Ausgabe 
4.8.1902 Erstes Blatt
 
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der Stadt and der Ausschüsse Oberbürgermeister £5^1 er die GLste in überaus herzlicher Weise. Sein Gut Heil galt der Turnerschaft und ihrem guten Geiste. Es tritt sodann der Massenchor sämtlicher 14 Wormser Gesang­vereine in Stärke von 500 Mann unter Direktion des Lehrers Ludwig auf. Gesungen wurde ^Das deutsche IHet/'. Ter Beifall war unbeschreiblich Als der Kreisturnwart Schninck die Leitung des Kommerses übernahm, war es schon schwer, die fröhliche Menge zur Ruhe zn bewegen. Die Begeisterung stieg, als 2 Telegramme an den Kaiser und Großherzog verlesen wurden. Als letzter sprach, im Namen der Regierung Kreisamtmann Wolf. Drei schöne Marmor- grnppen: Armin, Jahn und Kaiser Rotbart, gestellt von der Turngemeinde Worms, wurden nun gezeigt. Den poetischen Text trug der Dichter, Prof. Briegleb vor. Noch ein­mal trat der prächtige Massenchor auf, dann begann mit dem Fahrreigen und Schwertertanz, aufgeführt von der Wormser Durngesellschaft, das turnerische Programm. Dazwischen wurden allgemeine Lieder gesungen und als gegen 12 Uhr nachts die Wormser Regimentskapelle bo5: letzte Stück spielte, ergoß sich die Menge über den Fest­platz, um auch dort und in den Zelten noch ein, zwei Minuten verweilen. Am Sonntag in aller Frühe begann das Hauptfest. Spielleute und Abteilungen der Wormser Militärkapelle durchzogen die Straßen uno weckten die Schläfer mit Paukenschlag und Trompetenklang. Sofort marschierten die Abteilungen zum Festplatz, wo um halb 8 Uhr morgens das Riegenturnen begann und bis 7 Uhr abends dauerte (abgerechnet die Mittagspause und die Zeit für die gemeinsamen Uebungen). Der Himmel sah wenig vertrauenerweckend aus, und ein kurzer Regenschauer stellte sich ein, aber die Sonne drang schließlich doch durch, und die Uebuugen konnten ohne Unterbrechung weitergeführt wer­den. Tie lebendigen Scenen aus dem Turnplatz im ein­zelnen zu schildern, ist nicht möglich Dort turnten Gruppen am Reck, an Ringen, da au Barren und Bock Dazwischen Trupps in Stabübungen begriffen, Kommando­wort, Glocken signale, hier und da bei besonders guten Leistungen das Beifallklatschen der Zu­schauer. Obgleich die Eliteturner noch fehlen, sie treffen erst morgen ein sah man doch vorzüg- lrche Einzelleistungen. Indessen füllte sich, der Festplatz^ denn seit 8 Uhr morgens wurden auf dem Bahnhof mit Militärmusik fortwährend noch Vereine empfangen. Frank­furt z. B. brachte einen durchgehenden Extrazug für sich Jetzt behauptet man, 500 Vereine und 6300 Turner hier zu beherbergen. Jedenfalls sind alle Herbergen überfüllt und auf dem. Festplatze bewegen sich an 20 000 Personen oder noch mehr. Auch interessierte natürlich der Festzug am meisten. Schon nach 12 Uyr sammelte sich eine un­übersehbare Menge Schaulustiger in den Straßen, Abtei- lungen marschierten mit Musik zum Stellplatz. Von dort aus rückte der Zug um 1 Uhr ab. An der Spitze mar­schierte der stattliche Gau Wiesbaden mit etwa 300 Mann. Ter ganze Zug hatte eine Länge von drei Viertel Marsch stunde. 10 Musikchors, darunter 3 Militärkapellen, beglei­teten die Vereine, die turngauweise anrückten. Man zählte 300 verschiedene Namen! Außer den Turnern, die zum Teil den geschulterten Stab trugen, beteiligten sich ver­schiedene Feuerwehrkorps, Sports- und Berufsvereine. Drei Bachus, Gambrinus, Schützengesellschaft fuhren mit, 20 bis 3V> Trommlerabteilungen sorgten für festlichen Lärm. Gut Hellrufe, Hüte- und Tücherschwenken wohin der Zug kam. SBie vorgeschrieben, traf die Spitze 2 Uhr 10 Vdinuten auf der Festwiese ein. Dort wurden die Fahnen abgestellt, es waren alte ehrwürdige Stücke dabei! und dann be­gannen unmittelbar die Stabübungen, die ohne Vorprobe von 1500 Turnern ausgeführt wurden. Der Mittelrhein­kreis hat wiederum gezeigt, was er gerade auf diesem Gebiete' leistet. Währenddessen spiellen die Germersheimer und Wormser Militärkapelle auf dem Festplaü und in der Halle. In allen Zelten wurde musiziert uno das Jahr­marktstreiben zwischen den Buden lockte immer mehr Menschen herber. Das Wetter blieb schön, und so heiter wie die Sonne war aiKfy ringsum die Stimmung in der

. hin- und herwogenden Menge. Als abends die Bogen­lampen erstrahlten und das zweite Doppelkonzert begann, drehten sich die Pärchen in fröhlichem Reigen auf dem großen freien Tanzplatz. Wesentliche Unglücksfälle sind nicht zu melden, die Sanitätswache trat neunmal in Thätig- keit, um Heine Schäden zu heilen. Für die aktiven Teil­nehmer an diesem turnerisch anstrengungsreichen Tage er­

weckte natürlich, die Preisverkündigung lebhafteste Span­nung. Die ersten Resultate liegen nun vor: Am Haupt­tage wurden ausgezeichnet:

Preise im 1. Rang (3745 Punkte). T.-V- Aschaf­fenburg, T G. Darmstadt, T. V. Kastel, T. V. Alzey, Amöneburg, St. Johann-Saarbrücken, T. V. Coblenz, T G Coblenz, 9Jt. T. V. Saarbrücken, T G. Neukirchen, M. T V. Mainz, T. V. Butzbach, T. G- Frankfurt. (40 P.) T. G. Bornheim, T. V. Heddernheim, T. V. Fechenheim, Kreuznach- Hausen, Schwanheim, M. T. V. Wiesbaden, T V. Wies­baden, T G. Wiesbaden, T V Biebrich, Eltvllle, Als­heim, T. G. Mainz, Kelkheim, Griesheim, T il F. Kl. Frankfurt, T. G. Oberrad, M. T. V. Oberrad, Schierstein,

T V. Offenbach T G Hanau, Höchst, Mülheim, Meder- rad, Offenbach Auringen, Schwanheim, Bürgel, Ober- erlenbach, Neuwied, Hanau, Worms.

Preise im 2. Rang (3236 P.). T- G. Kastel, Mainz, Nierstein, Oppenheim, Kostheim, Lberingelheim, Weisenau, Heiligenwald, T u. F. Kl. Oberstein, T. G. Bischofsheim, Bretzenheim, T. u. F. Kll Coblenz, Mainz, T. V. Worms-Neuhausen, T Kl- St. Johann, T V. Nied, Malstatt, Worms-Pfiffligheim, Hochheim, T. V. (Zöglinge), T. V. Wetzlar, Arheiligen, T. G- Bessungen, T. V. Sachsen­hausen, T. G. Sachsenhausen, T V- Erbenheim, Fechen­heim, T. G. Bockenheim, M. T- V. Kreuznach, T. G. Griesheim a. M., Kelkheim, T. V- Bockenheim, Rüdesheim, M. T. V. Geisenheim, Dotzheim, T- G. Biebrich, Worms, Hochheim, Eberstadt, M. T. V. Kreuznach, T- V. Bocken­heim, T. G. Offenbach Mülheim, Urberach, Ober-Ursel, Rödelheim, Eckenheim, Osthofen.

Preise im 3. Rang (2731 P.). T- G. Worms, T. V. Hillesheim, Bingen, Guntersblum, Dietelsheim, T. G. Gonsenheim, Oberstein, Darmstadt, Ober-Olm, Born­heim, Oberrad.

Ausgezeichnete Leistungen: T. G. Hanau (41,499 P.), T. D. Wiesbaden (41,09 P.), T. V. Offenbach (41,325), Aschaffenburg (40,9), T. G. Darmstadt und Born- eim (40,6), Frankfurt a. M. (40,5), Worms T G- (40,381), Offenbach T. G. (40,29), Niederrad (40,13), Fechenheim (40,02).

Pro gramm zum 4. und 5. August. 4. Aug.: mor­gens 67 Uhr Weckruf in den Hauptstraßen. Von 7 Uhr ab: Einzelwettturnen, volkstümliche Uebungen. Im Lauf des Tages vier Militärkonzerte. 13 Uhr Festbankett, abends Fackelreigen. 5. August: morgens 911 Uhr Wettfahrten, nachmittags Wettringen, Jugendspiele. Im Lauf des Tages zwei Konzerte, abends Brlllantseuerwerk.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 4. August 1902.

** In der heutigen Vormittagsziehung der 5. Hessischen Landeslotterie wurden, wie uns ein eigener Drahtbericht aus Darmstadt meldet, folgende Ge­winne gezogen: Die Prämie von 60 000 Mk. siel mit dem zuletzt gezogenen Gewinn von 300 Mk. auf Nr. 5 618 nach Worms. Es fielen ferner ein Hauptgewinn von 40 000 Mk. auf Nr. 29402 (nach Grünberg), ein Hauptgewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 20315 (nach Darmstadt) ein Haupt­gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 44224 (nach Darmstadt), ein Hauptgewinn von 3000 Mk. auf Nr. 20047 (nach Büdingen), 3 Gewinne ü. 2000 Mk. auf Nr. 32465 43908 52319, 4 Gewinne ä. 1000 Mk. auf Nr. 17058 27771 46694 50037, 7 Gewinne ä 400 Mk. auf Nr. 12019 19168 24553 27274 40007 41349 46066, 10 Gewinne ä. 300 Mk. auf Nr. 1608 44250 5618 66401 19192 21449 22310 23765 28239 42631, 21 Gewinne ä 250 Mk. auf Nr. 610 1039 1166 3118 6413 10108 10828 12418 14916 19073 20072 22867 25770 35608 37206 37836 41670 41755 42047 45047 ,52856. (Ohne Gewähr.)

tf Versetzungen. Gerichtsassessor Philipp Wahl wurde zwecks Verwendung als Amtsanwalt vom 1. August ab nach Worms versetzt. Er hatte bisher den Amtsanwalt Weiß zu Gießen vertreten, welcher jetzt seinen Dienst wieder aufnehmen wird.

** Pers ona lien. Der Großherzog hat dem Pfarr­verwalter Jakob Kraus zu Essenheim, Dekanat Mainz, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen.

** Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 30. Juli dem Pfarrverwalter Wilhelm Wolf zu Lehrbach, Dekanat Alsfeld, die evangelische Pfarrstelle da­selbst übertragen, (Der Patron Frhr. v. Günderode hat au Präsentation verzichtet.) am 2. August den Oberlehrer an dem Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Professor Tr. Wilhelm Kunz wegen geschwächter Gesundheit auf sein

Nach suchen unter Anerkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und den Oberlehrer am Gymnasium und der Realschule zu Worms Professor Ernst Kleinen zum Oberlehrer zu Darmstadt, ferner den Lehrer an der Real­schule und dem Progymnasium zu Bingen Dr. Georg Ne Hb zum Oberlehrer zu Worms mit Wirkung vom 4. August ernannt. In den Ruhestand wurde versetzt am 30. Juli der Gefangenwärter bei dem Hastlokal in Zwingenberg Jakob Spieß auf fein Nachsuchen mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers. Dem Förster Jo­hannes Menges zu Großen-Linden wurde aus An­laß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

!? Abgefaßter Buchstaben-Marder. In der vergangenen Woche wurden während der Nacht zuerst von der großen Spiegelscheibe des Wiener CafeGroßherzog" an der Bahnhofstraße eine größere Anzahl goldener Glas- buchstaben äbgelöst und entwendet. In der folgenden Nacht wiederholte sich derselbe Vorgang an den Spiegelscheiben des Wiener Cafes Skalizky. Der Schaden, der den beiden In­habern der Cafes verursacht wurde, beträgt ca. 50 Mark.

Als Th ater wurde ein Student ermittelt, gegen den von den Beteiligten Strafantrag gestellt ist. Der Stu­dent will in der Trunkenheit gehandelt haben, gesteht aber zu, mit einem Messer die fest angekitteten Typen von dem Spiegelglas losgelöst zu haben.

§DerMennoniten-EidinH essen. Nach einem bis in die Mitte des verflossenen Jahrhunderts zurück- batirenben Gerichtsgeb rauche wirb bekanntlich den Menn»- niten auf Ersuchen an Stelle des durch bie Justizgesetze vor­geschriebenen förmlichen Eides, sei es als Partei, Zeuge, Sachverständiger aber als Geschworener eine ihren rel> giösen Vorschriften entsprechende Beteuerungssormel abge­nommen. Letztere bestand in Starkenburg und Oberhesseir der Regel nach in der Versicherung:bei Mannenwahrhell!" Es herrschten nun in unserem Lande Verschiedenheiten bei Entgegennahme und Inhalt solcher Beteuerungen, weshalb von der Großh. Regierung diese Fragen einheitlich für die drei Provinzen in einer kürzlichen Verordnung geregelt! wurden. Hiernach besteht die eidesstattliche Versicherung eines Mennoniten von jetzt ab in der Beteuerung5Ich gelobe unter Handschlag"; während des sprechens dieser Formel soll der Erklärende dem Richter die Hand geben. Mennoniten, welche von dieser Befugnis Gebrauch machen wollen, müssen ihre Zugehörigkell zur mennonlli- schen Religionsgemeinschaft glaubhaft machen, sofern sie dem Beamten, der bie Erklärung entgegenzunehmen hat, nicht bekannt ist.

** In denFamilienblättern" des Gießens Anzeigers beginnen wir heute mit dem Abdruck des Romans Miß Cookfon aus New-Pork von Heinrich Lee. Der bekannte Berliner Schriftsteller, der sich in litterarischen Kreisen sowohl als Autor tüchtiger Romane wie als erfolg­reicher Dramatiker einen geachteten Namen gemacht hat, schil­dert uns in diesem Roman in äußerst packender Form und mit wahrhaft dramatischer' Gewalt bas Liebesleben und den Stolz einer der reichsten amerikanischen Erbinnen, bie flüch- tenb vor ben Anbetern ihres Reichtums, in Deutschlanb end­lich einen Mann gefunden zu haben glaubt, der sie ihrer selbst willen zum Weibe begehrt. Aber am Ziele, vermählt, sieht sie sich grausam enttäuscht . . . Mit feinen charakte­ristischen Strichen hat Lee neben dieser amerikanischen Lady den jungen deutschen Edelmann gezeichnet, der über feine Liebe feinen Ehrgeiz stellt, und so das tragische Geschick des Getrenntseins von seinem Weibe noch am Hochzecksabend heraufbeschwürt. Die zweite Hälfte des Romans widmet Lee dann dem aristotelischen Prinzip der Reinigung der Leiden­schaften, sodaß der Leser dieses überaus uitereftanten Romans am Schlüsse in jeder Hinsicht befriedigt fein wird. Wecker- hin enthalten die Familienblätter einen Aufsatz über Geifer und Geiferausbrüche, einen kleineren Artikel über leuchtende Lindwürmer" und verschiedene Heinere Notizen.

p. Großen-Linbeu, 3. Aug. Die Arbeiten an bet Erweiterung bes Eisenbahneinschnittes derMain-Weser- Bahn zwischen hier und Gießen nehmen trotz mancherlei Hinbernissen einen befriebigenben Fortgang. Bekanntlich war an genannter Stelle schon feit Jahren ber Bahnkörper burch ben immer wieder rutschenden Lett- unb Sandboden bebenklich bebroht unb ganz besonders waren im letzten Winter unb Frühjahr einzelne Stellen sehr in Bewegung. Um ben Boben zu festigen, hatte man schon in früheren Jahren viele Versuche gemacht. So zog man beispiels­weise am Bahnkörper her Mauern, wahrend an ben Ab­hängen Akazien unb andere Sträucher angepflanzt wurden. Aber selbst diese anspruchslosen Sträucher gediehen an den meisten Stellen nicht, unb so schrill bann endlich die Bahnbehörbe bazu, ben Einschnitt zu erweitern. Diese Ar­beiten werben von einem Unternehmer aus Mörfelben aus­geführt, bei bem viele Italiener angestellt sind. Die am meisten gefährbete Stelle ist nun fast fertiggestellt. Der Boben hat sich also als außerordentlich widerstandsfähig erwiesen, unb beshalb haben oft Sprengungen mll Dynamll ftattfinben müssen.

In Steinfurtth wurde ein Kurgast aus Bad Nau» heim feftgenommen unter dem Verdacht, mittelst Einsteigens einen Diebstahl in der Wohnung des Geflügelhändlers Reitz versucht zu haben. Der Mann stammt aus Leipzig.

[:] Grünberg, 3. Aug. Der hiesige Schützenverein hält fein diesjähriges Hauptpreis schießen verbunden mll Konzell am Sonntag den 10. d. M. auf der Neumühle ab. Der Turnverein veranstaltet am 17. d. M. em Schauturnen, ebenfalls mll Konzell verbunden, wozu ein Teil der Kapelle des Marburger Jägerbataillons hier eintrifft.

Darmstadt, 2. Aug. Gestern fand im Großh. Resi- denzschlosie zu Ehren der Offiziere der Feld-Allillelle-Bll- gaden 21 und 25 Hoftafel statt.

sd. Darmstadt, 4. Aug. (Eigener Drahtbericht.) Der Chokoladen- und Gewürzfabrikant Stephan Wehner hier, hat sich gestern Nachmittag hier erschossen. Em lang­wieriges Leiden soll die Ursache zu dem Selbstmorde fein.

gezeichnete Begründung. Im Anfchluß hieran sordell der Heraus- aeber derChristi. Well", Pfarrer Rade, alle Manner von öffentlicher Stellung, die als Glieder der evangelischen Kllche sich durch die heute mögliche Handhabung des § 166 R.-S1.-G.-B. be­unruhigt suhlen, auf, zum Zweck der Einleitung einer Aktion gegen «Uesen Paragraphen vom kirchlichen Standpmllte aus sich mit ihm in Beziehung zu setzen.

Au6 Bayreuth liegen zwei Meldungen vor, von denen bie erste allerdings höchst unglaubwürdig scheint. Frau Cosima Wagner soll den Münchenener Intendanten o. P o s s a r t, weil er saft alle in diesem Jahre in Bayreuth mitwirkenden Künstler für die Aufführung des Nibelungenrings 1903 im neuen Münchener Prinzregententheater engagierte, wegen unlauteren Wettbe­werbs verklagt haben! In Anknüpfung an Bestrebungen, die sich bereits im vorigen Jahre gellend machten, ist ferner die An­regung einesP ars is a Ibu n d es" ergangen, dessen Ziel da­hin gehen soll, dem legten Werke Richard Wagners, ,,Parsifal" auch über das Jahr 19013 hinaus, in dem bekanntlich die Wagner- schen Werke aufführungsfrei werden, durch em Ausnahmegesetz die alleinige Aufführung im Bayreuther Festspielhause zu sichern. Die Wagnerfestspiele am Prinzregenten-Theater in München beginnen, rote wir bereits meldeten, am 9. August mll ber Aufführung vonDie Meistersinger von^Rümberg". Die Be­setzung der Hauptpartien ist wie folgt: Haiis Sachs: Fntz Jein hall- Münck)en, Veit Pogner: Victor Klöpfer-München, Sixtus Beckmesser: Joses Geis-Munchen, Walther von Stollnig: Heinrich Knotc-Mün- chen, David: Albert Reiß-Rew-Pork, Eva: Fritzi Schest-London, und Magdalena: Gisela Staudigl-Tresden. Die Oberleitung ber Aufführung liegt in den Händen des Jntendmiten Pros. Ernst von Poffart, und Generalmusikdrrekwr Hermann Zumpe wird dirigieren. Am 11. August findet die erste Wiederholung der Meistertinger stall, die eine vollständige 9i.eubejetzung der Hauptpartien bringen wird. Kammersänger Theodor Rotchmami-Wien wird ben Hans Zachs bringen, iica Slezak-Wien den Walther von Stalmng, Carl Rebe-Berlin den Beckmcher und Frau B^rrha Förüm>LmrLrer-Lllen die Eva.

Venedig, 2. Aug. Ein Teil des königlichen Palastes zeigt bedenkliche Risse. Auch die eingezogenen eisernen Träger sind gebrochen. (Ter königl. Palast stößt unmlltelbar an die Trümmer des Glockenturmes an und schien von vornherein ge- ährdct. D. Red. d. Gieß. Anz.)

Christiania, 3. Aug. ^Morgenbladel" teilt ein Telegramm Baldwins mit, m dem es beißt, daß sein Versuch, den Nord­pol zu erreichen, mißlungen sei. Er siihle sich jedoch von den Schwierigkeiten keineswegs überwunden, und werde nächstes Jahr wieder versuchen, den Nordpol zu erreichen. Baldwin legte drei große Depots an, die der nächsten Expedition großen Vorteil gewähren werden. Tas Fahrwaffer in Franz- Josephsland war im Herbst 1901 durch Packeis vollständig gesperrt, wodinch die Weiterfahrt mit dem Dampser verhindert wurde. Die Expedllion war genötigt, ihren Reservevorrat an Lebensmitteln und Kohlen anzugreisen. Durch die Arbeit im Eise von Januar bis Mat wurden die Schickten taft unbrauchbar, und weil auch der Proviant für die Pferde und Hunde auszugehen drohte, niußte die Expedition umkehren. Baldwin entdeckte Nansens Hütte und machte d,e ersten kinematographischen Ausnahmen von arktischem Leben.Oeredladet" infolge erreichte Baldwin 81°44'. In Tromsö verlautet, daß Kapitän Johannsen vom Schiff der Bald- roinWn Nordpolexoedition, Amerika", Seegerichtsverhör verlangte wegen verschiedener Zwischenfälle, die sich an Bord der Amerika" während der Fahrt ereigneten. Johannsen wurde wahrend der Fahrt deS Kommandos enthoben.

Ueber Juvlstendentfch schrieb nn vorigen Jahre m der Zukunft" recht hübsch em preußffckier Richter. Ed. Engel geißelte bann m Nr. 30 derZukunft" ds. Jahres die entsetzlich mißbräuchliche Anwendung des schauderhaft schwerfälligenT e r ° selbe, dieselbe, dasselbe" fürer, sie, es", und memte sehr ridnta, jeder geschmackvolle Mensch wende diese häßlichen Wörter nur wrder >c. nämliche" an. Jetzt schreibt Pros. Ltto Fisck)er zmreffend an öteDeutsche Jurisienztg.":Schon feit einiger Zeit empfinde ich es mll Bedauern, daß das nach meiner Auffassung ^.jprachwidrrs gebildete Warrd i e L b e z ü g l r m bi£ Schrift­

sprache der Behörden übernommen ist. In einer soeben mir zu» gehenden Reichsgerichts-Entscheidung finde ich aber bie Neu­bildung eines Wortes, die mir noch weniger sprachgemäß zu seur scheint.' In einem Urteil des Reichsgerichts vom 25. Jnm 1902 heißt es:Die Revision ist durch diesgerichtliches Ver- säiimnisurteil zurückgewiesen/ Bei dem großen Einfluß, den die Sprache des Reichsgerichts auf die Sprache der übrigen Gerichte und die Juristenwelt überhaupt ausübt, wäre es wohl zu empfehlen, mit der Neubildung solcher Wörter sehr vorsichtig 8Uei Neue KnustMteratnr. Das August-Heft derKunst" (München, Bruckmann, Preis vierteljährlich 6 Mark) enthalt: Münchener Kmistansstellungen (Berichte über bie heurigen Lom- mer-Ausstellungen im Glaspalast unb bei ber Sezession, 52 Ab- bilbungen); Berliner Konservative Malerei (ein Aufsatz, anknüpfenb an bie biesiähngeGroße Berliner"); Gras Schack unb Böcklin (interessante Mitteilungen über beren Beziehungen, bie manch falsche Meinungen zerstören werden); Tie Turmer Ausstellung: Die Sek­tionen Schottland unb England (höchst interessant setzen damll bie Berichte über bie genannte Ausstellung ein, 40 Abbilbungen); Unser monumentales Gesamtempfinben (beachtenswerte Aus- fühnmgen tn Anknüpfung an bas Projekt ber Freilegung der Wiener Karlskirche); Tas Kunstgewerbe auf ber sehr besuchens­werten Karlsruher Jubiläums-Kunflausstellung (mit 17 Abbildungen»; Das deutsche Stäbte-Ausstellungs-Plakal; Otto Eckmawi 7. Das 11. Heck vonDeutsche Kunst unb Dekoration" (Tarmstabt, A. Koch, Einzelpreis 2.50) fft m erster Linie der Turmer Ausstellung gewidmet, und zwar zunächst der Beteiligung Hollands. Georg Fuchs-Tarmsladt spricht dazu überLolland und die große deutsche Kultur". Ferner bringt Felix Eommichau-TarmslablNeues von Professor Max Läuger-Karls- ruhe", m dem wir einen Künstler von feinstem modernen Llunst- geichniack kennen lernen. Illustrativ stehen beide Zeiffchnften, bie Münchener wie bie Tarmstädter, auf ber äußersten Höhe tech­nischen Stbnncns.