Ausgabe 
4.9.1902 Zweites Blatt
 
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z i al d e m o kr ati e gegenüber den Konsumvereinen em* nimmt.

Der Bericht schließt mit der Mitteilung, daß dem All­gemeinen Verbände angehören: 904 Kreditgenossenschaften, 23 Handwerkergenossenschaften, 15 Produklivgenosfenschaf- ten, 638 Konsumvereine, 171 Baugenossenschaften. Die Ge­samtzahl der Mitglieder beträgt bei 1749 Genossenschaften 1 207 573.

Heute nachmittag begann die Versammlung der Dele­gierten der deutschen Genossenschaften, in Lachen der Deutschen Genossenschaftsbank. Auf Vorschlag des Anwalts Tr. Crüger wurde Verbandsdirektor Tr. Feld- heim-Burg zum Vorsitzenden gewählt. Dr- Crüger be­merkte danach: Cs sei die Frage aufgeworfen worden, weshalb der Rechenschaftsbericht der Deutschen Genossen­schaftsbank noch vor dem Genossenschaftslage veröffentlicht worden sei. Tie Veröffentlichung sei nötig gewesen, um jedem Vorwurf zu begegnen, man wollte alles verheim­lichen. Jedenfalls fei kein Grund vorhanden, die bekla- genswerlen Vorkommnisse eine Katastrophe, einen Zusam­menbruch zu nennen. Er sei erst 1898 in den Aussichtsrat getreten. Bled, Dr. S^Lider zijkv,. [eien sämtlich erst seit

Nach dem vom Admiral Taylor ausaearbeiteten Plane zurVerstärkungdernordamerikanifchen Kriegsflotte soll deren Bemannung in der Zeit bis zum 1. April 1904 um 22500 Mann vermehrt werden. Tie Gesamtstärke der Marinetruppen würde damit auf 47 000 Mann erhöht werden.

43. Henoffeuschaststag.

Kreuznach, 2. Sept-

-Zu dem heute abend beginnenden 43. Genossenschafts­tage des Allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe be­ruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossen- chaften sind etwa 700 Delegierte von Borschußvereinen, Landwirtschaftsbanken, Volksbanken, Großeinkaufsgenossen- 'chaften, Rohstoff-Produktiv-, Baugenossenschaften, Eften- bahnbauvereinen und Konsumvereinen aus allen Teilen Deutschlands anwesend. Es sind außerdem durch T-elegierte vertreten: die Deutsche Genossenschaftsbank von Soergel, sZarisius L Co., Kommanditgesellschaft auf Attien (Berlin) und die Zentralgenossenschast ostpreußischer landwirtschaft­licher Genossenschaften (Insterburg).

In dem von dem Anwalt Aüg. Tr- Crüger verfaßten Geschäftsbericht heißt es u. a.: Tie Jahre 1889 und 1895 bedeuten einen Wendepunkt in der Geschichte des deut- chen Genossenschaftswesens. Heute besteht in einzelnen Gebieten ein Gewirr von Zentral-Genossenschaften und Zentral-Gesellschaften, in dem sich weder die beteiligten Mitglieder noch die Gläubiger zurecht finden können. Es herrschen Zu stände, daß eine amtliche Unter- uchung geboten erscheint. Tie gewichtigsten Be­denken müs;en sich geltend machen, wenn unter solchen Verhältnissen sich Zentralkassen noch zu einer Reichs- genossenscyaftskaise einigen sollten. Tie staatliche Förderung des Genossenschaftswesens hat zum Teil nicht bloß zu einer treibhausartigen Entwickelung geführt, wobei vielfach Ge­nossenschaften gegründet worden sind ohne Existenzberechtigung, ohne Prüfung, ob die geeigneten Personen für die Leitung vorhanden ftnd^ sie hat auch eine Gegnerschaft gegen die Bethätigung zur Selbst­hilfe herausgebildet.Selbsthilfe ergänzt dutch Staatshilfe" war die wirtschaftliche Weisheit, mit der das moderne Genossenschaftswesen in Szene gesetzt wurde. Tie Genossenschaften sind Schöpfungen der Selbsthilfe, und in den Kreisen der Landwirtschaft und des Hand­werks werden heute die Männer, die durch Jahrzehnte ihre ganze Arbeit in den Dienst des Genossenschaftswesens gestellt, die das genossenschaftliche Gebäude ausgebaut haben, aufs lebhafteste bekämpft, weil sie die Selbsthilfe vertreten. Tie Genossenschaft soll ihren Mitgliedern die Beschaffung der Lebensmittel erleichtern, sie soll den Ge­werbetreibenden aller Art die Produktionsbedingungen günstiger gestalten, doch fremd ist cs der Genossenschaft nach ihrer ganzen wirtschaftlichen Natur, einen Einfluß zu gewinnen aus die Preisfestsetzung oder die Beschränkung der Produktion, wie sie Zwecke der Kartellbildung sind. Deshalb müssen auch unter allgemeinen genossenschaftlichen Gesichtspunkten Genossenschaften bekämpft werden, wie die in einigen Städten gebildeten Milchzentralen, die eine monopolistische Festsetzung der Milchpreise erstreben, Genossenschaften, wie die die deutsche Vieh Ver­wertungs-Genossen schäft, die den gesamten deutschen Vieh handel zentralisieren möchte, um zur Preisbestimmung des Fleisches ju ge­langen. Jene K o r n h aus - Gc n o s s e n s ch af t en, die sich nicht damit begnügen, den Getreideabsatz für ihre Mit­glieder zu erleichtern, sondern deren Endziel es ist, ein Getreidehandelmonopol in der Zentralisation der Kornhaus-Genossenschaften zu bilden, und die sich, um einen Einfluß auf die Preisbildung zu erlangen, zu ver­fehlten und verkehrten geschäftlichen Manipulationen ver­leiten ließen. Die Staatshilfe verleitete zu unwirtschaft­lichen Geschäftsgebahren. Aus Verkennung der wirtschaft­lichen Aufgaben der Konsumvereine entwickelte sich die Agitation gegen die Konsumvereine. Diese Gegner­schaft hat der Entwickelung der Konsumvereine keinen Schaden zugefügt, obgleich selbst der Staat Partei gegen die Konsumvereine nahm. Bald aber stellten die Regie­rungen den l ä n d l i ch e n D a r l e h n s k a s s e n, die zum Teil auch thatsächlich nur Konsumvereine sind, Mittel zum Betriebe zur Verfügung. Staatsmittel wurden auch Hand­werker-Genossenschaften gewährt. Ebenso unterstützte der Staat Genossenschaften bei der Beseitigung des Zwischen­handels. Jede Genossenschaft schaltet Arbeitskräfte aus und diese Arbeitskräfte sehen naturgemäß in der Genossen­schaft einen Konkurrenten. So lange der Konkurrent unter den gleichen Bedingungen arbeitet, können jene Arbeits­kräfte keine berechtigte Klage führen, denn wir leben nicht mehr in der Zeit der Zwangs- und Standrechte. Anders wird es, wenn der Staat eingreift, den Genossenschaften Mittel zum Betriebe zur Verfügung stellt. Dann können die durch die Genossenschaften ausge,chalteten Arbeitskräfte durch die Betriebe der genossenschaftlichen Organisation eine wirtschaftliche Beeinträchtigung von Staatswegen em­pfinden. Sie erblicken in den staatlicherseits subventio­nierten Genossenschaften vom Staat privilegierte Konkur­renten. So hat sich denn auch eine Gegnerschaft gegen landwirtschaftliche Genossenschaften und Handwerker-Genos­senschaften entwickelt, die nicht blos lebhafte Agitation hervorgerufen, sondern auch eine bedenkliche Verwirrung zur Folge hat. Und um die Verhältnisse immer verwor­rener zu gestalten, werden nur Genossenschaftssysteme er­funden, deren Eigenart hauptsächlich darin besteht, daß die genossenschaftliche Organisation zur Trennung der ver­schiedenen Berufsarten gebraucht wird. Von besonderem Einfluß auf die Gestaltung des Genossenschaftswesens^ ist schließlich die Haltung geworden, die ein Teil der So-

Ausland.

Haag, 3. Sept. Tie Professoren Erb-Heidelberg und Winkler-Utrecht hatten hier eine Besprechung über den Zu­stand des Expräfidenten Steijn. Ter Zustand wurde zufriedenstellerft» befunden. Erb ist der Ansicht, Steijn werde, wenn auch langsam, wiederhergestellt werden.

Paris, 3. Sept. Gerüchtweise verlautet in Brest, Oberst Stoffels habe an den Präfekten einen Brief, in welchem Beleidi gungen des Kabinettschefs ent­halten waren, gesandt und sich deswegen heute vor dem Untersuchungsrichter zu verantworten. Ter Unter­suchungsrichter Fernoux hatte gestern eine längere Konfe­renz mit dem Prokurator der Republik in Brest. Fernoux hat das Studium der Akten betreffend den Widerstand in Bloudaniel, St. M6en und Folgoet beendigt. Gestern wurde ein weiterer Haftbefehl gegen eine Tienftmagd er­lassen, welche thätlick)er Angriffe gegen einen Regierungs- Vertreter beschuldigt wird. Wegen der Säkularisierung des kongreganistischen Asyls in Concarneau legte der Stadtrat sein Amt nieder. Mehrere hundert Personen veranstal­teten gestern abend in Brest eine Straßen kund geb ung, indem sie fromme Lieder anftimmten und Hochrufe auf die Freiheit ausbrachten.

Sofia, 3. Sept. Außer dem General Zontschew, dem Vize-Präsidenten des alten obersten macedonischen Komitees, ist gestern noch der Oberst N i e o l o f f, ein Mitglied dieses Komitees, wegen Bandenbildung polizeilich festgenommen worden. Tie Verhaftung beider fand bei Tubuitza, nicht weit von der Grenze, statt. Tie Ver­hafteten wurden unter starker Bewachung nach dem Norden Bulgariens gebracht, vermutlich zwecks vorläufiger Inter­nierung in Trenowo und Baltschik.

New York, 3. Sept, lieber den neuen Fleisch- Ring werden Einzelheiten gemeldet: Die Hauptfirmen hatten vergangenes Jahr folgende Reingewinne: Armour 40 Mill. Mk., Swifts 20 Mill. Mk., Schwarzschild 6 Mill. Mk., Morris 15 Mlll. Mk., Cudahi 4 Mill. Mk. Ter Ge­samtumsatz wird auf jährlich fünftausend Mill. Mark geschätzt. Tas englische Haus Lipton ist dem Ringe gleichfalls beigetreten. Ter Ring beabsichtigt, sämtliche großen Vorrats- und Fleisch-Pack-Häuser Amerikas aufzu nehmen uni) so den ganzen Weltmarkt zu beherrschen. Jede der beigetretenen Firmen erhält den 25 fach en Betrag des letztjährigen Reingewinns in Aktien des neuen Ringes. Vor­sitzender wird Mr. Armour, Präsident Gustavus Swift, Schatzmeister Eduard Nlorris und Geschäftsführer Eduard Eudayi.

Deutsches Wich.

Berlin, 3. oept. Der Kaiser wird sich in diesem Jahre zum ersten Male persönlich an den Segelwettkämpfen der Berliner Woche beteiligen; er hat feine neuerbaute Sonderklassen-dachtUnite Sam" melden lassen.

Wie derPost" mitgeteilt wird, beabsichtigt der König von Sachsen im Laufe dieses Monats dem Kaiserpaar im Neuen Palais seine Antrittsvisfte ab* zustatten.

" Der Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika, Oberst Leut wein, der gegenwärtig hier weilt, gedenkt, seinen Urlaub in Deutschland zu verbringen und bann auf seinen Posten zurückzukehren. Dadurch erledigen sich die Gerüchte, wonach er die Absicht habe, seine Stellung aufzugeben.

Wie aus Kiel gemeldet wird, ist die Z a r e n y a ch t Standart" über England nach Livadia abge­gangen, um im Herbst zur Verfügung des Zarenpaares zu stehen. DerStandart" kehrt im nächsten Jahre nach der Ostsee zurück.

Nach einer parlamentarischen Korrespondenz ist es als ausgeschlossen zu betrachten, daß der preuß. Land­tag vor Januar nächsten Jahres zusammentritt.

F r e i b u r g i. B, 3. Sept. Heute wurden hier die drei­tägigen Verhandlungen des Ver eins deutscher Eisen­bahnverwaltungen unter dem Vorsitz des Wirkl. Geh. Ober-Regierungsrats Kranold-Berlin eröffnet.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, den 3. September 1902.

** Pferdemarkt. Die Pferdemarktkommission hat beschlossen, gleichwie bei dem Frühjahrsmartte auch bei dem am 10. September stattfindenden Herbstmarkte Pferde, jm Privatbesitz befindlich, zur Vorführung bezw. Prämi­ierung zuzulassen. Und zwar sind hierfür vier Abtellungen vorgesehen: 1. Reitpferde unter dem Reiter gezeigt. 2. Wa­genschläge einzeln oder paarweise im Geschirr oder vor­geführt. 3. Arbeitsschläge einzeln oder paarweise im Ge­schirr ober vorgeführt. In jeder Abteilung wird ein Ehrenpreis gegeben. Anmeldungen xur Prämiierung haben bei dem Oekonomierat Sch len ke, Hardthof bei Gießen bis zum 7. September zu erfolgen; die Vor­führung der Privatpferde beginnt vormittags 11 Uhr in dem hierfür vorgesehenen Prämiierungsring. Die Prü­fungskommission besteht aus den Herren: Oekonomierat S ch l e n l e, Hardthof bei Gießen als Vorsitzender, Oberst­leutnant Freiherr von Normann, Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Oberhessen als Stellvertreter, Guts­pächter A Bene, Oberweimar b. Marburg, Oekonomie­rat Hoffmann, Hofgüll b. Lich, Schlachthofbirektor Dr. Liebe, Gießen, Gutsbesitzer Müller, Neuhof b. Gießen. Für bie Zuschauer ist ein besondrer abgeschlossener Raum geschaffen; für bie gelabenen Gäste eine klerne Tribüne in Aussicht genommen.

Ihren 83jährigen Geburtstag feiert heute bie älteste Gießnerin, Frau Obsthändlerin Margarethe Dampf, mann. Die alte Dame versieht ihr Geschäft noch in über­aus rüstiger Weise.

mn. Landtagswahlen. Aus ©rünberg wird uns von unserem dortigen Korrespondenten geschrieben: Am 2. September, ab'ends, fand eine Wahlversammlung in der Wirtschaftzur Pinn" statt, in welcher em Vertreter für den Wahlkreis Grünberg zur bevorstehenden Landtags- wähl ernannt werden sollte. Dieselbe war schwach besucht. Ter Einberufer, Karl Georg Jöckel, eröffnete bie 33er- sammlung. Er führte aus, daß es für uns notwendig fei, einen Mann aus dem Wahlkreise selbst aufzustellen, der mit den ländlichen Verhältnipen vertraut fei, und empfahl als solchen den Kaufmann Moll von hier. Niemand wider- sprach diesem Vorschlag, und es wurde ein Komitee bestimmt, welches weitere Schrille in der Wahlangelegenheit verfolgen soll. Wie man hört, soll auch Herr Apotheker Welker in Allendorf a. d. Lda., sowie Herr Mühlenbesitzer Neeb in Nieder-Ohmen anderseits als Kandidat ausgestellt werden.

§ Für Ortsgerichtsvorsteher und Geometer in Hessen. Zufolge Entscheidung Großh. Justizmimsle- nums sind die Ortsgerichte berechtigt, die in der neuen Dienst­anweisung Anlage V. unter A. 3 für die Vorlegung von öffentlichen Büchern und Urkunden festgesetzte Gebühr von 50 Psg. auch zu verlangen, wenn ein Geometer sich daS Ortsgrundbuch oder bie zugehörigen Karren zwecks An-

MMschr Tagesschau.

Kroaten und Serben.

Nachdem sich die Lokalbehörden in Agram vollstän­dig unfähig erwiesen haben, wird nicht nur der Bürger­meister, sondern auch der Polizeichef und Staats­anwalt demissionieren müssen. Allgemein ist auch die Klage, daß das Militär sich sehr reserviert verhalten habe, was die Arrangeure der Exzesse ausznnutzen suchten. Allgemein wird die Partei des B i s ch o f s S t r o ß m a y e r, die schon seit Jahren gegen die Ungarn und die Serben in maßloser Weise gehetzt habe, für die Exzesse verant­wortlich gemacht. Es wurde die Zuziehung von drei weiteren Bataillonen Militär beschlossen. Trotz der mi­litärischen Intervention wiederholten sch Tag und Nacht die Exzesse in verstärktem Maße. Die Menge besitzt förm­liche Proskriptionslisten mit dem Verzeichnis der in Agram wohnenden Serben, die der Reihe nach beimgesucht werden. Der greife Hauptmann Witas wurde dermaßen miß­handelt, daß er bewußtlos auf dem Pflaster liegen blieb. Er ist inzwischen verstorben. Besonders arg hauste die von Bauern aus der Umgebung verstärkte Menge im Villenviertel und an der Peripherie der Stadt. Alle Serben haben sich mit Revolvern bewaffnet und zwei Damen haben auch schon von denselben auf offener Straße Gebrauch gemacht. Zahlreichen Hausbesitzern, auch nicht­serbischen, tarnen Drohbriefe zu, daß Angriffe gegen sie vorbereitet seien. Die Gefängnisse sind überfüllt. Ein Versuch der Exzedenten, bie verhafteten Rädelsführer zu befreien, wurde vom Militär rechtzeitig zurückgeschlagen. Von vielen serbischen Bürgern unterschriebene Plakate wur­den affichiert, in denen das troatischeVolkum Ve r - zeihung gebeten wird für die ihm zugefügte Be­leidigung. Darob geriet die Menge in einen förmlichen Taumel, als ob ein großer Sieg errungen wäre. Sofort begann man überall die Häuser zu beflaggen, mit der Erklärung, wer nicht beflagge, sei kein Kroate und werde dafür in der Nacht bestraft werden. In Agram und den Nachbargemeinden wurde das Standrecht publiziert. Daduych ist Ruhe eingetreten. Der Budapester Scharfrichter ist in Agram eingetroffen. Der Magistrat regte an, daß die Kroaten ihre serbischen Angestellten entlassen. Nachts 12 Uhr herrschte in der militärisch besetzten Stadt voll­kommene Ruhe.

Im Dorfe Vrabese sind ebenfalls Unruhen aus- gebrochen. Die Gendarmerie wurde von den (Siebenten mit Steinwürfen empfangen und gab eine Salve ab. Einer der Exzedenten wurde getötet, mehrere sind ver­wundet. In Agram sind alle Verkehrspunkte militärisch besetzt. Die oppositionellen Blatter wurden beschlagnahmt- Die ZeitungSobobran", deren Artikel die Unruhen oer- anlaßten, stellte ihr Erscheinen ein.

verhältnismäßig kurzer Zeit Mitglieder des Aufsichtsrats? Tie T-eutsche Genossenschaftsbank bestehe aber seit mehreren Jahrzehnten und seine Organisation entsprach nicht ganz der Tendenz des deutschen Genossenschaftswesens. Tie neuen Aufsichtsratsmitglieder konnten nicht sofort eine durchgreifende Aenderung treffen. Den neuen Aufsichts- ratsmitgliedern konnte die Einsetzung einer Untersuchungs­kommission nur recht sein; es war aber andererseits zu bedenken, daß dadurch der Bank großer Schaven zugefügt erorbe. Eine Kommanditgesellschaft auf Attien nnt persön­lich haftenden Gesellschaftern sei nichts weiter als eine offene Handelsgesellschaft. Aus der Kommanditgesellschaft werde nunmehr eine Attiengesellschaft, aus persönlich haf­tenden Gesellschaftern, Direktoren, und der Aufsichtsrät werde. Eine Kommanditgesellschaft auf Attien mit persön- werde, genaue Revision vorzunehmen. Der Vorwurf der Vertrauensseligkeit gegen die neuen Aufsichtsratsmitglie­der sei vollständig ungerechtfertigt.Wir haben alle Konti aufs eingehendste geprüft, sie waren aber falsch eingerichtet, ganz besonders fehlte es den Aufsichtsratsmitgliedern an einer Unterlage zur Prüfung der Rentabilität der Unter­nehmungen. Tie Genossenschaftsbank hat sich allerdings in Unternehmungen eingelassen, die ihr fern liegen, zu bereit Leitung ihr die geeigneten Persönlichkeiten fehlten. Eine Verleumdung ist es, zu behaupten, daß die Bilanzen gefälscht waren. Fehler seien begangen worden, von einer Bilanzfälschung kann aber in keiner Weise die Rede sein. Es wird nur vorgeworfen, daß ich für Erhöhung des Aktienkapitals gestimmt habe. Diese Erhöhung ist längst beschlossen gewesen, als ich in den Aufsichtsrat eintrat. Cs wird nun gefragt: Welchen Lchutz haben denn die Aktionäre, wenn sie durch den Auf- ichtsrat nicht vor Verlusten geschützt werden. Ich erwidere daraus: einen absoluten Schutz der Aktionäre giebt es nicht, und wenn der Aufsichtsrat aus den idealsten Menschen besteht. Höchst bedauerlich ist es, daß das Vorkommnis von der gegnerischen Presse zu gemeinen Angriffen auf bie Schulze-Telitzschen Genossenschaften benützt werde. Eine Zeitung schrieb:Ter Zusammenbruch der Deutschen Ge- nossenschaftsbank ist der Anfang vom Ende der Schulze- Telitzschen Genossenschaften". So bedauerlich das Vor­kommnis ist, so hat es mit den Schulze-Telitzschen Genossen­schaften als solche gar nichts zu thun. Man kann von einem Aufsichtsratsmitglied nicht verlangen: es solle so­fort bei seinem Eintritt einen genauen Heb erb lick hoben.

Direktor Gmünder-Darmstadt: Ich kann dem An­walt, der erst 1898 in den Aufsichtsrat eingetreten ist, nicht einen Borwurf der Pflichtverletzung machen. Aber ein Vorwurf trifft die Herren Weilt und Sieber, bie die Statuten der Gesellschaft verlangt haben. Einen Vorwurf mache ich Herrn Parrisius, der auf seinen Millionen sitzt. (Beifall.) Das Vorkommnis ist sehr be­dauerlich, da man bereits an fängt, Wechsel der Ge­nossenschaftsbank zu beanstanden. In Tarm- stadt hat ein Bankier einen Wechsel der Deutschen Genossen- chastsbank in Höhe von 500 Mark beanstandet.

Direktor Vollborn-Eisenach: Unser Vertrauen ist zur Genossenschaftsbank in keiner Weise erschüttert. Wenn wir in dieser Weise hinter unserer Bank stehen, dann wird der Schaden sehr bald wieder gut gemacht werden. Nach einer längeren Aussprache beantragte Direktor Gmündner, zu beschließen: Die Versammlung spricht der Deutschen Genossenschaftsbank ihr Vertrauen aus und erklärt, für ihre Fortentwickelung eintreten zu wollen. Es gelangte jedoch nur der erste Satz zur Annahme. Der Gcnossen- schaststag beschloß ferner noch Längerer stürmischer Er­örterung in namentlicher Abstimmung mit 268 gegen 84 Stimmen, 29 Konsumvereine vo m Ver b an d e au s- zusch ließen, da sie sozialdemokratische Ten- denzen in den Verein trügen.