Ausgabe 
3.10.1902 Zweites Blatt
 
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oangenen Verbrechens verhilft, der Aufklärung über daS^Halt- ose solcher Beschuldigungen einen nicht zu unterschätzenden Dienst leisten.

Beuern eröffnet.

Ten Bericht über die Dekanatskrankenpflege erstattete der dafür bestellte Synodalvertreter, Pfarrer Sch w ab e»Rödgen. Bon den drei angestellien Schwestern mußten zwei wegen Heberarbeitung längere Zeit beurlaubt werden. Zu ihrer Vertretung wurde eine Pflegerin von auswärts berufen. Tie Schwestern sind jetzt in der 5. Klasse der Invalidenversicherung, zwei von ihnen außerdem in der Friedrich-Wilhclm-Stiftung^in Berlin eingekauft. Ter Synodalvertrcter ijaU mit den Schwestern regelmäßige Kon­ferenzen. lieber die Thätigkeit des Erziehungsbei- r ats berichtet Pfarrer W e d c r-Lang-Göns. 11 Zöglinge konnten durch Vermittelung des Synodalvertretcrs in Zu- milien oder Tienststellungen untergebracht werden, die

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lassen. Nicht- ist mehr geeignet, den Ruf unserer Gerechligkeils- pflege zu untergraben, das Vertrauen zur Justiz zu erschüttern, als solches geheimnisvolles Anbeuten mit der Pomle: .Man könnte den Schuldigen entdecken, wenn man nur wollte

ES wurde in der Verhandlung 411c Sprache gebracht, daß die Untersuchung gegen der Thäterschasl verdächtige Juden nicht weniger wie achtzehn Bände füllt. Der Erste Staatsanwalt S e t t e g a st betonte im Verlaus seiner langen Zeugenvernehniung ausdrücklich, der preußische Justiz m in i st er habe ihn noch be- fonderS angewiesen, alle Spuren )u verfolgen, die auf einen Thäter indischen Glaubens hindetnen lönnten. Insofern hat also der Prozeß gegen die antls. .Staalsbürgerztg.' sein tihites, daß er die Vlythendildung, die nachgerade bedenklich geworden war uiid selbst sonst loyal Deiikende angefteckl hatte, aller Voraussicht nach von Grund aus zerstören wub. Tie Behauptung, daß es einen Ritualmord" gebe, ist ja schon im Laufe der Zeit auf den Ausnahmefall eines Ai^ordeS aus Aberglaube einge­schränkt ivorden. Schritt um Schritt ist man mit Ver­dächtigungen zurückgewichen, die notwendig, zumal in solcher 'Jill- gemeuchelt aufgestellt, das Judentum empfindlich verlei d mußten, dieser Prozeß wird, wenn er ,licht zur Sühne des m Komtz be

meisten ans Meßen. Einzelne tyaren nicht gut, inw mußten schon wiederholt atcherweit untergebracht werden. Der KreiS- ausschuß hat zu den Kosten 25 Mk. jährlich bewilligt. Am 20. Januar wurde unter dem Vorsitz von Pfarrer sch en- Freienseen zu einem Verband der Lberhesjijchen Erziehungs- vereine geschritten. Endlich gab Pfarrer >schwabe-Ro> gen noch ein Resums seines vorjährigen Referates über das ^hema:Wie soll eine christliche Gemernde für die aus dem Gefängnis Entlassenen sorgen" und faßte seine Gedanken in folgende Sätze zusammen: die Aufgabe der Kirche ist: 1. Seelsorgerliche Beratung der Gefangenen vor und nach der Entlassung auch von feiten der Heimatgemeinde, 2. Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Sinne christlicher Gerechtigkeit und Barmherzigkeit gegen die Gefangenen (Fürbitte auch für die sclmldigen Gefangenen, Aenderung des § 13 der Kirchcwverfassung dahm, daß em Bestrafter nicht für immer die kirchlicyen Ehrenrechte ver­liert), 3. Fürsorge für die Familien der Gefangenen, Hm- wirken auf Vergebung und Versöhnung bei Familienange­hörigen und auf sittlichen Ernst, 4. thätige Mithilfe bei chaffung von Arbeit unter dem Hauptgesichtspunkt, daß >er Entlassene in christlich gesinnte Umgebung kommt, 5 Be­ratung über die Entlassenen in den Sitzungen des Kirchen- Vorstandes, Uebcrnahme ihrer Ueberwachung durch Mit­glieder des Kirchenvorstandes, Ueberweisung der Wegziehen­den an den Kirchenvorstand des neuen Wohnortes, 6. Ueber- nahme des Amtes als Beistandes für den hessischen Schutz­verein, wozu auch Frauen zuzuziehen sind, 7. Auswahl ge­eigneter Familien zur Aufnahme bestrafter Jugendlicher, 8. stärkere religiöse Beeinflussung der Jugend, 10. Hinweis auf die zu Gunsten der Äitlassenen geschaffenen Organisa­tionen und Anstalten. Die Versammlung stimmte die,en Sätzen nach kurzer Diskussion zu. Ter letzte Gegenstand der Tagesordnung, die Verhandlung über die Frage: ,^Delcho Aufgaben erwachsen den Kircbenvorständen aus den neueren Bestimmungen, betr. das Grundbuch und das Eigentum an Kirchen und Pfarrhäusern" mußte wegen vorgerückter Zeit abgesetzt werden. Es soll jedoch darüber demnächst in einer privaten Zusammenkunft der Synodalen beraten

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Dann oder Tarn der Kriminarinspektor Braun aus Berlin, und mit einem Schlage änderte sich das Bild. Braun ist unzweifelhaft ein sehr begabter Mann; nur liegt seine J Begabung mehr auf dem Gebiete der kombinierenden Phantasie als auf dem der nüchternen Verwendung von Thatsachen. Ein jedes Ohr hing an des Beisitzers Munde, der Brauns schriftlichen Bericht über den Koncher Mord vortrug. Es ist ein spannender Kriminalroman. Mit packender Anschaulichkeit wird hier erzählt, wie ein ; geheimnisvolles Verbrechen entdeckt ward, und alle Spuren 1 fehlten, bis der Kriminalkommissar Braun aus Berlin kam. < Nur in einer Kleinigkeit stimmt der Kriminalroman von 1 Braun mit der Wirklichkeit nicht überein nämlich was die Person des Schuldigen betrifft. Der Schlächtermeister : Hoffmann sollte an Ernst Winter die Schändung seiner 1 Tochter blutig gerächt und zur Erbitterung umsomehr Anlaß gehabt haben, als ihm schon zuvor mit einer Tochter gleiches Unglück widerfahren wäre. Nachdem aber der Rächer seiner Familienehre in Haft und Banden Braun vorgeführt worden war, mußte er sich rasch davon über­zeugen, daß er mit Unrecht bei einem Konitzer Schlächter- < meister römische Tugenden vermutet hatte. Zum Heberfluß 1 ergab sich ganz unzweifelhaft, daß oeide Töchter sich im vollsten Besitze ihrer Jungfräulichkeit befunden hatten.

Kriminalkommissar Braun verließ die Stätte seiner kom­missarischen Thätigkeit. Sein Geschäft war aus! Und aber­mals triumphierte das ritualmordgläubige Könitz.

Braun sagte u. a. aus: Im Laufe seiner Recherchen sei <t immer mehr zu der Ueberzeugung gekommen, daß nicht Mord, nicht einmal Totschlag, sondern Körperverletz­ung mit tätlichem Erfolge vorliege, und daß eine große Reihe von Verdachtsmomenten gegen den Schlächter­meister Hoffmann vorlägen. Winter habe mit der Anna Hoffmann verkehrt, er habe sich, mit ihr zahlreiche Rendez­vous gegeben, die Intimität sei soweit gegangen, daß sich die beiden jungen Leute durch Pfeifen bestimmte Zeichen gaben, Winter sei von Hoffmann wegen dieses seines Ver­kehrs mit der Anna Hoffmann bedroht worden, Letzterer habe seine Lehrlinge am Abend des 11. März, gleich nach Dem Abendbrot entlassen, es sei von Zeugen mitgeteilt worden, daß an jenem Abend ein furchtbarer, aus dem Hoffmann'schen Grundstück kommender Gestank, der vielleicht vom Verbrennen von Kleidungsstücken herrührte, wahrnehmbar gewesen re. rc., kurz, diese Be- lastungsmomcnte, in Verbindung mit zahlreichen, den Hoff­mann belastenden Zuschriften seien für ihn maßgebend ge­wesen, um den Schlächtermeister Hoffmann der That dringend verdächtig erscheinen zu lassen und seine vorläu­fige Festnahme anzuregen. Er habe Hoffmann kommen lassen und, nachdem er ihn und seine Tochter vernommen, habe er namentlich aus der völligen Unbefangenheit der Anna Hoffmann doch die Ueberzeugung gewonnen, daß sich der Verdacht gegen ihn nicht aufrecht er­halten lasse. Hoffmann sei dann auch sofort nach dieser Vernehmung auf freien Fu'ß gesetzt worden. Man habe darauf in Könitz die Finte gebraucht, auszusprengen, daß die Entlassung blos vorläufig sei und Hoffmann bald wieder- verhaftet werden würde, was die herrschende Erregung noch sehr vergrößerte.

Am Donnerstag wurde der Bericht des Kriminal-Poli-ei- Jnspektors Braun diskutiert. Braun tritt dabei der Behauptung des Angeklagten Bruhn entgegen, daß er den Schlächtermeister Hoffmann zur Vernehmung polizeilich habe vorsühren lassen. Hoffmann fei ganz allem gekommen und allein wieder weggegangen. Braun entwickelt nochmals feine Ansicht dahin, daß wahrscheinlich Winter in einer unsittlichen Situation von dem Vater eines Mädchens überrascht worden sei, daß diesen die Wut gepackt und dann das Unglück geschehen sei, Ter Vorsitzende stellt fest, daß sämtliche in dieser Angelegenheit vernommene oder zu vernehmende Amtspersonen ohne jeden Vorbehalt von der Amts-Verschwiegenheit entbun­den worden sind. Hierauf wird Erster Staatsanwalt Sc t t e g a st früher in Könitz, jetzt in fiünburg, vernommen. Er giebt eingehende Tarftelltmg über ferne in der Mordfache entwickelte Thätigkeit und versichert, daß er alle ihm unterbreiteten Verdachtsgründe nach allen Richtungen hin verfolgt habe. Er habe keine Veranlassung gehabt, ein förmliches Verfahren gegen Lewy einzulciten. Einen breiten Raum in den weiteren Erörterungen bildet das mehrfach erwähnte F l ä s ch ch e n B l u t. das aus den Schlachträumen bei der Synagoge entnommen wurde und die kleinen Tröpfchen ge­frorenen Blutes, welche man dort gesunden hat. Rechtsanwalt Hahn glaubt auch hier Unterlassungen feftfteüen zu können. Der 3euge erklärt unter anderem, daß nach der ganzen Sachlage und den begleitenden Umständen es absolut undetlkbar märe, daß Winter in diesem von allen ©eiten frei zugängigen Raume ermoi- det sei und die kleinen Blulstropfeii von ihm herrühren könnten. Tie Kreuz- und Querfragen an den Zeugen dehnen sich über zwei Stunden aus. Hieraus tritt eine Pause ein. Nach derselben erklärt Landrichter Dr. Zimmermann, daß die von ihm vernomme­nen christlichen Zeugen von vorneherein ben Eindruck machten, als hätten sie ihre Aussagen auswendig ge­lernt. Rechtsanwalt Sonnenfeld stellt sofort die Frage, ob er auch bezüglich der jüdischen Zeugen dieselbe Beobachtung gemacht habe. Tie Frage wurde verneint. Es folgt die Ver­nehmung des KoinniissarS Klatt. Dieselbe ergiebt nichts wesent­liches. Rechtsanwalt Hahn beantragt, daß von Könitz der Amts- gerichtSrat G a f f k y als Zeuge geladen werde, der die meisten Vernehmungen der Christen gehabt hat. Auch diese Zeugen sollen geladen werden. Das Gericht beschließt, dieselben nicht zu laben, dagegen die Ladung des Sanitätsrat Dr. Müller-Konitz als Sach- vcrständigeli und Zeugen.

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Die obige Erklärung deS Vorsitzenden Landaer.-Dir. Opitz ist oon nicht geringer Bedeutung. Sämtliche in dieser Angelegenheit als Zeugen vernommenen oder zu vernehmenden amtlichen Perso­nen sind ohne jeden Vorbehalt von der Amtsverschwiegenheit ent- bunben. Tas ist ein ungewöhnlicher Schritt ber Behörden- nur äußerst feiten wirb in einem solchen Umfang bic Pflicht der Amts­verschwiegenheit aufgehoben. Daß die Behörden über begreifliche Bedenken hinweg zn dieser Entschließung gelangten, ist in hohem Grade anerkennenswert. Nur auf diese Weise kann endlich einmal dem teils thörichleii, teils bösartigen Gemunkel radikal ein Ende gemacht werden, daß die zur Verfolgung des Kouitzer Verbrecheils Berufenen von Rücksichten auf die Juden sich hätten beeinflußen

Synode des AeLauats Hießen.

(Originalartikel desGieß. Anz.") gr. Gießen, 2. Oktober.

Tie Synode tagte am 1. Oktober in dem benachbarten Rödgen. Sie wurde eingeleitet durch einen Gottesdienst in der sehr freundlich wiederhergestellten Kirche, in dem Pfarrer Euler aus Gießen die Predigt über 1. Joh. < hielt. Er rief den versammelten Synodalen und der zahl­reich erschienenen Gemeinde die Mahnung dessen,der das Licht der Welt ist", zu:Wattdett im Licht", und führte aus, wie das auch in unserer Zeit kein unverständliches und unmögliches Wort sei, daß wir es vielmehr freudig in die Gemeinde rufen können, aber freilich nur bann, wenn wir uns bemühen, selber im Lichte zu wandeln. Nur dann können wir auch Gemeinschaft miteinander haben uni) ben Segen ber Gemeinschaft erfahren. Ein besonders schöner Schmuck bes Gottesdienstes war ber schöne Ehorge'ang ber Schulkinber. Tie Synobe selbst wurde im Wagner'.chen Saale abgehalten. Es waren bazu alle Synodalen mit Aus­nahme bes leider durch seinen Gesundheitszustand ver­hinderten Dekans a. D. W a h l in Hausen erschienen, insge- amt 45. Nack)dem dieHerren Realgymnasiallehrer Ambach- Gießen und Pfarrvikar Dr. T h u m m - Pohl-Göns zu Schrift- ührern berufen roaren, eröffnete Dekan Str ack-Leihgestern )ie Synode mit einer kurzen Ansprache, in der er u. a. dem aus dem Dekanat geschiedenen Pfarrer Dr. Gr ein em herzliches Lebewohl und die besten Segenswunsche nach­rief, und der Gemeinde Rödgen und ihrem Pfarrer den Tank ür die freundliche Aufnahme der Synode aussprach. Aus >er reichen Tagesordnung ber Synobe heben wir nur fol­gendes hervor: Auf Anregung bes Lberhessischen Vereins ür innere Mission würbe beschlossen, ben Mitgliedern der Synobe, bie mit besonderen Aerntern in ben Werken ber inneren alber äußeren Mission betraut sinb, ben sogenann­ten Synobalvertrelern, künftig bie Fahr ko st en für Reisen im Interesse ihrer Arbeit, zu Konferenzen u. bergt zu vergüten. Zugleich würbe beschlossen, neben ben Synodal- vertretern für Krankenpflege, für ben Erziehungsbeirar», für Preßangelegenheiten, bie schon länger in Thätigkeit inb, noch einen solchen für äußere Mission zu berufen, und Pfarrer Gu ß rnan n.-Kirchberg dazu erwählt. Alsdann wurde in utie Wahl eines geistlichen Abgeord­neten zur Landessynode und eines Stellver­treters desselben eingetreten, und zum ersteren Pfarrer Schlosser-Gießen, zum letzteren Pfarrer Schwabe- Rödgen gewählt. Ten Jahresbericht erstattete im Namen des Dekcmatsausschusses der Stellvertreter des Dekans, Pfarrer Dr. Naumann-Gießen. Im Personal­bestand der Synode, der Geistlichen und der kirchlichen Ge­meindekörperschaften hat es danach folgende Veränderungen gegeben: Pfarrvikar Schmidtin Treis wurde durch Pfarr­vikar Grauling, Psarrassistent Kraus in Gießen durch Pfarrassistent Vogt ersetzt, Pfarrvikar Dr. Thumm für Pohl-Göns bestellt. In ben Dekanatsausschuß trat für ben verstorbenen Bürgermeister Geißler-Lollar Bürger­meister Krämer- Steinbach ein, für diesen als Ersatzmann Altbürgermeister Kreiling-Heuchelheim. In Gießen, Matthäusgemeinde, schieden aus der Gemeindevertretung aus: Oberpostsekretär Gerbode durch Tod, Bierbrauer Fort sch durch Rücktritt. Am 12. Sept. d. I. wurde bas Mitglied des Kirchenvorstanbes, Schreinermeister Schäfer burch einen bedauerlichen Unglücksfall aus dem Leben ab­berufen. In ber Johamiesgcmeinde starben bie Mitglieber bes Kirchenvorstandes: Professor Dr. St e in b r ü g g e unb Schuhmachermeister Weeg. An ihrer Stelle würben Land­gerichtsrat Dornseisf unb Weinhänbler Helm gewählt, für bie bann in die Gemeindevertretung Oberkonsistorialrat i. P. Waas und Rentner Senner berufen wurden. In Großen-Buseck starb ber Kircheiworsteher Christoph Scu- ling II., in Leihgestern die Gemeindevertreter Johannes Häuser unb Georg Wagner IV. In Watzenborn würbe am 17. Mo. bie neu hergestellte Kirche eingewecht, in Beuern unb Wieseck Diakonissen als Gemeinbe- schwestern aiigestellt. Heber ben religiös-sittlichen Zuslanb ber Gemeinben wird im allgemeinen nicht un­günstig berichtet. Im einzelnen ist jedoch noch vieles zu wünschen. Besonders wird über die Schäden, die durch starken Wirtshausbesuch und wachsende Vergnügungssucht angerichtet werden, geklagt. Doch konnte ans einer Ge­meinde über Abnahme des Wirtshausbesuchs berichtet wer­den. Die öffentlichen Gottesdienste besuchten an den drei offiziellen Zähltagen 28045 Erwachsene und 10 583 Kinder, insgesamt 30 528 Gemeindeglieder (1900: 35402). Das Abendmahl empfingen im öffentlichen Gottesdienst: 17 020 Männer, 20178 Frauen, Summa 37 198 Gemeindeglieder (1900: 35 450,, privatim HO Manner, 436 Frauen, Summa 546 (1900: 437). Ter Besuch der Kate- ch i s m u s l e h r e ist im allgemeinen gut, die Sonn t a g s! - Heiligung befriedigend. Ein schwieriger Punkt ist die Störung der Sonntagsruhe in einzelnen Dörfern durch bie Spaziergänger aus der Stadt. Tie gesamte Seelen­zahl des Detaliats betrug 51710 (84 meyr als 1900). 12 Hebertritte zur evangelischen Kirche fanden statt (1 in Beuern, 11 in Gießen). Getraut wurden 484 Paare (1900: 552), darunter 17 gemischte Ehen, getauft 1460 : Kinder (1900: 1429), darunter 3b aus gemischten Ehen, 49 uneheliche in den Gemeinden, unb 186 in ber Gießener Frauenklinik, konfirmiert 940 Kinber (1900 : 950), b e - erbigt 654 Gemeindeglieder (1900: 679). In ben sektire- rischen Bewegungen war kein Fortschritt, teilweise sogar Rückschritt wahrzunehmen. Neue Erscheiiiungen au bem Gebiete bes kirchlichen V e r e in s w e s c n s sind ein Jungfrauenverein in Beuern unb ein Misiionskranz im Kirchspiel Kirchberg. Für Werke ber christlichen Liebe wurden aufgebracht iiisgesamt: 38167 Mk. (1900: 56 634 Mk.), nämlich milde Gabeii 23 353 Mk., Opfer für Ortsarme 7490 Mk., Kirchenkollclten 1969 Mk., sonstige kirchliche Werke 5355 Mk. Diakonissen aus dem Darm­städter Mutterhause sind angestellt in Gießen, Alten-Buseck, Beuern, Wieseck. Eine neue Kleinkinder schule wurde in

werden.

Aus und Land.

Gießen, 3. Oktober 1902.

** Das Amtsblatt Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 30 vom 15. September b. I. enthält ein Ausschreiben an sämtliche Justizbehörben, betreffenb bie Tagegelber unb Reisekosten ber Großherzoglichen Amts­richter unb Gerichtsschreiber bei ben Amtsgerichten, sowie >er Amtsanwälte. Weiter haben zum Inhalt: Nr. 31 vom 16. September ein Ausjchreiben an bie Großherzog- Uchen Justizbehörben, betreffenb bic Stempelfreiheit bet Gelänbeerwerbungen zum Bau von Staatseisenbahnen; Nr 32 vom 17. September ein Ausschreiben an bie Groß- herzoglichen Justizbehörben, betr. Gegenseitigkeitserklarung zwischen Hessen unb Preußen wegen Stempelbefreiuna; Nr 33 vom 18. September ein Älusschreiben an bie Groß- berzoglichen Justizbehörben, inSbesonbere bie Gerichtsvoll­zieher, betreffenb bie Zustellung von Willenserklärungen, 'lei benen eine Hrfunbe vorzulegen ist.

** In vollstem Blütenschmucke prangt augew blicklich ein Birnbaum in einem, an ber Schanzenstraße gelegenen Privatgarten. Er dürfte z- Z. ber einzige blühenbe Baurn im Freien sein. t . _ _ . .

>( Grebenhain, L Okt- Seit heute ist hier baA. neue Postgebäube bem Verkehr übergeben worben. Es steht unter ben vielen neueren Gebäuben einzig in seiner Bauart da. Auch bebeutet eS insofern eine große Wohlthat für bie Geschäftsleute, als es näher nach bem Bahnhof verlegt worben ist. Ein eigentümliches Pech hatte ber hiesigeLanbwirtH. S. bezw. bejsen Pfer d. Das letztere hatte längere Zeit, mit einer Kette um benJ>aI5, im Stall gestanden. Die Kette war nun ein gewachsen unb mußte vom Schmieb burchaefeilt und bann gewaltsam entfernt werben, wobei bas Pserb schreckliche Qualen zu erbulben hatte. .

(-) Wetzlar, 2. Okt- Kreisbaumeister Kampfer blickte mit bem 1. Oktober auf eine 25jähr. Amts that i g- keit in unserem Kreise zurück. Ihm untersteht nicht nur das gesamte Straßennetz unseres Kreises, welches )im in Kreis-, Provinzial- und Gemeinbestraßen gliebert, sondern auch das Wiesen-Meliorationswesen. Heute mittag wurde ja» hiesige neue Reichsbankgebäude mit einet größeren Feierlichkeit eingewecht.

Mainz, 1. Okt- Aus der Stadtverordneten­sitzung. Der von der sozialdemokratischen Fraktion ge­teilte Antrag auf Aussetzung ber Erhebung von Oktroi ür Vieh unb F l e i s ch w a r e n wirb abgelehnt. Es wurde jervorgehoben, daß, wie dies sich auch in anderen stabten gezeigt habe, bie Aufhebung bes ÖNtois auf ben Preis des Fleisches im Tetailverkaus gar feinen Einfluß ausube, sobau sowohl bie Minberbernittelten, als auch bie Armen feinen Vorteil von einer Aufhebung bes Oktrois hatten, im Gegenteil, es würbe bieser Ausfall an Oktroi eine ot- höbunfl ber Gcmeinbesteuer um 6 Prozent verursachen. Tie beutsch-freisinnige Fraktion stellte bafür ben Antrag, das Oktroi >: ur Steinkohlen, Koks usw. bei bem Bezug von 3 Zentnern per Woche aufzuheben; auch solle die Stabt sich mit ben Kohlenhänblern in Verbinbung leben, damit biefe an bie unbemittelte Bevölkerung Steinkohlen in einem Quantum von 3 Zentner per Woche oktroisrei ab­geben. Dieser Antrag wirb bem Finanzausichuoe und der sozialpolitischen zwmmission zur Beurteilung überwiesen.

() Aus Mainz wird uns geschrieben: Bezüglich der bevorsteheiiden Landtagswahlen hat der Aus­schuß der nationalliberalen Partei beschlosien, an die demokratische, deutschfreisinnige und sozialdemokra­tische Partei die Anfrage zu richten, ob sie bereit feien, das zu ben Stabtverordnetenwahlen im vorigen Herbste geschlossene Kartell auch für die bemnächst statt- finbenbe Lanbtagswahl aufrecht zu erhalten. Tas im vorigen Herbst geschlossene Kartell halte damals zur Folge, daß bei den Stadlverorbnetenwahlen feiner der Zentrumslandidaten gewählt wurde.

Franks urt, 2. Okt. TerGrogherzog vontzes^ sen kam heute vormittag ll1/» Hhr hierher und reiste um 12,40 Hhr mit bem Hamburger T-Zuge nach Sch Weins­berg. Morgen abend wirb er von dort nach Darmsiadt zurüakehren. Der L a n d g r a f v 0 n H e s s e n, der gestern abend von Adolsseck hier ankam, hat sich nach kurzem Auf­enthalt nach Schloß Philippsruhe begeben. Versetzt wur­den als Mitglieder der Eisenbahnbirektion Franfturt a. Geh. Regierungsrat Fleischmann von Tarmstadt und Bau- uito Betriebsinspektor Wolpert von Worms, ferner Lisenbahn-Betriebsimpektor Lor ey von Darmstadt nach Frankfurt unb Rechnungsbireflor Wilbranb von Brom- , berg nach Frankfurt, umer Verleihung ber Stelle bes Rech- : nungsbirektors bei der Eisenbahnbirektion.