Ausgabe 
4.2.1902 Drittes Blatt
 
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daß ReiLSgefirndheitsamt muß den Fall genau untersuchen Wenn Mißstände auf dem Gebiete des Krankenhaus­wesens herrschen, so müssen sie beseitigt werden. Mil dem Artikel derNational-Zeitung" will ich mich nicht be­schäftigen, ich habe den Artikel nicht gelesen und habe ihn nicht zur Hand. Ich glaube aber sagen zu können, wenn die Redaktion derNational-Zeitung" einsieht, daß wirklich wichtige Mißstände borhanden sind, wird sie mit der national - liberalen Fraktion aufs allerentschiedenste für die Beseitigung derselben ein- treten. Von der Vortrefslichkeil der vrotestannichen und katholi­schen Krankenschwestern bin ich so überzeugt, daß ich diesen hier nur öffentlich den herzlichsten Dank für ihre Thätigkett aus­sprechen kann. Ich glaube aber, daß diese Krankenschwestern nicht zu solchen Krankheiten zugezogen werden, tote sie in den. be­treffenden Schriften erwähnt worden sind. Auf mich Hal es geradezu enchörend gewirkt als ich die Thatsachen las. die tn diesen Schriften dargesrellt werden. Solche Zustände dürfen unter keinen Umständen geduldet werden. Man darf die weiblichen ^Krankenpflegerinnen nicht zu schamlosen Arbeiten heranziehen. An Stelle von Schwestern muß in solchen Fällen männliches Pflegepersonal angeschasft werden. Mtt Herrn Singer will ich mich nicht beschäftigen. Aber im Allgemeinen sind unsere Krankenhäuser Muster­anstalten und überall herrscht das Bestreben nach Besserung. Wir können stolz auf unsere Aerzte sein. Nur in Einem muß ich dem Staatssekretär entgegentreten. Er hat es für bedenklich erklärt, hier Mißstände vorzubringen, weil damit der Abneigung gegen die Krankenhäuser Vorschub geleistet werde. Ich meine aber. Mißstände müssen hier zur Sprache gebracht werden, und wenn nur aus allen Seilen das Bestreben nach Besserung sich zeigt, wird gerade dadurch die Abneigung gegen die Krankenhäuser abgeschwächi (Beifall).

Abg. Dr. Südekum (Sozd.): Schon wiederholt ist hier auf die Gefahren aufmerksam gemacht worden, welche die Arbeiter, die mit Borsten und Roßhaaren umgehen, bedrohen. Vor Allem liegt die Gefahr der Milzbrand - Anstellung vor. Es fehlt nicht an wirksamen Mitteln zur Desinfizirung, doch weigern sich die Unternehmer oft. fte anzuwenden weil die Borsten letden könnten. Deshalb müßte von Reichswegen eine wirksame Des­infektion angeordnet werden; man kann doch nicht fortgesetzt ganze Arbeitergenerationen den schwersten Gefahren aussetzen Das sicherste Mittel dürfte das Ausströmenlassen kochend heißer Dämpfe sein: hier­mit hat man in einzelnen Bundesstaaten, z. B. Baiern, schon die besten Erfahrungen gemacht. Auch die technische Kommission für das Beterinärwefen hat sich dafür ausgesprochen. Nicht nur das inlän­dische, sondern auch das ausländische Material mutz desinsizirt werden, jedes Sterblingsfell mutz als milzbrandverdächtig angesehen werden. Der sächsische Geheimrath Dr Fischer sagte neulich, er würde mir nicht eher glauben. daß ein höherer sächsischer Beamter zu den Sozialdemokraten übergehen wolle. bis ich ihm den Namen dieses Herrn mittheilte. Das werde ich jedoch nicht thun. Nur eins werde ich dem Herrn Di Fischer gerne bezeugen, er war nicht dtesec höhere Beamte. (Große Heiterkeit.)

Präsident des Neichsgesundheitsamts Dr Köhler: Es handelt sich hier um eine sehr ernste Sache, die von dem Reichsgesundheits­amt fortdauernd verfolgt wird. Wir streben danach, das Ziel zu erreichen, daß kein Arbeiter mehr an Milzbrand erkrankt. Welche Mittel man zu diesem Zwecke anwenden muß, darüber gehen jetzt noch die Meinungen auseinander. Die einzelnen Haare und Borsten müssen verschieden behandelt werden, Schaffelle z. B. kann man nicht mit Wasserdämpfen behandeln, die Fälle würden total verdorben werden. Heber das wirksamste Desinfektionsmittel werden ununterbrochen Versuche angestellt, wir haben auch schon erreicht, daß die Zahl der Erkrankungen bedeutend abgenommen hat.

Abg. Prinz zu Schönaich-Carolctth (Hosp, nl): Schon vor einem Jahre habe ich dem Abg. Antrick erwidert, es sei gewiß dankenswerth, daß Mißstände zur Sprache gebracht würden, ich habe ihn aber auch vor Hebertreibungen gewarnt. Dasselbe kann ich heute nur wiederholen.

Was wir gehört haben ist einfach himmelschreiend Wer die vor- jäbrigen Ausführungen des Abg. Antrick haben ja auch den Erfolg gehabt, daß man sich in der Berliner Stadtverordnetenversammlung mit der Frage beschäftigt hat. Was ist dabei herausgekommen?

Soweit ich mich erinnere, hat der Magistrat die Beschwerden für unrichtig erklärt. Wenn nun dieNational-Zeitung" einen Artikel bringt, über dessen Ton der Abg. Anrrtck sich beklagt hat. den ich 'noch nicht gelesen habe, so, meine ich, trägt doch die Hauptschuld daran tocjin überhaupt von Schuld gesprochen werden kann der Magistrat, der damals die Behauptungen des Abg. Antrick für unrichtig erklärte. Nach dem. was der betreffende magistratuale Beamte in der Berliner Stadtoerordnelenverfainm- lung ertolderte. waren diese Angaben als unrichtig anerkannt. Das konnte derNationalzeitung" Veranlassung zu dem Arttkel geben ; wenn sie einsieht, daß sie sich geirrt hat, wtrd sie gewiß nicht Anstand nehmen, das zuzugeben.

Wir haben ja nun gesehen, daß in Folge der Debatten aus dem vorigen Jahre Maßregeln ergriffen worden sind; wenn noch nicht alle Mißstände abgeschafft sind, so beklage ich das sehr. Der Staatssekretär meinte, die Beschwerde hätte in dem Landtage vor­gebracht werden müssen. Ich meine, wir können uns nicht das Recht nehmen lassen, hier diese Dinge beim Etat des Reichsgesund- heitsamtes vorzubringen. Wenn das hier nicht besprochen werden darf, so wüßte ich nicht, wozu wir das Reichsgesundheitsamt haben. Nach der Rede des Abg. Antritt am Sonnabend bis heute wäre übrigens m. E. wohl Zeit gewesen. Erkundigungen einzu­ziehen und die Anschuldigungen zu entfräften, wenn es möglich ist. Ich will mich gewiß nicht zu einem blinden Lobredner unserer Krankenhäuser machen, aber ich meine, im Allgemeinen sind die Zustände in unseren Heilanstalten gut, weit besser als in anderen Ländern. Speziell Berlin hat auf diesem Gebiet Hervorragendes geleistet. Das wird von allen Seiten, besonders aber vom Aus­lande, lebhaft anerkannt. Es wird ja vielfach versucht, die Leist­ungen der Stadt Berlin herabzusehen; da hat es mich immer über­rascht, die lebhafteste Bewunderung des Auslandes über das zu hören, was in Berlin geleistet wird. Das wird Allen aufgefallen sein, die an der Feier des 80. Geburtstages Virchows theilge- nommen haben. Wenn trotzdem Mißstände vorliegen, so ist es Sache der Volksvertreter, diese hier zur Sprache zu bringen. Durch solche Besprechungen kann meines Erachtens nur eine Besserung der Verhältnisse angebahnt werden. Worauf gründen sich die meisten Beschwerden des Abg. Antrick? Daraus, daß das Wärterpersonal ungenügend sei. Das Auftreten des Abg. Antrick hat bereits die erfreuliche Wirkung gehabt, daß man der wichtigen Frage des Wärterpersonals nähergetreten ist und daß man die Lage der Wärter gebessert hat. Es wird auf diesem Wege weiter fortge­schritten werden müssen, damit hier entschiedene Remedur eintritt. Wenn nun Herr Singer vorschlug, den Aerzten, die die Kranken­häuser leiten, die Privatpraxis zu untersagen, so halte ich das für schwer durchführbar. Wir müßten dann diesen Aerzten so hohe Gehälter zahlen, daß ich nicht weiß, wo wir das Geld dazu hernehmen sollen. Wir müssen Alles thun, um den Aufenthalt in den Krankenhäusern zu einem möglichst angenehmen zu gestalten. Stellen sich irgendpo Mißstände heraus, so müssen die Schuldigen zur Verantwortung gezogen werden; nur dadurch wird Besserung herbeigeführt.

Was die Resolutton Lenzmann angeht, so meine auch ich, daß wir nach der gemachten Erfahrung alle Ursache haben, darauf zu bringen, daß bei der Ueberführung in die Irrenanstalt mit äußerster Vorsicht verfahren wird. Ich glaube, wir haben alle Veranlasiung, zu fordern, daß für eine genaue Heberwachung und Jnspizirung der Irrenhäuser Sorge getragen wird. Daß Mißgriffe Vorkommen, lehrt uns die Erfahrung alle Jahre. Niemand aber ist bedauerns- werther und hat mehr Anspruch auf dje Unterstützung seiner Mit­menschen als diese Leute, die unrechtmäßiger Weise ins Irrenhaus eingefperrt werden. Deshalb stimme ich der Resolution des Abg. Lenzmann zu.

Sächsischer Geheimrath Dr. Fischer: Herr Dr. Südekum hat wieder die Geschichte von dem höheren sächsischen Beamten erzählt, der gesagt haben sollte, er würde Sozialdemokrat werden, wenn er unter solchen Mißständen zu leiden hätte. Den Namen des Beamten hat er mir aber nicht genannt. Ich kann es deshalb auch heute noch nicht glauben, daß ein sächsischer höherer Beamter so gesprochen haben sollte, denn um sozialpolitische Mißstände zu be­seitigen, dazu braucht man doch nicht Sozialdemokrat zu werden.

Abg. Wurm (Soz.) pflichtet Dem Abg. Südekum in Bezug auf die Mlzbrcmdgejahr bei und fragt, warum einer Eingabe aus

Tapeziererkreisen übet die Staubentwickelung bei Roßhaar- polsterungcn keine Folge gegeben sei.

Präsident des Neichsgesundheitsamts Köhler erwidert, eine solche Eingabe sei allerdings an das Reichsgesundheitsamt gelangt; doch habe dies nichts anderes thun rönnen, als sie resiorttnäßig weiterzugeben.

Abg. Dr. Hermes (freis. Vp.): Die Rede des Kollegen Singer gehört nicht hierher, sondern in die Berliner Stadiverordnetenver- sammlung. Ich hoffe, daß der Berliner Magistral die Antwort auf die Beschuldigungen des Herrn Anttitt nicht schuldig bleiben wird. Auf Die Details kann ich hier nicht eingehen. Herr Singer be­schwert sich Darüber, daß bisher kein Mitglied seiner Fraktton in der Krankenhausdeputation saß; er kann doch nicht verlangen, daß andere Herren seinen Parteifteunden zu Liebe aus Der Deputation ausscheiden. Jetzt sitzt ein Sozialdemokrat in Der Deputation, und im nächsten Jahre, wenn Die Zahl Der Mitglieder vermehrt wird, toerDcu sogar zwei Sozialdemokraten Darin sitzen. Im klebrigen bin ich Der Meinung, daß Diese Sache mehr in Die Berliner Stadtbek- orDnetenversamnilung gehört. (Beifall.)

Präsident Graf Ballestrem: Ich bin vollkommen dieser Mei­nung. (Große Heiterkeit.)

Abg. Dr. Hermes (fortfahrend): Unsere Berliner Kranken­häuser sind Muster, Deren Einrichtungen auslänDische Aerzte stu- Diren. Nach Den Angaben von Virchow wird jetzt in der Seestraße em Krankenhaus gebaut, Das vollkommen auf Der Höhe Der Zeit steht.

Abg. Gröber (Ctr.): Die Behauptungen des Abg. Antrick sind so detaillirt. Daß sie Durchaus den Stempel Der Wahrheit an sich tragen. Wir haben alle Veranlassung, alljährlich zu prüfen, ob Die MißstänDe beseitigt sind. Es ist gesagt, daß Die Uebelstände hauptsächlich aus Der schlechten Bezahlung Des Pflegepersonals res fultiren. Dagegen kann natürlich Der Reichstag nichts machen. Ich weise aber Darauf hin, daß unsere religiösen Gesellschaften ein ganz ausgezeichnetes Pflegepersonal liefern, das nicht auf Bezahlung sieht, sondern um Gottes Lohn seine Thättgkeit ausübt. Ich möchte Die Gelegenheit nicht unbenützt vorübergehen lassen, ohne auch das ReichsgesunDheitsamt Darum zu ersuchen, Daß Die katholischen Ordensschwestern in ihrer Thättgkeit nicht mehr so beschränkt toerDen wie bisher. Heben wir Toleranz und führen wir Die volle Frei­heit Der religiösen Krankenpflege DurchI (Beifall im Zentrum.)

Abg. Peus (Soz.) weist auf einen im Volksblatt für Anhalt veröffentlichten Brief hin, in welchem schwere Vorwürfe gegen die anhaltischen Krankenhäuser erhoben sind, und fragt die Regierung, ob diese Beschuldigungen wahr sind. Das Gericht habe den Brief­schreiber verhindert, den Beweis der Wahrheit anzutreten. Durch solche Vorkommnisse würde die von dem Staatssekretär beklagte Ab­neigung gegen die Krankenhäuser nur noch vermehrt. Dem Abg. Gröber erwidere er, daß Religion und Krankenpflege nichts mit einander zu thun hätten. In katholischen Kreisen legen die Pfleger oft mehr Werth darauf, die Kranken zu bekehren, als sie zu heilen. Er erinnere an den Fall in Köln, wo ein Kaplan eine im Sterben liegende katholische Frau noch davon zu überzeugen gesucht habe, daß sie mit ihrem evangelischen Manne nur im Konkubinat gelebt habe.

Abg. Semler (nat.-lib.) weist an der Hand von Berichter! aus verschiedenen Krankenhäusern nach, daß alle Handlungen, die das Schamgefühl des weiblichen Personals zu verletzen geeignet sind, dort unterbleiben. Die Behauptungen in den Tendenz­schristen, die der Abg. Stoecker vorher erwähnt habe, seien dadurch völlig widerlegt.

Hiermit schließt die Debatte.

Das Kapitel wird bewilligt, die Resolution Lenzmann gelangt zur Annahme.

Das Hmls vertagt die toeitere Berctthung des Etats des Reichsamts "des Innern auf D i e n s t a g , 1 Uhr. (Außerdem Vorlage zum Schutze des Genfer NeutralitätszeichenZ.)

Schluß 6y* Uhr.

Aus MM und Mud.

(Der Abdruck der unterdieserRubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 4. Februar 1902.

** Tie Vereinigung für hessische Volks­kunde hielt am 28. v. M. im Cafe Cbel ihren zweiten Mitgliederabend ab. Pfarrer Schulte aus Beuern sprach über:Kirchweih im Vogelsberg". In den ein­leitenden Bemerkungen wurde zuerst die Bedeutung der Kirchweih dargelegt, und die verschiedenen in Hessen ge­bräuchlichen Namen (Kerb, Kirchweih, Kirmes) besprochen. Im Anschlüsse daran wurde gezeigt, daß die Kirchweih nicht in allen Dörfern unseres Landes ein jährlich wieder­kehrendes Fest ist, ja oft sieben und mehr Jahre bis zur Wiederkehr vergehen. Als die charakteristischen Grundzüge der Vogelsberger Kirmes wurden dann folgende festge­stellt: 1) Einleitung der Kirmes mit Mädchenzuteckung, Kerbmännerwahl und Antrinken der Kirmes; 2) Umzug und Tanz des ersten Kirmestages; 3) Ständchen und Tanz des zweiten Tages; 4) Schlußtanz und Begräbnis der Kirmes. Durch eine Reihe von Vergleichen wurde fest­gestellt, daß sich diese Grundzüge, wenn auch oft ver­wischt, verschoben, verändert, noch in sehr vielen ober­hessischen Gemeinden zeigen. Sehr interessant waren die Einzel-Ausfuhrungen über Mädchenzüteilung, die in drei­facher Gestalt sich finden, als Herausspielung, Versteiger­ung und Erwählung. Nicht minder anziehend waren die Darlegungen über Ort und Zeit der Feier, über das Ver­hältnis zur Kirche, über die Gesänge, die Tänze, über den Schmuck der Kerbburschen und noch vieles andere mehr. Ter ganze Vortrag hat sicherlich viel dazu beigetragen, das Interesse für das heimische Volksleben zu mehren.

Iandwirhchast.

Berlin, 3. Febr. Das preußische Landesökono­mie-Kollegium trat heute zusammen. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhielt Landwirtschaftsminister von Podbielski das Wort zu einer Rede über die Lage der Landwirtschaft- Redner führte aus, es sei nötig, anzuerkennen, daß an gewissen Punkten, wo die Verhältnisse außerordentlich schlecht liegen, Die Landwirtschaft nicht mehr lohne. Solche Ländereien würden besser zur Forstkultur verwendet- Auch mit der neuen Zollvorlage seien aus solchen Böden gute Erträge nicht zu erzielen. Redner erklärt, er müsse es sich versagen, näher darauf einzu­gehen, möchte aber heroorheben, daß seiner Auffassung nach man sich täusche, wenn man glaube, daß der Zoll uns aus die Dauer halte. Ter Zoll kann augenblickli.cn nur einen D a m m aufrichten helfen, es loinme Darauf an, daß die Behörden Diejenigen Dinge und ec.cid aufbauten, mii Denen sie zu einer

Gesundung Der <.. .u. kommen röu^en. ReDner be­frachtet Dann diesen Zoll nicht als etwas Ewiges,

sondern als etwas Vorübergehendes. Menn der Zoll da sei, müßten Vorkehrungen getroffen werden, um rationelle und gute Betriebe durchzuführen. Redner be­tont hierauf Die NotwenDigkeit, gute Verkehrswege zu schaffen, unD zwar nicht allein Chausseen, sonDern alles, was zur Entwickelung Des Verkehrs beitragen kann. Die Kultur gehe hier an guten Straßen unD Verkehrswegen entlang. Der Minister mahnte Dann, das Auge auf Die Gesundung des landwirtschaftlichen Genossen­schaft s wesens und auf die Erziehung zur Re­el l i t ä t zu richten. Er wolle seinerseits für möglichst billige Beförderung der landwirtschaftlichen Produkte ein- treten, eine sogenannte Notstands Hilfe möge man aber lieber bei feite lassen. Schließlich berührte Redner auch die Leutenot und empfahl die Seßhaffmachung der kleinen Leute im Osten.___________________________'

Vermischtes.

* Vi llach, 3.Febr. Nach amtlicher Feststellung wurden durch die bei Bleiberg niedergegangene Lawine ein Gast­haus und zwei Hütten beschädigt. Menschen sind nicht ver­unglückt.

* Wien, 3. Febr. Als Mörder der Rentiere Heger­horst in der Augustenstraße wurde der Motorführer Frauscher verhaftet. Er gestand die That ein, will aber nur Dieb­stahl beabsichtigt und die Frau, als sie erwachte, nur aus Furcht vor Entdeckung getödtet haben. Die Geliebte Frau-- schers, Hoslinger, die bei der Ermordeten gewohnt hat, wurde wegen Verdachtes der Mitwissenschaft gleichfalls ver- hastet.

Ueuefte Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 3. Febr. Der Präsident des 40 000 Mitglieder zählenden Central-Verbandes deutscher Bäcker- Innungen Germania, Obermeister Bernard, erläßt namens des Vorstandes zur Zolltarif-Frage die Er­klärung, daß er, einer Einladung nach dem Reichsamt des Innern folgend, dort zur Zollfrage die bündige Erklärung abgegeben habe: die deutschen Bäcker seien gegen jede Zollerhöhung. Sie verlangen ferner, daß die bisher im Grenzverkehr gestattete zollfreie Einfuhr von Brod, Mehl usw. bis zu 30 Kilo im neuen Zolltarif in Fortfall kommen müsse.

Berlin, 4. Febr. Der Abg. Schrader brachte einen Antrag ein, wonach das Duell mit mindestens 6, und die Herausforderung mit mindestens 3 Monaten Gefängnis zu bestrafen ist; eine Anzahl weiterer verschär­fender Bestimmungen ist vorgesehen.

B erlin, 4. Febr. Wie DieBerl. Pol. Nachr." ver­nehmen, find Schritte eingeleitet worden, zur Förderung der Herstellung von Kleinwohnungen für Unterbeamte

und Arbeiter der Reichseisenbahnen. DieBerll Pol. Nachr." melden ferner: Die preußische Regierung bereitet eine Vorlage vor betr. die Vorbereitung für den höheren Verwaltungsdienst.

Berlin, 4. Febr. DerNat.-Ztg." zufolge wurden in den Räumen des Viktoria-Lyeeums seit Jahr und Tag Unterrichtskurse im Gebetsh eilun gs-Ver- fahren von zwei Amerikanerinnen und einer Deutschen abgehalten, die auch zwei Kliniken in anderen Stadt­teilen unterhielten.

London, 3. Febr. Unterhaus. Granborne er­klärt in Erwiderung auf eine Anfrage, daß Rußland! seine Absicht, Die Mandschurei, wie es anfünDigte, zu räumen, nicht aufgegeben habe. Es verlaute. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand, welche infolge des Todes Li-Hung-Tschangs sich verzögert hätten, seien noch im Fortgänge begriffen. Balfour teilt mit, er hoffe, daß die Schriftstücke über die Mitteilung der hol­ländischen Regierung morgen abend ver­öffentlicht werden würden.

Haag, 3. Febr. Erste Kammer. In Beantwort­ung einer an die Regierung gerichteten Anfrage, ob es biejer möglich sei, über den Inhalt Der Mitteilung Der nieDerländischen Regierung an Die britische und Die Ant­wort Des letzteren Ausschluß zu geben, erklärte Der Minister Des Auswärtigen van LinDen, Die Antwort Englands, Die Dem nieDerländischen Gesandten in London ausgehän- Digt wurde, befindet sich bereits in Den Händen Der niederländischen Regierung. Bezüglich des Inhalts derselben kann augen b licklich nicy ts mit- geteilt werden. Da Die englische Regierung wünschte, daß die Veröffentlichung in England und hier gleich­zeitig erfolgt. Tie beiden Regierungen verhandeln über Den genauen Zeitpunkt der Veröffentlichung. Tie nieder­ländische Regierung beabsichtigt morgen abend ober an einem ber folgenden Tage ein Gelb buch zu veröffent­lichen.

Haag, 3. Febr. Der englische Gesandte verständigte die niederländische Regierung vertraulich, daß England nie­mals mit Krüger und Dr. Leyds, sondern eventuell nur mit den imFelde stehenden Buren-Komman­danten verhandeln werde.

Paris, 3. Febr. Die Depeschen-Agentur Paris-Nou- velles ist angeblich in der Lage, mitzuteilen, daß Die Antwort Englands auf Die hollänDische Note feine formelle Ablehnung enthalte. Im Gegen­teil soll England sich bereit erklärt Hoven, den Buren- Delegierten freies Geleit nach Süd-Afrika zu geben, um Dort mit Den Mitgliedern Der Buren-Re- gierung sich zu verständigen.

B o n n h, 4. Febr. Zwei der gegen die Arostämme entsandten englischen Truppena^. uimgen hallen Gefechte mit diesen Stämmen und ura^c.i ujacit lud.ntende Ver­luste bei. Auf englischer Seite j,c 1 uconn allen; 14, darunter ein weißer Offizier, wurden verwundet.