Ausgabe 
5.2.1902 Zweites Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Aie Heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.

errns heim 1) das

Aus Berlin,

Nr. 30

Erscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mil­dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien blätter viermal in der

Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ve> lag der Brühl'schc Unioers.-Buch» u.Stein druckerei (Pietsch Erben Redaktion, Erpeditun und Druckerei:

Gchulstraße 7 Ldresse für Depeschen.

Anzeiger Gießen.

FernsprrchanschlußNr.bl.

Was soll das werben?

Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 4. Februar:

Politische Tagesschau.

Zahlen beweisen.

Vorhandensein eines dringenden Bedürfnisses für die Be- willigung solcber Transitlager n.cht als Vorbedingung z,u fordern, also die Worte: sofern dafür ein dringen­des Bedürfnis anz-nertennen ist, zu streichen; 2) den Schlußsatz: der Bundesrat beslinimt, an welcl)en Orten solche Lager bewilligt werden, zu ersetzen durch folgen­des: derartige Lager sind an ^afenorten der Oft- und Nordsee, des Rheinstromes und Bodensees zuzulassen, tut anderen Orten jedoch nur bann, wenn dafür nach dem Befunde des Bundesrats ein dringendes Bedürfnis an- zu er kennen ist.

4. Februar, wird uns geschrieben:

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Bankgeschäft im ver- - dnrd am treffendsten illu--

Uebcr die Anstellung der M i l i r a n wär te r im Eisenbahndienst hat der Minister der öffentlichen Ar­beiten eine wichtige Verfügung erlassen. Sie bestimmt, daß den für etatsmäßige Unterbeamtenstellelt zum Probe­dienst einberufenen Militäranwärtern, sofern sie die Prüfung bestehen, die ihnen zugedachten Stellen unmittel­bar nach dem Ablauf des Probedienstcs verliehen werden sollen. Bisher kam es häufig vor, daß die Bewerber nach der Ablegung der Prüfung und nach beendigtem Probedienst noch geraume Zeit auf die Einberufung war­ten mußten.

Im preußischen Abgeordnetenhause haben Dr. Hitze, Letocha und Euler mit Unterstützung an­derer Zentrumsmitglieder die Resolution beantragt, die Staatsregierung zu ersuchen, diese wolle im Bundes­rat dahin wirten, daß dem Reichstage baldigst ein Ge­setzentwurf vorgelegt werde, durch welchen mindestens a) die Ausbildung von Lehrlingen in handwerksmäßigen Betrieben nur solchen Per­sonen gestattet wird, welche den Meistertitel (§ 133 der Gewerbeordnung) zu führen berechtigt sind; b) für die selbständige Ausübung des Baugewerbes der Befähigungs­nachweis eingeführt wird-

nahm heute die Lokalbesichtigung der Grundstücke vor, welche für die Errichtung eines Tienstgebäudcs der Kolonialverwaltung in Aussicht genommen sind. Nach derselben setzte die Kommission ihre Beratungen fort. Von verschiedenen Seiten wurden Bedenken geäußert, daß das Gebäude infolge der dicht angrenzenden, dem preußischen Fiskus gehörenden Häuser nicht hinrenhend Licht und Luft bekomme. Ter Abgeordnete Bachem mackste den Vor­schlag, daß eine Verpflichtung des preußischen Fiskus, gegen die Anbringung von Licht- und Lustlöchern nichts eiuzu- wendeil, protokollarisch sestgelegt werde. Ferner will man den Kaufpreis auf 2y2 Millionen Mark herabsetzen. Unter diesen Bedingungen wurde die Bewilligung ausgesprochen. Morgen soll der Rest des Militäretats verl-andelt werden.

Ter Rücktrüt des Herrn v- P u t t t a m e r > P l a u t h von feinem Reichstagsmandat bestätigt s>ch. Er veröffent­licht in ostpreußischen Blättern eine Danksagung an seine Wähler, in der er feine Mandatsniederlegung mit seinem geschwächten Gesundheitszustand motiviert-

Wie ein Berliner Blatt mftteitt, beabsichtigt der Bundesrat auf Grund der ihm im Fleischbcschaugesetze zugestandeuen Vollmachten die Verwendung von Bor- und Borpräparaten und das künstliche Färben von Fleisch- und Fleischwaren zu verbieten.

Tie in Braunschweig jtattgehabte Versammlung der Vertreter deutscher v a n d e l s k a m m e r n be­

schloß, den Bundesrat zu ersuchen, die bestrittene Frage des Wurstfärbens daldigjt zu entscheiden- Sollte das Färben verboten lueröen, müsse der Industrie Zeit zur Räumung der Vorräte gelassen werden-

Zn L des Z o l l t a r i f g c s e tz c s, gemischte Tran- sitlagcr, beantragte Heyl zu H Vorhandensein eines dringenden B

Ausland.

London, 4. Febr. Eine Depesche Kitcheners aus Pretoria vom 3- d. M. besagt: Seit dem 27. Januar sind 29 Buren getötet, sechs vewundet, 172 gefangen ge­nommen, 18 ergaben sich. In der K ap k o l o n i e befindet sich das Buren-Kommando von Bamboosberg, ein anderes unter Louis Wessels im Distrikt Eradott hielt am 1- d. M. einen Proviantzug an, und steckte ihn teilweise in Brand-

London, 4. Febr. Ein Telegramm aus Dar kä­st ad l meldet, daß die Burenkommandanten Becker und Wessels am 30. Januar bei Klaarfontein von den Eng­ländern überrascht wurden- Drei Buren, darunter ein Kommandant, wurden getötet und 31 Pferde erbeutet- Aus englischer Seite waren keine Verluste zu verzeichnen.

Petersburg, 4. Febr. Tas Finanzministerium er­klärt die Gerüchte über eine Revision der gesetzlichen Verordnungen und Bestimmungen für die Tabatindu- strie und des Systems der Tabakabgaben für unbe­grün d e t- Für die Mandschurei wird in diesem Jahre ein Bistum mit dem Sitze in Peking und in einer der mandschurischen Städte ein orthodoxes Mönchs­kloster als Pflanzstätte der Mission errichtet werden- Zur Errichtuna des Klosters sind vom geistlichen Ressort be­reits 50000 Rubel angelviesen worden- Als zukünftiger Bischof wird der Ehef der Pekinger geistlichen Mission, >er Archimandrit Jnnoeentius, genannt-

New-York, 4. Febr. (Reuter.) Der Mayor von New-York wird dem Prinzen Heinrich am 25. Februar nachmittags den Ehrenbürgerbrief überreichen.

Sidney, 4. Febr. (Reuter.) In der Schlußsitzung der Konferenz der politischen Arbeitsliga (Political Labour League), wurde nach lebhafter Debatte mit 39 gegen 25 Stimmen eine Resolution angenommen, welche sich für Autonomie der Buren, Amnestierung der Kap-Re­bellen und Wiederaufrichtung der Farmen ausspricht. Die Resolution soll dem Premierminister des Bundes und dem Führer der liberalen Partei im Reichsparlament vorgelegt werden.

Ter Rückgang, den das Berliner g-ngmen Zahc erlitten hat, l.Li _ w ulu. Pnett m dem soeben veröffentlichten Geschü tsbericht ba Bant des Berliner Kaffen Vereins. Dieses Institut ver- den Inkasso- und Giro-Effekten-Verkehr fast sämt­licher Berliner Bankgeschäfte; die von ihm gegebene Dar­stellung dürfte ziemlich erschöpfend sein. Der Gesamt­umsatz des Jahres 1901 ist darnach um ein Viertel nredri- ger, Äs der des Vorjahres, und zwar muß der Rückgang m erster Reihe dem Ultimoverkehr zugeschrieben werden.

das Bör?engesetz verfügte Verbot des Zeit­geschäfts in industriellen Werten engt eben den Ultimo» verkehr je langer, je mehr ein, und die Wirkung dieser

^Wenu bis Ostern, so schreibt man derKöln. VoLkÄ- ztg. , das Zolltarif ge setz durchberaten ist, so bleibt für den Rest der Tagung noch der ganze Zolltarif mit i"?^n yauptpositionen und außerdem die Frage der Mindestzolle, die man einstweilen zurückgestellt hat. Wie da auch nur die erste Lesung in der Kommission noch soll erl^)igt werden können, das wird immer rätselhafter. Die Ueberzeugung, daß man den Reichstag im Sommer abermals werde vertagen müssen, wenn etwas zu stände kommen solle, herrscht denn auch bereits längst allgemein. Es wird sogar ensllich bezweifell, ob man vor den Neuwahlen (Juni 1903) die Vorlage noch werde bewältigen können. Und dabei ist vorausgesetzt, daß die Behandlung an sich einennormalen" Berlanf nehme daß insbesondere einerseits die Linke nicht böswillige Ob­struktion treibe, andererseits die Mehrheitsparteien sich untereinander ynö mit der Regierung zu verständigen ver­mögen.

Erscheinung spürt nicht nur der Bankier, sondern auch das Reich, in dem ständig sich verringendeii Ertrage der Börsen-Umsatzsteuer. Ter Geschäftsbericht des Berliner Kassenvereins öerbient deshalb die Beachtung auch des Reichsschatzamts, dessen Leiter ja erst vor kurzem dem Gedanken Ausdruck gab, daß die Ermäßigung der Börsen- stempelsteuern der Erwägung wert sei. Zahlenmäßig be­läuft sich der Rückgang des Gesamtumsatzes der Berliner General-Abrechnungsstelle" für das Bankgewerbe auf

Milliarden Mark. Verteilt man diese Summe aus die einzelnen Firmen, und vergegenwärtigt man sich, daß die meisten zu einer entsprechenden Einschränkung der Geschäftsunkosten schreiten mußten, so ergiebt sich ohne weiteres der bedauerlick)e Rückschluß in Bezug auf die soziale Lage der Angestellten, die zahlreichen Kündigungen usw. Die letzteren Momente werden von manchem Gegner der Börsengesetz-Revision nicht genug gewürdigt.

Die allgemeine Dienstpflicht in Spanien.

Das Gesetz über die allgemeine Dienst­pflicht, das der Kriegsminister in den nächsten Tagen in den Cortes vorlegen will, bestimmt, daßtmichg nur der gewöhnliche Garnisondienst in Bezug auf Selbst- < beköstigung, Selbstkleidung, Schlafen zu Hause usw. durch eine Geldzahlung erleichtert, daß aber nicht mehr auf diese Weise eine völlige Befreiung vom Militärdienst er­langt werden kann. Als Grundfatz wird vielmehr fest­gesetzt, daß alle verpflichtet sind, das Waffenhandwerk zu lernen, die Manöver mitzumachen und im Kriegsfall das Vaterland zu verteidigen. Die jetzigen Ausnahmen infolge besonderer Familienoerhältnisse und zu geringen Körpermaßes werden eingeschränkt, dagegen wird die Befreiung wegen Körperfehler erweitert- Tie gemischten Aushebungskommissionen erfahren in ihrer Zusammen­setzung eine Aenderung. Eine vollständige Abschaffung der durch Geld zu erlangenden Erleichterungen war mit Rück­sicht auf die finanziellen Verhältnisse noch nicht möglich. Das Gesetz ist also ein Mittelweg, der schließlich zur allgemeinen Wehrpflicht überleiten soll. Jedenfalls wird sich künftig nicht mehr das traurige Schaufpiel, das der letzte Krieg bot, wiederholen können, wo nur die Aermsten ihre Haut zu Markte tragen mußten- Der Kriegsminister Weyler hält, wie man sieht, einen radikalen Bruch mit dem bisherigen, in die Sitten übergegangenen System für unthunlich, will aber durch allmähliche Verbesserung der Kasernenverhältnisse das {einige dazu beitragen, da­mit der Widerstand gegen die allgemeine Wehrpflicht immer geringer wird und schließlich die Gleichheit aller verkündet werden kann-

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Febr. Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen heute morgen den gewohnten Spaziergang. Der Kaiser sprach darauf beim Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes und beim Reichskanzler vor, hörte im königlichen Schloß die Vorträge des Chefs des Militär­kabinetts und des Chefs des Admiralitätsstabes der Ma­rine und empfing danach den Erblandmarschall Grafen Flemming. Darauf stattete das Kais er paar dem russi- chen Botschafter Grafen von der Osten-Siacken einen halbstündigen Besuch ab, um ihn zu seinem öOjährigen Dienstjubiläum zu beglückwünschen. Der Kaiser trug die Uniform seines russischen Infanterie-Regiments. Vorher war der Reichskanzler Graf Bülow erschienen, der >ie Glückwünsche des Auswärtigen Amtes überbrachte und >em Botschafter im Auftrage des Kaisers eine Bronzebüste überreichte, die den Monarchen in der Uniform der Gardes du Corps darstellt. Die Kapellen der Garde-Dragoner und )es Alexander-Regiments konzertierten im Hofe des Bot- chafts-Palais. Um 11 Uhr fand Gottesdienst statt, an welchem zahlreiche Angehörige der russischen Kolonie und hiesige Diplomaten teilnahmen. Eine große Anzahl tele­graphischer Glückwünsche ist im Lause des Tages einge­troffen.

Bei dem gestrigen A b s ch i e d s m a h l für den bis­herigen Chef des Ingenieur- und Pionierkorps und jetzigen kommandierenden General des 1. Armeekorps, Fr hm. von der Goltz, hielt der Kaiser eine längere Ansprache, in welcher er die Entwickelung des Ingenieur- und Pio­nier-Korps und die Wandlungen, die sich in demselben voll­zogen, berührte und besonders die Verdienste hervorhob, )ie sich der Gefeierte um das Korps erworben. Frhr. v. d. Goltz dankte dem Kaiser für die hohe Auszeichnung» die ihm durch seine jetzige Ernennung zu teil geworden.

Das Geschenk des Kaisers an Miß Roose- ve l t besteht in einem goldenen mit Diamanten reich ver­sierten Schmuckkästchen, das inmitten des Deckels ein Miniaturbild des Kaisers und auf dem Grunde das kaiser- llche Monogramm trägt. Die Geschenke an die den Ehren­dienst beim Prinzen Heinrich thucmden Offiziere bestehen in goldenen und silbernen Zigarren- und Zigarettenetuis mit dem Monogramm des Kaisers. Heute hat bereits der Hofrat ^alzmann mit zwei Mundköchen die Reise nach Amerika angetreten, um alles für das Galadiner auf der Hohenzollem" vorzubereiten.

Die vollstänoige Reiseroute des Prinzen Hein­rich in den Vereinigten Staaten wird länger wer­den, als 8000 Kilometer. Der polizeiliche Schutz für den Grinsen soll im ansgiebegsten Maße geübt werden. Bei >er Einfahrt in den Hafen sollen zwei Polizeiboote den Dampfer geleiten; 6 Geheimpolizisten sind stets in nächster Nähe des Prinzen. In allen Städten, die der Prinz be­ucht, wird weitere Polizeiunterstützung geleistet. Alle Ber­echtigen sollen unverzüglich verhaftet werden.

Die Budgetkommission des Reichstages

Zwettes Matt. 152. Jahrgang Mittwoch 5 Februar 1»OJ8

GietzenerAiWger

f General-Anzeiger "

für den polit. u. oHgcm, Teil: P. Witiko- für »Eladt und Land' und ,Gerichlösaal-:R.Ditt- mann: für den An­zeigenteil: Han? Beck.

Es ist mit Recht vermutet worden, daß die jüngst er­schienene hochoftiziöse Auslassung über dieGesähr- bung" des Zolltarifentwurfs durch weitergehendc agrarische Anträge notn nicht als dasletzte Wort" der Regierung betrachtet werden würde von den Vertretern jener Anträge. DieDeutsche Tagesztg." und andere Organe ähnlicher Richllmg haben dem Ausdruck gegeben, und die konservativeKreuzztg." schließt sich heute abend der Mein­ung an. Ter Zeitpunkt für eine endgiltige Erklärung über die Wänderungen des Entwurfes fei für die Re­gierung erst gekommen, wenn Beschlüsse des Rechs- tags vorliegen. Die Verschiebung der endglltigen Stellung­nahme des Bundesrats bis auf diesen Zeitpunkt etspreche jer Bismarck scheu Tradition. DieKreuzztg." fordert nun )ie gleichgesinnten Mitglieder der Tarifkommission auf, sich chleunigst über eine mäßige Erhöhung der Mindest- ätze für Getreide zu einigen; andernfalls scheitere der Tarifentwurf an der Unfähigkeit der schutzzöllnerischen Mehrheit, sich über bestimmte Vorschläge zu verständtgen.

TieKreuzztg." erläutert auch diesmal nicht, was sie unter einermäßigen", für die Regierung nicht unannehm­baren Erhöhung der Getreide-Mindeftzoltsätze versteht. Es ist aber tein Geheimnis, daß der 6 Mk.-Zoll für Roggan unb Weizen als derjenige Satz bezeichnet wird, den man fürdurchsetzbar" hält bei den verbündeten Regierungen. In diesem Sinne betreibt seit längerem ein Teil der Kon­servativen, der Nationalliberalen und des ZentrumsSamm­lungspolitik". Aber man hat noch nicht die erforderliche Anzahl von Stimmen zufainmen, nm dem entsprechenden Antrag eine kräftige Mehrbeit zu sichern. Auf der anderen Seite läßt der Bund der Landwirte" nicht locker und ent­faltet ebensoviel Eifer und Beredtsamkeit, um jeden wahren Freund der Landwirtschaft zu gewinnen für eine ausgiebige, beträchtliche Erhöhung der Getreide-Mindestzölle. Das Zentrum, das in anderen. Fällen sich berufen glaubt, den A^dglerch herbeizuführen, weiß sich hier einstweilen selbst nicht zu Helsen. Ta sind die Mitglieder des bayerischen Zentrums, denen der Zolltarifentwurf gleichgiltig ist, wenn nicht der 6 Mk.-G ersten-Zoll dabei herauskommt.So­weit wird die Regierung keinenfalls gehen", wenden die Manner des 6 Mk.-Getreidezolls ein. Tas i-st dann wieder ein nicht unwillkommenes Stichwort für dieent­schiedenen" Agrarier, den Kollegen vom Zentrum zu zeigen, auf welche Abwege »die Politik der 9iachgiebigkeit führt. Kurzum, mit der Einigkeit im Lager ist es nicht gut be­stellt. Vielfach wird daserlösende Wort" von der Re­gierung herbeigesehnt, um die Meinungsverschiedenheiten endlich zum Wschluß zu bringen. Aber dieKreuzztg." hat Recht: die Regierung kann erst zu Beschlüssen des Reichstags, d. h. zunächst der Kommissionsmehrheit, gütige Stellung nehmen. Eine arge Zwickmühle.

Inzwischen gewährt die Zolltarifkommission auch in der heutigen Sitzung das eigenartige Bild, die Re­gierung mit Sozialdemokraten und Freisinnigen Schulter an Schulter iämpfen zu sehen. Obwohl Staatssekretär Graf Posadowsky oft und bestimmt die F-rage vem einte, ob 'die Tranfitlager die Landwirtschaft schädigen, wird die Kommissionsmehrheit demnächst durch Annichme der be­treffenden Antraae wiederum die Zahl der Beschlüsse ver­mehren, die nach der offiziösen Erllärung den Zolltarife entwurfernstlich gefährden." Was soll aus alledem werden?