lande, zu untersagen. Hieraus yat sich selbstverständlich auch die Notwendigkeit ergeben, die Einfuhr von Fleisch, das im Auslande mit verbotenen Konservierungsmitteln behandelt worden ist, zu untersagen. Andernfalls würde die Auslandsware geradezu eine Bcoorzug- ung gegenüber den einheimischen Erzeugnissen erfahren haben. Von einer im Besonderen gegen Amerika gerichteten Maßregel kann bei dem Borsäureverbot vollends keine Rede sein; es gilt gleichmäßig für Fleisch inländischer wie jeder ausländischen Herkunft. Außerdem ist Deutschland keineswegs der erste Staat, der ein solches Verbot erlassen hat. Aehnliche Bestimmungen sind bereits vor längerer Zeit in Frankreich, Belgien und der Schweiz ergangen. Im übrigen liegen die Verhältnisse keineswegs so, daß etwa brauchbare Dauer- und Exportware in der Fleischindustrie nur unter Zuhilfenahme von Borsäure hergestellt werden könnte. Bekanntlich ist es auch früher, als Borsäure noch nicht zur Haltbarmachung des Fleisches verwendet wurde, möglich gewesen, gute und marktfähige Fleischdauerware herzustellen, und es wird zweifellos die Fleischindustrie sowohl im Jnlande als auch im Auslände Ersatz für die Borsäure, deren fernere Zulassung vom gesundheitlichen Standpunkte aus nicht mehr verantwortet werden konnte, zu finden wissen.
Gewerbliche Kinderarbeit.
Eine Abänderung des Gesetzentwurfs betr. die gewerbliche Kinderarbeit wünschen die Bäckermeister nach, einer vom geschäftsführenden Vorstande des Zentralverbandes deutscher Bäckerinnungen „Germania" an den Bundesrat gerichteten Petition, und zwar dergestalt, daß der Beginn der Beschäftigung des Frühstückaustragens vom 1. April bis 1. Oktober auf 5i/2 Uhr, vom 1. Oktober bis 1. April bis 6y2 Uhr morgens festgesetzt werde. Mit einer Stunde Beschäftigungszeit des Morgens erklären die Petenten sich einverstanden. Zur Begründung dieses Antrages wird angeführt, daß das Frühstückaustragen eine gesunde Bewegung in frischer Morgenlust sei, als deren Folge eine Abgespanntheit der Kinder in der Schule wohl niemand zu beweisen vermöge. Die Stunde Schlaf am Morgen könne des Abends wieder eingebracht werden. Im übrigen wird auf die Notlage der Bäckermeister hinsichtlich der Beschaffung der erforderlichen Hilfskräfte, sowie die soziale Notlage zahlreicher Familien hingewiesen und auch der erziehliche Standpunkt der frühzeitigen Gewöhnung der Kinder zur Thätigkeit und zum Erwerb hervorgehoben. — Diese Gründe sind denn doch zum Teil äußerst anfechtbar und können jedenfalls gegenüber denjenigen, die für den ausgedehnten Schutz der Schulkinder vor derartiger Be- schäftigung sprechen, nicht ins Gewicht fallen.___________
Aolonialpost.
Einer in Hamburg eingetrossenen Privatmeldung zufolge sind in Bane in Kamerun die Leiter der beiden Hamburger Faktoreien von Rändert u. Stein und von Theodor Maaß durch Aufständische schwer verwundet worden. Im Kampfe mit den Negern, welche die Niederlassungen erstürmen wollten, erhielten beide Herren Schüsse in die Brust und in den Unterleib. Die Wunden sind lebensgefährlich, und zwar weil die Neger nicht mit Kugeln, sondern mit 5 Ctm. langem Messingdraht geschossen haben. Die schwarzen Diener konnten glücklicherweise den Ansturm der .Aufständischen abschlagen und ihre Herren auf die Station bringen. _______________________
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 3. April 1902
* * Ajusz eichnun g. Der Großherzog hat dem Großh. Bürgermeister Adam Schäfer I. zu Rimbach im Kreise Lauterbach das Band des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu dem bereits früher verliehenen Allgemeinen Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen.
* * Pensionierung. In den Ruhestand wurde versetzt der Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze in Zwingen- cherg Ludwig Schnur auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. Mai an und ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silbernen Kreuze des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
* * Ernennungen. Der Großherzog hat am 2. April dne Direktor des Schullehrerseminars zu Alzey Dr. Scheuermann zum vortragenden Rat im Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, unter Ver- lechung des Amtstitels „Oberschulrat", mit Wirkung vom 1. Mai ernannt. Der Großherzog hat ferner am 2. April den Regierungsassessor Hermann v. Bechtold aus Darmstadt zum Ministerialsekretär bei dem Ministerium des Innern, den außerordentlichen Professor für Baukunst an der Technischen Hochschule Friedrich Putzer zum ordentlichen Professor der Baukunst an der Technischen Hochschule mit Wirkung vom 1. April, am 2. April den Lehrer für Zeichnen und Malen an der Technischen Hochschule Professor Albert Hartmann zum außerordentlichen Professor für Zeichnen und Malen an der Technischen Hochschule mit Wirkung vom 1. April an, am 2. April den Direktor an der Realschule zu Alsfeld Dr. Philipp Jiacobi zum Direktor des Schullehrerinnenseminars zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Mai an, am 2. April den Kreisschulinspektor bei der Kreisschulkommission Worms Professor Dr. Karl Karg zum Direktor des Schullehrerseminars zu Alzey mit Wirkung vom 1. Mai an, am 2; April den Oberlehrer an der Realschule zu Oppenheim Dr. W.eimar zum Oberlehrer an dem Realgymnasium und der Realschule zu Gießen mit Wirkung vom 1. April an, den Oberlehrer an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach Dr. Schmidt zum Oberlehrer an der Augustinerschule (Gymnasium und Realschule) zu Friedberg mit Wirkung vom 1. April 1902 ernannt.
* * Postnotiz. In einzelnen Zeitungen ist die Verfügung des Staatssekretärs des Reichspostamts, daß vom 1. April ab für den Umtausch unbrauchbar gewordener Kartenbriefe, Postkarten und Post-Anweisungen eine Gebühr von 1 Pfg. zu erheben sei, so ausgelegt worden, als ob diese Gebühr auch beim Umlausch deriam 1. April infolge Einführung der gemeinsamen Wertzeichen für das Reichspostgebiet und Württemberg außer Kurs gesetzten Kartenbriefe usw. gegen neue Formulare oder Marken erhoben werden solle. Diese Auslegung, die auch dem Wortlaute jener Verfügung keineswegs entspricht, ist unbegründet. Die Umtauschgebühr wird vielmehr lediglich für solche Kartenbriefe usw. erhoben werden, die in den Händen des Publikums — durch Verschreiben, Beschädigungen und dergleichen — zur Verwendung unbar gemorsten sind. Tie lediglich durch die Einführung
der neuen Wertzeichen bedingte Auswechselung erfolgt kostenlos.
** Stadterweiternngsfonds. Die Aufgaben des Stadt- erwcitcrungsfonds rou oen im Rechnungsjahr 1900/01 gefördert durch den Erivcrb der Löwenstein'schen Besitzung in der Schloßgasse und eines Grundstücks auf dem Aulweg hinter dem Weiher von Emil Balthasar Malkomesius. Die von der Baudeputation aufgestellte Wertschätzung des gesamten Grundvermögens des Fonds nach dem Stand am 1. April 1901 schließt ab mit Mk. 408 887,88 Pfg., wozu an ausstehenden Kaufgeldern und Kassevorrat hinzutreten Mk. 125 324,99 Pfg., zusammen Mk. 534 212,87 Pfg. Diesem Vermögen stehen an Schulden gegenüber Mark 374171,43 Pfg., sodaß für den Fonds als reines Vermögen verbleiben Mk. 160 041,44 Pfg., gegen im Vorjahre Mark 159 314,07 Pfg. Die Erhöhung gegenüber dem Vorjahr ist deshalb nur gering, weil aus dem Stadterweiterungsfonds an den Allgemeinen Verein für Armen- und Krankenpflege aus Anlaß der günstigen Verwertung des zum „Wiener Hof" gehörigen Geländes, welch' letzterer ursprünglich mit dem genannten Verein gemeinsam erworben wurde, eine Zuwendung von 10000 Mk. erfolgte. Eine weitere Förderung hat der Stadterweiterungsfonds durch den unterm 4. April 1900 durch die Baudeputation beschlossenen Erwerb der Marga- rcthenhüttc und des zu derselben gehörigen Geländes von im Ganzen über 39 000 Quadratmeter zum Preise von 120 000 Mark erfahren. Die Uebergabe wie die Verrechnung des Kaufgcldes erfolgte erst im folgenden Jahre.
** Die Schulbaracken an der Hammsträße, mit denen für drei Klassen der Stadtmädchenschule Raum geschaffen werden soll, sind soweit fertig, daß gestern bereits die Bänke darin Aufstellung finden konnten, sodaß die Baracken mit dem Schulanfang in Benutzung genommen werden können. Die Klassenzimmer in den aus Fachwerk hergestellten Gebäuden sind recht freundlich. Doppelte Fußböden, die auch uoch eine Linoleum-Decke erhalten haben, und doppelte Verglasung der großen Fenster werden während der kalten Jahreszeit die durch Oefenheizuug hergestellte Wärme in den Räumen festhalten. Die beiden, zwar nur zur provisorischen Benutzung gedachten Schulbaracken sind mit einem sauberen Holzspalier umfriedigt, welches gleichzeitig einen recht geräumigen, schön mit Kies abgedeckten Tummelplatz für die Schülerinnen umschließt. Ein mit Kopfsteinen gepflasterter Weg von der Hammstraße her bildet den Zugang zu den Gebäuden. Verwunderlich bleibt aber, schreibt;unser Berichterstatter, daß diese drei Schulklassen ohne eine Zapfstelle der Quellwasserleitung geblieben sind. Es wirb dem Schuldiener wohl nicht möglich sein, besonders an heißen Sommertagen, bei Bedarf frisches Trinkwasscr zur Stelle zu schaffen, das er dann auch erst von der doch immerhin entfernten Stadlmädchenschule an der Westanlage holen müßte.
* * Besitzwechsel. Der Spenglermeister Gg. Appel erwarb für 90000 Mark das Jakob Schelle nb er g sche Besitztum am Seltersweg. Vor knapp drei Jahren waren vom Metzgermeister Fr. Schreiner für die Schellenbergsche Hofraite 110 000 Mark geboten, doch verlangte derselbe damals 125 000 Mark, weshalb sich der Handel zerschlug. Inzwischen ist allerdings von dem Schellenbergschen Garten für ca. 5000 Mark zur Arrondierung des Volksbadgrundstücks von der Stabt erworben, sodaß per Mindererlös gegen das frühere Gebot sich auf 15 000 Mark beläuft.
* * Krankenkassenwesen. Tie vom Verein der Gastwirte bei der Behörde beantragte Krankenkasse ist höheren Ortes, wie wir erfahren, genehmigt worden. Es handelt sich dabei jedoch nur um eine freie Hilfskasse für das Gastwirtsgewerbe.
* * Entlassung des Universitätsforstgärtners Karl D ärmer aus dem Dienste am 1. April 1902. Am 1. April fand im Forstgarten die feierliche Entlassung des Universitätsforstgärtners Karl Dörmer in Gegenwart seiner gesamten Familie und gleichzeitig damit die Einweisung seines Nachfolgers, zu. dem bekanntlich sein Sohn Heinrich ernannt wurde, in den Dienst durch Geheimrat Heß statt. Geheimrat Heß hielt eine Ansprache, in der er u. a. sagte, daß er den Scheidenden ungern von seinen Funktionen entbinde. Denn er habe sich der Hoffnung hingegeben, daß Dörmer in dem eitherigen Dienstverhältnis verbleiben würde, solange als es ihm vergönnt sei, dem akademischen Forstinstitute vorzustehen. Er könne ihn aber nicht entlassen, ohne ihm seine vollste Zufriedenheit auszusprechen. Dörmer habe die ihm obliegenden Geschäfte und Arbeiten stets mit dem größten Eifer und Fleiß, mit Treue, Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit besorgt und den Forstgarten so verwalket, als wenn er sein Eigentum wäre. Ohne seine Mitwirkung würde der Garten, welcher — als Redner ihn übernnahm — in einem kläglichen Zustande sich befunden habe, niemals zu der Blüte gelangt sein, in welcher er nach dem allgemeinen Urteil des Publikums jetzt stehe. Er habe mitunter sogar den allzugroßen Diensteifer Dörmers gewissermaßen zügeln müssen und ihm mehr Schonung anempfehlen müssen. — Glücklicherweise bleiben aber Ihre Dienste — wenn auch in anderer Form — dem Garten doch noch erhalten, und ich hoffe, daß dies noch recht lange der' Fall sein möge, weil Ihre Umsicht, mit der Kraft Ihres Sohnes vereint, eine sichere Bürgschaft dafür bildet, daß der Garten nach wie vor die verschiedenartigen Zwecke erfüllt, denen er zu dienen hat. Es versteht sich von selbst, daß die Ge- Hülfen-Jnstruktion für Sie nicht wortgetreue, sondern nur inngemäße Auslegung finden kann. Als Beweis meiner Zuneigung überreiche Ihnen dieses Bild, bei dessen Anblick Sie der Thätigkeit gedenken mögen, die wir beide dem Garten im Laufe von über drei Jahrzehnten zugewendet haben. — Darauf wandte sich Geheimrat Heß an den neuen Forstgartenaufseher und führte ihn in sein neues Amt ein. Ter dienstliche Eifer und Fleiß, führte er aus, welchen Heinrich Dörmer in seiner einjährigen Probezeit als Forstgartengehülse an den Tag gelegt habe, berechtige zu der Annahme, daß er in die Fußstapfen seines Vaters treten werde. Und wenn er sich dessen dienstliche Führung zum Muster nehme, so würden sich mit der Zeit auch zwischen ihm und dem Redner ähnliche Beziehungen herausbilden, wie sie zwischen ihm und Dörmers Vater bestanden hätten und noch bestünden.
* * Verkauf von Platzkarten. Betreffend den Verkauf von Platzkarten in den D-Zügen hat der Minister der öffentlichen Arbeiten im Anschlüsse an die Erlasse vom 28. Mai 1900 und vom 18. April 1901 nunmehr bestimmt, daß die Platzkarten, soweit es noch nicht geschehen sein sollte, ausschließlich durch einen Beamten zu verkaufen sind, der bei Verkauf und Prüfung der Platzkarte gleichzeitig die Fahrkarte zu prüfen hat. In der Regel ist hiermit der Zugführer allein zu betrauen. Soweit dies wegen starken Verkehrs oder zu dichter Starionsfolge nicht angängig ist oder die ordnungsmäßige Verausgabung der Platzkarten
und die Fahrkartenkontrolle sonst erschwert sein sollte, können ein oder mehrere Schaffner, die das nötige Verständnis und die erforderliche Gewandtheit besitzen, in einzelnen Wagen diese Geschäfte erledigen. Die Abrechnung über den Platzkartenverkauf mit den zuständigen'Fahrkartenausgabestellen verbleibt in den Händen des Zugführers, an den die mitbeteiligten Schaffner die vereinnahmten Geldbeträge und die Platzkartenbestände nach Beendigung der Fahrt abzuliefern haben.
** Kriegerkameradschaft „H a s eben erschienenen, von dem ersten Schriftfü
rat Dr. Vogt erstatteten Jahresbericht der Kriegerkameradschaft „Hasfta" über das 27. Verbandsjahr entnehmen wir folgendes: Tie Einnahmen betrugen 42 032 Mark, die Ausgaben 40 763 Mk. Ter Verband besitzt ein Barvermögen von 106 375 Mk., die Prinz Ludwig-Stiftung 27 387 Mk., die Ernst Ludwig-Viktoria-Melita-Sliftung ein solches von 13 106 Mk., zusammen 146 869 Mk. Das Kapital für Veteranenunterstützung betrügt 30827 Mk. Für Unterstützungen wurden verwendet 2365 Mk. Der Verband zählt 800Vereme, welche 47171 aktive und 6456 passive Mitglieocr nachweisen. 25 Vereine mit 722 Mitgliedern sind im Lause des- Jahres zugegangen. Ehrentafeln wurden an die Mitglieder 45 und an die Vereine 29 verliehen. Tie Hassia-Lotterie ergabt eine Einnahme von 13 947 Mk., verausgabt wurden hiervon für Gewinne und Unkosten 7521 Mk. und für Gewinnanteile 2249 Mk., sodaß der Verbandskasse verbleiben 4177 Mk. Weitere Verlosungen finden nicht mehr statt. In einer Reihe von Bezirken wuroen Vorträge gehalten, verausgabt wurden hierfür" 2150 Mk. Für Unterstützungen wurden 9720 Mk. verausgabt. Veteranenzulagen wurden 197 Mk. bewilligt. Ter Durchschnitt dec Unterstützung betrug 16,41 Mk. Tie Schulden des Kyffhäuser-Tenkmals betragen noch 108 000 Mark und die der Kyffhäuser-Wirtschaft 126 000 Mk. Aus der Prinz Ludwig-Stiftung wurden 100 Mk. und aus der Ernst Ludwig-Vikroria-Melita-Stistung wurden an 178 Konfirmanden 1780 Mk. bewilligt. Von der Gesellschaft „Zürichs erhielt die Verbandskasse 1000 Mk., von der Providentia! 19 418 Mk.
"* Gießener Volksbad. Im März wurden 7244 Bäder verabreicht gegen 6339 im Februar 1902 und 6820 im März 1901 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 278 Bäder gegen 249 im Februar 1902 und 240 im März 1901. Der Besuch im einzelnen hat sich wie folgt verteilt: Schwimmbad 3398 Männer, darunter 792 zu 10 Pfg.,
„ 674 Frauen, „ 92 „ 10 „
Wannenbäder 1. Klasse 207 Männer, 72 Frauen, „ 2. „ 664 „ __ 467 _ „
Dampf- und Heißlustbäder, sowie Massage zusammen 138 Männer, 16 Frauen. Brausebäder 1474 Männer, 134 Frauen. Die Personenwage wurde von 140 Personen benutzt. Das Bad von 9 Personen besichtigt.
t. Annerod, 2. April. In dem benachbarten Steinbruch wurde hier Arbeiter Heinrich Mohr von Burkhardsfelden durch Herabrutschen eines schweren Steines derart verletzt, dckß er sich eine Quetschung des linken Armes sowie einige klaffende Wunden am Kopse zuzog. Er wurde mittels Droschke in die Klinik nach Gießen gebracht, wo er verbunden wurde.
s. Oppenrod, 1. April. Zwischen einem Landwirt und einem Arbeiter, die beide aus Burkhardsfelden waren, kam es in einer hiesigen Wirtschaft zu einem Wortwechsel, der zu einer regelrechten Schlägerei ausartete. Ter Landwirt versetzte dem Arbeiter einige Peitschenhiebe, worauf Letzterer jenen mit einem Wagenbrett bearbeitete, sodaß er jich sofort in ärztliche Behandlung begeben mußte. Die Sache wird noch gerichtliche Folgen haben.
§ Ruppertenrod, 2. April. Sehr traurige Ostern feierte der von hier gebürtige Großh. Haushofmeister Kratz m Darmstadt. Er bekam am Fest die Trauernachricht, daß sein ältester Sohn, der Zahlmeister-Applikant auf S. M. S. „Iltis" ist, an Herzschwäche gestorben sei. Das Schiff befindet sich zur Zeit in den chinesischen Gewässern. Die Depesche war am Charfreitag in Tongku aufgegeben. Der brave junge Mann ist nur 22 Jahre alt geworden.
t. Burkhardsfelden, 1. April. Am 2. Osterfeier- tage veranstaltete der hiesige Gesangverein „Liederblüte" in der Wagnerschen Wirtschaft eine Abendunterhaltung. Es kamen nur humoristische Stücke zur Aufführung. Tie Mitglieder des Vereins beherrschten ihre Nollen vollständg und ernteten viel Beifall. Die Zwischenpausen wurden durch Konzert ausgefüllt. Eine nicht endenwollende Heiterkeit rief hauptsächlich das Stück „Der neue Johann" hervor. Daraus folgte ein Tänzchen, das bis zum frühen Morgen dauerte.
V. V so m Vogelsberg, 2. April. Kaum hat die scharfe Märzlust das Gras unter Hecken und an den Rainen getrocknet, so beginnt auch wieder das Zerstörungswerk an den Hecken. Rauchs- und Feuersäulen künden die alljährlich weiter umsichgreifende Vernichtung der Hecken an. So oft man auch davor warnt und den 9Lutzen der Hecke klarlegt, man predigt tauben Ohren. Man will eben nicht glauben, daß die Hecke überhaupt Nutzen bringe. Und doch lregt ihre Bedeutung als Schutz für die Gefahr der Fortschwemmung der Ackererde, als bester Aufenthalt für die nützlichsten Vögel und für Igel, Eidechsen und andere nützliche Tiere klar auf der Hand. Man zerstöre deshalb die Hecke nicht dort, wo es nicht unbedingt nötig ist, sondern hege und pflege sie; denn damit hegt und pflegt der Landwirt auch seine besten Freunde.
Darmstadt, 2. 2lpril. Prinz Max von Baden traf heute vormittag 11 Uhr zum Besuch der Allerhöchsten Herrschaften hier ein und wurde am Bahnhof vom Prinzen Heinrich von Preußen empfangen und zum Neuen Palais geleitet, wo Familientafel stattfand. Im Laufe des Nachmittags reist Seine Großh. Hoheit wieder ab.
Vermischtes.
* Berlin, 2. April. Aus Beuthen (Oberschles.) wird gemeldet: Ein kaum glaubliches Verbrechen wurde, der „Grenzztg." zufolge, in Franzdorf bei Weißkirchen verübt. Der dortige Einwohner Balika nahm an seinem Feinde Josef Balan in der Weise Rache, daß er ihn an das Rad seines Wagens fesselte und dann die Pferde antrieb. Das Fuhrwerk raste die Straße entlang, den von Blut triefenden Balan nach sich schleppend. Als der Wagen endlich von herbeigeeilten Dorfbewohnern zum Stehen gebracht wurde, war Balan bereits todt. Der Mörder wurde verhaftet.
* Paris, 2. Llpril. In Avesnes brach in der Wohnung eines 75jährigen Greises Feuer aus. Den zur Hilfe herbeieilendcn Nachbarn gelang es nicht, die Thür der Wohnung zu öffnen oder die mit einem Gitter versehenen Fenster zu sprengen. Als die Feuerwehr eintraf und in die Wohnung einiwang, wurde der Greis vollständig verkohlt vor- gcfunden.
s i a". Dem so- 'jrec Medizinal-


