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5.11.1902 Zweites Blatt
 
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Nr. 360

Ges-,tat täglich aufjei konnlags.

Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem »esflschen Landwirt die Siehener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt.

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ilbrefle Hh Depeschent «uzetger Gießen.

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Zweites Blatt.

153. Jahrgang

Mittwoch 5. November 1003

GietzenerAnzeiger

** General-Anzeiger v

Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen

ve»agvpreiOr monatlich 7b Pi^ oierttla jährlich Ml. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstelle« monatlich 6o Ps.; durch diePost Alk. 2. viertel- jährt. auSschl. vestellg, Annahme von Anzeige» tut die LageSnurnmer bib vormittag- 10 Uhr.

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De rani rvortlich, tot den poltt a. allgem, teil; P. Wittko: füi .Stadt und Canb4 und .DenchtSsaaf. (Satt Plato, für den An» zeigenieil: $>anfl Beck.

Kl« heutige Mummer umfaßt 14 Seiten.

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Volitische Tagesschau.

Der Dortrag PodbielSkis beim Kaiser.

*£em neulichen Vortrag des Landwirtschaftsministers von Podbielöki beim Kaiser in Gegenwart des Kriegs- mrnisters vc»n Göhler und des Oberlandstallmeisters Grasen Lehndorff mißt man große Bedeutung bei. Es war schon vor einer Woche angekündigt, daß Graf Lehndorff dem Kaiser Vortrag über den Niedergang der Zucht des deutschen edlen Pferdes halten sollte. Ein Voll­blutgestüt nach dem anderen geht ein, die Jährlinge sind nicht mehr abzusetzen, die zweifelhaftesten Elemente (Kellner, Darmhändler usw.) lassen Rennpferde laufen, das Buchmacherunwesen hat den Rennsport bis in die Knochen korrumpiert: so geht es in Berlin nicht weiter. Ob der Landwirtschaftsminister alle Schäden, welche den Niedergang der deutschen Zucht verschulden, in seinem Vortrag entrollen konnte, entzieht sich der Beurteilung. Gut unterrichtete Kreise glauben, daß in den an den Vor­trag sich anschließenden Erörterungen auch die Trakeh­ner Verhältnisse, wie sie durch den bekannten Pro­zeß an die Ocs, ntlichkeit gekommen, zur Sprache gelangt sind. Es heißt, daß die Tage des Herrn von Oettinger wohl gezählt sein dürften. Letzterer hat übrigens einige Zeit bei dem Fürsten Herbert Bismarck in Schönhausen bei Tangermünde geweilt. Jedenfalls sind demnächst ein­schneidende Reformen bezüglich der Aufzucht des edlen Pferdes, der ostpreußifchen Landespferdezucht, die auch im Argen liegt, zu erwarten. Hoffentlich verbinden sich hier­mit einschneidende Veränderungen des gänzlich herunter gekommenen deutschen Turfs, und man räumt endlich einmal mit den katilinarischen Existenzen auf, die diesen Sportzweig um allen Glanz, um alles Ansehen gebracht.

Beim Reichskanzler Grafen Bulow fand, wie aus Berlin die Tepeschenbureaus heute melden, gestern abend ein Tiner statt, an dem auch der Reichstags- Präsident Graf Balleftrem teilnahm.

War es eine freudige Feier, daß die Regierung mit dem Zolltarif soweit wenigstens über den Berg ist, daß sie aus die Unterstützung der Mehrheit rechnen kann? Fast scheint es so, denn die Stimmung in Regierungskreisen wird als eine zuversichtliche geschildert. Für dieNordd. Allgem. Ztg." scheint mit gutem Grunde die Verständigungs-Dis­kussion in der Presse nicht zu existieren. Bekommt der Reichstag Tagegelder? Man bringt die wiederholten Besprechungen des Kaisers und des Grafen Bülow mit der Frage in Verbindung. Auch gestern stattete der Kaiser dem Kanzler einen längeren Besuch ab. Unwider­sprochen ist seinerzeit die Mitteilung geblieben, der Kaiser sei ein überzeugter Gegner der Bewilligung von Reichstags- 2täten. Es ist nun wohl denkbar, daß Graf Bülow feinem kaiserlichen Herrn die Schwierigkeiten, für den Zolltarifent­wurf ein dauernd beschlußfähiges Haus zu erzielen, bar- gelegt hat. Tenn von der Beschlußfähigkeit hängt schließ­lich alles ab, und der schönste Verständigungsplan geljit in die Brüche, wird diese Voraussetzung nicht erfüllt. Tas Zentrum, das bei den Unterhandlungen mit der Regierung die Führung übernommen hat, wird zweifellos nicht ber­äumt haben, durch seine Vertrauensmänner die Diäten- rage anschneiden zu lassen. Niemals war ja der Augenblick »afür so günstig wie jetzt. Kein anderes Mittel verricht den Erfolg, wie die Gewährung von Tagegeldern. Längst verfängt die noch so dringlich abgefaßte, schriftliche und selbst die telegraphische Ermahnung der Fraktionen nicht mehr an die säumigen Mitglieder. Gras Bülow, das weiß man, ist fein grundsätzlicher Gegner der Diäten; ebenso günstig soll im allgemeinen die Aussassung der Bundes­regierungen fein. Es kommt nun darauf an, ob der Kaiser seinen Widerspruch fallen läßt, um auf diese Weise dem Tarifentwurf über die gefährlichste Klippe hinwegzuhelfen. Wurde doch auch heute wieder die Beschlußunfählgkeit des Reichstages sestgestellt. Tie Linke geht konseauent vor mit ihren Verragungsanträgen. Wenn die Verstandigungsaktion sZrüchte tragen soll, dann ist kaum noch Zeit zu verlieren mit der Ausführung von Maßregeln, die der Mehrheit zu dem Willen auch die Macht gewähren.

Politische Drahtzieher.

Au§ London wird gemeldet: Ter Berliner Vertreter der Newyorker Preß-Associated telegraphiert nach Newyork, Aras Wolss-Mettemich habe im August d. I. dem englischen Botschafter in Berlin erklärt, er fei über dieStimmung in England gegen Deutschland beunruhigt. Alles was Teutschlanb Vorschläge, werde mit Indiffe­renz behandelt und die d e u t s ch e P o l i t i k m i t M- trauen betrachtet. Lascelles habe geantwortet, er be­dauere dies. Er weise aber darauf hin, wie Chamberlain behandelt worden sei. Die Idee Kaiser Wilhelms, :iner Union zwischen Deutschland, England und den Vereinigten Staaten sei von Chamberlain ge­billigt und in einer Rede vertreten worden. Graf Bülow habe aber d ie ganze Sache als falsch hingestellt und Cham­berlain in gewissem Grade lächerlich erscheinen lassen. £ie Vorstellungen des Grafen Wolff-Metternich, so berichtet der Korrespondent weiter, über die englische Feind- -leligkeit gegenTeutschland hättenden Kaiser in der Reise nach England veranlaßt.

Laß vor der Reise des Kaisers nach England ein In - lrigu en spiel eingeleitet werden würde, war mit solcher -Hicherheit zu erwarten, daß man von diesenEnthüllungen" Wit Heiterkeit sagen kann:So mußte es kommen." Eine

neue Nüance ist allenfalls, daß diesmal kein englisches Organ zum Verkünder der politischen Weisheit gewählt worden ist aber die Drahtzieher sind leicht erfannbar ganz dieselben Personen, die auch sonst ein Interesse daran haben und in diesem Sinne wirken, Verstimmung zwischen Teutschland und England zu erregen. Ter Pfeil gilt dies­mal hauptsächlich dem Grafen Bülow; er ist der Stören­fried, sonst wäre längst alles im Reinen zwischen Deutsch­land und England und es gäbe keine Feindseligkeit mehr. Nach Erkundigungen eines Berliner Blattes ist es im höchsten Grade fragwürdig, ob überhaupt zwischen dem deutschen und dem englischen Botschafter eine Unterredung stattgefunden hat. Daß sie in aller Ausführlichkeit Lur Kenntnis von Personen gelangt, die nicht dem Kreise der Diplomatie angehören, ist vollends unwahrscheinlich. Es geschieht zuviel Ehre solchen Behauptungen, sollten sie amt­lich dementiert werden. Seit Wochen steht der private, persönliche Charakter der Englandreise fest und nun will man der Öffentlichkeit em solches Märchen erzählen? Etwas geschickter könnten die Bemühungen, Deutschland als besorgt um das Wohlwollen Englands hinzustellen, doch schon fein. Täuscht nicht alles, so sind hier dieselben Einflüsse thätig, Die mit fast rührendem Eifer die Erneue­rung des Treibundvertrags zu vereiteln strebten.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Nov. Ter Kaiser nahm heute an dem Frühstück im Offizierkasino des Alexander-Regiments teil.

Die Beurlau bung des bisherigen ersten Sekre­tärs bei der Botschaft in London, Frhr. v. Eckard st ein nach Deutschland ist auf einen persönlichen Wunsch des­selben zurückzuführen. Es liegt nach derNat.-Ztg." kein Grund vor, diese rein private Angelegenheit mit poli­tischen Dingen in Verbindung zu bringen.

Der preußische Gesandte in München, Graf Monts, der demnächst seinen Posten verlassen soll, dürfte für den als Nachfolger des Grafen Eulenburg in Wien bestimm­ten Botschafter, Grafen Wedel, nach Rom gehen. Ferner wird gerüchtweise behauptet, daß der jetzige deutsche Gesandte im Haag, Graf Pourtalös, für München be­stimmt fei.

Oldenburg, 4. Nov. Der Landtag ist durch den Minister v. Willich mit einer Thronrede eröffnet worden- Unter anderem kündigt die Thronrede eine Vorlage betr. den Weiterausbau des oldenburgifchen Eisenbahnnetzes an und bezeichnet die Gesamtlage der oldenburgischen Fi­nanzen als verhältnismäßig günstig, wenn sich der Voranschlag, zu dessen Ausgleichung die Betriebsüber­schüsse der Gsenbahnen herangezogen werden, mit dem Ein­kommensteuerzuschlag von 33 em Drittel Prozent verwirk­lichen läßt. Zum Präsidenten des Landtags wurde Groß- Brake, zum Vizepräsidenten der Landwirt Schröder- Norder­moor gewählt.

Kassel, 4. Nov. Die Nationalliberalen sind geneigt, für die bevorstehenden Reichstagshauptwahlen in Kassel- Melsungen das Wahlkartell zu erneuern. Der natio­nalliberale Wahlverein hat in feiner letzten Sitzung mit Rücksicht auf den Verzicht des Mg. Dr. Endemann den einstimmigen Beschluß gefaßt, den Vereinsvorstand zu be­auftragen, mit der konservativen und der deutsch- freisinnigen Partei betreffs Ausstellung eines ge­meinsamen Kandidaten für den Wahlkreis Kassel- Melsungen und Bildung eines Wahlkartells Verhandlungen zu pflegen, sondern auch vertrauliche Besprechungen über die Kandidatensrage zu veranlassen.

Aschaffenburg, 4. Nov. Zu der Nachricht über die Unterredung zwischen dem bayrischen Ministerpräsidenten Grafen von Crailsheim mit dem preußischen Eisenbahn­minister Budde betreffs der Weiterführung der Main- Kanalisation meldet derBeob.", daß auf eine ent­sprechende Vorlage an den bayrischen Landtag für die nächste Session schon jetzt zu hoffen fei.

München, 4. Nov. Der Prinzregent empfing heute vormittag den preußischen Minister Budde in Audienz. Dudde war heute nachmittag bei dem Prinzregenten zur Tafel g eladen. An derselben nahmen außerdem der preu­ßische Gesandte Gras Monts, die Minister Graf Crails­heim, Freiherr v. Riedel, v. Asch und mehrere Generäle teil.

Anstand.

Rom, 4* Nov. Im Gemeinderat werden z. Zt. die Festlichkeiten erörtert, die man zu Ehren des Besuches des deutschen Kaisers geben wird. Man plant ein Gartenfest auf dem Monte Pincio, währenddessen das Goethedenk- m al enthüllt wird.

DieAgenzia Stcfani" meldet aus Midi (fernen) vom 3. November: Der italienische Kommandant Arnone ist in der vergangenen Woche mit den Kriegsschiffen .Piemonte",Cap Vera- und.GalileS" hier eingetroffen. Er hatte außer einem Zioilbeamten aus fernen einen Obersten mit türkischen Truppen, die seinem Befehl unterstanden, an Bord. Sofort nach der Ankunft schiffte er auf Ersuchen der Ortsbehörden die Truppen und drei Kanonen aus, um die Flucht der Seeräuber, welche z. Zt. sämtlich hier versammelt waren, zu verhindern. Während der Landungsmanöver hatten vier italienische Schaluppen einen heftigen An- griff der Seeräuber auszuhalten, den sie glänzend zurück- schlugen. Die Seeräuber hatten große Verluste. Auf Seiten der Italiener wurden zwei Matrosen getötet und ein Matrose verwundet. Die Ortsbehörden baten darauf um Verlängerung der Frist von 5 Tagen zur Auslieferung der Seeräuber, die der italienische Kommandant stellte. Der Kom­

mandant war bereit, den Aufschub zu gewähren unter der Bedingung, daß man nicht nur die Piraten auSlieferte, welche sich an einem unzugänglichen Orte an der Meeresküste vei> borgen halten, sondern auch von den Einwohnern des OrteS eine Entschädigungssumme von 16 000 Francs für die Familien der beiden getöteten Matrosen zahlen laste. Da die Bedingungen nicht angenommen wurden, ließ der Kommandant auf das Dorf feuern, ohne jedoch die türkischen Truppen anzugreifen. DaS Feuer wurde eingestellt, sobald die Bedingungen angenommen waren. Arnone bewilligte die Verlängerung der Auslieferungsfrist bis zum 11. November.

Wien, 4. Nov. Die alldeutsche Vereinigung wird die Ausführungen des ehemaligen englischen Botschafters Rumbold in derNational Review" über die Stellung des Kaisers im Burenkrieg zum Gegenstände einer Interpellation im Abgeordnetenhause machen. Bei den heutigen Landtag s- wahlen in den Landgemeinden Steiermarks haben die Bauernbündler, die bisher nur durch einen Abgeord- neten vertreten waren, sechs Sitze gewonnen, nämlich zwei von der deutschen Volkspartei und vier von den Klerikalen.

Konstantinopel, 3. Nov. Aus die von der Pforte erhobene Beschwerde darüber, daß laut Meldung des Mar­schalls Abdullah, Kommandeurs des 7. Korps in Jemen, das italienische KriegsschiffP i e m o n t e" das Piratennest in derMidia-Bai beschossen und zwei kleine mit Truppenproviant dort eingetroffene türkiscye Kriegs­schiffe aufgefordert habe, abzudampfen, da man dieselben sonst gewaltsam nach Hodeida bringen werde, antwortete oie italienische Botschaft, sie habe über das Vorgefallene keine Nachricht erhalten. Die türkische Botschaft in Rom wurde darauf beauftragt, hierüber Vorstellungen zu er­heben. Der Ministerrat beriet gestern über die Angelegen­heit. Heute ist eine zweite Reklamation nach Rom abgegangen. Auf der Pforte wird erklärt, die Ange­legenheit im Roten Meere fei als geregelt angesehen wor­den, daher müsse die Pforte annehmen, daß der Komman­dant desPiemonte" willkürlich haiidelte. Das fei höchst gefährlich, denn die internationale Rechtsverletzung könnte leicht die dorthin entsandten 4 Bataillone und 2 Batterien zur Erwiderung der Feindseligkeiten veranlassen und einen ernsten Konflikt heraufbeschwören.

Aden, 4. Nov. Der KreuzerPemone" hat sich nach Jllig an der Küste des italienischen Schutzgebietes begeben, um die Verhältnisse der Landung von Truppen im Hinblick auf das Vorgehen gegen den Mullah durch das italienische Gebiet zu untersuchen. Gleichzeitig werde man auch von Berber vorgehen. Auf Bazar war abends das Gerücht verbreitet, der Mullah hätte den vorgeschobenen Posten in der Nähe von Bohotle plötzlich angegriffen und einen großen Kameltransport erbeutet Das Gerücht hat keine Bestätigung gefunden.

Newyork, 4. Nov. Die Wahlberichte aus allen Staaten lassen bis jetzt auf nur kleine demokratische Ge­winne schließen. Der Ausfall der Kongreßwahlen ist vor morgen nicht festzustellen, doch scheint eine repu­blikanische Mehrheit sicher zu sein,

Ein Telegramm aus Port au Priiwe meldet: thu- gefähr 1200 Anhänger Fouchards, die aus dem Feldzuge, gegen Firmin zurückgekehrt sind, und in die Hauptstadt ein­zogen, kamen mit den Zivilbehörden in Streit. Es entstand ein förmliches Feuergefecht, bei dem 7 getötet und viele verwundet wurden. Tie Lage ist ernst. Der Bürger­krieg droht neuerlich auszubrechen. Ein am 29. Okt. nach Jnagua abgegangener Dampfer meldet, Firmin habe sich nach Saint Thomas begeben und seine Anhänger, un­gefähr 380, hilflos zurückgelassen.

Victoria (Venezuela), 4. Nov. Das amtliche Blatt veröffentlicht einen Brief, über einen großen Sieg der Regierung bei la Virtoria, der zur Vernichtung der Armee der Aufständischen führte, die jetzt in der Rich- tung auf Guarico fliehen. General Riera soll gefallen sein.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. November 1902.

* Hofnachrichten. Aus Tarrn ft adt wird uns gemeldet: Tie Großfürstin Sergius machte gestern vormittag der Mcchano-therapeutischen Anstalt des Tr. Lossen in der Steinstraße einen Besuch. Nachmittags machten sämtliche hier anwesenden Herrschaften einen Aus­flug zu Wagen Durch die Bergstraße und nahmen auf Schloß, S e e h e i m den Thee. Heute, Mittwoch, Nachmittag wird Prinzeß Friedrich Carl von Preußen von Frank­furt zu Besuch eintreffen und an der Großh. Hof täfel teil-, nehmen. Ihr Gemahl wird erst später zum Thee hierher­kommen; beide Herrschaften werden abends wieder nach Frankfurt a. M. zurücttehren. Tie Abreise des Prinzen und der Prinzessin Adolf von Schaumburg- Lippe wird voraussichtlich am Donnerstag erfolgen. Die Rückkehr des Prinzen Heinrich von Kiel wird am Freitagabend 8.38 erfolgen.

** Für bie verstorbene Gräfin Sophia von Schlitz genannt von Görtz wurde am Dienstag vormittag in der Kapelle des West-Sanatoriums zu Charlottenburg ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten. Vor dem Altar stand der offene Sarg, zu dessen Häupten brennende Kerzen ihr Licht auf die Züge der Entschlafenen warfen, deren weißseidenes Gewano völlig mit den Blumen des Kaiserpaares, des Gatten und der Kinder bedeckt war. Zu Füßen lehnte sich an ein silbernes Kruzifix der große Kranz, den der greife Vater der Tochter gespendet hatte. Um 10 Uhr begaben sich die Leidtragenden ans den Zimmern, welche die Gräfin