lose Kapitulation aller Buren-Kommandanten voranzugehen habe. Lord Kitchener sei angewiesen, vorläufig über keinen anderen Punkt in Verkehr mit den Buren zu treten. Tas einzige Zugeständnis, zu dem die englische Regierung geneigt wäre, bestände in einer Abänderung der Verbaunungs -Proklamation in dem Sinne, daß denjenigen Burenführern, die den Treueid leisten, gestattet würde, im Laude zu bleiben. Man erklärt in London, es wäre blos zum Schaden der Buren, wenn deren Führer der englischen Versicherung keinen Glauben schenken, daß man Geldhilfe zur Beseitigung der Kriegsverheerungeu leisten werde und den Buren soweit als möglich Autonomie gewähren wolle.
Unter diesen Umständen ist wenig Hoffnung auf baldige Ginstellung der Kämpfe vorhanden, vielmehr muß mau annehmen, daß Sterjn, Tewet und Delärey die englische Zumutung schroff von sich weisen werden. Ob Schall Burger dann seine in bester Absicht übernommene Vermittlerrolle weiter spielen oder aufgeben wird, ist eine Frage von untergeordneter Bedeutung, da die Engländer mit ihm allein keine wirksame Abmachung treffen können. In Utrecht beschloß bereits eine Konferenz der Burenführer, an der vollständigen Unabhängigkeit der Buren unerschütterlich festzuhalten.
Ter aus Amerika zurückgekehrte Buren-Delegierte ^Wolmarans ist im Haag eingetroffen. Wessels wird am Freitag zurückerwartet.
Tas-' englische Kriegsmini st erinm verwei- gerte dem französischen Deputierten Ville- vois'Mareuil, einem Bruder des im Transvaalkrieg gefallenen Oberst Villeüois Maveuil, eine Rote-Kreuz- Ambulanz zu entsenden. Die Weigerung wird damit degründet, daß es im Hinblick auf früher gemachte Erfahrungen unmöglich sei, von dem Personell derartiger Ambulanzen die Bürgschaft zu erlangen, daß dasselbe chei gegebener Gelegenheit keine Mißbräuche sich zu Schulden kommen lasse. Tas französische Rote Kreuz hatte dem Unternehmen Vlllebois Mareuil seine Unterstützung Mgesagt.
Der 31. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie.
Berlin, 2. April.
Ter 31. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Chirurgie heute zusammengetreten.
In seiner Eröffnungsrede gedenkt der Vorsitzende, Prof. Kocher aus Bern, der im verflossenen Jahre verstorbenen Mitglieder v. Coler-Berlin, Heinecke-Erlangen, McCormac- London, Julius Wolfs-Berlin, Löhlein-Gießen, Scheuch ardt-Stettin, Langenbach-Berlin und Steltzner-Dresden. — Den lebhaftester: Beifall des Kongresses sand der Antrag des Ausschusses, die Mitglieder v. Bergmann-Berlin, 'König-Berlin, sowie die ausländischen Chirurgen ;Guy o n-Paris, McEwen-Glasgow, Ke en-Philadelphia und Durante-Rom zu Ehrenmitgliedern der Gesellschaft zu ernennen.
Die in den letzten Kriegen, besonders in dem südafrikanischen Kriege erzielten Erfahrungen über die Wirkung der kleinkalibrigen Geschosse und die daraus sich ergebenden Grundsätze für die Anlegung des ersten Verbandes auf dem Schlachtfelde bildeten den Gegenstand des von v. Bruns-Tübingen gehaltenen Vortrages. Die Erkenntnis, daß die durch die modernen Feuerwaffen verursachten Wunden, dank der Kleinheit des Geschosses und der meist sehr lleinen Ein- und Ausschußöffnung, eine große Neigung zur Spontanheilung besitzen, bricht sich immer mehr Bahn. Dementsprechend hat sich die streng konservative aseptische Methode, d. h. die sofortige Bedeckung der Wunde mit dem aseptischen (keimfreien) Verband, unter absoluter Vermeidung von Erweiterungen, Sondierungen, Kugelextraktionen, Irrigation der Wunde, zur Normalmethode entwickelt. Und in tausenden von Fällen, selbst bei Knochenverletzungen, hat sich dies Prinzip als überaus segensreich für die Verletzten erwiesen. — Bertel sm ann-Ham- burg und Küttner-Tübingen, welche als Aerzte der deutschen Ambulanz vom Roten Kreuz in Südafrika thätig waren, bestätigten diese Erfahrungen: Die kleine Hautwunde, der enge Schußkanal begünstigten in hohem Grade die schnelle -Verschorfung und Vernarbung, gleichviel, ob das kleine Geschoß im Körper stecken geblieben ist oder nicht. Dagegen haben die meisten durch Granatsplitter re. verursachten größeren Wunden fast stets zur Eiterung und zu weiteren Komplikationei: geführt. Entscheidend für das Schicksal des Verletzten ist die sofortige sachgemäße Anlegung des ersten Verbandes und die sorgsame Ueberwachung des Transportes des Verletzten. Alle Redner erkennen übereinstimmend an, daß v. Bergmann das große Verdienst gebührt, das Prinzip der konservativen aseptischen Behandlung der Schußwunden durch sein kühnes Vorgehen im russisch-türkischen Kriege als Erster erkannt und mit Erfolg durchgeführt zu haben. Durch Vorstellung von zwei Schußverletzungen aus der Friedenspraxis zeigt v. B e r g m a n n, wie zahlreiche Schrotkugeln bezw. Bleikugelsplitter vollständig reaktionslos, nach Ausweis einer Röntgenaufnahme selbst zwischen den zersplitterten Knochen ohne Beeinträchtigung der Funktion ein- I)eilen können, und Trendelenburg- Leipzig ist in der Lage, einen jungen Mann vorzustellen, bei welchem eine in selbstmörderischer Absicht in das Herz geschossene Kugel in der rechten Herzkammer eingeheilt ist. Bei Durchleuchtung mit dem Röntgenapparate sieht man deutlich, wie die Kugel mit dem Herzen sich hin- und herbewegt. Tie Litteratur verfügt über 19 derartige Fälle von Einheilung von Geschossen im Herzen. — Eine Sonderstellung nehmen in dieser Beziehung allerdings die Bauchschußverletzungen ein, welche fast stets mit einer Verletzung der Baucheingeweide einhergehen. Der Austritt von Darminhalt in die Bauchhöhle führt, wie aus den Mitteilungen von Hildebrandt-Berlin aus dem südafrikanischen Kriege hervorgeht, in 50—70 Proz. der Fälle zur tötlichen Bauchfellentzündung. Die operative Behandlung dieser Darmverletzungen durch Bauchschnitt hat im Burenkriege nur schlechte Resultate ergeben, während doch erfahrungsgemäß im Frieden die operativen Erfolge sehr günstige sind. Dieser Unterschied erklärt sich ohne weiteres aus den ungünstigen Bedingungen, unter welchen die im Felde Verletzten meist erst wenige Tage nach der Verletze ung zur Operation kommen. Also auch bei Bauchverletzungen wird int Felde die konservative Methode vorläufig die Normalmethode bleiben müssen.
Die Nachmittagssitzung war der Behandlung der Knochenerkrankungen und Knochenverletzungen gewidmet. — Nölker-Heidelberg und Lane- London berichteten zunächst über die Erfolge der Behand- lm:g frischer, schwerer Knochenbrüche mittelst primärer, Trahtvereinigung der Bruchenden nach operativer Freilegung der Bruchstelle. Aus der Diskussion, welche sich an diese Borträge schloß, ging hervor, daß diese nicht ungefährliche Methode nur in den seltenen Fällen hartnäckiger, auf
andere Weise nicht zu beseitigender Verschiebung der Bruchenden in Frage kommen kann. Derartigen schwer zu beseitigenden Verschiebungen der Bruchenden begegnet man namentlich bei Knochenbrüchen in der Nähe der Gelenkenden, ferner an der Kniescheibe, dem Ellenbogen und am unteren Teile des Unterschenkels. — 9hir Kocher- Bern empfiehlt einen ausgiebigeren Gebrauch von der Knochennaht zu machen.
Ein Vortrag von Honsell-Tübingen beschäftigte sich mit den Methoden,, welche nach Amputationen die Erzielung einer möglichst guten Tragfähigkeit des Stumpfes erstreben. Zum Schluß berichtete Sultan-Göttingen über die von ihm angestellten Versuche, tote Kirochenstücke in die Weichteile zu übertragen und einzuheilen.
* » •
Auf die Verhandlungen des Chirurgen-Kongresses richtet sich die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise. Es hat für den Laien etwas Beruhigendes — abgesehen von der Bereicherung des Wissens —, Kenntnis zu nehmen von den enormen Fortschritten der Chirurgie. Gerade die deutschen Operateure nehmen einen hohen Rang ein, nicht nur wegen ihrer technischen Geschicklichkeit, «für die das Wort „unmöglich" kaum existiert, sondern.vor allem auch wegen der peinlichen Gewissenhaftigkeit der Ausführung. Zahlreich sind die Fälle, in denen die Hilfeleistung hervorragender deutscher Chirurgen vom Auslände her erbeten wird, ein Beweis, wie hoch man dort Männer wie Prof, v. Bergmann u. a. 'schätzt. Der umgekehrte Fall, daß von Deutschland aus der Ruf tan eine Kapazität des Auslandes ergeht, dürfte sehr selten sein. Die Berichte über den Verlauf des Chirurgenkongresses tragen hoffentlich dazu bei, Vorurteile, die hier und da in der Bevölkerung gegen die Chirurgie bestehen, vernünftigen Anschauungen weichen zu lassen. Man hört zuweilen selbst von gebildeten, unterrichteten Leuten mit starkem Eifer 'behaupten, es werde viel zu viel operiert; der Chirurg, je größer seine Gewandtheit und seine Praxis sei, neige dazu, seine Kunst zu bethätigen, auch wenn das Leiden nicht unbedingt die Operation erfordere. Ja, man hat sogar von einer „Schneidewut" gesprochen, mit dem bedauerlichen Erfolg, daß oftmals Patienten, denen ein chirurgischer Eingriff zur rechten Zeit sichere Rettung gebracht haben würde, entweder die Opera- tion ganz verwehrten oder so lange warteten, bis es zu spät war. Es sind bereits in der heutigen ersten Sitzung des Kongresses mehre Beispiele demonstriert worden, woraus gerade das Bestreben der Chirurgen hervorging, den operativen Eingriff zu vermeiden, der Natur die Heilung einer ernsten Verwundung zu überlassen. Solche Beispiele widerlegen am besten das gänzlich unbegründete Mißtrauen gegen den Chirurgen. Sehr interessant sind die Mitteilungen über die aus dem Schlachtfelde gewonnenen Erfahrungen, zumal durch eine Autorität ersten Ranges wie Professor v. Bruns-Tübingen. Der südafrikanische Krieg hat, nach Professor v. Bruns, einen „mächtigen Umschwung der wissenschaftlichen Anschauungen" bewirkt, insofern namentlich, als sich die Unzweckmäßigkeit der Wund-Desinfektion herausgestellt hat, während die Hauptsache sei, die Wunde nachträglich rein von Keimen zu erhalten. Nicht nur der Arzt, auch der Laie wird aus den Erörteungen der Fachmänner manche Anregung und Belehrung schöpfen.
Aus Stadt uud Saud.
Gießen, den 3. April 1902.
* * Der Beigeordnete Wolff verläßt demnächst unsere Stadt. Er wurde am 2. April vom Großherzog zum Kreisamtmann in Worms mit Wirkung vom 1. Mai an ernannt. Das Ausscheiden des Herrn Wolff aus dem Verwaltungsdienst der Stadt Gießen, wird bei allen, die mit ihm in seiner Stellung als Beigeordneter sowohl, wie in per- önlichem Verkehr zu thun hatten, lebhaft bedauert. Seine ersprießliche Thätigkeit, besonders auf dem Gebiete des Armenwesens, im Gewerbegericht, sowie seine erfolgreichen Be- 'trebungen zur Hebung der Gießener Märkte haben ebenso Anerkennung gefunden, wie die Umsicht und Sachkenntnis, mit der er nach dem Weggang des Oberbürgermeisters Gnauth die Geschäfte der Bürgermeisterei führte. Herr Wolff wurde am 5. Juli 1895 zum besoldeten Beigeordneten gewählt und nach der am 22. desselben Monats erfolgten Bestätigung, am 20. August 1896 in sein Amt eingeführt. Vorher versah er die Stelle des Polizei-Kommissars der Stadt Gießen.
* * Versetzung. Der Postsekretär Henning ist nach Oppeln in Schlesien versetzt worden. Seine zahlreichen Freunde und Bekannten sehen den Beamten ungern von hier scheiden, war er doch während seiner langjährigen Thätigkeit hier nicht nur ein überaus gefälliger und zuvorkommender Beamter, andern er war auch besonders als liebenswürdiger Gesell- chafter beliebt.
• * Gießener Pferdemarkt. Der heutige Pferdemarkt war mit etwa 400 Tieren, meistens Gebrauchspferden, befahren. Der Handel war im Hinblick auf den in der Landwirtschaft eingetretenen Bedarf an Arbeitspferden ziemlich lebhaft. Die Anmeldungen zur Prämiierung waren so zahlreich eingelaufen, daß die Prämiierungskommission lange über die festgesetzte Zeit hinaus beschäftigt war. Es erhielten Preise für:
1. Reitpferde:
Anton Bröckel Il.-Kirchgöns 50 Mk., Stallmeister Creutz- bnrg-Gießen 30 Mk.
2. Wag en sch läge (paarweise): Gebr. Löwenthal-Friedberg, 100 Mk.
3a. Schwere Arbeitsschläge (paarweise):
S. Michel-Gießen 80 Mk. Seligmann Salomon-Wetzlar 60 Mk. S. Michel-Gießen 40 Mk. Simon Kaufmann-Niederweisel
3b. Leichte Arbeitsschläge (paarweise):
A. Bing-Lich 60 Mk. Simon Kaufmann-Niederweisel 40 Mk. Aug. Frensdorf-Gießen 30 All. S. Michel-Gießen 20 Mk.
4a. Schwere Arbeitsschläge (einzeln):
S. Michel-Gießen 30 Mk. Aug. Frensdorf-Gießen 20 Mk.
4b. Leichte Arbeitsschläge (einzeln):
Simon Kaufmann-Niederweisel 30 Mk. Levi Kausmann- Niederweisel 20 Mk.
5a. Arbeits sch läge, einzelne (für Mitglieder des Pferdezuchtvereins uno des landwirtschaftlichen Vereins).
August Dietz-Niederweisel 50 Mk. Konrad Volp-Niederweisel 30 DU. Johs. Keßler-Großlinden 20 Mk. Johs. Faber-Leihgestern 15 Mk. Rudolf Weiß-Hofgraß 10 Mk. Hermann Wilhelm Stras- Heim-Griedel 10 Mk. Heinr. Harnack-Kirchgöns 10 All.
5b. A r b e i t s s ch l ä g e (paarweise).
Joh. Keßler-Gr.-Linden 20 Mk. Hermann Konrad Strasheim- Griedel 20 Mk. Heinr. Herzberger-Gießen 15 Mk. Wilh. Müllerll- Geilshausen 10 Mk.
6a. 3jährige Fohlen.
PH. Rock-Hattenrod 50 Mk. Ph. Müller-Oberhörgern 40 Mk. Karl Heil - Butzbach 30 Mk. Jakob Reuter-Niederweisel 30 Mk. Wilh. Kinzenbach-Münchholzhausen 20 Mk.
6b. 2jährige Fohlen.
Wich. Gg. Straßheim-Griedel 40 Mk. Kaspar Klingelhöffev- Fortbach 30 Mk. August Dietz-Niederweisel 30 Mk. Melch. Wallbott-Garbenteich 20 Mk. August Dietz-Niederweisel 10 Mk. Wilh, Müller-Oberhörgern 10 Mk.
7a. Zuchtstuten mit Fohlen.
Heinrich Marx-Niederweisel 75 Mk. August Dietz-Niederweisel 50 Mk. Fritz Fenchel-Griedel 30 Mk. Jae. Reuter V.-Niederweiset 10. Mk. Wich. Viani-Münchholzhausen 10 Mk.
7b. Gedeckte Mutterstuten.
Georg Bichstr (unter Verzicht auf Geld) 1. Preis (Ehrenpreis). Conrad Volp-Niederweisel 50 Mk. Johannes Faber X.-Leihgestern 40 Mk. Johs. Langsdorf VI.-Lcihgcstern 30 Mkt Herm. Wich. Straßheim-Gricdel 20 Mk.
Ehrenpreise:
Hoftraiteur Kirch imb Oberleutnant Schröder für Reitpferde; Gg. Bichler und Heinrich Herzbcrger für Arbeitspferde, Kommerzienrat W. Gail und Rinn u. Cloos für Wagenpferde.
Tie Pfleger der mit Ehrenpreisen ausgezeichneten Tiere erhielten je 5 Mk.
** Zwei Zusammenstöße. Gestern Vormittag gegen 11 Uhr wurde das Fuhrwerk eines Landwirts aus Lützellinden, während dieser in einer Wirtschaft saß, von der Maschine der Bieberthalbahn dadurch beschädigt, daß das Pferd scheute und gegen die Maschine sprang. Auch das Pferd wurde an einem Vorderfuß erheblich verletzt, so daß es in die Veterinär- anstnlt gebracht werden mußte. — Zu einem zweiten Zusammenstöße kam es gestern Abend gegen 8 Uhr zwischen 2 von auswärts kommenden Radfahrern, die in der Nordanlage infolge unvorsichtigen Fahrens mit ihren Rädern aneinanderprallten. Beide tarnen zu Fall und zogen sich Verletzungen zu, so daß sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Die Verletzten, sowie ihre Stahlrosse wurden per Wagen in ihre Heimat befördert.
i. Dem Prälaten D. Habicht erlaubt, wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, sein Gesundheitszustand nicht, die Superintendenturgeschäste wieder zu übernehmen. Man sieht in Bälde der Ernennung eines Nachfolgers entgegen. Es werden verschiedene Herren genannt, die dabei in Betracht kommen sollen.
it Lich, 2. April. Bei der heute hier abgehallenen Mtisterung kam es zu einer blutigen Schl ägerei zwischen den Musterungspflichtigen aus den Gemeinden Grüningen und Ettingshausen. Die Burschen aus Grüningen hatten im Gasthause „Zum Löwen" ihr Standquartier, und dorthin kamen die Burschen aus Ettingshausen, die in einer anderen Wirtschaft Speise und Trank tapfer zu- gesprochen hatten. Bald entwickelte sich im Hofe des Gasthauses eine förmliche „Holzerei". Die Polizei war im Augenblicke nicht zur Stelle; Bürgermeister Heller und Stadtrechner Zimmer stellten die Ruhe wieder her und führten einen Haupt- rädelsführer ins Gemeindehastlokal ab. Seit langen Jahren ist das die erste ernstliche Schlägerei, die sich hier abgespielt hat, und zwar fand sie zu einer Zeit statt, in der sonst die Rekruten schon längst die Stadt verlassen hatten. — Heute Nacht wurde ein Fenster in: Musikzimmer der Großh. Präparandenanstalt in roher Weise zerstört. Die durch den letzten Einbruch hervorgerufene Erregtheit macht es begreiflich, daß man auch jetzt einen Einbruchsoersuch vermutete ; doch scheint diese Annahme unbegründet zu sein.
i. L a u b a ch, 3. April. Hier fällt es allgemein auf, daß mehr nächt li che Ruhestörungen als sonst Vorkommen. Namentlich klagen viele über Belästigung durch Wirtshauslärm bis tief in den Morgen hinein. Die Polizeistunde wird nicht mehr eingehalten, weshalb vielfach die Frage hier verhandelt wird, ob die Nachtwache nicht einer Umgestaltung bedarf. Sehr mißbilligend hat man sich darüber ausgesprochen, daß in der Nacht vom Charsreitag auf den Samstag früh i/z4 Uhr eine Anzahl von Burschen mitten auf b«em Marktplatz mehrere Lieder gesungen hat. Man hofft hier allgemein, daß die Nachtwache die Ruhestörer zur Anzeige gebracht hat.
i. Friedberg. Am dritten Feiertage fand die Entlassung von neun Kandidaten im hiesigen Prediger-, seminar im Beisein von zahlreichen Freunden der Anstalt' statt. Der Direktor der Anstalt, Professor Weisfenbach,j sprach im Anschluß an das dem Richterbuche entlehnte Mort: „Wie der Mann ist, danach ist seine Kraft" in tief ent; Ernste über die Änfaabe des Pfarramtes. Die Abschiedsrede hielt Kandidat Laut, am Schlüsse redete noch ein bedeutsames Wort zu den Scheidenden der im Auftrage der Kirchenbehörde erschienene Oberkonsistorialrat D. Flöring.
Nieder-Wöllstadt, 2. April. Unser Gemeinderat hat in Anerkennung, daß das Bürgermeisteramt ein recht schweres und verantwortungsvolles Amt ist, unserem Bürgermeister die Bureaukosten von 900 Mark auf 1200 Mark erhöht.
Freiens een bei Laubach, 1. April. Eine wüste Sch läge re i, bei welcher leider auch das Messer wieder eine Rolle spielte, entstand gestern in einem Wirtshause unseres Marktfleckens. Hierbei wurde der hiesige Metzger- meister und Gastwirt Adolf Hofmann, ein Mann von gegen 40 Jahren, durch verschiedene Stiche schwer verletzt. Er war, wie die „Darmst. Ztg." erfährt, erst vor kurzem in einem Streite mit italienischen Eisenbahn ar b eitern durch einen Schuß in das Bein verletzt, von dieser Verwundung jedoch bald wiederhergestellt worden.
8. Darmstadt, 3. April. (Original-Telegr. des „Gieß. Anz.") Prinz Heinrich von Preußen wird am 12. April zur Uebernahrne seines Geschwaders nach Kiel ab- reifen. Am gleichen Tage dürfte der Großherzog auf 5 Wochen zu seinen Verwandten nach Rußland abreisen. Die Rückkehr soll Mitte Mai erfolgen. — Nach den neuesten Feststellungen soll das Defizit der Künstlerkolonie den Garantiefonds um 31 000 Mk. übersteigen. Man versucht, die Garantiezeichner auch zur Deckung dieses Betrages heranzuziehen.
b. Mainz, 2. April. Die Zentrumsfraktion der 2. hessischen Kammer hat einen prachtvollen Kran^ an der Bahre des am Montag verstorbenen Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Lieber niederlegen lassen.
** Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. In Bonarnes starb am Herzschlag Sanitätsrat Dr. Braumann im 71. Jahre. Der Verstorbene, ein Sohn Oberhessens, hatte eine ausgedehnte Praxis und war trotz seines Sarkasmus wegen seiner Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit und seines ausgedehnten medizinischen Wissens bei den Kranken sehr beliebt. — In der Eisgrubkaserne am Gauthor in Mainz ist ein Musketier der 3 Komp, des Jnf.-Regts. Nr. 87 an Genickstarre erkrankt und kam deshalb in das Garnison- lazareth. Wegen der Ansteckungsgefahr sind die Leute, welche mit dem Kranken auf einer Stube lagen, zur Beobachtung in den Nheinthorbaracken untergebracht worden.


