Ausgabe 
5.2.1902 Zweites Blatt
 
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Sri3banc/3. Febr. (Reuter.) In dem Wahlaufruf, oeu der Premierminister von Queensland, Philp erlassen, heißt es: Die Handlungen der australischen Bundesregier­ungen seien sehr zu b e d au e r n. Sie hätten die wärmsten Anwälte einer Einigung bitter enttäuscht, welche viele Leute Australiens mit Freuden aufgelöst sehen würden.

Rom, 4. Febr. Das Giornale d'Italia veröffentlicht eine Unterredung des Admirals Can di an i, des Kom­mandeurs des italienischen Chinageschwaders. Interessant ist Candianis Hinweis auf das überaus gespannte Ver- hültnis zwischen Japan und Rußland im letzten Jahre. Es fehlte einmal nur wenig, daß im Hafen von Ma- sampho eine Anzahl japanischer Torpedoboote gegen das russische Kriegsschiff Feindseligkeiten eröffnete Japan überwache Masampho mit peinlicher Eifersucht. Der be­treffende Korrespondent erhielt aus alledem und auch aus Mitteilungen von Offizieren aus Candianis Umgebung den Eindruck, daß vor Ablauf eines oder zweier Jahre in Ostasien die Kanonen donnern werden. _________

Aus Stabt und Land.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik beftndlichenOrigincrl-Nachrichten ift mir unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." geslallet.)

Gießen, 5. Februar 1902.

** Ernennung. Der bisherige Pfarrer in Horchheim bei Worms Schäfer, wurde zum katholischen GeisUichen der Ostasiatischen Besatzungsbrigade ernannt.

- Prüfung von Bahnbediensteten. Vermutlich infolge der Msenbahnunfälle in jüngster Zeit, die zum Teil auf un­richtige Signalisierung znrückzuführen sind, müssen sich, aus­wärtigen Blättern zufolge, sämtliche Bahnwärter und Weichen­iteller einer nochmaligen Prüfung über die Vorschriften ihrer Dienstinstruktion unterziehen.

- Zur Krankenverficherungspflicht der Handlungsgehilfen schreibt uns die Großh. Handelskammer, daß sie nicht gegen -die Anordnung des Ortsstatuts, daß die Handlungsgehilfen .sämtlich krankenversicherungspflichtig sind, Beschwerde eingelegt /hat, sondern lediglich gegen die Zuweisung derselben zur Orts­krankenkasse, da seitens der Kammer die Errichtung einer be- sondern Kasse für Handelsbetriebe beantragt war. Ueber diesen Antrag sind erst jetzt die Verhandlungen zwischen dem Großh. Kreisamt und der Großh. Bürgermeisterei eröffnet worden. Die Angelegenheit ist also noch nicht erledigt.

Mittelrheinischer Kreisturntag. Der Frühjahrsturntag "des Mittelrheinkreiscs sindet am 27. April in Limburg a. d. Lahn statt.

* * Eissport. Der Gießener Eisverein hat heute die Eis­bahn wieder eröffnet. (Siehe Inserat.) Der Vorstand des Vereins hat, um den aus dem Publikum geäußerten Wünschen nachzukommen, beschlossen, die Eisbahn versuchsweise abends von 79 Uhr bei elektrischer Beleuchtung offenzuhalten, statt, wie bisher, von 68 Uhr.

* * Stenographie. Die ordentliche Vertreterver- sammlung des Verbandes Gabelsberger Stenographen vom Main-Rheingau und Hessen-Nassau sindet am "16. Februar in der Alemannia zu Frankfurt a. M. statt. Der Verband zahlt jetzt, einschließlich der 4 neugegründeten, in dieser Ver­sammlung aufzunehmenden Vereine, 54 Vereine mit ca. 1900 Mitgliedern. Die Verbandsleitung liegt den Gießener Steno­graphenvereinen unter dem Vorsitze des Oberlehrers Prof. Dr. Pitz ob.

* * Verhaftung Der ehemalige Bahnwärter der Bahn­strecke nach Lang-Göits ist nicht, wie man uns mitteilt, ver­haftet worden. Es hat vielmehr nur seine gerichtliche Ver­nehmung stattgefunden.

Diebstahl. In der oberen Bahnhofstraße wurde in der vergangenen Nacht aus einem unverschlossenen Hausgarten eine größere Anzahl Wäsche im Wert von etwa 30 Mark gestohlen.

* * Entlarvter Betrüger. Ein hier in Arbeit stehender Metzgergeselle versuchte, einen Betrug zu verüben, indem er eine von ihm selbst geschriebene Rechnung in einem hiesigen Hotel vorzeigte und den Betrag einkassieren wollte. Der Be­trug gelang ihm jedoch nicht; er wurde zur Anzeige gebracht.

* * Wildes Rössel. Vorgestern ging das Pferd eines hiesigen Bäckermeisters in Wieseck durch, als der Leiter des Fuhrwerks mit dem Austragen von Brot beschäftigt war. Das Pferd rannte mit dem Wagen durch Wieseck bis zur Steinstraße nach Gießen, ohne daß das Fuhrwerk oder die Passanten irgend welchen Schaden genommen hätten. Als das Tier in die Nähe der Wohnung des Eigentümers ge- tommen war, lief es langsamer, sodaß es mit leichter Mühe eingefangen werden konnte.

* * Ein Fahnenflüchtiger. Am Dienstagabend wurde im Philosophenwald ein Soldat des 116. Regiments ange­troffen, der sich an einem Feuer erwärmte. Einer sofort herbei- gerufenen Abteilung Militär gelang es, sich des Ausreißers zu versichern. Der Mann gehört der 10. Kompagnie an, und wurde seit zwei Tagen vermißt. Der Deserteur hat bereits eine 5jährigc Dienstzeit als Fremdenlegionär in Algier hinter sich.

* Deutsch-Rat. Handlungs-Gehilfen-Verband. Auf dem am Sonntag in Friedberg abgehaltencn Bezirkstag des Deutsch- Nat. Handlungs-Gehilfen-Verbandes (I. Bezirk Main-Weser- Gau) wurde Butzbach gegen Wiesbaden für den nächsten Bezirkstag im Jahre 1903 bestimmt.

w. Beueru, 4. Febr. Das am Sonntag Abend in der RestaurationGermania" abgehaltene 32jährige Stiftungs­fest des GesangvereinsPolyhyrnnia" nahm einen wür­digen Verlauf. Der geräumige Saal, der sehr geschmackvoll dekoriert war, war bis auf den letzten Platz besetzt. Emge- leitet wurde die Feier durch einen Vortrag des Präsidenten Funk, der die erschienenen Gäste im Namen des Vereins herzlich willkommen hieß. Im Verlauf seiner Rede ermahnte er die Mitglieder, unsere Ahnen, der Gründer des Vereins sich zum Vorbild zu nehmen, und den NamenPolihymnia", den deutschen Gesang stets hoch zu halten. Redner gab dem Wunsche Ausdruck, es möchten sich hier mehr deutsche Männer dem Verein anschließen, eingedenk des Wahrspruchs: Dem Wahren, Guten, Schönen, soll unser Lied ertönen." Er schloß seine kernige Ansprache mit einem Hoch auf den deutschen Gesang. Nach dem Singen des Liedes:Es jubeln unsre Herzen" nahmen die Theateraufführungen chren Anfang. Die Darsteller zeigten, daß sie chre Rollen gut beherrschten, .und erndteten den verdienten Beifall. Ungeteilten Beifall fanden auch die GesangSvorträge, die Dank der guten Leitung

Vereins an Schönheit imb Exaktheit immer mehr zu­

nehmen. Zu bemerken ist noch, daß der Verein an dem Abend Herrn Griesheim als 4. Ehrenmitglied ausge­nommen hat. Herr Griesheim dankte in besonders herzlicher Weise für die ihm erwiesene Ehre und mahnte die Jüngeren, des Gesangs eifrig zu pflegen.

a. Grüningeu, 4. Febr. Die rühmlichst bekannte Kapelle Heß hier beabsichtigt, unter Mitwirkung eines hiesigen Lehrers, am Donnerstag in dem Bcnder'schen Saale ein Konzert zum Besten der Burenfrauen und -Kinder zu veranstalten.

+ Krofdorf, 5. Febr. Am Dienstag Nachmittag wurde hier em Mann zur letzten Ruhe gebracht, dessen plötzliches Scheiden nicht allein für seine Familie em schwerer Verlust ist, sondern auch von vielen Freunden aufs tiefste beklagt wird. Ter Bierbraucreibesitzer Eduard Abel, der weit über die Grenzen unseres Torfes bekannt und sehr beliebt war, ist im 53. Lebensjahre seiner großen Familie und seiner Thätigkert entrissen worden. Die Teilnahme war allgemein und herzlich. Der Verblichene hat den Feldzug 1870 in der 12. Kompagnie des Infanterie-Regiments Nr. 80 von Anfang bis zu Ende mitgemacht. Daher hatten es sich viele seiner ehemaligen Kriegskameraden aus der Nähe und Ferne nicht nehmen lassen und waren zum Begräbnis des lieben Freundes herbeigeeilt. Das Leichenbegängnis, an dem sich sämtliche hiesige Vereine, viele Gemeindeglieder, sowie zahlreiche sonstige Bekannte beteiligten, gestaltete sich zu einer erhebenden Ehrung des Entschlafenen. Tief ergreifend wirkte die Grabrede des Herrn Pfarrers Geib el aus Dutenhofen. Möge dem Dahin­geschiedenen die Erde leicht sein!

E. Wißmar, 4. Febr. Am Sonntag feierte der Gesang­vereinEintracht" im festlich geschmückten Wolff'schen Saale sein Winterfest, bestehend in Gesangs- und komischen Vor­trägen und einem bis zum frühen Morgen dauernden Tänzchen. Dem Präsidenten Ludwig Bechtold und dem Dirigenten Heinrich Frei gebührt für ihre Mühewaltung um das Ge­lingen des schön verlaufenen Festes der Dank aller An­wesenden. Am Schluffe wurde auch der tapferen Buren ge­dacht und eine Sammlung veranstaltet, die 4,05 Mk. ein­brachte.

Laubach, 3. Febr. Die in Umlauf gesetzte Gab en liste zum Besten der Buren ist nunmehr zum Abschluß ge­kommen. Es konnten demDeutschen Burenhilfsbund" in Berlin 372.20 Mk. übersandt werden. Insgesamt mögen nach Berlin und München für die Buren etwa 600 Mk. von hier abgeschickt worden sein, gewiß ein ehrendes Zeichen für den Wohlthätigkeitssinn unserer Bevölkerung. Auch ein Frauenverem zur Unterstützung hilfsbedürftiger Buren ift hier in der Gründung begriffen.

m. Lauterbach, 3. Febr. Am Samstag Nachmittag halb 3 Uhr entgleisten auf der Kleinbahnstrecke Lauter­bachGrcbenh ain die Maschine und die Mannschafts­wagen eines Arbeiterzuges, wobei ungefähr 40 Meter weit Schienen und Bahndanun zerstört wurden. Erst am folgenden Tage waren die Wiederherstellungsarbeilen so weit vorge­schritten, daß die Züge in vorsichtiger Fahrt die Unglücks­stelle passieren konnten. Verletzungen von Menschen sind nicht vorgekommen.

oll. Grebenhain, 3. Febr. Die hiesige Jagd wurde auf weitere 6 Jahre an die Freiherren Riedesel von Eisenbach zu Lauterbach und den Leutnant a. D. Ernst Dillemuth für 460 Mk. pro Jahr verpachtet. Der seitherige Pachtpreis war 580 Mk. für das Jahr.

b. Geilshausen, 4. Febr. Große Verwüstung hat der Sturm, der m den letzten Tagen wütete, im hiesigen Ge­rn eindewald angerichtet. Stämme von 2 Fstm. Inhalt sind aus geschlossenen Beständen entwurzelt worden. Man taxiert, daß mindestens 160180 Fstm. umgefallen sind.

Ober-Mörleu, 4. Febr. Wir haben bereits von den merkwürdigen Funden, die gegenwärtig hier im Teich gemacht werden, berichtet. Es handelt sich um Geldstücke, nicht etwa aus alter Zeit, sondern um ganz moderne Fünfmark­stücke aus dem Jahr 1898. Der Teich ist abgelassen worden, und Alt und Jung fischt in dem Teich herum. Bis jetzt sind über 500 Mk. gefunden worden, zum Teil in Rollen ver­packt. Es wird angenommen, daß das Geld entweder aus einem Diebstahl in Homburg v. d. H. oder bei einem Ge­meinderechner in der Wetterau herstammt.

t'e Darmstadt, 4. Febr. Ein 20 jähriger Kommis, in der Schwanenstraße wurde tot in seinem Bette aufgefunden. Er hatte sich vergiftet.

Offenbach, 4. Febr. Der Gastwirteverband hat sich in seiner letzten Sitzung dafür ausgesprochen, daß zur Errichtung von Gastwirtschaften nur im Bedarfsfälle die Konzession ge­geben werde. Gastwirt Leip old schllderte in einer längeren Ausführung die fast unheimliche Zunahme der Wirt­schaften. Man habe bet Einführung des Konzessionsstempels gehofft, daß damit die Ausbreitung von Wirtschaften abnehme, aber jjerabe das Gegenteil sei eingetreten. Es wurde be­schlossen, eine Kommission zu wählen, welche eine Denkschrift an die Stadtverordneten-Versammlung ausarbeiten soll.

ll. Mainz, 4. Febr. Wegen Mangels an Absatz hat die Jmprä gnier anstalt der Firma Gebrüder Himmels­bach in dem nahen Gaulsheim gestern den ganzen Betrieb eingestellt, wodurch annähernd hundert Arbeiter brotlos werden. Unter den jetzt beschäftigungslosen Arbeitern sind solche, welche schon seit ihrer Gründung in der Anstalt thätig waren.

Mainz, 4. Febr. Die von Bischof v. Ketteler i. I. 1852 gegründete St. Marienschule beging unter zahlreicher Beteiligung früherer und jetziger Schüler der Anstalt vor­gestern das Fest ihres 50jährigen Bestehens. Das Hochamt in St. Stephan eelebrierte Geistl. Rat Dr. Körner, Domkapitular Dr. BeneÄix hielt die Feslpredigt. Dem Gottes­dienste folgte in dem neuen geräumigen Turnsaal der Schule ein Festakt, dem u. a. der Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Beigeordneter Haffner, Reichstagsabgeordneter Dr. Schmitt, die Landtagsabgeordneten Dr. Frenay und Haas sowie Bischof Dr. Bruck und mehrere Domkapitulare beiwohnten.

Mainz, 4. Febr. Der in Bingerbrück durchgebrannte Raubmörder sollte angeblich seinen Weg nach Mainz ge­nommen haben. Am Sonntag traf ein Polizeikomnuffar aus Koblenz hier ein und überwachte am Nachmittag und Abend die einlaufenden Züge am Hauptbahnhof. Ebenso wurden von Lck)utzleuten in Zivil die Festungsthore überwacht. Auch gestern wurde die ganze Stadt abgesucht und Herbergsrevisionen vorgenommen, ohne jedoch ein Resultat zu "erzielen. Das

hiesige Provinzialarresthaus ist derart mit Gefangenen überfüllt, daß gestern 42 Insassen in die auswärtigen Amtsgerichtsgefängnisse verbracht werden mußten.

Geisenheim, 3. Febr. Bei der Heimfahrt einer hiesigen Jagdgesellschaft brach plötzlich die Achse des Wagens. Der Kutscher Bauer, ein 40jähriger Mann, wurde vom Bock ge­schleudert und brach das Genick. Er hinterläßt mehrere un­versorgte Kinder. Einer der Insassen, Graf Ingelheim, er­litt eine leichte Verletzung, die übrigen kamen mit dem Schrecken davon.

m. Frankfurt a. M., 4. Febr. Die Gymnasialkurfe für Mädchen, welche hier seit Ostern 1901 bestehen, werden von Ostern dieses Jahres ab in Realgymnasialkurse umgewandelt, eine neue unterste 5. Klasse wird eröffnet und die jetzige 5. Klasse als 4. Klasse (Untersekunda) weitergeführt. In diesen Kursen wird begabten Mädchen Gelegenheit zur Erwerbung einer gediegenen, modernen Ansprüchen angepaßten Bildungsgrundlage und die erforderliche Vorbereitung für das Universitätsstildium geboten. Das Schuljahr beginnt Mon­tag nach der Osterwoche. Möglichst baldige Anwendung der Schülerinnen ist sehr erwünscht, und wird von der Leitung der Kurse, Im Trutz 18, pari., Mittwoch und Samstag um 12 Uhr entgegengenommen.

** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Rachbarstaaten. Auf Requisition der Mannheimer Kriminalpolizei wurde in Worms ein Kolporteur von Mannheim wegen Ehebruchs und Entführung verhaftet. Der Graveur und Eiseleur Wild in Mainz wurde von seiner Frau mit Drillingen be­schenkt. Mutter und Kinder es sind drei Knaben sind den Umständen nach gesund und munter. Ein Deserteur der Fremdenlegion wurde mit erfrorenen Beinen im Festungs- glaeis in Mainz aufgefunden. Der Unglückliche, der angab, daß er vor seinem Eintritt in die Fremdenlegion beim deutschen Militär desertiert sei, wurde ins Militärlazareth verbracht. In einem Gasthof am Hauptbahnhof in Frankfurt a. M. wurde der Krankenpfleger Gustav Fuchs auf seinem Zimmer mit einem Schuß in der Brust tobt aufgefunden. Ein Ver­brechen liegt nicht vor. Fuchs ist freiwillig aus dem Leben geschieden. Dem Großh. Forstwart Joh. Peter Karn zu Kranichsteiner Fallthorhaus wurde vom Großherzog ür die lobenswerte Energie und das erfolgreiche Eingreifen, welches Karn bei dem Brande am 12. Januar zu Kranichstein bewiesen hat, die Allerhöchste Befriedigung ausgesprochen so­wie das Bild des Großherzogs mit eigenhändiger Namens­unterschrift übersandt. Forstwart Karn war es auch, der vor drei Jahren vom Großherzog zum Abholen von Wild nach Rußland gesandt wurde. Am Montag vormittag gegen 6 Uhr stürzte sich die 17 jährige Tochter des Bierbrauers Hahn aus dem dritten Stocke eines Hauses in Rödelheim bei Frankfurt a. M. in den Hof hinab. Das Mädchen erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Das Hotel Kursaal in Bad-Nauheim ging pachtweise in den Besitz des Herrn Ferd. Sprengel, Besitzers des Park-Hotels, über und wird von diesem in der seitherigen Weise als Restaurant weiter- geführt.____________________________________________________

Vermischtes.

* Koblenz, 4. Febr. Oberleutn. v. Salisch, welcher 1492 hier auf der Straße den jungen Weimann erstochen hat, hat sich, wie dieKobl. Ztg." meldet, in Breslau, wo er als Oberleutnant im Gren.-Reg. Nr. 12 stand, in einer Droschke erschossen, v. Salisch wurde s. Z. zu zwei Jahren Festungshaft veriirteilt und nach einem Jahre be­gnadigt.

* München, 4. Febr. Die heute erschienene Nummer desSimplieissimus" wurde wegen des Titelbildes für die Kolportage verboten.

* Ant werp en, 4. Febr. Die Leiche des Hauptmanns v. Sigsfeld ist heute mit allen militärischen Ehren unter Bekleidung aller hier anwesenden Offiziere nach dem Bahnhof gebracht worden und mit dem Zuge um 2 Uhr über Gladbach nach Berlin abgegangen.

* Budapest, 4. Febr. Im Bergwerk Petrilla der Salgo-Tarjaner-Gesellschaft sind infolge Explosion 20 Ar­beiter verunglückt. Bisher wurden 5 Leichen gefunden. 7 lebensgefährlich Verletzte sind geborgen. Das Schicksal'der übrigen Arbeiter ist unbekannt.

* Aus der Schweiz, 4. Febr. In Goldach (St. Gallen) ist ein kürzlich aus Deutschland zugezogener Mechaniker namens Stützte wegen Falschmünzerei verhaftet worden. Die Polizei überraschte ihn gerade beim Prägen von Falsifi­katen. Er fertigte namentlich 5- und 50-Rappenstücke, die er und seine Frau verausgabten. Bei dem Falschmünzer wurde auch eine Matrize zur Herstellung von deutschen 10-Pfennigstücken beschlagnabrnt.

* Ein Doppelmord tn Neapel. Aus Neapel wird über eine neue fürchterliche Blutthat berichtet. Die Tochter des reichen deutschen Villenbesitzers Schwathal aus Posillipo, ein zwanzigjähriges, bildschönes Mädchen namens Louise, unterhielt ein Verhältnis mit dem Sohne des Gärtners. Herr Schwathal jagte die Gärtnerfamilie fort, aber der Gärtner- ohn, ein wegen Rohheit mehrfach bestrafter Bursche, drang bends in die Villa ein, erschoß die Tochter Schwathals und treckte die Mutter durch Schläge mit dem Flintenkolben tot nieder. Dem Mörder gelang es, zu entfliehen. Die Familie Schwathal stammt aus Magdeburg.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

~ Der Schlachtenmaler Emil Hunten ist, wie wir mit= teilten, am Samstag in Düsseldorf geworben. Hunten war am 1J. Januar 1827 m Paris geboren. Er genoß deu ersten Unterricht bei Flandrin, arbeitete dann von 1849 bis 1851 bei -lvappers und Dyckmans und ging 1851 nach Düsseldorf, wo ihn Camphausen und K. F. Lessing anzogen. Dem 1852 entstandenen 43uo: Preußische Kürassiere aus Friedrichs 11. Zeit über eine Brücke sprengend (Prinz Friedrich Karl), folgten weitere Darstellungen aus dem siebenjährigen Kriege, wie die Schlachten bei Zorudorf und Crefeld (Kieler Museum) und die Patrouille der Seydlitz'schen Kürassiere. 1864 begab er sich nach dem Kriegsschauplatz, wo er wahrend des Sturms auf die Tüppeler Schanzen den Kampf skizierte. Aus diesen Ailsnahmen entstanden zwei Oelgemälde für den Kronprinzen. Ebenso beteiligte sich der Künstler 1866 an oem ^eldzuge; Früchte dieses Studiums waren die Gemälde: Re- kognoszierungsritt des Majors Ungar bei Sadowa und Auf den Baum geht's los (aus der Schlacht von Königgrätz). Endlich zog er 1870 nach Frankreich. Unter den zahlreichen Arbeiten, welche rm ^eldzuge entfianben, sind besonders zu nennen: Kürassierattacke bet Elsaßhausen-Wörth (Berliner Rationalgaleris), Die Hessen