Ausgabe 
3.2.1902 Drittes Blatt
 
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Ope.ratsonen fo flüchtig vorgenommen worden find, dajz der OP?-»

Die angeblichen Aeußerungen des Kaisers über das Duell.

In Sachen der angeblichen Aeußeru-ngew des Kaisers über die Tuellfrage ist jetzt dem Redakteur Paul Groll, der früher bei derPotsd. Ztg." thätig war, ferner dem Verleger des Blattes, Buchdruckereibesitzer Fritz Stein und dem stellvertretenden Vorstecher der Pots­damer Stadtverordnetenversammlung, Geh. RechuungsratJuliusSteinbachdie Anklage wegen Beleidigung der Leutnants im ersten Garderegiment 'z. F. v. Goßler (Sohn des Kriegsministerns) und v. Kessel (Sohn des kommandierenden Generals des Gardekorps) zu- gestellt worden. Dieselbe stützt sich nicht nur auf § 185 des Strafgesetzbuchs, wegen formeller Beleidigung der Offi­ziere, die darin gefunden wird, daß ihnen der Kaiser angeb­lich ihre Jugend in drastischer Weise vorgehalten haben sollte, sondern auch auf § 186 des Strafgesetzbuches, wegen Verbreitung nicht erweislich wahrer Thatsachen. Geh. Rechnungsrat Steinbach kommt als Verbreiter der Nachirichi nur insofern in Betracht, als. er sie am Biertisch erzählt Hat, während als Verfasser des inkriminierten Artikels der Verleger Stein in Anspruch genommen wird, und der Re­dakteur Groll damals für den Inhalt der Zeitung verant­wortlich zeichnete. Wie verlautet, sollen die An gab m des Artikels auf Verwechselung mit Vorgängen bei einem anderen Garderegiment beruhen. Neben dieser Anklage Hegen die drei vorgenannten Personen schwebt außerdem noch ein Verfahren vor dem Gericht des LaudwehrbezirksPotsdam gegen den früheren Chefredakteur und Mitbesitzer derPotsd. Ztg." Martin Berger, der Oberleutnant der Reserve ist nnd in dessen Abwesenheit von der Redaktion der qu. Ar­tikel vorn 9. Dezember v. I. erschien. Am Freitag wurden dieserhalb der Verleger Stein, der Redakteur Groll und die Expedienten Schulze und Wölffling vernommen.. Die lensationelle Affairc hat leider auch nach einer anderen Richtung hin einen traurigen Vorfall gezeitigt. Unter den Zeugen, die über die Steinbachschen Erzählungen am Bier­tisch gerichtlich vernommen wurden, befand sich auch der Mechanikus Töpfer, derselbe, welcher mit der Aufstellung der Instrumente der Pekinger Sternwarte betraut wurde. Dieser Herr wurde über die gerichtliche Vorladung derartig erregt, daß er jetzt schwer erkrankt darniederliegt. Au den Ausgang der sensationellen Angelegenheit ist man in den weitesten Kreisen gespannt.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Pretoria, 1. Febr. Bei einem Gefechte zwischen englischen Truppen und 50 Buren in der Nähe des Zusammenflusses des Wilge- und Leeum>pruit am 25. Jan. überschritten 100 Buren von Wessels Kommando den Wilge- fluß etwas weiter unterhalb dieser Stelle und stürmten auf die Nachhut der südafrikanischen leichten Reiter ein. 70 Buren, die zu D eWehs Kern truppen gehörten, griffen die Stellung der leichten Reiter augenscheinlich in der Absicht an, um sich des Pompongesa-utzes zu bemächtigen. Die leichten Reiter schossen mit Granaten auf den Feind, der sich darauf zurückzog. Dewet mit sechs Begleitern floh nach dem Hiclienbergoles-Fluß. Steijn steht mit 30 Mann zwischen Reitz und Bethlehem.

zueignen; 4) Bei der Einrichtung des juristischen Stu­diums und der ersten juristischen Prüfung wird Vorkehr­ung getroffen werden, daß die zu 3 bezeichneten Stu­dierenden sich über die dort gedachten Vortenntnisse aus­zuweisen haben. 1

Umversüäts Nachrichten.

Wie aus Zürich gemeldet wird, erhielt Frau Dr. Adeline Bjarnason-Ritter s.h aus, die auch in Gießen bekannte Tochter des verstorbenen Dichters Emil Rittershaus, die venia legendi für isländische Sprache und Litteratur an der dortigen Hochschule. Weiter schreibt man aus Zürich: Der Bundesrat hat den maitre de Conference an der Universität Lyon bocteur cs sciences Peter Weiß von Mülhausen (Elsaß) zum Pro­fessor der Physik am hiesigen eidgenössischen Polytechnikum ernannt. Als einen ihrer Meinung nach sehr ge­eigneten Vorschlag, das Deutschtum in den Ostmarken zu heben, empfiehlt dieDresd. Ztg." die Begründung einer Universität in Posen. Eine Bekanntmachung des preuß.Staatsanzeigers" über die Zulassung zum Recht s- ft u bi um lautet wie folgt: Die preuß. Minister ber Justiz unb des Unterrichts haben mit allerhöchster Er­mächtigung beschlossen, die Zulassung zum juristischen Stu­dium nach folgenden Grundsätzen anzuordnen: 1) Die geeignetste Anstalt zur Vorbildung für den juristischen Beruf ist das humanistische Gymnasium; 2) Zu dem Rechtsstudium werden außer den Studierenden, welche das Zengins der Reife von einem deutschen humanistischen Gymnasium besitzen, auch solche Studierende zugelassen, welche das Zeugnis der Reife von einem deutschen Realgymnasium oder von einer preußischen Ober r ealschule erworben haben; 3) Den Studieren­den der beiden letzteren Kategorien sowie denjenigen Real- abiturienten, deren Reifezeugnis im Lateinischen nicht mindestens das Prädikatgenügend" aufweist, bleibt es bei eigener Verantwortung überlassen, sich die für ein gründliche:' Verständnis der Quellen des römischen Rechts erforderlichen sprachlichen und fachl' 'n Vorkenntnisse an-

Vermischtes.

* Antwerpen, 1 .Febr. Der BallonBerso n", in dem heute der Hauptmann von dem Deutschen Luft- .chifferbataillon Bartsch von Sigsfield und Dr. Linke aus Berlin zu kurzem Aufstieg sich in Berlin erhoben hatten, wurde vom starken Wind weiter getrieben und er­reichte nach fünf Stunden Antwerpen. Kurz nach! dem lieb er febr eiten der Schelde hatte der Ballon einen sehr 'torten Gasverlust. Beide Luftschiff er suchten sich durch Ab- pringen auf den Wiesen am linken Scheldeufer zu ret^n. Ties gelang Linke, doch erlitt er mehrere leichte Quetsch­ungen. v. Sigsfeld blieb mit einem Fuß im Tauwerk hängen, schlug mit dem KopfaufdemBoden auf und kam ums Leben. Er wav vom Ballon noch etwa 50 Meter geschleift worden. .

*Kansascity,l. Febr. Aus Eaglepaß in ^exas wird gemeldet! in einem 85 englische Meilen südlich von dort gelegenen Bergwerk bei Eoahuila in Mexiko erfolgte eine Flugstaubexplosion, während 165 Arbeiter unter Tag waren. 7 5 Leichen sind bereits geborgen.

Unwettermeldungen liegen heute aus den ver­schiedensten Weltgegenden vor. In der Schweiz toben ebenso gewaltige Schneestürme wie in Jiap an. Fern im Süden liegt ein kaltes Spanien. In Ostende ist in­folge heftigen Sturmes die Dampferverbindung mit Eng­land unterbrochen. InParis herrscht eine so große Kalte, daß mehrere Personen halb erfroren auf der Straße auf- gefunden wurden. Schneeverwehungen werden aus Würt­temberg gemeldet und eine überaus heftige Bora aus Istrien. In Süddalm atien herrscht ein starker Siroceo.

ortanartiger Sturm, der Ziegel von beit Dächern, Fensterläden und Thore aus den Angeln hob und sogar Bäume entwurzelte. In den Waldungen hat er stellenweise nicht unbeträchtlichen Schaden angerichtet. Seit der ver­flossenen Nacht ist es wieder ruhiger geworden.

Bingerbrück, 1. Febr. Durch die Gendarmen^ wurde heute hier einer der beiden kroatischen Räu­ber verhaftet, die in der Nähe von Hofheim einen Buch­halter überfallen und ihm feine Barschaft in Höhe von 8000 Mk. geraubt hatten. Der andere der beiden Räuber irang aus einem Fenster des zweiten Stockwerkes auf die Straße und ergriff die Flucht. Von den Gen­darmen verfolgt, gab der Räuber fünf scharfe Schüsse ab, ohne jedoch einen seiner Verfolger zu treffen. Einer dieser letzteren stürzte bei der Verfolgung unb brach babei einen Arm. Der Flüchtling entkam.

Politische Tagesschau.

Ein Besuch Kaiser Wilhelms in Rußland.

Aus Lonbon wird von hochgeschätzter Seite ber hie­sigenDeutschen Korrespondenz" ein Privatbrief eines in Petersburg amtlich weilenben Diplomaten an einen Lonboner Freund zur Verfügung gestellt- Wir entnehmen diesen Zeilen folgende interessanten Stellen:

, Merkwürbigerweise ist es weder das hiesige Ministerium des Aeußeren, noch die hiesige deutsche Botschaft, woher die ersten Gerüchte über einen eventuellen B e s u ch des Kaisers Wilhelm in St. Petersburg an die weitere Oeffeutlichteit gelangen. Man scheint >n ber Sergiussttaße (Palais ber österreichischen Botschaft) davon zuerst erfahren zu haben und unmittelbar nach dem Be­such bes Botschafters Baron v- Aehrenthal beim Finanz- mrnister verbreitete sich dieses Gerücht- Ich konstatiere diese Thatsachen, ohne vorerst irgend welche Schlüsse ziehen zu wollen. Wie ich höre, soll dieser Besuch in der zweiten Hälfte des Juli erfolgen. Im Marineminister.um, wo gegenwärtig die Flaggoffiziere für die im Sommer bevorstehenden artilleristischen Geschwadermanöver nomi­niert werden, will man wissen, daß von höchster Stelle die Zukommandierung von zweiüberzähligen Admiralen" ungeordnet worden sei und auch dieser Umstand laßt darauf schließen, daß bei den bevorstehenden russischen Leemanövern ein Fürstenbesuch erwartet wird . .."

Staatssekretär Dr. Graf von Posadowskin Schon vor mehreren Jahren hat der Abg. Lenzmann hier eine Reihe von fallen ange­führt, in denen angeblich Personen zu Unrecht in Irrenanstalten überführt oder znrüclbehalten worden seien. Ich habe mich damals an den preußischen Kultusminister gewandt und es ist mir nutge- theilt worden, daß Herr Lenzmann m vielen fallen Mw) unter­richtet war. Ich will hier nur zwei Falle erwähnen, in denen in Wirtlichkeit von einer unrechtmäßigen Zurückbehaltung Nicht die Rede fein kann. In dem einen Falle tut eine Frau an Selbst­mordmanie ; der Mann hatte sie deshalb ins ^rrenhaus gebraut, nach seinem Tode wollte sie aber der Sohn aus nnanziellen Grün­den wieder herausholen. In dem Zweiten galle hatte ein Mann nach dem Tode seines Vaters seine Geschwister ohne reden Anlatz des Vatermordes beschuldigt. Schon b.cr Jahre vorher war von dem Vater die Aufnahme des Sohnes in eine Irrenanstalt bean­tragt worden. Jetzt erfolgte sie; der Kranke war lange ;>cit geistig schwer gestört; später, als er wieder zur Vernunft kam, machte er sich die bittersten Vorwürfe, daß er feine Geschwister dura) feine Angriffe geschädigt hatte. In beiden Fällen kann von einer unrechtmäßigen Ueverführung in die Irrenanstalt Nicht gesprochen werden. Daß Geisteskranke glauben, sie seien nur deshalb ms Irrenhaus gebracht, um unschädlich gemacht zu werden, kommt febr häufig vor; solche Behauptungen müßen mit großer Vorsicht aufgenommen werden. Als der Reichstag vor einigen Jahren die fetzt neu beantragte Resolution angenommen hatte, habe ich mich an die preußische Regierung gewandt und von ihr tue Ver­sicherung erhalten, es sollte Vorsorge getroffen werden, daß unrecht­mäßige Festhaltungen in den Irrenanstalten durch die Reglements unmöglich gemacht würden. Wenn das Haus die Resolution wie­derum annehmen sollte, so werde ich von Neuem mich mit der preußischen und den anderen Negierungen in Verbindung setzen, um zu sehen, wie jetzt die verbündeten Regierungen zu dieser Frage stehen. Mehr kann ich vorläufig nicht thun.

Abg. Antrick (Soz.): Jin vorigen Jahre habe ich hier eine Rede über die schrecklichen Zustände in den Berliner Krankenhäusern gehalten. Es haben darauf hin Revisionen stattgefunden, aber tote gewöhnlich, ergab sich hierbei, daß Alles in schönster Ordnung war. Das beweist aber nichts. Es steht zunächst fest, daß die Berliner Krankenhäuser überfüllt sind, daß also ihre Zahl vermehrt werden muß Ein Sachverständiger hat ausgerechnet, daß in Berlin allem ca. 1000 Betten Meu- Ist btf PMlliS »st es. zum Theck noch

Aus MM und Land.

(2)er Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist mitunter genauer Quellenangabe: ,,Gicß. Anz." gestattet.

Gießen, 3. Februar 1902.

** Schw erer Uns all. Bei einem am Samstag Nach - mittag ausgebrochenen Feuer in Klein linden würbe ein älterer Mann burch eine umstürzenbe Mauer schwer »erlegt unb in die hiesige Klinik gebracht.

o. Aus bem Nidderthale, 2. Febr. Vorgestern iunfr ganz befonbers gestern wütete hier ein furchtbarer,

Sudermanns neues Drama:Es lebe das a c b c u" würbe am 1 .b. M. im Deutschen Theater in Berlin nicht ohne Erfolg aufgeführt. Es spielt in hoch ariftokrotifchen Kreisen unter konservativen Fraktions-Ge­nossen. Infolge von Jntriguen bei einer Reichstagswahl wirb ein verjährter Ehebruch bem betrogenen Gatten zur Kenntnis gebracht. Die schuldige Frau, für bereu seelisch Reinheit ©übermann plädiert, giebt sich selbst den Lod, um ben Freunb dem Leben zu- erhalten. Manch Szenen find spannenb. Der litterarisch Wert des Dramas ist sehr gering.

Leipzig, 1. Febr. Der Komponist, Musikprofessor Iabas sohn, ist im Alter von 71 Jahren gestorben.

rateur, wenn die Sache bekannt geworden Ware, in die HSvdfe des Staatsanwalts gefallen wäre. In Berlin hat ein Arzt bet einer Hämorrhoiden-Operation dem Patienten die Harnrohre durchschnit­ten, sodaß der Betreffende dauernd nicht mehr richtig urtmren konnte. Eine ganze Reihe ähnlicher Mißgriffe sind mir bekannt Die Aerzte in den Kranlcnhäufcrn sollten so besoldet werden, daß sie lerne Privatpraxis mehr auszuüben brauchen; dcnin werden ste il)ren amt­lichen Pflichten treuer nachkommen. Auch in der nächsten Nahe von Berlin herrschen bezüglich der Sauberkeit u. s. to. in den Heilanstal­ten und Krankenhäusern die ärgsten Mißstände. In einer irrens anstatt, die von Potsdam aus reoidirt wird, und zwar ziemlich oft, wird Alles immer in bester Ordnung gefunden, das kommt aber daher, daß Die Anstalt immer telephonisch von Der am nächsten Tage bevorstehenden Revision benachrichtigt wird. Wie steht es dort aber in Wirklichkeit? In derselben Küche, in Der das Essen für Die kranken und Wärter zubereitet wird, wird auch Die Wasche ge­waschen von Kranken, die sich selbst verunreinigt Baben, 35 Kranke werden in demselben Wasser gebadet, die Strohsacke werden selbst dann nickst erneut, wenn Jemand darauf gestorben ist. Die schmutzige Wäsche, welche Rekonvaleszenten acht ^age getragen haben, kommt ins Hospital und wird dann von den Hospitaliten noch so lange getragen, bis sie ganz schwarz ist. (Hört, hört!) Jn manchen Stellen herrscht in der Anstalt em furchlbarer Gestank. Es ist das die Privatirrcncmstalt von Fränkel und Oliven in Lankwitz. __ Ein gutes Wärterpersonal ist in den wenigsten Anstalten vor­handen. Die Leute werden auch so schlecht bezahlt, selbst in Den königlichen Instituten, daß sich tüchtige Kräfte sehr selten melden. Nach meiner Rede im vorigen Jahr hat Der GeheimrMh Kirchner das Moabiter Krankenhaus nur in der Weise revidirt, daß er flrichtig hindurchgegangen ist, und daraufhin schrieb er an Oberbürgermeister Kirschner einen Brief, daß er Alles in bester Ordnung gefunden habe. Wie kommt ein Staatsbeamter dazu, statt seiner vorgesetzten Be­hörde Bericht zu erstatten, diesen Bericht an den Vertreter der Stadt, also an Den Inhaber des Krankenhauses selbst zu rieten?

Darauf vertagt das Haus die weitere BerathUNg auf Montag 1 Uhr; außerdem Justiz et at.

Schluß gegen 7 Uhr.

viel schlimmer. Es handelt sich hier im Wesentlichen nur um feine Geldfrage; die Kommunen wollen ober können die erforderlichen Mittel nicht aufwenden. Auch die Zahl der Wärter ist oft zu gering; und manche Wärter gehen so schroff mit den Patienten um, daß vwle Leute lieber sterben wollen, anstatt ins Krankenhaus zu gehen. Derartig liegen die Verhältnisse z. B. in Spremberg, ähnlich auch in Ncufließ und Kottvus. In Kottbus sind 16 000 Kranlenkasten- mitglieder, und das Krankenhaus enthält 46 BettenI (Hort, hort!) Kottbus ist im Landtag durch einen streng agrarischen ^unter ver­treten, dec so viel mit ber Noth ber Lanbwirthschaft zu thun hat, baß er für die armen Kranken keine Zeit mehr übrig behält.

s2lud) bei der reaktionären Stadtverordnetenversammlung finden Die Kottbuser Kraulen lein Gehör, da haben sie sich schließlich in ihrer Noth an mich gewandt. (Lachen rechts.) Wenn die Negie­rung eine Revision hat vornehmen lassen, dann ist sie mitverant­wortlich für diese Zu stände. Wie stellt sich dazu der neue Gesund- heiksrath? Im Berliner Elisabeth-Kindcr-Hospital, in dem sehr viel gebetet wird, sind Kinder an Gonorrhoe erkrankt. Wie ist bas möglich und too bleibt da die Aufsichtsbehörde In der SSramv scbweigifchen Landeszeitung, also einem nicht sozialdemokratttchen Blatt, ist aus einem Krankenhaus in Harzburg ein ganz unglaub­licher Fall erzählt: dort wurde ein Scharlachkranker 8 Tage nicht gewaschen! Ich wende mich nicht gegen Personen, sondern gegen das System; die ganze Frage ist eine Geldfrage. Auch aus einer Reihe Berliner Krankenhäuser habe ich Klagen bernommen. ^m Krankenhaus Bethanien, einem sonst ganz guten Krankenhaus, sind Mißstände, die sich nur aus übergroßer Sparsamkeit, aus Man­gel an Mitteln erklären. Die Wärter haben einen zu langen Dienst und sind daher Abends häufig unzuverlässig und unbrauch­bar. Außerdem haben sie eine so große Zahl von Kranken zu bedienen, daß sie ihre Pflicht vernachlässigen müssen. Ein Kranker mußte erst lange Zeit schreien, um das Steckbecken zu bekommen. Schließlich steckte es ihm der Wärter unter und ließ es zwei bis Drei StunDen Da. Die Wärter hoben eben keine Zeit. Das ist Berlin, too noch Die besten Krankenhäuser sind; in den Kranken­häusern der Provinz ist es noch schlimmer. Ein großer Uebelstand ist, daß dort die Aerzte vielfach noch große Privatpraxis haben und deshalb die Visiten im Krankenhause möglichst kurz abmachen. Bei dieser Art Der Behandlung sind die Menschenleben aufs schwerste gefährdet. Es sollen Fälle vorgekommen fern, in Denen

Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Mannheim, 1. Febr. Die Unterbilanz bet in Zahlungsstockungen geratenen Malzfabrik Geb rüber Hirfchler in Frankenthal beträgt 100 000 Mark-

Getreide.

Die Stimmung war während der ganzen Woche ziemlich ruhig und die Umsätze bewegten sich in engen Grenzen. Die ameri­kanischen Forderungen sind heute ca. 1 Mk. billiger gegenüber der Vorwoche; Rußland behauptete seine Preise, Argentinien offeriert nur hochfeine Bahia Bianca Weizen zu vorläufig unrentablen Preisen; dagegen sind Rosario-Scmtafe Weizen nicht angeboten. Roggen unverändert. Gerste ebenfalls ohne Veränderung. Hafer fest. Mais ruhiger. Die heutigen Notirungen sind: Red­winter 2 Mk. 138. Kansas 2 Mk. 137. Südruss. Weizen Mk. 130 bis 141. Laplata Weizen Mk. 139141. Rufs. Roggen Mk. 107. Russische Futtergerstc Mk. 102. Russischer Hafer Ätk. 127143. Donau Mais Mk. 103. Laplata Mais rye terms Mk. 104. per Tonne cif Rotterdam.

Tabak.

Im Laufe der Berichtswoche wurden in Heitoheim ca. 2500 Zentner Tabak in der Preislage von 2224 Mk. verkauft. Bellheim fit bis auf ca. 200 Zentner ausverkauft. Im übrigen liegt das Geschäft sehr ruhig, und sind sehr wenig Abschläge zu Stande gekommen. Es wurden in Landau von Spekulanten an Händler einige Hundert Zentner rheinbayerische Sandblätter per Juli zu Ende 20 Mk. verknust. In alten Tabaken sind uns Umsätze nicht bekannt geworden. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 8,50 bis 9 Mk., gebändelte feine 11 bis 11,50 Aik.

Biehmartt.

Im Lause der Berichtswoche waren die Märkte fast durch­schnittlich nur mittelmäßig frequentiert, auch die Umsätze waren im Verhältnis zu den Vorwochen geringere. Prima Großvieh wurde rasch abgesetzt, während mittlere Qualitäten nur sehr ge­ringe Beachtung fanden. Kalber waren lebhafter gehandelt, ebenso fette Schweine, während Läufer und Milchschweine etwas ver­nachlässigt waren.

Kraftsiittermittel.

Der Verkehr in Futtermitteln war ein regelmäßiger. Erd­nußtuchen in greifbarer Ware sind wenig offeriert und etwas knapper, Dagegen ist Sommer- und Herbsllieferung von Marseille wieder angeboten. In Baumwollsaatkuchen und -Mehl bleiben die Umsätze beschränkt; Der Verbrauch in den Vereinigten Staaten ist infolge der kleinen Maisernte ein recht bedeutender, so daß die Wählen Drüben verhältnismäßig höhere Preise erzielen als in Eu­ropa. Kokos- Palmkern- unb Leinkuchen konnten sich voll im Preise behaupten, ebenso sind Malzkeime unb Biertreber nur zu erhöhten Preisen käuflich; Dasselbe gilt von grober Weizenkleie.