Ausgabe 
3.3.1902 Zweites Blatt
 
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Staaten für meinen teueren Bruder veranstal-'t worden ist, sehr hoch." Auf ein Begrüßungstelegramm, das der Berliner Oberbürgermeister Kirschner an den New- Yorker Mayor gerichtet hat, ging folgendes Antrworttele- gramm ein:Im Namen der Stadt Ncwyork erwidere ich Ihre freundschaftlichen Grüße. Newyork wird den Prinzen mit aller Herzlichkeit empfangen. Mit Ihnen hoffen wir, daß sein Besuch viel dazu beitragen wird, die Bande, welche die beiden Länder stets verbunden haben, zu dauernder Freundschaft zu kräftigem Low, Mayor." Das Telegramm gelangte durch einen unaufgeklärten Irrtum nicht in Besitz des Magistrats, es wurde einige Tage später erneut herüber­gekabelt mit folgendem Zusatz:Ich kann jetzt noch hinzu- fügeu, daß der Prinz uns alle gefangen genommen hat. Low."

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Tie heutigen letzten Dxahtmeldungen aus Amerika lauten:

Nashville, 3. März. Prinz Heinrich ist mit Ge­folge gestern Nachmittag 2 Uhr 30 Min. hier eingetroffen und nahm eine Viertelstunde Aufenthalt. Ueder 10 000 Männer, Frauen und Kinder hielten den Bahnhof besetzt und begrüßten den Prinzen aufs lebhafteste. Tie Spitzen des Empfangskomitees, Gouverneur Mc. Millin und Bürger­meister Mead bestiegen die Plattform des Salonwagens. Tie Hurrarufe lder Menge übertönten die Musik. Der Bürger­meister hielt eine herzliche Begrüßungsansprache. Prinz Heinrich dankte mit freundlichen Worten. Hieran schloß sich eine Gcsangsaufführung einer Sängergefellschast von Negern, worauf der Zug nach Indianapolis weiter dampfte.

Newyork, 2. März. Ter Empfang des Prinzen Hein rich in Cincinnati war besonders eindrucksvoll. Ein wahres Fahnenmeer und gewaltige Menschenmassen erwar­teten den Zug. Die Beleuchtung war prächtig, die Begeiste­rung großartig.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Am Samstag beriet man zum zwcitenmalc den Entwurf betr. Erwerb von Bergwerkseigentum durch den Staat. Man stimmte den Plänen der Regierung von allen Seiten freudig zu. Nach Annahme dieses Entwurfes unterhielt man sich mit einigem Interesse über die Zen­tra l g e n o s s e n s ch a f t s k a s s e und erfuhr mit Staunen, daß ihr jetziger Umsatz fünf bis sechs Milliarden betrage. Ter Finanzminister hob besonders die Vorteile hervor, die auch der Landwirtschaft von dieser Kasse erwachsen wären, allerdings unter dem Widerspruch des Abg. Tr. Crüg er, der über die Undankbarkeit der Landwirtschaft gegen solche Wohlthaten Klage führte. Auch war dieser höchst unzufrieden mit der Statistik über das Genossenschafts­wesen, zumal die Angabe des allgemeinen Umsatzes an sich gar nichts beweise. Seine Behauptung, daß die Kasse der Milchzentrale 700 000 Mark Kredit widerrechtlich bewilligt habe, wurde vom Negierungstisch zurückgewiesen. Tann mel­deten sich zur Mitteilung der allgemeinen Zufriedenheit mit der Verwaltung der Zentralgenossenschaftskasse die Herren v. Arnim, Arendt, Graw, v. Brockhausen, v. Werdeck zu Morte, sodaß auch die angeblich undankbare Landwirt­schaft sich dankbarer ssrwies als ihr Stuf. Zum Schlüsse verhandelte man über den Etat der direkten Steuern. Ta klagte besonders auf nationalliberaler Seite Dr. Döt­ting er über die Heranziehung der Aktiengesell­schaften zur Steuer deswegen, weil der ganze Gewinn ohne Rücksicht auf frühere Gewinnreserven und notwendige Abschreibungen herangezogen würde. Ter Finanz- mi n i st c r gab zu, daß berechtigte Abschreibungen unbean­standet bleiben sollten, stellte aber im übrigen dem kauf­männischen Standpunkt des Vorredners seinen steuerfiskalu- schen gegenüber. Der Abg. Porsch sorgte dann für Vertagung.

Aus Stadt und Zand.

(Ter Abdruck der unterdiescr Rubrik beftndlicheuOriginal-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe:Gieß. Arrz." gestattet.) Gießen, 3. März 1902.

* * Von der Universität. Se. Magn. Prof. Dr. Hansen teilt uns mit, daß die in unserer Samstag-Nummer abgc- druckten Angaben auswärtiger Blätter über eine Berufung des Prof. Dr. von Herff aus Basel nach hier falsch sind. Bis heute ist überhaupt ein Ruf nicht ergangen.

* * Zustizpersonalieu. Durch Entschließung des Ministeriums der Justiz wurden beauftragt mit Wahrnehmung der Dienst­verrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Groß- Umstadt der Gerichtsassessor Kopp in Groß-Umstadt, bei dem Amtsgericht Seligenstadt der Gerichtsassessor Wahl in Lauter­bach, bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach der Gerichts­assessor Scotti in Vilbel, bei dem Amtsgericht Zwingenberg der Gerichtsassessor Specht in Fürth, bei dem Amtsgericht Mainz der Gerichtsassessor Dr. Niayer in Mainz, mit Wahr­nehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Rheinhessen der Gerichtsassessor Schneider in Mainz, mit Wahrnehmung der Dicnstver- richtungen eines Amtsanwalts in Fürth der Gerichtsassessor A l l w o h n in Gießen, m Groß-Umstadt der Gerichtsassessor S t e n z in Darmstadt, in Lauterbach der Gerichtsassessor Iöckel in Gießen, in Mainz der Gerichtsassessor Meintzinger daselbst.

* * Vom 80. Geburtslage des Geheimrats Pros. Tr Eckhard. Aus allen Teilen Deutschlands und vielen außerdeutschen. Ländern sind dem Geh. Rat Prof. Dr. Eckhard zu seinem 80. Geburtstage Glückwunschdepeschen und Schreiben zuge­gangen. Der Groß Herzog sandte dem greisen Gelehrten ein in den huldvollsten Worten gehaltenes Telegramm. Von anderen Glückwunschtelegrammen seien die des Staats- ministcriums, der Medizinalabteilung des Ministeriums und des Offizicrkorps des Jnf.-Reg. Nr. 116 heroorgehoben. Ferner drückten ihm eine große Anzahl ärztlicher und wissen­schaftlicher Vereine, Fachgenossen von den Universitäten Berlin, Leipzig, Marburg usw., Professoren, Aerzte usw. usw. auf telegraphischem Wege ihre Glückwünsche aus.

Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 3, enthält u. a. das Vorlesungsverzeichnis der Universität zu Gießen; ferner folgende Zulassungen zur Rechtsanwaltschaft: Am 14. Januar wurde der Rechtsanwalt Dr. Löb in Darmstadt auf Grund von § 10 der N.-A.-O. gleichzeitig zur Rechtsanwaltschaft bei dem Oberlandesgericht, am 17. Januar wurde der Ge­richtsassessor Rohde in Darmstadt zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg zugelassen. Folgende Dicnstnachnchten: Am 28. Dezember 1901 wurde dem Schul- amtsspirantcn Hirchenhein aus Hain-Gründau, Kreis Büdingen, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Unter- Schmitten, m demselben Kreis, übertragen; am 4. Januar

wurde der von dem Prinzen Friedrich zu Solms-Braunfels auf die Lehrerstelle an der Gemeinoeschule zu Bettenhausen, Kr. Gießen, präsentierte Schulamtsaspirant Kruger aus Eckelsheim, Kr. Alzey, für diese Stelle bestätigt, am 8. Ja­nuar wurde dem Schulocrwalter Eberle zu Michelnau, Kr. Büdingen, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule daselbst, am 15. Januar dem Schulamtsaspiranten Schmidt aus Vilbel, Kr. Friedberg, eine Lehrerstelle an der Gemeindcschule zu Nieder-Roden, Kr. Dieburg, übertragen; am 16. Januar wurde dem Geometergehilfen Kl ein sch mitt aus Nieder- Olm das Patent als Geometer 2. Kl. für den Kreis Mainz und dem Geometergehilfen Steinbock aus Butzbach das Patent als Geometer 2. Kl. für den Kreis Friedberg verliehen; am 25. Januar wurde der von dem Fürsten zu Psenburg und Büdingen zu Büdingen auf die Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Orleshausen präsentierte Schulamtsaspirant Vier- Heller aus Herchenhain, Kr. Schotten, für diese Stelle be­stätigt; am 28. Januar wurde dem Schullehrer i. P.,' Schul- verivalter Bra un zu Lampertheim, Kr. Bensheim, die Lehrer- stclle an der Gemeindeschule zu Maibach, Kr. Friedberg, au demselben Tage dem Schullehrer Heydt zu Heidelbach, Kr. Alsfeld, die Lehrerstclle an der Gemeindcschule zu Billerts­hausen (in demselben Kreis) übertragen. Am 15. Januar wurde der Pfarrer Blankenberger in Gunderheim zum Domkapitular ernannt. Folgende Konkurrenzeröffnungen: Erledigt sind: die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hassenroth, Kr. Erbach. Dem Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg steht das Präsentationsrecht zu derselben zu, eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstclle an der Gemeindeschule zu Bischofsheim, Kr. Groß-Gerau, mit der Stelle ist Organistcn- dienst verbunden, die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Gau- Weinheim, Kr. Oppenheim, mit der Stelle ist Organistendienst verbunden, sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt.

** Ausgrabungen. Dieser Tage fanden wieder Ausgrabungen in der Umgegend von Großen-Linden statt. Nachdem man im DistriktFuchsbau" sehr große und lvert- volle Funde gemacht hatte, mußte man annehlnen, daß in der unmittelbaren Umgebung beider Gräber noch mehr Be­gräbnisplätze aus derHallstattzeit" zu finden seien. Eins der . beiden entdeckten Gräber war außerordentlich reich­haltig, sodaß man annehmen muß, daß hier ein Großer des Volkes seine Ruhestätte hatte, sand man doch etwa 10 größere und in diesen zwei kleine Urnen, ferner mehrere flache Schalen, Bronzeringe und die Bvonze- und Lederreste eines Gürtels. Die Lage der Hünengräber if schon äußerlich leicht erkennbar; sie befinden sich unter kleinen, meist kreisrunden Hügeln von ungefähr 7 bis 10 Meter Durchmesser. Solcher Hügel befinden sich im Distrikt Fuchsbau" eine große Anzahl. Den Fuchsbau erreicht man, wenn man von Gießen aus die Leihgesternerstraße am Bergwerk vorbei geht, und daun etwa in der Mitte des Waldes rechts die tzügelschneise in der westlichen Richtung nach der Main-Weser-Bahn einschlägt. In der drittletzten Schneise nach dem Bahnkörper muß man dann links ein­biegen. Dieser Wald führt die BezeichnungLindener Mark- Wald" und ist mit hohen Kiefern bestanden. Die Grab­ungen vom Samstag vor 8 Tagen waren wieder teilweise von Erfolg gekrönt. Mehrere Gräber wurden ausgedeckt, die zum Teil leer waren. Jedoch sand man auch wiederum Bronzegegenstände, sowie mehrere recht große Urnen und einige flache Schalen. Eine Urne zeichnete sich durch ganz besondere Größe aus, sie hatte einen Durchmesser von etwa 50 Ctm. In einer der großen Urnen fand man eine kleine Urne, die auf jeder Seite einen Henkel hatte. Die Urnen waren noch gut erhalten und teilweise mit Knochenresten, Kohlen und Asche angefüllt. Die Funde wurden nach Gießen ins Museum gebracht. Die Ausgrabungen im Fuchsbau sollen fortgesetzt werden.

- Wissenschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer. Man schreibt aus hiesigen Lehrerkreisen: Auch in diesem Jahre soll während des Sommersemesters an unserer Universität ein Fortbildungskursus für Volksschullehrer ins Leben gerufen werden. Der Vorstand des Gießener Lehreroereins hat sich deshalb bereits mit Sr. Magnistcenz, dem Rektor Prof. Dr. Hansen sowie mit einigen Dozenten ms Benehmen gesetzt und auch diesmal wieder so viel dankenswertes Entgegenkommen gefunden, daß an dem Gelingen des Vorhabens kaum mehr zu zweifeln ist. Die Universität kommt durch Einrichtung solcher Kurse der Lehrerschaft in anerkennenswerter Weise entgegen, und es (ist) würde sicher ein Herzenswunsch der Lehrer Gießens und der Umgegend erfüllt werden, wenn solche Hochschulkurse an unserer Ludoviciana zur dauernden Einrichtung würden. Während nun im vorigen Somrner- scmester Kapitel aus der Volkswirtschaftslehre, der Geschichte der deutschen Sprache und der allgemeinen Geschichte behan­delt wurden, soll sich der Arbeitsplan des diesjährigen Kurses und seiner etivaigen Nachfolger wesentlich anders gestalten. Es ivird nämlich geplant, für die Zukunft auch die Natur- ivisscnschaften und die ihnen verwandten Fächer in das Ar­beitsgebiet hereinzuziehen. Zu diesem Zwecke sollen zunächst durch eine kurze Entstehungsgeschichte der Erde, durch Dar­stellung der klimatischen Verhältnisse rc. die allgemeinen geographischen Grundlagen und die Existenzbedingungen der Lebewcsen^gegeben werden, woran sich später eine Behand­lung der Tier- und Pflanzenwelt, sorvie eine Länder- und Völkerkunde anschlicßcn könnten. Es würde so in einer Reihe von Fortbildungskursen den Teilnehmern allmählich ein ab­gerundetes Ganzes geboten werden. Neben diesen Disziplinen soll als ständige Begleiterin die Geschichte, die Lehrerin der Menschheit, auftreten, während durch Vorlesungen aus dem Gebiete der Erziehungs- und Unterrichtswissenschaften auch die eigentlichen Berufsfächer ihre Pstege finden sollen. Ge­lingt der Lehrerschaft die Durchführung dieses Planes, und bietet unsere Landcsuniversität hierzu auch in Zukunft die Hand woran ja nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu zweifeln ist so werden aus der so gestreuten Saat sicher gute Früchte für Volksschule und Volksbildung reifen; die mühevolle Thätigkeit der Dozenten wird zwar äußerlich nicht so erfolgreich und dankbar sein, wie ihre eigentliche Be- rufsthätigkcit, aber doch im Stillen und Kleinen reichen Segen stiften; die nicht unerheblichen Opfer aber an Zeit, Mühe und Geld, die gar viele der Lehrer, die aus weiter Ferne kommen, bringen müssen, werden mit Freuden gebracht sein, da sie einer guten Sache gedient haben.

** Der hiesige Verschönerungs-Verein hielt am Freitag Nachmittag im Cafe Ebel seine Generalversammlung ab. Wie in den beiden Voqahre«, fo hat der Verein auch tm Jahre

1901 seine Zwecke zu fördern gesucht, sowohl in selbstthätiger Weise, wie auch durch geldliche Beteiligung an gleichgerichteten Bestrebungen anderer hiesiger (Korporationen. Was zunächst die eigene Thätigkeit des Vereins angeht, so erstreckte sich diese auf Anlage von Spazierwegen, Aufstellung von neuen Ruhe- bezw. Aussichtsbänken und Erhaltung der bereits ge­schaffenen Anlagen. Namentlich wurde in der Wannschneise auf der noch rauhen Strecke vom Eingang der Schneise bis zur Licherstraße in Länge von 660 Meter ein Fuß­weg neu angelegt und am Waldeseingang mit einer neuen Ruhebank versehen. Dieser Fußweg verbindet als Mittelglied die in den Vorjahren vom Verein angelegten Fußwege im alten Felde und in der Wannschneise und vollendet damit einen guten, vom Friedhöfe aus wohl den kürzesten Spazier­gang nach dem Aussichtsthurm auf der Hochwart. Ferner sind die Wege im Hafenkopf aufgebessert und ist der steile Abhang vom Georgstempel nach dem Tanzplatz herab durch Anlage eines Fußweges bequemer und sicherer passierbar ge­macht worden. Die Stadt- und Forstvcrwaltung hat den Wünschen des Vereins auf Fortsetzung des Fußpfades im alten Schiffenberger Weg in sehr dankenswerter Werse statt­gegeben. Dieser vordem nur bis zur 2. Schneise reichende Fußpfad ist im verflossenen Jahre um ein gutes Stück (über 300 Meter) fortgeführt worden. Die Arbeiten zur Vollendung der ganzen Strecke bis zur Hasenkopfschneise sind zuständigen Orts bewilligt und bereits in Angriff genommen. Es wird danach auch dieser von vielen vorgezogene Zugang zum Schiffenberg auf durchweg gutem Wege zurückzulegen sein. Um der unbefugten und ruinierenden Benutzung dieser Fußwege durch Reiter entgegen zu wirken, wurden vom Verein bezügliche Warnungstafeln angebracht. An neuen Bänken kamen vier Stück zur Ausstellung, eine derselben mit freund­licher Erlaubnis des Grundbesitzers unfern des Hardthofes in der Nähe des Weges nach dem Gleiberg, wo sich eine be­sonders schöne Aussicht in das obere Lahnthal bietet. In Förderung seines auf Anlage und Verbesserung von Aus­sichtspunkten gerichteten Zweckes hat, worauf schon hingewiesen, der Verein auch im Jahre 1901 erhebliche Aufwendungen gemacht durch Beihülfen für Errichtung des Hochwart- und Dünsbergthurmes, sowie zu Erneuerungen an den Baulich­keiten der Burg Gleiberg. Die hierfür der Stadtverwaltung und den in Frage kommenden Vereinen im Berichtsjahre ge­machten Zuwendungen haben zusammen Mark 600 betragen. Im Ganzen sind für die Zwecke des Vereins rund Mark 1470. zur Ausgabe gelangt eine Summe, welche, außer den Jahreseinnahmen, auch einen Teil der früheren Rücklagen in Anspruch genommen hat. Wenn der Vorstand trotzdem darauf Bedacht nimmt, auch im laufenden Jahre für Neuanlagen (unter denen eine Schutzhütte auf der Hardt, unfern des Weges nach dem Gleiberge geplant ist) seine Reserven, wenn auch in geringerem Maße, heranzuziehen, so thut er dies in der Hoffnung, daß die auf die Freude aller gerichteten Bestrebungen des Vereins Anerkennung finden und ihm nicht nur feine jetzigen Mitglieder treu bleiben, andern von Jahr zu Jahr neue Mitglieder beitreten werden.

* * Konzert Rakoezi. Nach längerer Pause hat uns wieder einmal das Oe st. -Ungar. OrchesterRakoczi" einen Besuch abgestattet. Es fand auch diesmal ein volles Haus. Jubelnd begrüßten die Anwesenden die eigenartigen musika­lischen Darbietungen und verdreifachten durch teilweise ge­radezu frenetischen Beifall das aus 8 Nummern bestehende Programm. Es sind ganz respektable musikalische Kräfte in dem Orchester vertreten. In erster Linie verdienen der Primo-Geiger und der Cymbalspieler erwähnt zu werden. In etwas loser Verbindung mit den ersten beiden Teilen rand der dritte, den die Dame Bier out als Flammcn- änzerin ausführte. Auch hier setzte der Beifall stets kräftig ein und steigerte sich noch, als das Kaiserhaus in mehr ober weniger gelungenen Abbildungen auf der Bildfläche erschien. Wie man uns mitteilt, wird das Orchester infolge der günstigen Aufnahme, die es gestern hier fand, auf der Rück­reise von Kassel im Laufe dieser Woche nochmals in Gießen konzertieren.

* * Bubenhände haben in der letzten Zeit an 34 )er in der Liebigstraße befindlichen eisernen Baumschoner die Verzierung teils heruntergebogen, teils abgebrochen. Am Samstag gelang es nun einem Schutzmann, einen der Thäter in der Person eines 15jährigen Lackiererlehrlings zu er­mitteln und zur Anzeige zu bringen. Er hat bereits eiiv gestanden, daß er an einigen der Schoner die Beschädigung ausgeführt hat.

* * Verhaftungen. Ein hiesiger Taglöhner, der gestern abend in betrunkenem Zustande seine von ihm gk- trennt lebende Ehefrau auf dem Lindenplatze mißhandele, widersetzte sich dem hinzukommenden Schutzmanne, siodaß er mit Hilfe Vorübergehender in das Haftlokal gebracht werden mußte. Es entstand dabei ein großer Menschen- auslauf. Ein erst gestern aus dem Gefängnis zu Darm- ladt entlassener Mann von auswärts, der dort eine Ge- ängnisstrafe wegen Widerstands verbüßt hat, mußte wegen ungebührlichen Betragens heute nacht am hiesigen Bahnhof aus dem Wartesaal verwiesen werden. Vor dem Bahnhofs-- gcbüubc verursachte er fortgesetzt einen derartigen Lärm, daß er in Haft genommen werden mußte.

* * Kam in brand. Gestern abend gegen 10 Uhr ent- tand in einem Haufe der Katharinengasse Feuer, das durch den schadhaften Karnin verursacht worden war. Tas Ge­bälk begann zu brennen, doch wurde das Feuer bald ge­löscht, sodaß weiterer Schaden nicht entstand.

* * Unfall. Auf dem Kmrzleiberg kam heute vormittag ein mA Gerüststanaen beladener Wagen ins Rollen. Der mit zwei Pferden bespannte Wagen stieß mit voller Wucht gegen den Schaufenster-Soc^l des Ranstschen Ladens, worauf die Pferde stürzten und die Deichsel in Stücke ging. §atte die Deichsel einige (Zentimeter höher gestanden, so wäre die Spiegelschele in Trümmer gegangen. Ein Glück toar es, daß im kritischen Moment niemand die Stelle! -assierte.

3m evang. Arbeiterverein hielt gestern abend Ober- konsistorialrat Waas einen Vortrag über die wichtige Frage: Wie erziehen wir unsere Kinder zur Wahrhaftigkeit?" ®r führte etwa folgende Gedanken aus: Die Lüge ist eins der Grundübel der Welt, eine der mörderischen Ursünden, für die es keines Beweises bedarf. Umgekehrt ist die Wahrhaftig­keit der^Weg zum Höchsten, was ein Mcnschenherz erfüllen kann. Sollen unsere Kinder rvahrhaftig werden, so kommt es vor allem darauf an, daß die ganze Atmosphäre des Hauses, in dem sie leben, durchdrungen ist von einer Wahr­haftigkeit, die auch in ihrer Ausdrucksweife einfach und schlicht