die letzten Wochen bewohnt, nach der Kapelle. Voran schritt das tiefgebeugte Elternpaar, dann kam der Gatte der Dahingeschiedenen Graf Emil v. Schlitz mit seinen Kindern, den Komtessen Anna, Elisabeth, Maria, Margareta und den Söhnen Karl und Wilhelm. Von sonstigen Herrschaften seien Prinz und Prinzessin Max von Ratibor, Gräfin Hohenau geb. Prinzessin von Hohenlohe-Oeriugen, Graf und Gräfin v. Radolin, Graf Görtz von Wrisberg, Graf von Bylandt erwähnt. Provinzial P. Scharsch hiett unter Assi- stenz der Anstaltsgeistlichen das Requiem, welches vom Chor <ntt liturgischem Gesang begleitet wurde.
— Die schriftliche juristische FakultätSprüf- ang fand Montag Nachmittag ihren Abschluß. Sie bestand aus acht Arbeiten: drei bürgerlich-rechtlichen, bezw. cioil- prozessualen, zwei staatsrechtlichen, einer handelsrechtlichen bezw. wechselrechtlichen, einer nationalökonomischen und einer strafrechtlichen. Der Prüfung unterzogen sich 51 Kandidaten, von denen einer krankheitshalber zurücktrat. Die mündlichen Prüfungen beginnen wahrscheinlich in 14 Tagen.
• • Auszeichnungen. Dem Obersten Frhrn. Rüdt oon Collenberg, Kommandeur des Landwehrbezirks Hannover, seither Kommandeur des 1. Großh. Hess. Inf.- (Leibgarde-) Regts. Nr. 115 ist das Komturkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen worden.
• • Landeslotterie. Bei der heutigen Ziehung der I. Klasse siel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 44347, ein Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 45153, ein Gewinn oon 3000 Mk. auf Nr. 44985, ein Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 95632, drei Gewinne von 400 Mk. auf Nr. 23140 26587 34875, drei Gewinne von 300 Mk. auf Nr. 15052 68162 95069. (Ohne Gewähr)
* • Stadtheater. Am Donnerstag, den 6. November, gelangt auf allgemeinen Wunsch die vieraktige G. Engcl'sche Komödie „Der Ausflug ins Sittliche" noch einmal zur Aufführung und zwar im Abonnement. Freitag wird zum letzten Male in dieser Saison „Alt-Heidelberg" als volkstümliche Vorstellung zu kleinen Preisen gegeben.
* * Verband der oberhessischen Erziehungs- Vereine. Montag den 10. November, vormittags 10'/z Uhr, hält der Verband der oberhessischen Erziehungsvercine seine 1. Hauptversammlung ab, auf welcher die für die Erziehungsvereine gütigen Grundsätze besprochen werden. Die Versammlung sindet zu Gießen im oberen Saale des neuen Gemeindehauses (Kirchstraße) statt.
** Der Evangelische Arbeiterverein hat bekanntlich im letzten Winter einen neuen Zweig seiner Thä- tigkeit ausgenommen, die Vermittlung guter Musik uni) Darbietungen der Kunst für seine Mitglieder und Freunde. — Veranstaltungen des diesjährigen Winters wurden vorigen Sonntag eröffnet durch ein Kinderkonzert in der Turnhalle, das bei klein und groß enthusiastischen Beifall gefunden hat. Das Haus war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es waren ca. 900 Besucher da. Ausgeführt wurde das Konzert von 50 Kindern und dem gemischten Chor des Vereins unter Leitung des Herrn Dirigenten Gernhardt, sowie einem Teil der Ncgimentsmusik unter persönlicher Leitung des Herrn Musiwirektors Krausse. Tas Konzert, das aus Kinderchören mit Lrchesterbegleitung sowie Szenen in Gesprächsform bestand, darf wohl in allen seinen Teilen als gelungen 'bezeichnet werden. Ganz besonders dankbar nahmen die Kleinen auch die eingestreuten Orchcsterpiöcen aus. Tie Lieder aus den Federn eines Dieffenbach, Friedrich Güll, Wolfram, unserer Gießenerin Johannette Lein usw. stammend, waren zum Teil von Herrn Gernhardt selbst in Musik gesetzt und mit entsprechender Orchesterbegleitung versehen. Recht wirkungsvoll waren auch die einzelnen Szenen, als lebende Bilder gedacht. Tie Herren Gärtner Carl Becker und Ingenieur Mublert hatten für die von Herrn Gernhardt schön geordneten Kiudergruppen jedesmal entsprechende, recht stimmungsvoll gehaltene Rahmen geschaffen. Es zeigten sich wirklich schöne Illustrationen zum frischen, fröhlichen Kinderlieb.— Daß der Verein und sein Dirigent das Richtige getroffen hatten, bewiesen die strahlenden Gesichterchen im Zuschauer- raum.
§ Dutenhofen, 3. Nov. Es sind kaum einige Jahre her, daß unsere Gemeinde die neue Brücke über die Lahn gebaut bat und schon wieder steht sie vor einem neuen Unternehmen. Die Anlage einer Güter Haltestelle ist von feiten der Bahnbehörde genehmigt worden. Tie Gemeinde wird nicht allein das erforderliche Gelände an» kausep sondern auch eine ganz bedeutende Summe für die Anlagen bewilligen. Durch die Errichtung einer Güterverladestelle wird einem längst empfundenen Bedürfnis abaeholfen, denn bis jetzt mußten alle Güter auf dem Bahn- hcff Gießen verladen lucrbcn. Auch den benachbarten Gemeinden Allendors, Lützellinden und Münchholzhausen wird diese Haltestelle sehr zu statten kommen. Ja sogar die auf der rechten Bahnseitc gelegenen Ortschaften Atzbach und Dorlar, welche durch die neue Lahnbrücke nunmehr nach hier gute Verbindung haben, werden von dieser Einrichtung Vorteil haben.
Butzbach, 4. Nov. Gestern vormittag 10 Uhr tagte die zrfte Au fs i ch t s r ats sitzung der Bahnbaugesellschaft Butzbach - Lich im Gasthaus zum Löwen hier unter dem Vorsitz des Bürgermeister Küchel. Erschienen waren: 1. als Vertreter der Großh. Regierung Lberfinanzrat Tr. Rode, 2. Verkehrsdirektor Awc Berlin, 3. Oekonomierat Hoff- mann-Hosgill, 4. Tr. jur. Jaffs-Berlin, 5. Landtagsabgeordneter Joutz, 6. Regierungsbaumeister Baum, 7. Bürgermeister Siouhl-Gambach und 8. Regierungsbaumeister Reh. Berlin.
e. Bad Nauheim, 4. Nov. Unsere Stadt hatte heute ihren großen Sieg. Die von allen einsichtsvollen und nach Fortschritt strebenden Bewohnern Nauheims schon sett Jahren gewünscht und verlangte Einführung der Städteordnung für unsere 4500 Seelen zählende Stadt, ist heute im Gemeinderat beschlossen worden. Schon am 28. Oktober hatten sich in einem Aufruf 10 Gemeinderatsmitglieder für die Einführung der wichtigen und notwendigen Neuerung erklärt, nämlich die Gemeinderäte: Fritz, Muth, S p r e n g c 1, Dr. Stoll, Kersting, Grünewald, F i s ch, M e i e r und Stamm, sowie, im Auftrage der Großh. Hess. Regierung, Baurat Tr. Es er, Vorstand der Großh. Badedircktion Bad-Nauheim- Heute war der Gemeinderat vollzählig versammelt, nämlich 12 Gemeinde- rate, der Beigeordnete Langsdorf und Daurat Dr. Es er. Vor der Abstimmung kam es zu einigen kurzen Bemerkungen. Fritz begründete den von ihm gestellten Antrag auf Einführung der Städteordnung damit, daß er ausführte, Bad-Nauheim müsse durch die großartige Entwickelung seines Bades^ in der Verwaltung auf der Höhe sein und deshalb Städttordnung haben; erbittet
um namentliche Abstimmung. Muth, der im vorigen Jahre den Antrag auf Städteordnung gestellt hatte, meint, es wäre ja auch niemand im Gemeinderat, der den schwierigen Posten eines Bürgermeisters der Stadt Nauheim übernehmen wolle und könne, Nauheim bedürfe einer energi- chen Kratt. Beigeordneter Langsdorf tritt dem entgegen und sagt, es gäbe wohl geeignete Männer für den Posten eines Bürgermeisters, er freilich wolle das Amt nicht übernehmen. Baurat Dr. E s e r bittet um Ein- ührung der Städteordnung, er glaubt, daß auch die jetzigen Gegner später für Die neue Einrichtung sein werden. Knieriem steht auf feinem früheren Standpunkt, daß die Verwaltung der Städteordnung zu teuer werde. In der nun folgenden namentlichen Abstimmung sind die oben genannten zehn Herren, welche den Antrag unter- chrieben haben, für die Einführung der Städteordnung und d a g egen stimmten die Gemeinderäte: Knie riem, Lentz, Schäfer und Beigeordneter Langsdorf. Mit 10 gegen 4 Stimmen ist somit die Einführung der Städteordnung heute beschlossen worden. Temnächst kommt nun die Wahl von 15 Stadträten und diese wählen dann einen Bürgermeister, d. h. die Stelle wird vorher öffenllich ausgeschrieben.
H u n g e n, 4. Nov. Gestern morgen halb 7 Uhr passierte auf dem Bahnkörper hiesiger Station ein bettübender Un- gl ü ck s f a l l. Ter Streckenarbeiter Schröder stand zwischen den Geleisen und unterhielt sich mit einernKollegen, welche beide über die großen Grubenleitern sprachen, die auf einem Waggon lagen. Unterdessen kam der Frühzug von Nidda angefahren; es war noch nicht ganz hell und nachdem der Zug vorbei, sieht der Kollege Schröders denselben schwerverletzt und bewußtlos am Boden liegen. Die Maschine >es Zuges hatte die Schippe, welche Schröder auf der Schulter trug, erfaßt und ihn dadurch zu Boden geschleudert, die Schippe ging in Stücke. Turch den Fall erlitt Schröder einen Schäoelbruch, das Blut kam ihm aus den Ohren. Noch liegt er besinnungslos im Kmnkenhause, man be- ürchtet für fein Leben.
* * Alsfeld, 4. Nov. Heute hat die hiesige L an dw. W i n t e r f ch u l e ihr diesjähriges Wintersemester eröffnet. Ter Eröffnungsfeier, die um 11 Uhr im Schulgebäude statt- sand, wohnten neben den aufzunehmenden Schülern und Deren Eltern auch andere Interessenten, so insbesondere auch Kreisrat Tr. Melior als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Schule bei. Ausgenommen wurden heute 40 junge Leute. Ihrer Kreisangehörigkeit nach entstammen hiervon, nach den Ausführungen des Schulvorstehers, 27 aus dem Kreise Alsfeld, 6 aus Lauterbach, 2 aus Schotten, 3 aus Gießen und 2 aus Ziegenhain. 27 der Schüler wohnen hier in Privathäusern, 13 gehen täglich nach Hause. Ta die seitherigen Schulräume vollständig äu klein und auch für die zweckmäßige Aufstellung der reichhaltigen Lehrmittelsammlung unzureichend sind, wird beabsichtigt, der Schule durch Uebertoeifung der seither von der Gewerbeschule benutzten Raume die nötige Bewegungsfreiheit zu schaffen.
Mainz, 4. Nov. Ein Falschmünzer aus Weisenau wurde verhaftet. Tie Materialien und Formen zur Anfertigung des falschen Geldes sind mit Beschlag belegt. — Vor einigen Tagen verstarb dahier ein Mann, früher ein Heiner Beamter, mit einer Hinterlassenschaft von über 200000 Mark, die er vor einigen Jahren durch den plötzlichen Tod eines alten Fräuleins geerbt hatte. Interessant dabei ist, daß gerrode ihn die Dame von der Erbschaft ausschließen wollte und zu diesem Zwecke ein langes Testament außsetzte, vor Deren Unterschreiben sie jedoch vom Tode überrascht wurde. Dadurch verfiel das Testament der Ungiltigkeit und der „Enterbte" wurde doch Erbe.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Kassel beging der Kantor Blackeri (früher in Grebenstein) mit seiner Gattin das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Tas Jubelpaar erfreut sich trotz des hohen Lebensalters (Mitte der achtziger Jahre) benei- denswerter geistiger und körperlicher Frische.
Vermischtes.
• Leipzig, 4. Noo. Im Vororte Lindenau versuchte heute früh der Einwohner Florenz, der von seiner Ehe fr au getrennt lebt, letztere mit einem Revolver zu erschießen, worauf er Selbstmord verübte. Das Motiv zur That ist in ehelichen Zwistigkeiten zu suchen.
• Brüssel, 4. Nov. In dem nahe gelegenen Forelt sturzten heute Nachmittag zwei im Bau begriffene Häuser ein. Zehn Arbeiter wurden verschüttet, von denen bisher zwei tot und zwei schwer verletzt herausgeholt wurden. Die Rettungsarbeiten werden eifrig fortgesetzt. Man befürchtet, daß von den übrigen 6 Verschütteten noch mehrere tot sind. Es wurde eine Abteilung Pioniere herbeigerufen, die sich an den Rettungsarbeiten beteiligten.
• Lüttich, 4. Noo. In Seraing fand in der vergangenen Nacht eine blutige Schlägerei zwischen deutschen Bergarbeitern statt, wobei ein Arbeiter namens Kremmer durch einen Dolchstich ins Herz getötet wurde. Zwei andere deutsche Arbeiter wurden schwer verwundet.
• Paris, 4. Noo. In Lons le Saunier kam es gestern Abend gelegentlich eines Tanzvergnügens zwischen Soldaten zu einem Handgemenge, wobei mehrere Soldaten verletzt wurden. Em Sergeant erhielt einen Säbelstich in den Leib und mußte tätlich verletzt nach dem Hospital gebracht werden.
*Der Selbstmord deS Pastors Max Wagner in Paplitz bei Baritth in Der Mark erregt Aussehen, Da die That mit sittlichen Verfehlungen des Geistlichen im Zusammenhänge steht. Dor drei Jahren nahm Wagner die damals kaum konfirmierte Frieda Schliebner, Tochter des Schuhmachermeisters Schliebner aus Baruth, in seinen Dienst und hatte, wie sich jetzt hercrusgestellt hat, unsittlichen Umgang mit dem Mädchen, der auch nicht ohne Folgen blieb. Vor etwa vier Monaten mußte das Mädchen auf Trän gen der Frau Pastor den Dienst verlassen, woraus es sich nach Berlin wandte, um in einem Mädchenheime die Entbindung abzuwarten. Als es spät abends auf dem Bahnbofe in Ähonederg ankam, und sich hier bei dem Dort diensthabenden Bahnbeamten Manzke nach einem Mädchen- Heim erkundigte, bot ihm Manzke Unterkunft in seiner Familie an, was angenommen wurde. Es erhielt Kost und Logis und zahlte Dafür angeblich monatlich 35 Mk. Allmonatlich erhielt nun das?Nädchen 100 Mark von auswärts, und bald war es ün Hause berannt, daß dieses Geld von einem Geistlichen stamme, Der ein Verhältnis mit Dem Mädchen habe. Die Manzke die Sache Darüeltt, lies kürlich bei der Schliebner ein Brief ei», in welchem der Pastor Wagner seinen Be'uch «T.fiaibigte. Lediglich aus Dem Grunde, um Den Gastlichen von Diesem Vorhaben abzubringen. mitt nun Manzke am voriuen Dienstag nach
Paplitz gefahren sein, und Dort eine Auseinandersetzung mit Pastor Wagner gehabt haben. Thatfache ist, daß sich Pastor Wagner kurz nach der Unterredung mit Manzke in feinem Studierzimmer erschoß. Er war 42, Jahre alt und hinterläßt Frau und drei noch unerwachsene Kinder.
Gerichtssaal.
M. Wiegen, 4. Nov. Strafkammer. Ten Vorsitz führt, Landgerichisdiretror Tr. Güngerich, die Anklagebehörbe vertrat Oberstaatsanwalt Theobald. — Ter Mmeralwaßerhäubler Franz Burkhard Schmidt von Vilbel ist der in einer bortigen Wirtschaft begangenen Gotteslästerung angeklagt und wird in eine Gefängnisstrafe von 3 Atonalen verurteilt. — Der Maurergeselle Johannes Schneider aus Groß-Felda unterließ es, bei einer Tach- revaratur das vorgeschriebene Warnungszeichen auszuhängen. Einen 9 jährigen Jungen, der bei dem Hause spielte, traf em herabfallendes Ziegelstück aus den Kopf; nach dem ärztlichen Befund wurde der ^chadeltnochen zertrümmert, sodaß das Gehirn frei lag. Bei der Jugend des Verletzten heilte indessen die Wunde in der überraschend kurzen Zeit von zehn Tagen zu. Einerseits mit Rücksicht hierauf, andrerseits jedoch in Erwägung der groben Fahrlässigkeit des '2tn- aeklagten, hielt das Gericht eine Gefängnisstrafe oon einem M onat für eine entsprechende Sühne. — Ter Maurerlehrling Friedrich Wilhelm Rullmann aus Obermockstadt ist der Körperverletzung mittels eines 'Messers beschuldigt. Ter Angeklagte geriet eines Tages mit zwei Burschen in durch ihn verschuldeten Streit und hat gleich zu Anfang mit einem offenbar bereit gehaltenen Messer dem Einen mehrere Stiche versetzt. Mit Rücksicht auf seine Jugend und bisherige Unbesiraftheit verurteilte da- Gericht den Angeklagten nur zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe, auf welche ein Monat der erlittenen Untersuchungshaft ausgerechnet wurde. — Ter Maurermeister Kaspar Sommer und der Lehrer August Dollinger aus Obermockstadt sind wegen Erpressung angeklagt. Der Angeklagte Sommer ist Präsident eines Vereins, der vor kurzer Zeit m Obermockstadt eine Festlichkeit abhielt, deren Besuch gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes Jedermann gestattet war. Schon vorher war in den Vereinsoerjammlungen die Rede, daß jeder, der unbefugt ohne Zahlung des Eintrittsgeldes das Fest mitmache, eine größere Geldstrafe zahlen müsse. Nachdem das Fest vorüber ivar, erfuhr der Angeklagte Sommer, daß ein Obermock- sladter ohne Zahlung des Entree sich Eintritt verschafft hatte; et ließ ihn durch den Lehrer Dollinger, der Vorstandsmitglied bes Vereins ist, brieflich zur Nachzahlung des Eintrittsgeldes und einer bestimmten Geldstrafe an beit Verein auffordern — bei Meldung einer Anzeige an die Staatsanwaltschaft. Obwohl nach Ansicht de» Gerichts in diesem Vorgehen der objektive Thatbestand der Erpressung gelegen ist, da die Angeklagten zur Auferlegung einer Geldstrafe nicht befugt waren, wurden dieselben dem Anträge der Staatsanwaltschaft entsprechend dennoch steiges pr och en, da das Erfordertiis der rechtsividtigen Bereicherungsabsicht als nicht vorhanden angenommen wurde. — In der Prioatklagesache des Heinrich Kemmer HI. gegen den Joseph Ebenhöch, beide von Alsfeld, wegen Beleidigung, war der Angeklagte oon dem dortigen Schöffengericht zu einer 14 tägigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Angeklagte hatte gegen den Prioatkläger den Vorwurf des Meineid» erhoben. Auf seine Berufung hin änderte die Strafkammer die Freiheftsstrafe in eine Geldstrafe von 50 Mk. ab.
Wegen Zweikampfes hatte sich vor der Strafkammer tt Rostock der außerordentliche Professor an der Rostocker Universität, Tr. Binder, zu verantworten. Tas Duell hat am 26. Juli d. I. in den Barnstorfer Anlagen nahe bei Rostock zwischen Prof. Binder und dem damaligen Kommandeur des 90. Füsilie r- Regiments in Rostock, jetzigen General-Major und Brigade- Kommandeur v. Paczensky und Tenczyn stattgefunden. Der Zweikampf verlief bet 15 Schritt Entfernung uru dreimaligem Kugelwechsel unblutig. Das Urteil gegen den Professor lautete auf sechs Monate Festungshaft.
Handel und Verkehr. Holkswirlschast.
Nürnberg, 4. Noo. Bei der Elertrizitäts-Attlengejellschast vorm. S ch u ck e r t u. Co. ist in mehreren BetnebSwerkuätten, iä denen zusammen ein Drittel der gesamten Arbeiterschaft de» Etablissements beschäftigt wird, die Arbeitszeit von zehn aus acht Stunden h e r a b g e s e tz t worben. Die Direktion hofft, baß du maßregel nur oorubergehenb fern werbe unb balb roieber ausgehoben werben könne.
gpiHplan der Vereinigten Frankfurter Ztadttheatrr. Opernhaus.
Donnerstag den 6. November'): .Romeo und Julie.' Freitag den 7. November, abends halb 8 Uhr: »Die Geisha*. SamS- tag den 8. November: »Samson und Delila." Sonntag den 9. November, nachmittags halb 4 Uhr: „Das Glöckchen des Eremiten." Abends 7 Uhr: »Die Fledermaus^. AloiUag de» 10. November geschlossen.
•) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
Donnerstag, den 6. November, abend- 8 Uhr, im oberen Konsinnandensaal, Kirchstraße 9, Bibel stunde. Psalm 52. Pfarrer Schlosser.
Neueste yU'lvuiujtiu
Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger.
B e r l i n, 5. Nov. Wie die „Boss. Ztg." erfährt, wird der Dem Reichstage Demnächst zugehende Etat-Voranschlag für Das Kiau-Tschou-Gebiet u. a- eine erste Rate zum Bau einer großen Dock-Anlage in Tsingtau fordern. Tas Dock soll selbst Linienschiffen Aufnahme gewähren können, und die Schiffe der ostasratischen Station unabhängig von den Werften in Hongkong unb Japan machen.
Hamburg, 5. Nov. Tas Fischerfahrzeug Perseverance ist bei Sturm in der Nordsee mit 14 Mann und der Fisch- Dampfer Cecilia mit 18 Mann Besatzung untergegangen. Alle Mann sind ertrunken. — Als sich Der oon China kommende gestern im Hamburger Hasen eingetroffene Postdampfer Sitbonia, Eigentum der Hamburg- Amcrika-Linie, an Der afrikanischen Westküste auf hoher See befand, explodierte der Steuerbord-Kessel. Turchden ausströmenden Tampf wurde Die ganze Wachmannschaft verbrüht. 16 Mann fielen Der Explosion zum Opfer. Jhr^ Leichen wurDen Den Wellen übergeben.
Bre slau, 5. Nov. Tie hiesige Strafkammer verurteilte Den Direktor Des inzwischen eingegangenen deutschen Theaters Gerlin, wegen Vergehens gegen § 175 des Strafgesetzbuches und wegen Majestäts-Be« leidigung zu acht Monaten Gefängnis. Tie Mitangeklagten Requistteur Krettek und Beleuchtungstechniker Fritzlasf erhielten je 14 Tage Gefängnis.
London, 4. Nov. (Unterhaus., Schatzkanller Ritchin beantragt, das Haus solle morgen die Frage Der Bewilligung eines Nachtragskredits von acht Millionen Pfund Sterling erörtern, Die teils an Buren unD loyale Kolonisten in Südafrika als freie Bewilligung gegeben, teils Buren und anderen Personen als Darlehen vorgcstteckt werden sollen. Tubei führt Der Sckatz- kanzler aus, die Regierung habe envogen, Daß Die in Den Friedensbedingungen erwähnten 3 Millionen Pfund keine Gabe Englands, sondern ein Teil Der neuen Trans- Daalanlcifie Dorstellen. Tie Burenführer hätten betont, Ddß


