Ausgabe 
4.11.1902 Erstes Blatt
 
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Frofessor A«hr f*).

Gießen, 4. November 1902.

Ein mitleidiger Tod hat endlich die Qual beendet. Am Morgen des 3. November ist Professor Fuhr, noch nicht 50 Jahre alt, gestorben. In den weitesten Kreisen der Be­völkerung wird diese Nachricht Trauer und Mitleid erregen, denn der Verstorbene war als edler Mensch und als tüchtiger Arzt gleich hoch gewertet und beliebt. Der Kummer um das langjährige Siechtum und den endlichen Verlust deS einzigen, hoffnungsvollen Sohnes, des vielversprechenden, liebens­werten Jünglings, mag den Keim der erbarmungslosen Krankheit entwickelt und den im besten Mannesalter Stehenden so früh gefällt haben.

Ferdinand Friedrich Fuhr, im Jahre 1853 zu Windhausen als Sohn des dortigen Lehrers geboren, hat fast seine ganze Lebenszeit in Gießen zugebracht. Er besuchte hier das Gymnasium, welches er tm Jahre 1870 absoloirte. 1870 bis 1875 studirte er Medizin und begab sich nach abgelegtem Approbationsexamen zu weiterer Ausbildung nach Wien, um die berühmten Chirurgen Blllroth und Albert zu hären. Nach seiner Rückkehr von dort bestand er 1876 das Doktorexamen und wurde Assistent an der chirurgischen Klinik zu Gießen bis zum Jahre 1881. Von 18821886 war er hier praktischer Arzt, um sich dann vollständig der Chirurgie zu widmen. Im Sommersemester 1886 habilitirte er sich als Prwatdozent für Chirurgie mit einer in weiten wissenschaftlichen Kreisen Auf­sehen erregenden Schriftüber die Exstirpation der Schild­drüse^. Am 29. Juni 1891 wurde ec zum außerordentlichen Professor ernannt. Er hatte jahrelang die Leitung der chirurgischen Poliklinik in Händen und las Collegien, nament­lich über Knochenbrüche und Verrenkungen, auf welchem Ge­biete er eine Autorität ersten Ranges genannt werden darf. Im Jahre 1898 berief ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in die Stadtverordneten - Versamlung. Vor zwei Jahren suchte Fuhr seine Pensionirung nach wegen eines beginnenden Halsleidens.

Fuhr's außerordentliche Tüchtigkeit im Berufe, sein edler, grader und unbestechlicher Sinn, sein bis zur Selbstverleug­nung uneigennütziges Verhalten der leidenden Menschheit gegenüber, seine hilfreiche Güte gegen Hoch und 9hebrig, das sind Gründe genug, seine außergewöhnliche Beliebtheit bei der gesamten Bevölkerung Gießens und der weiteren Um­gebung zu erklären.

In intimere, freundschaftliche Beziehungen zu dem Ver­storbenen zu treten, war übrigens nicht Vielen vergönnt, er war im Grunde eine verschlossene Natur und eine nicht ge­ringe Dosis Menschenverachtung ein Grundzug seines Wesens, wer aber das Glück hatte, sein Freund zu heißen, der em- psing stets mehr, als er geben konnte reiche Anregung nnd Belehrung gewährte der Verkehr mit dem, nicht nur in der Medizin, erstaunlich belesenen und hochgebildeten Dlnnne.

Groß war Fuhr'S Lehrtalent und unermüdlich die Ge­duld, mit der er im klinischen Unterricht, das Wesentliche und Wichtige immer wieder heroorhob, es von der Spreu scheidend, charakteristische Unterscheidungsmerkmale hell beleuchtete, prak­tische Untersuchungsmethoden und Maßnahmen wieder und wieder demonstrierte, auf Irrtümer aufmerksam machte, die­selben widerlegte und korrigierte und so hat er, während seiner leider zu früh abgebrochenen Lehrthätigkeit es ver­standen, in seinem Fache viele tüchtige Aerzte zu erziehen, die draußen in der Praxis nach seinem Beispiel und seinen Lehren handelnd, letztere zum Wohle ihrer Patienten richtig anzuwenden roiffen.

In wissenschaftlich-litterarischer Hinsicht ist Fuhr nach heutigen Begriffen und der Spaltenzahl nach nicht sehr pro­duktiv gewesen, er schrieb eben nur, wenn er etwas Ganzes,

) Der obenstehende Nachruf ging uns heute von einer Seite zu, die dem Verstorbenen im Leben freundschaftlich nahe stand, unb bie Witwe des Verstorbenen ermächtigte, wie man uns mit- teilt, ben Verfasser biefes Nachrufes zur Veröffentlichung in unserem Blatte. D. Red. bes Gieß. Anz.

zu bedauern, daß die ihm erteilte Lektion noch zu schwach ausgefallen ift

Daß die Mittel zu dem Bau reichlich bemessen wurden, trotz der damaligen Finanzlage, derettvegen noch dieser Tage derGießener Anzeiger"*) eine weise Ermahnung zu Ersparnissen an Diäten und Ausstattung von Neu­bauten brachte, sollte gerade von Gießen dankbar anerkannt werden, und es sollte nicht denen, die keine eigne Ansicht haben und diese bilden die Mehrheit durch eine öffentliche Kritik vorweg der Geschmack an dem Neubau verdorben werden, zumal ein Gegengewicht durch fach­männische Kritiken deshalb nicht zu erwarten ist, weil sie nicht ins Publikum zu dringen pflegen.

Becker.

* e

Mir haben den vorstehenden Aufsatz umso lieber zum Abdruck gebracht, als er in sehr vielen wesentlichen Dingen mit dem übereinstimmt, was in dem Artikel über die Biblio­thek in unserer Samstagnummer gesagt war. Es mag nochmals betont werden, daß dieser Artikel ausschließlich die romantische Richtung vertrat und eine Kritik nur nach dieser Richtung hin übte. Daß die Ornamentik reicher sein sollte, ist in jenem Artikel nicht gefordert worden. Dagegen erschien dem Verfasser eine reichere Innenaus­stattung vom Standpunkte des romantischen Empfindens notwendig. Hinsichtlich der Raumanordnung war nur eine größere Anzahl kleinerer Abteile gewünscht worden, die selbst­verständlich nicht jede m zur Benützung offen stehen sollten. Für die Allgemeinheit ist der Lesefaal, wie wir gerne ein- gestehen wollen, vollständig ausreichend und mit Rück­sicht auf vorkommende Diebstähle auch zweckmäßig. Bei den Persönlichkeiten aber, für die wir jene Abteile wünschten, und die wir ja auch hinlänglich charakterisiert haben, sind Diebstähle rc. doch wohl ausgeschlossen. Im übrigen ift weniger das neue Bibliotheksgebäude kritisiert worden, als eine gar so sehr auf das Praktische gerichtete Zettströmung, die kein Verständnis für die intimen Reize der älteren romantischen Bauten hat, oder dies doch nicht bei den Bauten der Gegenwart zum Ausdruck bringt.

D- Red- des Gieß. Anz.

) Pardon, nicht derGießener Anz.", sondern ein Mitarbeiter desGieß. Anz ", der in jenem Artikel keines- wegs gegen die Monuinemalbaulen, sondern n'u r gegen die villenartigen Beamtenl-änser" sich aussvrach.

D. Red- des Gieß. Anz.

Fertiges vorzulegen hatte, aber bie wenigen Arbeiten*) welche wir von ihm besitzen, überwiegen turmhoch ben Durchschnitt her mebizinischen TageSlitteratur, sie sind ausgezeichnet burch eltene Grünblichkett, klare Darstellungsweise unb vorzüglichen Stil, sie haben bleibenden Wert unb sichern ihrem Verfasser einen hochgeachteten Namen auch als Fachschriststeller.

Neben seinem gewissenhaft verwalteten Lehramte lag Fuhr's segenbringenbe Thätigkett auf praktisch ausübenbem Gebiete, denn er war nicht nur ein begabter Lehrer, sondern auch ein vorbilblich guter Arzt unb als solcher hat er viel genützt unb sich bas unbegrenzte Vertrauen einer überaus großen Anzahl von bankbaren Patienten erworben. Sachlich, kurz unb boch erschöpfens ohne jebe Effekthascherei, hatte eine ganze Art sich zu geben etwas unenblich Wohlthuenbeö unb Vertrauen erroecfenbeS.

Allem Neuen in ber mebizinischen Wissenschaft brachte ber Verstorbene bas größte Interesse entgegen, aber Interesse unb Enthusiasmus war bei ihm zweierlei. Er prüfte scharf unb wog genau unb was er zu leicht befunben, bas war bei ihm ein für alle Mal abgethan. Manchen neueren me­bizinischen Strömungen unb Bestrebungen stanb er ablehnenb gegenüber unb hat baraus nie em Hehl gemacht. So hat er sich inmitten ber Tuberkulin-Begeisterung seinen ablehnen­den Standpunkt gewahrt und bas klägliche Fiasco ber Koch'schcn Entbeckung hat ihm Recht gegeben. In seiner Kritik war er nie geneigt, Konzessionen zu machen, schroff vertrat er seinen nach reiflicher Ucberlegung eingenommenen Stanbpunkt gegen Jeben unb unter Verzicht auf alle so­genannte Weltklugheit unb er mag bann manchmal zu weit unb zu rabikal vorgegangen sein. Gönner erwirbt sich nicht, wer gegen ben herrschenben Strom schwimmt!

Aeußere Ehren unb Auszeichnungen, bie er übrigens seiner ganzen Sinnesart nach nicht erstreben konnte, sinb bem wackeren Kämpfer berm auch nicht zuteil geworben unb seine Pensio­nierung, allerbings, wie ber traurige Ausgang lehrt, triftig genug mit einem Halsleiden begründet, wurde von ihm nach­gesucht in tiefer Verbitterung und im Gefühle unverdienter Zurücksetzung.

2)tit spartanischer Konsequenz führte er, was er einmal als das Richtige erkannt, am eigenen Leibe selbst durch. Zwei­mal hat er schmerzhafte Operationen ohne die Wohlthat des Chloroforms ertragen unb hat bis zu seinem Enbe auf ben Segen ber schmerzlmbernben unb wenigstens zeitweiliges Ver­gessenbringenben Morphiumspritze verzichtet.Weil ich nicht willenlos werben unb meinen klaren Verstanb behalten will!"

So hat biefer seltene Mann klaren Blickes ben Kelch bis zur Neige geleert! Er hat in vollster Erkenntnis ber Hoff­nungslosigkeit seines Zuslanbes qualvolle 3)lonate burchlebt unb Leiben mannhaft ertragen, bie über menschliche Kräfte gehen! Unb wenn sein bescheibener Sinn es ablehnte, baß ein Nachruf ihn in bie Gruft geleite, so können wir biesmal einem Wunsche nicht willfahren; ftärler war unser Herzens- bebürsnis unb tiefinnerlicher Drang, auszusprechen, ivas er war unb was wir an ihm verloren.

Sein Anbeuten wirb im Herzen Aller, die ihn recht ge­kannt, niemals verlöschen, wir, seine Freunde beklagen tief bas traurige Geschick bieses Eblen unb wollen seiner in Liebe gebenden, so lange wir atmen! Dr. Klein.

) Außer verschiedenen größeren und kleineren Referaten für bieMünch. meb. Wochenschrift" und das ^Internat. Cemralblati für Laryngologie" hat Fuhr bie oben erwähnte ausgezeichnete ex­perimentale Stubic über Exslipation ber Schilbbrüse, 2. Zur Entero- tomie bei Ileus, 3. Beiträge zur Enterotomie bei innerem Darm- Verschluß, 4. Ter Kropf im Altertum, ö. Zur Frage ber Ampu- tationstechnik bes Unterschenkels, geschrieben. D. Vers.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 4. November 1902.

** Gedenktage. Der Dichter und Kunsthistoriker Gottfried Kinkel floh am 5. November 1850 aus dem Gefängnis zu Spandau unter Mitwirkung des damaligen Studenten Karl Schurz nach England. Kinkel hatte sich am pfälzisch-badischen Aufstande beteiligt, wurde verwundet, ge­fangen genommen unb zu lebenslänglicher Festungsstrafe Der» urteilt; in bas Zuchhaus zu Naugarb gebracht, stellte man ihn vor baß Gericht wegen versuchter Erstürmung bes Zeug­hauses in Siegburg. Doch würbe Kinkel nach einer glänzenben Verteidigungsrede freigesprochen, inbeß in Spanbau in strengster Haft gehalten.

** Auszeichnungen. Dem Obersten Winter, Präses der Gewehr-PrüfungS-Kommission, ist die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Komthurkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt wor­den. Dem Maschinenmeister Wilhelm Tiehlmann zu Nidda, in Diensten der Buchdruckerei von Ludwig Cloos da­selbst ist das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift Für treue Arbeit" verliehen worden.

-i- Fortbildungsschulwesen. In Oberhessen werden in diesem Jahre gegen 5000 Mk. Unterstützung für ärmere Gemeinden zur Bestreitung der Fortbildungsschulkosten verausgabt, davon entfallen auf solche Gemeinden des Vogels­bergs ca. 3000 Mk.

** Gießener Volksbad. Im Oktober wurden 7560 Bäder verabreicht gegen 7291 im September 1902 unb 8714 im Oktober 1901 ober im Durchschnitt auf ben ganzen Badetag 261 Bäder gegen 260 im Septbr. 1902 unb 300 im Oktober 1901. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad 3979 Männer, darunter 682 zu 10 Pfg.,

924 Frauen, 261 , 10 ,

Wannenbäder 1. Klaffe 240 Manner, 75 Frauen,

, 2. , 514 367 ,

Dampf- und Heißluftbader, sowie Massage zusammen 120 Männer, 19 Frauen. Brausebäder 1123 Männer, 199 Frauen. Die Personenwage wurde von 180 Personen benutzt. Das Bad von 11 Personen besichtigt.

* Der National liberale Verein hält am nächsten Samstag seine Generalversammlung ab. (Vgl. Inserat.)

Die Frage ber Erwerbung des hessischen Staats bürg errechts ift aus Anlaß der Landtagswahlen ber Gegenstanb lebhafter Erörterungen gewesen, da sie auf den Ausgang derselben von größtem Einfluß war. Die in dieser Frage vielfach noch herrschende Unklarheit hat der ,£)ffenb. Ztg." Veranlassung gegeben, ihr an ber Hand der einschlägigen Gesetzesbestimmungen einmal auf ben Grund zu

gehen. DaS genannte Blatt ist dabei zu dem Ergebnis ge- langt, daß die weit verbreitete Ansicht, man brauche bei ber Etwerbung des hessischen Staatsbürgerrechts seine frühere Staatsangehörigkeit nicht aufzugeben, auf einem Irrtum beruht. Nach ben Bestimmungen des Gesetzes vom 8. November 1872, welche burch bie Abänberungen vom 6. Juni 1885 nicht berührt werden, sind stimmberechtigt Urwähler) bei der Wahl der Wahlmänner diejenigen Staatsbürger, welche das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben, feit Anfang des Rechnungsjahres, m welchem bie Wahl stattfinbet, zu einer bireften Staatssteuer herangezogen ober, wenn bies nicht ber Fall ist, kommnnalsteuerpsüchtig mb 2C. Staatsbürger aber sind nach Art. 14 ber Versassungs- urkunbebiejenigen volljährigen Jnlänbcr männlichen (9e- chlechts, welche in keinem fremben persönlichen Intert hansverbanbe stehen unb wenigstens brei Jahre in bem Grobherzogtum wohnen.* Küchler schreibt m fernem Verfassungs- unb Verwaltungsrecht bes Großherzogtums Hessen*, Darmstabt 1894, unter § 48 (Staatsangehörigkeit unb Staatsbürgerrecht):

Innerhalb der Zahl der Staatsangehörigen stehen Staats» angehörige im engeren Sinne, das sind die sogenannten ^taats- bürger: Diejenigen volljährigen Hessen männlichen Geschlechts, welche in feinem fremden Uniertbanenverbanbe stehen unb wenig­stens drei Jahre im Großherzogtum wohnen."

Küchler macht dazu folgende Bemerkung:

Nach Reichsrecht kann em Reichsangehöriger eine mehrfache in- und ausländische Staatsangehörigkeit besitzen («ujet mixt« ), nach Landesrecht kann ein solcher hessischer Staatsbürger nicht sein."

Aus alledem geht deutlich hervor, daß man, um hessi­scher Staatsbürger zu werden unb in ben Lanbtag wählen zu können, unbebingt seine frühere Staatsangehörigkeit auf* geben muß.

** Eine eigentümliche Stellung, so schreibt dieFortbildungsschul-Korresp.", nimmt derLandes-Ge- werbeverein des Großherzvgtums ein. Er bildet zwar eine freiwillige Vereinigung von Gewerbetreibenden aus allen Teilen des Landes; er hat aber eine staatliche Verwal­tung und weitgehende Rechte. Seit dem Jahre 1837 widmet er dem gewerblichen Unterricht feine Aufmerksamkeit. Unter­stützt von zahlreichen Freunden, den Ortsvereinen, den Ge­meinden, den Sparkassen, vor allem von der Regierung, hat er ein weitverzweigtes Netz gewerblicher Unterrichtsanstalten geschaffen. Eine große Anzahl blühender und angesehener Schulen, an deren Aufsicht und Leitung die Ortsgewerbe­vereine beteiligt sind, verbreitet Dildiing und Wissen in den Kreisen der gewerblichen Jugend und bietet in verschiedenen Lehrstätten Ergänzung und Vertiefung der Werkstättenlebre. Tie Mitwirkung der Vereinsvorstände ermöglicht es, den örtlichen Bedürfnissen bei Ausbildung der Lehrlinge und den wechselnden Amnfvrderungen Rechnung zu tragen, wäh­rend die von der Zentralstelle für die Gewerbe im allge­meinen festgesetzten Unterrichtspläne vor der Gefahr eines tastenden Probierens bewahren. Eine Anzahl der 1(/J tn-? vereine hat den größten Teil ihres Einkommens resp. Ver­mögens den gewerblichen Schulen zugewendet; im ver­gangenen Jahre z. B. haben die Gewerbevereine zu Alsfeld, Großgerau, Gvoßumstadt, Langen, Eberstadt, Mainz, Worms, Bensheim und Reinheim entweder den Bau von Schul- Häusern begonnen ober Anbauten durchgeführt. Besondere Fachkurse veranstalteten die Vereine zu Offenbach (für Leder- särber), Alzey (in Kerb- und Fachschnitt), Offenbach (Vor­bereitung zur Meisterprüfung); Bieber, Großstettiheim, Höchst und Großgerau hielten Buchführungskurse ab. Vor­handen sind die LandeÄbaugewerkschule zu Darmstadt, welche schon im vorigen Jahre ihre fünsundzwanzigjährige Thätig- keit beendete, die Fachschule fürElfenbeinschnitzerei zu Bad), die Web schule in Lauterbach, die Kunstgewerbeschule in Mainz, die technische Lehranstalt zu Offenbach, die Bau- gewerk- und Gewerbeschule in Bingen, 10 Gewerbeschulen 109 Sonnfagszeichenschulen und 40 gewerbliche Ford' bildungsschulen für die nichtzeichnerischen Fächer. Wenn man bedenkt, daß außerdem noch die 1008 allgemeinen Fortbildungsschulen, Anstalten für junge Kaufleute, Land­wirte und Mädchen im Lande bestehen, so kann man nur mit Respekt von d en Kulturbestrebungen des hessischen Völkchens reden. Hohe Achtung aber muß man ben Gewerbtreibenden im Hessenlande zollen, die als den Kernpunkt der ganzen Handwerker frage die Ausbildung des jungen Nachwuchses betrachten und tapfer in diesem Sinne arbeiten.

eg. WiSmar, 4. Noo. Dem Bericht über die Messer« stecherci in ber SonntagSnacht fügen wir noch bei, baß ber Gestochene, H. Kraft, auf bem Heimwege von bem Thäter, L. Stroh, meuchlings überfallen unb in ben Hals gestochen würbe. Der Thäter setzte, nachdem bie Polizei bie verriegelte Thür seiner Wohnung geöffnet, feiner Festnahme heftige» Widerstand entgegen, sobaß er geschlossen werben mußte. Anfangs verhielt er sich im Haftlokal ruhig, als aber bie Polizei sich entfernt hatte, brach er ein Gefach aus ber Wand, schlug em Fenster entzwei unb stieg auf das Dach eines Ne- bengebäubed, von wo er zur Erbe gelangte. Hierauf suchte 3. seine Wohnung im Hause seines Schwagers auf, stahl biefem 30 Mk. unb ergriff die Flucht.

e. Bad Nauheim, 1- Nov. Die Gesamtste* q u e n,z hiesigen Bades betrug gestern, am 31. Oktober, dem Schlu sse der Saison, 22 567 Kurgäste gegen 19 883 i.m Jahre 1901. Eine annähernd hohe Frequenzzifser wie 1902 zeigte bisher njur «ba.5 Jahr 1899 mit 22 411 Per­sonen, der letzte Sommer brachte mithin Nauheim trotz ber ungünstigen Witterungsveryältnisse, den besten Be­such. Bäder wurden in der letzen Saison 304 616 abgegeben, gegen 296 583 im Vorjahre. Ter außerordentlich günstige Verlauf der diesjährigen Kur dürfte zum Teil daraus zu­rückzuführen sein, daß sich im vorigen Winter die Kur­verwaltung die Stadt und die Nauheimer VerkehrSvereine zur Bildung einer Derkehrskommission entschloßen, ein Ver­kehrsbureau gründeten und eine vornehme, zielbewußte Re­klame, hauptiächlich durch Herausgabe eines Albums von Bad Nauheim ins Leden riefen. Von privater Seite wurden zu den etwa 11000 Mark betragenden Kosten über 5000 Mark gezahlt. Tie sieben staatlichen Badehäuser unb das Inhalatorium sind nun seit gestern geschlossen; Thermal-, Sprudel- und Süßwasserbäder werden den aanzen Winter über im Badehause des städtischen Komtz- stifts gegeben.

§ Ober-Lais, 2. Noo. Unsere gemeinsam mit bet Nachbargemeinde Fauerbach (Kr. Bübingen) erbaute Quell­wasserleitung wirb 15 000 Mk. kosten, wovon bie hiesig« 3 emcinbe 7000 Mk. zu tragen hat.

0 Gebern, 1. Noo. Die hiesigen Lehrer Roth unb Spitznagel sind heute in den Ruhestand getreten. Gciicw verabschiedeten sie sich von ihren Schülern, wobei ber Nor- Ützende beS Schulvorstanbes, Hosprebiger Heinrichs, eine warme Ansprache hielt. Kantor Roth siedett nach Darmstadt