Ausgabe 
3.7.1902 Zweites Blatt
 
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das Fest der Immatrikulation des 1000. Studenten.

Gießen, 3. Juli 1902.

Das Waldfest, das die Stadt Gießen zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten gestern nachmittag im Philosophenwalde veranstaltet hatte, war von der Studenten- und Bürgerschaft Gießens außerordentlich gut besucht: der beste Beweis, daß die Feier in allen Kreisen Gießens den lebhaftesten Anklang gefunden hatte.

Kurz nach 5 Uhr nachmittags führte ein imposanter Kestzug die städtischen Behörden, die korporirten Studenten und einen Teil der nichtinkorporirten Studenten nach dem eingezäunten Festplatz im Philosophenwalde. Der Zug legte den, von uns bereits gestern angegebenen Weg in programm­mäßiger Ordnung zurück. Die Spitze des Zuges bildeten drei stattliche Vorreiter, Hassorhenanen in vollem, kleidsamen Wichs. Ihnen folgte die hiesige Militärkapelle, die für dies­mal ihre Uniform mit schwarzem Zivilrock vertauscht hatte. Dann kam mit dem blendenden Blau blühender Blumen und der gleichfalls aus Blumen gewundenen Zahl 1000 sinnig und geschmackvoll ohne alle Ueberladung von dem Hoflohn- kutscher Huhn, der überhaupt den größeren Teil des -Wagenzuges arrangiert hatte, geschmückt, der Festwagen, in dem Se. Magn. der Rektor Professor Dr. Hansen mit dem jugendlichen Helden des Tages, dem stud. med. ^Simons, heiter plaudernd saß. Im zweiten Wagen sah ,man den Bürgermeister unserer Stadt, Herrn Mecum, mit seinen Damen, in den vier folgenden die Dekane der vier Fakultäten, die Professoren Dr. theol. Krüger, Dr. jur. Biermann, Dr. med. Sommer und Dr. phil. Brauns, mit ihren Damen. Die nächsten 12 Wagen brachten unsere Stadtverordneten, teils mit, tells ohne ihre besseren Hälften. Und nun kamen in unübersehbar langem Zuge die Studenten­korporationen, allen voran die katholische Studentenverbindung hasio-Rhenania in ihrer neuen, erst vor einigen Tagen be­schafften recht kleidsamen Couleur mit kecken flotten roten Stürmern; ein Spaßvogel meinte: Katholisch ist jetzt Trumpf im heiligen römischen Reich deutscher Nation, und so habe denn auch das Los verständnisinnig sich für schwarz ent­schieden. Die Zweiten im Zuge waren unsere schneidigen Corps, und zwar der Reihe nach die Starkenburger, Teu­tonen und Hessen. Weiter kamen die Burschenschaften, Ger-- manig und Alemannia, sodann, nach der Kapelle Bauer, die anderen farbentragenden Korporationen: Wingolf, Adelphia und Franconia. Es folgten die wissenschaftlichen Vereine, der Mathematisch-naturwissenschaftliche Verein, der Akademisch- Theologische Verein, der Philologisch-historische Verein, sodann die Rhenania, der Verein deutscher Studenten, die Kapelle Gröningcr, die Chattia, die Nassooia; ferner die Nicht- Korporationssüldenten, und zwar der Reihe nach die theo­logische, die juristische, die medizinische und die philo­sophische Fakultät. Den Schluß bildete die Landsmannschaft Darmstadtia.

Die langsam dahinfahrenden Equipagen, die im Winde lustig flatternden Banner, die schneidige Wichs der Chargierten und die farbig leuchtenden Kneipjacken der Füchse, dazu die festesfrohen Mienen der tausend Söhne unserer ehrwürdigen Alma Mater, das war ein überaus reiz- und wechseloolles, lebensprühendes und farbenprächtiges Bild, das in der Lokal- zeschichte Gießens einen dauernden Platz behalten wird.

Der Zug bewegte sich, überall herzlich begrüßt, durch die, mit Fahnen in verschwenderischer Fülle geschmückten Hauptstraßen der Stadt dahin in scheinbarer Unendlichkeit.

Tausende Schaulustige haben sich zu beiden Seilen der Straßen aufgestellt, und an den Fenstern hinter schmucken Blumentöpfen wimmelt's von bezopften Köpfen. Gießens junge Damenwelt überschüttet unsere akademische Jugend mit duftenden Blumen. Die breite Brust Bruder Studios wird über­deckt mit zierlichen Sträußchen, gewunden von zarten Händen unter zarten Gedanken. Doch manch Blümlein traut stirbt unbeachtet zu den Füßen der Marschierenden, wird zertreten und verwelkt im Straßenstaube. .....

Und als der Schwarm vorüber war, da verschwanden wieder von den Fenstern die bezopften Köpfchen, da härten an den Straßendämmen die Kinder von ihren vorsorg­lichen Müttern zu zappeln auf und alles schritt, noch halb be- rauscht von dem eben geschauten, malerischen, farbensatten Bilde, in dem man nur eines, den Versuch einer oberfläch­lichen Einheitlichkeit der Tracht (der eine trug schwarzen, der andere grauen Rock, der eine Stroh-, der andere Filzhut, der der eine braune, der andere schwarze Schuhe 2c. :c.), vermißt hatte, entweder heim zu Muttern oder nach dem Philosophen­walde, zu lieblicher und leiblicher Labung.

Der Festplatz war von Mannschaften des hiesigen Regiments avgesperrt, auch die Bedienung der Gäste war von ihnen übernommen worden.Ein leichter und feiner Dienst, wie er beim Kommiß nicht so oft vorkommt!" hörten wir sagen. Die Bedienung durch die Mannschaften beschränkte sich allerdings auch nur darauf, den Anwesen­den möglichst große Mengen von belegten Butterbroten und Bier heranzubringen, und selbst soviel wie möglich da­von zu vertilgen. Allzu üppig waren die Butter­brote allerdings nicht ausgestattet, aber welchen Anklang sie fanden, lätzt sicy aus den Quantitäten schließen, die vertilgt wurden. 8400 Butterbrote sind, wie wir hier gleich bemerken wollen, verzehrt worden. Dazu hatten die vier Brauereien je 20 Hektoliter, im ganzen also 80 Hektoliter Bier geliefert, von denen nur drei Hektoliter übrig blieben. Ein gesegneter Appetit und ein beneidenswerter Durst!

Was wäre deutsche Bildung und Litteratur, was deutsches Leben überhaupt ohne deutsches Bier! In sicco nunquam spiritus!

Wenn soweit die Vorbedingungen für das Fest günstig waren, so versagte doch ein sehr wesentlicher Faktor nämlich das Wetter. Es war unfreundlich und kalt, beson­ders zu Anfang des Festes. Wer sich nicht warm angezogen hatte, wuroe von der kühlen Witterung unbarmherzig ge­schüttelt, und mancher Schnupfen wird insbesondere die jungen Damen an den gestrigen Dag noch erinnern.

Die Feier, die in einem Festtommers und Tanz be- ftand, verlies im allgemeinen in den vorgeschriebenen For­men. Wie bei allen solchen Mafsenfestlichleilen, ging auch gestern die Einheitlich leit bald verloren, und nur noch die Musik konnte sich und dem Programm einigermaßen zur Geltung verhelfen. Trotzdem herrschte wahrhaft seltene Harmonie und musterhafte Disziplm, nicht die geringste Störung kam vor. "Rach dem ersten allgemeinen Liede

ergriff Bürgermeister Mecum das Wort zu folgender Rede:

^Hochcrnsehnliche Festverfammlung!

Wir begehen das heutige Fest zum äußeren Zeichen der freudi­gen Anteilnahme der Stadt Gießen an dem Blühen und Gedeihen ihrer Ludoviciana, deren Wachstum in diesem Semester durch die Immatrikulation des 1000. Studierenden besonders gekennzeichnet ist.

Se. Magnifizenz erwähnte in der gestrigen Festrede, daß der Besuch der Universität von 570 Studenten im Jahre 1847 auf etwa 400 im Jahre 1865 gesunken sei und daß im letzteren Jahre der Rektor in der Festrede am Gründungstage der Universität öffentlich ausgesprochen habe, die Zahl von 500 Studenten werde wohl nie mehr erreicht werden. Diese Befürchtung hat.sich glück­licherweise nicht erfüllt, und wenn heute unsere Universität eine Be­suchsziffer in doppelter Höhe derjenigen aufweist, welche vor erst 37 Jahren der Rektor nicht mehr zu erhoffen wagte, so fragen wir uns, welche Gründe veranlaßten den Rückgang in den 50 er und der ersten Hälfte der 60 er Jahre und welchen Umständen ver­danken wir seitdem den ungeahnten Aufschwung. Heute beschäftigt uiis nur die Beantwortung der zweiten Frage, und da wissen wir alle, was wir den Männern zu verdanken haben, welche das große Werk der' Einigung Deutschlands schufen und dann Miausgesetzt thätig waren, ourch Erhaltung des Friedens und Förderung von Wissenschaft, Handel, Industrie und Ackerbau das Errungene zu erhalten und zu vermehren. Unter diesen Beschützern des na­tionalen Wohlstandes, welcher die Blüte der Wissenschaften und der Universitäten veranlaßt, stehen an hervorragender Stelle der rector magnificentissimus unserer Universität, unser Großberzog Ernst Ludwig, und der Deutsche Kaiser Wilhelm IL Wir hoffen, daß es diesen Männern, welche in der Blüte der Mannesjahre stehen, noch lange vergönnt sein möge, die Geschicke unseres engeren und westeren Vaterlandes zu lenken, auf daß auch unsere Ludovi­ciana weiter wachsen und gedeihen möge.

Ich bitte Sie, diesem Wimsche und unserem Gefühl der An- hänglichkest und Treue zu Kaiser und Reich, zu Fürst und Vater­land Ausdruck zu geben indem Sie mit mir emstimmen in den Ruf:

Se. Majestät der Kaiser und Se. Königliche Hoheit der Großherzog, sie Leben hoch I"

Nach weiteren Mujllpiecen und Liedern begrüßte Stadtv. SAm all die Anwesenden mit folgenden Worten:

Hochverehrte Festversammlung! Im Namen und Aufllag der städtischen Verwaltung habe ich die Ehre Sie hier zu begrüßen, Sie herzlichst willkommen zu heißen in einer Stunde die uns gleichsam vereinigt wie auf hohem Bergesgipfel.

Denn wie von solchem Höhpunkt aus man da die Bande weithin überschaut, so schweifen heute unsere Blicke zurück auf jenes Jahr 1607, in dem unter Landgraf Ludwig V.dem Ge­treuen" die Universität Gießen gegründet wurde, und dann weder durch nahezu 3 Jahrhunderte ihres Bestehens bis auf diesen Tag, an welchem unsere Stadt die Immatrikulation des 1000. Studen­ten hier festlich begeht.

Was in diesem langen Zeitraum Alles an Stadt und Universität vorübergezogen, das zu berichten ist dankbare Auf­gabe des Historikers, uns genügt heute die eine Thatsache, daß die Entwicklung beider Faktoren auf's engste miteinander verbunden war und bleiben wird durch alle Jahrhunderte!

Ja, fester wie die gewalligsten 'Mauern, die einst unsere Stadt umgaben und auch der liubomciana _ in den Stürmen der Zellen Schutz gewährten, so fest wie Gießens uraltes Wahr­zeichen

Thurm und Burg zu den Gißen" steht heute unsere Landesuniversität da, getragen von weiser Fürsorge der Regierung und Stände, gewürdigt in ihrem Wert von der Stadt, geliebt von Gießener Bürgern, eine hohe Warte der Wissenschaft, ein Leuchtturm in Vergangenheit, Gegen­wart und Zukunft, der auf so viele Gebiete sein hellstrahlendes Licht bernieoersendet.

Ein lichter, sonniger Glanz ruht heute auf dieser festlichen, fröhlichen Versammlung, in der wir uns Alle eins wiffen in dem Gedanken, daß mit unserem 1000. Studenten unsere Hoch­schule eine Hörerschaft erlangt hat, die sie in den Kreis der großen Universlläten Deutschlands würdig einreiht; in der wir stns auch ein§. wissen in dem Wunsche, einer immer fortschreitenden höheren Entwickelung.

In diesem Sinne bringe ich namens der Stadt herzlichste Glückwünsche dar:

Dem Lehrkörper der Universität,

Dem 1000. Studenten und seinen gesamten Kommi­litonen 1

Es lebe, blühe, wachse die Universität GießenI Hoch! Hoch! Hoch!"

Se. Magnificenz, Professor Dr. Hansen antwortete darauf unter großer Stille das Folgende:

Hochgeehrter Herr Bürgermeister und geehrte Herren Stadtver­ordnete! Verehrte Damen und Herren!

Die Universitäten sind nirgends im ganzen Deutschen Reiche blos Blldungsinstllute, die blos ein Gaslrecht in den Mauern der Städte genießen. Beide sind überall, wenn auch in Verwaltung und Leitung getrennt, fest miteinander verbunden. Spricht man doch nur bei inneren Vorgängen an den Univer- itdten von einer Academia Ludoviciana, Ruperto Carolina ober Georgia Augusta, sonst aber von der Universität Gießen, der Universität Heidelberg und Göttingen. Stadt und Universität sind eins. Und wie sollte es auch anders sein, als daß die Stadt und ihre Uni­versität, die mit einander gewachsen sind, meist in der Zeit von Jahrhunderten, endlich völlig verwachsen sind, wie Glieder eines Organismus. Die Zusammengehörigkeit unserer Stadt Gießen mit der Universllät ist eine alte historisch begründete. Als die in dem Jahre 1625 nach Marburg verlegte Gießener Hochschule 1650 wieder von Marburg getrennt werden sollte, da dachte der Landgraf auch an eine Uedersiedelung der Hochschule nach Darmstadt, Alsfeld oder Grünberg. Aber das alte Anrecht siegte, und die Gießener Bürgerschaft erwies sich dankbar durch Verleihung neuer Vorrechte an die Professoren und Studenten, damll das alle Band neu besiegelnd. Sell jener Epoche ist das Band enger und enger geworden und auch die moderne Zeit mll ihrer Trennung der Interessen hat es nicht gelockert. Seit wir, ohne im Reichtum zu schwelgen, durch die fleißige Arbeit unseres gesamten demschen Volkes, im Vaterlande glücklich sind, neben der Entwick­lung unserer starken Schutzkräfte endlich auch für unsere Kultur- zwecke mehr thun zu können, hat auch unsere Universität Gießen Jahr für Jahr Schrllte nach vorwärts gemacht, und die Stadt Gießen hat mit aufmerksamem Auge und Herzen Anteil daran genommen. Wir freuen uns in diesem Semester der Zahl von über tausend Studenten, und diese Freude ist nicht ellel Prahlerei, sondern vollauf berechtigt. Wohl dürfen wir uns freuen, daß auch in unfernt kleinern Hesfenlande eine Universität aufblüht in gleicher Kraft und Leistungsfähigkeit, wie in den größeren Bundesstaaten. Uns, der Univerfttät, ziemt es nicht, aus dieser Freude ein Fest zu gestalten, welches als eine Selbstfeier erscheinen müßte. Wir können nur die freudigen Er­eignisse erntragen in die Blätter unserer Geschichte. Aber unsere gute Stadt Gießen halle über diesen Punkt eine eigene Meinung. Sie sagte:Ihr seid nicht nur Eure Universllät, Ihr seid auch unsere Universität, und wir wollen für euch das Festkleid anlegen in diesem Sommer, als Zeichen der Freude eures lebhaften Auf- chwungs."

Und so sind wir heute hier als geladene Gaste der etabt, alle Philosophen der Ludoviciana, Meister und Schüler, gekommen zu frohen Feststunden im Philosophenwald. Da liegt es vor Ihnen, das Fest, doch darf ich nicht, als ob ich der Gastgeber wäre, auf die fröhlichen Einzelhellen Hinweisen. Mir wird die Ehre zu teil, den Dank der Geladenen auszusprechen. Im Namen der ge­samten Universität danke ich unserem verehrten Herrn Bürger­meister, den Herren Stadtverordneten, sowie der ganzen Stadl Gießen für die Einladung, der wir, wie Sie sehen, mit Freuden gefolgt sind. Wir danken nicht blos für die hellere Schale des Festes allein, sondern für den bedeutungsvolleren Kern. Tenn dieses heitere Fest ist nicht blos der Ausdruck der Anteil­nahme an einem glücklichen Moment. Es ist ein Ausdruck dafür, daß sich im Laufe der Jahrzehnte zwischen Stadt und Universllät cm immer engeres, herzliches Verhältnis, welches nicht blos für kurze Zell, sondern für alle Zukunft Bestand haben wird. Zum

Ausdruck dessen und unseres DankeS fordere ich die Festversammlung auf, einzustimmen in den Ruf: Unser Herr Bürgermeister, die Herren Stobtverorbneten, unsere Stadt Gießen leben hoch, hoch, hoch!

Im Laufe des Abends wurden dann, wie wir gleich vorweg nehmen wollen, noch zwei Reden gehalten- die des Vertreters Dcj Studentenschaft (Hasso-Rhenania) und des mathematisch-naturwissenschaftlichen Vereins auf die Damen. Es war ein Uebelstand, daß die Redner nur im allerkleinsten Umkreise verstanden werden konnten, doch bedauerten das vielleicht nur die Aelteren; die Jugend fand sich schnell damit ab und tanzte dafür umsomehr. Die Feftkommission hatte zwei Tanzböden auf­geschlagen, die ganz ungewöhnlich start in Anspruch genom­men wurden. In den Tanzpausen wurden Prome­naden, besonders auf dem, leider viel zu schmal gehaltenen Mittelwege gemacht. Sehr viele Pärchen verloren sich auch bis an die äußersten Grenzen des Festbereichs, bedauernd, daß Hier Milllär dem Brnnmeln indes Waldes tiefere Gründe" eine Schranke zog.

Außerhalb des Rayons für Freibrötchen und Freibier, besonders in der' Restauration von Leib hatten sich eben­falls viele Hunderte von Bürgern mit ihren Familien versammelt, die mit der Rolle der Zaungäste umso zu- friedener sein konnten, als zwischen der genannten Restau­ration und dem Festplatze eine lebhafte Kommunikation stattsand. Der große Saal in dem Leib'schen Etablissement war zeitweise überfülltz wohl vorwiegend aus dem Grunde, weil es hier etwas Warmes zu essen und zu trinken gab. Und das letztere tonnten alle diejenigen gebrauchen, die nicht tanzten, oder denen eine lange Promenade zu an­strengend mar. Mit eintretend er Dunkelheit flammte über­all das elektrische Bogenlicht auf, aber es verschwand bei­nahe gegen die zahllosen Lampions, die über allen Tischen in langen dichten Rechen hingen oder, in den Gängen des Festplatzes herumgetragen wurden. Das Bild, das sich dem Beobachter nach 10 Uhr abends hier entrollte, war überaus malerisch. Der Festplatz, angefüllt mit der wogenden Menge, erleuchtet von unzähligen Lampions und dem eigentümlich milden Licht d.er Bogenlampen, die Umgebung durch hohe Bäume, den ganzen schweigenden Wald ein prächtiges Motiv für. einen Maler.

Auch außerhalb Gießens 1)011 en Freunde unserer Stadt det heutigen Fecer gedacht. So sandten die Städte Mar­burg und Trarbach Begrüßungstelegramme. Vom Fi­nanzminister Dr. Gnauth war folgendes Telegramm ein­

gegangen :

Herrn Bürgermeister Mecum, Gießen.

Durch die landständischen Verhandlungen hier zurückgehalten, kann ich zu meinem lebhaften Bedauern nur auf diesem Wege die Stadt und Universität beglückwünschen zu der heutigen Feier und ihrer hocherfreulichen Veranlaffung.

Finanzminister Dr. Gnauth."

Es war selbstverständlich, daß bei der gestrigen Feier auch des Kaisers und des Großherzogs gedacht wurde. Folgende Telegramme wurden an beide Fürsten abgesandt:

An Se. Majestät den Kaiser, Kiel.

Eurer Majestät geloben die zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten an hiesiger Universllät versammelten 2500 Bürger der Universität und der Stadt Gießen in dankbarem Gedenken Eurer Majestät unausgesetzter Fürsorge für das Wohl des deutschen Volkes unwandelbare Treue und Anhänglichkeit.

Im Auftrage:

Mecum, Bürgeruieister.

An Se. Königliche Hoheit den Großherzog, Darmstadt.

Dem Rector magnificentissimus senden die zur Feier der Jmrna- trllulation des 1000. Studenten an der Ludoviciana versammelten 2500 Bürger der Universität und der Stadt Gießen in ehrfurchts­vollem Danke für Eurer Königlichen Hohell unausgesetzte Fürfor^-. um das Wohl unserer Ludoviciana ein jubelndes Hoch.

Im Auftrage:

* Mecum, Bürgermeister.

Aus Darmstadt ist heute folgende Antwortdcpesche ein­getroffen:

Herrn Bürgermeister Mecum, Gießen.

Se. Königliche Hohell dcr G r o ß h e r z o g lassen ber zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten gestern stattgehabten Fest­versammlung für aufmerksame Begrüßung bestens danken und wünschen der alma Ludoviciana auch für die Zukunft von Herzen bestes Gedeihen. vt Ä

Römheld, Geh. Kabinetsrat.

V *

Die Freude über die Feier der 1000. Immatrikulation brachte auch das Gas- und Wasserwerk zum Ausdruck. Im Garten des Werkes an der Gartenftraße erstrahlte am Abend ein mächtiger, das Gießener Stadtwappen mit der Zahl 1000 darstellender, in Hunderten von Flämmchen er­strahlender Gaskörper, der allgemein Beifall erregte.

Den Schluß der offiziellen Feier bildete dcr kurz nach 11 Uhr vom Walde über den Exerzierplatz, die Grünberger- K nach dem Ludwigsplatz sich bewegende Lampionzug, t Länge und Zahl der Teilnehmer den Rachmittags- sestzug übertraf. Es mochten 121300 Lampionträger an dem Heimzuge teilgenommcn haben; wie wir erfahren, hat die Firma Carl Bourgeois, die den Alleinverkauf der Papierlaternen im Walde hatte, ca. 1900 Stück verkauft.

Wie das Fest zu Ende ging? Wer kann das sagen! Für jeden natürlich anders.Die Ritter von der Gemütlich­keit" weilten im Walde bei würdiger Tafelrunde ^wohl vuxra öc apßpoai^, bis zum ersten Male heute früh "Ax-cic aeXiou die Erde lüßte. Manches ionisches Kneiplied in mol wird noch angestimmt worden sein beim Leben spendenden germanischen Göttertranke St. Gambrim, als andere schon längst in ihr Quartier geschwankt waren, ebenso weise und glücklich wie weiland Penelopeias Freier nach köstlichem Gelage und nüchtern wie Sokrates in Platos berühm­testem Dialog.

Heute ist nun wieder der ganze FesteSzauber gebrochen und graue, allzu graue Alltäglichkell um uns her. Unver­gänglich aber bleibt die Erinnerung an dieses Fest, mll dem die Universllätsstadt Gießen ihr zellendurchdauerndes Denknull errichtete chrem tausendsten Studenten.

Kolonialpost.

Das Schicksal der. Mörder von Frau Wolff. Aus Her- bertshöhe wird derWeltkorr." geschrieben: Ein Gefühl allgemeiner Befriedigung macht sich unter den Ansiedlern in hiesiger Umgebung bemerkbar darüber, daß die Mörfder der vor etwa sechs Wochen in Paparatawa, am Fuße des Berges Varzin, Gazellenhalbinsel, erschlagenen deutschen Dame, Frau Wolff, endlich ihre gerechte Strafe und zwar auf folgende Weise gefunden haben: Sell dem bedauerns­werten Vorfälle war die Paparatawalandschaft nebst den angrenzenden Gebieten mll Krieg überzogen, teils, well die Bewohner Helfershelfer bei der Ausführung der Unthat gewesen waren, teils, weil sie den Unmenschen Schlupf

gewährten. Dadurch wurden diese immer .ckge-

trieben und suchten bei einem ihnen [eyj; 9Q8 u me.