Ausgabe 
6.2.1902 Drittes Blatt
 
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Behörden lieblich gedeihende und floriernde geistige Seuche, die zugleich ein wundervolles Zeugnis bildet für die geistige und sittliche Höhe, die das moderne Kulturleben erreicht hat. Es fehlen noch einige Hexenprozesse und Ketzerverbrennungen, um das Bild harmonisch abzurunden. Wer weiß denn aber, wie lange wir diese Lücke noch beklagen?

Gesundheitsbeter und Spiritisten.

Es war eine merkwürdige Abwechselung, die in dem eintönigen Streit der Parteien um Arbeitsämter und Arbeits­losenschutz im Deutschen Reichstage ani Montag eintrat. Richt weniger als drei Redner haben entrüsteten Protest er­hoben gegen den ungeheuerlichen Unfug, der mit demGe- sundbetcn" und mit spiritistischen Experimenten verübt wird und der nirgends auch nur annähernd eine solche Fülle von Adepten um sich vereinigt hat, wie in der Hauptstadt des Lichtes, in dem Zentrum der Aufklärung, in Berlin.

Es ist natürlich, daß es in einer Millionenstadt auch Dummköpfe geben muß. Die Leute, die den Lupus mit Lehm oder Papieröl, die Lungenentzündung mit Quark, Bruchleiden mit Fuchsfell und Pechpflaster kurieren, sind in Berlin keineswegs spärlich gesät, der Schäfer Ast, der aus den Haaren, Hemden und Knöpfen der Kranken ihre Leiden -erkennt, konnte beträchtliche Schätze anhäufen, zu denen aiich vom grünen Strand der Spree manch' Scherstcin hcranrollte, und der frühere Tischler Kühne in Leipzig hat mit seiner Gesichtsausdruckskunde Lorbeern und klingendes Gold in Fülle geerntet. Einst führte man in Abdera einen heftigen Bürger­krieg um den Schatten eines Esels: Die Zeiten ändern sich, aber nicht die Menschen. So wie damals Strobylos iind Ägathyrsos nachzulesen in Wielands lehrsamcm Buche tote erhitzten Parteien gegeneinander führten, so wird auch jetzt, wo der deutsche Reichstag, der einst die Heimstätte -großer nationaler Erregungen war, diskutieren mußte über Gesundheitsbeten und Geisterklopfen, die Bewegung der Dumm- iheit noch zunehmen an Intensität und das Trotteltum wird um so ärgere Orgien feiern, als die Vertreter der Regierung der Forderung energischer Abwehr in voller Hilflosigkeit gegenüberstanden. Der Paragraph vom groben Unfug scheint nur dann elastisch zu werden, wenn es sich um einen armen iPreßsünder handelt, er versagt, wo verschmitzte Gauner es verstehen, ihr Treiben mit dem Mantel des Pietismus zu 'bedecken. Als die Freisinnigen Dr. Müller-Meiningen und >Dr. Müller-Sagan und der frühere Hofprediger Stöcker sich ,gegen den jämmerlichen Unfug wandten, hat kein Vertreter sder Regierung das Wort ergriffen. Ist es geschehen, weil 'man die bestehenden Gesetze für unzulänglich hielt? Oder, wie Einige meinen, weil sich das neueste Produkt der Trotte- ckosis der gewichtigen Protektion hochstehender Kreise erfreut? Die zahlreichen eleganten Equipagen vor den Thüren der Gesundheitsbeter und der Kartenlegerinnen, von denen jetzt ifo viel in Berliner Blättern die Rede ist, sprechen allerdings «eine wunderlich beredte Sprache. Und es ist in der That keine neue, wenn auch stets eine unerfreuliche Erscheinung, daß der Okkultismus, mag 'er sich so oder so äußern, stets leine Hauptpflegstätten in den sogenannten vornehmen Kreisen .findet, und der Graf Brassier de Saint Simon, der als Ge­sandter, ehe er seine Berichte absandte, stets sein spiritistffches 'Medium befragte, ist durchaus keine vereinzelte Erscheinung -geblieben.

Man mag sich zu dem Politiker Stöcker stellen, wie "immer man will, aber man wird kein Recht haben, daran zu zweifeln, daß er ein aufrichtiger Christ ist, der es ernst meint mit der Religion. Wenn er mit aller Schärfe die Theorie

nehmung erfolgt zunächst uneidlichu Exner giebt Auskunft über die Anbahnung der Geschäftsverbindung der Treber- Trocknungs-Gesellschaft mit der Leipziger Bank, die im Jahre 1895 erfolgt ist. Es handelte sich damals um Bildung eures Garantie-Konsortiums für die Garantie der damals vorgeschlagenen Ausgabe der iunaen Aktien.

Vermischtes.

* London, 5. Febr. In Brisbano ist ein Pestfall mit tätlichem Ausgang zu verzeichnen gewesen.

Der teuerste Bahnhof der Welt dürfte der ge­plante Zentralbahnhof in Leipzig werden. Die Ge- amtkosten sind auf rund 100 Millionen Mark veranschlagt. (Der Frankfurter Hauptbahnhof kostete etwa 30 Millionen

Schmidt chlossen, eingehen o sehr mit, die

Loudon, 6. Februar. Ein von dem Burenführer Smuths an Louis Botha gerichteter, aus Ermelo vom 2. Sept. v. Js. datierter Brief, der aufgefangen wurde, ist heute amtlich veröffenllicht worden. Der Brief ist die Ant­wort Smuths auf ein Schreiben Bothas, in dem dieser Smuth von seinem Posten als Assistenten des Generalkom­mandanten ab setzt, weil er die von Smuths für die Ein­äscherung von Bremensdorf angegebenen Gründe für ungenügend erklärte. Smuths verteidigt in dem Briefe die Einäscherung, und führt dann aus, daß das Ver­brennen dec außerhalb der Burengrenzen gelegenen, von dem Feinde für seine Zwecke benutzten Häuser gerechtfertigt sei. Jeder Kriegführende würde dasselbe gethan haben. Smuths erklärt dann weiter, er habe Bothas Befehl erhalten, die Burenftauen fortzuschicken, und er sei, wenn die Engländer deren Uebernahme verweigerten, dafür, die Frauen über die englischen Linien abzuschieben. Schließlich erhebt Smuths energischen Widerspruch gegen seine Absetzung.

Haag, 6. Febr/ (Reuter). Die Burendelegierten erklärten bezüglich des holländisch-englischen Noten­wechsels, sie erkennten die gute Absicht der nieder- ! ändtschen Regierung an, den Krieg zu beendigen. Die Behauptungen Englands, die Burendelegierten seien ohne Einfluß auf die Vertreter der Buren in Südafrika, ei völlig unbegründet. Die Weigerung Englands, den Vorschlag der niederländischen Regierung anzunehmen, beweise, daß die Politik Englands nach wie vor darauf ge­richtet sei, das Burenvolk auszurotten und alle Bemüh­ungen zur Erlangung eines ehrenvollen Friedens für die Buren zum Schellern zu bringen. Der Wortlaut der Ant­wort der englischen Regierung hindere die Burendele­gierten, daran zu denken, von England freies Geleit u. a. zu erlangen.

St. Louis, 6. Febr. Bei der gestern gemeldeten k rUTl find die Feuerwehrleute, über denen

das Gebäude zusammenstürzte, nicht umgekommen, wie zuerst gemeldet wurde, sondern es wurden sechs von ihnen schwer verletzt.

Gerichtssaal.

Frankfurt a. M., 5. Febr. Die Strafkammer ver­urteilte heute den verantwortlichen Redakteur der sozial­demokratischenVolksstimme", Dr. Quarck, wegen Be­leidigung des Hauptmanns Abel vom 27. bayer. Jnf.-

itoes Gesundbetens verdammt, wenn er, der doch die Wunüer- jfroft des Heilandes anerkennt und sicherlich auch überzeugt ist, daß auch heute noch ein starker christlicher Glaube der 'beste Hort ist in allen Fährlichkeiten des Lebens, mit aller ^Energie Front macht gegen ein Treiben, das aus der Analogie Christus hat nicht mit Arzneien geheilt" seine Berechtigung herleitet und lästerlich den Hinweis auf den Gründer unserer Religion zur Füllung seiner Kassen benutzt, so sollte schon diese Thatsache geeignet sein, den Unterschied zwischen einer gesunden Religiosität und jenem krankhaften Pietismus zu be­leuchten, der heute einen Theil der Potsdamer nnd Berliner Hofgesellschaft in die Ordinationszimmer der Mrs. Eddy und 'ihres weiblichen Adepten treibt. Dann sollte man aber auch -erwarten, daß seiner Anregung Folge gegeben wlld, ähnlich wie in den doch wahrlich nicht der Toleranz verdächtigen Vereinigten Staaten, überall, wo sich das Befinden von Krmllen 'durch die Behandlung der Gesundbeter verschlimmert hat, mit schweren Strafen vorzugehen. Wenn bet uns ein Arzt einen ^Kunstfehler" macht, wenn ein anderer einen Patienten be­handelt ohne Zustimmung des Hausarztes, wenn er gar übertriebene" Reklame treibt, so gehen die bürgerlichen, die Disziplinär- und Ehrengerichte mit Strenge gegen ihn vor, und wenn jener Leipziger Schularzt für seine Bemühungen, soweit sie über seinen eigentlichen Pflichtenlreis hinausgehen, ein Honorar beansprucht, so wird ihm von einem hohen Rate ber Scheidebrief geschickt. Aber der Kurpfuscher, der Gesund­beter, erfreut sich der goldnen Freiheit, zu thun und zu lasien, was er will, und Herr Kühne, der ja nun tot ist, konnte un­gehindert durch das Verdikt der Gerichte behaglich seine Renten häufen. Herr Stöcker verlangt die Einsetzung einer Kommission zur Prüfung dessen, was an diesen Dingen wahr sei; das Spe­kulieren mit ihnen, um Geld zu verdienen, solle unter strengste Strafe gestellt werden. Auch das ist richtig, wie die weitere -Bemerkung, daß jetzt Tausende in eine wilde Verwirrung des ^Geistes gestürzt werden. In der That wäre neben den Be­hörden, die auch einmal den Paragraphen über die Be­schimpfung christlicher Einrichtungen in Erwägung ziehen könnten, das Gesundheitsamt kompetent. Denn ebenso, wie (bie Blattern, der Scharlach und die Cholera, tragen auch geistige Erkrankungen häufig einen epidemischen Charakter, rvie dies schon in den Festen der Kybele mit einiger Deut­lichkeit hervortrat und von den tanzenden Derwischen und den sich selbst verstümmelnden Tellnehmern an den Perser­festen in Konstanttnopel stets von neuem illustriert wird. Hat doch der Direktor einer höheren Schule in Berlin die Aula hergegeben, um als Heimstätte für die Lehren der Mrs. Eddy zu dienen. Jetzt wird es sogar bekannt, daßseit Jahr und Tag" in dem Victoria-Lycemn zu Berlin die Ideen des -Christian Science propagiert und der Klientenfang aufs intensivste betrieben werden; Frauen und Mädchen erhalten in deutscher und englischer Sprache Unterrichtskurse, und von denKliniken", die jetzt an allen Ecken und Enden auf­tauchen, wird versichert, daß sie sich brillant rentieren.

Es ist keine für die Zukunft unseres Volkes entscheidende Frage, die der Reichstag behandelte, als er die Gesundheits- heter und die Spiritisten unter die Lupe nahm. Aber sie ist tooch auch nicht so ganz unwichtig, diese iinter den Augen der

Aus Studt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichenOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Qu eilen an gäbe:Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 6. Februar 1902.

Bad-Nauheim, 4. Febr. Vandalen haben in der Sonn­tagnacht sämtliche Anpflanzungen am Parkhotel, wie Glycinen, Epheu, Heckenrosen re. abgeschnitten. Auf die Ergreifung der Thäter ist eine Belohnung von 200 Mk. ausgesetzt.

Darmstadt, 5. Febr. Die Zahl der Arbeitslosen, die in Darmstadt mtt Notstaudsarbetten beschäftigt werden, betrug am 25. Januar 137, genau so viel wie am Schluß der Woche vorher. Am 1. Februar belief sich die Zahl auf 146, als 9 mehr.

Äk Seidenstoffe

von Elfen & Keussen, Krefeld.

vorgeschlagenen Ausgabe der jungen Aktien, erklärte dem Zeugen seiner Zeit, es sei ausge- daß der Anftichtsrctt eine gemeinsame Haftung würde, da die Verrnögensverhältnisse der Herren verschieden seien. Weiter teilte Schmidt Exner Herren wollten ein jeder einen Teil der Bürg- chaft für sich übernchmen. Als Kaufmann war es mir, o sagt Exner, ganz egal, ob die Sache rechts oder links hemm gemacht wurde. Die Hauptsache war, daß id) neben der Haftbarkeit der Trebergesellschast auch noch die der Auftichtsräte bekam- Exner hat mit dem Dr. Gentzsch kontrahiert und alles genau besprochen, bevor er die Anerbietung Schmidts, alnnahm. Um alle Bedenken zu be- eitigen, sei an verschiedene Auskunfts-Bureaus ge- chrieben worden und die Bank habe außerdem von den 6 Herren einen vertraulichen Brief eingefordert, in dem ie noch persönlich ihre Vermögens-Verhältnisse klar legten und ihr Vermögen zifternmäßig angeben sollten.

Regiment in Germersheim zu 2 Monaten Gefängnis. Die Beleidigung wurde erblickt in einem aus derPfälz. Post" übernommenen ArtikelMilitarismus und Famttie", in welchem gesagt war, der Hauptmann habe einem Soldaten, der zu seinem sterbenden Vater reisen wollte, den Urlaub ver­weigert.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Darmstadt, 5. Febr. Der Prälat Habicht echiett aus Anlaß seines heutigen 80. Geburtstages sehr zahlreiche Ehr­ungen, u. a. auch ein Handschreiben des Groß Herzogs.

Berlin, 6. Febr. Zur Erklärung des Abg. Frhrn. von Heyl, daß seine Fraktion ihm nicht nahegelegt habe, aus der Z o l l t a c i s k o m m i s s i o n a u s z u s ch e i d e n, bemerkt die Rat.-Ztg.": Die Thatsache, daß der genannte Abgeordnete aus der Kommission ausscheidet, wird durch diese Mitteilung nicht berührt. Daß der schon vor längerer Zeit angekündigte Austritt noch nicht erfolgt ist, lag nur daran, daß Frhr. v. Heyl die Beratung der von ihm zu §§ 8 und 9 des Zoll­tarifgesetzes gestellten Anttäge abwarten wollte. Nach Be­endigung der Debatte über diese Punkte tritt, wie schon früher gemeldet, der Abg. Sieg an seine Stelle.

Berlin, 6. Febr. Gestern abend fand in einer Buch­binderwerkstätte in der Scharnstraße eine Explosion von Zapponmasse statt, wobei vier Buchbmder mehr ober weniger schwer verletzt wurden. DerVorwärts" teilt mit, daß gegen seinen verantwortlichen Redakteur Leid wegen Ver­öffentlichung des Erlasses des Reichsmarineamts das Ver­fahren wegen Hehlerei eröffnet worden ist.

Berlin, 5. Febr. Die Budget-Kommission des Reichstages beschäftigte sich heute mit dem Militär-Etat. Die Verhandlung über die Forderung für Fußartillerie-Mate­rial und Festungsbauten wurde bis zum Schluß der Be­ratungen ausgesetzt. Von den 130 000 Mk. zur Beschaffung von Geräten für das Luftschiffer-Bataillon wurden 45 000 Mk. gestrichen, ebenso 157000 Mk. für bauliche Veränderungen des Bekleidungsamtes des Garde-Korps. Desgleichen wurde der Neubau eines Geschäftshauses für das Militär-Kabin et nach längerer Debatte ab» gelehnt. Eine Reihe von kleineren Titeln wurde debattelos genehmigt. Morgen wird die Beratung fortgesetzt.

Berlin, 5. Febr. Die Zolltarif-Kommission de§ Reichstages setzte heute die Berathungen über den § 9 fort. Eingebracht war ein Antrag Dr. Heim-Müller Fulda, wonach die Bedingung des dringenden Bedarfes im Eingänge von Absatz 3 gestrichen und folgender Satz am Schluffe zugefügt werden soll:Die Bewilligung und die Forterhaltung der gemischten Transitläger ist davon abhängig zu machen, daß von der ausländischen Zufuhr mindestens die Hälfte, zur Wiederausfuhr gelangt". Abg. v. Wangenheim erklärte die gemischten Tranfitläger für eine Ungerechtig­keit gegen die Landwirtschaft. Dieselben müßten daher ein für allemal aus der Welt geschafft werden. Staatssekretär Graf Posadowsky teilte mit, daß die Regierung entschloffen sei, eine Anzahl Transitläger, die nur für das Inland Getreide ausführen und daher überflüssig seien, aufzuheben. Die Transitläger in Mannheim sollen jedoch auf alle Fälle bestehen bleiben. Der Staatssekretär warnte noch­mals, in der Annahme von Anträgen weiterzugehen, als die Regierungs-Vorlage vorsieht. Der sächsische Geh. Finanzrat Dr. Rüger und der badische Ministerial-Direktor Scherer be­fürworteten eindringlich die Annahme der Regierungsvorlage. Nach längerer Debatte wurde die Weiterberatung auf morgen vertagt.

Berlin, 6. Febr. DerVorwärts" meldet: sozialdemokratische Reichstagsfraktion beschloß, zu der zwecken Lesung des Etats des Auswärtigen eine, Resolution einzubringen, der Reichstag wolle be­schließen, den Reichskanzler zu ersuchen, die aus Peking ausgesührteu astronomischen Instrumente zu- rückzuführen und der chinesischen Regierung zur Ver­fügung zu stellen. Ferner beschloß die Fraktion, bei dem­selben Etatstckel die Vorgänge in Südafrika zur Besprechung zu bringen-

Der Kasseler Treöerpro^. in.

Kassel, 5. Febr. Zu Beginn dec heutigen Verhand­lung im Prozeß gegen die Aufsichtsräte der Treber- trocknungs-Gesellschaft waren Oberbürgermeister Schmi­ding ans Dortmund, der General-Direttor der Union- Lrauerci in Dortmund, Branns, ferner der frühere Di­rektor der Leipziger Bank, Exner, anwesend. Ter Prä­sident teilte den Zeugen mit, daß ihre Vernehmung vor nächsten Freitag nicht erfolgen könne, und beurlaubte die Zeugen bis dahin. Hierauf erfolgte die Vernehmung der Sachverständigen. Der Bücherrevisor Schliepcr hat die Bücher der Gesellschaft bis zum Jahre 1894 zurück nach­revidiert. Sein Gutachten geht dahin, daß von da an schon hauptsächlich Schiebungen und Verschleier­ungen in den cher n zu finden find, daß das eigentliche Bild der Jahresbilanzen ganz an­ders dargestellt worden ist als es in Wirklich­keit war- Bis zum Jahre 1894 florierte das Geschäft, nach diesem Zeitpuncke jedoch gar nicht mehr. Der Sach­verständige bespricht nun die ' einzelnen Bilanzen ein­gehend und legt des Näheren dar, wie die .einzelnen! Fälschungen in den Büchern vorgenommen worden sind. Z. B. schließt die Bilanz für Ende Vkärz 1896 mit einem. Reingewinn von Mk. 850 968,34 ab, während in Wirklichkeit damals schon ein ganz erhebliches Minus zu verzeichnen war. Es war dies das Geschäftsjahr, in dem die Treber- Trocknungs-Gesellschaft die Bergmann-Patente angekauft hatte. Den Käufern von Maschinen wurden die Beträge bereits im Jahre 1896 belastet und zwar zu einer Zeit, in der Forderungen an Käufer überhaupt noch nicht be- tanden haben. Außerdem wurden die von den Musern übernommenen Leistungen über die noch gar nicht zur Ausführung gelangten Maschinen bereits in diesen Bi­lanzen gebucht. Weiter sprach sich Schlieper noch über die unrichtige Belastung der Kunden der Tochter-Gesellschaften aus. Auf eine Frage des Vorsitzenden, ob ein Kaufmann, der beteiligt war, die Fälschungen sehen mußte, ant­wortete der Sachverständige mit nein. Ebensowenig hacken ic die Mitglieder des Aufsichtsrates ohne weiteres er­kennen können. Handelslehrer Waltrop sagte aus, er habe einen Zettel von der Hand Schmidts gefunden des Inhalts: Die Bilanz ist zu verändern oder zu verbessern, worauf die Bilanz mit 10 Millionen ab­geändert worden sei. Die Gesellschaft sei stets in Geld­verlegenheit gewesen. Es sei alles durcheinander- gebradit, besonders infolge der Wechselreiterei. Im letzten Jahre seien 1900 000 Mark Diskonten bezahlt worden. Schmidt habe mit seiner eigenen Gesellschaft 37 bis 39 Mill. Wechsel-Konto gehabt. Niemals sei ein Erichen er­zielt worden. Der Verteidiger, Justizrat von Gordon, hat einen Sachverständigen aus Berlin laden lassen. Justiz­rat Frieß äußert sich dahin, daß die Mitglieder des Aufsichtsrats die Fälschungen der Bilanz hätten sehen müssen- Die Angetlagten führen zu chrer Verteidigung an, daß sie nicht wüßten, ob ihnen die verlesenen Ge- chästsberichte überhaupt Vorgelegen hätten. Der ftühere Direktor der Leipziger Bank, Exner, wird unter Be­deckung seiner Leipziger Transporteure in den Saal ge- i'chrt. Der Zeuge tritt mit großer Sicherheit auf. Er macht eine Aussagen in sehr bestimmtem Tone. Seine Ver-

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