Ausgabe 
3.6.1902 Zweites Blatt
 
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Ausland.

London, 2. Fmii. (Unterhaus.) Gibson Bowies Lichtet die Frage an die Regierung, ob sie wisse, daß eine deutsche Streitmacht sich im September 1900 eines Teiles des Gebietes des Ko n go st aates b em äch - tigt und die belgischen Streitkräfte von ihren Poften Ver­trieben habe. Unterstaatssekretär des Aeußern (Lranborne erwidert: Die Mitteilungen, welche wir von der deutschen Regierung erhalten haben, sagen, daß die deutsch^-kongo- staatliche Kommission mit den Vorarbeiten für Festsetzung der Grenze zwischen den deutschen Besitzungen und dem Kongostaat am Kirn-See beschäftigt sei.

Paris, 3. Juni. Ms der Polizeipräfekt Le- biu e gestern nachmittag das Krankenhaus verließ, wo er einen Polizeibeamten besuchte, der bei dem Str aßen krawall verwundet ist, wurde auf ihn aus einem Trupp, der gegen­über dem Krankenhause stand, geschossen. Lepine wurde nicht getroffen. Äe Angreifer flohen.

W i en , 2. Juni. Im Abgeordnetenhause brachte D a s - zynski (Soz.) den Dringlichkeitsantrag ein, die Regier­ung möge ungesäumt Aufklärungen über die heutigen Straßenexzesse in Lemberg geben. (Vergl.Ar­beiterbewegung". D. Red.) Daszynsrr nennt die Regier­ung ein Ministerium der Massenmorde. Die öster­reichische Armee sei immer mutig vor dem Feinde geflohen und habe ihre Flintenläufe unverschämiterweise gegen die Brust des Vol­kes gekehrt. (Widerspruch und Zwischenrufe; Redner erhält den Ordnungsruf.) Ministerpräsident v. Körber erüärt, er habe keine Nachrichten und wisse nicht mehr, als was in den Zeitungen stehe; es sei deshalb vor­eilig, Angriffe gegen die Regierung zu erheben. Die Regierung finde gewiß nicht ein Vergnügen darin, die Ordnung mit derartigen Mitteln aufrecht zu erhalten. (All- seitige Unruhe.) Abg. Fr es l erklärt, wenn ein Staat nur durch Bajonette und Flinten gegen die eigenen Volks­genossen aufrechterhalten werden tonne, so verdiene er nicht ausrechterhalten zu werden. Abg. Duszynski erklärt im Schlußwort, der Ministerpräsi­dent sei in derartigen Fällen nie genügend unterrichtet. Aus dem Polizeibericht gehe hervor, daß sechs Husaren durch Steinwürfe verwundet, drei Arbeiter durch Gewehr­schüsse schwer und 20 leicht verwundet seien. Es sei also jedenfalls geschossen worden. Die Dringlichkeit des An­trages wird hierauf angenommen.

Budapest, 2. Juni. Der griechisch-katholische Bischof von Großwardein, Michel Pawel, ist gestorben.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 3. Juni 1902.

* S tudentische Bewegungsspiele. Wie uns mitgeteilt wird, sind die Vorarbeiten nächstens beendet, den hiesigen Studierenden Gelegenheit zu körperlichen Spielen zu geben. Die Anregung dazu haben, wie bekannt, eine Anzahl Männer gegeben, und an alle Universitäten das Ersuchen gestellt, da­hin zu wirken, daß durch regelmäßige Spiele ein Gegen­gewicht gegen das einseitige geistige Arbeiten geschaffen werde. Mehrere unserer Profefforen haben eine Kommission gebildet, und unter Führung eines erfahrenen Spielleiters sollen die Spiele nächstens auf dem Trieb ihren Anfang nehmen. Wir wünschen, daß die Studenten diese Gelegenheit ergreifen und sich in möglichst großer Zahl beteiligen. Eine offizielle An­kündigung des Beginns der Spiele wird nächstens erfolgen.

** T as Regierungsblatt enthält folgende Abänderung des Abschnitts 9 (von der Habilitation) des Statuts über die Organisation unserer Landesuniversität, die alsbald in Kraft tritt.

§ 46. Wer sich bei einer Fakultät als Privatdozent habili­tieren will, hat an die Fakultät ein Gesuch zu richten, in welchem das Fach oder die Fächer bezeichnet sind, über die er zu lesen ge­denkt. Dem Gesuch müssen beiliegen: 1. das Zeugnis der Reife für die Universität; 2. die Abgangszeugnisse der besuchten Hoch- schulen^ 3. das Lizentiaten- oder Doktordiplom der entsprechenden Fakultät einer staatlichen Universität mit deutscher Amtssprache; 4. ein in deutscher Sprache abgefaßter Lebenslauf; 5. eine druck- würdige Habilitationsschrift; 6. drei Vorschläge für das Thema einer Probevorlesung. Die Vorlegung einer Habilitationsschrift kann von der Fakultät erlassen werden, falls der Bewerber bereits eine oder mehrere wissenschaftliche Abhandlungen veröffentlicht hat. Hat der Bewerber die venia legendi für das Fach, für das er sich meldet, bereits früher besessen, so kann die Fakulultät Habilitations­schrift und Probevorlesung erlassen.

§ 47. Die Fakultät beauftragt ein oder mehrere Mitglieder mit der Erstattung eines Vortrags über das Gesuch. Nach An­hörung des Vortrags beschließt die Fakultät über die Zulassung des Bewerbers und bestimmt im Falle der Zulassung, über welches von den drei vorgeschlagenen Themen eine Probevorlesung gehalten werden soll. Die Probevorlesung wird vor versammelter Fakultät gehalten; alle Dozenten der Universität sind dazu von dem Dekan einzuladen. Tie Fakultät kann auch die Zulassung voller Oeffent- lichkeit beschließen.

§ 48. Falls die Fakultät es nicht für unnötig erklärt, wird mit dem Bewerber ein Kolloquium veranstaltet. Die Reihenfolge, in der Kolloquium und Probevorlesung slattsinden sollen, bestimmt die Fakultät. Geht das Kolloquium der Probevorlesung voraus, so ist der Bewerber zur letzteren mir zuzulassen, wenn die Fakultät das Ergebnis der ersteren für genügend erachtet. Ist dies nicht der Fall, so ist die Bewerbung abzulehnen.

§ 49. Erklärt die Fakullät die Leistungen des Bewerbers für ausreichend, so beantragt sie bei dem Gesamtsenat die Erteilung der venia legendi. Ist der Gesamtsenat mit dem Antrag einver­standen, so erteilt der Rektor im Namen der Universität die venia legendi and macht davon dem vorgesetzten Ministerium unter Bei­fügung einer Abschrift des Lebenslaufs Anzeige.

5 50. Die venia legendi wird erst erteilt, wenn der Bewerber Abdrucke der Habilitationsschrift in der bei der Fakultät vorge­schriebenen Anzahl an das Universitäts-Sekretariat abgeliefert hat. Auf dem Titel der Abdrücke ist die Schrift als eine der Universität Gießen vorgelegte Habilitationsschrift zu bezeichnen. Die Bestimm­ungen über Anzahl und Verwendung der Abdrücke werden von den Fakultäten getroffen.

§_&1. Ter Privatdozent soll seinen ausschließlichen Wohnsitz n Gießen haben. Ausnahmsweise kann der Gesamtsenat einen beftnnmten anderen Wohnsitz dauernd oder auf Zeit gestatten, wenn der Dozent darum nachsucht und die Fakultät es be­fürwortet.

$ 52. Wenn ein Privatdozent ohne eine von der Fakultät für ausreichend erachtete Entschuldigung in zwei aufeinanderfolgenden Semestern keine Vorlesung aus dem ihm zustehenden Lehrgebiet anzeigt, ko hat die Fakultät darüber Beschluß zu fassen, ob die Ent­ziehung der venia legendi bei dem Gesamtsenat zu beantragen sei.

. § 58. Die Privatdozenten unterstehen der Disziplin der ^andesunwersitat, die vom Engeren Senat gehandhabt wird. Tis- ziplnmrmittel sind: Verivarming, Verweis, Entziehung der venia legendi. Tie Entziehung der venia legendi kann vom Engeren Senat nur nach Anhörung der Fakultät beantragt und nur vom Qmi'eiI-ot .beschlossen werden. Besitzt der Prioatdozcnt einen vom Ministerium erteilten Lehrauftrag, so bedarf die Entziehung der venia legendi bet Bestätigung durch das Ministerium.

..8 54. Von dem Ausscheiden eines Privcudozenten ist dem Wimfleruun Anzeige zu machen.

§ 55, Aus ihrer Stellung geschiedene ordentliche und außer­ordentliche Professoren der Landesuniversität sind berechtigt, auf dem von ihnen früher vertretenen oder einem damit verwandten Gebiet eine Lehrthätigkeit an der Landesuniversität auszuüben, so­fern die zuständige Fakultät und der Gesamtsenat sich dafür er­klären und das Ministerium die Genehmigung erteilt

* Lotterie. Bei der heutigen Ziehung der 3. Klasse der Hessischen Landeslotterie fiel ein Gewinn von 3000 Mk. auf Nr. 19338 (nach Mainz), zwei Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 14547 (nach Groß-Umstadt) und 29233 (nach Darm­stadt), vier Gewinne von je 400 Mk. auf Nr. 1843 4128 23011 37920, acht Gewinne von je 300 Mk. auf Nr. 536 4142 19624 17210 25497 40123 45833 53105, sechs Ge­winne von je 250 Mk. auf Nr. 2211 3731 43332 46465 53260 54759, 35 Gewinne von je 200 Mk. auf Nr. 826 1074 2757 2760 3513 4473 9487 10173 10338 11334

12328 13466 15368 15559 15922 16814 17384 19230

20155 20630 22694 27246 27783 29919 31456 32559

34173 36365 36729 37240 37636 39300 48543 51554

54597. (Ohne Gewähr.)

** Einen schlimmen Ausgang nahm ein Wortwechsel, der sich gestern abend gegen 9 Uhr zwischen den Familien eines Schau­buden- und eines Carruosselbesitzers auf derSchönen Aus­sicht" entspann. Der Streit artete in Thätlichkeiten aus. Hierbei wurde die Ehefrau des Schaubudenbesitzers mittelst eines gefährlichen Werkzeuges derart am Kopfe verletzt, daß sie in die Klinik gebracht werden mußte. Nach Angabe des Arztes ist die Verletzung lebensgefährlich. Der Thäter sowie sein Sohn wurden verhaftet.

** Tätlicher Sturz. Gestern nachmittag stürzte der Dach­decker Karl Klingelmeier von hier, der bei einem Meister in Butzbach beim dortigen Kasernenneubau beschäftigt war, ab. Er war sofort tot.

* Unfall. Auf dem Rudolfsplatz in Marburg fuhr am Sonntag ein Radfahrer aus Treihausen einen jungen Mann aus Gießen, der eine Radtour nach der Nachj- barstadt gemacht hatte, derart an, daß der junge Mann hinstürzte und ein Bein bra ch. Gr wurde in die Mar> burger Klinik gebracht

* * Allg emeiner hessischer Katholikentag. Der Landesausschuß der hessischen Zentrumspartei beschloß in feiner letzten Sitzung, dem demnächst in Darmstadt zur Vorbereitung der Landtagswahlen zusammentretenden Landeskomitee die Abhaltung eines Allgemeinen hessischen Katholikentags in Mainz in diesem Jahre in Vorschlag zu bringen.

* * Verein der Richter im Großherzogtum Heffen. Unserem gestrigen kurzen Bericht über die Hauptversammlung des Ver­eins sei noch folgendes nachgetragen: Die Beratungen er­streckten sich über innere Vereins- und Standesangelegen- heiten und zeigten, daß in allen Richterkreisen volle Ein­mütigkeit hinsichtlich der Wahrung der Standesinteressen be­steht. Der seitherige Vorstand, dessen Mandat abgelaufen war, wurde durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Landgerichtsrats Seeger (Gießen) wurde Landgerichtsdirektor Bücking (Gießen) neugewählt. Erfreulich war für die Anwesenden zu hören, daß die vom Verein herausgegebene Fachzeitschrift Hessische Rechtsprechung" in der besten Entwickelung be­griffen ist, fortwährend an Abonnentenzahl zunimmt und dank der umsichtigen Leitung des Oberlandesgerichtsrats Keller einen guten Ruf in der juristischen Welt sich er­worben hat.

* * Gauturnwart Volp. Schneider. Gestern wurde der Turnlehrer und Gauturnwart Volp. Schneider in Mar­burg unter großer Beteiligung der Bürgerschaft, sowie der Turner des Gaues Hessen zur letzten Ruhe gebettet. Jahr­zehnte versah Schneider den Posten eines Gauturnwarts. Er war ein eifriger Mitarbeiter an der Turnsache sowohl im Mittelrheinkreis wie in der deutschen Turnerschaft überhaupt. Auch in seiner Vaterstadt Marburg stand er in hohem An­sehen; erteilte er doch beinahe 30 Jahre als Turnlehrer der Marburger Jugend den Turnunterricht. Seine Verdienste um die Turnsache sichern ihm ein bleibendes Andenken.

Wißmar, 2. Juni. Die Bäckerei von Georg Schneider hier ging durch Kauf für 8000 Mk. in den Besitz des Metzgermeisters Heinrich Abel hier über. Abel beabsichtigt, das Hans umbauen zu lassen und einen schönen Laden ein­zurichten. Er will das Geschäft bedeutend vergrößern und eine Feinbäckerei errichten.

Grünberg, 2. Juni. Am Samstag und Sonntag fand in unserem Städtchen der gutbesuchte Delegiertentag der KriegerkameradschaftHassia" statt. Eingeleitet wurde die Festlichkeit durch einen Kommers am Samstagabend, bei dem außer Reden und Musik-Vorträgen besonders zur Verherr­lichung des Abends die lebenden Bilder viel beitrugen. Die geschäftlichen Angelegenheiten, die Sonntag früh im Gasthaus Zum Rappen" stattfanden, nahmen ungefähr vier Stunden in Anspruch und fanden ziemlich glatte Erledigung. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war die vom Präsidiunt beantragte Gründung einer eigenen achttägig erscheinenden Zeitung vom 1. Januar 1903 ab, die einstimmig gutgeheißen wurde. Als Ort des nächsten Delegiertentages 1903 be­stimmte die Versammlung Bingen.

Darmstadt, 2. Juni. Die endgiltige Abrechnung über die Ausstellung der Künstlerkolonie 1901 ergiebt ein Defizit von 252 288 Mk. Da der Garantiefonds 262 800 Mark beträgt, so müssen die Garantiezeichner 96 pCt. des ge­zeichneten Betrages zahlen. Das große Defizit überrascht um jo mehr, als die Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Festen und Konzerten 58 000 Mk. mehr betrugen, als veranschlagt worden war. Die Mindereinnahme aus der Lotterie betrug 44 520 Mark (10 480 Mk. gegen 55 000 Mk. i. V.). Das Defizit setzt sich zusammen aus 162 640 Mk. Mehrausgaben und 69 648 Mk. Mindereinnahmen.

b. Mainz, 2. Juni. Bei dem Regiments-Exerzieren auf demGroßen Sande" stürzte heute morgen Hauptmann Bo rn- staedt vom 87. Jnf.-Regiment vom Pferde und zog sich gefährliche Verletzungen zu. Er mußte vom Platz getragen werden.

Mainz, 1. Juni. Ter neue Polizeirat von Mainz, Herr Dr. Obstfelder aus Chemnitz, tritt heute in sein Amt ein und wurde vormittags auf dem Kreisamt verpflichtet. Unter den Bewerbern um die Direktion des Mainzer Stadttheaters soll sich, wie man derFrkf. Ztg." mitteilt, auch Ernst v. Wolzogen befinden.

Woims, 1. Juni. Die letzte Stadtverordnetenversamm­lung beschäftigte sich mit der Protestresolution, die

eine Anzahl hessischer Städte gegen den Beschluß der Zoll^ tarifkommission, die kommunalen Abgaben auf zoll-' pflichtige Nahrungsmittel (Getreide, Hülsenfrüchte, Mühlenfabrikate, Backwaren, lebendes Vieh, Fleisch- und Fleischwaren) vom 1. April nach Einführung des Zolltarif­gesetzes aufzuheben, an das Staatsministerium und den Reichstag verfaßt haben. In der Resolution wird die Zu­lässigkeit einer derartigen gesetzgeberischen Maßnahme bestritten, weil sie einen Eingriff in die Selbstverwaltung der Städte bilde und eine schwere finanzielle Schädigung Hervorrufen ivürde. Oberbürgermeister Kühler meinte, daß man nicht zu erörtern brauche, ob es sozialpolitisch richtig oder unrichtig sei, ein städtisches Oktroi zu erheben. Jedenfalls rede in die Frage, wie eine Stadt ihre Ausgaben zu decken habe, eine Korporation hinein, die nach der Ueberzeugung der Städte hier nicht mitzusprechen habe. Die Oktroieinnahme für Fleisch betrage in Worms jährlich 103 200 Mark. Dieser Ausfall tvürde die Kommunalsteuern um 10 Prozent er­höhen. Um sich davor zu schützen, schloß fick die Stadt Worms, da sich kein Widerspruch erhebt, der Protestreso­lution der hessischen Städte an.

Schwabsburg, 1. Juni. Das heute hier abgehaltene 23. Kirchengesangfest des Evangelischen Krrchen- gesangvereins für Hessen nahm, vom Wetter be­günstigt, unter zahlreichster Beteiligung der rheinhessischen Bevölkerung einen ausgezeichneten Verlauf. Nachdem um i/2ll Uhr unter Leitung des Kirchenmusikmeisters A. Mendels­sohn die Hauptprobe stattgefunden hatte, folgte die Haupt­versammlung des Hess. Kirchengesangvereins für 1902, bei welcher Oberkonsistorialrat D. Flöring von Darmstadt den Vorsitz führte. Nachmittags 1/13 Uhr fand ein erhebender Festgottesdienst statt, worin Pfarrer Grünewald von Mainz die Festpredigt hielt; eine von vielen Hunderten besuchte Nachversammlung im Freien beschloß am Nachmittag das schöne Fest.

Frankfurt a. M., 2. Juni. Heute Mittag brach in dem in Fachwerk erbauten Fabrik- und Lagergebäude der Firma Markus u. Co., Fabrik chemisch-technischer Produkte, Spe­zialität Oele, Obermainstraße 31, im Hofe Großfeuer aus, das das Gebäude nebst allen darin enthaltenen leicht brenn­baren Vorräten in kurzer Zeit völlig vernichtete. Das etwa 25 Meter lange, zweigeschossige Gebäude lag inmitten alter Holzbauten, direkt neben den Stallungen der Firma Neumond, deren Baulichkeiten auch stark bedroht waren. Die Feuerwehr beschränkte sich darauf, die Nachbarschaft zu schützen und den auf einige Nachbarbauten übergreifenden Brand zu löschen, da an eine Rettung des brennenden Ge­bäudes, in dem Oele und Fett lagerten, nicht zu denken war. Als Entstehungsursache wird angegeben, daß ein Arbeiter beim Hantieren mit einem Petroleumkocher vermutlich durch Unvorsichtigkeit eine Explosion herbeiführte. Gebäude und Vorräte sind versichert. Der Schaden wird auf rund 100 000 Mark geschätzt. Im Frankfurter Stadtwalde kam es in der Nacht zum Sonntag zu einer gefährlichen Schlägerei, in deren Verlauf der Ingenieur einer hiesigen Baugesellschast sowie seine Frau von Arbeitern der GesellschaftNaxos- Union" schwer mißhandelt wurden, besonders die Frau in nicht wiederzugebender Weise. Der Streit soll dadurch her­vorgerufen worden sein, daß dem einen der Arbeiter, namens Linsner, von den Hunden, die der Ingenieur bei sich hatte, die Kleider zerrissen wurden.

Montabaur, 2. Juni. Die Sozialdemokraten stellen bei der bevorstehenden Reichstagsersatzwahl wieder Vetters- Gießen als Kandidaten auf.

Ems, 2. Juni. Die Uebersiedelung der Königin Wilhelmina nach Schloß Schaumburg wird durch den Hofmarschall Baron Clifford und einen Kamm er Herrn der Königin-Mutter vorbereitet. Die Herren trafen bereits hier ein. Sie besichtigten die Räumlichkeiten in Schloß Schaumburg und kehrten heute vorläufig nach dem Haag zurück. Der 11. Juni ist als das Datum der Uebersiedelung der Königin Wilhelmina nach Schloß Schaumburg in Aus­sicht genommen. Die Königin wird von dem Prinz- Gemahl und der Königin-Mutter beglettet tver- den. Die hohen Herrschaften, der zahlreiche Hofstaat, die Pferde, Equipagen, Kücheneinrichtungen usw. werden in zwei Extrazügen befördert. Schloß Schaumburg wurde 1850 von dem damaligen Inhaber der Grafschaft Schaum­burg, dem Erzherzog Stephan von Oesterreich, der den Titel Fürst von Schaumburg annahm, auf einem Berge im Südwesten von Diez erbaut. Der Erzherzog Stephan derWohlthäter und Vater des Lahnthales" resi­dierte dort von 1848 bis 1866 und machte das 1850 in moderner Gothik durch Boos ausgebaute Schloß zum Glanzpunkt des Lahnthales. Die Schaumburg ist von herr­lichem Hochwald und Gartenanlagen umgeben. Nach dem Tode des Erzherzogs Stephan fielen beide Grafschaften an den Prinzen Georg Ludwig von Oldenburg. Jetzt gehören die Grafschaften sowohl wie die Schaumburg dem Fürsten von Waldeck, dem Bruder der Königin-Mutter der Niederlande, der einen Prozeß gegen den Prttizen von Oldenburg anstrengte, der 1887 zu seinen Gunsten ent­schieden wurde. (Interessante weitere Angaben über das Schloß findet man in dem im Vorjahre bei Emil Roth in Gießen erschienenen vortrefflichen BucheDas Lahn­thal" von H. Lürssen, das wir auch heuer allen Wander­lustigen als besten Ratgeber empfehlen. D. Red. des Gieß. Anz.")

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Im Palasthotel Fürstenhof in Frankfurt a. M. wollte am Samstagnachmittag der 26 Jahre alte Hausdiener Ernst Löhel im Kellergeschoß das Betriebsdrahtseil des im Par­terre haltenden Gepäcklists lockern. Der Fahrstuhl sauste in­folgedessen in die Tiefe und erdrückte den untenstehenden Löhel. Der Unglückliche erlitt außerordentlich schwere Ver­letzungen: einen Beckenbruch, einen Oberschenkelbruch, mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen. Trotzdem blieb er bei vollem Bewußtsein. Er wurde im Rettungswagen nach deni Bürgerspital gebracht, wo er nach einer halben Stunde starb.________________________________________

Landwirtschaft.

Kaiserslautern, 2. Juni. Bei dem gestrigen Empfangsabend der W a n d e r v e r s a m m l u n g der b a p e r i s ch e n Land­wirte wies P r i n z Lu d w ig uon Bayern in einer längeren Ansprache ans die vielen großen Fortschritte hin, welche die Landwirtschaft in den letzten 30 Jahren gemacht habe, und betonte die Notwendigkeit, daß alle erwerbenden Stände zusammen- wirken müßten. Weder die Industrie, die jetzt schwere Zeiten habe, dürie den Mut verlieren, noch die Landwirtschaft. Alle sollten