Ausgabe 
4.8.1902 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 180

«rscheint täglich außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gtehener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt.

Notationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Untvers.-Buch- u. Stein­druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schulstratze 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

Fernsprechanschluß Nr. 5L

Erstes Blatt.

153. Jahrgang

Montag 4. August 1903

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger v

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

jährl. ausschl. Bestellg, Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zetlenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich: für den polit. u. allgem« keil: P. Wittko: für .Stadt und ßcmtr und Gerichtssaal": Curt Plato; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Bezugspreis, monatlich 7b Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole. u. "

u Zweigstellen monatlich 6b Pf.; durch die Post Mk. 2.viertel-

heutige Wummer umfaßt 8 Seiten.

Politische Tagesschau.

Vom französischen Kulturkampf.

Am Samstag abend fand im Volkshause zu Paris wieder eine grofje klerikale Versammlung statt, die Fran­cois Coppee veranstaltet hatte. Die Polizei hatte Maß­regeln getroffen, sodaß es nicht zu Tumulten kommen konnte. Trotzdem hatten sich hinter dem Polizei-Kordon 3 bis 4000 Republikaner und Nationalisten emgefunden, welche die Internationale sangen, und Schrnährufe auf die Klerikalen ausstießen. Nachdem die Polizei zurückgezo­gen war, begab sich eine große Anzahl Republikaner und Sozialisten vor das Volkshaus, warf die Fen st er ein und riß die Thüren aus den Angeln. Bei dem Handgemenge wurde ein Polizist verwundet. Ain Sonntag sammelten sich Gruppen von Sozialisten, um an dem Denkmal Etienne Dolet's (eines im 16. Jahrh. als Ketzer verbrannten Buchdruckers. D. Red.) eine Kund­gebung zu Gunsten der Anwendung des Gesetzes gegen die Kongregationen zu veranstalten. Die Polizei ließ die Leute, die ein Lied anstimmten, in kleinen Abteilungen von etwa 50 Personen an dem Denkmal vorüberziehen; die Manifestanten brachten Schmährufe auf die Geistlichkeit und Hochrufe auf die Republik aus und legten Blumen an dem Denkmal nieder. Reden wurden nicht gestattet. In einer Schule der Brüder wurden die Fensterscheiben eingeschlagen; die Polizei trieb die Ruhestörer auseinander. Nach der Kundgebung vor dem Denkmal Dolcts erklärte in einer Versammlung der Deputierte Tourgnol, beim Wiederzusam­mentritt der Deputiertenkammer werde er die Aufhebung aller Kongregationen und Kündigung des Konkordats be­antragen. Er hoffe, daß alle republikanischen Deputierten diesem Anträge zustimmen werden.

In Firminy (Dep. Loire) trug sich ein Zwischenfall zu. Unmittelbar nachdem ein Polizeikommissar an der Kvngregationsniederlassung die Siegel angelegt hatte, brach der Pfarrer die Siegel ab, indem er erklärte, er sei Eigentümer des Hauses. Sodann schlug eine Frau dem Kommissar ins Gesicht. Der Pfarrer und die Frau wurden verhaftet. Die kongreganistischen Nieder­lassungen im Vienne (Departement Jsöre) und im ganzen Departement Ain wurden dagegen ohne Zwischenfall ge­schlossen. In Sully, wo Ordensleute das Eigentum der Marschallin Mac Mahon bewohnen, weigerten sich diese, ihr Domizil zu verlassen. Die Bewohner des Ortes haben sich bewaffnet und erklärt, die Schwestern bis zum letzten Blutstropfen verteidigen zu wollen.

Der frühere Präsident Steiju

ist mit seiner Familie in Begleitung Fischers und Wessels am Sonntag in Hoek van Holland eingetroffen, und dort im Rainen Krügers von Wolmarans begrüßt wor­den. Steijn hat alsbald die Reise nach Schev en in gen fortgesetzt, wo er mittags eintraf und am Bahnhofe von zahlreichen Personen begrüßt wurde. Ueber sein Befinden wird telegraphiert: Wessels und Fischer fanden den Prä­sidenten in seiner Kabine im Bett liegend augenscheinlich krank und elend. Auch trug er eine blaue Brille. Steijn ließ den Vertretern der Presse, die ihn zu intervenieren wünschten, durch Fischer sagen, er sei zu krank, um sie zu sehen, wünsche aber, seiner Dankbarkeit für die ihm an Bord des Earisbroohe Castle erwiesene Freund lichLert Ausdruck zu geben. Die Seereise habe ihm gut gethan. Seine Gattin erklärte ebenfalls, es ginge ihm in jeder Beziehung viel besser, doch könne er noch nicht aufstehen, da er an Armen und Beinen gelähmt sei. Dr. Pouthma, einer der Chefs des holländischen Ambulanz­korps, der Steijn behandelt, erklärte, Steijn leide an

Nervenerschöpfung; es sei ein sehr rätselhafter Fall, wie er ihn noch nie gesehen habe.

Deutsches Keich.

B e r li n, 3. Aug. Man meldet aus Kiel: Der Kaiser und die Kaiserin begaben sich gestern an Bord derIduna" nach Hemmelmark, um dort dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich einen Besuch abzustatten, und kehrten am abend hierher zurück. Der Kaiser wird sich Montag an Bord der Hohenzollern" nach Reval begeben. Heute abend treffen Prinz Friedrich Heinrich und Reichskanzler Graf v. Bülow ein. Beide werden den Kaiser nach. Rußland begleiten.

Gestern abend fand in der Unionsbrauerei eine Waldeck-Hundertjahrfeier statt, die etwa 1500 Personen versammelte. Nachdem Rechtsanwalt Sonnen­berg die Erschienenen begrüßt hatte, hielt Reichs- und Land- tagsabg. Kopsch die Festrede.

Die nationalen ParteiendesKönigreichs Sachsen beabsichtigen im kommenden Herbst über einen gemeinsamen Zusammenschluß gegen die Sozial­demokratie bei den nächsten Reichstagswahlen zu be­raten.

Memel, 2. Aug. Anläßlich der 650jährigen Jubelfeierder Stadt Memel fand heute inrFest­saale des Rathauses eine Sitzung statt. Bürgermeister Altenberg hielt die Festrede. Weitere Ansprachen hielten Regierungspräsident v. Waldow und Landeshauptmann von Brandt. Festessen und Konzert beendeten die Feier.

Essen (Ruhr), 3. Aug. Anläßlich des Festes der hundertjährigen Vereinigung von Stadt und Stift Essen und Stift Werden mit der Krone Preußens fand heute vor dem Denkmal Kaiser Wil­helms I. in Anwesenheit des Oberpräsidenten Nasse und Exzellenz Krupp, des Generals Frhrn. v. Bissing, der Kreis- und städtischen Behörden unkdi unter Tellnahme zahlreicher Vereine sowie einer großen Menge eine Huldigungsfeier statt. Oberbürgermeister Zweigert hielt eine Ansprache, worauf Freiherr v. Bissing einn Hoch auf den Kaiser aus­brachte. Anschließend an die Huldigungsfeier erfolgte die Grundsteinlegung eines von der Stadt Essen zur Erinnerung an den heutigen Festtag gestifteten Brunnens. Am Nach­mittag fand ein Festessen Und am Abend im Stadttheater eine Festvorstellung statt.

Karlsruhe, 3. Aug. Zur Wiederbesetzung der durch den Tod Wörrishofers und den Rücktritt von Fräu­lein v. Richthofen freigewordenen Stellen in der badi­schen Fabrikinspektion wird gemeldet, daß an die Spitze der Fabrikinspektion und als Assistentin bis jetzt in Baden nicht thätig gewesene, aber hervorragende Kräfte berufen worden seien. Namen werden nicht genannt.

München, 2. Aug. Tie Kammer der Reichs- räte beriet heute den Kultusetat und stimmte dabei dem Beschlüsse der Abgeordnetenkammer zu, eine eigene Pro­fessur für Homöopathie in Aussicht zu nehmen. Die Beschlußfassung über die Einrichtung einer techni­schen Hochschule in Nürnberg wurde vertagt, damit auch die hierauf bezüglichen Wünsche der Stadt Würz­burg geprüft werden könnten. Die Petition der Stadt Würzburg, die Technische Hochschule nach. Würzburg zu ver­legen, wurde der Regierung zur Würdigung überwiesen. Tre von der Kammer der Abgeordneten abgelehnte For­derung von 2000 Mark für den Ankauf antiker Vasen für die Vasensammlung wurde wiederhergestellt, ebenso einstimmig die von der Kammer der Abgeordneten gestrichene Position von 20 000 Mark für Neuerwerb­ungen für das Nationalmuseum. Bei dem Ab- schnrttAkademie der Tonkunst in München" trat Prinz Ludwig Ferdinand aufs Wärmste für die Wiedereinstellung der von der Kammer der Abgeordneten gestrichenen 12 000 Mark ein, worauf die Wiedereinstellung einstimmig erfolgte. Sodann sprach Prinz Ludwig Ferdi­

nand für die Wiederherstellung der von der Abgeordneten­kammer gestrichenen 100 000 Mark zur Erwerbung aus- gezeichneter Kunstwerke für die staatlichen Kunst­sammlungen. Der Prinz betonte dabei, daß die Förderung der Kunst ein wesentliches Ruhmesblatt Bayerns sei und daß der Stadt München der Ruhm als Kunst­zentrum erhalten bleiben müsse. Frecherr von Cramer-Klett hob hervor, daß die Ablehnung dieses Postens in der Abgeordnetenkammer für Bachern Höch st beschämend sei, und daß der Reichsrat gewisser­maßen die Ehrenrettung des Vaterlandes vorzunehmen habe. Ebenso warm traten auch Reichsrat v. Miller und Staatsrat v. Wehner für die Wiederherstellung der Position ein, worauf dieselbe beschlossen wurde.

Ausland.

London, 3. Aug. Lukas Meyer, der heute abend nach Dresden abreiste, ist vom König eingeladen wor­den, der Krönung beizuwohnen; er hat geantwortet, er würde der Einladung gern entsprochen haben, müsse sich aber auf ärztlichen Rat nach dem Kontinent begeben, um eine Badekur zu gebrauchen.

Co w es, 3. Aug. König Eduard besichtigte gestern nachmittag die vom deutschen Kaiser für die am 6. d. Mts. stallfindenden Pachtrennen gestifteten Preise, insbesondere einen silbernen Becher. Die Preise waren an Bord der königlichen Pacht gebracht worden. König Eduard gab seiner Freude und Bewunderung über die Preise Ausdruck.

Paris, 3. Aug. Gestern war hier das Gerücht ver­breitet, auf den Präsidenten Loubet sei in Rambouillet ein Schuß abgegeben worden. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begründung. Die Meldung ist dahin zu berichtigen, daß lediglich im Walde in Hörweite vom Präsidenten ein Schuß von einem Wilderer auf Wlld abgegeben wurde.

SanRemo,3. August. Wie es heißt, lvird der König Eduard im Laufe dieses Monats in Bordighera zum Sommer-Aufenthalt eintreffen. . .. . . -.............!-------- ".......'

26. rmttekyeiursches Krersturnfeft.

(Originalartikel desGieß. Anz.")

Worms, 3. Aug.

Daß das Fest auch die unbescheidenen Erwartungen wesentlich übertreffen werde, ließ schpn die lokale feier vom 27. Juli ahnen. An jenem Tage besuchten bereits etwa 5000 Personen den Festplatz am Rheine. In der Mitte dieses 61000 Quadratmeter umfassendenTerrains liegt der von Barrieren und Fahnenmasten umsäumte Turnplatz (130 Meter lang, 80 breit). Tort führten vor acht Tagen 500 erwachsene und jugendliche Wormser Turner Stabreigen und -Uebungen vor. Gegenüber vom Eingänge grüßt das vierteilige Riesenzelt für Bier- und Weinaus­schank. Ein Caf6, Schau- und Schießbuden, Aiusikpavillon, ein Tanzboden, Karoussels rc. rc. sind auf beiden Seiten verteilt und zur Linken erhebt sich die große 3000 Personen fassende Haupthalle. Fahnen und Guirlanoen schmücken den Festplatz und alle Zelte. Gestern (Samstag, 2. Aug.) nachmittag brachsten die Bahn und die Rheinboote schon hunderte von Gästen, die in Trupps und einzeln durch die unvergleichlich, r-eich geschmückten Straßen zogen. In allen Gasthäusern begann heute fröhliches Treiben, Gesang und Gläserklang. Abends bewegte sich eine Völkerwanderung zum Festplatz. Wohl an 4500 Personen stauten sich in der Haupthalle schon lange vor Beginn des EröffnungK-Kom- merses, und nicht viel weniger als 3000 suchten Unterkunft in den übrigen Zelten. Tann wäre noch die Schar derer zu berechnen, die draußen aus der Rasenfläche beim Scheine der Bogenlampen sich bewegte. Punkt 8 Uhr eröffnete der Festvorsitzende Kathreiner, der schon 1886 an derselben Stelle in gleicher Eigenschaft wirkte, den 4 Stunden dauern­den Kommers mit einer Ansprache. Tann begrüßte namens

Feuilleton.

Wilhelm Jordan. Angesichts der widersprechenden Meldungen über das Befinden des alten Nibelungen-Dichters wandten wir uns an eine ihm selber sehr nahestehende Seite und echielten heute aus Frankfurt folgende betrübende Nachricht:

Soeben komme ich von Jordon. Die Riesennarur des alten Rhapsoden hat noch einmal den Sieg davongetragen, augen­blicklich ist keine Lebensgefahr mehr vorhanden. Aber die Kraft ist gebroche.n, und wenn das Leben noch lange dauert, wird es ein müdes Siechtum sein. Der Geist ist noch ganz klar, nur der Körper versagt. Tie überaus günstigen Berichte' der hiesigen Zeitungen sind übertrieben."

Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: In der neu eröffneten August-Ausstellung des K u n st - S a l o n s H e r m e s hat der in Frankreich lebende Spanier Louis Jimenez eine Sonder- ausstellung seiner Werke veranstaltet. Mit größeren Kollektionen sind weiter vertreten Hans Thoma und Fritz v. Uhde, während Ludwig v. Hofmann, L. Adam Kunz, O. W. Roederstein, Defregger und F. A. v. Kaulbach neue, soeben fertig gestellte Gemälde sandten. Eine reichhaltige Sammlung ausgewählter Werke von Max Lieber­mann, Franz Courtens, Walther Firle, Schönleber, And. Achen­bach, G. Max, Ed. v. Gebhardt, Ed. Grützner, E. Laermans, Ad. Menzel, Viktor Gilsoul, Paul Mathieu rc. vervollständigt die Aus­stellung, die noch einen besonderen Reiz erhält durch zwei aus Privatbesitz stammende große Studienköpfe von Wilh. Leibl.

Frankfurter Oper. Man schreibt u ns: Als erste Vor­stellung nach den Opernferien ging am gestrigen Sonntag Wagners Tannhäuser" (mit Ejnar Forchhammer in der Titelpartie) in Scene. An Novitäten hat die Intendanz vorläufig folgende Werke für die kommende Spielzeit in Aussicht genommen:Sam­son und Dalila" von E. Saint-SaLns,Tre Zwillinge" von Karl Weis (Uraufführung), die von Julius Otto Bierbaum und Wilh. Kleefeld herrührende textliche unb musikalische Neubearbeitung von DvnizettisDon Pasquale" (Uraufführung),&uqeit Onegin" von

P. Tschaikowsky,Faust's Verdammnis" von H. Berlioz (in spa­nischer Bearbeitung),Le Jongleur de Notre-Dame" von I. Massenet. An älteren Opern sollen in neuer Jnscenierung und Einstudierung dem Spielplan einoerleibt werden: WagnersRienzi", Meyerbeers Prophet" undDinorah", MozartsTon Juan" (in eigener neuer Einrichtung), GlucksIphigenie in Aulis", WebersEuryanthe", MehulsJoseph in Aegypten", VerdisOthello", sowie einige Werke Aubers Auf dem Gebiete der Operette werden Werke von Offenbach (zunächstTie Großherzogin von Gerolstein"), Johann Strauß u. A. wieder ausgenommen. Während der gegenwärtigen Fremdensaison sollen, abgesehen von WagnersRing des Nibelungen" Tristan und Isolde", Meistersinger" rc., die interessantesten 9leu- heiten und Neueinstudierungen des vergangenen Spieljahres, wie Der polnische Jude",Feuersnot",Luise",Hoffmanns Er­zählungen" rc. zur Wiederholung gelangen. Zu den mancherlei Verlusten, die unserer Oper seither beschieden waren, scheint nun­mehr auch der Abgang der vorzüglichen Primadonna Pelagie Greeff-Andriessen zu kommen. Man spricht schon seit einiger Zeit davon, daß Frau Greef für die Münchener Hofoper in Aus­sicht genommen sei, aber bei der großen Beliebtheit, deren die Dame sich hier ersrent, hoffte man, daß uliserer Bühne diese Haupt­stütze erhalten würde. Nun berichteten hiesige Blätter, daß Fräulein E t e l k a Nagy aus Vildapest für das Fach der hochdramatischen Sängerin nach Frankfurt engagiert worden ist. Mithin scheint das Scheiden der Frau Greef leider beschlossene Sache zu sein.

Man schreibt aus Darmstadt vom 1. ds»: Eine wert­volle Bereicherung hat die Großb. Gemäldegalerie erfahren durch das OelgemäldeStilles Thal" von dem am 4. Juni in München verstorbenen Landschafter Ew.il Lugo. Tas Bild ist ein Geschenk des Malers W. Bader.

Berlin, 3. Aug. Zum deutschen Gabelsberger Steno­graphen tag waren gestern schon über 800 Teilnehmer hier ein­getroffen. Gestern abend fand ein Festkommers in derPhilharmonie" statt. Erschienen war u. a. der Dettreter des österreichischen Kultus­ministeriums, Hofrat Kummer-Wien. Nach einer Ansprache des Präsidenten des Ausschuffes, Dr-. Neub^t, hielt der Stenographen­

Bundesvorsitzende Direktor Gaster-Antwerpen die Begrüßungsrede. Heute mittag wurde der Stenographentag feierlich eröffnet. Es erfolgte zunächst die Wahl des neuen Bundesvorstandes, bestehend aus dem bisherigen Vorsitzenden Direktor Gaster-Antwerpen als ersten, k. k. Itevisor im österreichischen Reichsrats-Stenographen- Bureau Weizmann als zweiten und Neupcrt-Berlm als dritten Vor­sitzenden. Sodann begrüßte der Vorsitzende die Anwesenden und verlas die an den deutschen Kaiser, den Prinzregenten von Bayern, den König von Sachsen und den Kaiser von Oesterreich abzu­sendenden Huldigungstelegramme. Hierauf folgten Ansprachen der Vertreter der österreichischen und sächsischen Regierung und des Magistrats von Berlin. Nach dem von dem 1. Vorsitzenden Direktor Gaster erstatteten Thätigkeitsbericht umfaßt der Bund zurzeit 17 200 Vereine mit mehr als 60 000 Mitgliedern. Auf den Feslvortrag des Vorsitzenden über die Ziele und Forderungen der Stenographie folgte die feierliche Uebergabe des 1895 voii Wiener Damen gestifteten Bundesbanners an den Vorstand des Berliner Hauptausschuffes unter Ueberreichung von Fahnenschleifen durch Damen des Zentralvereins zu Wien, des Damenoereins zu Leipzig und des Damenzentralvereins zu Berlin. Nach Verlesung der Glückwunschtelegramme (unter ihnen befand sich ein solches des Staatssekretärs des Reichsschatzamtes Frhrn. v. Thielmann) schloß der Festakt.

Roßlau (Anhalt), 3. August. Hoskapellmeister AugustKlug- Hardt ist g e ft o r b e n. Geboren 1847 in Köthen, besuchte Klug- Hardt das Gymnasium in Dessau und trieb später in Dresden musikalische Studien. 1872 wurde er Hofkapellmeister in Neu­strelitz und 1882 in Dessau. Klughardt komponierte auch viele Opern und andere Tonschöpfungen, von denenJwein",Gudrun" und dieHochzeit des Mönchs" genannt feien. Am bekanntesten wurde Klughardt durch seineSchilflieder".

Der Leipziger Tolstoi-Prozeß wird in der neuesten Nummer derChristi. Weir" in zwei Aussätzen von juristischer und cheologischer Sette behandelt. Namentlich finden die schweren Be­denken, die der § 166 des Strafgesetzbuches anläßlich dieser An­klage auch in theologischen Kreisen hervorgerufen hat, eine aus.