Ausgabe 
3.4.1902 Erstes Blatt
 
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Paris, 2. April. AuS Oran wird derPatrie" gemeldet, daß der frühere Minister des Aeußeren Hanotaux, welcher dem dort stattfindenden geographischen Kongreß prä­sidiert, int Kongreßsaale von einer jungen Dame über- fallen und insultiert wurde. Die Dame, welche vorgibt, von Hanotaux verlaßen zu sein, wurde auf das Polizeikom- misiariat geführt, jedoch auf Ansuchen ihrer Familie wieder freigelasien.

Wien, 2. April. Die vermißten Touristen, Brüder Arthur und Eduard Ziegler, ersterer ein Gymnasial­schüler, der zweite ein Lehrbursche, die Handelsschüler Mayr und Winkelmayer wurden heute früh vom Camillo Kronich, dem Sohne der Pächterin der Erzherzog Otto-Schutzhütte auf der Rax mit Gefährdung des eigenen Lebens gefunden. Drei von ihnen befinden sich in der Hofthalhütte in ziemlich erstarrtem Zustande; Mayer ist am Jokobskogel zusammen- gebrochcn. Sie waren 61 Stunden eingeschneit. Mittelst Schlittentragbahren wurde sie zum Ottoschutzhaus gebracht, gelabt und heute noch werden sie zu Thale ge­fördert.

* Der verpönte Gerhart Hauptmann. Aus Berlin wird gemeldet: Die Vorortgemeinde Rummelsburg hatte beabsichtigt, eine Reihe neuer Straßen nach berühmten Zeitgenossen zu benennen, nach Menzel, Sudermann, Gerhart Hauptmann u. s. w. Nunmehr hat der preußische Minister des Innern die Genehmigung, nach Hauptmann eine Straße zu nennen, versagt. Dies soll einen Gemeinde­vertreter zu dem ironischen Anträge veranlaßt haben, die Straße jetztMajor Laufs-Straße" zu nennen.

"Ein hübscher Zug des Kronprinzen. Auf dem Programm, das während der Anwesenheit des deutschen Kronprinzen in der alten Reichsstadt Rothenburg o. T. aufgesteltt war, stand auch eine Fahrt ins Tauberthal. Wie überall bei solchen und anderen Gelegenheiten, war die liebe Schuljugend in einem großen Schwarm hinter, neben und vor den Equipagen. Da aber die Fahrt ziemlich rasch und zu Thal ging, mußte die Mehrzahl der Schüler nach und nach immer weiter zurückbleiben und der Abstand zwischen den Equipagen mit den hohen Herrschaften und der patriotisch- vergnügtcn Jugend wurde immer größer. Einigen Dauer­läufern gelang es, trotz der raschen Fahrt, dicht bei den Equipagen zu bleiben, bis die Steigung an der sog. langen Steige,kam; nun aber wollten den Schnellläufern die Kräfte versagen. Da ließ der Kronprinz halten, ließ zwei von ihnen auf den Kutscherbock zu dem in der höchsten Gala befindlichen Postillon sitzen, drei weitere wurden in dem zurückgeschlagenen Dach der zweiten Equipage untergebracht und so ging cs flott durch die Stadt zum Bahnhof. Die kleinen Passagiere wurden nicht wenig vom Publikum angestaunt und nicht minder von ihren Altersgenossen beneidet.

Gcrichtssaal.

e. Gießen, 1. April. (G e w e r b e g e r i ch t.) Den Vorsitz führt Beigeordneter Wolfs. Es standen zwei Klagen zur Ver­handlung. Der Maurer Vhil. Laucht zu Krofdorf klagt gegen den Maurermeister Heinrich Wilhelm Rinn in Heuchelheim auf Herausgabe seiner Jnvalidenkarte und auf Zahlung einer Ent- schädrgung, weil er ohne die Karte Arbeit nicht habe finden können. Zm Termin blieb der Beklagte aus. Der Kläger erklärte, nur

Schadensersatz zu verlangen für den 25. März; am folgenden Tage sei es chm gelungen, ohne die Karte in Arbeit zu treten. Das Gericht erließ auf Antrag des Klägers Versäumnisurteil gegen den Beklagten. Heinrich «stark, Weißbinder von Hausen, verlangt von dem Maurermeister Joh. Gg. Pfaff 26 Mk. 40 Pf. Entschä­digung, weil ihn derselbe, nachdem er etwa 4 Wochen krank ge­wesen, nicht wieder zur Arbeit angenommen habe. Der Beklagte entgegnet, daß er mit dem Kläger vereinbart habe, daß die gesetz­liche Kündigungsfrist gegenseitig aufgehoben sei und daß er den Kläger deshalb nicht mehr zu beschäftigen brauche. Der Kläger gab das beklagttsche Vorbringen zu und zog die Klage zurück, wo- mit sich der Beklagte einverstanden erklärte.

Arlrriterlrcwegnng.

Altona (Pennsylvania), 2. April. Heute wurde der A u S - stand erklärt, dem sich 10000 Grubenarbeiter derRochester-Pitts- burg Coal- and Fron - Kornpany anschlossen. Die 'Arbeiter fordern, daß Maultiere für die Kohlenförderung aus den Minen verwendet werden.

Handel und Verkehr. Uolkswirrschast.

Tic Kapitalcrhöhnngcn der Lchiffahrtsgcsellschaftcn. Nach unseren Informationen ist man in den Kreisen der seriösen Aktionäre von der Kapitalerhöhung der bcibcit großen Damps- schiffahrtsgesellschaften nichts weniger als erbaut. Die Hamburg- Amerikanische Paketfabrtgesellschast hat ihren Aktionären für das abgelausene Jahr 4 Prozent weniger als 1900 geboten und der Norddeutsche Lloyd konnte ebenfalls nur 6 Prozent gegen 7'/, Pro­zent im Vorjahre zahlen. Kommt nun das neue divldendebercch- tigle Aktienkapital dazu, so ist mit mehr Sicherbeit anzunchmen, daß die Dividende noch Heiner, als daß sie wieder größer wird. Unseres Erachtens nimmt das Privatkapital Jndustrieaklien nur in Aussicht auf hohe Dividenden und wenn diese Aussichten gering werden, so sind eben die Emiss^mshäuser gezwungen, die neiien Aktien selbst in ihre Tressors zu nehmen und das hat für die Aktionäre wiederum seine Nachteile, denn sobald durch irgendwelche günstige Nachrichten die Kurse steigen, schnell wird vorrätiges Material an die Börse gebracht und dann ist die Herrlichkeit der Kurssteigerung so rasch wieder zu Ende wie sie gekommen.

Bon der Börse. Optimisten, und diese sind an der Börse immer sehr zahlreich, haben sich der Hoffnung hingegeben, daß die Ostertage aus Transvaal die Nachricht bringen, der Friede sei ge­schlossen. Da nun davon nicht das geringste verlautete, so hat sich das Publikum nach den Feiertagen sehr'zurückhaltend gezeigt und das Börsengeschäft ist abermals sehr zurückgegangen, bei vorwiegend schwacher Tendenz. Hauptsächlich wurde davon wieder der Kohlen- und Eisenmarkt betroffen. Für den Rückgang der Eisenaktien wird geltend gemacht, daß sich die Konsolidierung der Verhältnisse doch langsamer vollziehe, als bisher gehofft wurde. Wir haben unsere Leser, was diesen Gegenstand betrifft, immer wieder darauf auf­merksam gemacht, daß man in dieser Beziehung keine große Er­wartungen hegen solle.

Mainzer Attieubrauerci. Die Bank für Handel und In­dustrie in Darmstadt hat eine 4prozentige Anleihe der Mainzer Aktienbrauerei zu 97 Prozent übernommen, lieber die Höhe der Anleihe werden keine näheren Angaben gemacht.

Deutsche Rcichsbant. Den Mittellungen zufolge waren die Ansprüche an das Institut zum Quartalwechsel sehr stark.

Staatsaufsicht bei den Hypothekenbanken. Ain 8. d. M. findet beim Landwirtschaftsminister eine Konserenz statt, zu der die Direktoren, sowie je zwei Aufsichtsratsmitglieder der preußischen Hypothekenbanken geladen sind. Man wird in der Hauptsache darüber beraten, ob für jede Hypothekenbank ein Staatskommissar bestellt werden soll. Weiter soll die Frage der Taxen zur Be­sprechung kommen und die Regelung der Provisionen beim Pfand­briefumsatz. Für jede Bank einen Kommissar zu bestellen, halten wir ebeilso unmöglich wie kostspielig.

Der Verband deutscher Febcrstahlwcrke ist in Köln zu stände gekommen. Die Preise für Korsettschließen und Kleider­stäbe sind sofort um 30 bis 36 Prozent erhöht worden. Es wird

den Fabrikanten vorgeschrieben, wie viel sie das Jahr fabriziere« dürfen.

Märkte.

Gießen, 3. April. Viehinark t. Auf dem gestrigen Ochsenmarkt waren 130 Stück Gangvieh aufgefahren und zwar überwiegend recht schwerer Qualität. Fettvieh fehlte diesmal gänzlich am Markt. Käufer aus Westfalen machten hauptsächlich den Markt, indem sie alles vorhandene gute Vieh zu hohen Preisen kauften. Schwere Fahrochsen wurden mit 850950 Mark, Mittel-Ochsen mit 700800 Mk., leichte Tiere mit 600650 Mark pro Paar verkauft. Der Bestand war gleich nach 10 Uhr geräumt. An Schweinen waren mehr wie 1000 Stück aufgetrieben, darunter über die Hälfte jüngere Ferkel. Infolge der günstigen Witterung war der Markt stark von der Kttndschaft aus unserer Umgebung besucht. Anfänglich war der Handel sehr flau, da sich die Käufer auf die sehr hohen Forderungen für die Ware nicht einließen. Nachdem aber die Handelsleute gegen Mitte des Marktes sich entgegenkommend zeigten, entwickelte sich in allen Gattungen ein überaus flottes Geschäft. Troß argen Feilschens stellten sich die Schweinepreise diesmal doch durchschnittlich etwas höher als am letzten Markt. Die Ver­käufer klagen und behaupten in allem Ernst, die Ware stelle sich für sie zu hoch im Einkauf, trotz der teuren Zeit sei bei ihnen der Verdienst kleiner, als bei billigen Preisen. Bezahlt wurden pro Paar für Ferkel, 810 Wochen alt, 3645 Mk., 1214 Wochen alt 5070 Mk., 1820 Wochen alte Tiere gingen mit 75100 Mark pro Paar ab. Einleg- schweine erzielten, je nach Qualität, das Stück 6090 Mk. Ter Markt wurde bis auf einen kleinen Ueberstand geräumt.

' Groß-Fclda, 2. April. Unser gestrigerOst e r ma rft nahm, von schönem Wetter begünstigt, einen guten Verlaus. Der. Schwcinemarkt, der erste derartige für die Umgegend, war außer­ordentlich stark befahren. Preise wurden für die Ferkel bezahlt in einer Höhe, die Erstaunen erregt. Galt doch das Paar Jung- fchweine 6070 Alk. und 7080 Alk., ja sogar 85 Mk. Für wiche Beträge kaufte man früher die Läufer. Letztere kosteten jetzt bis zu 130 und 140 All., waren aber weniger ausgetricden. Trotz der Höhe der Preise war die Nachfrage recht lebhaft und der Handel flott. Die außerordentlich hohen Ferkelpreife werden verursacht durch den auf seiner Höhe stehen bleibenden Preis für die fetten Schweine, deren Pfund Lebendgewicht mit 4850 Psg. bezahlt wird.

Limburg a. d. L 2. April. Frachtmarkt. Durch­schnittspreise pr. Matter. Roter Weizen 14.58 Mk., Weißer Weizen 00.00 Alk., Korn 10.70 Mk., Gerste 9.46 Mk., Hafer 8.28 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Alk.

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Bekanntmachung.

In das hiesige Handelsregister, Abt. B, wurde heute eingetragen bezüglich derGießener Depositenkasse und Wechselstube der Bank für Handel und Industrie", Zweigniederlassung zu Gießen: Der Kaiserliche Bankdirektor Paul Rump zu Coblenz ist zum Direktor der Bank mit dem Wohnsitze zu Berlin, und Otto Davisson zu Hannover zum stellvertretenden Direktor der Bank mit dem Wohnsitze zu Hannover bestellt worden.

Gießen, am 1. April 1902. 2670

______________Großherzogliches Amtsgericht.______________

Bekanntmachung.

In das hiesige Genossenschaftsregister wurde heute bezüg­lich des Eisenbahn-Consurn-Vereins Gießen, e. G. m. b. H., eingetragen: Eisenbahnsekretär Michael Bauerist aus dem Vorstande ausgeschieden und an seine Stelle der Stationsassistent Ernst Franz zu Gießen gewählt worden.

Gießen, am 1. April 1902. 2671

Großherzogliches Amtsgericht.

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(Staatlich anerkannte Unterrichts-Anstalt.)

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der Unterricht an unserer Anstalt nicht mehr wie seith. in Sommer­und Winter-Semester mit Abendstunden, sondern das ganze Jahr in 3 Klassen stattfindet; im obligatorischen Unter­richte werden bei einer Jahresschuldauer von 40 Wochen mindestens 6 Stunden Tagesunterricht pro Woche in jeder Klasse erteilt.

Das neue Schuljahr beginnt Donnerstag, den 10. April nachmittags V/2 Uhr. Die Eröffnungsfeier, wo­bei Lehr- und Stundenplan, Haus- und Schulordnung, sowie andere Mitteilungen bekannt gegeben werden, soll Mittwoch, den 9. April abends präcis 9 Uhr stattfinden.

Anmeldungen, wobei das letzte Schulzeugnis vorzu­legen ist, können vom 1. April ab täglich mittags von 12 bis 1 Uhr bei unserer Schulleitung, Schillerstr. 5/11. erfolgen. Es wird ausdrücklich bemerkt, daß nach Beginn des Schuljahres keine Schüler mehr ausgenommen werden, außer denjenigen, welche erst nach dem 10. April, sei es von auswärts oder aus Gießen selbst, in kaufmännische Geschäfte eintreten.

Das Schulgeld beträgt: I. Für die obligatorischen Lehrfächer: einfache und doppelte Buchführung, Korrespondenz, Rechnen, Schönschreiben, Grammatik, Orthographie, Wechsel­lehre und Handelsgcographie mit Warenkunde zus. 25 Mk.

II. Für die fakultativen Unterrichtsgegenstände, in welchen die Stunden abends stattfinden:

1. Für Französisch........... 20 Mk.

2. Englisch .......... . 20

3. , Stenographie-Anfänger ...... 6

4. -Vorgeschrittene ..... 6

5. Doppelte und amerikanische Buchführung . 10

6. Maschinenschreiben....... 10

Schüler, deren Prinzipale oder Väter nicht Mitglieder des kaufm. Vereins sind, zahlen das doppelte Schulgeld. Auf Nachsuchen können durch die Schulkommission ganze oder halbe Freistellen bewilligt werden.

Der Besuch der Anstalt befreit vom Besuche der obligatorischen Fortbildungsschule, die alle aus der Volksschule entlassenen Schüler, sowie diejenigen höherer Lehr­anstalten, welche nicht ein Jähr der Obertertia angehört haben, besuchen müssen.

Gleichzeitig machen wir bekannt, daß während des Som­mer-Semesters auch wieder ein Tamentursus in Vereinigung mit der Alice-Schule, woselbst auch die Unterrichtsstunden stattfinden, abgehalten wird. 2562

Das Schulgeld beträgt für alle Lehrfächer, einfache Buchführung, Korrespondenz, Wechsellehre, Rechnen, Schön­schreiben, zusammen .......... 20 Mk.

Außerdem ist auch Gelegenhett geboten, Maschinenschreiben zu erlernen, wosiir pro Kursus 10 Mk. erhoben werden.

Die Schuttommifsion der kausm. Fachschule.

Arbtils-LerBuilg uni) Merilillieserung.

Die Erd- und Pflasterarbeiten für die im Laufe des Betriebsjahres, vom 1. April 1902 bis 31. März 1903, er* forderlichen Kabcloerlegungcn, sowie die hierzu benötigten Materialien, wie Backsteine und Lahnkies, sollen

Mittwoch den 9. d. Mts., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden.

Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserem Büreau zur Einsicht offen. An­gebote sind spätestens bis zum obengenannten Termin bet' uns einzureichen. Zuschlagsfrist etwa 14 Tage.

Gießen, den 1. April 1902.

Städtisches Elektrizitätswerk Gießen.

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Darmstadt, Nieder-Ramstüdterstraße 28,

bereitet in Real- und Gymnasialabtellungen zum Einjährigen-,. Primaner- und Abiturienten-Examen, sowie zum Eintritt in mitt­lere und obere Klassen höherer Lehranstalten vor. Beginn des Sommcrfcmeftcrs: 7. April. 12133s Bl. Eilen.

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