicher Maurer, der Bauarbeiter, der Zimmerer, der Dachdecker, der Christ­lichen Metallarbeiter, der Christlichen Holzarbeiter, der Verein Berliner Hausdiener, der Berliner deutschnatiouale Handlungsgehilfen-Verband, der Bund der Fleischer, der Katholische Arbeiter-Verein, der Evangelische Arbeiter-Ver- ein und andere. Man hat sich an den Oberbürgermeister Kirschner gewandt mit einer Eingabe um Einführung des Proportion alwahlsystems für Gewerbegerichte; beigegeben war eine ausführliche Begründung und ein Entwurf.

Dresden, 5. Febr. Infolge einer Indemnitäts-Er­klärung, zu der sich das sächs. Finanzministerium ge- Mungen sah, ist es zu einer Krisis hinsichtlich des Finanzministers von Watzdorf gekommen.

Die englische Ablehnurrgsnote.

In Berliner politischen Kreisen nimmt man, demBerl. Tgbl." zufolge, an, daß die Note Englands für Holland eine strikte Abweisung bedeute, die es der holländischen Regier­ung unmöglich mache, den Faden einer Vermittelungs-Aktion wieder aufzunehmen. England habe sich nur insofern eine Thür offen gelassen, als es selbst in einem geeigneten Mo­ment auf den Vorschlag Kuypers zurückgreifen könnte. Daß es dies thun werde, erscheine jedoch nicht wahrscheinlich. Vielmehr fei anzunehmen, daß der Krieg in Südafrika bis zum letzten Ende durchgeführt werden wird.

Wir sind anderer Meinung. England ist es glänzend gelungen, den holländischen Ministerpräsidenten zu übertölpeln und, indem es nach wie vor vom hohen Rosse herab den ganzen Krieg als eine Lappalie zu behandeln vorgiebt, hat es sich schlau Gelegenhett zu einem Anknüpfungspunkte ge­lassen. Leider nur hat es dabei nicht seine Rechnung mit der Burenmission im Haag gemacht, die in ihrer Gegen­erklärung (vgl. die Depesche aus dem Haag in unserem heu­igen Parlamentsblatte) auf ihrem alten Standpunkte mit heldenmütiger Standhaftigkeit beharrt. Ein Berichterstatter der Südafrikan. Korrespondenz im Haag hatte am Sonntag eine Unterredung mit einem erst seit drei Wochen vom Kriegs­chauplatze herübergekommenen Freistaater. Derselbe gab auf die Frage:Glauben Sie, daß die Note den Frieden herbei- ühren wird?" die Antwort:Das hängt vornehmlich von der militärischen Lage ab. Und ich glaube, daß England noch nicht genug erschöpft ist, um unsere Forderungen anzunehmen!"Sie glauben also noch nicht an Frieden?" Nein, leider noch nicht. Wir wünschten ihn wohl, wie wir ihn ja immer gewünscht haben. Aber, wir wollen ihn heute nur um einen Preis: das ist unsere völlige Unab­hängigkeit!"

DerFigaro" veröffentlicht eine Unterredung mit einer der beftinformierteften Persönlichkeiten Englands, aus der hervorgeht, daß die Verhandlungen zwischen Holland und England der eigensten Initiative des Königs Eduard zu verdanken sind, der fest entschlossen sei, die Krönungsfeier nur dann stattsinden zu lassen, wenn der Friede mit den Buren abgeschlossen ist. König Eduard sei bestrebt, ein volkstümlicher Mann zu werden. Seine Freundschaft mit Lord Rosebery sei allgemein bekannt und es unterliege : einem Zweifel, daß dieser später an Stelle Salisburys zum Premierminister ernannt werde. Mit Chamberlain sei »er König keineswegs zufrieden und es fei ein öffent- iches Geheimnis, daß er ihm nur geringe Sympathie entgegenbringt Man erwartet allgemein, daß die nun ein­mal begonnenen Friedensoerhandlungen zu einem guten Ende geführt werden.

Das klingt durchaus nicht so unwahrscheinlich und be- ätigt durchaus unsere Vermutung, daß England das kleine Holland am Narrenseile herumgeführt hat und daß es ihm mit seinem offengelaffenen Hinterpförtchen sehr ernst gemeint ist. Der Anerkennung des Präsidenten Steijn als Vertreter der Oranjeburen und Schalk Burger's als Vertreter der Trans­vaalburen kann man sehr wohl die Deutung geben, daß Eng­land sich dem Zugeständnis nähert, daß die Republiken noch eine Regierungsgewalt besitzen und thatsächlich eine kriegführende Macht darstellen. Besonderes Gewicht ist auch auf die That- ache zu legen, daß England diesmal keinerlei Vorbedingung ür die Friedensverhandlung stellte, daß es vor allem darauf verzichtete, die vorherige bedingungslose Anerkennung der eng- lichen Oberhoheit durch die Buren zu verlangen.