Ausgabe 
3.3.1902 Zweites Blatt
 
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Theater, Kunst und Wissenschaft.

Der Goethebund in Berlin erläßt einen Aufruf zur Gründ­ung eines deuticken Bo lks-Schillerpreises, der in regelmäßigen

Paris, 2. März. Nach einerMeldung desTemps" aus Saigon ist ein chinesisches Schiff mit 2 5 0 Passa­gieren auf der Fahrt von Namdisch nach Hanoi bei Hungyen untergegangen. 200 Passagiere, darunter eine Fran­zösin mit zwei Kindern, sollen ertrunken sein.

Agram, 2. März. Großes Aufsehen erregt hier das Verschwinden des Paters Barbios, eines besonderen Günstlings des Erzbischofs, und der Nonne Kl an da. Die­selben sollen schon seit Langem ein intimes Verhältnis unter­halten und sich nach Amerika geflüchtet haben.

* Ueberschwemmungen werden aus Spanien und Nordamerika gemeldet. Das ganze Gebiet östlich des Mississippi ist von Ueberschwemmungen heimgesucht. Die herrschenden Stürme haben großen Schaden angerichtet. Mehrere Personen sind umgekommen. Eisenbahnen und Telegraphenlinien sind vielfach beschädigt. Der Verkehr er­leidet große Verspätungen oder ist eingestellt. Ein Zug der Harleni-Eisenbahn entgleiste, weil das Geleis fortgeschwemmt war. Drei Personen kamen dabei umsLeben. Zahl­reiche Fabriken haben den Betrieb einstellen müssen. In Pitts- burg (Alleghany) hat das Wasser die zweiten Stockwerke der Häuser erreicht. Der Sturm wütet ununterbrochen vom At­lantischen bis zum Stillen Ozean. Sämtliche Kohlenlager in Cumberland im Pennsylvani-Thal wurden durch eine Wasser­hose überschwemmt. In Spanien sind zahlreiche Flüsse aus den Ufern getreten und haben große Verheerungen an= gerichtet.

ichassung der nötigen ^elömittei.

, 1. März. Der Geschäftsbericht derDeut-

s sÜr das Jahr 1901 stellt

erhältnisse bewirkten &

Vermischtes.

* Berlin. 2. März. Das in letzter Zeit vielfach an­gegriffene und von ihren Anhängern lebhaft verteidigte Medium Anna Rothe ist gestern in der Wohnung des Prwatlehrers Jentsch von Kriminalkommissaren entlarvt und samt ihrem Gatten, sowie ihrem ProtektorJentsch ver­haftet worden.

Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und Berlin. (Darmstädter Bank.) Der Aufsichtsrat beschloß, der Generalver­sammlung für das abgelausene Geschäftsjahr die Verteilung einer Dividende von 4 Prozent, (i. V. 6 Prozent) vorzuschlagen. Nach Uebertrag von 1759798 Mk. aus der besonderen Reserve auf Deleredere-Konto II für möglicherweise gefährdete Beteiligungen und Forderungen ergiebt sich pro 1901 ein verteilt) ar er Reingewinn vor: 4277000 Mark gegenüber 6858220 Mark 133. Der Geschäfts­bericht bemerkt, wenn auch das Gesamtergebnis des vergangenen Jahres den Erwartungen der Verwaltung in keiner Weise ent­sprochen habe, sei es doch gelungen, durch eine Reihe von neuen Geschäften, wie insbesondere die Errichtung der Neuen Boden- Mtiengesellschast, der Reorganisation der Berliner Hypothekenbank (früher Pommersche Hnpocheken-Mtienbank) und die Ueberleitung der Werke der Differoinger Gesellschaft auf die Deutsch-Luxem­burgische Bergwerks- und Hütten-Mtiengesellschaft nicht nur chre geschäftlicher: Beziehurigen nach jeder Richtung zu erweitern, son­dern auch für die künftigen Geschäftsjahre größere stille Reserven zu schaffen. Der Aufsichtsrat ernarmte den bisherigen Direktor der Reichsoanknebenstelle in Koblenz, Rumpf zum Vorstandsmitglied mit dem Wohnsitz in Berlin und Otto Dcwsson in Hannover zum stellvertretenden Vorstandsmitgliede der Bank.

Märkte.

Grürrberg, L März. Fruchtmarkt. (Durchschnitts­preis pro 100 Kilo.) Weizen 16.16 bis 00.00 Mk., Korn 00.00 bis 00.00 Mk., Gerste 13.24 bis 00.00 Mk., Hafer 14.08 bis 00,00 Mk., Erbsen 15.66 bis 00.00 Mk., Linsen 00.00 -Dif., Lein 00.00 All., Wicken 004)0 Mk., Samen 00.00 Mk., Kartoffeln ODO bis 0.00 Mk.

fc. Frankfurt cu M., 3. März. (Orig.-Telegr. desGießen. Ara.") Amtliche Notierungen der heutigen Frucht markt preis e. Weizen All. 17.2517.50, Kurhessischer Mk. 17.5000.00, La Plata Mk. 17.7o18.00 , Kansas Mk. 00.0000.00, Roggen (diesiger) Mk. 14.2514,50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.7516.50, Kleie 5)tt 00.0000.00, Hafer Mk. 16.2516.50, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 12.75, Weizenmehl 0 Mk. 25.5026.00, 2. Qualität Mk. 23,50 bis Mk. 24.00 , 3. Qualität Mk. 21.5022.00 Rogqenmebl 0 Mk. 22.5023.00, 1. Qualität Mk. 21.2521.50, Weizenklere Mk. 8.50 bis Mk. 8.75, ^)toggenkleie Mk. 9.259.50, Maiskeime All. 9.50 bis Aik. 10.00, Frmikenpfälzer Rieb Mk. 00.0000.00. Alles per 100 Kg. ab hier.

lo. Frankfurt a. M., 3. März. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz/). Amtliche Notierungen der heutigen Vieh Markt­preise. Zum Verkaufe standen 446 Ochsen, darunter 149 aus Oesterreick), 46 Bullen, darunter 0 aus Oesterreich, 776 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 290 Kälber, 383 Schafe und Hämmel, 1323 -Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 52 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 6466 Mk., 2. Qual. 5961 Ack., 3. Qual. 5457 Mk.; Bullen l.Quall 54 bis 56 Ml., 2. Qual. 4951 Mk.; Kühe 1. Qual, 5860 Mk., 2. Quall 5557 Mk., 3. Qual. 4345 Mk, 4. Qual. 3234 Mk., 5. Qual. 3031 Mk. Kälber : 1. Qualität7880 Pfg., LÄendgewicht 4648 Pf. 2. Quall 6972 Pfg Lebendgewicht 4043 Pfg., 3. Quall Schlacht­gewicht 5860 Pfg., Schafe: 1. Quall Schlachtgewicht 6264 Pfg., 2. Qual. 58-60 Pfg., 3. Qual. 50-52 Pfg.; Schweine 1. Quall 67 Pfg., Lebendgewicht 53-00 Pfg., 2. Quall 66 Pfg., Lebendgewicht 52 Pso., 3. Quall 58 bis 60 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gedrückt, bei Kleinvieh mittelmäßig. Markt: geräumll Ueberstand beträchtlich.

ist nicht übertreibt und die vor allem nicht eine Luge, die doch nur niederen Motiven entsprungen ist, als Notlüge ent­schuldigt Im besonderen sind nun Kindern gegenüber fol- qenbe Punkte zu beachten: Man soll ihnen gegenüber nie etwas als sicher behaupten, wenn man es nicht genau weiß. Elternwort ist den Kindern etwas unerschütterlich Feststehendes, Zweifel daran kennt es nicht em Himmel stürzt ihm em, wenn es erfahren muß, daß die Eltern es belogen haben. Versprechungen soll man Kindern gewissenhaft halten, Droh­ungen erfüllen. Man suche auch nicht damit auf sie emzu- wicken, daß man ihnen sagt, dieses oder jenes Schreckgespenst sei vor der Thür; sie werden sich bald von der Nichtigkeit solcher Gefahren überzeugen. Etwas anderes ist es mit der Märchenwelt, bcm Christkind und Osterhas. Nur gilt es hier, den Uebevgang aus der Phantasie in die Wirklichkeit weise zu vermitteln. Einen Unterschied muß man machen zwischen solchen Unwahrheiten, die nur der lebhaften Phantasie ent­springen oder nur von der geschwätzigen Zunge Hüpfen, ohne einen langen Weg hinter sich zu haben, und solchen, die die Freude an der Verdrehung der Wahrheit geboren Hal. Be­sonders schonend müssen solche Kinder behandelt werden, die aus Willensschwäche und Schüchternheit lügen. Ihnen soll man den Miit und Willen zu stärken suchen durch^liebevolles Zureden, wie auch durch körperliche Uebung. Im ganzen wird die gewaltige Macht der Lüge nur überwunden werden durch die größte Macht der Welt: die Liebe im Bunde mit dem Glauben.

* Jubil'am Der Arbeiter August Feisel aus Klern- kinden, der in der Oberhess. Eisenbahn-Werkstatt beschäftigt ist, feiert heute sein 25jähriges Jubiläum als Maschinen­arbeiter in dieser Werkstatt.

* Felddienstiibongen. In voriger Woche haben Feld­dienstübungen in der Gegend von Wieseck und Alten-Buseck stattgefunden. Nächsten Dienstag und Mittwoch manövrieren die 116er mit den Butzbachern in der Umgegend von Großen-Linden, Leihgestern und Watzenborn-Steinberg. Diese Orte werden zum Teil Einquartierungen erhalten.

d. Wieseck, 2. März. Heute Mittag fand hier eine Ver­sammlung des Ziegenzucht-Vereins statt, an der auch Oekonomierat Leithiger-Alsfeld teünahm. Herr Leithiger hielt einen belehrenden Vortrag über das Halten von Ziegen und die Vorteile der Ziegenzucht. Leider liegt die Ziegen­zucht bei uns noch sehr im Argen. Es wäre sehr wünschens- wert, daß mehr Ziegenbesitzer dem Verein beiträten.

)( Watzenborn-Steinberg, 1. März. Die WirtschaftZur Stadt Gießen" hier, die bisher dem Wirt Philipp gehörte, ging durch Kauf für 13 500 Mark an den Metzgermeister Schwarz aus Fronhausen bei Dillenburg über. Die Ueber- nahme erfolgt am 1. Mai. Der Käufer will in dem An­wesen gleichzeitig eine Metzgerei errichten.

Wetzlar, 1. März. Nach einer brieflichen Mitteilung des preußischen Landtagsabgeordneten, Direktor Schlabach an den Beigeordneten Apothekenbesitzer Hiepe hat die Budget­kommission in ihrer vorgestrigen Sitzung beschlossen, die Seitens des Kultusministeriums für eine Seminar- und Präparandcn-Anstalt in Wetzlar beantragten Mittel zu bewilligen.

s Erzhause«, 2. März. Der Taglöhner Wilhelm Banz von Erzhausen hat sich heute morgen in seiner elterlichen Hofraithe an einem Baume erhängt.

M. Darmstadt, 2. März. Eine höchst unliebsame Ueber- raschung bereitete am Samstag der Kammersänger Aloys Burgstaller feinen Getreuen. Die Ortsgruppe des Allg. deutschen Schulvereins hatte ihn für ein Extrakonzert ge­wonnen, das um 8 Uhr beginnen sollte. Der Großherog hatte sein Erscheinen zugesagll In den Blumenläden hingen zur Schau Lorbeerkranze von riesigen Dimensionen für die Krone des Abends: Herrn Burgstaller. Um 6 Uhr hatte er die Gnade, durch seinen Arzt abtelegraphieren zu lassen. Frau Kaschowska und Herr Hanes übernahmen einen Teil seines Programms mit erfreulicher künstlerischer Sicherheit.

Mainz, 1. März. Nach einer Mitteilung des Oberbürger- meifters Dr. Gaßner erfährt die Gemeindesteuer für das Jahr 1902/03 feine Erhöhung. Der Ausschlag auf die Mark Steuerkapital beträgt wieder, wie seit 12 Jahren, 29,4.

Marburg, 2. März. In derHess. Landesztg." richtet der verantw. Redakteur Martin Wenck folgende unverblümten Worte an das Stadtoberhaupt:

Der Herr Oberbürgermeister.

Am Staunen, Verwunderung, Empörung werden unsere Leser heute den Bericht über die gestrige Stadwerordneten-Verfammlung tefen. Als der Stadtv. Engel den thatsächlich empörenden Zu- Petitionen von Vereinen und Privaten an. ^.b^burgermeiftcr Schüler unbeantwortet bleiben, und dies erfreulicherweise in scharfen Worten that, hatte der ^^Oberbürgermeister bie Kühnheit, sich diesen Ton eines Stadtverordneten zu verbitten und zu bemerken, er wünsche, daß ein solcher -ion nicht wieder angeschlagen werde, wenn ihn die UEn ung ferner noch unter sich sehen wolle. Soweit hat es Selbstbeivußüem rnqeres Oberbürgermeisters gebracht, daß er sich derartiges erlaubt Das Blut muß jedem Marburger Bürger m den Kopf steigen, wenn er liest, wie em Stadtverordneter von öem von der ^tadt angestellten Bürgermeister behandelt wird. Daß m ^read)e ist keine Frage. Hat sich aber

Herr Engel tm -tone vergriffen, dann kommt eine Rüge nun und nmimermehr dem Herrn Oberbürgermeister zu, sondern eimia nnb allein dem Stadtverordnetenvorsteher. Dieser hat über den £on zu wachen, der m der Stadtverordnetenversammlrmg herrschen joU - aber nicht Herr Oberbürgermeister Schüler. Wir glalZen darum nn Jntereße der Marburger Bürgerschaft gegenüber un­berechtigten Eingriffen des HerrnOberbügermeisters er­klären zu lollen, baß wir es uns verbitten, unsere Stadt- ?Aro°rbnsCttetn Oberbürgermeister abgekanzelt zu

sehen, dessen oft recht wenig parlamentarische Rede­weise ihn am allerwenigsten berechtigt, so auhu= treten, wie am gestrigen Tage. Paßt aber dem Herrn Ober- burgermetiler em von einem Ltadtverordneten angeschlagener und von dem Herrn ^tadtverordnetenvorsteher unbeanstandeter Ton nicht-so wurden wir es durchaus nicht bedauern, wenn er es vorziehen sollte, dauernd aus den Stadtverord- netensikungen fern zu bleiben. Unersetzlich ist niemand in Ma b ~ aud-> nicht Herr Oberbürgermeister Schüler

Handel und Uerstrhr. Uolkswittschaft.

Darmstadt, 1. Aiärz. Die Hauptversammlung der Süd­deutschen Eisenbahn-Gesellschaft, in welcher 11960 Aktien mit 1710 Stimmen vertreten waren, genehmigte einstimmig die Aitträge der Verwaltung betreffend die Genehmigung des Vertrags mit der Stadt Darmstadt, Bildung einer Eisenbahngruppe für Nebenbahnen und Beschaffung der nötigen Geldmittel.

Frankfurt a. M., 1 schen Effekten- und Wechsel-Bank" s , fest, daß trotz der durch die allgemeinen Verhältnisse bewirkten Ver­ringerung der bankgeschäftlichen Thättgkeit der regelmäßige Betrieb des Instituts ein verhältnismäßig befriedigendes Ergeb­nis, lieferte. Der Aufsichtsrat schlägt eine Dividende von l1/, Prozent, gleich 4 All. per Aktie vor, bei einem Vortrage von 83231 Mk. auf neue Rechnung.

Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorn». C. Buchner in Wiesbaden. Aus dem Geschäftsbericht der gen. Firma über das Geschäftsjahr 1901 heben wir folgendes hervor: Der geschäftliche Niedergang des Jahres 1901 kam im allgemeinen gerade auf dem Gebiet der Elektrotechntt besonders scharf zum Ausdruck. Für unser Unternehmen können wir trotzdem mtt Geimgchuung feststellen, daß Umsatz wie Gewinn, in erster Linie Dank dem rastlosen zielbe­wußten Zusammenarbeiten unseres technischen und kaufmännischen Personals gegen das Vorjahr erhöhte Ziffern aufweist. Insbeson­dere hat unsere neugeschaffene Bahnabteilung alle Erwartungen voll erfüllt. Der erhöhte Umsatz veranlaßte uns, wenn wir auch wie vor an dem Grundsatz festhalten mtt möglichst niedrigem Kapital zu arbetten, auf L Juli 1901 auf 100 Stück Aktien die rest­liche Einzahlung von 75 Prozent eirauberufen. Schließt sich die Generalversammlung unseren Vorschlägen über die Gewinnver­teilung an, so werden unsere Mobilien sowie Werkzeuge und Uten- sttien mtt je 1 Mk., unser Anwesen Oranienftrahe 40 m Wiesbaden mtt dem sehr mäßigen Bettage von 120000 Alk. zu Buch stehen, während unsere Reserve gleichzettig eine nicht unbeträchtliche Stärkung erfahrt. Der Vorschlag einer Dividende von 7 Proz^ wie in den bewen Vorjahren unseres Bestehens, entspricht den An­schauungen aller unserem Unternehmen nahestehenden Kresse, die in erster Linie eine solide, durch bedeutende Abschreibungen uno Rück­lagen gesicherte Enttvickelung wünschen. Der Geschäftsgang im neuen Jghre war bis jetzt ein durchaus zufriedenstellender. Der Remgewinn beträgt 9047787 Mk. Dieser verteilt sich einschl. des Vorttags aus 1890 i. B. von 230271 Alk. folgendermaßen: Re­servefonds 5000 Alk., Spezialreservesonds 15000 9JIL, Dividende 39375 Alk., Genußscheine 16875 DL. Tantiemen 801684 Mk., Vor­trag auf neue Rechnung 851374 Mk.

Verhandlung gegen ihn wegen Betrugs engen auf den 18. März vertagt. Der

im

Dienstag den 4. März, nachmittags 51/, Uhr, im

Schwesternhaus Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde. Pfarrer Euler.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Montag, den 3. März, abends 8 Uhr, Bibel stunde Konsirmandensaal der Johanneskirche. Psalm 17.

Pfarrer Euler.

Zeitabschnitten von einer frei waltenden Jury dem Schöpfer beS besten deutschen Dramas zuerkannt werden soll.

Gerichtssaal.

M. Gießen, 1. März. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Zimmermann. Der Wagnermeister Karl Schneider! von Büßfeldt ist der gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Hehler« im Sinn der §§ 259, 260 St.G.B. angeklagt. Er soll fünf Holz- ftämme, von denen er wußte, daß sie ihrem Eigentümer gestt>hlen> waren, an sich gebracht und verheimlicht haben. In der heutigen Hauptverhandlung wurde sestgesrellt, daß die zur Aburtettung stehende Handlung durch Art. 29 des hessischen Forsssttafgesetzes in einer dem § 259 St.G.B. genau entsprechenden Fassung poenalisiert wird und daß diese Strafbestimmung durch Art. 2 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch aufrechlerhalten ist. Da der vorliegende Thatbestand mithin eine Uebertretung enthielt, welche jedoch, mangels einer richterlichen Handlung während dreier Alonate nach ihrer Begehung, verjährt war, so mußte das Ver­fahren e i u g e ft e 111 werden. Der Ehr. H. Voigt von Rothenburg ist der Unterschlagung und des im wiederholten Rück­fall begangenen Diebstahls verschiedener Gegenstände angeklagt und wird zu einer Gesamtgesängnisstrafe von 8 Aionaten 2 Wochen 2 Tagen verurteilt. Die Verhandlung gegen ihn wegen Betrugs wird zur Ladung eines Zeugen auf den 18. März vertagt. Der Wirt Rudolf U h l von Unter-Schmitten hat einen fremden, bereits bearbeiteten Eichendalleu, der in der Nähe seiner Wohnung gelegen hat, weggenommen und zur Unterlage von Fässern verwendet. Er wird wegen dieses Diebstahls zu 1 Woche Gefängnis verurteilt. Der Kolporteur Wilhelm Jacob von Dohlsmühle wird wegen Unterschlagung verscyiedener Geldbeträge zu 8 Monat Gefängnis abzüglich 2 Monat Untersuchungshaft, verurteilt.

Berlin, 1. März. Die vierte Strafkammer des Landgerichts I, verurteilte heute den Eheftedakteur der Nctt^Ztg. Kobner zu 50 Mk. und den Rechtsanwalt Horn in JnsteiAurg zu 100 Mk. Geldstrafe wegen vorzeitiger Veröffentlichung von Akten­stücken aus dem Krosick-Prozeß. DieNctt.-Ztg." bemerkt zu diesem Urteil: Wir werden die für die Preffe wichtige Streitfrage

durch Revision zur Entscheidung des Reichsgerichts bringen. Die Auffassung, der das Landgericht sich angeschlossen hat, würde dahin führen, daß Rechtswidrigkeiten, wie sie in dem Gumbinner Prozeß vorgekommen sind, vielleicht auf Jahre hinaus nicht auf Grund der Schriftstücke öffentlich erörtert werden könnten, wenn die letzteren in der öffentlichen Verhandlung der betr. Instanz nicht kund gegeben worden, wett sie, wie es hier der Fall war, für diese Verhandlung bedeutungslos waren.

§pulplmi der vttTinigten Frankfurter Ztadüheater,

Opernhaus.

Dienstag den 4. März, abends 7 Uhr:Die Afrttanerin." Schauspielhaus.

Dienstag den 4. März, abends 7 Uhr:Es lebe das Leben."

Neueste Ulewungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 3. März^ Eine von etwa 4000 Personen be­suchte Veteranen- Versammlung nahm Stellung zu der Frage des an Me Veteranen zu zahlenden Ehren- soldes. Reichstagsabg. Dr. Arendt ließ sich in aus­führlicher Rede über die Angelegenhett aus und betonte, daß der Staat unter allen Umständen die Verpflichtung habe, für diejenigen, welche die großen Siege haben mtterkämpfen helfen, ausreichend zu sorgen. Die geringste Summe, oie jeder Veteran zu erreichen bestrebt sein müsse, wäre ein Betrag von 600 Mark. Die jetzt gezahlten 120 Mark Lämen einer Armen-Unterstüftung gleich. Lieber sollten die städti­schen Behörden ihre Bürger angemessen unterstützen. Zum Schlüsse wurde eine Resolution an den Reichstag an­genommen, in der den Reichsbehörden dringend ans Herz gelegt wird, die Sache endlich zum Abschluß zu bringen.

Gleiwitz, 3. März. In Oderberg ereignete sich in der Petroleum-Rassinerie ein schwerer Un- glüttssall. Bei Versuchen mit Kohlensäure explodierte eüi mit Kohlensäure gestillter Behälter. Ein Schtasser wurde getötet, zwei Monteure schwer und der Direktor leicht verwundet.

Tilsit, 3. Mürz. Hier erregt die Verhaftung der gesellschaftlich gfeachteten und sich eines großen Rufes erfreuenden Naturärztin KlaraNibios großes Aus­sehen. Ihr wird fahrlässige T ö t u n g zur Last gelegt, da sie zwei an DiphtherttcS erkrankte Kinder angeblich falsch be­handelt hat und dadurch deren Tod herbeigeführr haben soll.

Loudon, 3. März. Eine wettere Verlustliste be- treffend das Gefecht bei Klerksdorp ist gestern erschienen. Sie enthält die Namen von noch fünf gefallenen Offi. zieren, 45 gefallenen Soldaten und zwei verwundeten Offizieren.

London, 3. März. Das Gerücht vom Tode Eecii Rhodes ist unbegründet. Rhodes ist zwar erkrankt doch ist sein Zustand nicht besorgniserregend.

Rom, 3. März. Aus Cassano werden Unruhen gemeldet. Das Rathaus wurde während einer feindlichen Kundgebung niedergebrannt, weil die Regierung es unterlassen hatte, eine Lokalbahn zu bauen.

Temesvar, 3. März. Gegen den Lippauer Personen- zug richtete eine Gruppe Bruckenauer Bewohner ein Stein- Bombardement, wodurch die Fenster mehrerer Waggons zertrümmert und eine Anzahl Passagiere verletzt wurden.

Washington, 3. März. Die Buren-Delegierten Wessels und Wolmarans sind in Begleitung des früheren amerikanischen Konsuls in Transvaal Montagu White eingetroffen. Sie äußerten gegenüber Berichterstat­tern, sie hätten gegenwärtig keinen enbgütigen Plan aus­gestellt.

Telephonischer Kursbericht,

3'/2% Reichsanleihe . . 102.05 3O/o do. ... 92.95 3V,% Konsole .... 101.95 3% do 92.60 372% Hessen .... 100.25 3% Hessen ..... 4% Oeaterr, Goldretne . . 102.90 41Oestorr, tiilberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.40 4°/j Italien. Rente , . . 100.80 4v2% Portugiesen . . . 42.30 5°/ Portugiesen. .... 28.10 1% C. Türken .... 28.20 Türkenloeo 115.00 4% Griech. Monopol.-Anl. 45.50 47z 56 äussere Argentiner.

Tendenz;

i-anklurt a. 81., 3. März.

L-Vo Mexikaner .... 26.70 I 47g /) Chinesen . . . 91.45

Electric, dohuckert . . , 122.50 Nordd. Lloyd . Kreditaktien , . . . . 219.70 Diskonto-Kommandit, . . 195.10 Darmstädter Bank . . . 138.50 Dresdener Bank .... 137.50 Beniner Handelsges. . . 153.00 Oestorr, dtaatebahn . . 145.50 Lombarden , , 17.50

Gottharabahn 169.30 Laurahütte ..... 200.00 Bochum 197.60 Harpener .....' 163.25

schwach.